Nach Missbrauchsskandal in Sde Teiman: Anklage gegen israelische Soldaten fallengelassen
In einer Haftanstalt in Israel soll ein palästinensischer Gefangener sexuell misshandelt worden sein. Der Fall sorgte nicht nur in Israel für Schlagzeilen.
Foto: Ohad Zwigenberg/reuters
dpa | Israels Militärstaatsanwaltschaft hat die Anklage gegen fünf Reservisten fallen gelassen, die beschuldigt worden sind, einen palästinensischen Häftling in dem berüchtigten Militärlager Sde Teiman schwer misshandelt zu haben. Israelische Medien berichteten, die Einstellung des Verfahrens folge „bedeutenden Entwicklungen“ seit der Einreichung. Der Fall und ein in dem Kontext geleaktes Video sorgten in Israel über Monate für Schlagzeilen.
Den Reservisten wurde vorgeworfen, 2024 einen mutmaßlichen Terroristen der islamistischen Terrororganisation Hamas in dem Militärlager so schwer sexuell misshandelt zu haben, dass er in ein Krankenhaus gebracht werden musste. Sie hätten zuvor die Anweisung erhalten, den Häftling bei seiner Ankunft in dem Lager nahe der Wüstenstadt Beerscheva zu durchsuchen, teilte Israels Militär mit. Ihm seien dafür die Augen verbunden und Hände und Fußgelenke gefesselt worden.
Besondere Brisanz gewann der Fall unter anderem auch, weil ein Überwachungsvideo aus dem Militärlager an einen TV-Sender unter Zustimmung der damaligen obersten Militäranwältin, Jifat Tomer-Jeruschalmi, geleakt wurde. Das Video soll die Misshandlung des Häftlings zeigen. Auf den Bildern der Überwachungskamera ist dies allerdings nicht eindeutig sichtbar, da die Soldaten teilweise eine Art Mauer aus Schilden bildeten.
In der Begründung für die Einstellung des Verfahrens wird unter anderem auch dieser Umstand genannt. „Die Aufnahmen der Überwachungskameras vermitteln kein klares und eindeutiges Bild der den Angeklagten vorgeworfenen Taten“, zitierte das Nachrichtenportal „ynet“ aus einem Schreiben.
Tomer-Jeruschalmi trat nach dem Leak aus dem Militär zurück, mehrere andere Spitzenbeamte wurden suspendiert. In einem Rücktrittschreiben übernahm Tomer-Jeruschalmi die Verantwortung für das Weiterleiten des Videos. Demnach soll sie der Veröffentlichung des Clips zugestimmt haben, weil sie „der falschen Propaganda gegen die Militärjustizbehörde entgegentreten“ wollte. Ihr wird nun Behinderung des Ermittlungsverfahrens vorgeworfen.
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