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Francesca Albanese über ihre Arbeit„Sie wollen der Realität nicht ins Auge sehen“

Die UN-Sonderberichterstatterin für Palästina wird von der US-Regierung sanktioniert. Ein Gespräch über Folter in Israel und Kritik an ihrer Person.

Manche nennen sie eine Aktivistin: die Juristin und Menschenrechtlerin Francesca Albanese Foto: Toni Petraschk

taz: Frau Albanese, warum kritisieren Sie ständig Israel?

Francesca Albanese: Ich wurde von den Vereinten Nationen beauftragt, Menschenrechtsverstöße in den besetzten palästinensischen Gebieten zu dokumentieren und darüber zu berichten. Warum kritisiere ich Israel? Weil Israel dort die Besatzungsmacht ist. Es gibt auch andere Länder, die unter besonderer Beobachtung der Vereinten Nationen stehen. Aber mein Mandat ist sehr heikel, gerade für die deutschen Behörden.

wochentaz

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taz: Manche sagen, Sie seien eine Aktivistin.

Albanese: Ist das schlimm? Was wäre denn das Gegenteil?

taz: Eine neutrale Beobachterin?

Albanese: Soll ich meine Berichte vorlegen und schweigen, während Menschen, darunter Kinder, abgeschlachtet werden? Ich weiß nicht, ob ich eine Aktivistin bin, aber ich bin sehr aktiv. Ich verteidige die Menschenrechte und verstecke mich nicht hinter irgendwelchen Statuten. Meine Aufgabe ist es, Menschenrechtsverletzungen öffentlich zu machen und dafür zu sorgen, dass etwas dagegen getan wird. Andere Sonderberichterstatter, etwa für den Kampf gegen den Terror und für das Recht auf Nahrung, sagen übrigens das Gleiche über Israel wie ich.

taz: Außenminister Johann Wadepuhl (CDU) hat Ihren Rücktritt gefordert. Deutsche Universitäten haben Sie 2025 auf Druck ausgeladen, Ihr jüngster Besuch wurde von Protesten begleitet. Ist Deutschland ein schwieriges Pflaster für Sie?

Im Interview: Francesca Albanese

1977 in Italien geboren, ist Rechtswissenschaftlerin mit Spezialisierung auf Internationales Recht und Menschenrechte. Seit 2022 ist sie UN-Sonderberichterstatterin für die besetzten Gebiete Palästinas.

Albanese: Anders als in Spanien, Südafrika, Irland, Slowenien oder Belgien werde ich hier nicht mit offiziellen Ehren empfangen, sondern von Privatpersonen eingeladen. Aber es gibt hier viele gute Wissenschaftlerinnen, Aktivisten und ganz normale Bürger, die sich gegen die Schikanen zur Wehr setzen. Deshalb freue ich mich immer, nach Deutschland zu kommen.

taz: Sie legen alle sechs Monate einen Bericht vor. Worauf legen Sie dabei den Schwerpunkt?

Albanese: Seit Amtsantritt im Mai 2022 habe ich acht Berichte verfasst, fünf von ihnen beziehen sich auf den Völkermord in Gaza – was Israel dort getan hat und warum es nicht gestoppt wurde. Das liegt an der Komplizenschaft von über 60 Staaten, darunter Deutschland und Italien, die politische, finanzielle, militärische oder diplomatische Unterstützung geleistet haben. Und an Unternehmen, Universitäten und Pensionsfonds, die davon profitiert haben.

taz: Ihr letzter Bericht beleuchtet die Lage palästinensischer Häftlinge in israelischen Gefängnissen.

Albanese: Es geht nicht nur um die Häftlinge, sondern um alle Palästinenser und was mit ihnen vor dem Hintergrund dieses Völkermords passiert ist. Die ersten dokumentierten Fälle von Folter und Vergewaltigungen palästinensischer Gefangener reichen bis ins Jahr 1967 zurück, dem Beginn der Besatzung. Aber das Ausmaß an Grausamkeit und Entmenschlichung seit dem 7. Oktober 2023 ist unglaublich.

taz: Was meinen Sie damit?

Albanese: Wir haben mit hunderten Palästinenserinnen und Palästinensern gesprochen und Berichte von Menschenrechtsorganisationen gesammelt – israelischen, palästinensischen und internationalen. Man muss sich ihre Zeugenaussagen durchlesen. Sie schildern, wie sie nackt mit verbundenen Augen ausharren mussten und geschlagen oder angepinkelt wurden. Andere erlitten Knochen- und Schädelbrüche, ihnen wurden Zähne ausgeschlagen. In Militärgefängnissen wurden ihre Wunden nicht behandelt, ihnen wurden ohne Betäubung Gliedmaßen amputiert. Ein Zeuge berichtet, dass Joghurt auf den Boden geworfen wurde und sie gezwungen wurden, ihn aufzulecken. Andere wurden so schwer geschlagen, dass sie einen Herzinfarkt erlitten. Frauen und Männer haben ausgesagt, von Soldaten vergewaltigt worden zu sein, wiederholt und in Gruppen, mit Metallstangen, Flaschen oder Messern, manche durch Hunde. Es ist wirklich monströs.

taz: Und das sind Ihrer Ansicht nach keine Einzelfälle?

Albanese: Nein. Schläge und Demütigungen sind an der Tagesordnung, und Gefangenen wird systematisch Nahrung vorenthalten. Ärzte und Journalisten werden oft besonders schlecht behandelt. Der Holocaust-Überlebende Jean Améry hat gesagt, Folter zerstöre die Welt eines Menschen unwiderruflich, und ich stimme dem voll und ganz zu. Und leider kann ich nicht die Vergangenheitsform verwenden, denn das geht immer noch so weiter. Israel hat über 18.500 Palästinenser verhaftet und inhaftiert, und ich bezweifle, dass es unter ihn einen gibt, der keine Folter erlebt hat. Aber die Welt will es einfach nicht wissen.

taz: Sie selbst können nicht nach Israel und in die besetzten Gebiete reisen. Wie kommen Sie an die Informationen für Ihre Berichte?

Albanese: Wir haben mit Anwälten vor Ort gesprochen, die in Kontakt mit palästinensischen Folteropfern standen, und sie haben von ihnen eidesstattliche Erklärungen eingeholt. Die erste Aussage über Vergewaltigung und Folter in Haft hat uns, den Sonderberichterstatter für Folter und mich, schon im Februar 2024 erreicht. Dann gab es einen UN-Bericht, in dem stand, dass eine Reihe von UN-Mitarbeitern gefoltert und vergewaltigt wurde, und die israelischen Menschenrechtsorganisationen B'Tselem und Physicians for Human Rights haben ebenfalls Berichte über Folter in Haft veröffentlicht. Aber das Problem ist viel größer und geht über die Gefängnisse hinaus.

Israel und Palästina

Die Lage

Im Herbst 2025 einigten sich Israel und Hamas auf einen brüchigen Waffenstillstand, doch das Leid ist weiterhin groß im Gazastreifen. Im Westjordanland terrorisieren israelische Siedler immer offener die Palästinenser.

Der Völkermord-Vorwurf

Vor dem Internationalen Gerichtshof wird verhandelt, ob Israels Vorgehen in Gaza als Genozid zu werten ist. Eingereicht wurde die Klage von Südafrika, unterstützt von vielen Staaten des globalen Südens. Auch Organisationen wie Amnesty International sprechen von einem Völkermord. Israel, die USA, Deutschland und andere weisen den Vorwurf zurück.

taz: Inwiefern?

Albanese: Israel hat ein Umfeld geschaffen, das an sich schon Folter ist. Von Lebensmitteln abgeschnitten zu sein, ansehen zu müssen, wie die eigene Familie am Hunger stirbt, und die konstante Bedrohung, entweder getötet oder vertrieben zu werden – dieser Terror geht von israelischen Soldaten und Siedlern aus. Das ist psychologische Folter.

taz: Ein Video aus dem Haftlager Sde Teiman zeigte 2024, wie israelische Soldaten einen Palästinenser vergewaltigen. Warum hatte das kaum juristische Konsequenzen?

Albanese: Abgesehen von ein paar Ausnahmen will die israelische Bevölkerung das einfach nicht wahrhaben und versucht, es zu verdrängen. Das ist ein interessantes Phänomen, eine Art selektive Wahrnehmung – man sieht die einzelnen Indizien, aber weigert sich, das größere Ganze zu erkennen.

taz: Ändern Ihre Berichte überhaupt etwas?

Albanese: Auf jeden Fall. Ansonsten hätten die USA keine Sanktionen gegen mich verhängt. Das wäre nicht nötig, wenn mir niemand zuhören würde. Wir haben das Schweigen durchbrochen, und dadurch entsteht in den westlichen Gesellschaften eine kritische Masse. Nehmen Sie Italien: Meine Arbeit war fundamental wichtig, um das Gewissen der Italiener zu wecken. Es gibt immer mehr Aufmerksamkeit für Palästina.

taz: Und in Deutschland?

