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China ist hypermodern und autoritärEigentlich ganz schön hier

Lin Hierse

Essay von

Lin Hierse

Während Trump und Xi in Peking Deals aushandeln, wird das hypermoderne China immer beliebter. Zeit, sich an den Wert der Demokratie zu erinnern.

Shanghai im Mai 2022: Das Leben in China ist für viele attraktiv. Die demokratischen Defizite fallen da schnell unter den Tisch Foto: Dave Tacon/Polaris/laif

D ie Zukunft liegt etwa 13 Flugstunden entfernt. Das ist weiter als sonst, die Kriege schreiben eine neue Route vor, die sich auf dem kleinen Bildschirm am Vordersitz nachverfolgen lässt. Der Weg in die Zukunft führt derzeit nicht über Russland, er macht einen zarten Bogen um die Ukraine, wobei der Flügel des relativ zu groß geratenen Flugzeugs auf der Karte fast Odessa streift. Dann geht es nördlich vorbei am Libanon, an Israel und Gaza, an Iran. Zwischendurch wählen Sie zwischen Nudeln und Reis.

Wer die Zukunft betreten will, muss nach der Landung bloß noch ein bisschen Schlange stehen, ein paar QR-Codes scannen, Fingerabdrücke abgeben und mehrfach den Reisepass einlesen lassen. Ein Visum brauchen Sie für einen Aufenthalt von bis zu 30 Tagen derzeit nicht, die Grenzpolizistin schaut auf Ihr Passfoto, in Ihr Gesicht und fordert Sie dann auf, sich der Kamera zuzuwenden. Die Kamera sagt „thank you“. Dann sind Sie endlich da.

Sie brauchen kein Geld abzuheben. Sie können sich auf öffentliche Verkehrsmittel verlassen. Sie können ohne vorauseilende Schweißausbrüche eine Zugreise antreten, und sollte Ihnen das Angebot im Bordbistro missfallen, können Sie sich an der nächsten Haltestelle von Ihrem Lieblingsrestaurant beliefern lassen. Sie können auf einem Dorfparkplatz ihr Elektroauto laden, Bett­le­r*in­nen via QR-Code eine Spende überweisen und sich an jeder Ecke eine Powerbank mieten. Sie können zusehen, wie am Montag eine Straße aufgerissen wird und am Freitag alles fertig ist. Sie können mit dem Taxifahrer über Trump lästern und sich von jeder dritten Toilette fein säuberlich den Po abspülen lassen. Sie können sehr gut essen, sehr gut shoppen, sehr guten Kaffee trinken. Sie können sehr gut leben in China – auch ohne Demokratie.

wochentaz

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Neben Donald Trump wirkt Xi Jinping vernünftig

Das ist eine bittere Erkenntnis, aber sie ist wichtig. Entgegen der noch überraschend verbreiteten Vorstellung, in der Volksrepublik gehe es zu wie in Nordkorea, hat China in den letzten Jahren einen bemerkenswert modernen autoritären Staat errichtet. Modern meint dabei nicht mehr ausschließlich einen durchdigitalisierten, hyperkapitalistischen Überwachungsstaat, sondern eben auch einen zunehmend grünen, nachhaltigen und für viele durchaus lebenswerten.

Dieser Imagegewinn fällt besonders im Machtkampf mit den USA ins Gewicht. Neben Donald Trump, dem wir fast täglich dabei zusehen müssen, wie er sein Land verwüstet, wirkt Xi Jinping besonnen und vernünftig. Und während die beiden in Peking den Kaiserpalast besichtigen und über Sojabohnen, Rindfleisch und Taiwan verhandeln, wird man das Gefühl nicht los, dass die fetteren Deals sowieso von den mitreisenden Elon Musk und Tim Cook geschlossen werden.

„Chinamaxxing“ steht für mehr als einen Trend

Streift man in der ehemaligen französischen Konzession von Shanghai durch hippe Cafés, Tapasbars und Boutiquen, ist diese Weltpolitik ganz fern. Hier sitzen Locals neben Touristen, chinesische Paare machen Hochzeitsfotos, Influencer ihre Selfies. Die Sonne fällt durch die Platanen, ein alter Mann fegt mit einem Reisigbesen die Blätter vom Gehweg. Hübsch, instagrammable.

Hier ist China in, Diktatur hin oder her. Der Spätkapitalismus lädt dazu ein, das Politische auszublenden. Made in China ist längst kein Schimpfwort mehr, weltweit stürzen sich junge Menschen auf Labubus und bestellen ihre Klamotten bei Taobao. In ungezählten Videos erklärt die Gen Z seit einem Jahr, sie befinde sich in einer „very chinese time of my life“. Da wird morgens als Erstes heißes Wasser getrunken, ein Ma-Jongg-Klub gegründet, werden Qigongübungen ins Work-out integriert und Klamotten gekauft, die von traditionellen chinesischen Kleidungsstücken inspiriert sind.

Dieses „Chinamaxxing“ steht für mehr als einen kurzweiligen Trend, auch wenn er oft oberflächlich bleibt. Nach einem Jahrhundert der westlichen Abwertung und Ignoranz beginnt China zu glitzern, ohne selbst viel Propaganda machen zu müssen. Die Werbung übernehmen die Konsument*innen, für die der American Dream und der einst so freie Westen nichts mehr zu bieten haben.

In einer repräsentativen Umfrage der Stiftung Alliance of Democracies haben in diesem Jahr 46.700 Menschen in 85 Ländern das Ansehen von Staaten bewertet. Auf einer Skala von minus 100 bis plus 100 erreichten die USA nur noch einen Wert von minus 16 und wurden damit 5 Punkte schlechter bewertet als Russland. China landete bei plus 7 Punkten und wird in jeder Region der Welt inzwischen durchschnittlich positiver bewertet als die USA. „Never interrupt your enemy when he is making a mistake“, titelte der Economist im April. Ruhig bleiben und von Donald Trumps Fehlern profitieren scheint gut zu funktionieren. Und es zeigt auch: Wer Demokratie und Weltordnung so achtlos zerlegt wie der US-Präsident, macht sich unbeliebter als ein Regime, das ohnehin niemals demokratisch sein wollte.

Die Frage ist böse, aber notwendig

Während man sich also in Deutschland und vielen Teilen Europas gerade fragen muss, wie die liberale Demokratie noch zu retten ist, und in den USA tragischerweise infrage stellen kann, ob es sich überhaupt noch um eine handelt, hat es China leichter. Wer keine Demokratie hat, muss sie auch nicht pflegen. Und einfach mal durchregieren, ein bisschen mehr Autorität wagen – das kann auch für enttäuschte Linke verlockend klingen.

Wozu also noch an ihr festhalten? Die Frage ist böse, aber notwendig. Um sie zu beantworten, muss man die Worthülsen und den arroganten moralischen Reflex der westlichen Überlegenheit mit Inhalt füllen. Denn Demokratie ist nicht per se gut, nur weil sie Gegenspielerin der totalitären Herrschaft ist.

Ein gutes Leben ist eine Frage der Perspektive, auch in China. Wer protestiert und sich nicht einfach fügen will, den straft die Führung noch immer mit voller Härte. Aber auch für die anderen sah die Zukunft mal rosiger aus. Viele Ältere ächzen über das Vorhaben der Regierung, das Renteneintrittsalter anzuheben, und viele Jüngere wissen nicht, wo sie trotz guter Ausbildung einen Job finden sollen. Auch das Trauma der harten Restriktionen während der Coronapandemie ist nicht verschwunden.

Doch viele scheinen vor allem weitermachen zu wollen – bié shuō le, reden wir nicht darüber, winkt man ab. Denn wahr ist auch: Millionen Familien geht es heute besser als den Generationen vor ihnen. Viele sind in extremer Armut aufgewachsen, haben eine Hungersnot überlebt und sechs bis sieben Tage die Woche geschuftet. Jetzt können sie zum ersten Mal etwas an ihre Kinder oder sogar Enkel vererben. Sie haben Wohnungen mit fließendem Wasser, Strom und Klimaanlage, sie haben Waschmaschinen, Autos, fahren zum Erholungsurlaub in die Berge oder am Wochenende zum Grillen in den Park. Auch deshalb ist die Sehnsucht nach Demokratie bei den meisten Chi­ne­s*in­nen überschaubar. Beunruhigender ist es, wenn Bür­ge­r*in­nen demokratischer Staaten sie zunehmend für verzichtbar oder unnötig halten.

Die vermeintliche Trägheit der Demokratie schafft Zeit für Auseinandersetzung

Demokratie ist ein Versprechen. Nimmt man es ernst, bedeutet es, dass Freiheit, Gleichheit sowie die Teilung und gewaltfreie Umverteilung von Macht nicht verhandelbar sind. Es bedeutet, nicht zuerst im eigenen Interesse, sondern im Interesse aller zu regieren und dabei besonders die Schwächsten zu schützen. Es bedeutet Rechtsstaatlichkeit, Opposition und Meinungsfreiheit nicht als Hindernis, sondern als Bereicherung zu erkennen.

