Hamburg braucht die Spiele nicht : Olympia ins Fernsehen!
Olympia ist ein Kommerz-Monstrum, das nirgends stattfinden sollte. Schon gar nicht dort, wo es mit Erpressung und Trickserei durchgesetzt werden muss.
Foto: Hanno Bode/Imago
G ut, dass das Olympiareferendum Ende Mai stattfindet. Da haben die Hamburger:innen den Marathon, die „Online Marketing Rockstars“ und den Hafengeburtstag gerade überstanden. Und die Harley Days, den Ironman und den Schlagermove vor der Brust.
Man muss sich Olympische und Paralympische Spiele vorstellen wie Hafengeburtstag und G-20-Gipfel zusammen – nur dass es nicht drei Tage dauert, sondern sechs Wochen.
Viele Menschen wollen das nicht. Dabei spart der rot-grüne Senat nicht mit Ködern: neue U- und S-Bahn-Linien; ein runderneuerter Hauptbahnhof; ein neuer, bezahlbarer Stadtteil. Nur dumm, dass all das längst vorher in Planung war. Ganz ohne Olympia-Remmidemmi.
Plötzlich erweckt der Senat den Eindruck, die nötigen Mittel dafür seien in Berlin nur mit den Spielen loszueisen. Waren das also vorher ungedeckte Schecks? Oder will man uns die Zustimmung zu Olympia abpressen?
Kommt Hamburg „auf die Karte“?
Die Hoffnungen von den Grünen bis zur CDU sind noch viel größer: „Wir packen Hamburg wieder auf die Weltkarte“, zitiert die Olympiakampagne ungelenk einen „Beginner“-Song. Hamburg soll in der Welt bekannter werden und dadurch soll die Wirtschaft wachsen.
Bis Ende Mai stimmen die Hamburger:innen darüber ab, ob sich die Stadt für die Olympischen Spiele bewerben soll. Was spricht dafür und was dagegen?
Im taz Salon diskutieren wir darüber und begrüßen auf dem Podium diese Gäste:
🐾 Alske Freter, sportpolitische Sprecherin der Grünen
🐾 Christoph Holstein, Sportstaatsrat SPD
🐾 Eckart Maudrich, Sprecher der Initiative Nolympia
🐾 Heike Sudmann, Fraktionschefin Die Linke Hamburg
Moderation: André Zuschlag, taz-Redakteur
Wann: Mo., 25.05.2026, 19.30 Uhr, Einlass ab 19 Uhr
Wo: Haus 73, Saal (2. OG), Schulterblatt 73, 20357 Hamburg
Bitte kontaktieren Sie uns über salon@taz.de für einen barrierefreien Zugang.
Eintritt frei. Wir freuen uns über einen solidarischen Beitrag an taz zahl ich. Weitere Informationen gibt es hier.
Aber welches Unternehmen würde sich in einer Stadt ansiedeln, weil sie so schöne Spiele ausgerichtet hat? Klar, das Event- und Sicherheitsgewerbe würden ein Strohfeuer zünden, der Tourismus vielleicht sogar längerfristig wachsen. Unter zehn Millionen Olympiagästen mag mancher zu Hause erzählen, dass Hamburg eine schöne Stadt ist.
Aber beim nachhaltigen Kulturtourismus hat Hamburg einen schweren Stand, weil ziemlich wenig zu bieten: keine pittoreske Altstadt, keine Museen von Welt- oder auch nur europäischem Rang. Elbphilharmonie und nichts dahinter.
Weil für mehr das Geld fehlt, blicken die Hamburger:innen mit Recht streng auf die Olympiakosten – und werden auch hier an der Nase herumgeführt. Ein neues Stadion verbucht der Senat auf der Habenseite, dabei gibt es noch nicht mal eine Skizze. Insgesamt will die Stadt einen Millionengewinn einfahren – hat aber Milliardenkosten für die Sicherheit unterschlagen.
Die taz ist eine unabhängige, linke und meinungsstarke Tageszeitung. In unseren Kommentaren, Essays und Debattentexten streiten wir seit der Gründung der taz im Jahr 1979. Oft können und wollen wir uns nicht auf eine Meinung einigen. Deshalb finden sich hier teils komplett gegenläufige Positionen – allesamt Teil des sehr breiten linken Meinungsspektrums.
Die Begründung dafür ist übrigens kein bisschen beruhigend: Durch den technischen Fortschritt werde Sicherheit in den kommenden Jahren viel billiger, sagt Sport- und Innensenator Andy Grote (SPD). Das kann nur heißen, dass er auf totale Überwachung setzt, wenn er nicht bereits von KI-gesteuerten Robocops träumt.
Den Sport instrumentalisiert der Senat erstaunlich offenherzig als Mittel zum Wachstumszweck. Aber kann man denn dagegen sein, dass die Stadt die Jugend der Welt zum – friedlichen! – Wettstreit empfängt? Und darf man das den Autokraten überlassen?
Man kann, man darf. Olympia ist ein aufgeblasenes Kommerz-Monstrum, veranstaltet von einer über Jahrzehnte kriminellen Organisation, die Allmacht und Steuerfreiheit verlangt. Kein Wunder, dass Autokraten dies leichteren Herzens gewähren als Demokraten. Am besten wäre es, Olympische Spiele fänden gar nicht statt.
Wenn's sein muss, dann aus Gründen der Nachhaltigkeit immer am selben Ort, wie in der Antike. Oder, da kann man eine geschätzte taz-Kollegin nicht oft genug zitieren: „Meinetwegen können die Olympischen Spiele dort stattfinden, wo sie hingehören: im Fernsehen.“
Die taz gehört zu 100 Prozent ihren Leser:innen und ist damit nicht nur konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung für taz zahl ich. Dank Ihnen haben wir nun die 50.000 erreicht. So viele unterstützen freiwillig und regelmäßig. Noch nicht dabei? Werden Sie jetzt Teil der Community! Jetzt unterstützen
meistkommentiert