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Leipzig und keine FolgenWaffe: Auto. Täter: Mann. Verantwortung übernehmen: null

Carolina Schwarz

Kommentar von

Carolina Schwarz

Leipzig trauert um die Toten der Amokfahrt. Und der Rest? Das Auto gilt immer noch als unantastbar – in Deutschland. Dabei geht es längst besser.

Verkehrsteilnehmer, der in Deutschland keine Lobby hat: Junge auf Fahrrad Foto: Katja Hoffmann/laif

V iel ist über die Opfer aus Leipzig nicht bekannt. Eine 63-jährige Frau und ein 77-jähriger Mann waren am Montagnachmittag in der Leipziger Innenstadt unterwegs. Vielleicht waren sie nach Feierabend auf dem Weg nach Hause, vielleicht wollten sie ein paar Erledigungen machen oder bei Sonnenschein eine Kugel Eis essen. Wir wissen es nicht. Bekannt ist lediglich, dass sie gegen 16.45 Uhr in der Grimmaischen Straße getötet wurden. Der Täter: ein 33-jähriger Mann. Seine Waffe: ein Auto.

Ein politisches oder religiöses Motiv schließt die Staatsanwaltschaft bislang aus und spricht von einer Amokfahrt. Der Täter wurde wenige Tage vor der Tat aus der psychiatrischen Klinik entlassen. Und damit scheint das Thema für die Bevölkerung erledigt. In der sächsischen Großstadt gibt es noch Trauerfeiern. Die Fahnen vor dem Neuen Rathaus hängen auf halbmast, Blumen und Kerzen am Tatort erinnern an die Verstorbenen und Verletzten.

Es ist ein kurzes Innehalten, dann wird auch in Leipzig wieder der Alltag einkehren. Der Rest des Landes hat die Tat schon wieder abgehakt. Kein „Brennpunkt“, keine politischen Debatten, Trump und seine Zölle dominieren wieder die Nachrichten. Leipzig war für viele ein tragischer Einzelfall. Da kann man nichts machen, wenn ein psychisch Erkrankter zum Auto greift und auf Menschen zielt.

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Wir alle wissen, dass die Situation eine vollkommen andere wäre, wenn der Täter Mohammed oder Anis hieße. Soziale und klassischen Medien wären voll von rassistischen Verschwörungen und Vorwürfen, die Rufe nach weiteren Asylverschärfungen wären laut und würden von der Politik erhört. Doch in diesem Fall heißt der Täter Jeffrey, er hat einen deutschen Pass und keine Migrationsgeschichte. Der Fall wird mutmaßlich zu keinen großen gesellschaftlichen Veränderungen führen. Doch das ist falsch.

Die Autos müssen die Innenstädte verlassen

Leipzig ist kein Einzelfall. In den letzten Jahren haben immer wieder Männer zum Auto gegriffen, um gezielt Menschen zu töten. Oder sie haben es billigend in Kauf genommen, Menschenleben zu gefährden. Und darüber müssen wir sprechen: inwiefern psychologische und soziale Angebote helfen könnten, potenzielle Täter zu erkennen und dadurch zu stoppen; wie Behörden besser zusammenarbeiten, damit Warnzeichen wie sie es auch in diesem Fall gab, nicht folgenlos bleiben; welche Rolle Männlichkeit bei diesen Tötungen spielt. Und wir müssen auch über die Wahl der Waffe sprechen. Denn wenn Autos aus den Innenstädten verschwinden, werden Menschenleben gerettet.

Als im Sommer 2024 ein Mann in Solingen auf einem Stadtfest mehrere Menschen mit einem Messer tötete, wurde in der Politik umgehend über ein schärferes Waffenrecht diskutiert. Greifen Menschen zum Auto als Waffe, passiert das nicht – weder nach dem Anschlag auf dem Magdeburger Weihnachtsmarkt 2024 noch nach der Amokfahrt 2025 in Mannheim. Dabei wird das Fahrzeug immer häufiger als Tatwaffe genutzt. Kein Wunder, schließlich steht es für alle verfügbar auf der Straße und ist besonders tödlich im Einsatz. Dafür braucht es noch nicht einmal die gezielte Absicht, einen Menschen zu töten. Auch ohne diese sterben jedes Jahr knapp 3.000 Menschen im Straßenverkehr in Deutschland.

