piwik no script img

Lehren aus der Wahl in Sachsen-Anhalt Gut gelaunter Rechtsextremismus

Die AfD kann in Sachsen-Anhalt wohl regieren – und die Parteien der Mitte halten sich erstmal die Ohren zu. Sechs Lehren aus der Landtagswahl.

A lles spricht dafür, dass zum ersten Mal seit 1945 wieder eine rechtsextreme Partei in Deutschland regieren wird. Ulrich Siegmund könnte am 6. Oktober zum Ministerpräsidenten gewählt werden. Im neuen Magdeburger Landtag reicht ihm im dritten Wahlgang eine einfache Mehrheit, um Ministerpräsident zu werden. Das BSW hat angekündigt, sich zu enthalten. Siegmund braucht nur eine Enthaltung bei der CDU, oder eine geheime Ja-Stimme.

Nichts spricht dafür, dass sich die AfD an der Macht mäßigen wird. Im Gegenteil: Je näher der Erfolg rückte, desto radikaler und vulgärer trat sie auf. Sie pfeift auf Menschenrechte. Man muss befürchten, dass es nicht bei Rhetorik bleibt. Eine AfD-geführte Regierung könnte auch ohne Mehrheit im Landtag vielen das Leben zur Hölle machen. Sie kann Schulbücher zensieren und Polizisten befehlen, sie kann den Geheimdienst und Staatsanwälte anweisen. Mit dem 6. September ist der Ernstfall für die deutsche Demokratie eingetreten.

Umso verblüffender klangen die routinierten Reaktionen. Kanzleramtschefin Nina Warken will den „Reformkurs, den wir da angefangen haben, jetzt fortsetzen“. SPD-Chefin Bärbel Bas findet: „Zuerst mal muss man sagen: Wir haben unser Ergebnis gehalten“. Felix Banaszak freut sich über das tolle Grünen-Ergebnis.

Man möchte sie schütteln. Hallo, ist noch jemand zuhause? Die Katastrophe ist da, und den Vertretern der Mitte fallen nur die üblichen Worthülsen ein. Dabei hätte man vorbereitet sein können.

Was folgt aus diesem historischen Wahlabend? Dazu sechs Thesen.

1. Das Parteiensystem der Bundesrepublik zerfällt

Es bildet sich, in Ostdeutschland zuerst, ein neues Parteiensystem. Es besteht aus zwei Blöcken. Hier die AfD, die eine illiberale Demokratie à la Orbán anstrebt, auf der anderen Seite die demokratischen Parteien, von Linkspartei bis CDU, in der nur eine Minderheit eine Kooperation mit den Rechtsextremen will. Ein Konservativer wie Sven Schulze hat mit der Linken Eva von Angern politisch viel mehr gemeinsam als mit sinistren Kulturrevolutionären wie dem AfD-Vordenker Hans-Thomas Tillschneider.

Diese neue Frontlinie ist keine reine Notgemeinschaft, sondern inhaltlich begründet. Das ist der Unterschied zur Brandmauer. Westdeutsche, die nur eine von CDU oder SPD geführte Regierung mit ordentlichen Mehrheiten normal finden, halten den sächsischen Konsultationsmechanismus für eine Krücke. Aber diese bundesdeutsche Normalität endet gerade. Der Osten ist, was das Parteiensystem angeht, die Zukunft des Westens. Wenn am nächsten Sonntag ein Bundestag gewählt werden würde, müssten sich schon drei Parteien gegen die AfD verbünden.

In Magdeburg zeichnet sich nun eine verwirrende Lage ab: ein Patt zwischen AfD und dem Demokratieblock (mit unsicheren Kantonisten aus der CDU). Das BSW irrlichtert dazwischen. Es ist die größte Überraschung des Wahlabends. Sahra Wagenknecht hat mal wieder Instinkt bewiesen. Sie weiß, dass es über die AfD hinaus ausreichend Wähler gibt, die ihr Ziel teilen: Alles soll anders werden.

Es ist noch nichts entschieden, aber wahrscheinlich wird das BSW zum Steigbügelhalter für die Rechtsextremen. Eigentlich war es mal gegründet worden, um der AfD Stimmen abzunehmen. Solche Moves sind typisch für das neue Parteiensystem. Italiener können da nur müde lächeln.

2. Rechte haben bessere Laune

Lange dachte man, eine hohe Wahlbeteiligung sei gut für die Demokratie. Heute kann man sich da nicht mehr so sicher sein. Die AfD hat so viele Nichtwähler mobilisiert wie nie. Nicht die AfD ist ausmobilisiert, wie man lange hoffte. Die Demokraten sind es.

Warum? Eine Antwort ist: AfD wählen macht gute Laune. Bis vor Kurzem konnte man viele ihrer Wähler noch als Jammerlappen bezeichnen, die sich abgehängt und benachteiligt fühlten.

Nun aber hat die schlechte Laune die Seiten gewechselt. Es sind die Parteien der Mitte, die sagen, was alles nicht geht. Die Rechtsextremen dagegen laden zum Selfie ein, strahlen und schreiben auf ihre Plakate: Alles wird gut.

3. Ulrich Siegmund hat mit einem Gefühl gewonnen

Der Erfolg von Ulrich Siegmund erinnert an den Sieg von Zohran Mamdani in New York. Beide haben als lächelnde Außenseiter gewonnen. Beide sind jung, Mitte 30, und zukunftsfroh. Die Person überstrahlt – im wörtlichen Sinne – alles. Beide haben sich offensiv, aber fröhlich, mit dem politischen Establishment angelegt. Mamdani mit umsetzbaren Gleichheitsideen, um das Leben erschwinglich zu machen, Siegmund mit süß-giftigen Versprechen: Deutsche Pflegekräfte kehren aus der Schweiz zurück ins liebliche AfD-Land, weil es in Bitterfeld so schön ist.

Inhaltlich unterscheidet den weltoffenen demokratischen Sozialisten von dem rechtsextremen Posterboy alles. Aber beide haben mit Social Media, Optimismus und einem Gefühl mobilisiert: Auf dich kommt es an. Beide haben vermittelt, dass Stolz zählt. Mamdani mit der Weigerung, sich dafür zu entschuldigen, Muslim und Sozialist zu sein. Siegmunds Performance in Sachsen-Anhalt zielte auf den Stolz der Ostwähler. Das ist etwas mehr als die Binse, dass man Wahlen mit Personalisierung gewinnt. Es ist ein politisches Modell, das in den Parteizentralen der Ex-Volksparteien ratlos bestaunt wird.

4. Jetzt bitte keinen westdeutschen Kulturkampf

Ein Finanzminister in Schwaben will einer möglichen AfD-Regierung in Magdeburg am liebsten das Geld streichen. Und mancher Wessi schimpft jetzt auf den Osten. Dem westdeutschen Bürgertum scheint, jedenfalls wenn man dem Spiegel und der FAZ folgt, wirklich der Geduldsfaden zu reißen. Wir zahlen den Soli – und dann wählen die Faschisten? Die Debatte wirkt wie eine Zeitreise in die 90er Jahre. Der erziehungsberechtigte Westen droht dem verstockten Ost-Kind mit Entzug des Taschengelds.

Kein Geld für Rechtsextreme, das klingt erst mal verständlich, ist aber toxisch. Es ist nur das Echo der AfD-Strategie, die von Spaltungen lebt: Deutsche gegen Migranten, Ost gegen West. Falls ein AfD-Ministerpräsident gegen die Verfassung verstößt, kann Berlin per Bundeszwang nach Artikel 37 des Grundgesetzes dem Land den Geldhahn zudrehen. Darüber wird man reden, wenn es der Fall ist. Nicht jetzt. Und nüchtern, ohne westliche Bestrafungsphantasien.

5. Dieses Ergebnis ist ein Schock, aber keine Überraschung

Dieses Wahlergebnis ist ein Schock, es ist niederschmetternd, nicht nur für DemokratInnen in Sachsen-Anhalt. Aber überraschend ist es nicht.

Seit Jahren haben die Parteien der Mitte keinen Weg gefunden, die AfD aufzuhalten. Sie wächst und wächst. Friedrich Merz wollte die AfD halbieren, jetzt hat er geholfen, die CDU in Sachsen-Anhalt zu halbieren. Die Niederlage der Union ist auch Ausdruck der dampfenden Enttäuschung über die Bundesregierung. Wenn Schwarz-Rot bei seinem Kurs – Sozialkürzungen und Aufrüstung – bleibt, wird Sachsen-Anhalt nicht der letzte Wahlsieg der AfD bleiben. Höchste Zeit, dass sich die demokratischen Parteien etwas anderes überlegen.

6. Es braucht eine demokratische Alternative

Seit Jahren dreht sich die Debatte um die AfD. Spricht man mit Engagierten aus der ostdeutschen Zivilgesellschaft, heißt es oft genervt: Ich will mal über meine Themen reden, und nicht immer nur darüber – nützt oder schadet das den Rechtsextremen?

Alle gegen die AfD – das war nicht erfolgreich. Auf diesem Feld kann man nur verlieren, weil die AfD immer Aufmerksamkeit gewinnt. Es muss darum gehen, die Konfliktlinie zu verschieben. Vor nicht allzu langer Zeit gab es einen SPD-Politiker, der mit einer Umverteilungsforderung (Mindestlohn) und einem Gefühl (Respekt) ins Kanzleramt kam. Erinnert sich jemand?

