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Hamburg braucht die Spiele nicht Olympia ins Fernsehen!

Jan Kahlcke

Kommentar von

Jan Kahlcke

Olympia ist ein Kommerz-Monstrum, das nirgends stattfinden sollte. Schon gar nicht dort, wo es mit Erpressung und Trickserei durchgesetzt werden muss.

G ut, dass das Olympiareferendum Ende Mai stattfindet. Da haben die Ham­bur­ge­r:in­nen den Marathon, die „Online Marketing Rockstars“ und den Hafengeburtstag gerade überstanden. Und die Harley Days, den Ironman und den Schlagermove vor der Brust.

Man muss sich Olympische und Paralympische Spiele vorstellen wie Hafengeburtstag und G-20-Gipfel zusammen – nur dass es nicht drei Tage dauert, sondern sechs Wochen.

Viele Menschen wollen das nicht. Dabei spart der rot-grüne Senat nicht mit Ködern: neue U- und S-Bahn-Linien; ein runderneuerter Hauptbahnhof; ein neuer, bezahlbarer Stadtteil. Nur dumm, dass all das längst vorher in Planung war. Ganz ohne Olympia-Remmidemmi.

Plötzlich erweckt der Senat den Eindruck, die nötigen Mittel dafür seien in Berlin nur mit den Spielen loszueisen. Waren das also vorher ungedeckte Schecks? Oder will man uns die Zustimmung zu Olympia abpressen?

Kommt Hamburg „auf die Karte“?

Die Hoffnungen von den Grünen bis zur CDU sind noch viel größer: „Wir packen Hamburg wieder auf die Weltkarte“, zitiert die Olympiakampagne ungelenk einen „Beginner“-Song. Hamburg soll in der Welt bekannter werden und dadurch soll die Wirtschaft wachsen.

taz Salon über Hamburgs Olympiabewerbung

Bis Ende Mai stimmen die Ham­bur­ge­r:in­nen darüber ab, ob sich die Stadt für die Olympischen Spiele bewerben soll. Was spricht dafür und was dagegen?

Im taz Salon diskutieren wir darüber und begrüßen auf dem Podium diese Gäste:

🐾 Alske Freter, sportpolitische Sprecherin der Grünen

🐾 Christoph Holstein, Sportstaatsrat SPD

🐾 Eckart Maudrich, Sprecher der Initiative Nolympia

🐾 Heike Sudmann, Fraktionschefin Die Linke Hamburg

Moderation: André Zuschlag, taz-Redakteur

Wann: Mo., 25.05.2026, 19.30 Uhr, Einlass ab 19 Uhr

Wo: Haus 73, Saal (2. OG), Schulterblatt 73, 20357 Hamburg

Bitte kontaktieren Sie uns über salon@taz.de für einen barrierefreien Zugang.

Eintritt frei. Wir freuen uns über einen solidarischen Beitrag an taz zahl ich. Weitere Informationen gibt es hier.

Aber welches Unternehmen würde sich in einer Stadt ansiedeln, weil sie so schöne Spiele ausgerichtet hat? Klar, das Event- und Sicherheitsgewerbe würden ein Strohfeuer zünden, der Tourismus vielleicht sogar längerfristig wachsen. Unter zehn Millionen Olympiagästen mag mancher zu Hause erzählen, dass Hamburg eine schöne Stadt ist.

Aber beim nachhaltigen Kulturtourismus hat Hamburg einen schweren Stand, weil ziemlich wenig zu bieten: keine pittoreske Altstadt, keine Museen von Welt- oder auch nur europäischem Rang. Elbphilharmonie und nichts dahinter.

Weil für mehr das Geld fehlt, blicken die Ham­bur­ge­r:in­nen mit Recht streng auf die Olympiakosten – und werden auch hier an der Nase herumgeführt. Ein neues Stadion verbucht der Senat auf der Habenseite, dabei gibt es noch nicht mal eine Skizze. Insgesamt will die Stadt einen Millionengewinn einfahren – hat aber Milliardenkosten für die Sicherheit unterschlagen.

Das Logo der taz: Weißer Schriftzung t a z und weiße Tatze auf rotem Grund.
taz debatte

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Die Begründung dafür ist übrigens kein bisschen beruhigend: Durch den technischen Fortschritt werde Sicherheit in den kommenden Jahren viel billiger, sagt Sport- und Innensenator Andy Grote (SPD). Das kann nur heißen, dass er auf totale Überwachung setzt, wenn er nicht bereits von KI-gesteuerten Robocops träumt.