So ein ständiges Aushandeln heißt aber auch, dass Erneuerung und Wandel sich nicht einfach verordnen lassen. Für alles müssen Mehrheiten gesucht, Vorgehen abgestimmt, Prozesse durchlaufen werden. Das ist mühsam bis zermürbend. Aber die vermeintliche Trägheit schafft immer auch Zeit für Einwände und Auseinandersetzung. Diese Zeit, die uns hier oft lästig erscheint, wird im autoritären Staat – und auch von der radikallibertären Big-Tech-Elite – absichtlich vorenthalten.

Aus der Zukunft betrachtet, zwischen Chinas leuchtenden Skylines, Hochgeschwindigkeitszügen, Solarkraftwerken, Ladesäulen und Servicerobotern, wirkt das alles wahnsinnig piefig und ineffizient. In Deutschland haben wir die Elektromobilitätswende verpennt, Unis und Schulen sind marode, das Gesundheitssystem kaputtgespart. Das Internet ist langsam, Baustellen werden nie fertig, die Bahn fällt aus. Aber es gibt hier noch etwas, das funktioniert.

Sie können wählen, oder sie können es lassen. Sie können sich unabhängig informieren. Sie können Friedrich Merz doof finden, ohne dafür verschleppt, verprügelt oder umgebracht zu werden. Sie können vor Gericht ziehen, wenn Ihnen unrecht getan wird. Sie können sich auf in der Verfassung verankertes Recht berufen. Meistens. Noch. Unsere Demokratie ist angeschlagen, aber nicht erledigt.

Was macht eine fortschrittliche, demokratische Gesellschaft aus?

Damit das so bleibt oder gar besser wird, dürfen wir uns weder mit dem Status quo abfinden noch einer chinesischen oder US-amerikanischen Idee von Modernität hinterherhecheln. Besser wäre, wir entwickelten eine eigene, und zwar bald, weil in Deutschland mittlerweile 27 Prozent eine verfassungsfeindliche Partei wählen würden.

Anstatt den Tyrannen beim Feilschen zuzusehen, könnten wir uns mit uns selbst beschäftigen. Nicht im Sinne von Germany first, sondern im Sinne der Demokratie. Was macht eine fortschrittliche, demokratische Gesellschaft aus? Investiert sie in Bildung, erleichtert sie Zuwanderung, kommt auf dem Dorf alle 15 Minuten ein Bus? Reformiert sie die Erbschaftsteuer, versucht sie es mit der Viertagewoche, einem sozialen Pflichtjahr oder Bürgerräten?

Eine moderne Demokratie braucht jedenfalls deutlich mehr als 250.000 Soldat*innen, Hochtechnologiestandorte und einen Kanzler, der die Bevölkerung für faul hält. Sie muss nicht überall glitzern. Aber sie muss allen ein gutes Leben erlauben, damit sie den Menschen wertvoll genug bleibt, um für sie einzustehen.

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Lin Hierse
Lin Hierse ist stellvertretende Ressortleiterin der wochentaz. Außerdem schreibt sie Romane. Nach ihrem Debüt "Wovon wir träumen" erschien zuletzt "Das Verschwinden der Welt" im Piper Verlag. Foto: Amelie Kahn-Ackermann
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91 Kommentare

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  • Westliche Demokratien hatten im Wettbewerb mit autoritären Staaten lange Zeit ein leichtes Spiel. Sie boten Freiheit und Wohlstand zugleich, Diktaturen hingegen boten Repression und Mangel. Das scheint vorbei zu sein. Plötzlich ist der Wohlstand in den westlichen Demokratien bedroht, gleichzeitig zeigt China, dass Wohlstand auch ohne die Freiheiten des Westens möglich ist. Ob den westlichen Bevölkerungen das chinesische Modell im Zweifel lieber ist, will man vermutlich lieber nicht herausfinden. Deshalb sollten die Demokratien liefern und zu wirtschaftlichem Erfolg zurückkehren. Ob Bürgerräte, 4-Tage-Wochen, Erbschaftssteuern und Programme zur Demokratieförderung geeignete Mittel dafür sind, wage ich zu bezweifeln.

  • Spannender Artikel.

    Was mir am gezeichneten Bild ein bisschen fehlt, ist die weniger glitzernde Peripherie dieses Riesenlandes. Wie leben zum Beispiel die Menschen am "A**** des Huhns" Yunnan? (Warum das so heißt, erklärt sich bei einem Blick auf die Karte Chinas: www.mapsof.net/upl..._location_map.png) - nur um nicht einmal mehr die unterdrückten Bevölkerungen im "Autonomen Gebiet Tibet" oder des "Uigurischen Autonomen Gebiets Xinjiang" anzuführen.

    Der Wohlstand mancher, ganz sicher nicht der Mehrheit der Chines*innen wird mit Unfreiheit und sozialer Überanpassung erkauft, bezahlt auch von Heeren von Wanderarbeiter*innen, die ihre Kinder über Monate nicht sehen, weil sie der Arbeit hinterherziehen müssen und Unterdrückung und Ausbeutung von Minderheiten.

    Lassen wir uns nicht blenden. China kann kein Vorbild sein.

  • 1. Opposition: Die systematische Zerschlagung abweichender Meinungen, unfaire Schauprozesse und das „erzwungene Verschwindenlassen“ von Aktivisten und Anwälten.



    2. Tibet: Staatlich organisierte Kindesentführung, die Unterdrückung der tibetisch-buddhistischen Kultur und das Verschwinden religiöser Führer (wie Choktrul Dorje Ten Rinpoche).



    3. Uiguren: Die andauernden Verbrechen gegen die Menschlichkeit in Xinjiang, inklusive willkürlicher Masseninternierung und kultureller Auslöschung.



    4. LGBTIQ+: Aktivismus und ihre Sichtbarkeit wird mit gezieltem staatlichen Terror gebrochen.



    5. Chinas Führung unterdrückt Arbeitnehmerrechte systematisch. Unabhängige Gewerkschaften sind verboten, Streiks kriminalisiert. Trotz Gesetzen prägen extreme Ausbeutung und die berüchtigte „996“-Kultur (9 bis 21 Uhr, 6 Tage die Woche) den Alltag in Fabriken und Tech-Konzernen. Ohne unabhängige Justiz sind Angestellte rechtlos. Besonders drastisch ist die Lage in Xinjiang und Tibet, wo UN und Amnesty International staatlich gelenkte Zwangsarbeit im großen Stil dokumentieren.

    Ergo: Okay, allen viel Spaß dann in China, die meinen, dass sei doch alles harmlos...

  • Wenn es klopft und es ist nur der Paketbote ... Auch das hat einen Wert.



    Natürlich können wir auch von China lernen, es ist eine interessante Kultur, ein interessantes Land und entgegen einem lang gepflegten Vorurteil sind 'die' doch nicht dümmer als 'wir'.



    Es unkritisch zu sehen zeigt nur, dass Dysfunktionalität von Staat und Infrastruktur ein Punkt ist, den wir hier wieder reparieren müssen. Angemessene Einnahmen sicherstellen, auch von Schwerreichen wieder den Beitrag holen. Staat/Verwaltung nicht etwa als Abstellkammer des Arbeitsmarkts, sondern als der Platz, wo für das Allgemeinwohl die besten Hebel eingesetzt werden, effizient, personalsparsam, aber mit hohem Anspruch. Und dann die Schwarze-Null-Verrottung zäh wieder wegarbeiten.



    Abgucken kann mensch sich auch einiges vom demokratischen kleinen Bruder Taiwan. Da hingucken, solange es noch geht.

  • Der Artikel beschreibt China fast ausschließlich durch die westliche Brille von „Autoritarismus“ und Überwachung. Dabei wird oft ausgeblendet, dass China in wenigen Jahrzehnten hunderte Millionen Menschen aus der Armut geholt, enorme technologische Fortschritte erzielt und vielen Bürgern reale wirtschaftliche Perspektiven eröffnet hat.

    Der Westen hingegen hat den Begriff „Demokratie“ jahrzehntelang mithilfe seiner Medien monopolisiert, ohne zentrale Elemente echter Demokratie wirklich zu erfüllen. Denn Demokratie bedeutet nicht nur „freie Wahlen“, deren Ausgang zudem stark von privat kontrollierten Massenmedien beeinflusst wird. Wirkliche Demokratie setzt eben auch wirtschaftliche Chancengleichheit von Geburt voraus, und genau diese existierte im Westen nie.