Auch der aktuelle Wahlkampf in Berlin ist auf den Konflikt um Mieten und Vergesellschaftung zugespitzt, auf eine Macht- und Verteilungsfrage. Bei dieser Debatte macht die AfD keinen Stich. Im richtigen Moment Verteilungsthemen nach vorn zu rücken, ist viel effektiver als jede Brandmauer.

Nach dem Erfolg der AfD bei den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt bangen viele Menschen um die Zukunft, es droht die erste AfD-Regierung. Das wäre eine (weitere) Zäsur für Deutschland. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Kersten Augustin

Kersten Augustin Ressortleiter Inland

Kersten Augustin leitet das innenpolitische Ressort der taz. Geboren 1988 in Hamburg. Er studierte in Berlin, Jerusalem und Ramallah und wurde an der Deutschen Journalistenschule (DJS) in München ausgebildet. Er war stellvertretender Ressortleiter der neu gegründeten wochentaz und leitete das Politikteam der Wochenzeitung. In der wochentaz schreibt er die Kolumne „Materie“. Seine Recherchen wurden mit dem Otto-Brenner-Preis, dem Langem Atem und dem Wächterpreis der Tagespresse ausgezeichnet.
Stefan Reinecke

Stefan Reinecke Korrespondent Parlamentsbüro

Stefan Reinecke arbeitet im Parlamentsbüro der taz mit den Schwerpunkten SPD und Linkspartei.
Mehr zum Thema
Fotomontage eines wochentaz-Titels und dem Buchcover „Autoritäre Rebellion“ von Andreas Speit

10 Wochen taz + Sachbuch „Autoritäre Rebellion“

Zeiten wie diese brauchen Seiten wie diese: unabhängig, konzernfrei und mit klarer Kante gegen Faschismus, Rassismus und Rechtsruck. Teste jetzt die taz und erhalte das neue Buch „Autoritäre Rebellion“ von Rechtsextremismus-Experten Andreas Speit als Prämie.

  • Das neue Buch „Autoritäre Rebellion“ von Andreas Speit als Prämie
  • Die wochentaz jeden Samstag frei Haus + digital in der App
  • Die tägliche taz von Mo-Fr digital in der App
  • Zusammen für nur 28 Euro

10 Wochen taz + Buch „Autoritäre Rebellion“

Jetzt bestellen

87 Kommentare

 / 
  • Black & White

    Mit immer mehr linker Politik (Umverteilung) wird man konservative / rechte Wähler nicht überzeugen können. Zumal man nicht auf die Ausgrenzung (Brandmauert) und Respektlosigkeiten gegenüber diesen Wählerschichten verzichten möchte.

    Die Union hat mit der SPD vieles verbockt, ich frage mich aber, warum der Anteil der Grünen und der Linken hier nicht thematisiert wird. Auch hier wäre Selbstkritik hilfreich.

  • Hans - Friedrich Bär

    "Taktisch" kann man auch ganz anders verstehen:



    Haseloff ist Monate vor der Wahl zurückgetreten um Schulze nach vorn zu bringen.



    Dreyer ist Monate vor der Wahl (off. aus Gesundheitsgründen) zurückgetreten um Schweitzer nach vorn zu bringen.

    Hat beide Mal dazu geführt, dass es



    1) nicht geklappt



    2) die AfD ihr Ergebnis verdoppelt hat.

    Beide Parteien hatten sich daran gewöhnt, aber nicht verstanden warum sie gewählt worden waren (Persönlichkeiten, die gegen die Interessen der Wähler gerichtete, mäßige Programme zudeckten) .

    Obwohl es sich in beiden Fällen um erfahrenste Politiker handelte, die den taktischen Fehler verursacht haben suchen sie den Fehler, bei denen, die von ihrem Fehler profitiert haben, das war in RLP nur scheinbar die Union.

    Das ist gedankliche Bequemlichkeit = nicht verstehen der Lage anderer , 1) der Wähler und 2) der politischen Konkurrenz.

    Deswegen sind die Wahlen so ausgegangen. Das ist auch der Sinn von Wahlen. Dass die, die die Wähler nicht berücksichtigen abgewählt werden.

  • R. Mc'Novgorod

    Nachdem dieses Land nun seit der Wende immer weiter zentralisiert und kulturell, politisch und medial voll auf Berlin ausgerichtet wurde, fallen jetzt auf einmal Scharen von Journalist/innen in all diesen vergessenen Orten und Regionen ein. Das war bei der NRW- Wahl in Gelsenkirchen ( wird das die erste westdeutsche Stadt mit Afd- Mehrheit "? ) genau das Gleiche.

    Seit 2 Monaten gibt es gefühlt kein anderes Thema mehr in den Medien, als diese Wahl in Sachen Anhalt. Anscheinend müssen die Leute erstmal Afd wählen bevor ihnen medial Aufmerksamkeit geschenkt wird.

    Das hat auch nicht nur was mit dem Osten zu tun. Ich erinnere mich an ein Land und eine Zeit, wo Städte wie Mainz, Saarbrücken, Oldenburg, Potsdam, Erfurt usw in den Köpfen der Menschen in Deutschland präsent waren.

    Einerseits- andererseits hat das gesamte Bundesland Sachsen-Anhalt ein bisschen mehr Einwohner als die Stadt Hamburg und selbst wenn der ganze Osten kippt, würde die Afd bundesweit nicht die Macht erlangen.

    Die Afd- Medienblase ist so prall gefüllt und die Dauerpräsenz dieser Partei führt zu ihrem Erfolg.



    Vor zwei Jahren haben die größten Proteste in der Bundesrepublik stattgefunden- gegen Rechts.

  • ttronics

    Einen Schock? Sehe ich nicht so, Umfrage um Umfrage war das schon langr zu erwarten. Die aktuelle Regierung überzeugt mit den bitteren Reformen und in der Kommunikation nicht und hat zu viele Themen am Hals auf die Sie kaum Einfluss hat.

    Die Afd könnte sich bisher darauf verlassen, dass sich CDU und SPD schon regelmässig selber zerlegen, aber vielleicht wird das ganz anders, wenn die Afd tatsächlich auch selber liefern muss? Sigismund scheint schon klar zu sein, dass er eine deutliche absolute Mehrheit braucht...

    Ich fürchte, dass es bei allen Parteien auchvon charismatischen Kandidaten abhängt, die ja heute nicht so einfach in der Politik landen.

    Noch bremst die Afd Doppelspitze den Erfolg im Bund aber was wenn???

  • MarsiFuckinMoto

    "Lange dachte man, eine hohe Wahlbeteiligung sei gut für die Demokratie."

    Und JETZT ist eine hohe Wahlbeteiligung SCHLECHT für die Demokratie?! Weil die Menschen mehrheitlich die „falsche“ Partei gewählt haben? Ist das nicht ein bisschen billig? Ich finde das Ergebnis auch erschreckend, aber in einer freien Wahl mit einer deutlich gestiegenen Wahlbeteiligung ist nun mal genau DAS Ergebnis rausgekommen. Was daran „undemokratisch“ sein soll, erschließt sich mir nicht ganz...

  • Auweiowei

    Dem "Ausdruck der dampfenden Enttäuschung über die Bundesregierung" haftet für meine Nase (etwas unbewusst?) Schweiß an, auch Spuren von Blut und Boden - aber geschenkt (ad 5.).



    Ob "westliche Bestrafungsphantasien" den östlichen vor- oder nachstehen -



    da würde ich lieber noch kein endgültiges Urteil abgeben (ad 4.).

    Ob aber (B)SW "mal wieder Instinkt bewiesen" hat, indem es/sie mal wieder "irrlichtert dazwischen" (wo und wie genau...?), bleibe dahingestellt (ad 1.).

    Zur guten-Laune-Show der AfD insgesamt fällt mir eigentlich nur noch ein Lied aus uralten Zeiten ein (nein, nicht das von Heinrich Heine, sondern ein Gassenhauer, der einst in aller Munde war):



    'Was kann der Siegismund dafür, dass er so schön ist...?' - Aber warte nur, bald(e) ist auch der alt.

  • Land of plenty

    Interessante Auflistung. Gut.



    Nein, kein westdeutscher Kulturkampf.



    sondern die Selbstherrliche Liebe zum Eigenvolk mit gleichzeitiger Verachtung Anderer und dem Entwertungsbedürfnis gegen die "äußeren Feinde" kann überall anstecken und sich ausdehnen.



    Emotionale Wellen die nur föhnen ohne Politik real zu ändern, werden als lächerlich-peinlich abgelehnt und dann wird das Original gewählt.



    Wie sieht's aus mit der umverteilenden Abkehr vom Neoliberalismus? Ende der Herrschaft der Eigentümer?



    Solidarität und Sozialisieren jetzt.



    Dabei ist viel emotionale Teilnahme gefragt.



    Liebe deine sudanesischen Nachbarn wie dich selbst.

  • Wunderwelt

    Es gibt sicher viele Faktoren, die zu der Misere in SA beigetragen haben. Ein besonders gewichtiger ist dabei die Tatsache, daß eine echte Wiedervereinigung in großen Teilen bislang noch nicht stattgefunden hat.