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Dieser Text erschien zuerst in der wochentaz, unserer Wochenzeitung von links!

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Reden wir in Deutschland über den Verkehr und seine Gefahren, sind immer die anderen schuld: die Kinder, die laut einer aktuellen ADAC-Umfrage nicht aufmerksam genug im Straßenverkehr sind; die Jugendlichen, die ohne Rücksicht auf Verluste mit E-Scootern durch die Innenstädte rasen; oder die Senioren, die zu schnell mit ihren Pedelecs unterwegs sind. Autos und ihre Fahrer_innen sind in der Frage der Verantwortung fein raus. Sie dürfen weiter den öffentlichen Raum voll stellen, als hätten wir nicht ein enormes Platzproblem in den Innenstädten. Sie dürfen die Luft mit ihren Abgasen verpesten und weiter in der Nähe von Schulen, Altersheimen und Wohnhäusern rasen, ganz so, als seien sie nicht für die schwersten und tödlichsten Unfälle verantwortlich.

Dass das nicht so sein muss, machen andere Metropolen vor. In vielen italienischen Städten gibt es mittlerweile verkehrsbeschränkte Zonen. Auch in Paris und Barcelona werden immer mehr Straßen autofrei: für die Sicherheit – aber auch, um die Lebensqualität aller zu steigern. In Berlin dagegen traf der Verkehrsentscheid – der seinen radikalen Namen „Berlin autofrei“ schon aufgegeben hat – auf große Gegenwehr. Die reaktionären Kulturkämpfer von CDU und FDP plakatierten die Stadt zu, um das Volksbegehren zu verhindern. Bloß nicht ein Auto weniger in dieser Stadt.

In der Grimmaischen Straße in Leipzig wurden mittlerweile Poller aufgestellt. Sie sollen weitere Amokfahrten verhindern. Eine richtige Reaktion, doch nicht ausreichend. Wir werden nicht alle Plätze und Straßen des Landes mit Pollern versehen können. Mehr Sicherheit gäbe es, wenn Autos aus Innenstädten verbannt würden.

Natürlich gibt es noch andere Waffen. Und selbstverständlich gibt es auch auf dem Land und in Kleinstädten Unfälle und die Möglichkeit zu Amokfahrten. Doch in den Metropolen ist ein Leben ohne Auto längst möglich – weniger Verletzte und Tote wären garantiert.

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Carolina Schwarz
Ressortleiterin taz zwei
Ressortleiterin bei taz zwei - dem Ressort für Gesellschaft und Medien. Schreibt hauptsächlich über intersektionalen Feminismus, (digitale) Gewalt gegen Frauen und Popphänomene. Studium der Literatur- und Kulturwisseschaften in Dresden und Berlin. Seit 2017 bei der taz.
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43 Kommentare

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  • Die Leipziger Innenstadt ist nicht als Aufhänger geeignet, um autofreie Innenstädte zu fordern. Denn die ist zum größten Teil bereits autofrei und an vielen Zufahrten mit elektronischen Pollern gesichert (vom Augustusplatz aus eben nicht). Auch Scooter und Fahrräder sind nur außerhalb der Geschäftszeiten geduldet. Im Normalfall sieht man dort an Kfz nur die (elektrischen) Busse.

  • Man kann es für sinnvoll halten, erstmal Symptome zu bekämpfen und nicht die Ursachen, aber wer die Ursachen gar nicht bekämpfen will, wird nichts erreichen.



    Denn der Mensch - nicht nur der Mann - ist erfinderisch in der Wahl seiner Mittel. Andere haben schon Menschen vor einen Zug geschubst. Ganz ohne Auto.



    Wir müssen uns an die Ursachen machen.

  • Es ist wohl eine Tatsache, dass solche Taten von männlichen Fahrern bestritten werden. Aber allgemeine Verkehrsbeschränkungen können das Problem nicht lösen. Insofern ist die Verknüpfung falsch. Warum? Weil es auch in Paris natürlich weiter Autoverkehr gibt und sei es zumindest Lieferverkehr. Im Berliner S-Bahn Ring (der Bereich, wo die Autofrei Initiative gescheitert ist) sind alleine 25% der angemeldeten Autos gewerblich. Dazu kommen noch diverse andere Autos, von Taxis bis hin zu Kinderfahrten. Daneben gab es auch schon Taten in Fussgängerzonen. Kurz, reichlich Gelegenheiten, ein Auto - leider - auch als Waffe einzusetzen.

