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In Zeiten der Zeitenwende Wir sind nicht die Guten

Kommentar von

Wolfgang Müller

Eine neue Friedensbewegung wäre dringend notwendig. Viel zu lange wurde das Thema moralisch selbstgewiss den Falschen überlassen.

W enn man in Deutschland auf die siebzig zugeht, schaut man auf eine lange Zeit des Friedens zurück. Manchmal sehe ich jetzt 30-Jährige oder 3-Jährige und frage mich: Werdet ihr Krieg erleben? Wohin man schaut, Werbung für die Bundeswehr, Artikel über Zivilschutz, die geringe Zahl an Bunkerplätzen, die Bedrohung durch Russland. Und eine nie da gewesene Aufrüstung: 600 Milliarden Euro werden in Deutschland recht geräuschlos bis 2029 dafür bereitgestellt. Zum Vergleich: Die „Rente mit 63“ kostet pro Jahr 10 Milliarden. Habe ich zu viel Geschichte studiert, wenn mir der Gedanke kommt: „Es fühlt sich an wie eine Vorkriegszeit“? Und es könnte kommen, wie es schon manchmal kam: Alle fühlen sich im Recht – und dann beginnt das Grauen.

Wolfgang Müller

war bis 2020 Redakteur für Zeitgeschichte beim NDR. Zuletzt erschien im Kröner-Verlag sein Buch: „Das Rätsel Rudolf Steiner. Irritation und Inspiration“.

Aber sind „wir“ nicht wirklich im Recht? Das Kernargument wurde gleich nach dem russischen Angriff auf die Ukraine formuliert: Dieser brutale Bruch des Völkerrechts bedeute eine „Zeitenwende“, die regelbasierte internationale Ordnung werde von Russland zerstört. Und weil die Schuld so offenkundig war, musste man sich nicht länger mit der Frage aufhalten, wann und wo eigentlich diese regelbasierte Ordnung je existiert habe.

Eine Chronik von Völkerrechtsbrüchen

Dabei ist auch die jüngere Geschichte des Westens eine Chronik von Völkerrechtsbrüchen, vom Vietnamkrieg über den Einmarsch im Irak und die über Jahrzehnte tolerierten Völkerrechtsbrüche Israels bis zum jüngsten Angriff auf den Iran. Die zynische Formel lautet: Der Westen steht fest zur regelbasierten Ordnung – solange es um die andere Seite geht. Diese Doppelmoral erklärt auch die viel beklagte Tatsache, dass der Globale Süden nach Putins Überfall auf die Ukraine recht unbeteiligt reagierte. Natürlich spielen da auch Abhängigkeiten von Russland mit hinein, vor allem aber ein klarer Blick dafür, dass der Westen nicht in der moralischen Position ist, anderen in diesen Fragen Belehrungen zu erteilen.

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Die taz ist eine unabhängige, linke und meinungsstarke Tageszeitung. In unseren Kommentaren, Essays und Debattentexten streiten wir seit der Gründung der taz im Jahr 1979. Oft können und wollen wir uns nicht auf eine Meinung einigen. Deshalb finden sich hier teils komplett gegenläufige Positionen – allesamt Teil des sehr breiten linken Meinungsspektrums.

Seltsam, wie wenig diese simplen Tatsachen im dominierenden Diskurs hierzulande vorkommen. Der folgt wie benommen seinem Wir-sind-im-Recht-Mantra. Im Internet aber hört man dann all die anderen Stimmen. Es sind, neben manchen verrückten Stimmen, auch maßvolle, erfahrene, besorgte. Etwa die eines Günter Verheugen, Klaus von Dohnanyi, Jeffrey D. Sachs. Dass der eine mal als fähiger EU-Kommissar galt, der andere als intellektueller Lichtblick des deutschen Politikbetriebs, der dritte als renommierter Ökonom und UN-Sonderberater, das alles zählt offenbar nicht.

Jetzt wird ihre komplette Argumentation damit abgefertigt, sie bedienten russische Narrative. Die Frage ist aber nicht, ob sie in jedem einzelnen Punkt recht haben – das haben andere auch nicht. Die Frage ist, ob ihre Argumente innerhalb dessen liegen, was in einem vernünftigen Diskurs zu besprechen wäre. Sie liegen weit innerhalb, werden aber dennoch kaum je ernsthaft erwogen.

Oder ist die Bedrohung so groß, dass die Reihen schärfer geschlossen werden müssen? Auch hier hilft ein Blick in die Wirklichkeit. Russlands Wirtschaftskraft liegt bei der Hälfte der deutschen, also einem Bruchteil dessen, was allein Mittel- und Westeuropa auf die Waage bringen. Gewiss kann ein Regime wie das Putins seine Ressourcen viel rabiater mobilisieren und auf Kriegswirtschaft umstellen. Dennoch stößt auch das an Grenzen.