    Der Erfolg der NSDAP ging zu einem wesentlichen Teil darauf zurück, daß sich die Menschen von den damaligen Siegermächten gedemütigt und ungerecht behandelt gefühlt haben. Ohne dieses "Unzufriedenheitspotenzial" hätten Hitler und seine Schergen keinen Erfolg gehabt.







    Und ein ähnliches "Unzufrienheitspotenzial" gibt es offensichtlich bis heute bei vielen Ostdeutschen Wählern.







    Weswegen Sätze (Merz) wie: "in Ostdeutschland muß man die Dinge halt etwas länger erklären" nur als Brandbeschleuniger wirken.







    Was es jetzt u.a. braucht, sind neue landesweite Gesprächsformate in denen sich (auch) die einfachen Menschen vor großem Publikum zu ihren Sichtweisen und jeweiligen Besonderheiten austauschen.



    Nur ein Beispiel: Westdeutschland war zeitweise sowas wie der Reiseweltmeister..Ostdeutschland dagegen von der Welt abgeschottet..was ganz sicher ein anderes Bild im Umgang mit (fremden) Zuzüglern schafft.

    ..und über solche u.v.a Themen muß man:







    -> reden, reden, reden..!!

  • guerilla grobi

    Komisch das zu sagen, aber ich glaube ernsthaft, dass es sich jetzt lohnt den "sexy socialist summer" in den USA anzuschauen. Glaube Mensch kann sich Strategien der DSA anschauen, um auf die AfD zu reagieren. Die emotionalen Ansprachen der AfD haben ja nichtsdestotrotz eine Ursache.

    • Axotono

      @guerilla grobi:

      Das Problem ist nur: die Zielgruppen der Sozialisten sind in den USA klar definiert, Studenten, Migranten, prekäre ArbeiterInnen, Queers. In der deutschen Provinz sieht das ganz anders aus, da ist die Rebellion autoritär.

  • Karl Heinz

    Punkt 6, eine „Demokratische Alternative für Deutschland“ wäre doch einen Versuch wert. Offenbar haben sich einige Parteien und ihre Politik überholt oder sind zumindest nicht mehr in der Lage, ideologiefreie Antworten auf aktuelle Fragen zu finden.

    • Gerhard Krause

      @Karl Heinz:

      Wo gibt es denn keine "Ideologie"? Ich meine das nur allgemein nach Lebenserfahrung, nicht persönlich, denn der Vorwurf von "Ideologie" ist doch genauso idiotisch und entmündigend, wie das Wort "vernünftig" oder "gesunder Menschenverstand". Das Wort, das Sie nun händeringend suchen, lautet: "angemessen", sowie dessen Gegenteil.

      • Deep South

        @Gerhard Krause:

        Das wird hier seit einiger Zeit gern behauptet, ist aber an der allgemeinen Definition vorbei. Ideologie und politische Grundausrichtung sind an sich zwei verschiedene paar Schuhe. Eine demokratische Ausrichtung und ein liberales/soziales/konservatives Profil, mit dem man zu pragmatischer Zusammenarbeit mit anderen Parteien bereits ist, macht noch noch lange keine Ideologie. Von Ideologie spricht man meist dann, wenn die Grundhaltung zum abgeschlossenen Weltbild wird und einer politischen Kompromissbildung im Weg steht.

        "Der Begriff steht für sogenannte Weltanschauungen, die vorgeben, für alle gesellschaftlichen Probleme die richtige Lösung zu haben. Menschen, die solche weltanschaulichen Ideen oftmals starr und einseitig vertreten, nennt man „Ideologen“."

        (bpb)

        "Eine Ideologie ist eine umfassende Weltanschauung oder ein Deutungsmuster, das gesellschaftliche Rahmenbedingungen in einer bestimmten, interessegeleiteten und damit einseitigen, bis hin zu einer verzerrten Art und Weise auffasst"

        (wipikipedia)

  • Dietmar Rauter

    Es gibt so viele Probleme, die 'die Parteien der Mitte' ratlos machen: Wie kann ein Rentensystem funktionieren, bei dem die jungen Menschen letztlich auch noch sicher sein Können, davon zu profitieren ? Oder wer soll die zu vielen Fahrzeuge denn noch kaufen, wenn wir jetzt schon feststellen, eigentlich zu wenig Platz in den Ballungsräumen zu haben und auch das Geld fehlt, Straßen und Brücken instand zu halten ? Am gravierendsten ist jedoch der Umgang mit der Klimakrise: Im Prinzip weiß inzwischen jede/r , dass es teuer wird: Umstellung auf neues Heizen: Fernwärme, Gas wird teurer oder muss ersetzt werden, Stromleitungen verstärkt werden für Wärmepumpen oder Geothermie. Nicht jede/r kann sich das leisten und alle müssen an einem Strang ziehen. Wer da herumeiert oder die Lage verharmlost, wird unglaubwürdig. Da vergessen viele WählerInnen, dass diese Probleme auch mit einer AfD-Regierung nicht gelöst werden. Wir sollten zusammenhalten ! Brauchen wir neue Parteien, in denen sich aufrechte Menschen aus allen Teilen der Bevölkerung treffen ?

  • Thomas Zwarkat

    Im Rückblick kann man nur sagen die Brandmauer von den Grünen und der SPD ständig gefordert, hat erst die AFD zu dem gemacht was wir jetzt erleben! Jeder der gegen die Brandmauer war , war per Definition ein Nazi! Jetzt haben wir das Problem. Meine These hätte es die Brandmauer nicht gegeben wäre die AFD schon lange als Juniorpartner in einer Landesregierung hätte dort versagt und wäre gar nicht mehr so gross geworden: Sie BSW etc. jetzt müsste ein andere Partei als Junior Partner fungieren und das kann nicht mehr funktionieren. Am Ende hat die Demokratie verloren aber die SPD konnte sich noch ein paar Jahre vorm Untergang retten! Indem sie der CDU/CSu alle Alternativen nahm........

    • Ingo Bernable

      @Thomas Zwarkat:

      "Jeder der gegen die Brandmauer war, war per Definition ein Nazi!"



      Das würde ich für ein Strohmann-Argument halten. Zumal der Vorwurf an jemanden Nazi zu sein natürlich immer und in jedem Fall nur böswillige und überzogene Polemik sein kann, niemals aber bloße Beschreibung einer Tatsache.

      Und die von so vielen vertretene Gewissheit, dass die AfD einmal an der Regierung zwingend versagen und sich selbst entzaubern müsste, könnte sich durchaus in eine längere Liste anderer Gewissheiten einreihen, wie der, dass das ja alles nur Protestwähler wären die sich bei der nächsten Wahl schon wieder einkriegen, dass das Wählerpotential allerspätestens 20% definitiv erschöpft sei, dass die ihre Positionen allein aus machttaktischen Gründen schon mäßigen würden, ...



      Trump wurde trotz Sturm auf das Kapitol, einem laufenden Sexualstrafverfahren und offensichtlicher, eklatanter Inkompetenz wiedergewählt. Orban hielt sich trotz öffentlich bekannter, grassierender Korruption 16 Jahre an der Macht, Melone hat gerade mit ihrer Amtszeit einen Rekord aufgestellt, ...

    • V. Ohneland

      @Thomas Zwarkat:

      Gegen Ansinnen wie "Deutschland raus aus der EU", "Deutschland wieder Freund mit Putin (während der fröhlich seine Nachbarn angreift)" und, ja doch, "Deutschland den Deutschen" ist die Verweigerung, wenn nicht gar der Widerstand die einzig richtige Option.



      Was die AfD ernsthaft fordert grenzt für mich weiterhin an Landesverrat. Da gibt es eine Menge Glücksritter in der Partei, angelockt von Fame, Clout, Money, und viele die vermutlich ernsthaft an die magischen Fähigkeiten Deutschlands solo glauben. So oder so ginge die Republik an den Plänen der AfD zugrunde.



      Mir egal wie Sie das nennen. Wenn wir diesen Schwachsinn umsetzen ist dieses Land vorbei.

  • dtx

    Wenn die AfD also jetzt auf die Suche nach Wegen geht, wie sich die "Kollegenschaft" im neuen Parlament korrumpieren, also das Wahlergebnis mittels "persönlicher Entscheidungen" über die Parteizugehörigkeit "korrigieren" lasse, muß man sich die Integrität der aufgestellten Kandidaten noch genauer anschauen. Schon aus Respekt vor dem Willen von Wählern, die das Kreuz bei einer anderen Partei gemacht haben, als die, der der eine oder andere Listenplatzinhaber später womöglich mal angehört.

    Nur so als Gedankenanstoß infolge von Herrn Siegmund Einlassungen. Den Träumereien von einem "überparteilichen Kandidaten" fürs Ministerpräsidentenamt, die zu Beginn nur als Feigenblatt daherkamen, jetzt umso mehr, als es auf diesen Herrn zuläuft, obwohl der allenfalls von zwei der fünf ins Parlament eingezogenen Parteien "getragen" wird www.msn.com/de-de/...anhalt/ar-AA2bINU5 zeugen davon, welchen Grad an Naivität das BSW bei der Zielgruppe voraussetzt. Die, die die nicht hatten, wählten gleich das Original. Die Überraschung des Abends ist, daß dieses Potential für den Einzug reichte.

  • Spiritus

    Erst ordentlich aufrüsten um D zukunftssicher zu machen und dann die Nazis wählen - das kriegen nur wir hier in D so gut hin...

