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Nahost-Debatte in der LinksparteiSteilvorlage für Linken-Hasser

Daniel Bax

Kommentar von

Daniel Bax

Die Linke zofft sich mal wieder um ihre Haltung zu Israel. Das schadet ihren Wahlchancen. Doch der Streit hat auch etwas Gutes.

Hier brennt noch Licht: Linken-Büro in Rheinland-Pfalz Foto: Andreas Arnold/dpa

H urra, sie streiten wieder. Kurz vor der Landtagswahl in Rheinland-Pfalz macht die Linke der Konkurrenz ein Geschenk, indem sie sich mal wieder über ihre Haltung zum Nahost-Konflikt zofft. Das schmälert ihre Chance, erstmals in den Mainzer Landtag einzuziehen. Die Parteispitze bemüht sich um Schadensbegrenzung, kann es aber keinem recht machen.

Der Kern des Konflikts: Viele jüngere Mitglieder empören sich über Israels Kriege, ob in Gaza, dem Libanon oder in Iran. Andere in der Partei hängen noch immer einem idealisierten Israel-Bild an und fürchten, die Deutungshoheit zu verlieren. Manche Jüngere verzetteln sich im Kampf um möglichst scharfe Parteitagsbeschlüsse. Manche Linken-Granden sorgen sich um das mühsam erarbeitete Ansehen ihrer Partei und vergreifen sich dabei im Ton: beste Voraussetzungen für eine Eskalation.

Dabei gibt der Parteitagsbeschluss aus Niedersachsen, der aktuell für Streit sorgt, gar nicht so viel her, um die Aufregung zu rechtfertigen. Weder ist er ein „Angriff auf das Selbstbestimmungsrecht des jüdischen Volkes“ noch ein Ausdruck von „Judenhass“, wie Zentralrats-Präsident Josef Schuster formulierte. Der Beschluss kritisiert den „real existierenden Zionismus“ einer rechtsextremen Regierung, die gemeinsam mit den USA gerade den Nahen Osten in Brand setzt: Das sollte in einer linken Partei eigentlich Konsens sein.

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Für Linken-Hasser ist der Beschluss eine Steilvorlage, um der Partei mal wieder Antisemitismus zu unterstellen. Manche Ge­nos­s:in­nen stoßen ins gleiche Horn. Auf der Strecke bleiben der Respekt vor anderen Meinungen und die „revolutionäre Freundlichkeit“, die man sich doch auf die Fahnen schreiben wollte.

Nur ein Gutes hat der Streit: Brandenburgs Antisemitismusbeauftragter Andreas Büttner hat die Partei deswegen jetzt verlassen. Dieser nutzte das Thema immer wieder, um sich auf Kosten seiner Partei zu profilieren. Er wird nicht fehlen. Denn wen ein Parteitagsbeschluss mehr empört als Israels Kriege, dessen moralischer Kompass ist kaputt.

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Daniel Bax
Redakteur
Daniel Bax ist Themenchef im Regieressort der taz. Er schreibt über Politik, Kultur und Gesellschaft in Deutschland und hat bisher zwei Bücher veröffentlicht: “Angst ums Abendland” (2015) über antimuslimischen Rassismus und “Die Volksverführer“ (2018) über den Trend zum Rechtspopulismus. Sein neues Buch "Die neue Lust auf Links" über das Comeback der Linkspartei ist gerade im Goldmann Verlag erschienen.
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68 Kommentare

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  • Man muss die israelische Regierung, mit ihrem brutalen militärischen und politischen Vorgehen gegen das palästinensische Volk, klar verurteilen. Die Gewalt ist derart exzessiv und unverhältnismäßig, dass man sogar als Deutscher, die eigentlich gebotene Zurückhaltung bei Kritik an Israel, ablegen sollte. Das kann aber nicht bedeuten, das Existenzrecht Israels in Frage zu stellen. Zionismus steht für den Erhalt des jüdischen Nationalstaats. Wenn ein Antrag "Ablehnung des Zionismus" heisst, wie kann das dann anders verstanden werden, denn als antizionistisch und damit das Existenzrecht Israels in Frage stellend. Leider hat die Linke ein Problem mit fanatischen Antiimperialisten, die so besessen sind vom Kampf gegen die westlichen Mächte, dass sie glauben die Schurken von der anderen Seite (Hamas, iranische Diktatoren, ...) wären "die Guten". Wie verblendet kann man sein? Aber hasserfüllte Fanatiker gibt es am linken und am rechten Rand.

  • Antisemitismus in der Partei die Linke - im Westen (und im Osten) nichts neues



    =



    Prominente Parteiaustritte fanden primär im Oktober 2024 in Berlin statt -- ausgelöst durch einen tiefen Konflikt um die Positionierung der Partei zu Israel, Antisemitismus und den Nahostkonflikt.



    =



    Auslöser im Oktober 2024: Auf einem Berliner Landesparteitag scheiterte ein Antrag, der sich explizit gegen linken Antisemitismus aussprach. Dies führte dazu, dass mehrere prominente Berliner Politiker, darunter der ehemalige Kultursenator Klaus Lederer, die ehemalige Sozialsenatorin Elke Breitenbach, der frühere Fraktionschef Carsten Schatz sowie Sebastian Scheel und Sebastian Schlüsselburg, unter Protest die Partei verließen. Die Austretenden kritisierten, dass es ihnen im Landesverband immer schwerer falle, ihre Positionen zu Antisemitismus und Solidarität (auch gegenüber der Ukraine) durchzusetzen.



