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Bildungsautor zur neuen Pisa-Studie„Die Reformen kamen zu spät“

Lesen, Schreiben, Rechnen – deutsche Schulkinder schneiden im Vergleich schlechter ab als vorher schon, sagt die neue Pisa-Studie. Warum ist das so?

Ralf Pauli

Interview von

Ralf Pauli

taz: Herr Brand, die Ergebnisse der neuen Pisa-Studie sind wieder einmal wenig erfreulich: Die Leistungen deutscher Schü­le­r:in­nen haben sich weiter verschlechtert, die Chancenungleichheit hingegen ist nach wie vor extrem hoch. Wie erklären Sie sich, dass Deutschland einfach keine Trendwende gelingt?

Alexander Brand: Einen Teil der Ergebnisse kann man sicher noch mit der Coronapandemie und den langen Schulschließungen hierzulande erklären. Die Lücken, die damals entstanden sind, konnten offenbar nicht mehr wirklich geschlossen werden. Zum anderen glaube ich, dass die Schulen zu lange die basalen Kompetenzen – Lesen, Schreiben, Rechnen – vernachlässigt haben. Es ist gut, dass es hier in den vergangenen Jahren zu einem Umdenken kam. Für die jetzige Pisa-Studie kamen die Reformen aber zu spät.

taz: Die Länder haben mehr Zeit für Lesen und Rechnen an den Grundschulen angeordnet und bauen eine verbindlichere frühkindliche Sprachförderung auf. Zudem investieren Bund und Länder über das „Startchancen-Programm“ massiv in sozial benachteiligte Schüler:innen. Wann, denken Sie, könnte sich das in besseren Pisa-Ergebnissen niederschlagen?

Brand: Es wird noch ein paar Jahre dauern, bis es messbare Erfolge gibt. Ich bin aber überzeugt, dass die Maßnahmen sinnvoll sind und auch einen Impact haben werden. Was mir jedoch Sorgen macht, ist der zunehmende Einfluss von Social Media. Wir wissen aus der Forschung, dass bei einer frühen und unkontrollierten Social-Media-Nutzung nicht nur die psychische Gesundheit leidet, sondern auch die Schulleistung. Dass sich die Pisa-Ergebnisse in so vielen Ländern jetzt gerade so verschlechtert haben, hat vermutlich bereits damit zu tun.

Im Interview: Alexander Brand

31 Jahre, ist Lehrer an einer Hamburger Stadtteilschule und arbeitet auch als Redakteur für das „Deutsche Schulportal“ der Robert Bosch Stiftung. Für sein Buch „Die Bildungsweltmeister“ hat Brand sechs Monate lang an rund 30 Schulen in Finnland, Estland, Japan und Singapur hospitiert.

taz: Sie sind also wie Bundesbildungsministerin Prien (CDU) für eine klare Altersgrenze?

Brand: Ja. Aber mir geht es nicht nur um soziale Medien. Wir sollten uns sehr kritisch mit der Digitalisierung an Schulen auseinandersetzen, wie es zuletzt in einigen skandinavischen Ländern passiert ist. In Deutschland endet die Debatte aber oft an dem Punkt, ob das Tablet oder das Heft das bessere Lernmittel ist. Wenn wir aber schon in der Grundschule Tablets verteilen, dann muss das auch sorgsam pädagogisch begleitet werden, und alle Lehrkräfte müssen dafür vorbereitet sein. Ein gutes Vorbild könnte hier Estland sein. Dort fördern Schulen von Anfang an digitale Kompetenzen und erzielen damit gute Ergebnisse – auch bei Pisa.

taz: Zurück zu den deutschen Ergebnissen. Sie arbeiten als Mathe- und Physiklehrer an einer Hamburger Stadtteilschule. Wie gehen Sie im Unterricht damit um, dass immer weniger Schü­le­r:in­nen die Mindeststandards erreichen?

Brand: Das ist ein gravierendes Problem. Ich hatte vergangenes Jahr beispielsweise eine elfte Klasse in Physik, in der eine Schülerin nicht wusste, wie viele Meter in einem Kilometer stecken. Man darf aber in so einem Fall nicht seine Erwartungen an diese Schü­le­r:in­nen senken und ihnen vielleicht künftig einfachere Aufgaben geben. Das halte ich für einen Fehler: Wer diese Jugendlichen aufgibt und ihnen vielleicht auch noch dieses Gefühl gibt, zementiert die soziale Ungleichheit. Ich versuche, solche Schü­le­r:in­nen genauso zu fordern wie diejenigen, die weiter sind.

taz: Binnendifferenzierung verstärkt die soziale Ungleichheit?

Brand: Das Problem ist die in Deutschland sehr über Defizite geprägte Wahrnehmung von Lernen. Wer in Deutschland eine sonderpädagogische Förderung erhält, muss in der Regel eine diagnostizierte Lernschwierigkeit oder Behinderung vorweisen. Damit ist diese Förderung erstens stark stigmatisiert. Zweitens schließt die Förderung auch einen Großteil der Schü­le­r:in­nen aus. In anderen Ländern funktioniert das ganz anders. Da werden alle Kinder, die Bedarf haben, frühzeitig und flexibel gefördert. Finnland macht das beispielsweise vorbildlich.

taz: Sie haben dieses Land für Ihr Buch „Die Bildungsweltmeister“ bereist, ebenso Estland, Japan und Singapur. Also Länder, die bei Pisa in der Regel weit vorne landen. Was machen die Schulen dort besser?