  • Plewka Jürgen

    Der Kommentar verharrt weitgehend in der Kritik der Regierungsparteien/ demokratischen Parteien. Im Spiegel gab es gestern eine interessante Diskussion zweier Ost-West Experten. Vorschlag/Forderung Nummer 1: Es braucht ein großes gemeinsames Projekt der Regierungsparteien, das den Menschen in Deutschland zeigt, dass es eine positive Zukunft geben kann. Finde ich vollkommen richtig, auch wenn eine Konkretion fehlte. Denkbar für mich wäre nur das Thema Energieversorgung/ Klima ... die Vision einer Zukunft, die uns wirtschaftlich/technologisch (Speichertechnologie/Erneuerbare Energien/Elektromobilität) wieder stabilisieren und die Bedrohung durch den Klimawandel reduzieren könnte. 2. Es bräuchte gemeinsame Erfahrungsräume ... im Gespräch gedacht als Räume für Ossis + Wessis, ausgeweitet aber als Erfahrungsräume für all die gespaltenen Gruppen in der deutschen Gesellschaft, die nicht mehr oder "falsch" miteinander reden. Was so ein Erfahrungsraum sein könnte? Auch wenn es mir nicht passt - die Bundeswehr nach einer Wiedereinführung der Wehrpflicht! Dort würden sich Ost und West, Arm und Reich, Biodeutsche und Deutsche mit Migrationshintergrund, Männer und Frauen begegenen.

    • dtx

      @Plewka Jürgen:

      Alles Dinge, die das Klientel der AfD nicht umtreiben. Das kannst nicht umstimmen. Selbst wenn die Figuren, die sie sich auf den Wahlzettel setzen lassen, grad aus dem Strafvollzug entwichen wären.

      • dtx

        @dtx:

        Als Beispiel dazu Hendrik Wüst bei "mißverstehen Sie mich richtig":

        www.msn.com/de-de/...fahren/ar-AA2bMdEQ

        Zitat: Dort war auch er im Sachsen-Anhalt-Wahlkampf unterwegs. Im AfD-Klientel dort seien ihm weniger Sorgen vor Sozialreformen und vielmehr Klagen über deutsches Geld für „fremde Kriege und Radwege in Peru“ begegnet. Das zeige ihm, wie „erfolgreich die AfD war, ihre Gedanken in die Köpfe der Menschen zu pflanzen“. (Zitat Ende)

        Die Probleme, die die AfD-Fanboys eigentlich mit der aktuellen Regierung haben müßten, dürfte man das vorgestern (Zitat Söder) überhaupt als "Denkzettel-" oder Protestwahl bezeichnen, von der "größten" ganz zu schweigen, gelangen offenbar gar nicht in deren Bewußtsein. Wenn schon, dann erst, wenn sie längst Gesetzeskraft haben und auch nur, sofern sie in Form von Verwaltungsakten auf bei ihnen auf den Küchentischen liegen. Und ob diese Leute dann die Regierungen, die Beamten, die die Bescheide erlassen haben oder sonst noch wen als Schuldige ausmachen, ist die Frage.

    • Desdur Nahe

      @Plewka Jürgen:

      "gemeinsame Erfahrungsräume"



      Wird schwierig, wenn Kirchen, Vereine, Gasthäuser etc. AfDler rauswerfen.



      "Denkbar für mich wäre nur das Thema Energieversorgung/ Klima"



      Eher weniger. Wir haben mit absurd hohen Summen die Energiewende gepusht, kaufen dennoch Atomstrom aus dem Ausland und haben fast den schmutzigsten Strommix in Europa, dafür aber schön teuer. Ist schon mal ungünstig für "positive Zukunft", insbesondere weil der Osten davon besonders stark betroffen ist (Abwanderung der Industrie durch hohe Energiepreise, Kohlebergbau etc.).

      • Gerhard Krause

        @Desdur Nahe:

        Sie sprechen da eben die von bestimmten Kreisen überwiegend falsch kolportierten Sätze an. 2025 nahmen bei der Energieerzeugung Kernkraft und Wind innerhalb der EU die beiden Spitzenplätze ein. Gas auf Platz 3, Platz 4 Solar. Damit ist, falls Sie nicht harter Atomgegner sind (ich gebe hier die Möglichkeit, sich vom Atommüll angewidert zu zeigen), die Energieerzeugung nicht das Dreckigste, was wir zu bieten haben. Atomstrom ist selbstverständlich leider teuer. Die Erneuerbaren günstig. Es wäre folglich angemessen, die Energiewende weiteren voranzutreiben.

  • Zippism

    Die Initiative „Taktisch wählen“ darf sich nach diesem Ergebnis ruhig einmal selbst auf die Schulter klopfen. Die CDU wurde mit dem Ratschlag, ihre Stimmen strategisch an andere Parteien zu verschenken, auf historische 17,4 Prozent herunteroptimiert – während das BSW nun mit knapp über fünf Prozent im Landtag sitzt.

    Natürlich kann niemand beweisen, wie viele BSW-Stimmen tatsächlich aus solchen taktischen Überlegungen entstanden sind. Aber genau darin lag ja das Problem dieser großartigen politischen Rechenkunst: Man wusste vorher nicht, welche Partei am Ende die Hürde nimmt.

    Das Ergebnis ist jedenfalls bemerkenswert: Die AfD holt 44 Prozent, die CDU stürzt ab, und durch den BSW-Einzug werden die Mehrheitsverhältnisse noch komplizierter. Ohne BSW wäre eine Mehrheit gegen die AfD rechnerisch möglich gewesen; mit BSW wird die AfD plötzlich zum zentralen Faktor jeder Regierungsbildung.

    Vielleicht war „taktisch wählen“ am Ende vor allem eines: eine ziemlich riskante Taktik.

    • Weiterdenken3

      @Zippism:

      es gab auch die realistischen Szenarien, dass SPD und/oder Grüne (und BSW) an den 5% scheitern. Dann wäre die absolute Mehrheit für die AFD gleich erreicht worden. Insofern war taktisch wählen schon erfolgreich. Gäbe es keine 5 Prozenthürde (evtl. 2%) , bräuchte es das nicht, und jeder könnte wirklich wählen, wen er tatsächlich gut findet.

      • Zippism

        @Weiterdenken3:

        Ja, das Szenario eines Scheiterns von SPD, Grünen und/oder BSW an der 5-Prozent-Hürde gab es. Aber genau das zeigt doch das Problem dieser vermeintlich genialen „Taktik“: Man musste vor der Wahl auf Basis von Umfragen darauf wetten, welche Parteien es schaffen – und lag damit zumindest beim BSW offenbar nicht völlig daneben.

    • Abdurchdiemitte

      @Zippism:

      Die CDU-Wähler sind in erschlagend großer Mehrheit zur AfD gewechselt, nicht zur SPD oder den Grünen. Brauchte es DAFÜR eine Kampagne Taktisch Wählen?



      Es ist doch weitgehend Konsens (unter uns taz-Foristen, dass die CDU in Ostdeutschland weitaus rechter tickt als die im Westen der Republik. Woher sollen die Stimmen die AfD denn herkommen, ,wenn nicht von den Nichtwählern und der CDU?



      Zieht man die CDU-Überläufer ab, kann man wahrscheinlich mathematisch genau berechnen, dass die AfD nie und nimmer fette 44% eingesackt hätte.



      Herzlichen Glückwunsch, liebe CDU, für Ulrich Soemund als nächsten Ministerpräsidenten in SAH! Macht nur so weiter.

    • dtx

      @Zippism:

      "Taktisch wählen" setzt erstmal gesteigertes Interesse am Wahlausgang voraus. Und das wurde ausweislich der Wahlbeteiligung gegenüber den Vorjahren tatsächlich gesteigert. Nun kann man sich fragen, ob auch über alle Wählergruppen hinweg, wenn die AfD in der Spitze lokal über 55 Prozent generiert habe ...

  • PeterArt

    "Wenn Schwarz-Rot bei seinem Kurs – Sozialkürzungen und Aufrüstung – bleibt, wird Sachsen-Anhalt nicht der letzte Wahlsieg der AfD bleiben. Höchste Zeit, dass sich die demokratischen Parteien etwas anderes überlegen." Na sicher - tolle Strategie. Sich Putin und Russland ausliefern, um der AgD nachzueifern, danke für nichts.

  • Axel Schäfer

    "... Sie kann Schulbücher zensieren und Polizisten befehlen, sie kann den Geheimdienst und Staatsanwälte anweisen. ..." Das mit den Polizisten ist in der Tat ein Problem, was da auch im Westen schon an rechten Umtrieben aufgedeckt wurde würde jetzt wahrscheinlich eher gefördert, und das Konstrukt, dass Staatsanwälte und Polizei aneinander kleben ist bezüglich Gewaltenteilung ohnehin schon immer problematisch gewesen und wird jetzt gnadenlos ausgenutzt werden. Das mit dem "Geheimdienst" also dem LfV dürfte interessant werden wenn es dann BfV gegen LfV Sachsen-Anhalt geht.



    ... und das Weidel fantasiert schon von Kanzlerschaft.

    • PeterArt

      @Axel Schäfer:

      Die wird vorher von Höcke und Kameraden abgesägt.