Olympia wird veranstaltet von einer über Jahrzehnte kriminellen Organisation, die Allmacht und Steuerfreiheit verlangt

Den Sport instrumentalisiert der Senat erstaunlich offenherzig als Mittel zum Wachstumszweck. Aber kann man denn dagegen sein, dass die Stadt die Jugend der Welt zum – friedlichen! – Wettstreit empfängt? Und darf man das den Autokraten überlassen?

Man kann, man darf. Olympia ist ein aufgeblasenes Kommerz-Monstrum, veranstaltet von einer über Jahrzehnte kriminellen Organisation, die Allmacht und Steuerfreiheit verlangt. Kein Wunder, dass Autokraten dies leichteren Herzens gewähren als Demokraten. Am besten wäre es, Olympische Spiele fänden gar nicht statt.

Wenn's sein muss, dann aus Gründen der Nachhaltigkeit immer am selben Ort, wie in der Antike. Oder, da kann man eine geschätzte taz-Kollegin nicht oft genug zitieren: „Meinetwegen können die Olympischen Spiele dort stattfinden, wo sie hingehören: im Fernsehen.“

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Jan Kahlcke

Jan Kahlcke Redaktionsleiter

Jan Kahlcke, war von 1999 bis 2003 erst Volontär und dann Redakteur bei der taz bremen, danach freier Journalist. 2006 kehrte er als Redaktionsleiter zur taz nord in Hamburg zurück
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26 Kommentare

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  • Die Olympia-Bewerbung ist m.M. schlecht vorbereitet und offenbar an den wahren Kosten vorbei kalkuliert.



    =Insofern hoffe ich darauf, dass die Hamburg gegen die Olympiade stimmen werden.

    P.S. Es sind durchaus redliche Motive, sich für eine Olympiade bewerben zu wollen, aber die Risiken sind extrem und darüber reden die Befürworter gar nicht gerne.

  • Olympische Spiele dürften Gelder aufrufen, die sonst nicht zur Verfügung stünden. Könnte man klug investieren. Ein großer Haufen meiner Freundinnen aus Hamburg lechzen gerade zu nach Olympia in der "geilsten Stadt der Welt". Ich halte Olympia oder auch Profifussball für entbehrlich. Niemand braucht den Mist.

  • Mit Nein gestimmt. Ich will diesen korrupten Zirkus hier nicht in der Stadt haben. Wir können das Geld auch besser einsetzen.



    Auch finde ich es frech, dass die konservativen Parteien den Volksentscheid der näheren Vergangenheit einfach ignorieren und wieder mit diesem Blödsinn um die Ecke kommen. Da fragt mensch sich wie viel Geld da wieder geflossen ist. Bei den ganzen Pro-Kampagnen in der Stadt, müssen da finanzstarke Individuen oder Entitäten hinterstehen

  • In Kiel gab es gerade einen Bürgerentscheid zur Frage, ob die Stadt sich für die Segelwettbewerbe u. ä. als Partner eines deutschen Hauptaustragungsortes Olympischer Spiele bewerben soll. Üblicherweise erhalten die Abstimmungsberechtigten hierbei ein Argumentationspapier für die Pro- und eines für die Contra-Seite. Diesmal wurde nur ein Pro-Papier verschickt. Das Contra-Papier, das von der Fraktion der Linkspartei in der Kieler Ratsversammlung stammte, musste man sich im Internet selbst suchen. Die Ratsmehrheit hatte wohl Angst vor einer ähnlichen Abstimmungsniederlage, wie sie der Scholz-Senat in Hamburg 2015 erlitten hatte. So aber gab es in Kiel 63,5 % Stimmen für die Olympia-Bewerbung.

  • Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie es war, als damals die Elphi gebaut wurde. Das war 2010 und die Kosten für die Elphi stiegen und stiegen. Dann wollte der Senat aus dem Kulturetat Geld abziehen und das Altonaer Museum sollte komplett geschlossen werden, der Etat des Schauspielhauses und den Hamburger Bücherhallen sollten massiv gestrichen werden. Zum Glück konnte die Schließung des Museums noch abgewendet werden. Ich befürchte, dass, falls Olympia tatsächlich kommt, wieder in anderen Bereichen gespart werden muss und dass es noch schwieriger wird eine bezahlbare Wohnung zu finden.