    =



    Für eine politische Bewegung, die ausweislich ihres Erfurter Grundsatzprogramms von 2011 sich als Verfechterin der Menschenrechte und der Emanzipation und als Kämpferin gegen Faschismus und Rassismus versteht, ist das ein Armutszeugnis.

  • Es wäre konsistenter, wenn die Linken die autoritären und offen antisemitischen Strukturen innerhalb palästinensischer Organisationen thematisieren würden - insbesondere dort, wo diese mit Gewalt gegen Zivilisten einhergehen.

    Immerhin gab es in der frühen Phase Israels stark ausgeprägte sozialistische Elemente - etwa die Kibbuzbewegung, die stark kollektivistisch geprägt war. Gleichzeitig orientierte sich Israel politisch zunehmend westlich und entwickelte sich zu einer parlamentarischen Demokratie, was in der Sowjetunion nicht so gut ankam.

    Was machen die ganzen Israelhasser denn, wenn Netanjahu im Herbst abgewählt wird? Er kann aufgrund der Verfassung eben nicht wie Abbas 15 Jahre und länger im Amt bleiben.

  • Mal ganz abgesehen von der inhaltlichen Auseinandnersetzung: Die Debatte kommt wirklich zur Unzeit, kurz vor einer Landtagswahl und am Beginn eines Wahljahres. Nicht nur "unfreundlich" sondern auch: unprofessionell. Aber eigentlich wie immer: manche Linke wollen eben unbedingt recht haben - aber bloß keine Verantwortung für irgendwas.



    Auch inhaltlich ist es ein bisschen traurig: denn "der" alte Zionismus hatte ja auch eine deutlich progressive, sozialistische Färbung. Man denke nur an die Kibbuzim. Nur war es, anders als Herzl und seine Nachfolger dachten, eben kein Land ohne Volk, dass einem Volk ohne Land offen stand. Platz wäre trotzdem genug. Aber weder Hamas noch die rechtsextreme israelische Regierung wollen ein Miteinander.

  • Ich glaube nicht, dass sich das Lavieren der Parteiführung primär mit einer emotionalen Bindung an Israel erklären lässt: weder Van Aken noch Reichinnek stammen aus den klassischen pro-Israel-Netzwerken. Ausschlaggebend dürfte eher das Streben nach „Koalitionsfähigkeit“ sein (was in Deutschland eben Bekenntnisse zu Israel erfordert), gepaart mit einer gewissen Feigheit – im Grunde will die deutsche Linke von den Parteien der sog. Mitte und ihrem medialen Anhang geliebt werden. Genau deshalb hat linke Kritik ja auch an Biss verloren: Wenn man in jeder entscheidenden Frage (nicht nur mit Blick auf den NO-Konflikt) den politischen Status quo als unhinterfragbar akzeptiert, hat man sich von jedem Gestaltungsanspruch verabschiedet.

  • Sicher kommt die interne Auseinandersetzung in der Linken zu einer ungünstigen Zeit so kurz vor Wahlen.

    Es mag in der Partei möglicherweise einzelne Mitglieder mit antisemitischer Haltung geben - genau so wie in der CDU/CSU, in der SPD, bei den Grünen und in der AFD. Das ist in keinem der Fälle gut.

    Bei der Linkspartei wird allerdings vieles anders bewertet als bei den anderen Parteien ,besonders von denen, den der Aufschwung der Linken ohnehin ein Dorn im Auge ist.

    Sicher, der Niedersächsische Beschluss war so blöd formuliert, dass abzusehen war, dass diejenigen, die ihn unbedingt einseitig als antisemitisch missverstehen wollten, das auch genüsslich öffentlich ausgeschlachtet haben.

    Dass mit der Formulierung "real existierender Zionismus" die zu



    kritisierende Haltung der real existierenden rechten Israelischen



    Regierung gemeint war, habe ich (als nicht Parteimitglied) sofort verstanden.

    Mag sein, dass es innerhalb der Linkspartei auch durch die vielen Neumitglieder gelegentlich radikalere Positionen zum Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern von einzelnen zu hören sind.



    Daraus pauschal ein Antisemitismusproblem der Partei zu konstruieren halte ich für falsch.

    • @Bürger L.:

      "Real existierender Zionismus" ist ja unfreiwillig humoristisch. "Real existierender Sozialismus" ist das Vorbild, womit in der DDR über die offenen Widersprüche hinweggeredet werden sollte. Während nicht einmal die Herrschaft des Proletariats oder der Räte hergestellt war.

      Dass man den Linken, die gerade bei vielem sehr Recht haben, auf diesem Terrain versucht den Wind aus den Segeln zu nehmen, ist schon in GB durchgezogen worden. Bevor Corbyn die Wahl gewinnen und echt linke Politik machen konnte (im UK-Westminster-System einfacher als hier), voller Druck!



      Linke tun gut daran, auf universalen Lösungen zu bestehen und die für sie zentralen Punkte zu betonen. Das hier ist dann ein Nebenkonflikt, altmarxistisch ausgedrückt.

    • @Bürger L.:

      Ich kann Sie und andere Mitkommentierende durchaus verstehen, dass Sie versuchen, das Antisemitismusproblem der Linkspartei kleinzureden. Das ist allgemein nichts Neues, dass man problematische Tendenzen in der Partei, der man nahesteht, verharmlost, das tun Anhänger anderer Parteien auch.



      Aber darin liegt eine große Gefahr, nämlich die, dass man den Splitter im Auge des Bruders sieht, den Balken im eigenen Auge jedoch nicht bemerkt.



      Die Linke täte gut daran, auf die alten Haudegen wie Gysi zu hören. Das derzeitige Lavieren der Parteispitze macht keinen guten Eindruck.