Brand: Da gibt es einiges. Das finnische Fördermodell hat mich auf jeden Fall überzeugt. Es gibt dort verschiedene Förderstufen, die aufeinander aufbauen. Bis zu 30 Prozent der finnischen Schü­le­r:in­nen bis zur neunten Klasse erhalten jedes Jahr so eine Förderung, die über den Klassenunterricht hinausgeht – und zwar nicht von Fachlehrer:innen, sondern von Sonderpädagog:innen. So ein Fördermodell klingt erst mal sehr ressourcenintensiv. Wenn man aber bereits mit der Einschulung beginnt, entstehen viele Lücken erst gar nicht. Und oft läuft die Förderung nur für eine begrenzte Zeit. Das deutsche Schulsystem könnte damit einen großen Sprung nach vorne machen.

taz: Wie noch?

Brand: Durch mehr Teamarbeit der Lehrkräfte. In allen vier Ländern ist mir aufgefallen, dass das gemeinsame Unterrichten und Reflektieren dort fester Bestandteil im Schulalltag ist. In Singapur beispielsweise arbeiten Lehrkräfte in professionellen Lerngemeinschaften, bereiten gemeinsam Projekte vor und tauschen sich über kollegiale Hospitationen aus. Das geht natürlich nur, wenn die Freiräume dafür da sind. In Japan und Singapur müssen die Lehrkräfte deutlich weniger unterrichten als in Deutschland. Neben mehr Teamarbeit hat in diesen Ländern auch eine stetige Weiterbildung der Lehrkräfte – in der Arbeitszeit – Priorität. Auch das würde der Unterrichtsqualität hierzulande guttun.

taz: Hierzulande verbieten Schulen mitunter eine Fortbildung, weil sonst zu viel Unterricht ausfällt. Wie realistisch ist es, dass Lehrkräfte hier weniger arbeiten?

Brand: Aktuell ist das aufgrund des Personalmangels natürlich schwierig. Aber in ein paar Jahren wird durch den drastischen Geburtenrückgang die Zahl der Schü­le­r:in­nen deutlich sinken. Und dann wäre es klug, die frei werdenden Ressourcen zu nutzen. Zum Beispiel für ein geringeres Unterrichtsdeputat oder für mehr Förderangebote.

taz: Welche Rolle spielt bei den Pisa-Gewinnern eigentlich das längere gemeinsame Lernen ? Bil­dungs­for­sche­r:in­nen kritisieren ja schon lange, dass Schü­le­r:in­nen hierzulande sehr früh auf verschiedene Schulformen aufgeteilt werden.

Brand: In Japan, Finnland und Estland bleiben die Jugendlichen bis zum etwa 15. Lebensjahr in einem gemeinsamen System, eine Aufteilung nach Leistungsniveaus wird bewusst hinausgezögert. Und selbst Singapur, das bekannt ist für sein elitäres Schulsystem, verabschiedet sich schrittweise von früher Selektion. Die Länder unterstreichen damit, was die internationale Forschung schon länger zeigt: In Ländern ohne frühe Aufteilung werden die Unterschiede zwischen starken und schwachen Schü­le­r:in­nen im Laufe der Schulzeit tendenziell kleiner – in Deutschland geht die Leistungsschere hingegen stark auseinander.

taz: Ein Argument gegen ein längeres gemeinsames Lernen ist die Angst vor einem generellen Leistungsabfall.

Brand: Das ist eigentlich durch internationale Studien widerlegt. Eine spätere schulische Aufteilung schadet keiner Leistungsgruppe, nicht einmal den leistungsstärksten fünf Prozent. Man kann das aber anderes formulieren, und zwar: Eine frühe Selektion hat keinen Einfluss auf das allgemeine Leistungsniveau, also auch keinen negativen. Es ist aber ungerechter.

taz: Sie schreiben in Ihrem Buch, wie schwer es ist, den Bildungserfolg eines Landes auf einzelne Maßnahmen zurückzuführen. Dennoch: Wo sollte die Bildungspolitik in Deutschland jetzt ansetzen?

Brand: Eine Empfehlung wäre ein wesentlich ernsthafterer Umgang mit Lernunterstützung. In Deutschland sollen das Lehrkräfte oft im Regelunterricht miterledigen. Die von mir besuchten Länder stellen gezielt Ressourcen dafür bereit, dass Schü­le­r:in­nen in Kleingruppen oder zeitweilig im Eins-zu-eins gefördert werden, und zwar parallel zu oder nach dem regulären Unterricht. Eine weitere Empfehlung wäre, bei aller Kompetenzorientierung hierzulande nicht das Fachwissen aus dem Blick zu verlieren. Erst wenn ein Wissensfundament da ist, machen projekt- oder problemorientierte Aufgaben Sinn. Da finden Länder wie Japan oder Singapur einen guten Mittelweg.

taz: Gibt es auch etwas, was Deutschland besser als andere macht?

Brand: Auf jeden Fall. In Japan beispielsweise beginnt spätestens mit der Oberstufe ein irrer Leistungsdruck. Um sich bei den Aufnahmeprüfungen an einer der wenigen guten Universitäten durchzusetzen, nehmen quasi alle private Nachhilfe. Das ist in Deutschland wesentlich besser geregelt. Und alle Länder, die ich für meine Buchrecherche besucht habe, beneiden uns um unser duales Ausbildungssystem.

Nach dem Erfolg der AfD bei den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt bangen viele Menschen um die Zukunft, es droht die erste AfD-Regierung. Das wäre eine (weitere) Zäsur für Deutschland. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

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54 Kommentare

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  • Waldgaenger

    Die Probleme könnten zum Teil auch daher kommen, dass man sich beim Setzen von Prioritäten zu sehr an der Arbeitswelt orientiert und dabei insbesondere deren negative Entwicklungen übernimmt: Die Kinder sollen möglichst den ganzen Tag beschäftigt sein, denn "viel hilft viel". Dafür nimmt man es mit den Ergebnissen nicht so genau, denn es geht vielmehr um den "guten Eindruck". Und sicheres, vordergründig überzeugendes Auftreten wird als viel wichtiger angesehen als Tiefgang und Selbstkritik.