Albanese: Ich habe die Deutschen immer dafür bewundert, wie kritisch sie mit ihrer Vergangenheit umgegangen sind. Aber ich wurde enttäuscht, besonders von den deutschen Intellektuellen. Fast alle von ihnen schweigen. Und selbst wenn einem Palästina egal ist, sollte es einem Sorgen machen, wie die Polizei in Deutschland mit Schlagstöcken gegen Protestierende vorgeht. Umso mehr, wenn man weiß, wogegen sie protestieren.

Sie sind auch in den Sozialen Medien sehr aktiv. Wäre es nicht besser, darauf zu verzichten, um weniger Angriffsfläche zu bieten?

Warum?

taz: Sie haben vor einigen Jahren einen Post geteilt, der ein Foto von Benjamin Netanyahu neben einem von Adolf Hitler zeigt. Bereuen Sie das?

Albanese: Darauf zu antworten fühlt sich an, als würde ich mit dem Finger auf den Mond zeigen – und alle gucken nur auf meinen Finger. Im Ernst?!

taz: Finden Sie diesen Vergleich nicht antisemitisch?

Albanese: Ich weiß sehr gut, was Antisemitismus ist – die Diskriminierung von Juden, weil sie Juden sind. Ich lehne das mit jeder Faser meines Körpers ab. Aber anders als für viele in Deutschland gilt die Mahnung „Nie wieder“ für mich für alle Menschen. Für Kongolesen, für Ruanderinnen, für Bosnier und Palästinenserinnen. Ich würde nicht einmal meine eigene Mutter bedingungslos unterstützen und vor dem Gesetz schützen, wenn sie eine Mörderin wäre.

taz: Manchen stößt es auf, wenn Sie den jüdischen Staat mit dem Genozid an Juden in Verbindung bringen.

Albanese: Und mich stößt es ab, dass Deutschland der zweitgrößte Waffenlieferant für ein Land ist, das gerade 22.000 Kinder getötet hat. Sie wollen dieser Realität nicht ins Auge sehen, deshalb beschuldigen Sie mich.

taz: Warum beziehen Sie sich auf den Holocaust?

Albanese: Warum soll ich nicht über den Genozid sprechen, den unsere Väter und Großväter begangen haben?

taz: Weil es zwischen dem Holocaust und Israels Verbrechen große Unterschiede gibt.

Albanese: Auch die Juden wurden von ihren Verfolgern nicht als Menschen angesehen. Als Primo Levi sein Buch „Ist das ein Mensch?“ schrieb, warfen die Leute ihm vor zu übertreiben. Niemand wollte glauben, was den Juden angetan worden war. Ich habe viel Mitgefühl für das, was dem jüdischen Volk widerfahren ist. Aber wir dürfen die Erinnerung an den Holocaust nicht dazu benutzten, um zu ignorieren, was mit unserem Geld und unseren Waffen getan wird.

Muss man sich auf den Holocaust berufen, um Israel zu kritisieren?

Albanese: Ich bin nur eine Italienerin, die versucht, es besser zu machen als ihre Vorfahren. Ich werde nicht schweigen angesichts eines solchen Massakers. Und der Staat, den Deutschland so eifrig schützt, stürzt gerade eine ganze Region ins Chaos. Glauben Sie etwa, dass dieser Krieg keine massiven Flüchtlingsströme auslösen wird? Dann werden wir den Libanesen und den Palästinensern und anderen in der Region die Schuld dafür geben, dass sie hierherkommen und Zuflucht suchen. Dabei haben unsere Waffen Israel geholfen, ihre Häuser und Dörfer zu zerstören.

taz: Zuletzt sorgte ein Video für Aufsehen, in dem es so klang, als hätten Sie bei einer Veranstaltung des Senders Al-Jazeera über Israel gesagt, es sei „der gemeinsame Feind der Menschheit“. Das wurde schnell als Zusammenschnitt entlarvt …

Albanese: Das war eine besonders obszöne Aktion von UN-Watch. Diese Organisation ist seit Jahren hinter mir her und will mir anhängen, Antisemitin zu sein. Und jetzt fordern Sie von mir, mich dafür zu rechtfertigen?

taz: Nein, die Passage wurde aus dem Kontext gerissen und böswillig zusammengeschnitten. Aber wen meinten Sie mit dem „gemeinsamen Feind der Menschheit“?

Albanese: Es gibt ein System, dass Israel die Waffen geliefert, politische, diplomatische und militärische Rückendeckung gegeben und diese Verbrechen finanziert hat. Dieses System kontrolliert Kapital, Waffen und Algorithmen, und dieses System ist der Feind von uns allen. Das ist, was ich gesagt habe. Ich habe nicht von „Plutokratie“ gesprochen, aber diejenigen, die dieses System kontrollieren, bilden eine Herrschaft der Reichen und Mächtigen. Das habe ich gemeint.

taz: Die USA haben 2025 Sanktionen gegen Sie verhängt.

Albanese: Sie treffen mich sehr hart. Aber das ist egal.

taz: Wie wirken sie sich aus?

Albanese: Jede Bank in Europa weigert sich wegen der US-Sanktionen, mir ein Konto zu eröffnen. Ich muss mir ständig Geld leihen. Auch, was ich mit meinen Büchern verdiene, kann mir nicht überwiesen werden, und jeder US-Bürger, der mit mir Geschäfte macht, riskiert 20 Jahre Haft und eine Geldstrafe von einer Million Euro. Mein Mann arbeitet für eine Organisation in den USA, aber wir können dort nicht hinreisen. Wir haben ein Apartment in den USA, das wir nicht nutzen und nicht verkaufen können. Das lastet schwer auf uns. Aber das ist nicht das eigentliche Problem.

taz: Tut Europa genug für Sie?

Albanese: Nein. Deswegen verklagt mein 13-jähriges Kind jetzt die Trump-Regierung. Die erste Anhörung dazu fand gerade vor dem US-Bundesgericht statt, dem Bundesbezirksgericht in Washington, D.C.

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93 Kommentare

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  • Paula , Moderatorin

    Vielen Dank für Eure zahlreichen Beiträge, wir haben die Kommentarfunktion geschlossen.

  • "böswillig zusammengeschnitten"? Albanese hat in dem von ihr auf X geposteten Video gesagt: "The fact that instead of stopping Israel, most of the world has armed, given it political excuses, political sheltering, economical and financial support. This is a challenge. The fact that most of the media in the western world has been amplifying the pro-apartheid, genocidal narrative is a challenge. And at the same time, here also lays the opprtunity. Because if international law has been stabbed in the heart, it's also true that never before the global community has seen the challenges that we all face. We who do not control large amounts of finacial capitals, algorithms and weapons. We now see that we as a humanity have a common enemy and freedoms, the respect of fundamental freedoms, is the last peaceful avenue, the last peaceful toolbox that we have to regain our freedom. ..."

    Damit hat sie zuerst Israel genannt und dann die Staaten, die Israel unterstützen oder zumindest nicht "stoppen" (sowie westliche Medien, angeblich die meisten). Das ist das "System", das der "common enemy" sein soll. Israel gehört nach ihren Ausführungen eindeutig zu diesem "System".

    • @Budzylein:

      Es ist mir nicht hundertprozentig klar, was sie meint. Ihre Aussage ist vollkommen kompatibel mit der These, dass sie Apartheid, Kolonialismus als den Feind meint, da hier der Westen dabei hilft einen politischen Konflikte zu Gunsten von europäisch-westlich geprägten Personen zu entscheiden. Dass Israel der EINE Feind ist, könnte man sicher auch hinein interpretieren, aber sie hat das nicht gesagt und es ist m.E. auch nicht die plausibelste Interpretation.

  • Für mich wäre das Interview interessanter und vielleicht sogar authentischer geworden, wenn Frau Zingher oder Herr Potter zum Kreis der Interviewenden gehört hätten.

  • Ein starkes, gut geführtes aber auch angemessen kritisch geführtes Interview. Lob an beide Interviewer!

    Es ist tatsächlich eine Schande, dass die Frau, bei dem engagierten Job, den sie macht, angesichts der erpresserischen US-Sanktionen so sehr durch ihre einige Regierung in Italien wie auch die EU im Regen stehen gelassen wird.

  • Niemand sieht der Wahrheit ins Auge. Keine Konfliktpartei, keine Regierung, kein Demonstrant, kein Attentäter, kein Soldat, kein Kommandeur.

  • 1)



    Im Israel-Palästina-Konflikt gibt es eine starke Polarisierung. Und die Einseitigkeit in Frau Albaneses Arbeit, die ich auch sehe, stärkt die Polarisierung. Für einen Frieden ist es wichtig, die Täter- und Opferschaft beider Seiten zu sehen. Aber der Job der Interviewten ist ein anderer: "... beauftragt, Menschenrechtsverstöße in den besetzten palästinensischen Gebieten zu dokumentieren und darüber zu berichten." Selbst wenn es heißen würde >... beauftragt, Menschenrechtsverstöße durch den Staat Israel zu dokumentieren und darüber zu berichten.< wäre das ein legitimer und wichtiger Job.

    Es ist eher ein Dilemma, unabhängig von der Person, zwischen deutlichem Hinzeigen und allseitigem Verstehen.

    2)



    Vor der Beschreibung der Folter sollte m. E. eine Spoiler-Warnung stehen.