  • Es will mir einfach nicht gelingen, mich in die Gedankenwelt von Herrn Bax einzuloggen, um seine Thesen und Argumente zu verstehen und nachzuvollziehen.



    Allein der Ausdruck 'Linken-Hasser' sagt mir, dass es Herrn Bax wiedermal nicht um eine differenzierte Betrachtungsweise zum Thema 'Israel und Palästina' geht.



    Daniel Bax verteidigt eine Linke (nicht nur die Partei), die in ihren Reihen schon immer Antisemiten und Gegner des Existenzrechts Israels beheimatet und die aber zwischenzeitlich auch einem menschenverachtendes Mullah-Regime das Wort redet. Für Bax ist es legitim, gegen eine, wie er es nennt, sogenannte 'Deutungshoheit' von Israelfreunden zu argumentieren. Ähm, es geht um ein Terrorregime. Aber Bax sieht eher Israel als ein solches. Weder will ich die rechtsradikale Regierung Netanjahus, den brutalen Krieg in Gaza, noch den gemeinsam mit den USA geführten Krieg verteidigen, beides ist strikt abzulehnen. Aber linke Kräfte zu hofieren, die das Existenzrecht Israels abstreiten, die Terrororganisationen wie die Hamas oder Hisbollah als Widerstandsbewegungen bezeichnen und auch nicht davor zurückschrecken Anderdenkende zu diffamieren und anzugreifen, ist völlig irrational.

  • Hätte die niedersächsische Linke diesen Beschluss ausgewogener formulieren können? Mit Sicherheit ja. Dann wäre der ganze mediale Bohai so nicht gelaufen und Die Linke stände auch hinsichtlich ihrer Wahlchancen in RLP besser da.



    Und wer der Linken unbedingt Antisemitismus unterstellen möchte, wird ihn auch finden. Er würde ihn übrigens auch anderswo finden, aber darum geht es in dieser Debatte überhaupt nicht.



    Die Verurteilung der regierenden israelischen Rechtsparteien kann aus linker Sicht nicht scharf genug ausfallen und auch nicht die Kritik ihrer ideologischen Prämissen. Und die fussen nun mal auf dem Zionismus, da muss man nicht lange drumherum reden.

    • @Abdurchdiemitte:

      Mir stellt sich bei solchen vermeintlichen "Stockfehlern" immer die Frage, wie man drauf sein muss, dass Einem das nicht auffällt, BEVOR das Kind in den Brunnen gefallen ist - zumindest bei solchen sorgsam vorher gedrechselten und ausgekungelten Beschlussvorlagen, die möglichst öffentlich werden sollen. Das ist doch nicht mal gerade so rausgehauen wie ein Trump-Tweet.



      So auch hier: "Real existierender Zionismus" ist ein Begriffsgetüm, das schon ohne Antisemtismusalarmglocke beim Lesen Herpes an den Augen verursacht. Da schau ich doch fünfmal hin, ob ich das wirklich so stehen lassen will. Und wenn man dann auch noch die Konnotationen der - nunmal sämtlich schwerst vorbelasteteten und ergo explosiven - Elemente des Getüms sieht, dann muss Einem doch irgendwann ein "Bloß nicht!!" durch den Kopf schießen!



      Aber nein: So und nicht anders wollen diese Landeslinken ihre Einstellung zu Israel verewigen. Warum??

  • Wenn man eine Partei für inkompetent hält und erkennt, dass deren moralischer Kompass schief steht, hat das doch nichts mit Hass zu tun. Ich hasse die AfD, die Linke ist einfach egal.

    • @FraMa:

      Die AfD halte ich für inkompetent mit schiefem moralischen Kompass.

      Welcher Faktor kommt für Sie noch dazu, um eine Partei zu hassen?

  • "Denn wen ein Parteitagsbeschluss mehr empört als Israels Kriege, dessen moralischer Kompass ist kaputt."

    Der moralische Kompass ist kaputt, wenn deutliche Positionen gegen die israelische Kriegsverbrechen als trojanisches Pferd für Antisemitismus missbraucht werden

    • @Prinz Leonce vom Königreiche Popo:

      Das wäre, "den Juden" etwas zuzuschreiben. Wer macht das?

  • Das Thema ist leider nicht einmal ansatzweise sachlich zu diskutieren. Wer Israels rechte Regierung kritisiert ist Antisemit, wer die Hamas kritisiert ist aggressiver Zionist.



    Man schlägt hier mit moralischen Keulen aufeinander ein, die Linke ist dann leider oft so dämlich und borniert, den schlechtmeinenden Herrschaften auf der rechten Seite Futter für die eigene Erzählung zu liefern, wo man gerne den Schwarzen Antisemitismuspeter an die Linke weitergibt.



    Für alle Seiten kein Ruhmesblatt, die Diskussion hat real allerdings äußerst geringe Relevanz, dient höchstens als Bekräftigung der Positionen der Extremisten, die derzeit in den Ämtern sitzen und den Konflikt wohl bis zum Ende aller Tage weiterführen.

  • Sich nicht für den Genossen Gysi eingesetzt zu haben und bei Lanz keine Linie formulieren zu können ist leider absolut unwürdig für eine Partei mit dem Anspruch von "die Linke".

    Und "Linkenhasser" ist ein starkes Wort um Mitglieder der Partei zu beschreiben. Hr.Bax, wer profiliert sich eigentlich seit Jahren über dieses Thema? Sie auf jeden Fall ...

  • Wir verdanken Josef Schuster viele kluge Sätze und einen scharfen Blick auf Antisemitismus, aber auch auf andere Rassismen.