So hat das Repräsentantenhaus in den USA gerade ein neues umfassendes Sanktionspaket gegen Russland verabschiedet. Russland selbst dürfte in absehbarer Zeit keinen Angriff auf die Nato riskieren, konstatierte unlängst selbst der Nato-Oberbefehlshaber in Europa Alexus Grynkewich. Das heißt nicht, dass von Russland keine Gefahr ausgehe, es ist nach wie vor eine Atommacht. Das Übrige aber, die hybriden Attacken, die Drohnenangriffe, muss man richtig einordnen: Asymmetrische Kriegsführung ist immer das Mittel der Schwächeren. Selbstverständlich muss man sich dagegen wehren.

Jenseits eines diffusen „Wir sind für Frieden“

Gerade jetzt wäre Zeit für eine neue Friedensbewegung. Nur – welche inhaltliche Richtung könnte sie haben? Jenseits eines diffusen „Wir sind für Frieden“? Es rächt sich, dass hierzulande über Jahre hinweg keine offene Debatte dazu stattfand. Und dass jeder Aspekt, der nicht in die westliche Binnenerzählung passte, als „rechts“ oder Putin-nah diffamiert wurde. Zugleich verursacht dies, indirekt und ungewollt, enormen Schaden für die politische Kultur: Gewisse relevante Fragen werden nur noch von „den Falschen“ gestellt, etwa von der AfD oder dem Narzisstenduo Sahra Wagenknecht und Oskar Lafontaine. Mit denen gemeinsam möchte man nicht mal für den Frieden sein.

Es fehlt eine internationale Friedensbewegung mit einer nüchternen, humanen, freiheitlichen Grundierung

Es ist ein Desaster. Es fehlt eine internationale Friedensbewegung mit einer nüchternen, humanen, freiheitlichen Grundierung. In Richtung Russland müsste sie unmissverständlich ein Ende des barbarischen Angriffs auf ein souveränes Land fordern. In Richtung Westen aber wäre ihr erster Leitsatz: Wir sind nicht die Guten. Wir sind mächtiger, es lebt sich bei uns angenehmer, aber die Arroganz des Westens muss an ein Ende kommen.

Es wäre keine Friedensbewegung der verträumten Art. Vielmehr hätte sie klare völkerrechtliche Maßstäbe. Zugleich aber einen pragmatischen realpolitischen Ansatz, der feststellt: Die mächtigsten Player dieser Welt, die USA, China und eben auch Russland werden sich noch für lange Zeit niemals wirklich Regeln unterwerfen. Das ist eine unerfreuliche Tatsache. Aber es ist eine, und keiner ist in der Position, dem anderen moralische Ansprachen zu halten. Auf dieser Grundlage kommt es schlicht darauf an, die gefährlichsten Potenziale einzuhegen und bei allen Unterschieden die Interessen der anderen Seite zähneknirschend zu berücksichtigen. So wie dies im Kalten Krieg über Jahrzehnte gelang.

Es gälte, wie es Gustav Stresemann, Außenminister der Weimarer Republik, einmal sinngemäß formulierte, mit heißem Herzen kühle Politik zu machen. Auf diese Weise könnten sich dann neue Wege für Gespräche und Verhandlungen öffnen und friedlichere Verhältnisse schrittweise in Reichweite kommen.

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98 Kommentare

  • Andreas_2020

    Die Menschen denken, dass Frieden gesetzt ist und wenn er nicht vorhanden ist, wenn es Krieg gibt, dann nicht hier, nicht in Deutschland und nicht in der EU. Das ist ein fataler Fehler. Die hohen Ausgaben für Rüstungsgüter und die sehr lückenhafte, öffentliche Diskussion über Militär und Sicherheit, machen es Rüstungsfirmen und Politikern leicht, Entscheidungen zu treffen.



    Die friedliche Ordnung seit 1945 war an bestimmte Faktoren gebunden, dazu gehört vor allem ein Pakt der USA/Canada mit europäischen Staaten (NATO). Heute ist das Bündnis expansiv richtung Osten und entsprechend rüstet Russland auf und definiert sich als bedroht. Bislang gab und gibt es keine Ansätze, den Kontinent eine neue Friedensordnung zu geben, besonders nach dem Angriffskrieg gegen die Urkaine gibt es praktisch keinerlei Idee einer Verständigung mehr. Diese Probleme verhindern, dass sich eine Friedensbewegung bildet. Dazu kommt, dass es an den Milieus für so eine Bewegung mangelt. Früher war diese Bewegung in den Arbeitnehmerschichten zu finden, heute organisierte die AfD sich Wählerstimmen bei Menschen, die Frieden wollen, indem sie so tut, als würde sie für Frieden eintreten.

