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Umgang mit der AfDVerdampft noch mal!

Daniel Bax

Essay von

Daniel Bax

Die Wirtschaft steckt in der Krise, die Regierung auch, die AfD steht vor der Tür. Warum sind so viele immer noch so gelassen?

Nicht so flüchtig wie diese Rauchwolke auf ihrer Wahlparty: die AfD Foto: Rafael Heygster/laif

D ie Temperatur steigt. Langsam, aber unausweichlich. Und wie der sprichwörtliche Frosch, der in einem Kochtopf sitzt, der langsam wärmer wird und der deswegen allmählich verbrüht, harren auch viele von uns paralysiert und schreckensstarr der Dinge. Manche reden sich ein, dass es schon nicht so schlimm kommen werde, während andere versuchen, der Entwicklung etwas Gutes abzugewinnen. Aber wir nähern uns, ganz allmählich, einem gesellschaftlichen Kipppunkt.

Die Anzeigetafeln an den Tankstellen lesen sich wie ein Fieberthermometer. Die Preise steigen, besonders sichtbar beim Benzin, das immer noch ein zentraler Treibstoff unserer Gesellschaft ist. Aber nicht nur die Spritpreise, auch die Kosten für Heizöl und Erdgas steigen, weil die Straße von Hormus aufgrund des Kriegs gegen den Iran noch immer massiv eingeschränkt ist.

Infolgedessen steigen die Preise für Grundnahrungsmittel wie Gemüse, Backwaren und Milchprodukte, auch Restaurantbesuche und Reisen werden teurer. Zugleich nimmt die Inflation zu, wodurch man für sein Geld weniger kaufen kann.

Parallel dazu steigen die Umfragewerte der AfD. Langsam, aber ebenso scheinbar unausweichlich. Im Bund hat sie jetzt, laut allen Meinungsforschungsinstituten, die Union überholt. In Sachsen-Anhalt, wo im Herbst gewählt wird, liegt sie bei über 40 Prozent, eine absolute Mehrheit liegt dort bedrohlich nahe.

Bleibt es dabei, wird es zumindest schwierig, ohne sie eine Regierung zu bilden. So, wie es schon in Sachsen und Thüringen schwierig geworden ist. Die Minderheitsregierungen dort stützen sich zur Not, wenn es darauf ankommt, noch auf andere Parteien, vor allem auf die Linke. Doch die AfD wartet nur darauf, dass die Brandmauer bricht.

Krisen über Krisen

Die aktuelle Wirtschaftskrise kommt zu all den anderen Krisen dazu, zur Klimakrise und zur Ukrainekrise, und sie verschärft die Krise der Demokratie. Denn jeder weiß, wer die Energiekrise verursacht hat: Es waren Donald Trump und Israels Premier Benjamin Netanjahu, der ihn zu seinem dummen Krieg gegen den Iran überredet hat.

Man kann froh sein, dass die AfD nicht offensiv auf dumpfen Antiamerikanismus und antisemitische Ressentiments setzt. Mit ihrer ostentativen Trump-Kumpanei hat sie sich kompromittiert, mit ihren offiziellen Lippenbekenntnissen zur deutschen Staatsräson gegenüber Israel gibt sie sich handzahm. Gut möglich, dass sie ihren Ton ändert, wenn sie es für opportun erachtet. Doch sie muss eigentlich gar nichts tun, sie muss nur abwarten. Der Unmut über die aktuelle Entwicklung ist Wasser auf ihre Mühlen.

Die Bundesregierung findet keine geeigneten Mittel, um diesem Unmut zu begegnen. Friedrich Merz hat zu viel versprochen, als er im Wahlkampf vollmundig zusicherte, das Land aus der Krise zu führen, und in seiner Regierungserklärung behauptete, man werde schon im Sommer 2025 spüren, dass es vorangehe im Land. Auf den ausgebliebenen „Herbst der Reformen“ folgt nun ein Sommer des Unbehagens. Ein Sommer, den mehr Menschen in Deutschland verbringen werden als die Jahre zuvor.