    Außerdem ist der digitale Schnickschnack, der immer mehr Einzug in die Schulen erhält dem Lernen nicht immer zuträglich, auch hier steht der Schein im Vordergrund.



    Um noch eine persönliche Anekdote hinzuzufügen: Ich selbst habe während meiner Schulzeit darauf geachtet die Zeit für Lernen und Hausaufgaben effizient zu nutzen, um mehr Zeit für andere Dinge zu haben. Insbesondere zu Beginn der Gymnasialzeit gehörte ich trotzdem - oder vielleicht gerade deswegen - zu den Besten in der Klasse. Was die Arbeitskultur betrifft, halte ich es ebenfalls für sinnvoll, mehr Wert auf Effizienz als auf lange Arbeitszeiten zu legen, damit mehr Zeit für persönliche Weiterentwicklung außerhalb der Arbeit bleibt.

  • LinksRechtsMitte

    Das ist doch wenn wir uns ehrlich machen das Problem aller anderen Probleme auch:



    dringende, grundsätzliche und moderne (das können wir Deutschen besonders schlecht) Reformen braucht das Bildungssystem genauso wie die Sozialversicherungssysteme, Infrastruktur und die ganzen anderen Dinge, die auf der Liste stehen und in tausenden (vielleicht mittlerweile Millionen?) Kommentaren immer erwähnt werden.

    Ich glaub nicht mehr dran. Wir sind im Gesamten einfach zu behäbig und reformfaul.



    Wir können wohl nicht fassen, dass das Modell Deutschland, dass die letzten Jahrzehnte funktioniert und uns Wohlstand gebracht hat nicht mehr für diese moderne Zeit zu funktionieren scheint.

    Wir sind zu verkrustet, zu kompliziert und gleichzeitig wollen wir die höchsten Standards erfüllen. Ich meine: ich finde Inklusion super, aber wenn wie jüngst in einer Doku gesehen in einer Schule ein Kind mit Autismus den Unterricht stört, weil nicht genug Geld da ist die 1zu1 Betreuung die gesamte Woche über zu finanzieren, gleichzeitig aber auch die Toiletten der Schule öfters mal nicht funktionieren, kann ich nur feststellen, dass es eine ziemliche Diskrepanz gibt zwischen Anspruch und Wirklichkeit.

  • Chris McZott

    Bemerkenswert ist der Absturz des PISA-Musterlandes Finnland, das ja Vorbild für viele deutsche Reformideen war/ist.

    • AndreasM

      @Chris McZott:

      Auch in Finland ist der Anteil der Kinder mit Migrationshintergrund in den letzten Jahrzehnten gestiegen. Dadurch sind die Klassen nicht mehr so homogen wie sie mal waren. Was zu den bekannten Herausforderungen führt.



      An den Konzepten hat sich sehr wahrscheinlich wenig geändert, wenn man anfangs ganz vorne mit dabei war.

      • Chris McZott

        @AndreasM:

        Das weiß ich.

        Nur ist seit 20 Jahren in Deutschland die Lösung für den Umgang mit der immer stärker werdenden Heterogenität der Schüler: "Machen wir es doch so wie in Finnalnd"....und jetzt stehen die Finnen genauso mies da.

  • B. Trübt

    Und noch eine kleine Anekdote: vor Jahren hörte ich ein Interview mit einer Bildungsexpertin zu den unterschiedlichen Methoden des Erlernens von Lesen und Schreiben in der Grundschule. Zum Schluss wurde sie gefragt, ob es ein Lehrbuch gibt, das sie uneingeschränkt empfehlen könnte .... Ja, die Fibel des DDR Grundschule.



    Ich habe die meiner Kinder aufgehoben - zur Not können meine Enkel damit richtig und sicher Lesen und Schreiben lernen. Wenn es nur nicht so traurig wäre.

  • B. Trübt

    Als Finnland so um die 2000er Jahre spektakulär gut bei PISA abgeschnitten hatte, machte ein Sprichwort die Runde: Von Finnland lernen, heißt von der DDR lernen.



    Und tatsächlich hatte Finnland in den 1970er Jahren das System der Polytechnischen Oberschulen der DDR studiert und in einigen Kernfragen modifiziert übernommen: gemeinsames Lernen bis Klasse 9 ( später 10 ), Verbindung zur Praxis schon in der Schule, Schwerpunkt auf Naturwissenschaften, gezielte Förderung sowohl leistungsstarker SchülerInnen ( Spezialschulen aller Art ), als auch leistungsschwacher Schüler ( z.B. mit Schülerpatenschaften ), Leistungsprinzip.



    Natürlich kann man das alles mit dem Totschlagargument 'Ideologie' kaputtreden, aber was das gegenwärtige Bildungssystem schafft, ist grad wieder deutlich geworden. Für mich ist es kein Wunder, dass betuchte Eltern dem staatlichen Schulsystem entkommen wollen und der Run auf Privatschulen weiter wachsen wird - dort werden nämlich genau diese Prinzipien umgesetzt.

    • Jan Grobe

      @B. Trübt:

      Das ist auch meine Wahrnehmung. Gefühlt waren die Schüler damals schlauer trotz dem Ideologischen Ballast.



      Das heutige System ist übrigens auch nicht Ideologie frei.



      Man hätte bei der Wende die Chance gehabt sich das Beste beider Systeme heraus zu picken. Aber objektive Betrachtungen wurden und werden zu oft mit der Unrechtsstaat Keule Erschlagen.