    • Normalo

      @Andreas_2020:

      Sie drehen die Verhältnisse ein wenig auf den, Kopf, was die "expansive" Nato betrifft: Wenn Russland es nicht lassen kann, sich als gottgesandter Hegemon über seinen selbstdefinierten Vorgarten aufzuspielen, dann ist es wenig verwunderlich, wenn dieser Vorgarten eine Schwächephase nutzt, um zu neuen Ufern aufzubrechen. Man könnte der Nato vorwerfen, dass sie sich nicht "zur Wahrung von Russlands legitimen Sicherheitsinteressen" diesen Ländern verweigert hat. Aber mal ehrlich: Welche "legitimen" Sicherheitsinteressen hat Russland auf Territorium, das ihm nicht gehört?

    • Machiavelli

      @Andreas_2020:

      Die NATO ist nicht expansive nach Osten ausgerichtet und die Behauptung dass Russland sich bedroht fühlt während es Territorium von drei anderen europäischen Staaten besetzt, und gegen die Ukraine Völkermord rhetoric verwendet ist schon lächerlich.

  • Arne Babenhauserheide

    > die Arroganz des Westens muss an ein Ende kommen.

    Das würde auch bedeuten, Bedrohungen ernst zu nehmen.

    Und sich klar zu machen, dass eine Friedensbewegung nur dann Frieden erreichen kann, wenn es in allen beteiligten Gruppen Friedensbewegungen gibt.

    Was bedeutet, dass sie in die Meinungsbildung anderer Länder eingreifen muss.

  • Janix

    Auf keinen Fall die Rheinmetallaktionäre und US-Militärs päppeln, da wird teils Geld ausgegeben ohne Gegenleistung. Auch muss ein aufgerüstetes Deutschland sogar noch mehr in die europäische Abstimmung gehen. Europa ist seit Merkel/Schäuble eine ganz schwache Ferse der C-Union geworden.



    Und russische Kultur, russische Menschen bleiben und sollten nicht zu Teufelswerk deklariert werden.



    Beim brutalen Revisionisten Putin bin ich mir freilich da nicht ganz so sicher.



    Der Ukraine beistehen, statt Butscha durchgehen zu lassen, ist zweifelsohne richtig. Eine Verteidigung ohne USA zu denken und zu ermöglichen wird wohl nötig sein (ich rede von der NATO, nicht vom Hindukusch).

  • Auweiowei

    Die Rede von "den" Guten und "den" Bösen" oder gar von "den" guten und "den" bösen Deutschen - wo und von wem ist die eigentlich ständig zu hören?



    Es ist jedenfalls eine sehr substanzlose Rede, die zu pauschalen Zuweisungen führt und zu nichts anderem.



    Auf meiner Geburtsurkunde prangt noch das Hakenkreuz. Als Kinder riefen wir den patroullierenden und Kaugummi werfenden GIs zu: "Ami go home, nimm Adenauer mit!" - Waren wir böse?



    Später lauschte ich mit vielen anderen Friedensbewegten im Bonner Hofgarten den Worten Bölls. - Waren wir allesamt Gutmenschen?



    Zweimal in meinem Leben habe ich auf Unterarmen KZ-Nummern gesehen, einmal beim Onkel meiner damaligen französischen Freundin, als wir bei ihm eingeladen waren... Und einmal in Polen, als ich, von der Slowakei kommend, Wasser im Tank hatte und mir bzw. meinem VW-Bus geholfen wurde - über einer Grube mit zwei Brettern im Garten, wo ich mit dem Vater des hilfsbereiten Mechanikers saß...



    Weder ihnen noch mir selber wäre es in jenen (und vielen weiteren) Momenten in den Sinn gekommen, uns als "gut" oder "böse" zu bezeichnen. Allenfalls hatte ich für mich selber das dumpfe Gefühl, dass mir Gutes widerfuhr - ohne eigenes Verdienst.

  • Normalo

    Ja, die Frage, wes Lied jemand singt, liegt wirklich nahe, wenn dieses Lied eine solch absurde moralische Erbsenzählerei ist.



    Es mag ja sein, dass westliche Mächte - zu erheblichen Teilen auch mit entsprechendem Wählerauftrag - ihre blütenweiße Weste in Sachen "Regelbasierte Weltordnung" in den Schrank gehängt und gegen etwas mit Fleckentarn und einigen Blutspritzern (wenn auch heller Grundfarbe) eingetauscht haben. Großartige Erkenntnis: Wir sind alle keine Engel.