  • Nachdem schon vor einigen Tagen ein Herr Redakteur ganz dringend über Autos und Männer reden wollte, befürchtete ich hier anfangs den puren Neuaufguß des gleichen Themas wieder zu finden.



    Zum Glück will seine Berufskollegin weniger die Männer "entmannen" als das Auto aus der Stadt verbannen. Mit dem Ziel mehr Sicherheit unters Volk zu bringen.



    Löblich. Dass es innenstädtisch ruhiger werden könnte (und sollte!) ist unbestritten. Aber alle Verpollerung von Innenstadtzentren wird keinen echten Sicherheitsgewinn bringen, wenn Täter mit Vorsatz handeln.



    Ich sehe vor meiner eigenen Haustür täglich vielfach wie schnell eine PKW-Hälfte halt über den schmalen Fußweg gelenkt wird, wenn voraus die Fahrbahn enger wird, weil grad jemand ausparkt. Oder halt als zu langsam empfunden wird. Einmal oben bleibt Mann/Frau gern gleich mal fünfzig Meter weit drauf - trat ja vorher auch niemand aus irgendeiner Haustür.



    Insofern bin ich diesmal durchaus bei Frau Schwarz - während ich ihrem allzu plakativen Kollegen meine Zustimmung verweigert hätte. Doch angesichts dessen, dass Gemeinden sich nicht einmal auf Tempo 30 innerstädtisch einigen können, ist das wohl ein Thema für eine sehr ferne Zukunft...

    • Gereon Asmuth , Autor , Ressortleiter taz-Regie

      @Der olle Onn:

      Hm, kann es sein, dass Sie Texte nicht genau lesen? Ich habe in meinem Text vor ein paar Tagen gar nicht gefordert, die Männer zu entmannen. Dafür plädiert Carolina anders als sie das gelesen haben klar für autofreie Innenstädte. Was mich wirklich überrascht, ist aber, dass sie gegen Poller sind, aber dann genau eine Situation beschreiben, in der Poller helfen würden (über den Fußweg fahren).

      • @Gereon Asmuth:

        Nanu - warum so empfindlich? Doch doch, ich lese schon recht aufmerksam...



        Nein, Sie haben nicht gefordert jemanden zu entmannen. Zugegeben. Deswegen die Anführungsstriche. Aber die gängige Programmatik "Wir müssen unbedingt über Männer reden" (denn die sind schon immer allen Übels Wurzel - und das kriegen wir alle gemeinsam weg...) stößt mir langsam schwer auf.



        Ganz einfach, weil man vielleicht über Männer reden muss - dann aber über eine eher kleine Minderheit. Da müsste man dann genauso dringend auch über trinkende Autofahrerinnen, bösartige Vorgesetzte u.a. reden.

        Auch ich plädiere s. o. (als jemand der nie ein Auto besaß) absolut für weniger Auto - halte das aber für eine Illusion.



        Und: Ebenfalls mal richtig lesen! (s. o.: "Insofern bin ich diesmal durchaus bei Frau Schwarz...")







        - Ich schreibe ziemlich offensichtlich nicht gegen Poller an, sondern dagegen sie als Allheilmittel anzusehen.



        In meiner geschilderten Straßensituation wären sie z. B. schlicht unmöglich, weil die Parksituation und die Straßenbreite sie nicht zuließen. Post und Müllabfuhr nutzen generell - allerdings langsam fahrend - Teile des Bürgersteigs...



        Nicht jede Straße ist so breit wie die Grimmaische.

  • Bei dem Titel:



    Sage keiner, es gäbe keinen "linken" Populismus.

  • Wer jetzt mit bebendem "j'accuse"-Finger autofreie Innenstädte und Kollektivschuldbekenntnisse von Männern (oder was auch immer die bedeutungschweren Hinweise auf das Geschlecht des Täters bewirken sollen) fordert, sollte sich fragen, ob das wirklich der Bestürzung über die Tragödie geschuldet ist oder hier primär der Anlass genutzt wird, in die eigene gewohnte politische Kerbe zu hauen.