    Er vertritt deutsche Jüdinnen und Juden, und für die ist die Existenz eines Israels als möglichen Fluchtorts eine kostbare Sache.

    Er vertritt aber nicht deutsche Jüdinnen und Juden, er vertritt nicht die richtige Sache, wenn er sich von Netanyahu teils einspannen lässt, um von Tötungen, Bomben und bewusstem Dauerkrieg wieder einmal abzulenken.

    • @Janix:

      Und wenn Schuster sich nun gar nicht "einspannen lässt", sondern wirklich einfach eine andere Sichtweise hat?

      So ganz ohne Verschwörungstheorie?

      Ob er sie als Verbandsvertreter nun kundtun muss, ist eine andere Frage.

  • Die Linke braucht keinen Hass von außen um sich selbst zu zerlegen. Ist nun wahrlich keine neue Erkenntnis.

    • @vieldenker:

      Stimmt.

      Aber dass Juden besser eine rechte Partei wählen sollten als die Linke, wenn ihnen ihre Sicherheit lieb ist, das ist für Deutschland neu.

      Die Klarsfelds haben es für Frankreich ja schon vor geraumer Zeit formuliert.

  • Viele staunen bzw. sind besorgt über diesen überflüssigen innerparteilichen Streit.



    Mit der Merz-Regierung ist die soziale Kälte wieder knallhart auf dem Vormarsch - mit freundlicher Unterstützung der SPD übrigens. Mieterschutz, Hilfe für sozial Schwache, echte Fortschritte in der Klimapolitik und vieles mehr, was linke Innenpolitik ausmacht, kommt bei der Israel-Palästina-Frage unter die Räder. Dabei helfen all diese Pro-Pali-Aktionen vor Ort überhaupt nicht.



    Die Linke kann keine Außenpolitik und für Innenpolitik fehlt leider die dringend nötige Motivation.

  • Um das mal zu übertragen: Wenn jemand (analog Iran) vorhat und das auch laut ankündigt, alle Abgeordneten der Linken (analog Israel) zu töten und die Partei dann dagegen gerichtlich vorgeht, ist das dann auch ein falsches Ziel von Rechtsextremen?

  • Der 1. Link oben führt zu einer Erklärung der Linken Niedersachsen, dass die Überschrift des Abtrags - „Ablehnung des Zionismus“ - aus technischen Gründen nicht mehr geändert hätte werden können, aber inhaltlich völlig von der ursprünglichen Version abweiche.



    .



    So kann sich jede*r darin wiederfinden. Zu behaupten, ein Antrag, der den Zionismus per Überschrift ablehne, tue dies in Wirklichkeit nicht, wan müsse erst das Kleingedruckte lesen, ist widersinnig: der Antrag adressiert eine Wählergruppe, die sich schon in der Überschrift wiederfindet.



    .



    Büttner hat die Partei wegen ihrer zunehmend antisemitischen Ausrichtung (wie sie auch Gysi beklagt) verlassen, daraus zu machen "Parteitagsbeschluss fände er empörender als Kritik an "Israels Kriegen"', geht völlig an der Sache vorbei.



    .



    Antisemitismus ist in Deutschland aus guten Gründen geächtet, jewandem, der seine Partei wegen zunehmend antisemitischer Tendenzen in ihr verlässt, seinen "moralischen Kompass" abzusprechen, ist eine komplette Verdrehung.



    .



    Wie auch in der Überschrift zu diesem Artikel hier: Büttner hat sich klar gegen Judenhass ausgesprochen - daraus nun "Steilvorlage für Linkenhasser" zu machen, ist völlig inakzeptabel.

    • @ke1ner:

      Unterschreibe ich Wort für Wort.



      Man muss Herrn Bax zugute halten, dass er nur seinen Job (als designiertes "Al Jahzeera der taz") macht, aber so eine sachliche Replik - auch mit ihren harten Urteilen - verdient dieser Kommentar allemal.

  • Auch wenn wenig unerwartetes aus dem Artikel hervorgegangen ist - die schreckliche Einseitigkeit des Autors trägt er hier ja mittlerweile seit Jahren schon zu Schau - möchte ich in diesem Kontext auf den Artikel von N. Potter verweisen, den man als Antwort lesen könnte:

    "Wenn die Linke es nicht schafft, Grenzen gegen den Autoritarismus in den eigenen Reihen aufzuzeigen, wird sie selbst zur Gefahr. (...)



    Eine verständliche Emotionalisierung angesichts eines brutalen Kriegs mit zehntausenden zivilen palästinensischen Opfern, darunter viele Frauen und Kinder, wird von Fundamentalisten gekonnt instrumentalisiert. Sie verkaufen eine verkürzte Gut-Böse-Erzählung der Welt. Und liefern dazu einen dringenden Appell, zu handeln – gegen die angeblichen Schuldigen, auch hier in Deutschland (...)



    Diese autoritäre Radikalisierung kommt zur Unzeit. Denn die liberale Demokratie hat gerade genügend Feinde, von der rechtsextremen AfD über Irans antiwestliche Terrorachse bis hin zu Putins Russland. Wenn die Linke es nicht schafft, klare Grenzen gegen den Autoritarismus in den eigenen Reihen aufzuzeigen, wird sie selbst zur Gefahr"



    taz.de/Genossen-vo...Moerdern/!6163550/

  • Auch wenn wenig unerwartetes aus diesem Beitrag hervorgegangen ist - die schwer erträgliche Einseitigkeit des Autors trägt er ja mittlerweile seit Jahren zur Schau

  • "Der Kern des Konflikts: Viele jüngere Mitglieder empören sich über Israels Kriege, ob in Gaza, dem Libanon oder in Iran. Andere in der Partei hängen noch immer einem idealisierten Israel-Bild an und fürchten, die Deutungshoheit zu verlieren."