    Solange westliche Staaten durch globale wirtschaftliche Dominanz ihrer Bevölkerung einen Anteil am Wohlstand sichern konnten, funktionierte dieses Selbstbild. Heute werden jedoch die sozialen Widersprüche immer sichtbarer. Deshalb greift die einfache Gegenüberstellung „autoritäres China“ gegen „freier Westen“ zunehmend zu kurz.

    • @James6498:

      Die ökonomischen und technischen Fortschritte in China sind anerkennenswert. Die westlichen Länder haben ihre Bevölkerungen allerdings schon einige Jahrzehnte früher aus der Armut geholt, enorme technologische Fortschritte erzielt und vielen Bürgern reale wirtschaftliche Perspektiven eröffnet. Und die von Ihnen mit Recht angesprochenen Defizite in der Chancengleichheit gibt es auch in China. Man hört nur nicht so viel davon, weil es in China keine legale Opposition und keine freie Presse gibt und die dortigen Klassenkämpfe weitgehend unter den Teppich gekehrt werden. Auch in China macht es einen erheblichen Unterschied, ob man als Kind eines erfolgreichen Unternehmers oder eines hochrangigen KP-Funktionärs geboren wird oder als Arbeiter- oder Bauernkind.

  • Was ist das Beste an Freiheit ? Keine Angst vor der Polizei zu haben, egal, ob man im Recht ist oder nicht. Wenn man ins Gefängnis kommt, weil man sich etwas hat zu Schulden kommen lassen, keine Angst zu haben, von den Wärtern geschlagen oder gefoltert zu werden. Wenn man vor Gericht steht, darauf vertrauen zu können, daß meine Belange zumindest berücksichtigt werden. Dann bin ich schon zu 90% zufrieden, und froh, in Europa zu leben

    • @Andreas Henatsch:

      Wenn Sie sich in China staatskonform benehmen, müssen Sie auch keine Angst vor der Polizei haben.

      Und die meisten Chinesen benehmen sich so, weil sie eine Perspektive im Land sehen. Weil sie davon ausgehen können, dass sie besser leben werden, als ihre Eltern.



      Man kann in einer Diktatur leben. Ist alles eine Frage der Anpassung und der persönlichen Schwerpunktbildung.

      Ich lebe übrigens auch lieber in Europa. Zumindest, wenn es nicht in die Richtung geht, die ich befürchte...

    • @Andreas Henatsch:

      Ein Punkt springt mir direkt ins Auge, aber keine Kritik an Ihrem Kommentar:



      Es gibt Länder, in denen man ins Gefängnis kommt, wenn man sich NICHTS hat zuschulden kommen lassen.



      Dann gibts Länder, in denen man sich so einiges zuschulden kommen lassen kann, ohne ins Gefängnis zu kommen.

  • Hier wird ja so manches Loblied auf China gesungen und die Schwächen der Demokratie an den Pranger gestellt.



    Ich darf aber mal an die Zeiten von Corona erinnern und an die katastrophale chinesische Gesundheitspolitik. Zahlen wurden ja nie veröffentlicht. Von offizieller Seite wurden ca. 100 Millionen Fälle gemeldet und ca. 120.000 Todesfälle. Experten gehen jedoch davon aus, das fast 250 Millionen Chinesen infiziert wurden und die Todesfälle in die Hunderttausende gingen. Ich habe das Internet durchforstet und finde jede Menge Statistiken zu allen anderen Ländern, jedoch keine Zahlen zu China. Woran das wohl liegt?



    Soviel zu den Vorteilen des Lebens in einem autoritär und zentralistisch regierten Land.

    • @Il_Leopardo:

      Worauf stützen sich eigentlich die "Experten"? Es gibt, wie Sie selbst sagen, keine gesicherten Zahlen. Nur Spekulationen.

      Die meisten Corona Toten hatten übrigens die USA. So ca. 1,2 Millionen...

    • @Il_Leopardo:

      Gerade über die chinesische Gesundheitspolitik, auch zur Corona-Zeit, könnte ich jetzt ein Mehrfaches von 1200 Zeichen schreiben - aber nichts Gutes.



      Und auch sonst darf man nicht am Lack kratzen, denn darunter glänzt nicht sehr viel.

  • "Dieses „Chinamaxxing“ steht für mehr als einen kurzweiligen Trend, auch wenn er oft oberflächlich bleibt. Nach einem Jahrhundert der westlichen Abwertung und Ignoranz beginnt China zu glitzern, ohne selbst viel Propaganda machen zu müssen."

    Kein Wort dazu, dass undemokratische Regierungen seit Jahren "influencer" und "content creators" benutzen, um ihr Land in gutem Licht stehen zu lassen? Achja, alles in den Videos ist ja authentisch...

    "Und es zeigt auch: Wer Demokratie und Weltordnung so achtlos zerlegt wie der US-Präsident, macht sich unbeliebter als ein Regime, das ohnehin niemals demokratisch sein wollte."

    Nicht zu vergessen, dass über die inneren Angelegenheiten der USA in Europa weit mehr negativ dauerberichtet wird, als über die inneren Angelegenheiten Chinas. Ist das mit den Lagern schon vorbei? Die Leute im Westen spüren jetzt bloß, dass Trump mit Hormus alles teurer macht. Zwangsarbeiter produzieren hingegen schön billig. Haben uns ja erklärt, wir sollen mit den Menschenrechten wegbleiben, wenn wir die Güter wollen und wir waren Dealmaker. Gehen Sie weiter, hier gibt es nichts zu sehen

  • Man sieht, dass Demokratie nach westlichem Verständnis nicht zwingend der Weisheit letzter Schluss für die ganze Welt ist.



    China scheint mit seiner Spielart des zentralistischen Sozialismus, vermengt mit einer Prise Demokratie und staatlich von Einflussnahme auf das Polit-Monopol der allmächtigen Partei ferngehaltenem und beaufsichtigtem Kapitalismus, gut zu fahren, die meisten Menschen dürften damit zufrieden sein, dass es ihnen wirtschaftlich immer besser geht, ihr Land weltweit an Wirtschaftsmacht und auch politischem Einfluss gewinnt und es dank der Intensität, mit der Chinas größter politischer Rivale, die USA, sich seit einigen Jahren selbst beerdigt, mittlerweile sogar als Gesprächs- und Wirtschaftspartner selbst im Westen gefragter ist als die zunehmend irrationaler auftretende US-Regierung.



    Auch wenn China in Sachen Menschenrechten nicht den Standards entspricht, die wir in der Theorie so hochhalten, so scheint das Thema soziale Gerechtigkeit zumindest in der Wahrnehmung chinesischer Bürger bzw. Partei-Untertanen im Reich der Mitte besser gelöst zu sein als in den westlichen Demokratien, besonders als in jener, die offenkundig gar keine Demokratie mehr sein möchte.

  • Danke für diesen Beitrag. Gerade das neueste Umnfrageergebnis von INSA / für die B... Zeitung: AgD liegt bei 29 Prozent. CDU 7 Prozentpunkte dahinter. SPD nichtmal bei 15 %. Wie stehts mit der Demokratietemperatur in Deutschland: scholecht. Fieber. Kein Verstand für Demokratie. Kein Gefühlt für Demokratie. Was können wir ändern? Wieso sollen zB die Lebensunterhaltsleistungen für die ABgeordneten dieses Jahr erhöt werden? Die SPD will das wohl in Frage stellen. Die CDU natürlich nicht. So viel wie oberste Bundesrichter - für handwerklich schlecht gemachte Gesetze - Gebäudeenergiegesetz zB. Die Abgeordneten sind dieses viele Geld nicht wert. Bundesrichter leisten bessere Arbeit.

  • Ausgesprochen starker Artikel. Danke!



    .



    Auch die medizinische Versorgung in den großen Zentren ist beeindruckend in ihrer Effizienz, keine langen Wartezeiten, keine hohen Kosten. Es ist schwerer geworden, China zu kritisieren und Demokratien argumentativ zu verteidigen. Chinas Soft Power wächst zurzeit immer stärker, auch in Deutschland, grade bei jungen Leuten. Man darf das nicht unterschätzen, es ist attraktives Urlaubs- und Identifikationsziel, keineswegs bloß Tiktoktrend.



    .



    Umso wichtiger eine kritisch-ehrliche Berichterstattung, über die echte Attraktivität der hypermodernen Überwachungsgesellschaft aufzuklären und zugleich über ihre tiefen düsteren Schattenseiten.

    • @la suegra:

      Es ist keine gute Idee, in China einen medizinischen Notfall zu erleben, wenn niemand, der einen direkt kennt (Bekannte, Verwandte), unmittelbar für Hilfe sorgt, gleich bezahlt und sich in den hochmodernen Kliniken um die Versorgung kümmert.

  • Viele Staaten sind autoritär aber erfolglos. Allein daran kann es also nicht liegen.



    Die Geheimzutat Chinas (welche auch in diesen Artikel nur angedeutet wird) ist doch eher die starke ethnonationalistische Prägung und die Selbstverständlichkeit, dass sich Minderheiten freiwillig oder unter Zwang anzupassen haben.