    Aber zur Sache: Dass Männer mehr Testosteron als Frauen im Blut haben und Autos mehr Gewicht und PS als Lastenfahrräder, sind beides Binsen. Und dass Testosteron allein nur sehr wenige Menschen zu Gewalttätern macht und in Deutschland jeden Tag Abertausende Kfz (durchaus mit mehr Nutzen, als ein Lastenfahrrad liefern könnte), in Innenstädten bewegt werden, ohne als Waffen gebraucht zu werden, sollte ebenfalls eine Binse sein. Jedenfalls ist sie das sicherlich für viele der "Aurofanatiker", die irgendwie immer noch nicht sehen wollen (oder können), wie die geforderte autofreie Innenstadt eigentlich bewirtschaftet und bevölkert werden soll.



    Ja, Leben und Zivilisation bergen Risiken. Aber man kann sie auch mit Radikallösungen nicht alle bannen - da braucht es Abwägung. Die fehlt mir hier.

    • @Normalo:

      Was bitte ist denn radikal an der Forderung die einzig vernünftig und fair ist bezüglich Mobilität in Innenstädten, sie autofrei zu bekommen??

      Aber das sieht man ja auch in anderen Punkten, dass die einzig vernünftigen und auch für die Zukunft tragfähige Lösungen als radikal angesehen werden, denn nichts ist unantastbar, barer als der Egoismus, die Bequemlichkeit und das Auto des Deutschen. Nach mir die Sintflut, gell?

      • @Edda:

        Die vom Artikel genannte, als unerträglich und zwingend zu adressieren empfundene, Problemstellung lautet: Autos wurden in mehreren Einzelfällen in Innenstädten als Waffe missbraucht. Als Lösung für dieses Problem IST die generelle Verbannung ALLER Autos - also auch der Millionen, mit denen das bislang nicht geschehen ist und voraussichtlich auch nie geschehen wird - aus allen Innenstädten der Inbegriff einer Radikallösung (Risiko wird konsequent auf Null runtergeschraubt, aber eine Abwägung mit den Interessen der Unschuldigen findet nicht statt). Es ist wie wenn man z. B. E-Autos generell verbieten würde, weil zuweilen eins wegen Akkubrand abfackelt.



        Anders sähe die Betrachtung allenfalls aus, wenn Jemand aus völlig ANDEREN Gründen die autofreie Innenstadt für eine gemäßigte, gute verkehrspolitische Zielsetzung hielte und den tragischen Tod der beiden Menschen in Leibzig nur als Aufreger benutzt, um für diese Agenda eine paar emotionale Punkt zu machen. Das würde ich natürlich niemandem direkt unterstellen, die Diskussion DARÜBER hier aber für fehl am Platz haten...

  • Bleibt er auf der Erde ist die Sicherheit recht mager - einmal geprüft immer dabei.

    Geht der Privatpilot dagegen in die Luft, so braucht er zur Prüfung eine Tauglichkeit, welche in fortgeschrittenem Alter alle Jahre vom Fachmediziner geprüft wird. Dann muß er zudem noch alle zwei Jahre einem zertifizierten Lehrer zeigen, dass er noch die Fähigkeiten zum pilotieren hat. M.E. auch hilfreich denjenigen, welche ihre tonnenschweren persönlichen Transportgeräte erdgebunden zwischen uns bewegen: Weniger Blut, Schweiss und Tränen.

    - ferrydun

  • Wenn in der Überschrift das Wichtigste stehen soll stimmt die Überschrift nicht : Ich habe gelesen , dass der Autofahrer psychiatrisch krank ist und deswegen in eine psychiatrische Klinik gebracht wurde. Müsste dann heißen : Waffe Auto : Täter krank.



    Verantwortung Null ? Kürzlich gabe es in einem Gerichtssaal Tumulte im Zuschauerbereich weil ein Mensch der psychiatrisch krank war wegen Schuldunfähigkeit frei gesprochen und in die Sicherungsverwahrung eingewiesen worden war.