  • Oma

    Die aktuellen Pisa-Ergebnisse haben nicht nur in Deutschland Bestürzung erregt. In den meisten europäischen Ländern ist das Niveau runtergegangen. In Finnland wird das schon seit einiger Zeit thematisiert, dass man zwar im europäischen Vergleich immer noch sehr gut da steht, aber die Fähigkeiten der Schüler stark nachgelassen haben. Insbesondere haben in Finnland Schüler mit hohem sozioökonomischen Status eine ziemliche Abwärtskurve hingelegt. Dieses Phänomen hat man auch in Schweden beobachtet. Im finnischen Fernsehen wurden gestern bereits Lösungsansätze mit der Politik diskutiert. Man setzt auf die Schnelle auf eine altmodische Lösung, nämlich Quantität. Mehr Lesen, denn die Leseschwierigkeiten werden als Ursache für den Leistungsrückgang in den Naturwissenschaften vermutet.

  • Westlahn

    Die Bundesbildungsministerin klingt wie alle PISA Politkommentiererinnen vor ihr: Schlimm, darf nicht so bleiben, Chefinnensache. Aber wir haben doch...



    Kultusministerkonferenzen sind seit mindestens 30 Jahren ein versagerInnen-Klub. Ja, natürlich, alle können sagen, "aber wir haben doch dies...und wir haben doch das..."



    Aber wenn nach dem Spiel alle Spielerinnen sagen: wir sind doch gerannt bis zu Erschöpfung und haben nie aufgegeben, Wir haben genauso oft aufs Tor geschossen wie die anderen. Dann mag das stimmen. Nützt aber nichts, denn diese Kultusfrauschaften verlieren Jahr für Jahr Spiel um Spiel. Und dann steigen wir halt liga um liga ab. Und jawohl: Bildungsminister sind in der Regel Bildungsministerinnen.

    • Mondschaf26

      @Westlahn:

      „Bildungsminister sind in der Regel Bildungsministerinnen."



      Ganz dünnes Eis. Können Sie das statistisch belegen?

  • Westlahn

    In unserem dualen Ausbildungssystem müssen jetzt die Ausbildungsbetriebe die Defizite ausgleichen, mit die Schulen die Jugendlichen in die Welt entlassen haben. Wenn sie es denn können. Und wollen. Einige tun sich das schon nicht mehr an. Denn es fehlt nicht nur an Wissen, sondern es gibt auch zahlreiche Klagen über mangelhafte soziale Kompetenz.

    Und dieses teure Schulsystem muss ja nur etwas mehr als halb so viele Nachkommen ausbilden, wie es eigentlich bräuchte,um unsere Demographie einigermaßen stabil zu halten: 1,3 Kinder pro Frau, statt 2,1. Wenn Frauen etwas mehr Kinder bekämen, gehen die Staatshaushalte in die Knie.

  • DiMa

    "Eine spätere schulische Aufteilung schadet keiner Leistungsgruppe, nicht einmal den leistungsstärksten fünf Prozent."

    In dieser Absolutheit ist die Aussage falsch. Richtig ist, dass langes gemeinsames Lernen auch für leistungsorientierte Kinder keinen Nachteil haben muss, wenn ein leistungsdifferenzierter Unterrichtsinhalt angeboten wird. Entscheidend ist dabei die benannte Bedingung.

    Nur wer glaubt wirklich daran, dass diese Bedingung in Deutschland auch umgesetzt werden würde.

    Wenn dem so wäre, dann müssten Bundesländer, in denen die Grundschulen in der Regel bis zur 6ten Klasse gehen, in nationalen Vergleichen besser abschneiden als Bundesländer, in denen der Schulwechsel von der 4ten zur 5ten Klasse vollzogen wird.

    Für so eine leistungsdifferenzierte Beschulung müsste die Rahmenpläne und das Lehrmaterial vollkommen neu konzipiert werden.

  • knackwurst

    Die Lösung für das Problem ist doch ganz einfach: Mehr Einser vergeben, besonders im Abi. Dadurch verbessert sich der Notendurchschnitt signifikant, und alle sind zufrieden...

    (Bin seit Jahren im polnischen Schulsystem tätig, das signifikant besser als das deutsche dasteht. Die Kinder lernen schon in der Vorschule Lesen und Schreiben, Abi ist nach 12 Jahren, um keine Zeit zu verschwenden, die schriftlichen Abiturarbeiten werden verschlüsselt von Lehrern bewertet, die die Schüler nicht unterrichtet haben, in vielen Schulen gibt es im Eingangsbereich einen Bereich, in dem die Olympiadegewinner geehrte werden, die unter Mitschülern tatsächlich hohes Ansehen genießen, es gibt ein polenweites Schulranking, und die dort angesehensten Schulen vergeben die Bestnote 6 höchst selten. Wenn polnische Abiturienten dann mit ihrem ins deutsche Notensystem umgerechneten Schnitt von 2,2 an deutsche Unis gehen, stecken sie die deutschen Einserabiturienten locker in die Tasche. Wenn sie denn wegen ihres schlechteren Schnitts überhaupt einen Platz bekommen. Und sie müssen natürlich noch lernen, korrekt zu gendern, das wird im Polnischen auch nicht gemacht.)

    • Oma

      @knackwurst:

      Seit Jahrzehnten bekanntes Problem, habe ich oft von alten Freunden und Kommilitonen gehört, die an der Uni unterrichten. Asiatische Studenten oder die aus dem Ostblock wunderbar. Bei den deutschen Abiturienten hapert es hingegen nicht nur an den Vorkenntnissen, sondern vor allem an der grundlegenden Fähigkeit zum Lernen. Das Gehirn muss genauso trainiert wie Muskulatur und Herz-Kreislauf-System. Von vielen deutschen Gymnasien kommen schon lange nur noch Schlaffis.