    3)



    Die persönlichen Sanktionen - das war mir neu, wie massiv sie sanktioniert wird - sind gewichtig. "Jede Bank in Europa weigert sich wegen der US-Sanktionen, mir ein Konto zu eröffnen." Das ist nicht ein persönliches Problem, sondern ein gravierendes Problem europäischer Politik und Wirtschaft.

    • @Brombeertee:

      Sie meinten Trigger-Warnung, nicht Spoiler-Warnung, oder?

    • @Brombeertee:

      Warum sollte das Benennen von Zuständen Polarisierung verstärken?



      Es macht sie sichtbar. Die Polarisierung entsteht durch die Realität, nicht durch die Beschreibung.

      Francesca Albanese hat kein Mandat zur „ausgewogenen Gesamtbewertung“, sondern zur Dokumentation von Menschenrechtsverstößen in einem klar definierten Kontext. Genau das tut sie. Daraus Einseitigkeit zu konstruieren, verfehlt den Auftrag – nicht die Person.

      Und zur Einordnung: Gegen Benjamin Netanjahu liegt ein internationaler Haftbefehl des Internationaler Strafgerichtshof vor. Das ist keine Meinungsfrage, sondern juristische Realität – in einer Reihe mit Fällen wie Wladimir Putin.

      Wer also hier von „Polarisierung“ spricht, sollte vielleicht eher erklären, warum die Benennung solcher Fakten problematisch sein soll – nicht die Person, die sie ausspricht

      • @Stefan Schmitt:

        Sie haben Recht, ihr Mandat ist schon tendenziös angelegt. Aber das ist ein Strohmann. Zu ihrem Mandat gehört es ebensowenig über die Menschenrechtssituation in Afghanistan unter den Taliban zu reden. Dass sie das trotzdem tut und nicht auch über die ihrem Mandat mindestens geographisch näherliegenden Menschenrechtsverletzungen der Hamas usw., führt eben zu der Frage warum sie im einen Fall spricht und im anderen nicht.



        Und das warum scheint selbst Antonio Guterres (selbst wohl kein Israelfreund) zu vermuten, jedenfalls "gefällt ihm nicht alles, was sie sagt".

        • @N. Ietsche:

          Eine tendenziöse Anlage des Mandats ist hier nicht erkennbar. Vielmehr handelt es sich um klar abgegrenzte Zuständigkeiten innerhalb des UN-Systems. Der Vergleich mit einem gerichtlichen Verfahren passt insofern, als auch dort unterschiedliche Rollen und Zuständigkeiten bestehen und das Urteil auf der Basis des jeweils vorliegenden Sachverhalts erfolgt – nicht auf Grundlage einer Gesamtzuständigkeit für alle denkbaren Aspekte.

          Für Afghanistan besteht schlicht kein Mandat im Aufgabenbereich von Francesca Albanese.



          Ergo kann sie sich als Juristin und UN-Expertin außerhalb dieses Mandats selbstverständlich auch zu anderen Themen äußern, etwa zu den Taliban. Das sind dann öffentliche Stellungnahmen, keine offiziellen Mandatsberichte.

  • Francesca Albanese gehört zu den ganz wenigen, die im internationalen Betrieb noch den Mut haben, Dinge klar zu benennen, statt sie weichzuspülen. Genau deshalb wird sie angegriffen – nicht trotz, sondern wegen ihrer Konsequenz.

    Ihre Arbeit ist kein gefälliges Abnicken politischer Linien, sondern das, was Menschenrechtsarbeit eigentlich sein sollte: unbequem, präzise und immun gegen den üblichen Druck, Dinge „auszubalancieren“, bis sie bedeutungslos werden. Wer darin „Parteilichkeit“ sieht, hat sich schlicht daran gewöhnt, dass Klarheit inzwischen als Provokation gilt.

    Dass ihre Berichte Debatten auslösen und Emotionen hochkochen, ist kein Problem, sondern ein Beleg dafür, dass sie trifft, wo es wehtut. In einem Umfeld, in dem Wegsehen oft die bequemere Option ist, wirkt sie wie ein Störfaktor – und genau das macht sie so wertvoll.

    Davor kann man nur den Hut ziehen.

    • @Stefan Schmitt:

      Den Hut könnte man ziehen, wenn Sie auch in aller Klarheit und Prominent die Menschenrechtsverletzungen der Hamas an der eigenen Bevölkerung oder israelischen Geiseln sprechen würde. Da kommt aber nix. Deshalb wirkt Sie unglaubwürdig.

      • @Müller Christian:

        Genau das ist der Punkt – hier wird Ursache und Wirkung verwechselt. Francesca Albanese hat ein klar definiertes Mandat im Kontext der Besatzung. Dass ihre Berichte diesen Fokus haben, ist also kein Beleg für Einseitigkeit, sondern schlicht die Folge ihres Auftrags.



        Der Fehler also:



        Erst wird der Rahmen ignoriert, dann das Ergebnis dafür kritisiert. Aber keine Sorge, Sie sind nicht alleine...

        • @Stefan Schmitt:

          "Aber keine Sorge, Sie sind nicht alleine..."

          Ganz schön überheblich. Dabei ist der Einwand von @Müller Christian nicht unberechtigt.

          Wer sich zu den Taliban äußert, der kann sich auch zur Hamas positionieren. Auch ausserhalb des Mandats. Ihre Vorgänger haben das sogar im Rahmen ihres Mandats getan.

          Wer zu Folter, Exekution und Unterdrückung der palästinensischen Bevölkerung durch die Hamas schweigt, sich keine Silbe abringt über die menschenunwürdige Behandlung der israelischen Geiseln und dazu meint, das man die Hamas in erster Linie als politische Kraft und nicht als Miliz oder Kämpfer betrachten sollte, der offenbart wessen geistes Kind er ist.

          Da hilft dann auch Beschönigen in Form ihrer Dauerschleife vom "klar definierten Mandat" nicht weiter.

          Habe bei ihren Kommentaren eh das Gefühl, es mit einer KI zu tun zu haben. Kommt immer das gleiche im Text vor, unabhängig von den Kommentaren.

    • @Stefan Schmitt:

      Sagt Albanese Ihrer Meinung nach die Wahrheit, wenn sie wie gerade in Griechenland vor einer „Israelisierung Europas“ warnt?

      Israelisierung, wohlgemerkt. Nicht Netanyahusierung.

      • @Suryo:

        Ja, sagt sie! Bibi ist kein alleinherrschender Diktator und hat sich auch nicht an die Macht geputscht, seine Verbrechen gegen Nicht-Israelis genießen Rückhalt, Der Großteil der israel. Bevölkerung findet den Völkermord, die Kriegsverbrechen sowie die völkerrechtswidrigen Angriffskriege, die ihre Armee und ihre Regierung in ihrem Namen verübt, nicht nur in Ordnung, sondern unterstützen und tragen diese moralisch! Dem gesamten Volk Israels ist bekannt, was ihre religiösen Terroristen-Mitbürger mit paläst. Dörfern im WJl anstellen, keinen stört es! Israels Bevölkerung lebt nur ein paar Kilometer entfernt in Überfluss und Wohlstand,, von der unbeschreiblichen Hölle auf Erden, die Israel für Palästinenser geschaffen hat und sie finden sich damit nicht nur ab, sondern wünschen das sogar. In Gaza würden eh nur Terroristen oder Terrorunterstützer. Israel ist eine Demokratie, wenn das Volk diese Zivilisationsbrüche nicht wollte, hätten schon rechtstaatliche Gerichte, die Menschen-, u. Völkerrecht anerkennen und anwenden, längst die monströsen Verbrechen gegen Palästinenser gestoppt. Nichts davon ist geheim, sondern für alle Israelis frei zugänglich!



        Netanyahuisierung wär da sehr verkürzt!

      • @Suryo:

        Die Empörung über den Begriff ‚Israelisierung‘ ist ziemlich durchsichtig. Francesca Albanese meint damit konkrete staatliche Praktiken – Sicherheitslogiken, Kontrolle, Militarisierung –, nicht irgendeine „Identität“.

        Die Unterscheidung zu ‚Netanyahusierung‘ ist am Ende nur Wortklauberei. Staaten werden an ihrer Politik gemessen, nicht an wohlklingenden Ersatzbegriffen.

        Also bitte argumentieren statt umetikettieren – hier geht es nicht um Einschaltquoten, sondern um Inhalte.

        • @Stefan Schmitt:

          Ich sehe in dem Begriff "Israelisierung" wie so häufig eine Sonderbehandlung, da wir ja auch nicht die Begriffe Russifizierung, Amerikanisierung oder gar Chinesisierung verwenden. Gerade Letzteres wäre meiner Meinung nach, angesichts der chinesischen Marktmacht nicht abwegig, ebenso der Einfluss der US-Amerikaner oder das Gefahrenpotential, das u.U. von Russland ausgeht. Damit will ich nicht werten; mir fällt nur auf, dass in Bezug auf Israel "mal wieder", so scheint es mir, negative, neue Begriffe etabliert werden, die auch auf andere Staaten passen würden.