    Was für ein Framing. Applaus dafür. Wie wäre es denn stattdessen damit: Manche Mitglieder haben ein Problem damit, wenn einflussreiche junge Linke (wie in Thüringen geschehen) davon sprechen, Israel würde in Gaza einen (Zitat) "fucking Holocaust" veranstalten?

    Der Beschluss aus Nds. wurde von den Antragstellern dazu genutzt, öffentlich anzugeben, Niedersachsen sei jetzt der erste "antizionistische Landesverband" - denn die Formulierung des "heute real existierenden Zionismus" ist bereits das Ergebnis mehrerer Änderungsanträge. Aber schön, dass sich auch Herr Bax freut, dass Antisemitismusbeauftragte, die das Thema "genutzt" haben, jetzt die Partei verlassen - dass dem Mann das Büro verwüstet wurde und dort rote Dreiecke gemalt wurden, hat Herr Bax bestimmt nur vergessen.

    Ich habe aufgrund dieses Themas diese Partei nach fast 20 Jahren Mitgliedschaft nach dem Beschluss der Linksjugend letztes Jahr verlasssen. Herr Bax wird sich freuen.

  • Sozialismus ist internationalistisch.

    Gesellschaftliche Gleichheit und gleiche Rechte für Alle, Chancen für Alle, Kontrolle von Macht (zumindest in der Theorie), möglichst umfassende gemeinwirtschaftliche Verwaltung des gesellschaftlichen Reichtums.

    Wenn es zu Israel / Palästina kommt, ist der gegenwärtige Zustand für jeden Beobachter nur schwer erträglich.

    Unbedingt aus Europa eine Position ergreifen zu wollen, ist aber identitätspolitische Verirrung, der die deutsche Linke seit je her anhängt.

    Man muss nicht auf der Seite einer Bevölkerungsgruppe stehen, man braucht kein "dagegen".

    Man braucht ein "dafür": Für das gute Leben für Alle.

    • @Stavros:

      Ihre Definition von Sozialismus kann man auch anders sehen.

      Den zweiten Teil würde ich definitiv unterschreiben.

      Man muss nicht auf einer Seite stehen.

  • Danke für diesen Kommentar von Daniel Bax, vor allem für den letzten Satz!

  • Es hat doch nichts mit "Hass" zu tun, wenn man sich darüber freut, dass die letzten ernstzunehmenden Linken-Politiker entweder die Partei von sich aus verlassen oder von den eigenen Leuten beschimpft und marginalisiert werden, der Rest sich gegenseitig "die Köpfe einschlägt" (im übertragenen Sinn gemeint).



    Ich möchte aber an dieser Stelle und weil es zum Thema dieses Textes passt, dem Taz-Redakteur Hr. Potter für seinen Beitrag "Die neue autoritäre Linke" (und viele andere) danken, 1) weil sein Beitrag nicht direkt kommentiert werden kann (Kommentarfunktion geschlossen), 2) weil Hr. Potter den Mut hat, seine Sicht der Dinge gegen viele Widerstände (und gegen wirklichen Hass) darzustellen und damit einer einseitigen Bewertung des Komplexes "Nahostkonflikt" entgegenzuwirken.

    • @Vigoleis:

      Dem Dank an Herrn Potter schließe ich mich an.

      Sein Mut beeindruckt mich.

      Immer noch zeigt er sein Gesicht.

  • Ist ja aber auch nicht ganz einfach in diesen verrückten Zeiten.



    Israel hat grundsätzlich alles Recht der Welt, sich in einer feindlich gesinnten Region zu verteidigen. Das aber ( zumindest meiner Einschätzung nach) ohne Rücksicht auf Verluste, Schäden an ziviler Infrastruktur und globaler Konsequenzen mit blinder HaudenLukas Aktion durchzuziehen.....das ist einem in dieser Region als Leuchtturm der parlamentarischen Demokratie angesehenen Staat schlichtweg unwürdig. Ich kann die Linke in ihrer Zerrissenheit in diesem Punkt verstehen. Die Rechten haben es da einfacher, Menschenleben waren denen doch schon immer relativ egal.

  • Wenn man das Problem beim Ton der "Älteren" sieht, die den offensichtlich jungen, migrantischen Antisemitismus in der Linken kritisieren, wenn man ihn beim Antisemitismusbeauftragten sieht und in einem idealisierten Israelbild, dann sollte man vielleicht selber einmal seinen moralischen Kompass überprüfen, als sich zum Opfer von Linken-Hassern zu stilisieren. Vielleicht kann uns Herr Bax bei Gelegenheit mal erklären, was Antizionismus ist - also die Leugnung des Rechts der Juden auf einen eigenen Staat - wenn nicht antisemitisch. Die Verrenkungen von van Aken, Reichineck und Schwerdtner lassen sich gewiss noch steigern.

  • " ... Die Parteispitze bemüht sich um Schadensbegrenzung ..."



    Um eindeutig und unmissverständlich sich gegen Antisemitismus zu positionieren, reicht eine "Bemühen" der Parteispitze eben nicht aus. Insbesondere van Aken hat diesbezüglich massive Defizite, erkennbar auch jetzt wieder an seinem Geschwurbel zum Niedersächsischen Parteitag der Linken (SZ: Deren Chef Jan van Aken versucht zu beschwichtigen). Haltung ist das, was den Linken fehlt!

