Leseschwäche bei Jugendlichen: Ob die Erwachsenen besser sind?
Die KI hilft oft weiter, aber lesen können sollte man trotzdem. Ob die Eltern der leseschwachen Kids da besser sind? Das bleibt zu prüfen.
M ein 20-Jähriger sagt, „KI regelt.“ Mit Blick auf die aktuelle Pisa-Studie hatte ich ihn gefragt, wie Jugendliche so durchs Leben kämen, wenn jedeR Fünfte nicht mal mehr einfachste Texte sinnerfassend lesen kann. Bei den Tests der Kompetenzen im Lesen und Rechnen haben die Jugendlichen in Deutschland in diesem Jahr so schlecht abgeschnitten wie nie zuvor.
Wie lesen diese jungen Leute eigentlich den Beipackzettel eines Medikaments? Oder ihren Ausbildungsvertrag – falls sie denn überhaupt einen bekommen? Mein Sohn ist da pragmatisch. Gibt ja noch genug, die das selber schaffen. Und alle anderen nutzen halt die Technik. Anders sieht das Bildungsministerin Karin Prien. Muss sie auch, ist schließlich ihr Job. Sie nennt die Ergebnisse „besorgniserregend“. Viel besorgniserregender finde ich allerdings, dass es genau solche Politikerstatements schon in den Vorjahren gab. Weil die Pisa-Ergebnisse da auch grottenschlecht waren.
Hier hätte jetzt Bundeskanzler Friedrich Merz die Chance gehabt, sich beliebt zu machen beim Wahlvolk. Vollmundig hätte er eine „Zeitenwende“ ausrufen und die „Bildungs-Bazooka“ auspacken können. „Es muss ein Ruck durch Deutschlands Schulen gehen!“, hätte er mit markiger Kanzlerstimme in die Mikrofone der JournalistInnen rufen können. Hat er aber nicht. Stattdessen geben sich Lehrkräfte und Eltern gegenseitig die Schuld. Und den sozialen Medien. Ohne die 15-Jährige natürlich viel mehr lesen würden, ganz klar.
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Aufhorchen ließ mich neulich ein kurzer Beitrag im Deutschlandfunk. Die Uni Basel hat das Leseverhalten von 6.000 Erwachsenen im deutschsprachigen Raum untersucht. Den ernüchternden Ergebnissen nach liest ein Viertel der Befragten gar keine Bücher. Und nur ganze 4 Prozent kamen auf mehr als 11 Lesestunden pro Woche. Im Durchschnitt lesen Erwachsene in Deutschland übrigens 27 Minuten täglich. Das reicht etwa für zwei Zeitungsartikel, ein paar Chatnachrichten und eine Gutenachtgeschichte fürs Kind.
Gäbe es eine Pisa-Studie, die Lesegewohnheiten Erwachsener untersuchen würde, wäre das gesellschaftliche Entsetzen wohl deutlich größer. Denn die würde vielleicht zeigen, dass viele sich gar nicht mehr auf längere Texte konzentrieren können. Wem gäbe man dann wohl die Schuld? Und hätte es Konsequenzen?
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