          • @*Sabine*:

            Ihre Einordnung ist teilweise nachvollziehbar: Der Begriff ‚Israelisierung‘ ist kein sauber definierter Fachbegriff und wird je nach Kontext unterschiedlich – teils analytisch, teils zugespitzt – verwendet. Auch dass vergleichbare Begriffe für andere Staaten existieren, ist richtig und erklärt die Wahrnehmungsdynamik.

            Daraus folgt aber nicht, dass die Kritik am Begriff inhaltlich bereits entschieden wäre. Die eigentliche Frage bleibt, was konkret beschrieben wird – nicht, wie der Begriff emotional aufgeladen ist.

            Kurz: Es gibt einen berechtigten Punkt zur Wahrnehmung und zur selektiven Empfindlichkeit in politischen Debatten. Eine abschließende inhaltliche Bewertung ersetzt das aber nicht.

        • @Stefan Schmitt:

          So ist es!

        • @Stefan Schmitt:

          Ziemlich durchsichtig ist, mit der ohne Beleg gebrachten Behauptung, Frau Albanese "meine" eigentlich dies und jenes, von der unverhohlenen Dämonisierung Israels abzulenken.

          Irgendeine Identität Israels wird ja gar nicht mehr zugelassen - Israel ist brei Albanese nur noch System, ist nur noch Gewalt, ist nur noch Hegemonie.

          Das ist Dämonisierung und es ist auch eine Form von Dogwhistling - denn "Widerstand" gegen System, Gewalt und Hegemonie kann ja wohl nichts schlechtes sein, nicht wahr, zwinker zwinker?

  • "Und selbst wenn einem Palästina egal ist, sollte es einem Sorgen machen, wie die Polizei in Deutschland mit Schlagstöcken gegen Protestierende vorgeht."

    Naja, wenn aus Demonstrationen Verbrechen begangen werden und dann der Polizei "Widerstand" geleistet wird, ist das in Deutschland nicht überraschend.

    "Aber anders als für viele in Deutschland gilt die Mahnung „Nie wieder“ für mich für alle Menschen. Für Kongolesen, für Ruanderinnen, für Bosnier und Palästinenserinnen."

    Hat Frau Albanese die Verantwortlichen für jene Kriege und Völkermorde als neue Hitler dargestellt?



    Ich bin ja selbst gegen die dumme Holocaust-Keule in der Nahostfrage, aber warum zieht man dann auf der Gegenseite auch die Hitlerkarte?

    • @Chris McZott:

      Welche Verbrechen denn?

      • @Francesco:

        Volksverhetzung z.B.

    • @Chris McZott:

      Vielleicht, weil es eine besondere Bitterkeit der Geschichtsvergessenheit ist, das ausgerechnet das Land, das aus der völkermörderischsten Entmenschlichung von Menschen, entstanden ist, nun aus ebenso religiösen Gründen, diese Entmenschlichung und vollkommen gnadenlose Verrohrung, ebenso als Verbrechen seinerseits ebenso an Menschen begeht, die dem ebenso vollkommen rechtlos und wehrlos bis zu ihrer Vernichtung oder endgültigen Vertreibung ausgeliefert sind.

      In Deutschland weiß man voll gut wie sowas läuft: man sagt einfach hinterher: Huch, das haben wir alle gar nicht mitbekommen. Und dann schreibt man s so in die Schulbücher, damit die Kinder das in der Schule genauso eingetrichtert bekommen, dass das alles niemand mitbekommen hat sonst hätte man s sicher nicht zugelassen. Wie lange wohl Israel brauchen wird.., 20,50 Jahre, bis sie sagen, "das war damals Völkermord, was wir getan haben.!"

      Ab davon wurden Hitlervergleiche, ohne dass es jemanden gestört oder empört hat, auch schon wegen weit weniger als Israels Kriegsverbrechen und Völkerrechtsbrüche, bemüht! Das waren dann aber Leute, die wir gern hatten oder haben mussten. Da wollte man sich die nette Stimmung nicht verderben.

  • Von den Menschenrechtsverletzungen in israelischen Gefängnissen (Folter!) redet hier niemand mehr, es geht einmal mehr ausschließlich um die Glaubwürdigkeit Frau Albaneses und dem Vorwurf, dass sie doch irgendwie antisemitisch unterwegs sein könnte. Indem aber ihre Glaubwürdigkeit und Gesinnung diskreditiert wird, kann von den gegen Israel erhobenen Vorwürfen bestens abgelenkt werden.



    Und die geschilderten Folter-Vorwürfe wiegen schwer, für einen (immer noch) demokratischen Rechtsstaat sind das wahrhaft keine Peanuts. Leider auch keine Einzelfälle, wie uns die hiesige ‚Propaganda‘-Abteilung Israels ständig erzählen will.



    Dass Hamas oder das iranische Regime auch foltern, macht die Sache freilich nicht besser, im Gegenteil.

    • @Abdurchdiemitte:

      ‚Von den Menschenrechtsverletzungen in israelischen Gefängnissen (Folter!) redet hier niemand mehr, es geht einmal mehr ausschließlich um die Glaubwürdigkeit Frau Albaneses und dem Vorwurf, dass sie doch irgendwie antisemitisch unterwegs sein könnte. ‚

      Ich finde das insofern hilfreich, weil man da doch recht schnell (wieder)erkennt, wer da im Forum regelmäßig und immer wieder Meinungsmache in die gleiche Richtung betreibt.

      • @EffeJoSiebenZwo:

        Genau hier liegt das Problem. Persönlich bin ich mir ziemlich sicher, dass in diesem Krieg von israelischer Seite zahlreiche Verbrechen begangen wurden. Aber einen hinreichend akkuraten Überblick habe ich nicht, weil Frau Albanese aufgrund ihres "Gesamtwerks" für mich völlig unglaubwürdig ist. Dass ich daher ihre Berichte in Zweifel ziehe: Genau deswegen halte ich Sie für eine Fehlbesetzung.

  • “ sollte es einem Sorgen machen, wie die Polizei in Deutschland mit Schlagstöcken gegen Protestierende vorgeht. ”

    Allerdings benötigt keine einzige Palästinensische Institution Polizeischutz und das Palituch kann vollkommen angstfrei in der Öffentlichkeit getragen werden, nicht nur bei den über 2000 propalästinensischen Demos, die es allein in Berlin seit dem 7. Oktober gab und die garantiert nicht alle mit Schlagstöcken malträtiert wurden.

    Anders sieht es mit jüdischen Institutionen und Kippa bzw. Davidstern aus.

    • @Suryo:

      "Allerdings benötigt keine einzige Palästinensische Institution Polizeischutz "

      Da haben sie etwas unsauber argumentiert und etwas verzerrt: ich erlaube mir mal, das zu korrigieren:



      Nicht "benötigt", sondern es muss heißen, "bekommt... Polizeischutz"!

      Finden Sie nicht selbst Ihre Feststellung absurd in Anbetracht der Realität Deutschlands klarer Positionierung auf der Seite des Völkerrechtsbrechers, statt des Völkerrechts und dass Palästinenser und Palästinensereinrichtungen kriminalisiert und als Terror-Verherrlicher gebrandmarkt werden? Denen wird doch keine Schutzbedürftigkeit oder die enorm gestiegene Hasskriminalität gegen Muslime und Araber anerkannt! Auch nicht, dass es allein im Jahr 2025 über 1000 Angriffe auf Moscheen und muslimische Einrichtungen kam. Das sind nur die Zahlen der Angriffe auf Einrichtungen. Von physischen Angriffen, Brandanschläge, Tötungen reden wir noch nicht mal und vom ganz normalem Alltagsrassismus, wie in Öffis geschlagen werden, das Kopftuch runtergerissen bekommen, aufs Übelste öffentlich als Terrorfan beleidigt werden wegen Kopftuch.



      Das wird schon lange als Normalität verinnerlicht und im Alltag toleriert.

      Evtl ist Ihre Wahrnehmung verzerrt

    • @Suryo:

      In der Demo Palituch tragen oder Kippa tragen sollte beides möglich sein, auf der Straße auch. Oder ein Nudelsieb, Popenkreuz, Hijab, Nonnenhabit, sogar eine Bayern-München-Kappe.



      Die Polizei hat aus Hilflosigkeit sehr normale Demos kriminalisiert, das hat sie meines Wissens inzwischen korrigiert. Damit können wir uns wieder darauf stürzen, dass jede und jeder hier wegen Glaube, Herkunft, Aussehen oder was auch immer auf der Straße diskriminierungsfrei spazieren kann, eine Selbstverständlichkeit.

      • @Janix:

        "sogar eine Bayern-München-Kappe."



        Das geht zu weit.

  • Ein sehr starkes Interview, wie ich es oft von Ihnen schon gelesen habe. Ihre Antworten lenken direkt auf das, worauf es ankommt, entlarven die Heuchelei, sprechen Klartext, und inhaltlich verweisen sie sowohl auf das Persönliche als auch auf den gesamten geopolitischen Blick. Danke, Frau Albanese, wir bewundern Sie sehr!