    Der Abgleich zwischen Demokratie und Durchregieren ist jetzt nicht ganz so mutig, wie es auf den ersten Blick erscheint.

    • @Pilzlibelle:

      Weder Ethnonationalismus noch Druck auf Minderheiten sind eine chinesische Besonderheit und auch kaum eine Erklärung für den wirtschaftlichen Erfolg dieses Landes. China ist ja nicht wohlhabend geworden, weil es Uiguren schikaniert, sondern weil es eine effiziente Mischung aus staatlicher Planung und privater Initiative gefunden hat. Und wie so oft: Wenn eine Regierung es schafft, das Leben der Menschen spürbar zu bessern, ist es den meisten egal, ob sie demokratisch gewählt wurde.

      • @O.F.:

        Ich freue mich, dass ich mich Ihren Aussagen mal anschließen kann.

  • Ich glaub der Kahnemann wars: 95% der Bevölkerung würden das gleiche Leben leben, egal ob in sie in einer Demokratie oder einer Diktatur leben würden.



    Nur 5% wären unzufrieden .... oder im Knast landen.



    Und genau darauf setzt China. Und muss nur schauen, dass es den Leuten stets etwas besser geht.

    Wie es bei uns gerade läuft und empfunden wird, kann sich jede(r) selbst ausmalen. Und das ist das Problem!

    • @Tom Farmer:

      "Der Mensch lebt nicht vom Brot allein" (Matthäus, 4:4)

      Meine moderne Übersetzung:



      Satt sein alleine genügt nicht. Ich will auch frei sein, meine Meinung frei äußern dürfen, nicht überwacht und ständig kontrolliert werden, meine Kultur ausüben dürfen etc.

      • @Il_Leopardo:

        Sie sollten auf das eingehen was geschrieben wurde. Wenn es Leuten "stets etwas besser geht", hat das mit mit ihrem Zitat genau 0% zu tun.



        China hat ein Wohlstandsversprechen eingelöst trotz Diktatur. Deutschland bricht dies und es läuft gefühlt schlecht, trotz Demokratie.



        Deswegen benötigt der 95% Chinese keine Demokratie, aber 30 % der Deutschen findet AfD wählbar.



        Got it?

        • @Tom Farmer:

          Nö - wenn alle wirklich satt wären, müsste Xi keine Angst vor dem Volk haben und könnte die Daumenschrauben etwas lockern!

  • Was fehlt ist, dass die Demokratie in die Ökonomie strukturell eingeführt wird, was nie geschah. Das ist auf allen Ebenen so: global , kontinental und regional-local. Wir sehen es ja an der derzeitigen Debatte um die kaputt gesparten Kommunen und das Teilhabegesetz: Nahles versprach, dass die Kosten der Inklusion vom Bund übernommen werden sollten. Das geschah kaum und so gehts wieder weiter mit dem rückwärts gewandten Einsparungen von UN bestätigten Menschenrechten, die in Germany alle wollen, weil es das NS Erbe transformiert.Statt die Cum Cum Betrüger endlich abzukassieren & die Vermögenssteuer wieder einzuführen, die nur ausgesetzt wurde. Statt wie unter Kohl 53 % Spitzensteuersatz für die Demokratie+sozial -ökologischer Nachhaltigkeits Transformation zu schaffen, inkl. Hermann Scheers basis demokratischen Rechte der Bürger/innen auf ihr Solarkraftwerk am Balkon+Speicher im Quartier, werden die zerstörerischen und undemokratischen Reichen und ihre Unternehmens Übergewinne geschützt, anstatt die zu schützen, die es brauchen,die die zerstören.Das darf sich nicht "konservativ" nennen, es ist Destruktativ&antidemokratisch! Global beginnen mit #debt4climate + 2% Billionärssteuer!

  • Ich denke es wäre interessant eine Debatte darüber zu führen was Demokratie eigentlich ist. In China sagt bspw eine überwältigende Mehrheit der Bevölkerung das sie in einer Demokratie leben. Übrigens mehr als in Deutschland. Siehe Link unten.



    Warum ist das der Fall?



    Das sind ernste Fragen die man nicht einfach mit 'Sie wissen halt nicht was Demokratie ist!' beantworten kann, sonst würden mir nur wieder die krassesten Eurozentrischen Stereotype reproduzieren, für die wir leider mittlerweile in der ganzen Welt bekannt sind.



    In China ist die Demokratie auf Kommunaler Ebene deutlich stärker ausgebaut als es in DE der Fall ist, auf Staatslevel deutlich schwächer.



    Die kommunalen Entscheidungen die wir in DE treffen können sind leider meistens nur, schließen wir Schimmbad A, B oder die Kita. Das war nicht immer der Fall, wir hatten bereits starke gut finanzierte Kommunen. Nun ist die Kommunale Ebene aber leider das wo die Menschen am direktesten mit Politik in Berührung kommen, weshalb man sich nicht wundern muss wie gering das vertrauen in unsere Demokratie ist.

    www.newsweek.com/m...erica-isnt-1711176

    • @TjarkTjark:

      Vergessen Sie nicht, dass die Migrationspolitik Chinas nach "eurozentristischen" Maßstäben "gesichert rechtsextrem" ist.

  • Danke. Vieles kluges gutes & nachdenkliches zur Demokratie gesagt - Joseph Vogl: Souveräneritätseffekte fehlt - schade & dann logischerweise - “fehlende Korruption“



    Mit Verlaub unpolitisches - geschlossenen System immantes selten gelesen.



    www.youtube.com/re...y=China+korruption



    &



    Könnte zu dieser brave new world - der schönen Innenwelt der Außenwelt der Innenwelt noch Sebastian Haffner - Anmerkungen zu Hitler - als pars pro Toto anführen - aber da wär einges Erklärendes anzuführen - meine Eltern zB traten - für mich lange Zeit nicht nachvollziehbar - 1938? in die NSDAP ein: bei Haffner wurde ihr Narrativ verständlicher. Um Vergleichbarkeit hingegen - geht‘s nicht •

    kurz - daß die taube hohle Nuß Waffen-Merz dazu so gar nichts schnallt - is plan as plan be!



    Das Stadtbild seiner Sozialisation sieht dazu nichts ZÉRO vor.



    Kann das gut beurteilen - habe fast 10 Jahre in Westfälisch Sibirien gelebt - als VerwRi gewirkt •

  • Guter Beitrag. Im positiven Sinne: kleiner Anstoß für die großen Themen dieser Zeit.

  • Meinen Respekt für diesen umfassenden wunderbar geschriebenen Artikel, der es schafft auch dem "bösen Chinesen" gerecht zu werden ohne in die üblichen Klischees abzutauchen...



    Und das Finale ist fast schon grandios. Danke!

  • Wenn "besser funktionieren" nur mit Autorität geht, na dann habe ich lieber einen Failed State. Ansonsten bleibe ich dabei:

    Uiguren in Konzentrationslagern halten, schlecht.



    Freiheit für Tibet.



    Invasion Taiwans verboten.

    Unsere Probleme sind durch den Neoliberalismus und den Kapitalismus geschuldet: Gesundheitswesen, marode Bildung, Deutsche Bahn. Aber wehe, die heilige Kuh wird geschlachtet.

    • @Troll Eulenspiegel:

      Weiterhin könnten Arbeitsbedingungen erwähnt werden. Gegen viele!!!! chinesische Firmen ist z. B. Tönnies eine Vaterfigur für seine Schützlinge.



      Wenn es selbst den Behörden zu pervers wird, gehen viele Sklavenhalter einfach in Nachbarländer - Informationen über dortige Zustände gibt es genug, allerdings heben die nicht die Stimmung.

  • Brecht hatte Recht. Erstkommt das Fressen und dann die Moral.

    Nicht derjenige, der die schönsten Geschichten erzählt, bestimmt den Lauf der Geschichte, sondern derjenige, der den Menschen das Gefühl gibt, dass es ihnen immer besser geht. Lange Zeit waren das die westlichen Demokratien. In der Bundesrepublik mit dem Konzept der sozialen Marktwirtschaft. Das Soziale hat man immer mehr gestrichen und Teile der Bevölkerung werden als unnötiger Ballast abgetan, während sich eine kleine Oberschicht die Taschen vollstopft. Das hat sie schon immer getan, aber sie hat die unten mitgenommen.

    In China profitiert natürlich auf hauptsächlich die Oberschicht. Aber sie nimmt die unten eben (noch) mit...