    Was und wie häufig psychiatrische Erkankungen sind, ist zu wenig bekannt für eine Schlagzeile. Bedeutet nicht, dass die Verantwortung für die richtige Schlagzeile keine Verantwortung ist. Jede/r kann mit Verantwortung anfangen. Schlagzeilen haben ja, wörtlich genommen, eine gewisse Sprengkraft.

  • Was soll denn schon wieder dieses Männerbashing und Autos sind sowieso Teufelszeug. Amoktäter wird es leider immer geben, das wird sich nie verhindern lassen. Ob der Täter nun ein Auto ( ein Elektroauto ist auch nicht besser als ein Verbrenner) oder Messer oder sonst was zur Tatausführung benutzt, da hat er eine riesige Auswahl. Auf ein Auto ist kein Amoktäter angewiesen. Soll denn alles verboten werden, das geht nicht, wir müssen damit leben, leider.

    • @Filou:

      Und dass man beim Wort "Amoktäter" gar nicht gendern muss, ist die Antwort darauf, was dieses "Männer-Bashing" soll. Es ist richtig, darauf hinzuweisen, dass es zu 100% Männer sind. Das hat Gründe, über die die Gesellschaft nachdenken sollte.

      Autos sind größer als sie sein müssten, geradezu Panzer, und schneller als sie sein müssten. Wozu schnelle, wendige Panzer bauen, mit denen man geschickt Leute totfahren kann? Wozu diese Riesendinger einfach überall hinfahren lassen? Da geht's nicht um generelles Verbieten, sondern um Umdenken, was diese absolute Vorrangstellung des Autos betrifft. "Auto vor Mensch" war der Traum der 60er Jahre. Da stecken CDU und FDP halt noch drin fest. Ist ja auch bequem.

  • Ohne Poller wird es nicht gehen.



    Hier im Ort (ländlich mit Durchgangsverkehr) gibt es eine 800 m lange "Spielstraße". Es gibt Autofahrer, die diese Spielstraße nutzen, um die genauso lange Strecke Hauptstraße zu meiden, weil die dortigen 30 vielleicht durch einen entgegenkommenden Bus erzwungen werden könnten. Die Schrittgeschwindigkeit kontrolliert keiner. Und die Kinder springen schnell genug zur Seite, damit die Strecke sich "lohnt".



    Die Anwohner haben angeboten für die elektronischen Poller zu bezahlen, aber die Gemeinde DARF NICHT.



    Übrigens endet die Spielstraße zehn Meter vor der Grundschule. Die Strecke direkt an der Schule vorbei DARF NICHT weiter entschleunigt werden als 30.

    • @Herma Huhn:

      @Herma Huhn



      " SPIEL STRAßEN " die größte Gefahr entsteht doch schon durch den völlig Fehlbegriff, wird gerade auch den Kindern suggeriert " hier spielen "...



      Spielen und Straßen passt absolut nicht zusammen.



      Kinder verstehen oftmals darunter, auf diesen Straßen muss gespielt werden. Es braucht nicht mehr auf Verkehrsregeln seitens der Kinder und oftmals auch der herum laufenden erwachsen Fußgänger geachtet werden. Also völliger Blödsinn, besser wäre ein Schild mit :



      " Hier NUR Schrittgeschwindigkeit ".



      Was wäre denn z. B. unter einem " KfZ- Verkehrsspielplatz " zu verstehen ?

    • @Herma Huhn:

      Durchgangsstraßen als Spielstraßen halte ich für hochgradig gefährlich.

      Reine Anwohnerstraßen mit Einfamilienhäusern, am besten Sackgassen, da sind Spielstraßen perfekt.

      In der Nähe habe ich eine Spielstraße mit Durchgangsverkehr.

      Damit die Autos auch wirklich Schrittgeschwindigkeit einhalten, sind dort Bodenwellen installiert worden.

      Außerdem werden die Autos im Zickzack an Blumenkübeln vorbeigeführt.

      So, dass sie teilweise aufeinander warten müssen und für Autofahrer die Sicht eingeschränkt wird.

      Einen zusätzlichen Kick geben Querstraßen mit rechts vor links.

      Im Ergebnis sind Autofahrer dort bereits so stark durch die Straßenführung in Anspruch genommen, dass sie Fußgänger, die hinter einem Blumenkübel mit Strauch vorkommen, oft nicht schnell wahrnehmen werden.