  • Ein ähnlich schwaches Interview, wie kürzlich mit dem „Vulkan Aktivisten“. Keine kritischen Nachfragen und Antworten, die einfach nur inhaltlich leer sind. So wird der Eindruck gestärkt, dass linke Positionen antisemitische Positionen zumindest tolerieren.

    • @Puky:

      Ihr Kommentar ist ja so offensichtlich interessengeleitet.

    • @Puky:

      Was hätten Sie sich denn noch zusätzlich? gewünscht, in Betrachtung des Zuständigkeitsbereiches der Dame??



      Und bitte dabei nicht vergessen, dass die Aufgabengebiete ihres Job unabhängig vom 7. Oktober bestehen.



      Und ich finde, sie macht einen hervorragenden Job mit dem richtigen Herzblut, das die Zehntausenden durch israelische und amerikanische Entscheidungen und Hände sterbenden Menschen dringend brauchen, um überhaupt gesehen zu werden, die Verbrechen, die an ihnen begangen werden, überhaupt sichtbar zu machen. Und gerade in Deutschland tut man wieder mal alles dafür, um Faschismus und Völkermord zu verharmlosen, zu verdecken und als notwendig zur Eigensicherung zu erklären. Obwohl hier willentlich und wissentlich international gesuchte Verbrecher unterstützt werden, die zeitgleich ein halbes Dutzend Länder bombardieren lassen, in "Notwehr", stürzen wir uns auf Leute wie Albanese.

      Im Gegenteil Herr Bax hat sogar ganz offensichtlich extra, um sich nicht dem gegenteiligen Vorwurf auszusetzen, deutlicher als bei jedem anderen, der nicht so "umstritten" ist und sich so unbequem positioniert, all die Hauptmarker der Kritik an ihr total direkt und ohne Umschweife angesprochen!

    • @Puky:

      Mitnichten.



      Alle neuralgischen Kritikpunkte wurden angesprochen!



      Es wäre nett, wenn Sie anstatt Pauschalitäten abzusondern, konkret werden würden.



      Aber beim Konsum von 2 Minuten Filmchen auf Socialmedia fehlt eben einfach die Substanz.

    • @Puky:

      Sie ist UN Sonderberichterstatterin und hat ihre Quellen angegeben. Wer das als "inhaltlich leer" bezeichnet, will es einfach nicht wissen. Betrachten Sie einen Polizeibericht auch als "inhaltlich leer" und als "Aktivismus"? Gut, mag oft stimmen wenn man die Polizei kennt.

      • @Jalella:

        Wenn es um die eigene bubble geht sind Linke echt die Meister im relativieren.

    • @Puky:

      Erst einmal müsste der Frau Albanese unterstellte Antisemitismus nachgewiesen werden. Auch einseitige Parteilichkeit - hier für die palästinensische Sache - isr noch kein Indiz für Antisemitismus. Auch nicht, dass israelische Menschenrechtsverletzungen wie systematische Folter in Militärgefängnissen scharf angeprangert werden.



      Dies muss bei Verbündeten möglich sein und ich wünschte mir, die Bundesregierung würde es ebenso tun. Niemand möchte Israel mit der Hamas vergleichen und gerade darum muss bei einem demokratischen Staat genauer hingesehen werden. Im Falle der USA ist das momentan übrigens genau so nötig.

      • @Abdurchdiemitte:

        Der Genozidvorwurf von Albanese ist ebenso zutreffend wie der Antisemitisvorwurf an sie. Beides ist nicht rechtssicher festgestellt und wird trotzdem gerne benutzt.

  • Ganz allgemein möchte ich anmerken, dass nicht die Überbringerin der schlechten Nachrichten das Problem sein sollte.

  • Frau Albanese, vielen Dank für Ihr Engagement gegen die Völkerrechtsverbrechen in Palästina. Ich hoffe, Sie halten dem Druck und den Einschüchterungen aus den USA, Israel und Deutschland stand. Ich bewundere Sie für Ihre Haltung und Ihre Stärke im Kampf für das Völkerrecht und Ihren Mut, auch die Rechtsbrüche der Besatzungsmacht Israel immer wieder zu benennen.

    • @Erni:

      Finden Sie es gut, dass von ihr nur israelische Verbrechen in Gaza angesprochen werden, bei Verbrechen der Hamas aber sehr laut schweigt?

  • Sie ist kristallklar argumentativ auf der Straße.

    Wem diese Argumente und diese Beschreibungen nicht passen, wird seine Meinung vielleicht gleichwohl nicht geändert haben.



    Ist ja auch hart zu sehen, dass Israel derart abgedreht ist, wo mensch vielleicht das Gegenteil gern annehmen würde.



    Sie ist nicht die Berichterstatterin zur Hamas, falls jemand ihre Funktion nicht mitgelesen hat. Sie zeigt mutig und gegen US-Druck, was leider abgeht. Was nie 'normal' oder entschuldigt sein darf.

    • @Janix:

      Ja, kristallklar einseitig. Die gute Frau und ihr Ehemann haben sich da ja schon seit Jahren auf eine gemeinsame Linie eingeschossen.

    • @Janix:

      Ich dachte Sie ist für die Menschenrechte der Palästinenser zuständig, unabhängig davon ob diese Israel oder der Hamas begangen werden? Aber anscheinend nicht, laut ihrer Definition.

  • "Meine Aufgabe ist es, Menschenrechtsverletzungen öffentlich zu machen und dafür zu sorgen, dass etwas dagegen getan wird."

    Und der kommt sie leider nur recht einseitig nach. Kein einziger der acht Berichte thematisiert die Unterdrückung und Misshandlung der palästinensischen Bevölkerung durch die Hamas in Gaza oder erwähnt auch nur die unmenschliche Behandlung der israelischen Geiseln durch die Hamas.

    Wer dazu noch Israel als "Feind" bezeichnet und meint man sollte die Hamas nicht als Milizionäre oder Kämpfer sehen, sondern in erster Linie als politische Kraft, der ist einseitig parteiisch und auf diesem Posten bei der UN eine Fehlbesetzung.

    Ich habe Frau Albanese zusammen mit Greta Thunberg letztes Jahr bei der Veranstaltung "Against a Lawless World“ an der Universität Oslo erlebt. Beide Teilnehmer haben sich dabei als parteiische Aktivisten erwiesen, die unangenehme Wahrheiten gerne ausblenden und Gegenstandpunkten relativ ignorant begegnen.

    Das ihre UN Berichte wie" Torture und Genocide" faktisch seriös aufbereitet sind, ändert dabei an dem Unbehagen gegenüber ihrer Person wenig. Denn in punkto Objektivität lassen die Berichte gar zu oft Distanz und Sachlichkeit vermissen.

    • @Sam Spade:

      Der Vorwurf der Einseitigkeit wirkt bemerkenswert selektiv. Francesca Albanese erfüllt ein klar definiertes Mandat: die Untersuchung der Menschenrechtslage in den besetzten palästinensischen Gebieten. Wer daraus ableitet, sie müsse gleichzeitig sämtliche Verbrechen der Hamas in Gaza umfassend behandeln, kritisiert nicht mangelnde Objektivität, sondern verkennt schlicht die Aufgabenbeschreibung.

      Die implizite Erwartung, jede UN-Funktion müsse den gesamten Nahostkonflikt in all seinen Facetten abbilden, ist ungefähr so schlüssig wie der Vorwurf, ein Kardiologe sei ungeeignet, weil er keine orthopädischen Diagnosen stellt.

      Hinzu kommt: Die pauschale Abwertung aufgrund persönlicher Eindrücke von Veranstaltungen – etwa im Umfeld von Greta Thunberg – ersetzt keine sachliche Auseinandersetzung mit den Inhalten. Dass die Berichte gleichzeitig als „faktisch seriös“ bezeichnet werden, während ihre Autorin als Fehlbesetzung diskreditiert wird, offenbart eher einen argumentativen Widerspruch als eine überzeugende Kritik.

      Kurz gesagt: Wer Objektivität einfordert, sollte zumindest beim eigenen Maßstab beginnen.

      • @Stefan Schmitt:

        “… ein klar definiertes Mandat: die Untersuchung der Menschenrechtslage in den besetzten palästinensischen Gebieten.”

        Damit geben Sie doch zu, dass es auch um die von Hamas und Co begangenen Menschenrechtsverletzungen geht! Sie widersprechen sich.

      • @Stefan Schmitt:

        "Francesca Albanese erfüllt ein klar definiertes Mandat: die Untersuchung der Menschenrechtslage in den besetzten palästinensischen Gebieten. Wer daraus ableitet, sie müsse gleichzeitig sämtliche Verbrechen der Hamas in Gaza umfassend behandeln, kritisiert nicht mangelnde Objektivität, sondern verkennt schlicht die Aufgabenbeschreibung."

        Ich habe gerade in der taz sehr oft gelesen, dass Gaza angeblich auch besetzt sei, insofern denke ich, dass die Regierung in Gaza/Hamas durchaus ein Thema für sie hätte sein können, ebenso die Interessenvertretung des Iran. Und zwar vor dem von Gaza begonnenen Krieg gegen Israel.

        Und wenn sie selbst sagt:



        "Ich wurde von den Vereinten Nationen beauftragt, Menschenrechtsverstöße in den besetzten palästinensischen Gebieten zu dokumentieren und darüber zu berichten."