  • Hier wird die diskursive Gemengelage innerhalb der Linken schön zusammengefasst. Auffällig ist, dass die Diskussion vor allem von ungerechtfertigten Gleichsetzungen lebt: Ablehnung des "real existierenden Zionismus" = Absprechen des Existenzrechts Israels? Unzutreffend. Marginale Linksradikale = die gesellschaftliche Linke? Albern. Israel = Kolonialismus und Imperialismus (und nur das)? Absurd. Die sich in den letzten Jahren entfaltende Dynamik könnte verhängnisvoll sein: Die Kritik an der israelischen Besatzung verkommt mehr und mehr zu einem Tunnelblick; die Definition von Antisemitismus hingegen wird krass ausgeweitet bis jede Äußerung zu Israel darunter fallen kann. An letzterer Entwicklung sind verschiedene politische Akteure interessiert, deren Motivation extrem unterschiedlich ist: a ) Distinktionsgewinne für Antideutsche im linksradikalen Sich-gegenseitig-fertigmachen; b) der moralisch und politisch schlanke Fuß der Staatsräson; c) Beeinflussung ausländischer Regierungen seitens der israelischen Regierung; d) Zerstörung progressiver Politik von konservativ-reaktionärer Seite.

  • »Andere in der Partei hängen noch immer einem idealisierten Israel-Bild an« -- Daniel Bax denkt also, sie hätten Unrecht …

    »Der Beschluss kritisiert den „real existierenden Zionismus“ einer rechtsextremen Regierung,« -- … und gibt der Regierung Israels die Deutungshoheit darüber, was realer Zionismus ist.

    Dabei sagt der Antrag in Niedersachsen gar nicht, dass nur der Zionismus der Regierung Netanjahu gemeint ist. Der Antrag bezeichnet alle Arten des Zionismus, die nicht in ihr Bild passen, als nur historisch:

    "Historisch ist der Zionismus keine einheitliche Ideologie gewesen. … Gleichzeitig sehen wir heute einen politischen Zionismus, der sich durch Rassismus, Besatzungspolitik und militärische Gewalt auszeichnet"



    -- www.dielinke-nds.d.../A01_geaendert.pdf

    Bedeutet: der Antrag der Linken Niedersachsen sagt, Zionismus sei historisch nicht einheitlich gewesen -- was im Umkehrschluss bedeutet, jetzt sei er es aber.

    Zum Abschluss verwehren sie sich gegen Antisemitismusvorwürfe.

    Alles in allem übel.

  • Die Linke sieht sich als weltoffen, aber wenn sie sich auf einer Seite stellt egal ob Israel oder den Araber oder ähnliche Konflikte auf der Welt hat sie sich neutral zu verhalten. Alles andere ist nicht weltoffen, man muss die Welt und ihre Bevölkerung so nehmen wie sie sind, vorzuschreiben wie sie sein sollen, halte ich als falsch an.

    • @Marcelo:

      Weltoffen bedeutet NICHT indifferent.

    • @Marcelo:

      "...man muss die Welt und ihre Bevölkerung so nehmen wie sie sind..." wie sind sie denn so, "die welt" und "ihre bevölkerung"?

      • @Pflasterstrand:

        jeder individuell! Niemand ist vergleichbar mit jemand anderem

    • @Marcelo:

      So weltoffen wie die Berlinale oder deutsche Innenminister?

      • @Joe Schmoe:

        Das ist ein schlechter Vergleich

      • @Joe Schmoe:

        Der deutsche Innenminister ist weltoffen in meinen Augen da die Grenzen offen sind und wen interessiert schon eine langweilige Kulturversnstaltubg wie die Berlinale

  • Linken-Hasser?



    Der Ausdruck Linken-Hasser ist sehr extrem gewählt. Ich bin bekennender Gegner der Linke, aber mit Hass hat das nichts zu tun. Die antisemitischen Aussagen gegen Israel nehmen in der Linke leider deutlich zu. Gysi hat es meines Erachtens richtig ausgedrückt und wird nun dafür von der eigenen Partei niedergemacht, statt dass man sich seine Worte mal ernsthaft überlegt.



    Das Hoch der Partei dürfte eine Eintagsfliege gewesen sein, die Partei tut gerade alles, damit sie wieder in den Keller fährt. Dort finde ich, ist sie auch besser aufgehoben. Aber mit Hass hat diese Meinung von mir trotzdem nichts zu tun, eher mit Ablehnung.

    • @Hans Dampf:

      Sehr glaubwürdig.

      • @Joe Schmoe:

        Das klingt leicht ironisch. Aber warum? Warum wird einem Hass unterstellt, nur weil man seine Ablehnung äußert?

        • @Katharina Reichenhall:

          Ich glaube die Ironie richtet sich gegen die "Eintagsfliege".

  • "Manche Jüngere verzetteln sich im Kampf um möglichst scharfe Parteitagsbeschlüsse." Ja, eben. Vielleicht sollte man darüber nachdenken, welche weltgeschichtliche Bedeutung ein Parteitagsbeschluss der Linken Niedersachsens eigentlich so hat. Und Luft rauslassen.

    • @Michael Andreas:

      "Vielleicht sollte man darüber nachdenken, welche weltgeschichtliche Bedeutung ein Parteitagsbeschluss der Linken Niedersachsens eigentlich so hat. Und Luft rauslassen."



      Aus der Linken Niedersachsens? Ich hab das Gefühl, da arbeitet sie gerade selber dran...