    • Axel Schäfer

      @knackwurst:

      Gendern oder nicht ist sicher nicht für Erfolg und Misserfolg verantwortlich.



      Ich schätze mal die werden dort auch nicht so früh aussortiert.



      Wo gehen denn die Spitzenabiturienten die nicht in der Heimat studieren, denn so hin, eher nach Europa oder in die USA oder nach Kanada? Da gibt es ja oft auch Rückkopplungen..

      • JSch

        @Axel Schäfer:

        Dass eine uberspitzung war um auf die seiner Meinung nach falschen Prioritäten hinzuweisen ist Ihnen doch klar.

  • behr Behr

    Ich bin kein Bildungsexperte und arbeite nicht in dem Bereich.



    Deshalb die Fragestellung: kann es sein, dass in anderen Ländern/



    Gesellschaften Bildung einen anderen gesellschaftlichen Stellenwert



    hat als in Deutschland. Wie kommt es, dass wir steigende Schulabbrecherquoten von inzwischen in manchen Bundesländern von über 10% zulassen, obwohl damit für viele junge Menschen



    ein Leben in prekären Verhältnissen vorprogrammiert ist.



    Permanent haben Themen um bezahlbares Wohnen praktisch



    Alleinstellungsmerkmal, Bildung läuft unter „ferner liefen“

    • nihilist

      @behr Behr:

      Woran die Abbrecherquoten liegen, steht im Artikel und wird in den Studien seit 25 Jahren lang und breit analysiert. Gibt's Evidenz für die These vom gesellschaftlichen Stellenwert? Dann raus damit. Gefühlte Wahrheiten bringen uns nicht weiter.

      • Oma

        @nihilist:

        Dass das von der Fachwelt analysiert wird, sagt nichts über gesellschaftliche Relevanz und Interesse der Politik aus. Fachwelt = Bubble. Ich höre täglich Nachrichtensender der unterschiedlichsten Länder. Insbesondere in den skandinavischen Ländern ist Bildungspolitik ständig in den Medien präsent, es gibt laufend Fernseh-Debatten mit Beteiligung von Politikern, Schülern und Lehrern, ist Wahlkampfthema. Bei uns nur alle drei Jahre nach dem jüngsten Pisa-Schock, mal einen Tag lang.

    • Desdur Nahe

      @behr Behr:

      Ich möchte mal Eindrücke einer Bekannten aus dem Bildungsbereich wiedergeben, auch wenn das in unserer Bubble eigentlich nicht gesagt werden darf:



      Ein häufiger Grund ist der Mindestlohn: 2.224 Euro brutto im Monat (40 Std./Wo.) ist für viele Schülerinnen und Schüler sehr viel Geld und reicht locker für ein schönes Leben (oder zumindest für das, was man sich in dem Alter als schönes Leben so vorstellt). Und das geht auch ohne Schulabschluss und Ausbildung. Bei einem großen Discounter steigt man ungelernt mit 15 Euro/Std. ein und mit etwas Erfahrung bis fast 19 Euro/Std.

    • Benzo

      @behr Behr:

      Natürlich ist das so. In vielen Ländern hat Bildung einen höheren gesellschaftlichen Stellenwert, und Eltern fordern die schulischen Leistung von ihren Kindern ein.

      In Deutschland gilt ein Satz wie „Ich war nie gut in Mathe“ dagegen fast schon als sympathische Selbstbeschreibung.

      Das sagt einiges über unseren Umgang mit Bildung aus.

  • DiMa

    "Ich versuche, solche Schü­le­r:in­nen genauso zu fordern wie diejenigen, die weiter sind." Schöne Aussage nur genau das ist der springende Punkt. Wie ganau macht der Lehrer das ohne dass die Klasse nicht insgesamt in Rückstand gerät. Im Regelunterricht ist doch gar keine Zeit, den Bildungsstau früherer Klassenstufen aufzuholen, schon gar nicht individuell. Wenn Klasse 11 einzelnen Kindern der Klassenstufe 4 oder 5 beigebracht werden muss, kann kaum ein Kind das Regelziel der Klasse 11 erreichen.

    Und da Corona eine weltweite Epedemie war, kann Corona kaum eine hinreichende Erklärung sein.

    "auch eine stetige Weiterbildung der Lehrkräfte – in der Arbeitszeit – Priorität." Die Betonung "in der Arbeitszeit" macht stutzig. Lehrer verwechseln Ferien oft mit Urlaub, dabei sind Ferien nur unterrichtsfreie Zeit, die unter anderem zur Weiterbildung genutzt werden soll. Ungeachtet dessen werden selbst Studientage in Berlin innerhalb der Unterrichtszeiten abgehalten.

    • Herma Huhn

      @DiMa:

      Bei so großen Defiziten, wie im Artikel als Beispiel gegeben, ist es natürlich schwierig. Aber es macht schon einen Ungterschied, ob man sagt: "Komm nächste Stunde früher, ich stell dir was zum Nachholen zusammen" oder: "Du bist zu doof, um hier mitzumachen, geh besser"



      Und dass Corona eine Mitursache war, erkennt man schon daran, dass die Leistungen deutscher Schüler massiv gesunken sind, die internationale Platzierung aber nicht.



      Und noch was: Ferien werden in Deutschland dadurch für Lehrer zur freien Zeit, weil die Wochenstunden während der Schulzeit entsprechend viele sind, dass freie Ferienwochen benötigt werden, um den Schnitt wieder runterzuziehen. Es mag Lehrer geben, die zu wenig machen, solange es keine (von den meisten Lehrern geforderte) Zeiterfassung gibt, werden wir aber nicht rausfinden, wie viele das wirklich sind.