        Das verstehe ich so, dass sie auch die Menschenrechtsverstöße auf der arabischen/palästinensischen Seite thematisieren müsste. Das tut sie meiner Einschätzung nach nicht.

        Das ist keine Kritik meinerseits an Frau Albanese, sie macht ihren Job so, wie sie ihn versteht.

      • @Stefan Schmitt:

        Gaza gehört zu den palästinensischen Gebieten. Die Folterungen, Exekutionen und die Unterdrückung der palästinensischen Bevölkerung durch die Hamas gehören ebenfalls zur Menschenrechtslage und darüber zu Berichten zu den Aufgaben von Frau Albanese. Das hat sie bisher in keinem ihrer Berichte getan.

        Zudem entnehme ich ihrem Einwand, das sie wahrscheinlich keinen ihrer Berichte je gelesen haben. Sonst wüssten sie, dass die Fakten auf verschiedenen Quellen beruhen, die sind in den Berichten auch als Fußnoten gekennzeichnet, der Bericht selbst jedoch von Frau Albanese und ihrem Stab verfasst wird und deren Ausführungen sind überwiegend subjektiver Natur und nicht immer sachlich.

        • @Sam Spade:

          @Sam Spade: Gaza gehört dazu – stimmt. Aber das Mandat von Francesca Albanese ist kein Rundumschlag über alle Akteure, sondern die Analyse der Menschenrechtslage im Kontext der Besatzung.

          Das ist ein klassischer Henne-Ei-Fehler: Weil ihr Auftrag genau so gesetzt ist, fallen auch die Berichte entsprechend aus. Daraus im Nachhinein Einseitigkeit abzuleiten, dreht Ursache und Wirkung schlicht um.

          Zu erwarten, dass sie Hamas im gleichen Umfang behandelt, verfehlt den Auftrag. Deren Verbrechen werden im Übrigen von anderen UN-Gremien untersucht.

          Und die Unterstellung, man habe die Berichte nicht gelesen, ersetzt erstens kein Argument und zeigt zweitens ihr Unverständnis, dass Sie das Mandat nicht sauber eingeordnet oder verstanden haben.

          • @Stefan Schmitt:

            Das ist jetzt viel Text mit wenig Information.

            Mein Einwand in dem es auch in meinem Kommentar ging beruhte auf der Einseitigkeit der Berichte.

            Das ihr Mandat klar definiert ist nach Resolution 1993/2 A der UN Menschenrechtskomission ist mir durchaus bewusst.

            Mein Einwand hat nur damit gar nichts zu tun, sondern bemisst sich an der Arbeit ihrer Vorgänger. Sowohl Richard Falk wie auch Makarim Wibisono und Michael Lynk haben ihre Berichte weiter abgesteckt und den Fokus nicht nur einseitig auf Israel gelegt. Und damit auch einen Maßstab gesetzt.

            Denn ein UN Sonderbeauftragter



            für die Lage der Menschenrechte in den palästinensischen Gebieten hat die Aufgabe Verletzungen des Völkerrechts zu dokumentieren. Und die werden nicht nur von einer Seite begangen. Ihre Vorgänger haben das entsprechend berücksichtigt, Frau Albanese blendet das aus und fokussiert sich einzig auf Israel und verstößt zudem regelmäßig gegen den Verhaltenskodex der UN, welcher hohe Standards in Hinsicht Objektivität und Integrität bei Sonderberichterstattern anlegt. Das macht sie zwar zu einer guten Aktivistin, aber zu einer Fehlbesetzung für diesen Job.

        • @Sam Spade:

          Sie haben die Berichte gelesen?

    • @Sam Spade:

      Ganz bei meiner Meinung. Frau Albanese scheint sich nicht einmal darum zu bemühen, auch nur den Anschein von Objektivität zu wahren.

    • @Sam Spade:

      Dahingegen habe ich Thunberg 2023 in Lützerath erlebt, ihren beeindruckenden Einsatz gegen den Klimawandel.



      .



      Aber sie kann wohl als gescheitert betrachtet werden, nicht nur eine persönliche Katastrophe.



      .



      Statt eines Umdenkens erleben wir zunehmenden Militarismus und eben auch - Antisemitismus, auf einmal lassen sich - scheinbar - die systemischen Akteure, die die Welt in eine Katastrophe steuern, fassen, kriegen ein Gesicht.



      .



      Wie im Mittelalter eigene Gier und Habsucht in "den Juden" vernichtet werden sollte, ist es nun ein Getto im globalen Maßstab, Israel, dessen Beseitigung wie die Lösung der Probleme erscheint



      .



      Eigentliche Werte - etwa die Menschenrechtslage unter Hamas und Fatah - werden nachrangig, auch in der historischen Betrachtung: während der Shoah und danach haben sich die Araber dort so nationalistisch verhalten, wie es die AfD 2015 zu den Geflüchteten aus Syrien gefordert hat, die palästinensische Führung hat sich sogar aktiv in Berlin am Mord an den Juden beteiligt taz.de/Academic-Bo...bb_message_5159043 - im Grunde entspricht die PLO eher rechtsnationalen Vertriebenenverbänden der frühen BRD - dennoch Hoffnungsträger?

      • @ke1ner:

        Auf Ihre Fragen suche ich schon seit Jahren nach Antworten und kann mir die Position der Linken bezüglich Israel und Positionierung im US-Israel-Iran-Krieg nur mit "Der Feind meines Feindes ist mein Freund." beantworten.

        Weshalb können Linke nicht "einfach" die Position vertreten, ich stelle mich auf die Seite von Regierungen/Staaten/Personen, die LGBTQIA+ nicht von Dächern werfen oder an Baukränen aufhängen. Das wäre doch eine Basis, auf der "man", auch mit politischen Gegnern, aufbauen könnte.

        So ist für mich unklar, obwohl nicht LGBTQIA+, sondern "nur" westlich sozialisierte, seit Geburt weiblich gelesene Person, wie können sich Linke mit den o.g. Regierungen/Staaten/Personen solidarisieren.

        Somit bleibt meine einzige Erklärung bisher: "Der Feind meines Feindes ist mein Freund."

      • @ke1ner:

        Ihre Anmerkungen zum arabischen/palästinensischen Nationalismus sind so richtig wie sie falsch sind.



        Richtig insofern, weil der arabische/palästinensische (Befreiungs-)Nationalismus auch nur ein Nationalismus unter vielen ist. Das ließe sich jedoch auch über den Zionismus sagen. Beide - und auch viele andere Befreiungsnationalismen in der Phase der Entkolonialisierung - waren auf die Emanzipation und Unabhängigkeit der jeweils unterdrückten Völker ausgerichtet.



        Außerdem begründen/definieren Nationalismen ein Staatsvolk, wobei sie noch weit in die Geschichte zurückgreifen, um die Herrschaft eines national(istisch) definierten Staatsvolks über ein bestimmtes Territorium zu legitimieren. Das ist in Palästina nicht anders und erklärt auch den Konflikt zwischen eingesessenen Arabern und eingewanderten Juden von Anfang an.



        Ich gehe hingegen davon aus, dass es sich bei allen völkisch-nationalen Herleitungen um reine Konstrukte handelt. Insofern können sich auch in Palästina/Israel BEIDE Seiten nicht auf irgendwelche angestammten territorialen Besitzansprüche berufen.



        Die Legitimität von Nationalstaaten müsste sich also anders begründen lassen als über Blut-und-Boden-Ideologien.

  • Die Deutschen und Israel-



    Die deutsche Debatte über Israel und den Nahostkonflikt dreht sich oft weniger um die Realitäten vor Ort als um die eigene unvollständig bewältigte NS-Vergangenheit. Wie der Historiker Daniel Marwecki formuliert: „Wenn Deutsche über Israel reden, reden sie meistens über sich selbst.“ Dies zeigt sich auch in der selektiven Erinnerungskultur: Man feiert den Geburtstag von Konrad Adenauer als Gründungskanzler, verdrängt jedoch dokumentierte antisemitische Äußerungen seinerseits sowie die Integration zahlreicher Ex-Nazis in seine Regierung und Behörden – etwa im Kanzleramt, wo bis zu 38 Prozent der höheren Beamten NS-belastet waren. Solche blinden Flecken erklären, warum Deutschland die Gräueltaten der israelischen Regierung im Gazastreifen – trotz internationaler Vorwürfe von Kriegsverbrechen und Völkermord – weiterhin besonders zögerlich benennt und politisch unterstützt.

  • A's Antwort ab 》Es gibt ein System, dass Israel die Waffen geliefert, politische, diplomatische und militärische Rückendeckung gegeben und diese Verbrechen finanziert hat [...]《 ist eine Verschwörungstheorie, die antisemitische Vorstellungen von "internationalem Finanzjudentum" und "jüdischer Weltherrschaft" paraphrasiert.



    .



    In Verbindung mit 》Soll ich [...] schweigen, während Menschen, darunter Kinder, abgeschlachtet werden?《 knüpft an mittelalterliche Ritualmordlegenden an de.wikipedia.org/wiki/Ritualmordlegende auf und lässt sowohl das Massaker vom 7. Okt. 23, die israelischen Geiseln in Gaza und den fortgesetzten Raketenbeschuss Israels völlig außer Acht.



