Tempolimit-Aktion von Greenpeace: Dann machen sie es eben selbst
Greenpeace-Aktivist:innen haben an deutschen Autobahngrenzübergängen Schilder zur Richtgeschwindigkeit überklebt. So lange galten dort 100 statt 130 Kilometer pro Stunde.
Foto: Benjamin Westhoff/dpa
An 26 Orten führen deutsche Autobahnen ins Ausland – überall dort haben Greenpeace-Aktivist:innen am Montag Tempo-100-Sticker auf die Schilder mit der offiziellen Richtgeschwindigkeit geklebt. Mit der Aktion macht sich Greenpeace für ein allgemeines Tempolimit in Deutschland stark, „als Antwort auf die fossile Krise“, wie die Umweltorganisation mitteilte.
Infolge des Krieges zwischen Iran, USA und Israel verkaufen Mineralölkonzerne in Deutschland Benzin und Diesel an den Tankstellen zu deutlich höheren Preisen. Um den Preisanstieg zu bremsen, führte die Bundesregierung Anfang Mai einen umstrittenen Tankrabatt ein. Der läuft noch bis Ende Juni.
Greenpeace argumentiert: Wenn auf Autobahnen eine allgemeine Geschwindigkeitsbegrenzung von 100 Kilometern pro Stunde gälte, ließen sich längerfristig Spritkosten sparen als durch den Steuerrabatt. Außerdem diene ein Tempolimit erwiesenermaßen der Verkehrssicherheit und sorge insgesamt für einen niedrigeren Kraftstoffverbrauch.
An den 26 Grenzübergängen stehen normalerweise Schilder, die auf die in Deutschland gültige Richtgeschwindigkeit von 130 Kilometern pro Stunde auf Autobahnen hinweisen. Indem die Aktivist:innen die 130 dort überklebt haben, hätten sie gezeigt, wie schnell und einfach ein allgemeines Tempolimit umsetzbar wäre, sagt Swantje Michaelsen, verkehrspolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag.
Polizei teilweise schnell vor Ort
Für ein Tempolimit von 100 auf Autobahnen und 80 auf Landstraßen, wie Greenpeace es fordert, errechnet das UBA für den gleichen Zeitraum 90 Millionen Tonnen eingesparte Emissionen.
In den vergangenen Jahren hat der gesamte deutsche Verkehrssektor seine Klimaziele stets deutlich verfehlt, im Jahr 2025 gingen 146,3 Millionen Tonnen ausgestoßene Treibhausgase auf sein Konto.
Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) hat Vorschläge für ein Tempolimit bislang konsequent abgelehnt. Nun starten die Grünen um Michaelsen einen neuen Versuch, sie bringen einen Gesetzentwurf für ein Tempolimit von 130 Kilometern pro Stunde auf Autobahnen in den Bundestag ein. Am 22. Juni soll der Entwurf dort besprochen werden.
An einigen Grenzübergängen, zum Beispiel bei Pomellen an der polnischen Grenze, rückte am Morgen schnell Polizei an und entfernte die Aufkleber wieder. An anderen Orten klebten die großen Tempo-100-Sticker noch am späten Montagmittag, wie ein Greenpeace-Sprecher der taz sagte.
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