      • DiMa

        @Herma Huhn:

        Wenn und soweit individuelle Förderungen vor oder nach dem Unterricht stattfinden schön und gut, nur gerade das wird in der Regel nicht gemacht.

        Die Arbeitszeit von Lehrern auf dem Gymnasium mag wegen komplexer Aufgabenstellungen hoch sein, auf der Grundschule ist sie es nicht.

        Ja, eine Zeiterfassung wäre gut.

    • Axel Schäfer

      @DiMa:

      In der integrierten Gesamtschule (1200 Schüler), die ich bis zur 10. in1981 besucht habe funktionierte das gut, wer irgendwo Defizite hatte wurde gefördert* und alle wurden mitgenommen, auch ohne die stärkeren Schüler zu bremsen, dazu waren die überwiegend guten und motivierten Lehrkräfte jederzeit in der Lage zu differenzieren. Da ist keiner auf der Strecke geblieben.

      *) wenn man Pech hatte auch mal Latein Förderunterricht nullte Stunde, wenn man dann wieder eine Stunde länger schlafen will, dann kann das auch zu mehr Leistung motivieren :-)

      • DiMa

        @Axel Schäfer:

        Im Jahr 1981 war die Schülerschaft insgesamt viel homogener und die Situation von damals ist mit der heutigen Situation nicht mehr ansatzweise vergleichbar. Meine Kinder haben die gleiche Grundschule besucht wie ich (Schulbesuch 1982-1988) und es war ein Unterschied wie Tag und Nacht.

        Insbesondere in Berlin macht sich die Abschaffung der Hauptschule noch heute bemerkbar (zu Lasten der Realschüler).

  • Aurego

    Wir brauchen vor allem engagiertere, besser ausgebildete und motivierte LehrerInnen, wahrscheinlich solche wie Herrn Brand, müssen diesen Lehrkräften dann aber auch die Freiheit zugestehen, für ihre SchülerInnen einen interessanten und motivierenden Unterricht zu gestalten, der deren Bedürfnisse im Blick hat, nicht jedoch durch viel zu engmaschige Lehrpläne in ein Korsett gezwängt wird, das letztlich bei den Lehrkräften zu Frustration und bei den SchülerInnen zu Langeweile und Desinteresse führt.

  • Christine_Winterabend

    "Die Länder unterstreichen damit, was die internationale Forschung schon länger zeigt: In Ländern ohne frühe Aufteilung werden die Unterschiede zwischen starken und schwachen Schü­le­r:in­nen im Laufe der Schulzeit tendenziell kleiner." Das ist keine besonders neue Erfahrung internationaler Forschung, sondern hätte zur Wendezeit recht einfach von ostdeutscher Pädagogik übernommen werden können, zusammen mit anderen hier zitierten erfolgreichen Schulkonzepten. Auch Großeltern im Osten erinnern sich heute noch an die Schulzeit ihrer Kinder und würden sich freuen, damit zu besseren Bedingungen für ihre Enkelkinder im Detail beitragen zu können. Vielleicht sogar zur internationalen Forschung. Leider werden wohl auch und gerade AfD-Regierungen daran kein Interesse haben, aber eben leider gilt das eben seit Jahrzehnten auch für CDU und SPD.

    • Axel Schäfer

      @Christine_Winterabend:

      Eine Bedarfs- und Gesinnungsquote wie in der DDR fände die AgD sicher gut, Funktionärskinder und ein paar die man braucht und der Rest kann doof bleiben.

      • Christine_Winterabend

        @Axel Schäfer:

        War klar, dass die Gesinnungskeule den ganzen Rest erschlagen wird, und auch dafür hat sich das gegenwärtige Schulsystem bewährt: Jeder glaubt, er weiß was, und keiner weiß wirklich was. Übrigens: Merkael war eine Pfarrerstochter und hat trotzdem Physik studiert, und es gibt mehr aus dieser Ecke. Zudem gilt auch für die DDR nicht 50er = 60 = 70er = 80er und es gilt auch nicht, dass Nicht-Funktionöre politisch und fachlich praktisch nicht gelebt haben. Aber um das zu erklären, müsste es in Geschichte wenigstens mal drankommen.

    • elektrozwerg

      @Christine_Winterabend:

      "In Ländern ohne frühe Aufteilung werden die Unterschiede zwischen starken und schwachen Schü­le­r:in­nen im Laufe der Schulzeit tendenziell kleiner."

      Die starken Schueler haben genauso das Recht im Rahmen ihrer Faehigkeiten gefoerdert zu werden wie die schwachen Schueler. Bildung sind keine Steuern, wo die Starken den Schwarchen was abgeben, also umverteilt wird. Wenn die Unterschiede kleiner werden ist das ein Hinweis dafuer, dass die Starken eben nicht entsprechend gefoerdert werden und man sich auf niedrigerem Niveau trifft, wie die PISA-Zahlen regelmaessig belegen. Meiner Meinung nach eine Folge der Verwechselung von Chancengleicheit und Ergebnisgleichheit,

      Man koennte jetzt sarkastisch anmerken, je schlechter die PISA-Ergebnisse desto besser die Noten - aber eigentlich ists nur noch zum Heulen. Eigentlich kann man nur darauf hoffen, dass eine gute Schuldbildung aufgrund der KI ueberfluessig wird. Vielleicht reichts ja auch wenn die Chinesen die KI verstehen, die wir nutzen werden.

      • Westlahn

        @elektrozwerg:

        "Die starken Schueler haben genauso das Recht im Rahmen ihrer Faehigkeiten gefoerdert zu werden"



        Unbedingt. Aber starke Schüler werden i.d.R. nicht schwächer wenn auch schwächere in der Klasse sind, es hat durchaus Potential zusätzliche andere Fähigkeiten zu fördern als stumpfes lernen.