    • @Ines Plate:

      So ist es bzw. so wird es sein. Hamburg "braucht" Olympische Spiele ebensowenig wie die Elphi.

  • „Dem Sport ist zu aller Zeit und vor allem von allen Regierungen aus gutem Grund immer die größte Bedeutung beigemessen worden: er unterhält und benebelt und verdummt die Massen.“ [Thomas Bernhard (1931 - 1989), Schriftsteller]

    Der Bau von olympischen Dörfern und Stadien zerstört lokale Ökosysteme. Millionen anreisende Fans und Athleten verursachen extreme Transportemissionen ("CO2-Fußabdruck"). Darüber hinaus verursacht Olympia regelmäßig Milliarden-Euro-Defizite für die Ausrichterstädte. Speziell gebaute Sportstätten - sogenannte "weiße Elefanten" - verfallen nach den Spielen ungenutzt, auch wenn Politiker vorher immer etwas anderes behaupten. Am Ende der Spiele tragen Steuerzahlende über Jahrzehnte die finanziellen Altlasten der Großevents.

    Der "Gewinner" der Spiele ist ohnehin nur das IOC. Das IOC generiert über Medienrechte und Sponsoren regelmäßige Rekordeinnahmen (etwa 7,7 Milliarden US-Dollar im Zyklus bis 2024). Das IOC steht wegen mangelnder Transparenz ja ohnehin schon seit vielen Jahren in der Kritik.

    Hamburger Politiker, die Hamburg nur mit Hilfe der Olympischen Spiele 'verschönern und verbessern' können, sollten sich vielleicht einen anderen Job suchen.

    • @Ricky-13:

      Genau! Und es ist noch zu akzentuieren, dass das mit Sport absolut nichts mehr das geringste zu tun hat.

  • Was ist mit dem geoplitischen PayOff?

    Viele solche Großereignisse finden mehr und mehr in Diktaturen statt, die sich dann damit inszenieren.

    • @metalhead86:

      Keine Sorge: bis 2036 regiert die AfD längst mit - wenn nicht gar allein. Daher ist ist bis dahin das Problem der Diktatur längst gelöst...

  • Hier gab's ein Nein. Alle angeplanten Verbesserungen konzentrieren sich wieder auf die bekannten Stadtteile im Westen, der Rest der Stadt bekommt dann die Abgase und den Dreck ab, aber nicht einmal eine sanierte Schwimmhalle.



    Da kann der Bürgermeister noch so schön schwafeln.

  • Ich gönne dem Ruhrgebiet die „Spiele“; passt doch da viel besser.

    • @Kay Brockmann:

      Schöne Ironie bei der Lage im ÖPNV und Wohnungsmarkt.



      Der 'Wertschöpfungsgedanke' wir meistens bemüht.



      Die Sicherheit wird wahrscheinlich Palantir plus "garantieren" müssen.



      Diese Diskussionen werden noch geführt werden, ohne jeden Zweifel.

  • Die gleichen Argumente gab es sicher auch gegen die Elbphilharmonie. Jeztzt ist man froh, dass man sie hat.

    Ich lebe nicht in Hamburg, würde mir aber wünschen, dass sie Hamburg oder München sie ausrichtet, weil ich NRW und Berlin für komplett überfordert halten würde.

    • @Dr. McSchreck:

      Als jemand der aus Hamburg kommt. Man ist nicht froh dass man sie hat, sondern man hat viel mehr akzeptiert dass sie da ist und hofft dass sich irgendwann einmal ökonomisch rechnen wird. (Was sie bisher nicht tut)

      • @Rabenbote:

        Als jemand der in Hamburg lebt: verbreiteten sie keine Unwahrheiten. Tatsächlich lohnt sich das Gebäude über den erhöhten Tourismus. Aber wozu die eigene Ansichten im Internet prüfen, wenn der Finger juckt? Machen die AfD und Konsorten ja auch nicht - mit Erfolg.

        ideas.repec.org/p/...carx/fz3bg_v1.html

        • @Peter Rabe:

          Als jemand der in Hamburg lebt kann ich ihnen versichern dass ich keine Unwahrheiten verbreite, lege ihnen aber nahe ihre Studien nocheinmal richtig zu lesen...

          Die Studie ist eine Schätzung, wie sich der Tourismus entwickelt hat aufgrund der Elbphilharmonie, keine volkswirtschaftliche Kosten-Nutzen-Analyse.

