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Entsetzen über ÄußerungIsraelischer Minister für tägliche Tötung von Palästinensern

Erneut schockiert Israels rechtsradikaler Sicherheitsminister Itamar Ben-Gvir die internationale Öffentlichkeit. Auch aus Deutschland gibt es harte Kritik.

Serena Bilanceri

Aus Tel Aviv

Serena Bilanceri

Der israelische Sicherheitsminister Itamar Ben-Gvir hat mit seiner Aussage erneut für eine Kontroverse gesorgt – und das international. Am Sonntag sagte der rechtsradikale Politiker in einem Podcast, man solle „30, 40 Palästinenser pro Nacht“ im Gazastreifen gezielt töten. Es gebe Menschen in Gaza, die es nicht verdient hätten zu leben, führte er fort. Und es handele sich nicht nur um Militante, die eine unmittelbare Gefahr darstellten.

Außerdem plädierte der Minister für eine israelische Übernahme des Gazastreifens. „Ich betrachte ganz Gaza als unser Gebiet“, sagte er gegenüber Ex-Geisel Rom Braslavski, der den Podcast leitete. „Siedlungen nicht nur in Gusch Katif, sondern im gesamten Gazastreifen, eine möglichst starke Auswanderung, sie in ihre Länder schicken. Und was die Terroristen betrifft: keine Auswanderung, nichts dergleichen – sie einfach einen nach dem anderen töten.“

Die Aussagen lösten eine internationale Welle der Empörung aus. Der außenpolitische Sprecher der Unionsfraktion in Deutschland, Jürgen Hardt, nannte die Aussagen gegenüber dem Deutschlandfunk menschenverachtend und forderte EU-Sanktionen gegen Ben-Gvir. Ähnlich äußerten sich Ver­tre­te­r:in­nen der anderen Fraktionen. Die Linke-Parlamentarierin Lea Reisner rief die Regierung auf, alle Waffenexporte nach Israel zu stoppen.

Irans Vizeaußenminister Kasem Gharibabadi schrieb auf X, die Aussagen Ben-Gvirs seien „Geständnisse“, die „für den Tag der Abrechnung und für den Prozess gegen diese Verbrecher“ aufgezeichnet und aufbewahrt werden müssten.

Immer wieder Demos für die Besiedlung des Gazastreifens

Die Aussage kam am Tag vor dem Treffen zwischen Premierminister Benjamin Netanjahu und dem US-Gesandten Jared Kushner in Jerusalem. Die beiden sollten den von Trump unterstützten 15-Punkte-Friedensplan diskutieren, zusammen mit Vertretern des Board of Peace – dem von Trump gewollten Gremium für eine nachhaltige Lösung des Konflikts.

Zwischen Israel und der Hamas, die im Gazastreifen de facto regiert, herrscht seit Oktober eine fragile Waffenruhe. Israel greift aber immer wieder Ziele aus der Luft an. Mehr als 1.000 Menschen sind laut dem palästinensischen Gesundheitsministerium seit Beginn des Waffenstillstands dabei ums Leben gekommen. Unklar ist, wie viele davon Kämpfer waren. Etwa 630 Tote sind von den Vereinten Nationen bis Mitte Juni verifiziert worden. Immer wieder werden auch Zi­vi­lis­t:in­nen verletzt.

Israel hat seine letzten Siedlungen im Gazastreifen 2005 geräumt. Seitdem hält das Land eine Blockade der Land- und Seegrenzen um das Gebiet aufrecht, hatte aber vor dem jüngsten Konflikt keine militärische oder zivile Präsenz mehr innerhalb des Küstenstreifens. Inzwischen hält das israelische Militär fast 70 Prozent von Gaza unter seiner Kontrolle.

Rechte Gruppen plädieren immer mal wieder für eine erneute Besiedlung. Im Juli organisierte die von der Europäischen Union sanktionierte Bewegung Nachala zuletzt einen Marsch zu den Grenzen, den die israelische Armee zu verhindern versuchte – mit mäßigem Erfolg. Das Areal rund um die Sperranlage, die Gaza von Israel trennt, war als militärisches Sperrgebiet am Tag der Demonstration deklariert worden, doch einige Hundert Teil­neh­me­r:in­nen schafften es trotzdem bis zum Zaun. Ben-Gvir selbst nahm unter schwerem Polizeischutz an der Veranstaltung teil.