  • Das ist ein sehr guter Artikel! Nur die plötzliche Trennung von Wirtschaft und System ist problematisch. Plötzlich ist sie, weil doch eigentlich seit jeher der volkswirtschaftliche Erfolg als Ausweis für die Güte des Systems verkauft wurde (Sozialismus = Armut, etc.). Andererseits spricht man nicht zufällig von "politischer Ökonomie", und eben deshalb ist die besagte Trennung auch problematisch. Wer Angst haben muss, dass er irgendwann die Miete nicht mehr zahlen kann, beginnt von Anderem zu Träumen, obschon das Wahlrecht in Deutschland nicht an einen festen Wohnsitz gebunden ist.

  • Das Leben in Shanghai mag ja für viele attraktiv - wenn auch nicht demokratisch - sein. Aber wie sieht es auf dem Land aus? Dort fehlt mangelt es nicht nur an demokratischen Strukturen, sondern an Arbeitsplätzen und Zukunft allgemein. Etwa 30 Millionen Menschen leben an der Armutsgrenze und müssen mit weniger als 2 Dollar am Tag auskommen. Hierzu schreibt die CDU-nahe Hanns-Seidel-Stiftung: " Die steigende Urbanisierung führt zu Landflucht. In vielen Dörfern leben kaum noch Menschen im erwerbsfähigen Alter – zurück bleiben Alte und Kinder. 60 Millionen Kindern müssen so ohne ihre Eltern aufwachsen, weil diese in den Städten arbeiten. " Ob ausländische Journalisten eine Genehmigung zum Drehen für diese Region erhalten würden? Ich bezweifle das. Gezeigt werden soll nur das Gelungene. Und damit sind wir wieder beim eigentlichen Thema: Dem Fehlen von Demokratie und Freiheit.

    • @Il_Leopardo:

      Ich hatte gerade Besuch eines Bekannten, dessen Eltern und andere Verwandte in einem Dorf leben, allerdings nicht in einem Touristenbesichtigungsvorführdorf.



      Die Zustände dort kann man nur verdeckt dokumentieren, die richtigen Fans des modernen China würden sie ohnehin als Fakenews abwinken, da sie so unglaublich sind.

    • @Il_Leopardo:

      Kleine Korrektur, die Hanns-Seidel-Stiftung ist CSU nah.

      • @AndreasM:

        Danke für den Hinweis.

  • Schöner Artikel, vielen Dank!

  • Sehr guter Artikel - v.a. auch der letzte Abschnitt.

    Das gute Leben für alle - dafür braucht es m.E. mehr Zeitsouveränität und gute Bedingungen für gegenseitige Sorge (Stichwort "Faulheitsdebatte"). Sehr gut Shoppen oder sehr guten Kaffee hingegen nicht unbedingt.

    Geloste Bürgerräte sind Teil der Lösung, allerdings sind die heute leider ziemlich zahnlos, rein beratend, und ihre (mühsam erarbeiteten) Vorschläge werden oft von der Politik einfach weggewischt. Da müsste man (wie in Irland) eine Volksabstimmung nachschalten - oder vielleicht gleich geloste Parlamentskammern mit eigener legislativer Kompetenz einführen (nach dem Vorbild des antiken Athens oder der frühneuzeitlichen norditalienischen Städte).

    • @Eric Manneschmidt:

      Eine Ersetzung gewählter Entscheidungsgremien durch geloste wäre eine Abschaffung der parlmentarischen Demokratie.

      Unabhängig davon: Geloste Bürgerräte wären mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht anders zusammengesetzt als die Wählerschaft. In dieser besteht, wie Wahlen und Umfragen zeigen, eine solide Mehrheit aus den Wählern von Union, FDP, Freien Wählern und AfD. Bürgerräte mit entsprechender Zusammensetzung hätten die gleichen Mehrheiten wie die Parlamente - allerdings ohne "Brandmauer". Diese Bürgerräte würden kaum das von Ihnen befürwortete bedingungslose Grundeinkommen beschließen, sondern eher das Bürgergeld bzw. die neue Grundsicherung bis zum Anschlag kürzen.

  • Ein perfekter Artikel, vor allem der letzte Absatz, der einige Fragen beinhaltet. Danke dafür.

  • War ein ergreifender Moment, als meine Schwester mit dem vorletzten Flieger, vor dem Massaker am Platz des himmlischen Friedens, wieder in München landen konnte - nach 12 Stunden Telefon-Dauerschleife der Frau Mutter... ein neuer Anstrich im alten Gewand...

  • Danke für das ausführliche Bild des aktuellen Chinas: Informativ und mit Fokus auf demokratische Werte. Letztere muss man wohl immer wieder genau benennen, um sie von den Zielen der autoritären Nationalisten abzugrenzen - und um daran die Politik der eigenen Regierung zu messen ...

  • Für mich ist China noch immer ein faszinierendes soziales Experiment. Die Zeit wird erweisen, ob es gut ausgeht. Wie Frau Lin ganz richtig schreibt, ist das jetzige Resume ein positives, für die allermeisten Bürger Chinas. Ganz ähnlich der vormaligen Sowjetunion, wurde China in kürzester Zeit aus einem agrarisch geprägten Feudalstaat zu einer industriellen Weltraumnation geformt. Das dieser unglaublich beschleunigte Prozess Menschen frisst, scheint gesetzmässig zu sein (siehe UdSSR).



    Was wäre, wenn es China gelänge, die Vorzüge einer kapitalistischen Welt, mit der des Sozialismus zu vereinen UND dabei zunehmend menschenfreundlicher zu werden.



    Z.Bsp. im Sinne von, das freie Spiel des Marktes ja, aber kein Privateigentum an Produktionsmitteln (wie man hört, sind sehr viele Konzerne der Schlüsselindustrien verdeckt in Staatshand).



    Wie gesagt, ich bin gespannt und neugierig!

    • @Thomas Kühnelt:

      Interessante Punkte die Sie aufmachen.



      Zu dem beschleunigten Prozess der Menschen frisst will ich nur sagen, dass ich denke, dass das vielmehr ein Problem der Industrialisierung ist und nicht der UdSSR oder China. Wenn wir uns die Industrialisierung in Europa, siehe 'Die Lage der arbeitenden Klasse in England' von Engels, oder den Sklavenhandel anschauen der für die Industrialisierung der USA notwendig waren ergibt sich ein vollständigeres Bild.

  • “Beunruhigender ist es, wenn Bür­ge­r*in­nen demokratischer Staaten sie zunehmend für verzichtbar oder unnötig halten.”

    Die Frage, die hier im Artikel leider nicht thematisiert wird, welche strukturellen Ursachen dahinter legen.



    Die Menschen wenden sich ja nicht von der Demokratie ab, weil plötzlich alle blind chinesischer Propaganda o.ä. unterlegen., sondern weil die materielle Realität - also Wohnungsnot, Mietsteigerungen, Sozialabbau, Lohnkürzungen, Ungleichheit etc. - das Versprechen auf ein gutes Leben nicht einhält. Statt dessen erleben Menschen enttäuscht, wie Kapital nach oben abwandert und die untere Hälfte den Preis für die strukturell erzeugten Krisen bezahlen muss. Die Enttäuschung ist doch dann kein Bildungsdefizit, sondern schlicht ein Systemversagen.



    Wenn dann als stärkste Verteidigung der Demokratie bleibt, zu sagen “Sie können Friedrich Merz doof finden, ohne dafür verschleppt zu werden.“ - also nicht Gleichheit, Würde und materielle Sicherheit, sondern die Freiheit den Kanzler auch mal doof nennen zu dürfen, beschreibt das den Erschöpfungszustand der westlichen Demokratie wirklich sehr präzise.

    • @Dima77140:

      "beschreibt das den Erschöpfungszustand der westlichen Demokratie wirklich sehr präzise"

      Nur kann von den westlichen Demokratien in diesem Bezug nicht die Rede sein. Hier bei uns in Norwegen merke ich wenig davon, ebenso in Dänemark, Lettland, Litauen, der Schweiz, Irland oder Spanien.

      Demokratie beinhaltet auch ein Fortschrittsversprechen an seine Bürger. Dieses Versprechen ist nicht rein ökonomischer Natur sondern soziale und politische Komponenten gehören ebenfalls dazu.

      Ein Staat der seinen Bürgern Selbstwirksamkeit vermittelt und ihnen Wege aufzeigt unmittelbar zur Erfüllung des Versprechens beitragen zu können, der genießt auch das Vertrauen seiner Bürger und zwar zur Regierung und deren Institutionen.

      Deutschland ist mit diesem Fortschrittsversprechen zu Wohlstand und vielen sozialen Fortschritten gelangt. Seit der Wende haben vielerlei Faktoren, aber besonders die Abkehr von der sozialen Marktwirtschaft, dazu geführt das nicht nur der Fortschritt in vielen Bereichen ausblieb, sondern das der Staat nicht einmal mehr eine passende Erzählung anzubieten hat. Ein Staat der seinen Bürgern kein Angebot macht, kann daher auch nicht auf eine große Nachfrage seiner Bürger hoffen.