  • Für einen Linken ist der Umgang mit Israel eine zwiespältige Frage. Netanjahu und die Politik der rechten Regierung in Israel gilt es klar zu verurteilen. Wobei sich dessen Siedlungspolitik und das vor einiger Zeit verabschiedete Nationalstaatsgesetz durchaus auf nationalistischer und teilweise sehr rechter Ebene befindet. Hierbei werden Minderheiten in Israel ausgegrenzt und Personen die nicht der richtigen jüdischen Gruppe angehören zu Persona non grata erklärt und Ihnen die Staatsbürgerschaft nicht zuerkannt. Von dieser Ebene und dem Umgang mit der arabischen Bevölkerung sollte man duchaus solidarisch mit Palästina und den Arabern sein. Auf der anderen Seite gibt es die Hoffnung auf ein demokratisches Israel ohne die ultrarechte Regierung mit Pluralismus, Gewaltenteilung und einer Gleichberechtigung der arabischen Bevölkerung. Und an letzterem sollte man festhalten und nicht pauschal jeden Zionismus oder den israelischen Staat per se ablehnen. Nur die derzeitige Regierung Netanjahu trägt sehr radikale, rechte und ultranationalistische Züge die es abzulehnen gilt.

    • @Hamburger in Istanbul:

      Welche Züge tragen denn die führenden palästinensischen Kräfte (PLO, Fatah, Hamas usw.), und wie sind die aus linker Sicht zu beurteilen? Für mich als Linken sind die völlig inakzeptabel. Von diesen Kräften ist nicht ein Hauch emanzipatorischer Politik zu erwarten, im Gegenteil.

      Der Verfassungsentwurf der Palästinensischen Autonomiebehörde, nach dem die Scharia die wichtigste Grundlage der Gesetzgebung sein soll, wird hierzulande von Linken, die für einen palästinensischen Staat eintreten, kaum thematisiert. Offenbar ist der Entwurf für sie nicht vorzeigbar. Aber nichts anderes ist von einem Staat "Palästina" zu erwarten, wobei die PLO noch das kleinere Übel ist, was auch schon viel aussagt.

    • @Hamburger in Istanbul:

      DIESER Zionismus, so wie ihn die israelische Rechte versteht, steht in der Tat diametral gegen die Werte, wie sie die Linke vertritt. Völkischer Nationalismus ist nichts, was unsere Unterstützung und Solidarität verdient. bei aller Beteuerung des israelischen Existenzrechtes.



      Zur Wahrheit gehört leider, dass der auf Freiheit und Gleichheit beruhende Arbeiter-Zionismus der israelischen Gründerväter heute ausgedient hat.



      Genau so, wie eine antiimperialistische Linke realisieren sollte, dass die islamistische Hamas inzwischen die palästinensische Befreiungsbewegung gekapert hat, sollte Israelsolidarische kapieren, dass die Agenda der in Israel heute tonangebenden Kräfte keineswegs Demokratie, Freiheit und Gleichberechtigung ist.

    • @Hamburger in Istanbul:

      Immer wieder wurde diskutiert:



      Ein klar definierter "säkularer Staat" mit Gleichberechtigung und erkennbar gewollter Partizipation von Minderheiten wäre vielleicht eine zukünftige friedliche Lösung?



      Aus swr.de 2023



      "Auch 75 Jahre nach seiner Gründung am 14. Mai 1948 und der leidvoll erkämpften Existenz ringt der Staat Israel um seine Identität. Ist Israel ein jüdischer und demokratischer Staat, wie es die zionistischen Gründerväter wollten? Oder ein jüdischer, religiöser Staat, wie es die zunehmende Zahl der religiösen und ultraorthodoxen Israelis fordern? Oder doch ein "normaler", säkularer, demokratischer Staat?"

  • Sehr geehrte Herr Bax, bitte lesen Sie sich doch bitte den Essay Ihres Kollegen Herrn Potter gut durch.



    Hier der Link, wenn Sie den Beitrag nicht gleich finden sollten:

    taz.de/Genossen-vo...Moerdern/!6163550/

    Nach der Lektüre und etwas Reflexion können Sie vielleicht einen weiteren Kommentar verfassen.



    Mit Freundlichen Grüßen

    • @si tacuisses:

      Ich habe mir die letzten Beiträge von Herrn Potter durchgelesen und muss sagen, dass ich diesen hier deutlich differenzierter finde.



      Dass sich Herr Potter persönlichen Anfeindungen/Drohungen ausgesetzt sieht, finde ich sehr bedauerlich, aber es ist noch kein Grund, den Ruf einer renommierten Zeitung wie der TAZ, mit seiner persönlichen Vendetta gegen "radikale Linke" zu riskieren.



      Ich habe mir auch den Parteitagsbeschluss aus Niedersachsen durchgelesen und den Eindruck bekommen, dass die Genossen sich äußerste Mühe gegeben haben, nichts hinein zu schreiben, was als antisemitisch ausgelegt werden könnte und sogar mit dem Antizionismus-Begriff vorsichtig umgegangen sind.



      Hier das Existenzrecht Israels angegriffen zu sehen und gleich wieder die Antisemitismus-Keule auszupacken, würde ich eher von der Springer-Presse erwarten.



      Großes Lob an Herrn Bax an dieser Stelle, der hier zeigt, dass es auch anders geht.