Der wirtschaftliche Einschnitt ist tiefer als während der Coronakrise. Denn während die Pandemie einem abrupten Schock glich, der irgendwann überstanden war, erleben wir jetzt eine Wirtschaftskrise, die aufgrund struktureller Schwächen zu einem Verlust an Wettbewerbsfähigkeit und Wohlstand führen wird. Darauf sind wir nicht vorbereitet, und Merz findet nicht die richtigen Worte, um die Menschen auf schwierige Zeiten einzustimmen. Der Tankrabatt ist ein Tropfen auf den heißen Stein.

Die AfD muss in dieser Lage gar nichts tun, sie muss nur abwarten

Die Union glaubte, mit einer radikalen Migrationswende der AfD das Wasser abgraben zu können – das Ergebnis ist bekannt. Nun will sie die Arbeitszeit ausweiten, den Kündigungsschutz lockern und an der Rente rütteln. Ob das die AfD schwächt? Unwahrscheinlich. Auch von rechts wird die Kritik an Friedrich Merz immer lauter. Milliardenschulden statt „Schuldenbremse“ gelten vielen als gebrochenes Versprechen, die sogenannte Migrationswende geht manchen nicht weit genug. In ihren Augen gibt der Kanzler der SPD viel zu oft nach.

Konservative Autoren wie Jan Fleischhauer, Gabor Steingart und Nikolaus Blome behaupten, „linke Mythen“ und die SPD würden den Kanzler fesseln. Merz gibt sich trotzig und wild entschlossen, diesem Eindruck entgegenzutreten, und lässt sich dafür beim DGB und sogar auf dem Katholikentag ausbuhen. Dennoch werden die Sirenenrufe von Springer, Nius, Tichy und Co immer lauter, die Union möge doch den Schulterschluss mit der AfD suchen. Dann könne Merz endlich die Politik machen, die er möchte, säuseln sie.

wochentaz

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Die Abstiegsängste sind real, die Verteilungskämpfe brutal. Das treibt der AfD, die sich als die Partei des nationalen Egoismus und Anwältin der alteingesessenen Mehrheit versteht, die Wähler zu. Was die Union zum Pakt mit der AfD abhält, ist vor allem deren Haltung zu Russland und zum Krieg in der Ukraine.

Aber wird das ein Hindernis bleiben? Es wird schließlich immer einfacher, die Ukraine im Stich zu lassen, nachdem schon die USA abgerückt sind. Warum soll man sie noch finanziell unterstützen, wenn schon hierzulande immer mehr gespart wird – zumal viele Deutsche einen direkten Krieg gegen Deutschland für wenig wahrscheinlich halten, allen Bedrohungsszenarien zum Trotz?

Was Menschen von Fröschen unterscheidet

Die Milliardenbeträge an die Ukraine übersteigen die Ausgaben für die viel genannten „Radwege in Peru“ bei Weitem, die zum Sinnbild für eine angeblich verrückte linke Politik geworden sind. Das macht den Ruf nach „Germany first“ für viele attraktiv. Und Markus Söder und Jens Spahn lauern schon darauf, das Ruder zu übernehmen, wenn Merz scheitert.

Sie wären womöglich auch zu einem Deal mit der AfD bereit. Union und AfD hätten im Bundestag und in sieben Bundesländern – in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen, Bayern und Hessen sowie neuerdings auch in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz – schon jetzt rechnerisch eine Mehrheit.

Dass sich ein Frosch langsam zu Tode kochen ließe, wenn man das Wasser langsam erhitzt, ist übrigens ein Mythos. Diese Wechselwarmblüter reagieren vielmehr sehr empfindlich auf Temperaturveränderungen. Sobald das Wasser eine Temperatur erreicht, die für sie unangenehm ist, versuchen sie, ihrer Situation zu entkommen.