      • @Sam Spade:

        Danke …anschließe mich

        ps & derzeit haben Merz & Co nichemal n müden Farthing einer Idee davon •

      • @Sam Spade:

        Zumindest sind wir uns da ja einig, dass wir das nicht eingelöste Demokratie-Versprechen als Problem identifizieren und nicht die Ursache in einem irrationalen, ungebildeten Bürger oder falschen Debattenkultur etc.



        Bei deiner These dass es sich hierbei um ein spezifisch deutsches Problem handelt, wäre ich mir allerdings nicht so sicher.



        Die Abwendung von der liberalen Ordnung geschieht ja weltweit und auch nicht nur in wirtschaftlich schwächelnden Demokratien, sondern auch in Frankreich, Großbritannien, USA oder Schweden. Ich finde diese Synchronität ist schwer mit nationalen Politikfehlern allein zu erklären, zumal ja alle Staaten eng in den internationalen Finanzmarkt eingebunden und miteinander verflochten sind.



        Das Norwegen und Dänemark - beides Länder mit sehr starker Gewerkschaftsstruktur und Rohstoffvorkommen- vielleicht (noch) nicht so stark davon betroffen sind mag natürlich sein, würde ich aber trotzdem eher als Ausnahme und nicht Regel sehen.

        • @Dima77140:

          Explizit auf Deutschland habe ich das auch nicht ausgelegt. Die anderen großen Drei in Europa sind davon ebenso betroffen.

          Ihre Einschätzung hinsichtlich des Einflusses starker Gewerkschaften in Norwegen trifft zu. Wesentlich dabei ist aber, das dieses meist im Konsens mit den Unternehmen geschieht. Da wird an einem Strang gezogen. Der ökonomisch ausschlaggebende Faktor ist jedoch der, das in Norwegen der Staat den Markt reguliert und das teilweise mit drastischen Mitteln, zu denen auch Unternehmensliquidierungen gehören können. Das stellt jedoch keinen Selbstzweck dar, sondern fördert einen fairen Wettbewerb, was sich dann wiederum auf das Lohnniveau und die Arbeitsbedingungen auswirkt.

          Wie in meinem Kommentar bereits erwähnt, sind es aber nicht allein ökonomische Faktoren. Die Schweiz ist zum Beispiel immer noch ein Musterbeispiel dafür, wie sich die Partizipation der Bürger an demokratischen Prozessen auf die Selbstwirksamkeit der Bevölkerung auswirken kann.

          Die baltischen Staaten zeichnen sich dadurch aus, ihrer Bevölkerung eine greifbare Vision der Zukunft zu vermitteln, die aufgrund der Modernisierungsprozesse in vielen Bereichen bereits jetzt Auswirkungen zeigt.

          • @Sam Spade:

            Dem stimme ich zu. Um deinen Punkt mit den Fortschrittsversprechen nochmal aufzugreifen, würde ich allerdings noch ergänzen, dass der deutsche – und allgemein westliche – Nachkriegswohlstand und sozialer Fortschritt ja nicht isoliert entstanden ist. Viele westeuropäischen Staaten haben jahrzehntelang davon profitiert, in globale Macht- und Wirtschaftsgefüge eingebettet zu sein, die hauptsächlich durch die US-Dollar-Hegmonie, IWF-/Weltbank-Strukturprogramme gegenüber dem globalen Süden, günstige Rohstoffe und billige Arbeitskräfte aus Ost- und Südeuropa profitierten. Ohne diese geopolitische westliche Dominanz hätte die soziale Stabilität ja nie finanziert werden können. Wenn dieses System nun durch den Aufstieg Chinas, Einfluss der BRICS-Staaten etc. unter Druck gerät, ist es logisch, dass die innenpolitischen Modelle unter Druck geraten. Die nationale Politik spielt natürlich trotzdem eine große Rolle und ist im Falle von Deutschland durch viele innenpolitische Fehlentscheidungen, Jahrzehntelanger neoliberaler Politik, Privatisierungen, Ausbau des Niedriglohnsektors, Investitionsstau, Schuldenbremse oder die schrittweise Abwendung von der sozialen Marktwirtschaft besonders fatal.

    • @Dima77140:

      sehr richtig. Demokrarie nur alle 4 Jahre an der Wahlurne ist zu wenig.



      Auch zuwenig ist was die Politikerinnen aus ihrem Mandat machen: Wegschmeißen und mehr oder weniger Lobbypolitik durchsetzen- oft gegen die Menschen und gegen den Zusammenhalt der Gesellschaft und für finanzielle private oder Machtgewinne der eigenen Interessensgruppen.

      • @So,so:

        Ich würde zu deinem Punkt ergänzen, dass es nicht nur wichtig ist, wie oft gewählt wird, sondern über was demokratisch entschieden werden kann. Gerade die zentralen Fragen hinsichtlich Produktion und Arbeit - also was produziert wird und unter welchen Bedingungen und wie eigentlich der gesellschaftliche Reichtum verteilt wird - stehen ja kaum zur Disposition bzw. sind nur sehr eingeschränkt demokratisch mit zu bestimmen. So entsteht dann logischerweise der (berechtigte) Eindruck, dass Regierungen kommen und gehen, Wahlen kaum etwas verändern und die grundlegende ökonomische Richtung mitsamt ihren strukturellen Problemen gleich bleibt.

    • @Dima77140:

      Ich finde schon, es ist ein Bildungsversagen. Denn mit Sicherheit wird keines der von Ohnen genannten Probleme mit einer neoliberalen AfD gelöst, die ein 25% Kopfsteuer einführen, die jetzige Renten- und Gesundheitsversorgung urch Umverteiöung gegen ein privates Versicherungssystem ablösen will, das sich an den Bedürfnissen der im Dax gelisteten Unternehmen orientiert. Es braucht paneuropäisch agierende Gewerkschaften und Aufklärung gegen AfD-Müller in sozialen Medien.

      • @hedele:

        Das die AfD keines der Probleme lösen wird, steht außer Frage. Immerhin steht sie selbst für libertäre Politik, Privatisierung, Sozialabbau und massive Umverteilung nach oben. Trotzdem halte ich die Enttäuschung vieler Menschen über das bestehende System für nachvollziehbar. Nach über 40 Jahren Neoliberalismus erleben doch sehr viele Menschen gerade, dass das Versprechen von sozialem Aufstieg, Sicherheit und wachsendem Wohlstand für große Teile der Bevölkerung nicht eingelöst wurde. Gleichzeitig konzentriert sich Vermögen immer stärker oben, während Wohnkosten, Prekarisierung und Abstiegsängste zunehmen. Wenn dann Menschen den Eindruck gewinnen, dass grundlegende wirtschaftliche Fragen demokratisch kaum noch beeinflussbar sind und unabhängig von Wahlergebnissen sowieso ähnliche Politik gemacht wird, verliert das System an Glaubwürdigkeit. Deinem Punkt mit den Gewerkschaften stimme ich zu und würde noch ergänzen, dass es nicht an "zu wenig Bildung“ mangelt, im Sinne von fehlender Intelligenz, sondern eher fehlendes Klassenbewusstsein und die Schwächung kollektiver Organisierung wie z.B. paneuropäisch agierende Gewerkschaften oder internationale Arbeitskämpfe.

      • @hedele:

        "Denn mit Sicherheit wird keines der von Ohnen genannten Probleme mit einer neoliberalen AfD gelöst..."



        Was hilft mir diese Erkenntnis, wenn die "genannten Probleme" von den demokratischen Parteien auch nicht gelöst werden?

        • @sollndas:

          Genau das ist ja auch das Problem.



          Solange alle Parteien sich mehr oder weniger verpflichten, die gleichen bestehenden ökonomische Verhältnisse zu verwalten und die Eigentumslogik nicht anzugreifen, werden keine der strukturellen Probleme dauerhaft gelöst werden können, weder in der sozialen Frage, noch beim Klimaschutz oder dem Vertrauen in demokratische Prozesse insgesamt.

  • Vielen Dank für diesen interessanten Überflug über Demokratieverständnis und gesellschaftliche Empfindlichkeiten in unterschiedlichen Kulturen.

    Der Artikel berührt sehr schön, dass das Gefühl für Teilhabe, Freiheit und Gerechtigkeit historisch und kulturell unterschiedlich gewachsen ist – geprägt durch Aufklärung und Kriege, Wohlstand oder eben existenzielle Not.

    Doch Demokratien werden heute zunehmend von innen ausgehöhlt: durch Desinformation, soziale Medien und eine permanente Empörungslogik – begünstigt durch eine politische Kultur, die Komplexität immer häufiger als Zumutung empfindet.

    Die eigentliche Krux scheint mir daher weniger zu sein, ob autoritäre Systeme effizienter wirken, sondern warum Menschen in Demokratien unzufrieden werden, obwohl sie Freiheitsrechte besitzen.