    • @si tacuisses:

      Ich nehme mal an, Baxens Kommentare (der vorliegende und der zu Faesers Vermächtnis) sind als Gegengewicht gegen Herrn Potters Meinungsbeiträge zu verstehen. Der von Ihnen verlinkte zählt in seinem letzten Absatz die Feinde der liberalen Demokratie auf (AfD, Iran, Russland und die radikale Linke, von der insinuiert wird, dass sie irgendwie stellvertretend für die gesellschaftliche Linke stünde) und lässt dabei seltsamerweise die illiberale Internationale, die vom politischen Script Netanyahus und des Likud maßgeblich inspiriert und geprägt ist, außen vor. Und die Illiberalen (in Baxens Worten: "Linken-Hasser") nutzen nun mal den Antisemitismusvorwurf (der - es sei deutlich gesagt - oft, aber sicher nicht immer falsch ist) zur Delegitimierung progressiver Politik und zur Durchsetzung reaktionärer Interessen und autoritärer Politikmuster.

    • @si tacuisses:

      Leider ist beides richtig. Auch Kriegsverbrechen und Siedlungspolitik der Israelis sowie den gegenwärtigen Angriffskrieg können wir in Europa wohl kaum als sachgemäße Lösung des Konflikts betrachten. Aber keiner weiß mehr, wie es denn "richtig" laufen sollte: Die UNO ist mehr denn je davon entfernt, Weltpolizist zu sein. Also versinkt der Nahe Osten im Chaos von jahrhundertelangen Fehden mit "manichäischen" Weltbildern von Blut und Boden, und unser einziges Bestreben als Kartoffeln ist nurmehr, dass dies nicht nach Europa schwappt.

      • @hedele:

        Es geht hier um Die Linke und wie sie sich positioniert. Dazu wie Herr Bax die Entwicklung betrachtet. Und da halte ich Herrn Bax wie immer auf mindestens einem Auge blind. Blind für die Wirklichkeit und der Entwicklung ins Extreme bei Die Linke.



        Wie geschrieben, Herr Potter bringt da eine ganz andere Perspektive, die er vor allem aus leidlicher Erfahrung selbst erlebt hat. Dort sollte man sich ansehen wohin die Reise gerade geht. Leider ist Extremistische, Menschenverachtende. Wenn Abschusslisten, Bedrohungen etc. erstellt/geäußert werden, dann ist man totalitärer Gewalt schon sehr nah.

  • Das Problem beim Nah Ost-Konflikt ist meiner Meinung nach die fehlende differenzierte Betrachtung. Niemand streitet Israel seine Souveränität oder Existenz ab und das Problem ist auch nicht die israelische Bevölkerung. Alles steht und fällt mit Entscheidungen von Benjamin Netanjahu. Und nein, dass hat auch nichts mit Religion zu tun, sondern den Entscheidungen, die er getroffen hat.

    • @Jeanine Brinks:

      "Das Problem beim Nah Ost-Konflikt ist meiner Meinung nach die fehlende differenzierte Betrachtung. Niemand streitet Israel seine Souveränität oder Existenz ab..."



      Und das ist eine differenzierte Betrachtung? Dass niemand Israels Existenz abschaffen will, ist ja nun schlicht unwahr.

    • @Jeanine Brinks:

      Das ist inkorrekt. Ein großer Teil Israels steht hinter der Gaza-Katastrophe, es wird mit dem Fall Netanyahus nicht gegessen sein. Israel ist eine Mahnung gegen den Rechtsruck.

      • @Joe Schmoe:

        Ich habe hier immer das starke Gefühl, das gerne vergessen wird, wo Israel geografisch sitzt und wie die Nachbar zu ihm stehen.

        Es ist immer einfach gesagt: suche eine friedliche Lösung.

        Wenn dich aber alle Nachbarn tot sehn wollen, ist es sehr schwer.

        Ich denke einige würden hier auch anders denken, wenn sie regelmäßig wegen einem Bombenalarm aus dem Bett müssen.

        Das ganze ist eine verfahrene Situation. Und wenn die Israelis nicht wehrhaft sind, sind sie schnell weg vom Fenster.

        Das hier zu vereinfach und so zu tun, als ob ein weltoffenes linkes Israel da mit Freunde empfangen und mit Blumen willkommen geheißen wird banalisiert den Konflikt und verkennt die Umstände.

        • @Lio:

          "Ich habe hier immer das starke Gefühl, das gerne vergessen wird, wo Israel geografisch sitzt und wie die Nachbar zu ihm stehen."



          Das wird nicht vergessen. Darauf beruht der Vorwurf des Kolonialismus.

    • @Jeanine Brinks:

      Wenn es nun den "ersten antizionistischen Landesverband" in der Linken gibt, ist Ihre These, dass "Niemand Israel seine Souveränität und Existenz" abstreitet offensichtlich falsch.

    • @Jeanine Brinks:

      Das stimmt so nicht ganz.

      Netanjahu ist von den extrem Rechten in seiner Regierung abhängig -- und hat schon in einem verbrieften Fall versucht, einen Waffenstillstand an ihnen vorbei zu entscheiden, ist daran aber gescheitert:



      www.draketo.de/pol...ckmailed-netanyahu

      Ich gehe davon aus, dass die dort verlinkten Informationen stimmen, weil sie aus einem Artikel kommen, der stark gegen Netanjahu gerichtet war.

      Auch das gehört zur differenzierten Betrachtung. Es gibt in der Regierung Netanjahu Rechtsextreme, einer davon sogar verurteilter Terrorist, aber sie haben keine Mehrheit. Sie sind nur nötig, weil ohne sie die Regierung zerbricht. Und das nutzen sie aus.

      Das sollte der CDU eine deutliche Warnung sein, nie mit der AfD zusammen in eine Regierung zu gehen. Die AfD hätte da nämlich einen weit größeren Stimmanteil als die Rechtsextremen im Kabinett Netanjahu.