      Ich würde dort nie meine Kinder spielen lassen.

      Wäre mir viel zu gefährlich.

      Scheinen anwohnende Eltern genauso zu sehen.

      Kinder sind dort auf der Straße selten zu sehen.

      Auch Radfahren macht dort wegen der Bodenwellen keinen Spaß.

      Wäre ich dort Anwohner, wäre mir ein breiter Fußweg zum Spielen für die Kinder lieber.

      • @rero:

        Es ist ja keine Durchgangsstraße.



        Es ist ein Wohngebiet, das von beiden Seiten einfahrbar ist, die Durchgangsstraße verläuft parallel dazu, ist aber (falls ein Bus entgegenkommt) etwas enger.



        Das ganze Problem ließe sich durch einen elektronisch einfahrenden Poller lösen, den die Anwohner sogar bezahlen würden. Aber die Gemeinde darf den Poller nicht installieren. Die Gemeinde darf auch keine Bodenwellen aufstellen. Selbst ein Schild, welches darauf hinweist, dass es sich nicht um eine Durchgangsstraße handelt übersteigt die Befugnisse der Gemeinde. Geschwindigkeitskontrollen werden erst zwischen 8 und halb 9 aufgebaut, bis dahin sind die Falschfahrer und Raser schon durch und die Statistik sagt: ist doch alles gut hier.



        Die Rechte der Autofahrer, eine Spielstraße als Umgehung zu missbrauchen, sind mehr Wert als alles andere.

  • Mal ganz nüchtern betrachtet.







    (Auch) das Problem solcher Amokfahrten ist sehr einfach mit technischen Mitteln zu lösen. Indem man die bereits (teilweise) vorhandenen Systeme "scharfstellt" und es der Elektronik überlässt, bestehende Höchstgeschwindigkeiten direkt in den Fahrzeugen zu erzwingen. Beim Versuch in Fußgängerzonen einzufahren, würde dann ganz schlicht der Motor ausgehen.







    Soweit der rationale Teil...

    • @Wunderwelt:

      Würde ihr Vorschlag umgesetzt, dürfte man schon den ersten Unfall erwarten, der passiert, weil die Elektronik die Autobahnauffahrt als Spielstraße interpretiert und eine unangekündigte Vollbremsung macht.

    • @Wunderwelt:

      damit erreichen Sie nur einen Bruchteil der Autos. Die meisten Autos auf den Straßen sind älteren Baujahrs.

      Und auch neuere Autos sind dazu nicht in der Lage. Wie oft mein Auto die Kennzeichen missversteht, reicht aus um das System zu ignorieren.

      • @ocs:

        Was habe ich eigentlich falsch gemacht, so viele Jahre ohne Firlefanz, nur mit eigener Aufmerksamkeit und Vernunft, unfallfrei durchs Leben gefahren zu sein? Sogar grobes Fehlverhalten von Rasern und anderen Selbstdarstellern konnte ich absorbieren - aber wahrscheinlich war auch viel Glück dabei. Und davon braucht man bei der Entwicklung der Gasfuß-Mentalität immer mehr.

    • @Wunderwelt:

      Wo bliebe da die freie Fahrt für freie Bürger?

  • Ich halte eine bessere sozialpädagogische, psychiatrische und psychologische Versorgung für elementar. Das sollte bereits in der Schule leicht zugänglich sein, um familiäre Gewalt und Verwahrlosung abzufedern. Psychische Erkrankungen in unserer Gesellschaft steigen rasant.

    Stattdessen wird in dem Bereich gekürzt. Programme werden gestrichen und den Therapeuten die Vergütung gekürzt.

    Das soll die Tat nicht entschuldigen oder relativieren.

    • @nothingness:

      So was will doch keiner hören. Dabei ist es absolut notwendig, zusammen mit der Frage, wie wir eigentlich weiterhin leben wollen? Was ist uns als Gesellschaft wichtig? Das Zusammenstreichen von Programmen für Jugendliche gehört anscheinend nicht mehr dazu. Dabei sind die Kinder von heute auch die potentiellen Opfer oder Täter von morgen und übermorgen.

    • @nothingness:

      Der Täte von Leipzig war freiwillig in der Psychatrie.