        Aber es braucht ein Angebot für die SchnellmerkerInnen. Langeweile sollte nicht vorkommen. Merkwürdig eigentlich dass sich das system damit offenbar schwer tut, denn wirklich lerngierige und talentierte Menschen zu unterrichten ist eine Lust, macht Spaß. Macht glücklich.

        • elektrozwerg

          @Westlahn:

          Sie haben 2 Klassenzimmer. In dem ersten haben sie einen Lehrer und 30 Schueler auf dem gleichen Level.



          Im anderen haben Sie einen Lehrer und 30 Schueler mit unterschiedlichem Level.



          In welchem Klassenzimmer stehen die Chancen in der alltaeglichen Praxis hoeher, dass alle Schueler der jeweiligen Klasse entsprechend ihrer individuellen Faehigkeiten gefoerdert werden?



          Fuer mich ist die Antwort offensichtlich. Ich wuerde das als Bildungsgerichtigkeit beschreiben.



          Eine andere Frage ist, wie durschlaessig die Einteilung ist und wie denen geholfen wird, deren Faehigkeiten durch ihr Umfeld zurueckgehalten werden. Das nenne ich mal Chancengerechtigkeit.



          Man wird letzteres nicht auf Kosten von ersterem verbessern.



          Chancengleichheit wird es nie geben, kann es nie geben, darf es letztendlich auch nicht geben, da sie nur durch ein extremes Ausmass an Ungleichbehandlung erlangt werden kann, welches weit ausserhalb von Grund- und Menschenrechten liegt.

    • Oma

      @Christine_Winterabend:

      Das Schulsystem fällt unter die Kulturhoheit der Länder. Die Bundesländer mit frühzeitiger Trennung nach Schulform schneiden beim innerdeutschen Leistungsvergleich besser ab. Das macht es eher unwahrscheinlich, dass sie sich auf ein integriertes Schulsystem umstellen werden. Insbesondere Bayern wird am klassischen Schulsystem festhalten wollen.

      • Axel Schäfer

        @Oma:

        Die Märchen hören wir schon seit Jahrzehnten, während wir im internationalen Vergleich so vor uns hindümpeln oder abfallen. Hauptsache die Union hält an der Klassengesellschaft fest, damit ihre "konservativen" Fans sich weiter für was Besseres halten können. Aber wer zu spät kommt den bestraft das Leben und wer Bildung durch Segregation zum knappen und exklusiven Gut macht steht irgendwann ohne Fachkräfte da.

        • Oleg Fedotov

          @Axel Schäfer:

          Das Märchen vom gemeinsamen lernen hören wir aber auch schon genau so lang.



          In der Schweiz erfolgt auch eine Segregation in ein mehrgliedriges Schulsystem und auch eine Gliederung in die einzelnen Kantone. Und trotzdem ist die Schweiz im Vergleich sehr weit vorne zu finden.



          Der Fehler liegt wohl eher bei den Work-Life Balance-Eltern, der Anti-Leistungs Gesellschaft, den nicht mehr motivierten Lehrkräften und daran, das jedes Jahr eine neue (Methodik-)Sau durchs Dorf getrieben werden muss. Und die Kinder müssen dieses Unvermögen ausbaden.

      • Christine_Winterabend

        @Oma:

        Besser ist relativ, und die Länder untereinander zu vergleichen ist angesichts der Pisa-Ergebnisse hier wohl nicht gefragt. Statt dessen sollte man sich mal fragen, ob es dem Bildungsniveau nicht besser tun würde, die Bildungsausgaben nicht in 16+1 Schulsystemen samt den anhängenden Schulbehörden zu verplempern.

    • rero

      @Christine_Winterabend:

      Die AfD bedient gerade in Sachsen-Anhalt gerne das Ostalgie-Gefühl.

      Da könnte auch die Schulbildung in diese Richtung gehen.

      Was veranlasst Sie zu der Gegenannahme?

      • Axel Schäfer

        @rero:

        Die wollen doch sogar die Schulpflicht einschränken, da reicht dann irgendwann wenn man ein paar völkisch-germanische Gedichte aufsagen kann und man kann als Hilfsarbeiter bei Onkel Chrupalla für 5€ die Stunde 12 Stunden schaffen gehen. Läuft doch.

        • rero

          @Axel Schäfer:

          Da bedient die AfD ein bestimmtes Wahlklientel.

          Das sagt aber noch nicht aus, in welche Richtung sie Schule organisieren wollen.

      • Christine_Winterabend

        @rero:

        Ich habe nichts Gegenteiliges angenommen, sondern etwas angeboten. Inspiriert hat mich allerdings tatsächlich die momentan wieder allseits geäußerte Verwunderung über die Beweggründe von ehemaligen Ossis, sich in ihrem eigenen Land weder gehört noch vertreten zu fühlen.



        Ich hoffe sehr, dass die Bildungspolitik nie in die Hände der AfD gerät, außerdem hoffe ich, dass als Erbe des Erfahrungsaustausches mit skandinavischen und baltischen Ländern vor der Wende, mit denen wir seinerzeit unsere Erfahrungen geteilt haben, vielleicht doch einiges davon wiederbelebt werden kann. Speziell mit Finnland gab es damals gemeinsame Strategien.



        Es geht hier nicht um Ostalgie, sondern darum, dass man sich nach der Zerstörung unseres damaligen Bildungssystems nicht etwa schämt, was man daraus gemacht, sondern immer noch auf uns herunterschaut.