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Das unterscheidet sie von vielen Menschen. Denn es ist bemerkenswert, wie ruhig viele in dieser Lage noch bleiben. Entweder es geht ihnen doch besser, als man denkt. Oder sie glauben, eine AfD-Regierung werde sie selbst schon nicht betreffen und einschränken. Anders ist diese Gelassenheit – oder besser: dieser Fatalismus – nicht zu erklären.

Anders als Frösche können Menschen mehr tun, als nur aus dem Kochtopf zu flüchten, um etwas an ihrer Situation zu ändern. Zum Beispiel auf die Straße gehen und mehr Druck auf diese Regierung ausüben, alles dafür zu tun, dass die Temperatur sinkt.

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Daniel Bax
Redakteur
Daniel Bax ist Themenchef im Regieressort der taz. Er schreibt über Politik, Kultur und Gesellschaft in Deutschland und hat bisher zwei Bücher veröffentlicht: “Angst ums Abendland” (2015) über antimuslimischen Rassismus und “Die Volksverführer“ (2018) über den Trend zum Rechtspopulismus. Sein neues Buch "Die neue Lust auf Links" über das Comeback der Linkspartei ist gerade im Goldmann Verlag erschienen.
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18 Kommentare

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  • Wer immer noch nicht verstanden hat, dass die AfD ein Instrument zur Machtergreifung der oberen 10.000 ist, die ahnungslose besitzlose Klassen mit Populismus und einfach gestricktem Rassismus über soziale Medien ködern und dann über den Löffel balbieren, dem ist ehrlich nicht zu helfen.



    Ich vertraue darauf, dass diese Wahrheit mehr und mehr ins Bewusstsein durchsickert, je länger das Zuwarten der AfD auf ihren angeblich unvermeidlichen "Endsieg" dauert und je länger uns Trump demonstriert, wie eine solche "maga"-getarnte Aristokratenregierung im Alltag funktioniert.



    Allerdings kann es auch wirklich noch sein, dass die dünne Oberschicht der Billionaire Bros den Klassenkampf doch noch endgültig für sich entscheidet, und wir Linke alle in die Röhre schauen aus einer solchen Neuauflage der Venezianischen Räterepublik bzw. des österreichischen Ständestaats gemeinsam mit allen Migranten auswandern müssen. Ich persönlich finde Spanien und Griechenland recht attraktiv. Etwas Besseres als den Tod finden wir überall.

  • Die alten Parteien haben eine wesentliche Mitschuld an dem Aufstieg der AFD.



    In RLP wurde die SPD abgewählt. Die CDU siegt und macht Ch. Baldauf zum Geschäftsführer von Lotto RLP. Da er das Amt wohl nicht stemmen kann, wird H. Hering (SPD) gleichberechtigt mit extrem hohem Gehalt auf einen neuen Stellvertreterposten gehievt. Die Brandmauer wird so zur Schutzmauer für die Vetternwirtschaft der Altparteien.

    • @Laura Renner:

      Wenn es eine Altpartei gibt, ist das ja wohl die AfD. Alte weiße Männer, rückwärtsorientiert, geschichtsvergessen, wissenschaftsfeindlich, rassistisch und monothematisch unterwegs. Überwiegend nur auf ihre eigenen privaten Vorteile aus - Methode Trump. Auf der anderen Seite eine sich überflüssig machende SPD ohne Basisbezug, der Söder als Fähnlein im Stimmungswinde mit AfD-light an seiner bayerischen Seite und ein jeden Fettnapf suchender Merz mit seinen "Konifähren" Reiche, Klöckner und Weimer. Wahrlich schlechte Aussichten. Naja, vielleicht sind ja 81 Jahre Demokratie und Frieden historisch gesehen genug und die Wiedervereinigung erweist sich für spätere Historiker*innen als Sargnagel.