  • Don Geraldo

    Die aus dubiosen Quellen finanzierte Kampagne “Taktisch Wählen” war gleichzeitig erfolgreich und ist voll in die Hosen gegangen ist.



    Sie hat der Linken trotz allgemeiner Verluste zu drei Direktmandaten zu verholfen, die sie der CDU abnehmen konnte. Und sie hat erfolgreich der SPD und den Grünen über die 5-Prozent-Hürde zu geholfen. Und das sogar weitaus deutlicher gelungen, als man vorher erwarten konnte.



    Allerdings ging das zu Lasten der CDU. Aus einer absehbaren Niederlage wurde dadurch eine Katastrophe. Die Verluste waren so verheerend, daß dort immer mehr über das Ende der Brandmauer nachdenken. Das war von den Initiatoren bestimmt nicht so geplant.



    Und noch weniger war bestimmt beabsichtigt, daß Wähler der AfD durch taktisches wählen dem BSW ganz unerwartet zum Einzug in den Landtag verhelfen.



    Die AfD benötigt deshalb gar kein Ende der Brandmauer mehr. sie muss nur noch das BSW überzeugen. Dort hat man nach dem Desaster in Thüringen unverhofft noch mal ein zweite Chance bekommen. Was werden die wohl machen ? Eine Wiederholung von Thüringen als Teil einer Anti-AfD-Koalition, oder eine neue Rolle als Mehrheitsbeschafferin für eine komplett andere Politik ?

    • Gerhard Krause

      @Don Geraldo:

      Spaltungsrhetorik, die ich Ihnen nicht durchgehen lasse - was ist denn an der Bewegung "Campact" dubios?! "(Magazin) Compact" ist schon durchaus dubios.

    • PeterArt

      @Don Geraldo:

      "Und noch weniger war bestimmt beabsichtigt, daß Wähler der AfD durch taktisches wählen dem BSW ganz unerwartet zum Einzug in den Landtag verhelfen." Das wäre eine dämliche Taktik gewesen, da es die AgD weiter von der Alleinregierung entfernt hat.

    • Desdur Nahe

      @Don Geraldo:

      Wie heißt es:



      "Der Weg in die Hölle ist gepflastert mit guten Absichten"

  • oldleft

    Was fehlt: den "Leuten" erzählen es handele sich um eine gesichert rechtsextreme Partei und dann: dann steht die zur Wahl.



    Die CDU wird erst dann das notwendige Verbotsverfahren betreiben, wenn die Option der Regierung mit AgD vom Tisch ist: es steht zu befürchten, dass es dann an Möglichkeiten dazu mangelt.

    • rero

      @oldleft:

      Es ist doch nicht nur die CDU, die ein Verbotsverfahren aktiv betreiben könnte.

      • Gerhard Krause

        @rero:

        Krieg zB im Bundestag mal etwas ohne CDUCSU durch.

        • rero

          @Gerhard Krause:

          Die Ampel hat das Thema doch auch nicht angefasst.

  • Karla Columna

    Die Analyse teile ich, insbesondere das Gefühl, einige Politiker, besonders in der CDU, schütteln zu wollen. In der CDU haben sie irgendwie noch nicht realisiert, dass sie inzwischen nur eine Partei unter vielen sind, und nicht die Staatspartei. Dazu kommt, dass Merz einfach wahnsinnig unbeliebt ist. Der Mann hat es wirklich in kürzester Zeit geschafft hat, es sich mit allen Bevölkerungsgruppen zu verscherzen. Nicht mal in der CDU kommt er gut an. Das wäre ein Zeichen, ähnlich wie in UK Keir Starmer, Merz auszuwechseln, durch jemanden, der einfach einen breiteren Kreis erreicht. Das haben Merz & Co nämlich nie kapiert, dass sie die Hand Richtung Mitte und Progressive ausstrecken müssen, um für mehr Leute wählbar zu sein. Stattdessen haben sie sich munter am Grünen-Bashing beteiligt und setzen die Linke mit der AfD gleich. (Obwohl sie in Thüringen und Sachsen mit ihrer Hilfe regieren und sich auch im Bund schon Hilfe von der Linken holen mussten). Das wirkte einfach völlig dissonant und unehrlich.

    • *Sabine*

      @Karla Columna:

      "Das haben Merz & Co nämlich nie kapiert, dass sie die Hand Richtung Mitte und Progressive ausstrecken müssen, um für mehr Leute wählbar zu sein."

      Ich erwarte, dass es wie in den USA auf zwei "Blöcke" hinausläuft. Ein progressiver linker Block (alle incl. CDU/CSU) und ein rechter konservativer Block (AFD).

      • Francesco

        @*Sabine*:

        Das amerikanische Zweiparteiensystem ist eine Folge des Mehrheitswahlrechts.

      • Encantado

        @*Sabine*:

        "Ein progressiver linker Block (alle incl. CDU/CSU) und ein rechter konservativer Block (AFD)."



        Netter Gedanke, aber ernsthaft: die Union in einem progressiven linken Block?

  • SGouldo

    Und wieder wird alles zerredet und verkompliziert. Seit zehn Jahren folgt eine Abstrafung der nächsten, nicht nur im Osten, auch wenn es dort schneller abläuft.



    Jedes mal folgen Analysen, werden Lehren gezogen, erscheinen Aufsätze wie der des Autors. Und bei jeder folgenden Wahl kommt die nächste Abstrafung.



    Die Menschen möchten konservative Politik, bekommen sie aber nicht. Das ist der Grund, auch wenn die Lösung schwierig ist. Mit wem soll die CDU auch konservative Politik machen können, außer der AfD und ggf. der FDP?



    Es wird weitergehen wie bisher: Wählerwillen ignorieren, Brandmauer aufrechterhalten und sich wundern, wieso die AfD nur den Weg nach oben kennt.

    • V. Ohneland

      @SGouldo:

      Konservativ? Was soll das sein?



      Die Menschen wollen Frieden, die Menschen wollen persönliche Sicherheit, die Menschen wollen Anerkennung.



      Kaum eine Partei hat aber den Mumm, klar zu sagen, dass es den Frieden nicht geben kann mit einem kriegswütigem Russland, dass die persönliche Sicherheit weitaus mehr vom sich ändernden Klima abhängt als von den ausländischen unter den Kriminellen, und kaum jemand geht ernsthaft die wachsende Ungleichheit im Land an.



      Stattdessen wurde jetzt jahrelang der AfD nachgeeifert, insbesondere durch die CDU/CSU.



      Und dann wundert man sich, dass die Leute irgendwann das Original wählen?

  • Dreja

    "Siegmund mit süß-giftigen Versprechen: Deutsche Pflegekräfte kehren aus der Schweiz zurück ins liebliche AfD-Land, weil es in Bitterfeld so schön ist"



    Das war eine der wirklich absurden Aussagen gestern Abend. Oder die, dass natürlich einige Migranten auch bleiben sollen. Zumindest solange, bis die Deutschen die Sache mit dem Bevölkerungszuwachs selbst wieder übernehmen ...



    Es ist gruselig.

    • dtx

      @Dreja:

      Esel und Mohrrübe eben. Ein Bevölkerungszuwachs schlägt sich in zwanzig Jahren in den Arbeitsmarktstatistiken nieder, Rückwanderung aus der Schweiz nach Bitterfeld nie. Dagegen wird, wer Zahlen bringen muß, so wie der Trump das ICE in den Staaten, auch in Sachsen-Anhalt "von Minute eins an" die Migranten an ihren jetzigen Arbeitsstellen wegfangen lassen müssen.

      Mit diesen Platitüden soll nur der erwarteten Empörung vorgebaut werden, wenn dann das eine oder andere Heim und manche Klinik ihre Haustürschlüssel abgeben werden.

      Mit der geplanten Streichung der Schulpflicht hat man ja schon gezeigt, wie man mit den Personalproblemen in spezifischen Bereichen umzugehen gedenkt. Während die Schulbildung für das Klientel verzichtbar erscheint, würde die Abschaffung der Mindestgrenzen in den Pflegebereichen nichts bringen, weil es da ohne Versorgung eben nicht geht.

    • V. Ohneland

      @Dreja:

      Siegmund bekam im Morgenmagazin eine Frage zu dem ausländischem Pflege- und ärztlichem Persona, und "beantwortete" diese mit dem Verweis auf den Attentäter von Magdeburg. Er insinuierte damit, dass ausländische Ärzte per se gefährlich seien.



      Erst hab ich's nicht verstanden. Man muss schon in der rassistischen Bubble leben um das auf Anhieb zu verstehen und da dann eine direkte Verbindung aufzumachen. Kam ihm ganz locker von der Zunge.



      Gruselig, in der Tat.

      • dtx

        @V. Ohneland:

        @V.Ohneland:

        Siegmund macht keine Kompromisse. Wenn die Krankenhäuser hernach geschlossen würden, ist das eben so. Dann müßten sich die Leuts in die Nachbarländer fahren lassen, sofern absehbar wäre, daß sie das überleben könnten.

        Anstatt ihn feigenblattmäßig zu dulden, sollten die fünf obrigkeitshörigen BSWler lieber gleich den Laden wechseln, das wäre wenigstens ehrlich.

  • amigo

    Die Schockstarre der demokratischen Parteien ist unerträglich, doch der wahre Skandal liegt woanders: Die AfD tut so, als gäbe ihr Wahlsieg einen Freifahrtschein zur Demontage des Rechtsstaats.