Es ist nicht das erste Mal, dass der israelische Sicherheitsminister mit seinen Aussagen für eine Kontroverse sorgt. Sein Plan, Krokodile in Gefängnissen mit palästinensischen Insassen einzusetzen, löste selbst innerhalb der israelischen Behörden Fassungslosigkeit aus.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

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46 Kommentare

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  • ASD

    Also ganz ehrlich, wenn ich hier die Kommentare immer bei den ganzen israelischen Themen oder den Nahostkonflikt oder Libanon sind ganz viele merkwürdige Gestalten unterwegs, die in den Kommentarspalten Stimmung versuchen zu machen, die es nicht gibt in Deutschland! Das einzige ist, dass die deutsche Regierung, aus welchen Gründen auch immer die ich ehrlich gesagt mittlerweile überhaupt nicht mehr verstehe hinter der israelischen Regierung ist, aber der Großteil der Bevölkerung ist es definitiv nicht und will mit diesem Konflikt so wenig wie möglich zu tun haben und mittlerweile sieht man immer mehr Videos, wo die Menschen von den Israelis auf ganz schlimme Art und Weise misshandelt werden. Und dann gibt’s trotzdem noch Leute, die irgendetwas versuchen zu verharmlosen. Aber ich bin mir sicher, diese Menschen leben nicht in Deutschland.

    • Perkele

      @ASD:

      Wieso sollten solche Menschen nicht in Deutschland leben?

  • Perkele

    Wer solche Sprüche auch nur im Entferntesten zu rechtfertigen versucht, macht sich der Menschenverachtung mitschuldig. Leider muss man auch unserer Regierung ein gut Teil an Verantwortung zusprechen: pflaumenweiche Statements, Verhinderung wirksamer Reaktionen durch EU und Nationalstaaten und Waffenlieferungen an Kriegsverbrecher sind da zu nennen. Mit "Staatsraison " ist das nicht begründber - im Gegenteil.

  • Arne Babenhauserheide

    Müsste es nicht "erwägt eigene Sanktionen" heißen? Dass Ben-Gvir vorm internationalen Strafgerichtshof angeklagt ist, bedeutet ja, dass er, wenn er nach Deutschland kommen würde, festgenommen werden und an den ISTGH übergeben würde.

  • Outis

    Ich frage noch, wann mit Ben Gvir und seiner terroristischen Gruppierung (Partei?) wie mit den Taliban umgegangen wird. Also wann ihnen Anfragen zur Zusammenarbeit auf rein technischer Ebene zugetragen werden und Informationen über israelische Immigrant:innen und Regierungskritiker:innen in Europa zugänglich gemacht werden.

  • Martin Rees

    "...nannte die Aussagen gegenüber dem Deutschlandfunk menschenverachtend"



    Welche Skala soll das bitteschön sein? Mikrorassismus, Mikroaggressionen und strukturelle Gewalt sind auch menschenverachtend. Das richtige Regal mit der entsprechenden Kategorie zur exakten Benennung und treffenden Beurteilung dieser "verbalen Entgleisung" zu finden, das kann nicht so schwer sein.

    • rero

      @Martin Rees:

      Vielleicht sollte man mal nachdenken, ob „menschenverachtend“ für Mikrorassismus und Mikroaggressionen das richtige Regal ist.

      Menschenverachtend passt hier ja als Kategorie durchaus.

      • Martin Rees

        @rero:

        Nachdenken u. nachlesen sind immer gut.



        www.spektrum.de/ne...ionen-real/1960354



        Mit den Äußerungen war eine ganz andere Grenze bereits überschritten worden, so etwas kann nicht ohne !schärfste verbale Kritik im Raum stehen bleiben.



        Charles Reade:



        "Wer sich viel mit dem Talmud beschäftigt, den verwundert es, dass manches Zitat lediglich mit der Quellenangabe »Talmud« in die Welt gesetzt wurde. So ist ein vermeintlicher Klassiker der Spruch »Achte auf deine Gedanken, denn sie werden Worte, achte auf deine Worte, denn sie werden Handlungen, achte auf deine Handlungen, denn sie werden Gewohnheiten, achte auf deine Gewohnheiten, denn sie werden dein Charakter, achte auf deinen Charakter, denn er wird dein Schicksal«.