  • Es kann nie, niemals einen Grund geben die ArfD zu wählen. Eine Partei die menschenverachtende Politik macht. Unfassbar. Weltpolitische Krisen sind nun mal nicht innerhalb von wenigen Monaten zu lösen. Sie sind von Außen entstanden und ein Konzept braucht Zeit, um erarbeitet und erprobt zu werden. Egal ob CDU, SPD, Grüne etc. Die ArfD hat null Konzept. Wer deren Parteiprogramm kennt, wüsste, dass es für's "einfache Volk" nicht zu erwarten gibt. Die ArfD würden Deutschland ins wirtschaftliche Mittelalter zurück führen. Und, woher kommt all diese Unzufriedenheit? Gemeckert wird immer. Typisch deutsch.

  • "Die Union glaubte, mit einer radikalen Migrationswende der AfD das Wasser abgraben zu können"



    Ich werde nicht müde, dieser unsinnigen Behauptung zu begegnen. Die cdU/csU verfolgt ihre menschenverachtenden rassistische Politik nicht, um "der AfD das Wasser abzugraben", also WählerInnenstimmen zu fangen. Sie arbeiten seit vielen Jahrzehnten erfolgreich daran, dass Menschenrecht auf Asyl in Deutschland zu zerstören. Wenn hier jemand jemandem nachläuft, dann ist es die AfD, die der cdU/csU nachläuft.



    Die cdU/csU macht schon länger AfD-Politik als es die AfD gibt.

  • Jeder weiß, dass den Grundstein zur Energiekrise bereits Wladimir Putin durch seinen absolut böswillg rechtswidrig herbeigeführten Ukrainekrieg gelegt hat. Die Straße von Hormuz hat nur das im Ursprung putineske Krisenfass zum Überlaufen gebracht. Derweil ist an den Tankstellen in Deutschland Benzin immer noch preisgünstig: Der ökologisch vertretbare Literpreis läge bei gut zwei Euro fünfzig, wenn der Mehrpreis zur Behebung von Umweltschäden durch Verbrenner-Energie und für Klimakrisenvorsorge ausgegeben würde!

    Wären die Deutschen nicht in großen Teilen so verteufelt mimimi-krank, würden sie nicht wegen einer kleinen Wirtschaftskrise mit "hohen" Benzinpreisen die Partei groß machen, die Deutschland am wenigsten gebrauchen kann: Die AfD.

    Was die genannten Presse-Organe angeht: Wir brauchen garnicht zuerst ein Verbrenner-Aus. Wir brauchen ein Verblöder-Aus! Das kann die taz mitbewirken: Politische Bildung unterstützen wo nur geht. Kritik per Kabarett hat sich vielleicht überlebt. Vielleicht brauchen wir eine ernsthafte politikwissenschaftliche Sendung im Öffentlichrechtlichen. Alle LeserInnen und RedakteurInnEN bitte Mitdenken, was mehr politische Vernunft auf den Weg bringt.

  • Wenn ich mir anschaue wie viele Wähler die Ampelregierung nach nur 3 Jahren im Amt verloren hat und wenn ich dann noch sehe das die Spd dabei 800000 Wähler an die AfD verloren hat wäre doch die Zeit reif für eine rot blaue Regierung.



    Wenn dann am Ende der Regierungszeit die Wähle feststellen, das nichts besser geworden ist sind sie enttäuscht und wählen andere Parteien.

  • Der Zug ist leider schon komplett abgefahren, die AfD wird kommen. Dank rechter Propaganda und Merz/Spahn/Dobrindt/Klingbeil und derer dämlicher Ausweitung ihrer Austeritätspolitik und komplettem Dilettantismus im politischen Betrieb. Es ist wirklich unfassbar, wie man den Unmut der deutschen Bevölkerung noch weiter entfachen kann, aber jede Entscheidung für mehr Einschnitte in der arbeitenden Bevölkerung befeuert diesen Trend weiter. Das fatale dabei ist, dass sie es nicht mal verstehen, was sie da bewirken, obwohl jede Woche neue Umfragetrends veröffentlicht werden. Die einzige Antwort, die sie kennen, ist, noch härtere Antimigrationspolitik. Deutschland leidet seit Jahrzehnten unter politischer Inkompetenz, es gab nur selten mal ein zwei Lichtblicke.