    ​Man muss es in aller Schärfe sagen: Ein Wahlergebnis steht niemals über der Verfassung. Selbst wenn eine Partei die stärkste Kraft wird, entbindet sie das nicht von der unbedingten Pflicht, das Grundgesetz zu achten. Wer meint, demokratische Legitimation berechtige dazu, die Gewaltenteilung auszuhöhlen, Minderheiten zu entrechten oder Grundrechte als lästige Hürde abzutun, versteht die Idee unserer Bundesrepublik nicht.



    ​Regieren ist kein Freibrief für Willkür, sondern die Unterwerfung unter das Recht. Wenn die AfD in Sachsen-Anhalt politische Verantwortung anstrebt, gilt für sie ohne jedes Wenn und Aber: Das Grundgesetz ist die rote Linie. Wer die Axt an die Grundlagen unseres Zusammenlebens legt, ist kein Partner einer Demokratie – egal wie viele Stimmen er geholt hat!

    • Sven Krüger

      @amigo:

      Die AgD schert sich einen Dreck um das GG. Sie lernt vom Besten in dieser Beziehung, Donald Dumb. Der kümmert sich auch nicht um die Verfassung. Ich hoffe nur, dass die AgD sich an die Urteile von Bundes- und Landesgerichten hält. Aber sie wird versuchen, keinen Stein auf dem anderen zu lassen.

    • Astrid Sehnefeld

      @amigo:

      ​"Man muss es in aller Schärfe sagen: Ein Wahlergebnis steht niemals über der Verfassung"



      Ihre Sicht geht an der Realität vorbei.



      Die Geschichte hat gelehrt, dass KEIN Papier ewig hält.



      Rechtsordnungen, Verfassungen, Bullen etc... wurden durch die Jahrtausende unendlich viele verfasst - und immer kam irgendwann der Moment, wo diese Ordnungen durch politische Neuordnung, Revolution oder Eroberung obsolet wurden.



      Und so wird es auch mit unserem Grundgesetz passieren.



      Gesetz und Verfassung haben nur immer dann eine Bindungskraft, wenn genügend loyale Unterstützer übrig sind.



      Wenn eine deutliche Mehrheit einen politischen Umschwung will, wird dieser umgesetzt werden - so oder so, also gewaltsam oder friedlich.



      Zumal die AfD auch sehr viele Unterstützer im Beamtenapparat hat, Stichwort frustrierte Polizisten, Staatsanwälte, Richter, aber auch Mitarbeiter in Bürgerämtern, etc...



      Der Verdruss ist riesig.



      Die AfD ist mitnichten eine Partei des Pöbels, sehr viele Beamte hoffen nun endlich scharfe Schwerter und echte Handhabe zu bekommen.

      • Hans - Friedrich Bär

        @Astrid Sehnefeld:

        "Die AfD ist mitnichten eine Partei des Pöbels, sehr viele Beamte hoffen nun endlich scharfe Schwerter und echte Handhabe zu bekommen."

        Das stimmt : 30% der AfD Wähler haben eine "hohe Bildung"

        Steht bei



        www.tagesschau.de/...lt/2026/ergebnisse

        Wer wählte wen



        Schalter : Bildung



        ----



        "Pöbel" ist m.E. ein Germanismus zu " le peuple" und wurde von den deutschen Nationalradikalen im 19. Jh. abwertend in Hinblick auf die französische Republik geprägt.



        ---



        In der Sache stimmt, was Sie geschrieben haben. Das ist immer wieder passiert, ist aber immer wieder schlecht ausgegangen.

        Man darf nicht vergessen, dass z.B. viele Hochschullehrer den Nationalozialismus unterstützt haben, und dass es in der 2. Hälfte des 19. Jh. eine nationalradikale Abspaltung aus der liberalen Fortschrittspartei von 1848 gab, die maßgeblich an der Radikalisierung zum und im 1. Weltkieg beteiligt war.

      • amigo

        @Astrid Sehnefeld:

        Wer Verfassungen zu bloßem Papier erklärt, das bei der nächsten politischen Welle entsorgt werden kann, offenbart ein gefährliches Machtverständnis. Genau hier liegt der Denkfehler: Das Grundgesetz ist kein Schönwetter-Dokument, sondern als wehrhafte Demokratie konzipiert – eben um das Umstürzen der Spielregeln durch Mehrheiten oder Staatsdiener zu verhindern.



        ​Demokratie ist nicht die unbegrenzte Herrschaft einer Mehrheit, sondern der Schutz aller Bürger vor Willkür. Auch gewählte Regierungen stehen unter dem Recht, nicht darüber. Und Beamte schwören ihren Eid auf die Verfassung, nicht auf Parteien oder Zeitgeist.



        ​Wer darauf baut, dass der Staat von innen heraus erodiert oder Ordnungen ohnehin vergehen, verlässt den Boden des Rechtsstaats. Eine Demokratie, die ihre Grundregeln abräumt, sobald der Druck steigt, gibt sich selbst auf. Das Grundgesetz steht nicht zur Disposition – egal wer hofft, es auszuhebeln.

        • Walterismus

          @amigo:

          "Das Grundgesetz steht nicht zur Disposition – egal wer hofft, es auszuhebeln."



          Auch das ein Irrglaube, da das Grundgesetz nach Art. 146 GG seine Gültigkeit verliert, wenn an seine Stelle eine neue Verfassung tritt, welches vom deutschen Volke in freier Entscheidung gewählt wird.

          Ein ungültiges Gesetzesbuch oder Grundgesetz macht sämtliche Artikel ungültig, so auch die Ewigkeitsklausel und die damit geschützten Artikel 1 und 20.

          Das Grundgesetz kann sehr wohl zur Disposition gestellt werden und wird sogar explizit im GG eingeräumt.

        • tenwheeler

          @amigo:

          Wenn es für taz-Kommentare eine Wertschätzungsfunktion geben würde, hätte ich die positivste aller möglichen Bewertungen abgegeben. Ich drücke meine Unterstützung mit dieser Antwort aus.

    • Vigoleis

      @amigo:

      "Regieren ist kein Freibrief für Willkür, sondern die Unterwerfung unter das Recht." Das Recht hegt die Regierung ein, unterwirft sie aber nicht. Wäre es so, wäre die Regierung überflüssig. Dann würden Verwaltungen genügen, die das Recht ebenfalls anstandslos durchsetzen könnte.



      Auch steht das Wahlergebnis nicht über der Verfassung, sondern Wahl wird durch die Verfassung erst gewährleistet, wobei die Verfassung ggf. durch das entsprechende Ergebnis einer Wahl geändert werden könnte.



      Dass dies eventuell gegen den "Geist" der Verfassung verstoßen würde, steht auf einem anderen Blatt. Das wäre dann letztlich die Bestätigung des "Böckenförde-Diktums".

    • Walterismus

      @amigo:

      Das Problem ist halt, das von vielen Personen Dinge ins Grundgesetzt hineininterpretiert werden, was so gar nicht im Grundgesetzt steht. Daher auch oft die Enttäuschungen. Das Grundgesetz ist unbedingt zu achten, nur muss man sich vorher klar machen, dass vieles eben nicht im Grundgesetz geregelt ist. Minderheiten können eben schon entrechtet werden, ohne das Grundgesetz zu brechen. Um mal ein Beispiel zu nennen für einen Irrglauben.

      Ich glaube dieser Irrglaube über das Grundgesetz und Schutzwirkung, bzw. dessen Inhalt, welcher von jeder Interessengruppe frei interpretiert wird ist die wahre Gefahr. Denn es kommt einzig und allein auf die Auslegung der Verfassungsgerichts an, welches eine sehr wörtliche Interpretation vertritt.

      • amigo

        @Walterismus:

        Der Behauptung, das Grundgesetz ließe die Entrechtung von Minderheiten zu, widerspricht dem Kern unserer Verfassungsordnung. Artikel 1 („Die Würde des Menschen ist unantastbar“) gilt für alle Menschen – völlig unabhängig von Herkunft, Status oder Orientierung. Wer Minderheiten rechtepolitisch entzieht, bricht fundamentale Verfassungsprinzipien.



        ​Dass die Verfassung „wörtlich“ ausgelegt werde und Raum für Beliebigkeit biete, verkennt die gefestigte Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts. Das Gericht legt das Grundgesetz systematisch und am Maßstab der Menschenrechte aus. Über die Ewigkeitsklausel in Artikel 79 Absatz 3 sind die Menschenwürde und die Kerngehalte des Rechtsstaats sogar vor Verfassungsänderungen geschützt.



        ​Der eigentliche Irrglaube ist anzunehmen, Verfassungsrecht sei ein elastischer Gummiparagraf. Das Grundgesetz ist kein Wunschkonzert, sondern eine klare Absage an jede Form von Ausgrenzung und Willkür.

        • Walterismus

          @amigo:

          Und auch das ist ein perfektes Beispiel, dass etwas in die Verfassung hineininterpretiert wird, was so nicht in der Verfassung steht.



          Sie haben Recht in der Verfassung steht "Die Würde des Menschen ist unantastbar" nur ist nicht jede Entrechtung einer Person auch ein Entwürdigung.