      Und der Täter von Magdeburg war selbst Psychater.

      Aber glauben Sie wirklich das Zb. IS Attentäter freiwilig eine Psychater aufsuchen würden auch wenn wir genug hätten.

      Jeder psychisch Kranke der Gewaltphantasien gegenüber sich selbst oder andere hat, hat kann in eine psychatrische Klinik gehen. Tag und Nacht.

      • @Martin Sauer:

        Die Frage ist, ob und wie ihm da geholfen wird. Es kommt durchaus vor, dass man dort nicht ernstgenommen wird. Dass Hilfe abgelehnt wird. Und wenn man aufgenommen wird, ist auch noch die Frage, inwiefern das hilft. Viel passiert therapeutisch nicht gerade auf den Akutstationen. Reine Verwahrung.

  • Doch - wir sollten alle plätze und Straßen mit pollern versehen, dann könnten die autos gar nicht mehr fahren.

  • Ich fahre hier in unserer Region nur mit dem Fahrrad. Egal ob zur Arbeit, zum Einkaufen oder nur zum Spaß. Mittlerweile habe ich allerdings aufgegeben und gehöre seit ein paar Wochen zu den Gewinnern. Fahre ich in die Stadt, mache ich das grundsätzlich mit dem Auto.



    Ich hatte in kürzerer Zeit mehrere sehr gefährliche Situationen, in denen ich am Ende eigentlich nur Glück hatte. Mit dem Auto kann man in der Stadt die vorgegebene Höchstgeschwindigkeit problemlos als Vorschlag sehen, Fahrradwege und Fußwege zum Brötchen holen sperren und so weiter. Außerdem hat man glatte und frisch geteerte Straßen und nicht im nichts endende, holprige und enge Wege, die als Fahrradweg gekennzeichnet sind.



    Nicht falsch verstehen: Mit dem Rad fahren macht mir immer noch mehr Spaß und ich mache das auch weiterhin. Mit dem Auto in der Stadt fahre ich außerdem eher vorsichtig und parke nicht da, wo es absolut nicht ok ist. Aber man macht so seine Beobachtungen...

  • Es ist ein bizarres Paradoxon: In deutschen Innenstädten regiert der Blechpanzer, während die schweigende Mehrheit der Anwohner längst von lebenswerten Quartieren ohne Abgaswolken und Parkplatz-Agonie träumt. Wir opfern unseren wertvollsten Stadtraum einer lautstarken Minderheit, die das Auto nicht als Transportmittel, sondern als sakrosanktes Grundrecht auf Raumaneignung missversteht.



    ​Obwohl Umfragen regelmäßig zeigen, dass die Menschen sich breitere Gehwege, sichere Radspuren und Platz für Bäume statt für Dauerparker wünschen, verharrt die Politik in einer Art Schockstarre vor der Autolobby. Dieser „Auto-Terror“ raubt uns nicht nur die Luft zum Atmen, sondern zerstört das soziale Gefüge unserer Kieze. Es ist Zeit, die Prioritäten vom Kühlergrill zurück zum Menschen zu verschieben. Eine Stadt ist kein Logistikzentrum für Individualverkehr, sondern ein Lebensraum. Wer den öffentlichen Raum dem Auto überlässt, enteignet die Bürger. Machen wir die Straßen wieder zu dem, was sie sein sollten: Orte der Begegnung, nicht der Verdrängung!

    • @amigo:

      "Die Menschen" wünschen sich das in Umfragen, aber wie kommt es, dass sie dann nicht entsprechend wählen oder bei Volksentscheiden abstimmen? Wer CDU und FDP wählt, weiß, dass sowas nicht verwirklicht wird. Am Ende wollen sie bessere Luft, breitere Gehwege, aber trotzdem doch bitte noch das Grundrecht auf Parkplatz vor der Tür und freie Fahrt, wenn man denn doch mal Autofahren möchte? Alles geht nicht.

    • @amigo:

      Wie kommen Sie auf die Vermutung dass die schweigende Mehrheit keine Autos in den Städten will? Die meisten haben doch selber ein oder zwei Fahrzeuge. Auf Begegnungen haben aber ziemlich viele keine Lust mehr.