        Das mag nach den Sprüchen der Väter klingen, doch tatsächlich stammt diese Weisheit wohl von dem englischen Schriftsteller Charles Reade (1814–1884). Irgendwann hat jemand damit begonnen, das Zitat dem Talmud zuzuschreiben – ohne Stellenangabe. Und dann fand es die nächste Person toll und schrieb es ab. Irgendwann hat es sich dann verfestigt."



        juedische-allgemeine.de



        Dass es gut hinein gepasst hätte, hat gute Gründe, bleibt hoffentlich so.

  • Bürger L.

    "Erneut schockiert Israels rechtsradikaler Sicherheitsminister Itamar Ben-Gvir die internationale Öffentlichkeit."

    Ach nee, wer hätte das gedacht,.....



    Ansonsten sind doch die Mitglieder der aktuellen Israelische Regierung so nett und menschenfreundlich und friedfertig. Das mit dem Ermorden hat der sicher nicht so gemeint, ist bestimmt ein Missverständnis.



    Sonst würde unser Bundeskanzler - trotz der Schuld, die Deutschland unbestritten in der Vergangenheit auf sich geladen hat -



    sicher persönlich und in schärfster Form protestieren.

    Ich glaube, wenn die beiden aufrechten Christen und Demokraten Merz und Wadephul jemals davon erfahren würden, dass Israelis mit Billigung der Regierung gegen Völker- und Menschenrecht verstoßen, würden sie selbstvertändlich sofort die Verhängung von Sanktionen gegen diese bösen Menschen fordern. Oder???

    Aber mal im Ernst:



    Bei allem Verständnis für die Besonderheit der Beziehungen zwischen Deutschland und Israel, dem Staat in dem viele Opfer deutscher Verbrechen Zuflucht gefunden haben, ist die bisherige Haltung der Bundesregierung bezüglich der Leiden von palästinensischen Zivilisten nur als erbärmlich und feige zu bezeichnen.

    • rero

      @Bürger L.:

      Solidarität mit Israel heißt nicht Solidarität mit Ben-Gvir.

      Merz und Wadepfuhl können das unterscheiden.

      Sie auch?

      Bei dem Wind, der der Bundesregierung dafür entgegenbläst, ist es nun bestimmt nicht feige, wenn sie die Linie beibehalten.

      Eher das Gegenteil.

      • rero

        @rero:

        Ich meinte natürlich „Wadephul“.

  • Zippism

    Die taz macht es sich hier zu einfach. Im hebräischen Original sagt Ben-Gvir bei der Passage über „30–40“ gerade nicht „Gazaner“, „Palästinenser“ oder „Terroristen“. Er sagt lediglich „30–40 [töten]“ und fügt unmittelbar hinzu: „Nicht nur diejenigen, die dich in diesem Moment gefährden.“

    Das später im Gespräch verwendete Wort מחבלים (Terroristen) bezieht sich auf eine andere Aussage. Deshalb ist weder „30–40 Gazaner“ noch „30–40 Terroristen“ eine wörtliche Übersetzung.

    Die korrekte Wiedergabe wäre etwa: Ben-Gvir forderte „30–40 gezielte Tötungen pro Nacht in Gaza“ und stellte ausdrücklich klar, dass dies nicht nur Personen betreffen solle, die gerade eine unmittelbare Gefahr darstellen.

    Das macht seine Aussage keineswegs harmlos – im Gegenteil. Aber gerade deshalb sollte man sie nicht durch eine zugespitzte Übersetzung noch weiter zuspitzen. Wer über solche Aussagen berichtet, sollte das Original wiedergeben und nicht eine Personengruppe in den Satz hineinübersetzen, die dort gar nicht genannt wird.

    • Éljen a Magyar

      @Zippism:

      Wenn man das täte, verlöre die Aussage von Ben-Gvir aber doch viel zu viel von ihrer Brisanz und würde sich nicht mehr so gut zur moralischen Entrüstung eignen!

    • Jesus

      @Zippism:

      Welche Personen soll er den sonst gemeint haben in Gaza? Er wird wohl nicht von israelischen Soldaten gesprochen haben.