          Danke für dieses Beispiel. Denn es zeigt sehr deutlich wie etwas ins Grundgesetz hineininterpretiert wird, was gar nicht im Grundgesetz steht.

          Auch die Ewigkeitsklausel gilt auf die Dauer der Existenz des Grundgesetzes und nicht auf das Rechtsgut ansich. Das Grundgesetz erlaubt explizit eine Abschaffung des Grundgesetzes, wenn an seine Stelle eine andere Verfassung tritt.

          Verfassungsrecht ist kein Gummiparagraph oder Wunschkonzert, wird aber von vielen zu einem gemacht indem in das Grundgesetz Dinge hineininterpretiert werden, die so nicht drin stehen.



          Ein vollständiger Schutz vor Entrechtung einzelner Gruppen ist durch das Grundgesetz zb nicht gegeben, wird aber (so auch von Ihnen) fälschlich angenommen, zb. in dem Sie das in den Art. 1 hineininterpretieren.

        • Astrid Sehnefeld

          @amigo:

          ​"Dass die Verfassung „wörtlich“ ausgelegt werde und Raum für Beliebigkeit bietet, verkennt die gefestigte Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts"



          Die Zustimmungswerte Karlsruhes leiden ähnlich wie die der etablierten Parteien.



          Schauen Sie sich Umfragen diesbezüglich an.



          Alle Macht geht vom Volke aus - das ist nicht als Drohung gedacht im Grundgesetz, aber es ist eine Drohung der Realität - denn keine Robe und kein Papier hält den Furor auf, wenn die Volkseele überkocht - siehe jede x-beliebige Revolution egal wann und wo auf der Welt... 🤷

    • Dreja

      @amigo:

      Das ist ja für mich eines der Versagen gegenüber der AfD. Man kann von Rousseau halten, was man will, aber mit der Unterscheidung des volonté generale und volonté des tous hat er eigentlich die Argumentation geliefert. Die Orientierung am Gemeinwohl ist etwas anderes als am Wohl anderer - und gerade letzteres ist flüchtig und leicht beeinflussbar durch Populisten.



      Manche Menschen sagen ja, na ja, wenn die Mehrheit rechtsextrem will und wählt ... nach Rousseau wäre aber eine bloße Mehrheit für undemokratische Ideen nicht akzeptabel, weil es eben nicht die Orientierung am Gemeinwohl ist.



      Die Demokratie mit demokratischen Wahlen abschaffen zu können klingt wie ein Schildbürgerstreich.

      • amigo

        @Dreja:

        Genau da liegt der entscheidende Punkt: Rousseau trennte scharf zwischen dem bloßen Summeninteresse aller (volonté de tous) und dem auf das Vernünftige und Gemeinwohl ausgerichteten Gemeinwillen (volonté générale). Eine Mehrheit, die Grundrechte schleift oder den Rechtsstaat abwickelt, artikuliert keinen Gemeinwillen, sondern einen zerstörerischen Partikularwillen.



        ​Eine Demokratie, die ihre eigene Abschaffung per Stimmzettel legitimieren würde, wäre in der Tat ein fataler Schildbürgerstreich. Das Grundgesetz zieht genau hier die Grenze: Es gibt kein demokratisches Recht, die Demokratie zu vernichten.



        ​Wer Rousseaus Gemeinwohl ernst nimmt, versteht: Der Schutz von Grundrechten, Gewaltenteilung und Menschenwürde ist nicht verhandelbar. Populisten mögen Stimmungen bedienen und Mehrheiten organisieren – den Anspruch, das Wohl aller zu vertreten, verwirken sie in dem Moment, in dem sie die Grundlagen unseres Zusammenlebens angreifen.

        • Walterismus

          @amigo:

          "​Eine Demokratie, die ihre eigene Abschaffung per Stimmzettel legitimieren würde, wäre in der Tat ein fataler Schildbürgerstreich. Das Grundgesetz zieht genau hier die Grenze: Es gibt kein demokratisches Recht, die Demokratie zu vernichten."

          Doch dieses Recht gibt es. Denn es gibt kein Recht welches vorschreibt, dass die Demokratie so wie aktuell gelebt werden müsste. Es kann durch jedwede andere Demokratische Form ersetzt werden (wenn nicht direkt das GG ersetzt wird) oder die Wahlperioden deutlich verlängert werden etc.

          In das GG werden viel zu oft Dinge reininterpretiert, die so nicht im GG drin stehen.

  • Suryo

    Was hier bezeichnenderweise nicht genannt wird: für die meisten AfD-Wähler ist das Thema Migration das wichtigste und ausschlaggebend. Was heißt das nun für die drei linken Parteien, die aus Sicht der AfD-Wähler für Migration stehen?

    • Plewka Jürgen

      @Suryo:

      Das ist ein oft zu lesender Irrtum! Die meisten Wähler der AfD wollen nicht eine Begrenzung oder einen völligen Stopp von Einwanderung. Sie sind grundsätzliche Gegner einer multikulturellen/ multinationalen Gesellschaft und wollen, dass Ausländer, die in Deutschland leben und arbeiten und Deutsche mit Migrationshintergrund aus Deutschland verschwinden! Deshalb lohnt sich eine Debatte um "Migration" für die demokratischen Parteien nicht. Dringend diskutiert werden müsste ein "Projekt", wie ein besseres Zusammenleben im existierenden bunten Deutschland aussehen könnte. Allerdings sehe ich im Moment keine Partei, die attraktive/überzeugende Ideen dafür in ihrem Programm hat. Und: Vor allem bräuchte man dazu auch in der ersten Reihe "bunte" Persönlichkeiten, die glaubwürdig für ein solches Projekt werben könnten.

    • *Sabine*

      @Suryo:

      "... für die meisten AfD-Wähler ist das Thema Migration das wichtigste und ausschlaggebend."

      Sie scheinen recht zu haben; ich habe mich vorsichtshalber nochmals bezüglich Ihrer Aussage vergewissert (einfache Google-Suche reichte aus).



      Somit halte ich es für möglich, dass die Vorkommnisse in Ceuta evtl. Einfluss auf die Wahl mancher Bürger:innen m/w/d hatten, so wie "damals unser 2015" angeblich auch auf die Wahlen in den USA und den Brexit.

    • Dreja

      @Suryo:

      Doch, es wird schon angesprochen, aber indirekt. In der Aussage von Siegmund, dass die Deutschen, die das Land verlassen haben, alle wieder zurückkommen würden, weil sie ja nur - so die Unterstellung - die Altparteien so doof fanden.



      In einem hat er da vlt sogar leider recht - wenn die AfD ihre wirtschaftlichen Ideen umsetzt, wird es für "Steuerflüchtige" vielleicht wieder interessant, in Deutschland ansässig zu sein. Nur dann ist für die anderen ein harter, langer Winter angebrochen ...

      • dtx

        @Dreja:

        Eventuell zurückkehrende "Steuerflüchtlinge" putzen niemandem den A... Und wer unter denjenigen, die mit Fremden nichts anfangen konnten, wird dereinst dann Ursache und Wirkung zusammenbringen? Letztere wird eintreten, aber nicht als "Entzauberung" begriffen werden. Wenn keine Migranten mehr da sind, geht es eben gegen andere. Linke und Gewerkschafter zum Beispiel. Zielpersonen sind immer genug da.

  • MitleserDE

    "Es braucht eine demokratische Alternative" - Verraten Sie mir doch bitte auch noch, wie genau diese aussehen soll.

    Wenn Siegmund den Wahlkampf maßgeblich dadurch gewonnen hat, seine Wähler emotional anstatt faktisch zu überzeugen, wie genau soll dann das (Mitte-)Linke-Gegenmodell aussehen?

    Mir scheint die Schlussfolgerung aus Ihrem Text zu sein, die Kontrahenten der Rechten müssten fortan ebenfalls stärker an die Emotionen als an die Vernunft appellieren, sich also auf das Niveau der AfD begeben, um künftig Wahlkämpfe zu entscheiden.

    Sie bringen das Beispiel des New Yorker Bürgermeisters. Glauben Sie, wenn einer der Gegenkandidaten Siegmunds auf diese Weise Wahlkampf geführt hätte, wäre er ein ernstzunehmender Mitbewerber gewesen? Ich habe meine Zweifel.

  • MitleserDE

    "Es braucht eine demokratische Alternative" - Verraten Sie mir doch bitte auch noch, wie genau diese aussehen soll.

    Wenn Siegmund den Wahlkampf maßgeblich dadurch gewonnen hat, seine Wähler emotional anstatt faktisch zu überzeugen, wie genau soll dann das (Mitte-)Linke-Gegenmodell aussehen?

    Mir scheint die Schlussfolgerung aus Ihrem Text zu sein, die Kontrahenten der Rechten müssten fortan ebenfalls stärker an die Emotionen als an die Vernunft appellieren, sich also auf das Niveau der AfD begeben, um künftig Wahlkämpfe zu entscheiden.

    Sie bringen das Beispiel des New Yorker Bürgermeisters. Glauben Sie, wenn einer der Gegenkandidaten Siegmunds auf diese Weise Wahlkampf geführt hätte, wäre er ein ernstzunehmender Mitbewerber gewesen? Ich habe meine Zweifel.

  • Bolzkopf

    Man darf gespannt sein, wie die Bundes-CDU damit umgeht.



    Die CDU hat kein einziges Direktmandat geholt.