    .



    Stellt wan sich die Zivilbevölkerung Gazas als Kinder vor, die Hamas als Eltern (was die Unmündigkeit angeht, stimmt das für alle Altersgruppen), haben wir es quasi mit Angriffen aus Wohngebieten zu tun, nach denen sich die Eltern in das sichere Tunnelsystem darunter zurückziehen und die Kinder ihrem Schicksal überlassen.



    .



    Das kann nur für eine legitime Strategie halten, wer Israel jedes Recht auf Verteidigung abspricht (= das Existenzrecht) und den Zynismus der Hamas gegen die eigene Bevölkerung ignorieren will.

    • @ke1ner:

      ‚ In Verbindung mit 》Soll ich [...] schweigen, während Menschen, darunter Kinder, abgeschlachtet werden?《 knüpft an mittelalterliche Ritualmordlegenden an de.wikipedia.org/wiki/Ritualmordlegende auf und lässt sowohl das Massaker vom 7. Okt. 23, die israelischen Geiseln in Gaza und den fortgesetzten Raketenbeschuss Israels völlig außer Acht.‘

      Das ist knüpft nicht an die von ihnen genannte Legende an, auch wenn Sie das gern so hinstellen wollen, weil sie Albanese damit ziemlich plump delegitimieren wollen, sondern es ist schlicht und einfach die brutale Realität.

      Auch Sie können sich ihr stellen, wenn Sie es nur wollen.

    • @ke1ner:

      Ihr Versuch, Albanese antisemitische Motive zu unterstellen, ist allzu plump: das System, von dem sie hier spricht, ist natürlich keine „jüdische Weltverschwörung“, sondern schlicht und ergreifend der um die USA zentrierte koloniale Herrschaftsapparat, der Israels Kriegsführung erst möglich macht und die über 20000 von Israel getöteten Kinder keine „Ritualmordlegende“, sondern eine schreckliche Realität, die von diversen Menschenrechtsorganisationen hinreichend dokumentiert wurde – es mag den Relativieren hier gut tun, den eigenen Rassismus zu reflektieren, statt diejenigen zu diffamieren, die darauf hinweisen.

  • Vielen Dank für die klaren Worte, Frau Albanese. Sie haben den Eindruck, den ich von Ihnen insbesondere seit dem 07.10.2023 bekommen habe, eindrucksvoll bestätigt. Leider haben Sie sich endgültig selbst diskreditiert. Da Sie mit Herrn Bax und Herrn Eikmanns gesprochen haben, darf man davon ausgehen, dass das Interview das Ziel hatte, Sie in einem positiven Licht erscheinen zu lassen. Nun, das ist doch erheblich nach hinten losgegangen.

    • @Katharina Reichenhall:

      Vielen Dank für die klaren Worte, Frau Reichenhall, damit bestätigen die den Eindruck, den sie seit dem 07.10.2023 von ihnen bekommen habe, vollumfänglich. Da sie hier schreiben geht es ihnen vermutlich darum, Zweifel an den Aussagen von Frau Albanese zu schüren, aber alles, was sie geschafft haben, ist sich selbst zu diskreditieren.

      • @Schmetterling:

        👍🏻

      • @Schmetterling:

        Ich schüre keine Zweifel an den Aussagen Frau Albaneses. Im Gegenteil, ich nehme ihre Aussagen sehr ernst und deswegen kritisiere ich sie. Dieses Interview zeigt deutlich, wie sie tickt, eben weil sie in einem safe-room befragt wurde.



        Sie können das natürlich gern anders sehen und dass Sie mich offensichtlich nicht mögen stört mich nicht.

    • @Katharina Reichenhall:

      "Nun, das ist doch erheblich nach hinten losgegangen."



      Ne, hat gut funktioniert.



      Frau Albanese kämpft für das Recht der Palestinenser, als Menschen anerkannt zu werden.



      Weiter so.

      • @Schleicher:

        Na ja, zumindest wenn Israel den Menschen keine Rechte zugesteht. Wenn die Hamas Palästinenser foltert oder umbringt, ist das ja zu vernachlässigen, so als Beauftragte für Menschenrechte.

  • Francesca Albanese inszeniert sich im Interview als mutige Ruferin in der Wüste, doch ihr moralischer Kompass hat eine massive Fehlfunktion: Er zeigt immer nur in eine Richtung. Dass sie sich selbst als Aktivistin statt als neutrale Beobachterin versteht, ist kein Qualitätsmerkmal, sondern das Eingeständnis ihrer Befangenheit.

    Besonders perfide ist ihre Rhetorik, die sie durchaus virtuos beherrscht. Wer von einem "System" schwurbelt, das "Kapital, Waffen und Algorithmen" kontrolliert, bedient sich 1:1 antisemitischer Chiffren von der globalen Strippenzieherei - nur eben modern verpackt. Während sie Israel für jedes Leid verantwortlich macht, blendet sie die Verantwortung der Hamas für diesen Krieg und die Rolle Irans komplett aus.

    Dass sie den Holocaust bemüht, um ihre Anklage gegen den jüdischen Staat zu befeuern, ist eine unerträgliche Relativierung. Albanese betreibt keine Menschenrechtspolitik, sie betreibt Dämonisierung unter UN-Flagge.

    Wer die Augen vor dem palästinensischen Terror und der destabilisierenden Rolle der arabischen Nachbarn so fest verschließt, hat jede Glaubwürdigkeit verloren.

    • @Heike 1975:

      >bedient sich 1:1 antisemitischer Chiffren<< p="">

      Das Problem ist, dass das auf Vertreibung der Palästinensischen Bevölkerung antisemitische Chiffren bestätigt. Soll man Netanjahus verbrecherisches Verhalten deswegen nicht kritisieren weil er eine bestimmte Religion hat?

    • @Heike 1975:

      》Dass sie den Holocaust bemüht, um ihre Anklage gegen den jüdischen Staat zu befeuern, ist eine unerträgliche Relativierung.《



      .



      Immerhin konstatieren die Interviewer, dass "es zwischen dem Holocaust und Israels Verbrechen große Unterschiede gibt." Wohingegen beispielsweise der frühere Premierminister Schottlands, Humza Yousaf, 2025 in einer Rede vor dem schottischen Parlament die Opfer der Shoah und die zivilen Opfer in Gaza gleichgesetzt hat - als sein erstes Post auf Instagram angepinnt www.instagram.com/...oybDlzYnd0ZGJqeQ== : "Never again" sei obsolet.



      .



      Für "palästinasolidarische" Linke scheint er, den Reaktionen nach zu urteilen, dennoch ein Verbündeter zu sein, und wenn sich Albanese damit brüstet, sie werde in Spanien, Südafrika, Irland, Slowenien oder Belgien "mit offiziellen Ehren empfangen", kann einem angesichts dieser Relativierungen wirklich mulmig werden, was das Wiedererstarken des Antisemitismus europa- und weltweit betrifft.

      • @ke1ner:

        Wenn es so ist - wie Sie schreiben -, dass eine Gleichsetzung der Shoa mit den israelischen Kriegsverbrechen und Menschenrechtsverletzungen vorgenommen wird, würde ich darin auch eine bedenkliche Entwicklung sehen. Sogar eine gefährliche Renaissance des Antisemitismus, betrieben diesmal nur von linker paästina-solidarischer Seite.



        Auch der Verweis darauf, dass man im restlichen Europa eine andere ‚Draufsicht‘ auf den Konflikt als in Deutschland als dem Täterland der Shoa hat, entlastet Länder wie Spanien oder Irland (die sich ja sehr dezidiert gegen Israel positioniert haben) nicht wirklich. Judenhass ist das gemeinsame historische Erbe des christlichen Europas.



        Wie aber kann man nun von Folter in israelischen Gefängnissen, Kriegsverbrechen in Gaza (einschließlich dem Genozid-Vorwurf) und der Unterdrückung der Palästinenser unter dem Militärrecht in den besetzten Gebieten sprechen, ohne in antisemitische Haltungen zu verfallen? Ganz einfach, indem man in klaren Worten davon spricht, OHNE Verweise oder gar Gleichetzung mit dem Holocaust.

    • @Heike 1975:

      Kann ich so unterschreiben.

      Was ich spannend finde ist, wie unterschlagen wird, wie alt der palästinensische Terror gegen Juden ist. Selbst wenn man frühere Vorfälle (Safed, Damaskus) als nicht spezifisch palästinensisch/arabisch-nationalistisch klassifiziert, so hat der moderne palästinensische Terror mit Mohammed Tahir al-Husayni seinen Vater. Und der hat Terror spezifisch gegen jüdische Migranten aus dem osmanischen Reich gefordert, d.h. staatsinterne Migranten. Muslime aus dem Jemen waren willkommen, Juden nicht. 50 Jahre vor der israelischen Staatsgründung und bevor es überhaupt jüdische Masseneinwanderung gab.