      • rero

        @Jesus:

        Er wird aber auch nicht von stinknormalen Gazanern gesprochen haben.

        Aufgrund des Interviewpartners wäre es denkbar, dass er Beteiligte vom 7.10. meint.

        Die stellen aktuell keine unmittelbare Gefahr dar.

        Auch andere Unterstützer der Hamas (bzw. was er so darunter versteht) wären naheliegend.

        Die Äußerung ist so schon schlimm genug.

        Man muss nicht noch durch zweifelhafte Übersetzungen eins draufgeben.

        • Schmetterling

          @rero:

          Da Herr Ben-Gwir ein rechtsextremer Rassist ist, ist es durchaus denkbar, dass er stinknormale Palästinenser meint - Immerhin betrachtet er den Gazastreifen als zu Israel gehörend. Wo kommt dieser Drang her, den bösen Mann so vehement zu verteidigen?

    • R.I.P.

      @Zippism:

      Die Jüdische Allgemeine gibt es so wieder:



      »Ich denke, dass man gezielte Tötungen in Gaza ausführen sollte, jede Nacht 30, 40 (Menschen) entfernen. Nicht nur diejenigen, die uns in diesem Moment gefährden. Nein. Es gibt dort Menschen, die nicht verdient haben zu leben, und es ist noch ein Kompliment, dass ich sie als Menschen bezeichne«



      Ich denke, es ist nicht sonderlich zuspitzend, wenn im TAZ-Artikel Palästinenser steht. Vor allem, wenn es so weitergeht:



      »Wir müssen diese Feinde bekämpfen, ich sehe in meiner Vision ganz Gaza als unser an. Wir sollen Siedlungen nicht nur in Gusch Katif, sondern in ganz Gaza, die Emigration ermöglichen, wo es geht, sie in ihre Länder schicken, aber für die Terroristen keine Emigration. Die muss man einen nach dem anderen töten.«

      • Éljen a Magyar

        @R.I.P.:

        Natürlich ist es zugespitzt, wenn man die Aussage von Ben-Gvir auf alle Araber in Gaza ausdehnt und damit entgegen seiner Aussage eine weitaus größere Gruppe zu potentiellen Zielen macht. Ben-Gvirs Aussagen sind schon schwierig genug, man muß sie nicht noch zusätzlich skandalisieren.

    • rero

      @Zippism:

      Danke.

    • warum_denkt_keiner_nach?

      @Zippism:

      Natürlich kann man sich an die "genaue" Übersetzung machen.

      Aber bedenkt man, wer für die Tötungen in Frage kommt (israelische Soldaten wird er eher nicht meinen), so ist die Wiedergabe inhaltlich völlig korrekt.

    • Sam Spade

      @Zippism:

      "Die korrekte Wiedergabe wäre etwa: Ben-Gvir forderte „30–40 gezielte Tötungen pro Nacht in Gaza“

      Bei ihrer Logik bin ich raus.

      Wer lebt denn in Gaza? Chinesen oder Brasilianer? Dürfte sich zu 99,9% wohl eher um Palästinenser handeln die in Gaza beheimatet sind.

      Eine zugespitzte Übersetzung sehe ich daher weder in der Headline der taz noch in der Berichterstattung bei allen anderen Medien von UK bis Israel.

      • rero

        @Sam Spade:

        Natürlich werden die Opfer zu 99,9 % Palästinenser sein.

        Trotzdem könnte Ben-Gvir nach dem Kontext nicht 99,9 % der Palästinenser als Zielgruppe im Blick haben.

        • Francesco

          @rero:

          Auch wenn es um mutmaßliche Beteiligte an den Massakern vom 7. Oktober geht, ist es Mord. Und erfahrungsgemäß treffen solche "gezielten Tötungen" immer auch Unbeteiligte, oft z.B. Frau und Kinder.

  • Kaboom

    Wieso regt sich irgendjemand noch darüber auf? Es gibt da seit längerer Zeit einige äußerst erhellende Umfragen. Hat schlicht nichts zu tun mit europäischer Kultur und europäischen Werten.

    www.genocidewatch....t-expelling-gazans

    www.facebook.com/O.../1547250380103320/

    • Land of plenty

      @Kaboom:

      die ganze Welt ist darüber empört. steht im Text.