    Kein Einziges.



    Das heißt: Nirgendwo hat sich eine Mehrheit für einen CDU-Menschen gefunden.



    Und die Ergebnisse sind nicht knapp. Nein, die CDU-Kandidaten und -Kandidatinnen haben maximal 21.4 % erreicht (lt. ARD)



    Also überall weniger als ein Viertel der Stimmen.

    Und das dürfte republikweit nicht viel anders sein.

    Aber welche Konsequenzen soll die CDU daraus ziehen ?



    Anderes Personal ist nicht vorhanden, die aktuelle Spitzengarde ist verbrannt. Und Neuwahlen jetzt würde ihr den Hals brechen.

    Also bleibt nur Einsicht, Kurskorrektur und Vertrauen zurück gewinnen.



    Und ob das gelingt ? Ich habe meine Zweifel denn die Katze lässt das Mausen nicht.

    In Sachen "soziale Kälte" ist die CDU ja mühelos an der FDP vorbeigezogen und ob man bei der Gewindigkeit das Lenkrad rumziehen kann ist sehr zweifelhaft.

  • My Sharona

    7. Eine Demokratie beruht auf ethischen Grundlagen, einem humanistischen Minimalkonsens. Diesen Minimalkonsens haben die Auswirkungen der Art und Weise des Vollzugs der Einheit, die Auswirkungen des real existierenden neoliberalen Kapitalismus, die Auswirkungen der auch von den Mitteparteien betriebenen Normalisierung rechter Ideologeme und die Auswirkungen des Siegeszugs der (un)sozialen Medien zerstört.

    • *Sabine*

      @My Sharona:

      Ich stimme Ihnen zu, möchte Ihre Aufzählung jedoch insofern erweitern, dass auch die Ausbreitung einer Ideologie, die nicht das Grundgesetz, sondern ein anderes Rechtssystem als Basis des Zusammenlebens betrachtet, von Relevanz ist.

  • Gerald Müller

    Im Großen und Ganzen stimme ich mit dem Autor überein, bis auf die letzten Sätze. Verteilungs- oder besser Umverteilungsthemen (a la Robin Hood) werden auch hier keinen Stich machen. Die Themen die die Leute umtreiben - Ukrainekrieg, Migration, Innere Sicherheit usw, die müssen angegangen werden ansonsten wird das alles nichts. Und da geht es nicht darum "besser zu erklären" oder irgendwo ein bißchen Kosmetik zu betreiben sondern da mäüsste man sich grundsätzlich ehrlich machen und dann - und das ist das Wichtigste - auch handeln, Und nicht nur "fordern". Ich musste ja letzthin lachen als Merz irgendwas gefordert hat. Der Mann ist Bundeskanzler, der kann und muss machen und nicht fordern (und dann natürlich nichts machen).

    • V. Ohneland

      @Gerald Müller:

      "Grundsätzlich ehrlich machen" hieße in meinem Verständnis, dass die Politik zugibt dass sie nicht alles regeln kann:



      1. Wir können den Krieg Russlands nicht einfach abstellen, nicht durch die Unterstützung der Ukraine, aber auch nicht durch einen Kuschelkurs mit Putin.



      2. Migration ist per se kein Problem. Hat's immer gegeben, wird es immer geben, ist vollkommen normal. Sollte geregelt sein, aber wer Migration an sich zum Problem erklärt schafft nur neue Probleme und löst kein einziges bestehendes.



      (Zusatz für Rassisten: Kriminalität hat keine Hautfarbe.)



      3. Leben in Deutschland ist heute sicher wie noch nie, und so sicher wie kaum irgendwo sonst. Jeder der anderes behauptet lügt.



      4. Wir befinden uns wirtschaftlich auf einem absteigenden Ast und geopolitisch in der Zwickmühle zwischen China, den USA und Russland. Deutschland wird das als Gebilde nur MIT Europa überstehen. Ohne Europa sind wir diesen Kräften ausgeliefert wie jeder andere europäische Staat auf dem Kontinent.



      Ja, ehrlich machen: Schluss mit den Versprechungen von perfekter innerer Sicherheit, Schluss mit rassistischer Politik, Schluss mit dem EU-Bashing, Schluss mit der Illusion der kompletten Kontrolle.

    • MitleserDE

      @Gerald Müller:

      Das Thema "Innere Sicherheit" im Sinne zunehmender Kriminalität kann nicht angegangen werden, denn dieses Problem existiert überhaupt nicht in der Form, wie es von der AfD ausgemalt wird.

      Die größte Gefahr für die innere Sicherheit DEs geht aktuell wohl von Russland aus.

    • Machiavelli

      @Gerald Müller:

      Bei den Themen kann man nichts machen. Da geht es un globale Ereignisse die kannten höchstens managen. Aber Lösungen die das Leben der menschen spürbar besser machen gibt es nicht.

      • Gerald Müller

        @Machiavelli:

        Würde ich nicht so sehen. Auch die Auswirkungen globaler Ereignisse können gesteuert / verringert werden. Man kann Migration begrenzen und auf nahe null bringen (siehe Dänemark und Schweden oder auch die USA), die Unterstützung der UA verringern oder wenigstens Transparenz verlangen sonst giibt es nichts, mehr Migranten ohne Aufenthaltsberechtigung abschieben - all das wird Geld sparen das dann für etwas anderen verwendet werden kann, z.B. um das Leben der Menschen in Deutschland zu verbessern. Man muss es nur wollen und dann auch versuchen und nicht gleich die Flinte ins Korn werfen. Oder die Probleme negieren und den Kopf in den Sand stecken so wie Merz und Co.

        • Spiritus

          @Gerald Müller:

          "all das wird Geld sparen das dann für etwas anderen verwendet werden kann, z.B. um das Leben der Menschen in Deutschland zu verbessern."



          Geld kann mir aber in Zukunft nicht den Hintern abputzen, wenn ich nicht mehr dazu in der Lage bin.



          Völlig egal wäre es mir dagegen, wenn mein/e Pfleger/in nicht perfekt deutsch spräche.

      • XXX

        @Machiavelli:

        @Machiavelli: "Bei den Themen kann man nichts machen."



        Nein, das stimmt nicht. Ich kann gar nicht zählen, an wievielen Stellen der letzten 20-30 Jahre man etwas hätte machen können, bzw. lieber etwas hätte unterlassen sollen. Es ist einfach lächerlich, wenn sich die wirtschaftlich stärkste Kraft Westeuropas, die wenigstens zur Merkelzeit alles unter Kontrolle hatte, hinter "da konnten wir nichts machen" versteckt.

  • Jalella

    "Seit Jahren haben die Parteien der Mitte keinen Weg gefunden, die AfD aufzuhalten."



    Man muss fairerweise sagen: sie haben es auch nicht versucht. Noch jetzt hält die cdU/csU an ihrer Politik, die uns ins Aus für Deutschland (AfD) geführt hat, fest. Die glauben, dass ihre Politik damit nichts zu tun hat. Im Gegenteil: sie denken, noch mehr vom Schlechten könne das Problem lösen.

    • dtx

      @Jalella:

      Es fehlt das Verständnis der Binse, daß während Markenware teurer ist, es nichts extra kostet, am Wahlzettel woanders anzukreuzen. Schließlich setzt, wer sich die Parolen der AfD zu eigen macht, gerade nicht darauf, daß der Blödsinn dahinter begriffen werde.

  • Jalella

    Bisher haben alle nur auf die verwaltungstechnischen und juristischen Konsequenzen geschaut wenn die AfD an die Macht kommt. Ich befürchte, dass zusätzlich dazu aber vor allem mental bei den ganzen gewaltbereiten Neo-Nazis ein großer Aufschwung stattfinden wird. Wenn sie sich vorher schon durch die Politik der Ampel und noch mehr der Merz-Regierung in ihren rassistischen menschenverachtenden Ansichten bestätigt gefühlt haben, dann werden da jetzt einige Dämme brechen.

    Ich rechne mit einer noch größeren Zunahme rechter Gewalt. Besonders in Sachsen-Anhalt, aber auch im ganzen Bundesgebiet. Und auch die wird von Leuten wie Dobrindt, der sie durch seine Politik befördert, wieder kleingeredet werden. Es wird weiter von "Linksterrorismus" geschwafelt werden, während gleichzeitig Asylheime brennen - und nicht nur die.

    Ich vermute, dass viele Menschen aus Sachsen-Anhalt fliehen werden. Fragt sich, wohin. Das wird hier den Druck nochmal verstärken.

    Aber hey, im Juli 1932 wurde die NSDAP in Thüringen mit 42,5% im Landtag stärkste Fraktion. Und danach ist ja auch nichts passiert, oder? Die haben sich dann ja auch "entzaubert".

    • tenwheeler

      @Jalella:

      Ich sehe das genau so, dass Gewalttaten zunehmen werden. Das Risiko einer Strafverfolgung solcher Taten dürfte hingegen deutlich geringer werden, wenn Polizei und Staatsanwaltschaft erst einmal auf Linie gebracht worden sind.

      • dtx

        @tenwheeler:

        Man müßte die Landesjustiz gar nicht "auf Linie bringen", wofür die Juristen in der AfD wohl auch nicht ausreichen dürften. Es würde schon genügen, zur Pensionierung anstehende Beamte nicht zu ersetzen.