    • @Montagsdepression:

      Denken wir diesen Gedanken doch einfach mal weiter. Wenn freie und demokratische Wahlen "seit Jahrzehnten" nur zu "Inkompetenz" und "Dilettantismus" führen, scheint es eben logisch und folgrichtig die Demokratie abzuwählen. Dumm halt nur, dass das schnell eine Einbahnstraße sein kann und wenn man sich anschaut in welchem Modus von Korruption und Dummheit die autoritären Rechten dort agieren wo sie bereits an der Macht sind darf man schon berechtigte Zweifel daran haben ob damit auch nur irgendwas besser würde?

  • Was der Autor als Fatalismus beschreibt ist meines Erachtens die Hoffnung vieler Bürger und damit potentieller AfD Wähler, dass die wachsende, förmlich zu riechende Angst der Regierenden vor Macht- und Pfründeverlust selbige dazu bewegt, endlich wirksam im Interesse der Mehrheit der Bevölkerung zu werden. Der Möglichkeiten gäbe es viele. Sie hier aufzuzählen, erspare ich mir. Sie sind zu offensichtlich, werden aber, ideologieverhaftet immer weiter und damit der AfD mehr und mehr Wähler zutreibend, ignoriert.



    Es wird noch richtig böse werden.

  • Wirtschaftskrise, Ukrainekrise, Klimakrise, Energiekrise, Demokratiekrise...



    Hängt vielleicht alles zusammen?



    Wir haben uns aus verständlichen moralischen Gründen dafür entschieden, kein Gas und Öl mehr von Russland zu kaufen. Am Klima können wir nichts ändern. Unser Einfluss hier in Schland ist minimalst. Aber anstatt sich politisch auf das Abmildern der Folgen zu fokussieren, werden Milliarden in Klimasymbolpolitik versenkt und die Wirtschaft weiter belastet. Und diese simplen und diskussionswürdigen Fakten dürfen politisch nicht in Frage gestellt werden, dann ist man gleich Putinfreund, Russlandversteher, Klimawandelleugner... Und die sammeln sich dann hinter einer Brandmauer, keiner redet mehr miteinander...

    • @Otto Mohl:

      Schön wär's wenn wir am Klima nichts ändern könnten. Leider ändern wir es ständig. Seit Jahrzehnten/Jahrhunderten und zwar in eine sehr ungesunder Richtung.

  • Mir fehlt das Vertrauen, dass irgendeine Partei oder Koalition den schleichenden Abstieg Deutschlands aufhalten kann.

    Die Rahmenbedingungen sind einfach zu schlecht mit dem demographischen Wandel, hohen Energiepreisen, lähmender Bürokratie, dem Rückstand bei entscheidenden Zukunftstechnologien und immer größerer globaler Konkurrenz, die deutlich dynamischer ist.

    • @gyakusou:

      Selbst wenn sie Recht haben und der Abstieg unvermeidbar ist gibt es ja immer noch die Wahl ob man ihn mit Würde und Anstand erträgt oder ob man meint es dann eben mal mit dem 4. Reich probieren zu müssen.

    • @gyakusou:

      Der Abstieg schleicht nicht. Die cdU/csU arbeitet konzentriert am Abstieg. Sie lassen keinen Punkt aus, der nötig dazu ist. Zerschlagung des Sozialstaats, Turboantrieb der Ungleichheit, Ruin der Wirtschaft durch ihre Inkompetenz in Sachen Volkswirtschaft, Demokratiezerstörung durch aushebeln der Rechtsstaat und Be- oder Verhinderung demokratischer Bewegungen.