  • Perkele

    Fassungslosigkeit ist eine sehr gemäßigte Reaktion auf solche Äußerungen. Warum wird solch ein Verbrecher nicht gnadenlos verfolgt und -zivilisiert- verurteilet und eingesperrt? Warum hört man aus Deutschland nur, dass man diese Typen trotz internationalem Haftbefehl NICHT festnehmen will, falls sie es wagen hier aufzutauchen? Deren Verhalten befördert den Antisemitismus weltweit unausweichlich.

    • Pawel_ko

      @Perkele:

      Bei ersterem bin ich bei Ihnen, die Person ist untragbar.

      Aber: "Deren Verhalten befördert den Antisemitismus weltweit unausweichlich."

      Warum? Was konnten die Juden in Bondi Beach Australien für Gvir? Was die erschossenen Juden in Washington? Was der arme Shapira der von einem Kommilitonen halb tot geprügelt wurde? Warum werden in Unis Hamas Dreiecke gesprüht oder überall verbotene Parolen gerufen?

      Gvir ist für die bereits vorhandenen Antisemiten nur ein willkommener Vorwand ihren Antisemitismus auszuleben.

      • Reinhardt Gutsche

        @Pawel_ko:

        Brandmauern

        Zitat @Pawel_ko: „Bei ersterem bin ich bei Ihnen, die Person ist untragbar.“

        Nein, nicht nur diese Person ist „untragbar“ (für wen?), sondern seine ganze Partei und die ganze Strömung mit vergleichbarer Obsession, angefangen von Netanjahus Likud. Die verbreitete Auffassung, es sei „ein Armutszeugnis für Netanjahu, dass dieser Mann Teil seiner Regierung ist. Hätte er Rückgrat, würde er ihn aus dem Kabinett entfernen“ (Tagesspiegel) ist reichlich naiv und unterstellt, das vom Polizeiminister exekutierte Verständnis von der Staatsraison Israels sei Netanjahu völlig fremd, als ob es dessen Sicht auf das alttestamentarische Existenzrecht des Staates in den Dimensionen von Eretz Israel widerspräche, also vom Nil bis zum Euphrat gemäß der biblischen göttlichen Verheißung.

        Nein, die Raison d’être des Likud ist die Vision eines Großisrael. Zwischen Netanjahu und seinen rechtsradikalen Koalitionspartnern wie Gvir paßt kein Blatt Papier. Ohne sie gäbe es keine Regierung Netanjahu.

        Da gab es nie eine Brandmauer, was dazu führte, daß dieser militante Zweig des historischen Zionismus nahezu das gesamte politische Spektrum des Landes wie ein Flächenbrand erfaßt hat.

      • Perkele

        @Pawel_ko:

        Das ist nicht ganz vollständig was Du da schreibst. Was ben Gvir, Smotrich, Netanjahu und Kosorten anrichten, das ist selbstverständlich nicht allen jüdischen Menschen anzulasten. Doch es gibt sehr viele unserer Zeitgenossen, die ohne zu überlegen die Verbrechen dieser Gang leider völlig undifferenziert "den Juden" vorwerfen. Sicher sind da auch eingefleischte Antisemiten bei, doch auch eher oberflächliche Btetrachter*innen reagieren leider so. Es gibt auch Widerstand in Israel und Ablehnung solcher Ungeheuerlichkeiten unter allen Juden/Jüdinnen weltweit und die in einen Topf mit Verbrechern zu werfen, das geht gar nicht.

        • Reinhardt Gutsche

          @Perkele:

          Stich ins Wasser

          Zitat @Perkele: „Was ben Gvir, Smotrich, Netanjahu und Kosorten anrichten, das ist selbstverständlich nicht allen jüdischen Menschen anzulasten. Doch es gibt sehr viele unserer Zeitgenossen, die ohne zu überlegen die Verbrechen dieser Gang leider völlig undifferenziert "den Juden" vorwerfen. Es gibt auch Widerstand in Israel und Ablehnung solcher Ungeheuerlichkeiten unter allen Juden/Jüdinnen weltweit und die in einen Topf mit Verbrechern zu werfen, das geht gar nicht.“

          Da ist Ihnen uneingeschränkt beizupflichten. Allerdings ist dies im Referenzposting auch nicht behauptet worden: Die Atrozitäten der gesamten regierungsoffiziellen Palästinapolitik mit der militanten Verweigerung manu militari des palästinensischen Selbstbestimmungsrechts konform zur UNO wird darin unzweideutig der aktuellen rechtsrandigen Koalition unter Likud-Chef Netanjahu angelastet und niemandem sonst.