    • @amigo:

      Na ja, das ist jetzt aber ein bisschen widersprüchlich? Wer unter einer "... Parkplatz-Agonie ..." leidet will doch in Wirklichkeit selbst dort parken?! Sonst könnte einem das tägliche Parkplatz Problem vor der Haustür doch egal sein!?

    • @amigo:

      "Die schweigend Mehrheit ..."

      Müssten Sie irgendwie belegen können.

      In Leipzig kommen nämlich auf 1000 Einwohner 384 Autos (Stand 01.01.2025).

      Typischerweise rechnet man für ein Auto im Straßenverkehr 1,4 Personen als Fahrer.

      Wenn Sie allein diese Insassenzahl auf die vorhandenen Autos hochrechnen, sind Autogegner eine Minderheit.

      Dabei dürfte die Zahl der Personen, die von einem Auto profitieren, vermutlich noch mal höher.

      Dazu zählen die Kinder, die Oma, die man zum Arzt fährt.

      Man sollte sich da nicht Illusionen hingeben

      Es hat ja seinen Grund, dass der Volksentscheid in Berlin gerade scheitert.

      Die dachten auch, sie wären eine Mehrheit.

      Die fehlende Zustimmung zum Volksentscheid könnte bedeuten, dass sie nur eine laute Minderheit sind.

      Eine lebenswertere Stadt wünschen sich auch Autonutzer.

      Nimby ist ein weit verbreitetes Phänomen.

    • @amigo:

      Hervorragendes Plädoyer. Leider ist der Autofetischismus in Deutschland ausgeprägter als in fast allen anderen Ländern.

    • @amigo:

      Volle Zustimmung zum Beitrag und zu Ihrem Kommentar.

    • @amigo:

      Das allgemeine Problem ist, dass es so einige in unserer Gesellschaft gibt, welche den Zusammenhang zwischen lebenswertem Stadtraum und Wahlen nicht vollumfänglich erfassen. In diesem Land werden vorwiegend SPD und CDU gewählt, und in letzter Zeit auch zunehmend AfD. Alle drei sind reaktionäre, rechte Parteien, welche sich zuallererst um ihre eigene Taschen und die ihrer Financiers kümmern bevor das Wohl der Gesellschaft auch nur annähernd in Betracht gezogen wird.

      • @Okti:

        Dass die SPD nicht wirklich links und/oder progressiv ist, ok. Aber stimmt es überhaupt noch, dass die vorwiegend gewählt wird...?

      • @Okti:

        Ahh. Die spd ist nun auch rechts? 😁

        • @Hannes Petersen:

          Wenn ich mir anschaue was für eine Politik sie lokal und national machen, sehe ich keinen großen Unterschied zur CDU, außer das letztere populistischer und lauter unterwegs ist a la Republikaner in den USA

        • @Hannes Petersen:

          Und für andere ist die CDU schon Ultralinks.



          Ich war in meinen jungen Jahren ein großer Fahrradfahrer mit zum Teil 24.000 Kilometern im Jahr.



          Mit 35 das erste Auto, klaro Hauserwerb mit Umbau ohne KfZ nicht machbar. 3 Kinder wechselnd Arbeitsorte etc. Da bleibt nicht viel anderes übrig als ein PKW.



          Eine lebenswerte Innenstadt klingt toll aber der Bio-Markt muss auch beliefert werden, die Bestellungen von Amazon usw sollen innerhalb von 12 Stunden ankommen, Kinder für ihre Aktivitäten von A nach B....



          Und nicht alle wohnen in flachen Orten wie Berlin oder Hamburg. Die Studenten aus diesen Orten steigen bei uns ganz schnell aufs Auto um, weil sie an den Hügeln verzweifeln oder sauteuere E-Lastenräder fahren, die von den Boomereltern bezahlt werden.

          • @Reinero66:

            So ein "sauteures" E-Lastenrad kostet auch nicht mehr als ein Gebrauchtwagen. Nur mal soviel dazu.

            • @schoenix:

              Stimmt für 2 Personen, mein 7-Sitzer hat mich 8000€ gekostet. Ich bräuchte also mindestens mehr als 2 Lastenräder a ca. 6500€ und das bei Schnee und Regen und Bergen und mit 60 Jahren auf dem Land.



              Wie gesagt flache Städte OK sonst nein.