    Vielleicht, weil wir Demokratie zunehmend mit Wohlstand verwechseln – und nicht mehr als Gesellschaftsform begreifen, die den Menschen Würde, Mitgestaltung und persönliche Freiheit ermöglichen soll?

    Der „Dealmaker“ macht uns das gerade vor. Und natürlich glänzt dabei jener, der ihm scheinbar Paroli bietet.



    Beide eint ein instrumentelles Verhältnis zur Macht, doch



    Demokraten sind sie beide nicht.

    • @Stefan Schmitt:

      "Demokratien werden vor allem durch Desinformation, soziale Medien und Empörungskultur von innen ausgehöhlt." Das greift meines Erachtens viel zu kurz. Die Krise liberaler Demokratien ist doch keine kulturelle - sondern schlicht eine soziale und ökonomische Krise des neoliberalen Kapitalismus. Das Vertrauen in demokratische Institutionen schwindet ja nicht aufgrund einer schlechter Debattenkultur, sondern weil sehr viele Menschen erleben, dass demokratische Prozesse ihre materiellen Lebensbedingungen immer weniger verbessern. Breite Teile der lohnabhängigen Bevölkerung leiden unter Wohnungsnot, Prekarisierung, Sozialabbau und sinkenden Reallöhnen, während Vermögen und politischer Einfluss sich oben immer weiter konzentrieren. Versprechungen wie Würde, Mitgestaltung und persönliche Freiheit wirken unter solchen Bedingungen für viele nur noch phrasenhaft.



      Außerdem beruht der westliche Wohlstand historisch auf globalen Machtverhältnissen, Ausbeutung des globalen Südens und imperialen Vorteilen. Wenn dieses Modell ins Wanken gerät, ist es doch nur die logische Konsequenz, dass auch der gesellschaftliche Konsens zerfällt und autoritäre Figuren an Attraktivität gewinnen.

      • @Dima77140:

        Ich gebe Ihnen Recht, dass die soziale Komponente zunehmend an Bedeutung verliert im neoliberalen Kapitalismus.



        Warum aber wählen immer wieder die Wähler CDU/FDP und SPD, es gäbe doch eine Partei, die genau diese soziale Komponente im Programm hat?



        Man kann sich doch bei Merz an 5 Fingern abzählen, was kommt.



        Oder wenn ein Großteil der Arbeiter inzwischen die AFD wählt?



        Natürlich ist die Krise der Demokratien besonders eine Kulturelle.

  • Vor mehreren Jahrzehnten hat mir ein damaliger Einwohner Singapurs erklärt, warum das politisch nicht gerade demokratische Land bei seinen Einwohnern letztlich beliebt ist und die Antwort ist überraschend einfach: es gibt praktisch keine Korruption!

    Und das ist wohl heute noch so. Also, das Rezept für die Demokratien wäre dementsprechend eigentlich ziemlich einfach: die erste politische Priorität sollte die Bekämpfung der Korruption sein. Ist das erstmal geregelt, können vernünftige, zukunfsorientierte Entscheidungen auch getroffen werden.

    D.Trump, der "Führer der freien Welt" ist ein korrupter Mensch auf einem Niveau der Realsatire. So wird das natürlich nichts.

    Aber in Europa sollten wir unser Auge auf die Arbeit der Lobbyisten lenken, die letztlich die demokratischen Systeme durch Korruption aushebeln. Sie sind der Grund, weshalb die Europäer nicht mehr an Brüssel, Berlin oder Paris glauben.

    • @Deutschfranzose:

      Wenn "keine Korruption" der Maßstab für Beliebtheit wäre, wäre China wohl menschenleer bis auf die Beschäftigten der Korruption. Die Frage ist, wer das wohl sein mag und wie viele.

    • @Deutschfranzose:

      Nun ist aber China mit 43 Punkten auf Platz 76 im Korruptionsindex und Deutschland mit 77 Punkten auf Rang 10.

      ( Ich bin mir nicht sicher, ob ich die aktuellsten Zahlen gefunden habe, sie haben sich aber in den letzten 5 Jahren nur jeweis um einen Punkt und einen Platz jeweils verschoben. )

      Nach Ihrer These müssten die Deutschen deutlich begeisterter von ihrem Staat sein als die Chinesen von ihrem.

      Vielleicht ist die Sichtweise, die Sie darstellen, eher eine Voraussetzung, um autoritäre Herrschaft zu akzeptieren?

    • @Deutschfranzose:

      Sicher ist die Bekämpfung von Korruption eine zentrale Voraussetzung für das Funktionieren eines Staates.



      In Singapur wird dies allerdings begleitet von drakonischen Strafen – vom rigorosen Durchgreifen bei Bagatelldelikten bis hin zur Todesstrafe für Drogenhandel – sowie von einer eingeschränkten Meinungsfreiheit, die Kritik am Staat teilweise kriminalisiert.

      Warum also so weit schweifen?



      Auch die eigene Geschichte zeigt den wiederkehrenden Ruf nach dem „starken Mann“, wenn gesellschaftliche Probleme komplex werden.

      Vielleicht liegt die Wurzel tiefer:



      in einem Wirtschaftssystem, das persönliche Bereicherung, materiellen Status und Macht nicht nur ermöglicht, sondern gesellschaftlich belohnt.



      Würden Reichtum und Einfluss nicht als Maßstab für Erfolg und Anerkennung gelten, verlöre Korruption womöglich einen großen Teil ihres Nährbodens.

  • Wie würde China ohne Kontrolle aussehen? Einfach mal Amerika als Schablone verwenden.

  • Der autoritäre Staatskommunismus (?) hat gesiegt. Wer hätte das gedacht. Mit Weitsicht, Klugheit und viel strategischer Planung.



    Ich bin froh, dass China sich entwickelt hat.



    Ohne die (brutale) 1-Kind Politik wäre China jetzt evtl. ein riesiges armes Land mit Hungersnöten und Flüchtlingsströmen, von Almosen und Katastrophenhilfe des Westens abhängig wie viele kapitalistische (und auch meist diktarorisch regierte!) Länder auch.



    Ja, dies gelang nur ohne Demokratie.



    Ist UNSESERE Demokratie noch ein Vorbild? Ist es überhaupt wirklich eine Demokratie?



    Setzen unsere Politiker um was die Mehrheit will? Oder was die Konzerne, Superreiche und ihre Lobbygruppen und Kampagnensprachrohre (looking at you, bild!) fordern?



    cdu? Geschenkt.



    Am erschütterndsten finde ich den Niedergang und die Rückgratlosigkeit der spd.



    Die Themen soziale und steuerliche Gerechtigkeit liegen auf der Strasse- darum flehend endlich aufgehoben zu werden.



    Allein die ehem. Arbeiterpartei scheisst sich ein- vor bild & Co.- anstatt Vorbild zu sein und langfristig an einer positiven Utopie zu arbeiten. Die Menschen und ihre Kommunen brauchen das aber- & ein wenig mehr Geld in der Tasche und funktionierende Infrastruktur.

    • @So,so:

      Genauso ist es. Danke 👍🏻

    • @So,so:

      Ohne Ein-Kind-Politik hätte China das evtl. auch geschafft, ohne sich die Demografie im Eiltempo zu zerschießen. Ohne den Großen Sprung und Kulturrevolution evtl. schon 30 Jahre früher, so wie Japan.

  • Die Autorin hat recht, sollte aber auch positiv erwähnen, dass in einer Demokratie eben auch ganz andere Vorstellungen akzeptabel sind. Ohne Bürgerräte, höhere Erbschaftsteuer und Dorfbus. Ist, demokratisch gesehen, alles nicht schlechter als das Wunschkonzert von Frau Hierse. Obwohl mir das durchaus sympathisch ist.i

    • @vieldenker:

      Akzeptabel ja, aber sie sollten nicht mehrheitsfähig sein, weil die Mehrheit davon nicht profitiert.



      .



      Über 80% der Wähler:innen hätten gerne eine stärkere Umverteilung von Wohlstand.



      79% stufen den Ausbau von ÖPNV auf dem Land als äußerst wichtige Umweltmaßnahme ein. Rund 75% fordern bundesweite Volksabstimmung. Selbst bei Unionswähler:innen lehnen nur 20% diese explizit ab und entsprechen damit der Parteilinie.



      .



      Es durchaus demokratisch gesehen "schlechter", wenn sich eine politische Minderheit immer wieder auf Kosten der Mehrheit durchsetzt. Im Extremfall läuft es wie in den USA. Da darf alle 4 Jahre gewählt werden, aber umgesetzt wird faktisch nur was die Wohlhabenden wollen.