      • @N. Ietsche:

        Das war zu einer Zeit, in der der Antisemitismus in Europa viel virulenter war. Auch in Deutschland und Großbritannien wurde der Zuzug von Juden weitgehend abgelehnt. Der Ritualmordvorwurf der Damaskusaffäre ging ganz klar vom französischen Konsul aus.

        • @Francesco:

          Ich würde ihnen in ihrer Wertung widersprechen: Der Antisemitismus in Europa ist heute genauso virulent wie damals. Es gibt höchstens saisonale Schwankungen.

          Klar Urheber in Damaskus war der französische Konsul. Aber es fiel eben auf fruchtbaren Boden. Deswegen kann man es auch (aber in keiner Interpretation ausschließlich) dem entstehenden arabischen Nationalismus zuschlagen, auch wenn diese Interpretation nicht zwingend ist.

          Der Antisemitismus im Nahen Osten ist zu großen Teilen ein europäischer Import, der, gemeinsam mit dem Nationalismus, durch den europäischen Kolonialismus vor über 200 Jahren dorthin gebracht wurde.

          Noch um den ersten Weltkrieg waren die meisten Juden einem linken arabischen Nationalismus zugeneigt und fanden Zionismus nicht so das gelbe vom Ei. Das hat sich geändert als rechte arabische Nationalisten um die Zeit die Integration von Juden in die arabische Nation verhindert haben, weil sie eben Antisemiten waren. Es gibt eine ideologische und personelle Kontinuität bis zu Abbas und Sinwar heute.

          Der antisemitische palästinensische Nationalismus im obigen Kontext war zuerst da. Dann kam Israel als Folge von alledem.

  • Das Interview ist nicht so haarsträubend wie ich befürchtet habe, aber Frau Albanese eine Bühne zu bieten halte ich für schwierig.

    Zum 7. Oktober sagte sie:



    "Die Opfer vom 7. Oktober wurden „nicht wegen ihres Judentums“ Opfer, sondern im Kontext der Unterdrückung"

    So eine unglaubliche Täter-Opfer-Umkehr!

    Auch kommt in dem ganzen Interview kein einziges Mal die Hamas und deren Verbrechen an den Juden UND der eigenen Bevölkerung vor (z.B. Mahmoud Ishtiwi, Offizielle Begründung: „moralische Vergehen“ (weit verbreitet als Hinweis auf Homosexualität interpretiert))

    "Warum soll ich nicht über den Genozid sprechen, den unsere Väter und Großväter begangen haben?"

    Geradezu lachhaft. Weil also die Vorväter Taten begangen haben, darf man sich Begriffe zu eigen machen? Na super, dann darf die AfD ja fröhlich das N-Wort benutzen.

    Wenn sich Juden durch den unzutreffenden Holocaust Vergleich verletzt fühlen sollte man auf die Nachfahren der Opfer hören, und es nicht dadurch legitimieren, dass die eigene Familie Täter war.

    Natürlich müssen israelische Taten benannt werden, aber von unabhängiger Stelle. Wenn so viele Menschen Frau A. Antisemitismus vorwerfen, sollte sie mal reflektieren.

    • @Pawel_ko:

      ‚Weil also die Vorväter Taten begangen haben, darf man sich Begriffe zu eigen machen? Na super, dann darf die AfD ja fröhlich das N-Wort benutzen.‘



      Mit dem Vergleich haben Sie sich jetzt aber sachlogisch und überhaupt etwas vergaloppiert, oder?

    • @Pawel_ko:

      Der Eindruck, dass "so viele Menschen Frau A. Antisemitismus vorwerfen" scheint mir ein sehr regional geprägter zu sein. Global wird sie, meinem Eindruck nach, sehr für ihre wichtige Arbeit geschätzt, die massiven Anfeindungen und Unterstellungen kommen überwiegend aus den USA, Israel und Deutschland. Getroffene Hunde bellen halt.



      Bei der Unangemessenheit von Holocaustvergleichen stimme ich Ihnen zu und würde Frau Albanese dafür ebenfalls kritisieren. Die gleiche Kritik muss sich an die israelische Regierung und ihre Unterstützer richten, die kaum eine Gelegenheit auslassen die Palästinenser mit den Deutschen in einen Topf zu werfen. Die unabhängige Stelle, die Sie fordern ist, vielmehr sollte, die UN sein. Das ist sie nicht immer, aber doch, gerade durch ihre Beauftragten, weniger durch den Sicherheitsrat, sehr deutlich häufiger als es die infamen Anwürfe der israelischen und US-amerikanischen Rechtsextremen darstellen.

  • Was für eine tapfere Frau!

    • @Herbarius Zunichten:

      Äh, nein. Eher eine Frau mit einer einseitigen Sichtweise. Aber hey, sie sagt was gegen Israel. Reicht halt für einige schon aus.

  • Ein weiteres Beispiel dafür, dass unsere "Regierung" heuchlerisch agiert. Wenn ich christliche Werte vertrete oder auch "nur" sozialistische, dann kann es mir nur zur Ehre gereichen, Ausgewogenheit und Ehrlichkeit zu meinen Maximen zu machen. Stattdessen wird eine Frau, die sich um genau diese Dinge bemüht, geradezu verachtend beiseite geschoben. Andere Länder sind da deutlich souveräner als unsere Verantwortlichen. Das ist nichts als tiefste Verachtung wert.

    • @Perkele:

      Die Definition von "Ausgewogenheit" sollten Sie wohl nochmal nachschlagen. Einseitiger als diese Person kann man sich kaum noch verhalten, was sich auch aus diesem Interview ablesen lässt.

  • Ich halte Francesca Albanese, ihren Einsatz für das palästinensische Volk, für sehr wertvoll. Ich bin dankbar dafür.

  • taz: Finden Sie diesen Vergleich nicht antisemitisch?



    Nicht beantwortet.

    taz: Warum beziehen Sie sich auf den Holocaust?



    Nicht beantwortet. Gegenfrage

    taz: Manchen stößt es auf, wenn Sie den jüdischen Staat mit dem Genozid an Juden in Verbindung bringen.



    Keine Stellungnahme, sondern Angriff und Ablenkung.

    Muss man sich auf den Holocaust berufen, um Israel zu kritisieren?



    Nicht beantwortet, stattdessen Ablenkung.

    Direkte und eindeutige Antworten wären besser, warum wurden diese nicht geliefert, warum wurde nicht nachgefragt, für was benötigt man da 2 Personen, die das Interview führen?

    • @BluesBrothers:

      Da stellen sie so viele Fragen, aber Antworten liefern sie keine. Ich bin enttäuscht.

      • @Schmetterling:

        Die richtigen Fragen hätte man von der taz erwartet. Und dann eben die entsprechenden Antworten, aber natürlich von Frau Albanese.

        Das Sie von jemanden, der hier schreibt, dann erwarten, das sie die Antworten für Frau Albanese bringen soll, ist dann schon absurd.

  • Ok, es ist doch simpel erklärt: bei Menchenrechtsverletzung Israels ustsie, vollkommen zu Recht, sehr laut. Wenn es aber um Menschenrechtsverletzungen der Hamas, an der eigenen Bevölkerung oder israelischen Geiseln geht extrem leise. Es ist das Ungleichgewicht an zwingender Kritik an beide Seiten des Konflikts, zumindest für mich, etwas unglaubwürdig macht.

    • @Müller Christian:

      Mehr noch, sie schlägt die Verbrechen der Hamas noch Israel zu. Wenn sie von den 22.000 Kindern spricht, die Israel getötet haben soll, dann bezieht sie sich das offensichtlich auf das Gaza MoH, das ca. 22.600 Kinder als getötet meldet. Dass aber in allen bisherigen Konflikten palästinensische Milizen für 10-25% der palästinensischen Kriegstoten verantwortöich sind, wird verschwiegen. Für den Gazakrieg heißt das schlicht, dass man davon ausgehen kann, dass Israel für unter 20.000 der toten Kinder verantwortlich ist, während mehrere Tausend auf das Konto von Hamas und PIJ gehen dürften. Macht es keinen Deut weniger schrecklich. Macht Frau A. aber zur Propagandistin von verantwortlichen für solche Gräueltaten und damit moralisch bankrott.

      Dass die Hamas dann auch noch Kindersoldaten zwangsrekrutiert und dann für viele weitere Fälle zumindest Mitschuld trägt - geschenkt.

      • @N. Ietsche:

        Haben Sie für die 25% einen Beleg? Ich lese das zum ersten Mal.

        • @Francesco:

          Ich würde empfehlen, einen Blick ins Profi zu werfen und zu schlussfolgern.

        • @Francesco:

          Kann man sich selbst für Konfliktabschnitte oder Jahre ausrechnen, wo alle relevanten Zahlen bekannt sind. Das höchste Verhältnis ist tatsächlich im Jahr 2007 (Stichwort Fatah-Hamas-Konflikt) zu finden: 373 Palästinenser von israelischer Seite getötet, 161 Palästinenser von Palästinensern.

          Ergibt abgerundet 30%.

          Unter 10% kommt man, wenn ich mich recht erinnere, nie.

          reliefweb.int/repo...s-drop-2007-report

          web.archive.org/we.../news/54-2007.html