      So orchestriert, wie das abläuft bei ihnen, würde ich auch nicht mehr sagen, dass das schlicht Blödheit ist. Der Wahnsinn hat Methode. Shakespeare wäre begeistert.

  • Der Artikel ist angebracht-danke!



    Das Problem mit der „afd“ ist das größte für die Gesellschaft.



    Da der Trend nach rechts aber scheinbar nicht aufzuhalten ist, sucht man*frau sich andere Betätigungsfelder.



    Die größte Gefahr für unsere Gesellschaft ist der Faschismus, das sollten wir Deutschen eigentlich aus der Geschichte gelernt haben.



    Was ist das Mittel dagegen?



    Die Brandmauer!



    Die sollte nicht nur politisch, sondern auch gesellschaftlich stehen.



    Das bedeutet, keine Gräben diesseits der Brandmauer auszuheben, sondern Seite an Seite das gemeinsame Ziel zu verfolgen.



    Derzeit ist das Gegenteil der Fall.



    Aus Parteiinteressen heraus wird beispielsweise die SPD permanent kritisiert, obwohl die schon immer diesseits der Brandmauer stand.



    Liebe Grüne, liebe Linke,



    Es geht, angesichts einer Mehrheit für die „afd“ im Bund (lt. Umfrage), nicht mehr darum, einer inhaltlich nahen Partei bei Umfragen 1 oder 2 Prozentpunkte abzuluchsen.



    Es geht darum, ob wir zukünftig von einer rechten Partei regiert werden wollen.



    Diese Gefahr wird in Sachsen Anhalt wahrscheinlich bald Wirklichkeit.



    In Mecklenburg wäre sie vielleicht noch zu verhindern.



    Gesellschaft entsteht durch Zusammenarbeit!

    • @Philippo1000:

      "Gesellschaft entsteht durch Zusammenarbeit!"

      Einen diesbezüglich schlechten Kommentar liefert heute die taz wider den Föderalismus in Deutschland. Rath lobt darin den EU-Föderalismus über den grünen Klee, aber hält den deutschen Föderalismus für abschaffenswert.

      Föderalismus ist politische Zusammenarbeit auf hohem Niveau. Es gibt aber Zeiten wie die unmittelbar jetzige, in denen SOWOHL der deutsche ALS AUCH der europäische Föderalismus kriselt: Die EU hat den Brexit hinter sich, hat Orban grad (hoffentlich!!!) hinter sich, hat weitere Nationalismen, und der deutsche wird bekanntlich selbst von europäischen Rechtsextremen anderer Länder misstrauisch als zu extreme Variante betrachtet.

      In Sachsen-Anhalt droht ein innerdeutscher Orban, und Rath's Rat ist deshalb wohl, den Föderalismus abzuschaffen. Die rundweg hanebüchenen Führerbefehle, die Deutschland 1939-45 in den Untergang trieben, sollten Deutschland doch eigentlich von jeglichem Zentralismus geheilt haben! Macrons Frankreich kann als Beispiel dienen, dass zentralistisch-präsidiale Systeme keineswegs bessere Politik liefern.

      Föderal, die Europäische Union UND und die Bundesrepublik, ja bitte. BEIDE bitte in Zukunft besser!

    • @Philippo1000:

      Wer weit weg vom Brandherd ist, braucht keine Brandmauer. Daher wird auch bei der cdU/csU, die ja schon längst AfD-Politik machen - menschenverachtend, rassistisch, auf die unteren Schichte eintretend statt für sie eintretend - darüber geredet. Ideologisch gibt es keine Brandmauer zwischen Union (christlich, sozial, demokratisch lassen sie ja zu Recht auch sprachlich oft weg wenn sie von sich reden) und AfD. In vielen Punkten ist Unionspolitik von AfD-Politik nicht zu unterscheiden.



      Wenn jemand eine Brandmauer errichten will, dann sollte sie AfD/cdU/csU von den demokratischen Parteien, die noch hinter dem Grundgesetz stehen, trennen.