      Das Ergebnis war das Trumpeltier. Auch in Deutschland spielt, der sich aufbauende Frust, den Populisten in die Hände

      • @sociajizzm:

        Aber was machen Sie, wenn dann in der Volksabstimmung eine 75% - Mehrheit genau das will, was Sie nicht wollen? Der linke Traum, dass die Mehrheit nur mehr Möglichkeiten haben muss, um „Gutes“ zurollen und zu wählen erscheint mir doch sehr naiv. Es gibt ja in diesem Land sehr unterschiedliche Beispiele, wie Minderheiten über parlamentarische Mehrheiten gegen die jeweilige „Volksmeinung“ Veränderungen duchgesetzt haben- und nicht wenige wurden vom explizit linken Teil der Aktiven und Engagierten eher begrüßt, als von der andern Seite des politischen Spektrums.

  • Leider beschert uns dieses ach so konsum-lebensfrohe China immer noch die defektesten Alltagsartikel der Welt. Und den schlimmsten Virus auch. Nix machen die mal gründlich und wertig. Bäääh.

    • @OndaOnda:

      Echt? In einem Land, in dem so viel nicht funktioniert und Oldtimer vom Band rollen, gibt es immer noch Menschen, die alten Vorurteilen gegenüber anderen Ländern nachhängen?

      China hat uns mittlerweile abgehängt!

      • @warum_denkt_keiner_nach?:

        China hat uns abgehängt - bei der Bahn, dem Internet, den Elektroautos.....



        Aber ein Versuch, in China ein sauberes, unbedenkliches Lebensmittel zu finden, kann schon ein wenig zeitaufwändig sein.

    • @OndaOnda:

      Billige Konsumartikel taugen nicht viel, egal wo sie hergestellt werden. Das gilt auch für billige Meinungen.



      Bei Handys und Solarpaneelen z.B. gibt es kein Qualitätsgefälle und in den meisten anderen Bereichen kann China mittlerweile sehr wohl Qualität liefern, neben dem Schrott, den der Konsument gerne kauft ...

    • @OndaOnda:

      Mittlerweile können die auch hochwertiges und innovatives Produzieren, zu Preisen mit dehnen wir nicht mithalten können.

    • @OndaOnda:

      "Made in Germany" war auch Mal ein Schimpfwort. Das braucht seine Zeit, bis sich das ändert. Mittlerweile gibt es sowohl Billigprodukte, wie auch Hightech in höchster Qualität aus China. Und ein Handy ist ja auch ein Alltagsgegenstand schlechthin.

    • @OndaOnda:

      "Nix machen die mal gründlich und wertig. Bäääh."

      Machen die nicht das iPhone?

      • @OldFrank:

        iPhone: Doppel-Bäääh!!

  • Den Hyperfortschritt Chinas als gutes Leben zu bezeichnen, ist schon eine deutliche Wichtung. Es ist ein langfristig unmögliches Leben, it's Klimawandel stupid.

    Auch unsere kapitalistisch geprägten westlichen Gesellschaften wie die deutsche Föderalrepublik als Demokratien und ergo besten aller möglichen Gesellschaften zu sehen, war noch nie wahr.

    Die Imagery passte bisher zu gut, jetzt werden die dunklen Seiten sichtbar, wenn nichtmal mehr die Werbung sich um 'demokratische' Darstellung sorgt. Aber ich bin auch nur ein schwarzsehender Pessimist. Wüsste ich eine Lösung, würde ich sie hier jetzt präsentieren. Vielleicht: glaubt mehr an die Geisteswissenschaften. Technologie hat noch keine absolut notwendigen Probleme gelöst.

    • @TGV:

      Ohne Technologien gäbe es weder genügend Energie noch Zugang zu sauberem Trinkwasser noch genügend Nahrung für die Weltbevölkerung noch eine Gesundheitsversorgung, die diesen Namen verdient. Von Geisteswissenschaften wird niemand satt; die können nur auf der Grundlage eines durch Technologien geschaffenen Mindeststandards ausgeübt werden. Oder sie bleiben wie früher das Privileg einer sehr dünnen Oberschicht, und auch für deren Angehörige nur, solange sie nicht krank werden.

    • @TGV:

      Normalerweise mag ich in Kommentarfunktionen wie dieser Fragen wie "wie genau", "wie viele genau" und ähnliche gar nicht, die sind eher geeignet für Livegespräche und -diskussionen.



      Aber der Prozentsatz für Menschen mit einem "guten Leben" in China wäre schon mal interessant zu wissen, wobei man "gutes Leben" dort von dem hier unterscheiden muss.



      Nach mehreren längeren Aufenthalten in China - kein Tourismus - und vielen Dauerkontakten kocht meine Begeisterung über ein allgemeines "gutes Leben" dort nicht über.



      Schwarzsehende Pessimisten sind oft die Menschen mit einem scharfen Blick auf die Realität- heutzutage gern mal ausgelacht, diffamiert und als siewissenschon hingestellt.

  • Das Problem bei uns ist doch, dass wegen dem ganzen neoliberalen Hype und dem "der Markt wird das schon regeln" die Interessen der Normalbevölkerung immer hinten angestellt wurden, und dazu gehört vorrangig eine funktionierende Infrastruktur die von Kita bis Uni über Bahnnetz bis Straßen und am wichtigsten GKV und GRV enthält. China hat das mit viel Schweiss der Bevölkerung aufgebaut dabei sind unter dem Schutz der KP auch viele sehr reich geworden, die wissen aber dass sie von der KP abhängen und alles verlieren können. Hier wird was mit viel Schweiss der Bevölkerung aufgebaut wurde gerade verschlissen, verkauft und abgewickelt, dabei werden die vorher schon superreich waren immer reicher und Merz und Konsorten erwarten dass wir und unsere Kinder und Enkelvdann dafür Opfer bringen, dass das so bleibt. Klar dass unter solchen Umstände viele an der Demokratie zweifeln und man sich angesichts der (ge)schön(t)en Bilder aus China vielleicht so ein bischen Einparteiendiktatur wünscht.

    • @Axel Schäfer:

      Sie treffen den Nagel auf den Kopf mit den "(ge)schön(t)ten Bildern aus China. Die davon Begeisterten würden sich auf dem Boden der Realität in den Siewissenschon beißen, sich das gewünscht und sich darauf eingelassen zu haben. die Bilder treffen nämlich nur auf einen Teil der Bevölkerung zu, den Rest bekommt man hier selten gezeigt.

    • @Axel Schäfer:

      Nicht unbedingt Einparteidiktatur, aber das so manche Dinge in Deutschland eher wie in China laufen.



      .



      In China wird bei einer Straßensanierung gleich Glasfaser verlegt und die Kabel für E Auto Ladestellen. In Deutschland wird sie selbe Straße 3x aufgerissen weil 3 verschiedene Glasfaseranbieter ihr Kabel verlegen, hintereinander natürlich.



      .



      Blamagen wie der BER und S21 wären undenkbar in China.



      .



      Und während Deutschland weiterhin mit Funklöchern kämpft haf China 5G an jeder Milchkanne.

      • @sociajizzm:

        Mir ist ein etwas langsameres Internet, in dem ich meine unbequemen Meinungen äußern kann, wesentlich lieber als ein strikter Maulkorb mit 5G.



        Kannen mit unbedenklich genießbarer Milch sind dort auch nicht sehr häufig zu finden, aber Ladekabel und Flughäfen sind latürnich wichtiger.

      • @sociajizzm:

        Anfang der 1980er gabs es von der Regierung Schmidt mal den Plan dass die Post Glasfaser in jedes Haus verlegt...



        ... dan kam die gestich moraliche Wende und Kohl, Kirch und Schwarz-Schilling opferten dem goldenen Kalb der Wirtschaft.

        Ein Kollege war über Ostern in China um dort ehemalige Geschäftspartner zu besuchen, der hat erzählt, dass ihr Taxifahrer beim rangieren eine Straßeblaterne abgefahren hat und ohne Anruf gleich die Polizei zur Stelle war und der Taxifahrer seiner Versicherung auch nicht mehr melden musste wo der Unfall passiert ist. Schöne neue Welt halt, überwacht bis ins Detail. Wäre jetzt nicht so meins, der Kollege ist in der DDR aufgewachsen und findet das höchsten interessant aber nicht erstrebenswert.

        • @Axel Schäfer:

          Ein Bekannter in Hangzhou hat sich eine Katze gekauft. Die hat dem Nachbarn nicht gefallen, darum hat er sie mit vergiftetem Futter ins Jenseits befördert. Polizei kam auch nicht auf Anforderung.



          Schnelle private "Problemlösungen" sind in China viel mehr üblich als hier, mancher der Technik-Fans würde sich wundern.

        • @Axel Schäfer:

          Schwarz-Schilling opferte nicht dem goldenen Kalb "der Wirtschaft", sondern dem goldenen Kalb der Kupferkabel-Industrie.

          • @Budzylein:

            Die Unternehmensanteile liefen doch auf seine Frau, er hatte ja keinen persönlichen Vorteil davon.