          Aber wozu seine verlinkten Studien richtig lesen wenn es einen in den Fingern juckt seinen Gegenüber des Lügens zu bezichtigen. Das erinnert aber deutlich eher an AFD-Methoden als mein von ihnen kritisierter Kommentar.

        • @Peter Rabe:

          Ein Paper als Quelle zu droppen ersetzt keine Argumentation und/oder Begründung. Führen sie anhand des Papers kurz aus warum Rabenbote lügt. Ihr Verhalten ist sonst kaum anderes als das was sie zu kritisieren vorgeben. Außer das sie noch Lüge unterstellen und ihn in die Nähe der AFD rücken, alles ohne Begründung. Wenn das kein Troll Verhalten ist.

          Das Paper ist auch keine Kosten-Nutzen-Analyse der Elbphilarmonie, sondern geht dem nach ob es schlüssig ist einen Teil des Anstiegs im Tourismus auf die Elbphilarmonie zurückzuführen (der beginnt aber z.b. schon 2002), und da kann man auch Kritikpunkte am Paper haben. Seriöser und Wertiger ist ihr Kommentar so nicht.

          Die Elbphilarmonie wurde mit 77 Mio. veranschlagten Kosten für die Stadt Hamburg (186 Mio. Gesamtkosten) begonnen, welche dann über Zeit auf 575 Millionen (789 Mio. Gesamtkosten) anstieg. Dazu gab es dann zwei Untersuchungsausschüsse, und es war halt von Anfang an absehbar das die Kosten zu niedrig angesetzt waren, was man aber tun musste um das Projekt überhaupt durchzubekommen.

          Deswegenk kann man entgegen Dr. McSchrecks Kommentars Hamburg als unfähig zur Realiserung von Großprojekten ansehen bzw. ich würde das tun.

  • Ich fände es gut, wenn Hamburg die olympischen Spiele bekommt. Braucht man sie? Nein. Schön wäre es trotzdem.

    • @Strolch:

      Höchstens schön traurig. Das Geld ließe sich besser in Projekte stecken von denen die Mehrheit der Hamburger*innen wirklich was hätte. An Olympia verdient stets nur funktionäre und die allgemeine Bevölkerung trägt die Kosten. Wenns um sinnlose Schöhnheit geht könnten auch Hausfassaden vergoldet werden, wie ja schon auf der Veddel mal geschehen. Sieht dann hübsch aus, ist aber komplett nutzlos.

      • @Rabenbote:

        Der renommierte Wirtschaftswissenschaftler Alexander Budzier warnte im April 2026 eindringlich, dass Olympia die Stadt Hamburg real mehr als 10 Milliarden Euro statt der veranschlagten 6,1 Milliarden Euro kosten könnte. Solche ungeplanten Zusatzmilliarden treiben eine Stadt direkt in die Neuverschuldung.

        Und dass Hamburger Politiker nicht mit Zahlen jonglieren können, hat man ja schon an der Elbphilharmonie gesehen. Die Elbphilharmonie wurde 2007 mit geplanten städtischen Kosten von 77 Millionen Euro gestartet und kostete den Hamburger Steuerzahlern am Ende 866 Millionen Euro (die reinen Baukosten beliefen sich auf 789 Millionen Euro) – also mehr als das Zehnfache.

  • hamburg sollte für Olympia stimmen, den mit dem Geld was sie bekommen können sie ihr Plan mit Klimaneutral besser umsetzen. Sprich die brauchen das Geld ansonsten werden die nicht so schnell Klimaneutral sein wie sie wollen

    • @Marcelo:

      Das Geld bekommt aber nicht das Land Hamburg. Die öffentlichen Mittel, die für Olympische Spiele ausgegeben werden, lamden beim IOC und bei ein paar Privatunternehmen.

      • @Budzylein:

        Das stimmt nicht! Sie bekommen zwischen 1,2 und 2 Milliarden €

        • @Marcelo:

          Das IOC erwartet von seinen Austragungsorten Steuerfreiheit. Mich würde daher interessieren woher ihre 1,2 bis 2 Milliarden kommen. Und bitte nicht irgendwelche privatwirtschaftliche Gewinne einbeziehen. Die olympischen Spiele haben in Paris zuletzt ein wirtschaftliches Wachstum von 0,07% generiert.

          • @Okti:

            Das Geld kommt direkt vom IOC