          Ihre Replik gleicht mithin einem Messerstich ins Wasser.

        • Outis

          @Perkele:

          Du hast natürlich völlig Recht, dass es falsch zufällige Mitglieder einer Gruppe per se in Verantwortung für das Handeln anderer Mitglieder dieser Gruppe zu sehen.



          Aber es gibt eine Parallele zu der Logik, nach der von Muslimen die explizite Distanzierung und Verurteilung von islamistischen Terroristen gefordert wird - und nach der man sich dann überlegen kann, inwiefern sich Anstiege in Islamophobie auch islamistischen Bewegungen anlasten lassen. Hinkt natürlich wie alle Vergleiche (weil jüdische Identität zB nicht unbedingt religiös verstanden wird, aber die tatsächliche Religiosität spielt auch bei Opfern von Islamophobie nicht unbedingt eine Rolle), aber vielleicht eine Überlegung wert.

        • test_name

          @Perkele:

          >Es gibt auch Widerstand in Israel und Ablehnung solcher Ungeheuerlichkeiten unter allen Juden/Jüdinnen weltweit und die in einen Topf mit Verbrechern zu werfen, das geht gar nicht.<

          Richtig wäre,



          >die Mehrheit der Israelis ist für die Vertreibung der Palästinenser.<

          Ist das besser?

        • Zippism

          @Perkele:

          Genau das ist doch der entscheidende Punkt: Wer behauptet, Gvir, Smotrich oder Netanjahu würden den Antisemitismus „befördern“, macht letztlich die israelische Regierung für den Antisemitismus anderer verantwortlich. Damit wird ausgerechnet das alte antisemitische Muster reproduziert: Juden bzw. Israel seien selbst schuld daran, wenn andere Juden angegriffen werden.

          Natürlich kann man Gvirs Politik scharf verurteilen. Aber der Australier, der einen Juden angreift, der Student, der einen jüdischen Kommilitonen zusammenschlägt, oder derjenige, der antisemitische Parolen brüllt, hat dafür keinen israelischen Politiker nötig. Der braucht nur seinen eigenen Judenhass. Gvir ist dann bestenfalls die nachträgliche Ausrede: „Eigentlich habe ich ja nichts gegen Juden, ich bin nur gegen Israel.“

          Wer Antisemiten diese Ausrede abnimmt, macht sie nicht weniger antisemitisch – er liefert ihnen lediglich eine bequemere Begründung.

          • Perkele

            @Zippism:

            Die israleische Regierung ist tatsächlich mitverantwortlich für den weltweit wachsenden Antisemitismus. Das auszublenden ist fatal und nicht ehrlich. Diese Einschätzung hat nichts, gar nichts mit dem Vorwurf zu tun "die Juden seien selber schuld" Genau das aber sind sie nicht - es sind Verbrecher wie ben Gvir die Mitschuld tragen.

          • sociajizzm

            @Zippism:

            Es ist sowohl als auch. Es gibt Antisemitismus unabhängig von Israels Politik. Und Israels Politik verstärkt zur gleichen Zeit den Hass.



            .



            Der Konflikt ist religiös aufgeladen und Gvir und co meinen im Namen des Judentums zu handeln.



            .



            Das soll Gewalt gegen Menschen jüdischen Glaubens, die nichts damit zu tun haben nicht legitimieren. Einen gewissen Zusammenhang gibt es da aber.



            .



            Würden der Vatikan einen neuen Kreuzzug im Namen der Christlichen auf der ganzen Welt starten, würde der Hass auf Christen weltweit zunehmen. Aber es gibt auch jetzt schon deren Verfolgung in manchen Gegenden und da wäre das dann auch nur eine Ausrede.