        • Oma

          @Christine_Winterabend:

          Ich habe nach der Wende sehr viele Kollegen aus den neuen Bundesländern und dem Ostblock gehabt. Sehr viele unterschiedliche Schicksale. Es gab eine ganze Reihe, die nicht studieren durften, weil ihre Eltern keine Parteimitglieder waren oder den falschen ethnischen Hintergrund hatten. Sie haben dann in der BRD auf dem zweiten Bildungsweg Abitur und Studium nachgeholt. Wer von einem mathematischen Gymnasium der DDR kam, war klasse, viel pfiffiger als manche westdeutschen Uni-Absolventen. Aber es kamen auch einige Leute aus den Ostblockländern, bei denen ich mich gewundert habe, wie sie einen MINT-Abschluß geschafft haben. Das waren oft sehr angepasste Leute, die jede fragwürdige Managemententscheidung ostentativ bejubelt haben. Ich habe mich des öfteren gefragt, ob diese Fähigkeit vielleicht beim Ergattern eines Studienplatzes geholfen hat. Parteibuch, Beziehungen? Ist jetzt Spekulation meinerseits, ich habe da keine Fragen gestellt, delikates Thema.

  • Sandro Heitz

    Aufgrund meiner Erfahrungen in meinem Berufsalltag, möchte ich anfügen, daß es ein Skandal ist, daß Lehrer allein vor einer Klasse stehen. Alleingelassen bist du irgendwann in einem Tunnel und siehst die Probleme nicht mehr.



    Zum anderen wäre es gut, wenn wir echte Nachmittagsbetreuung hätten, ordentliche Schulspeisung und viel, viel, viel mehr Sportangebote.



    Zuletzt möchte ich darauf hinweisen, dass Schulen am frühen Morgen eigentlich nur gemeinsames Schlafen oder Sport anbieten sollten. Zwischen sieben und neun geht doch eh nichts für Teenager.

  • Nachtsonne

    Ich mag ein Einzelfall sein, aber bei den "Gemeinsames Lernen" Aktionen, die ich erleben durfte, habe ich früher keinen Finger krumm gemacht. Meine damaligen Lehrer (80er Jahre) haben damals das Niveau in Mathematik soweit gesenkt, bis auch der Letzte keine 5 hatte. Ergebnis: Kaum einer hat etwas gelernt. An der Uni musste ich das fehlende Wissen in kurzer Zeit nachholen. Für mich war das machbar, für einige andere nicht. Ergebnis: Abbruch des Studiums, gescheitert, Platz im Hörsaal verschwendet. Für mich selbst war es heute wichtig meine Kinder auf Gymnasien möglichst ohne Kinder mit Förderbedarf unterzubringen. Ergebnis: Wer das Niveau senkt fördert auch die soziale Trennung.

    • Axel Schäfer

      @Nachtsonne:

      Wo konnten denn Lehrkräfte von sich aus das Niveau senken?

      • John Zoidberg

        @Axel Schäfer:

        naja, im Grunde ganz einfach. Ich bin durch Umzug in der 10. Klasse in eine neue Schule gekommen, Gymnasium wohlgemerkt. In meiner neuen Klasse hat man das Französisch Lehrbuch der 7. Klasse ausgeteilt und in Mathe den Satz des Pythagoras besprochen. Die Lehrer und Lehrererinnen haben ihr Tempo und ihren Anspruch einfach dem Niveau der Klasse angepasst. Jemanden sitzenbleiben zu lassen oder gar aus der Klasse rauszuprüfen, war absolut tabu. Das war für die besseren in der Klasse natürlich cool, denn das Zeugnis sah 1a aus. Ob man dabei das nötige Wissen für Oberstufe und eventuelles Studium mitbekommen hat - naja, eher nicht.

        Ich bin dann ab der 11. Klasse auf eine andere Schule gegangen, dort war die Ansage genau das Gegenteil. Dem Lehrpersonal war es egal, wie viele in ihren Klassen am Schuljahresende noch da waren. Wer nicht mitkam, dem wurde nahegelegt, die Schule zu verlassen. Wer nicht die gewünschte Leistung bringen konnte oder wollte, bekam halt ein entsprechend schlechtes Zeugnis. In meinem Jahrgang haben 75% die Schule ohne Abitur verlassen.

        Beides ist irgendwie nicht ideal, keine Frage.

        • Nachtsonne

          @John Zoidberg:

          Letztendlich genau das gleiche Erlebnis wie bei mir. Am Ende holt einen die Realität ein, wenn notwendiges Können nur auf dem Papier steht.

    • Aurego

      @Nachtsonne:

      Wir haben uns das fehlende Mathewissen aus Büchern selbst angeeignet. Mit heutigen Mathebüchern ist das leider schwierig, da sie immer weniger zum Selbsstudium geeignet sind (voll von buntem Chaos), aber wir hatten zum Glück noch die unserer Eltern.

      • Westlahn

        @Aurego:

        Da könnte das Internet ja helfen. Gut gemachte (!!!) Lehrvideos online stellen, nicht zwischen den Millionen Ablenkungen gesteuert durch zweifelhafte Algorithmen. Es gibt einige SchülerInnen die damit gut zurecht kommen, wenn sie die für sich passende Variante eines Themas gefunden haben.

        • Nachtsonne

          @Westlahn:

          Die Frage ist doch, was läuft in den Schulen falsch, wenn die schlauen Kinder sich mittels KI und YT selbst Fortbilden und der Rest abgehängt wird?

        • Aurego

          @Westlahn:

          Machen die engagierten und intelligenteren Schüler jetzt schon. Es gibt sehr gute Tutorials, meist auf Englisch, aber auch das verstehen die guten SchülerInnen ja heute besser als früher.

          • Nachtsonne

            @Aurego:

            Und das Mittelmaß wird abgehängt weil die Kombination aus Schule/ Elternhaus es nicht auf die Reihe kriegt.

            • Aurego

              @Nachtsonne:

              Das Mittelmaß ist seit mindestens 500 Jahren abgehängt.