  • Frodo

    Auch wenn ich den kritischen Ton des Artikels insgesamt befürworte, störe ich mich doch daran, dass Aussagen eines vor der IStGH angeklagten Massenmörders betreffend den von ihm voran getriebenen Genozid als wiederholt als "Kontroversen" bezeichnet werden, anstatt sie als das einzuordnen, was sie sind. Ich kann nicht glauben, dass Teile der Taz immernoch Probleme damit zu haben scheinen, den Genozid klar als solchen zu benennen. Was braucht es denn noch, bevor das passiert?

    • Zippism

      @Frodo:

      Da wird aus einer Anklage vor dem IStGH kurzerhand ein rechtskräftig festgestellter „Genozid“. Der IStGH hat einen solchen Genozid bislang nicht festgestellt. Eine Anklage ist keine Verurteilung und schon gar kein gerichtlicher Tatsachenentscheid.

      Man kann die Vorgänge für einen Genozid halten und das auch entsprechend kommentieren. Aber so zu tun, als sei das bereits eine vom Gericht festgestellte Tatsache, ist kein besonders überzeugender Beitrag zur Debatte über die journalistische Präzision der taz. Vielleicht braucht es dafür weniger Empörung und etwas mehr Verständnis dafür, wie ein Gerichtsverfahren funktioniert.

      • test_name

        @Zippism:

        Völlig egal ob schon Genozid oder nur Kriegsverbrechen aber noch kein Genozid.

        • rero

          @test_name:

          Dann können wir doch bei Kriegsverbrechen bleiben, finden Sie nicht?

          • test_name

            @rero:

            ja

      • Francesco

        @Zippism:

        Bei der Anlage vor dem IStGH geht es nicht um Genozid, sondern um Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Meines Wissens verhandelt der IStGH nicht in Abwesenheit des Angeklagten, also kann er auch bislang gar kein Urteil fällen.



        Andererseits gibt es keine Anklage ohne gewichtige Beweise.

        • Sam Spade

          @Francesco:

          Es gibt bisher keine Anklage seitens der Anklagebehörde des IStGH gegen Ben Gvir.

          Ein Haftbefehl wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit wurde 2024 gegen Nethanjahu und Galant erlassen.

          Es gibt lediglich Spekulationen darüber ob die Anklagebehörde einen Antrag auf Erlass eines Haftbefehls gegen Smotrich und Ben Gvir gestellt hat. Seit 2025 ist es nämlich der Behörde untersagt öffentlich über die Existenz derartiger Anträge Auskunft zu geben.

          Der Kommentar von Zippism ist in der Hinsicht auch irreführend da der IStGH nicht zuständig ist für die Frage des Genozids. Anklagen gegen Staaten werden vor dem IGH verhandelt und das Verfahren wegen Verstoßes gegen die Völkermordkonvention läuft bereits seit 2023.

  • Bauer Gerry

    "Es gebe Menschen in Gaza, die es nicht verdient hätten zu leben, führte er fort. "

    Und Menschen, die so über andere Menschen denken, haben verdient zu leben?

    • Éljen a Magyar

      @Bauer Gerry:

      Ist nur leider völlig aus dem Zusammenhang gerissen und von Ben-Gvir in dieser Form nie gesagt worden.

      on.orf.at/video/14...densplan-weiter-ab

      "Nikolaus Wildner wurde 1985 in Wien geboren. Nach seinem Auslandszivildienst an der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem studierte er Hebräisch, Arabisch und Nahostwissenschaften an der Hebräischen Universität in Jerusalem.



      Nach einer Lehrtätigkeit an der Universität Wien und mehreren Studienaufenthalten in Indien ist er seit 2020 für das ORF-Büro Tel Aviv tätig. Neben seiner Berichterstattung als Korrespondent aus Israel und den Palästinensergebieten hat Nikolaus Wildner für den ORF bisher auch aus Jordanien, dem Libanon, Afghanistan und Zypern berichtet." (der.orf.at/unterne...n/wildner100.html)

  • Il_Leopardo

    Die Idee mit den Krokodilen hat er sich wohl von Trump abgeguckt:

    „Alligator Alcatraz“: USA bauen Migranten-Haftanstalt umgeben von Schlangen und Krokodilen" (Berliner Zeitung, 24.6.25)