    Aber das hat NICHTS mit der wesentlichen Motivation für den 2022 eingetretenen Schwenk in der Sicherheitspolitik zu tun. Die ist ganz einfach, dass wir sehen, was den Ukrainern gerade geschieht - völlig unabhängig von ihrer individuellen oder kollektiven völkerrechtlichen Tugendhaftigkeit. Die ist dem (von lupenrein faschistischer Nationaldenke und einem Größenwahn, dessen Grenzen bislang sein Geheimnis bleiben, motivierten) Mann hinter der Aggression nämlich ebenso egal wie das Völkerrecht an sich. Der lacht sich über solch dekadentes Mimimi kaputt und freut sich über jeden aufrecht pazifistischen Gegenüber, der so deppert ist, seinem potenziell(!) überlegenen Militär aus Idealismus die Schlagkraft zu nehmen.

  • Uwe Kulick

    Google antwortet so "Ukraine und Russland als zentrale globale Exporteure liefern zusammen rund ein Viertel bis zu 30 Prozent des weltweiten Weizens." ... "Historischer Kontext: Damit sind die Preise zwar deutlich niedriger als beim Allzeithoch zu Kriegsbeginn 2022 (über 400 Euro), aber spürbar über dem Vorkrisenniveau."

    Ja, Historiker, die 2022 schon 2022 Historiker waren, erinnert euch an höchstselbst erlebte Geschichte, vonwegen "die viel beklagte Tatsache, dass der Globale Süden nach Putins Überfall auf die Ukraine recht unbeteiligt reagierte" - vonwegen! Das mit den Rekordpreisen war ein Aufreger für die GANZE Welt, verbunden mit der Sorge, dass Länder, die immer noch arme Entwicklungsländer waren in 2022, Hungersnöte erleiden könnten!!!

    IMHO läuft dieser Krieg auch deswegen, weil Putin die Ukraine als Konkurrent im Nahrungsmittelexport eliminieren und einverleiben möchte, weil er weiß, dass Lebensmittelengpässe auf der Welt immer neue Weizenrekordpreise einbringen und die Verdopplung des russischen Export auch dann noch mehr Einnahmen bringt, wenn das Klima dem Weizenanbau später kargere Erträge bringt!

    Stamokapmonopolputin, so brutal eiskalt ist sein politisches Kalkül!

    • Arne Babenhauserheide

      @Uwe Kulick:

      Die Schmetterlinge sangen noch: „Der Wind der durch den Weizen pfeift, weiß dass da mehr als Weizen reift, Börsenkurse, Weltmarktpreise, wachsen hier und Macht und Mäuse.“

      Sie meinten die USA, aber Russland spielt das „Spiel“ heute mindestens ebenso – inklusive geopolitischem Druck auf Staaten, die von den Weizenlieferungen abhängen.

  • test_name

    Man vergleiche Belarus mit der Ukraine. Was ist besser - Unterordnung unter den Verbrecher Putin oder Freiheitskampf mit Millionen Toten und Unbewohnbarmachung weiter Landesteile?







    Ich denke, Version Belarus ist besser. Putin wird irgendwann sterben und dann werden die Karten eh neu gemischt.







    Die Unterstützung der Ukraine war ein Fehler genauso wie die Einmischung in Libyen, Irak, Iran, Afghanistan etc.







    Im Nachhinein ist man klüger - oder auch nicht. Jetzt sind wir im Krieg mit Russland - wir lassen nur andere für uns kämpfen. Da müssen wir jetzt durch. Die Ukraine muss weiter unterstützt werden. Ein Sieg Putins wäre jetzt eine Katastrophe für ganz Europa.







    Trotzdem war die westliche Ukraine-Politik falsch.

    • Arne Babenhauserheide

      @test_name:

      Vielleicht solltest du die Leute in Belarus fragen, was sie besser finden.

    • Machiavelli

      @test_name:

      Putin will aber nicht sterben und investiert auch darin noch lange am Leben zu bleiben, und dann wären die Ukrainer Kanonenfutter für den nächsten Krieg geworden, mal davon abgesehen dass Zehntausende Ukrainer verschwunden worden wären, ihre Sprache und Kultur ausgelöscht worden wären etc. etc. Die Welt wird nicht besser durch abwarten und hoffen sondern das man für eine bessere Welt kämpft ja und manchmal muss man dafür mit der Waffe in der Hand kämpfen.

    • maestroblanco

      @test_name:

      Unterordnen oder Freiheitkampf? In den 70ern sagte man dazu: lieber Rot als tot oder umgekehrt. Niemals unterordnen in eine Verbrecherdikatur wie Russland.

    • Thutmerwe

      @test_name:

      "Man vergleiche Belarus mit der Ukraine. Was ist besser - Unterordnung unter den Verbrecher Putin oder Freiheitskampf mit Millionen Toten und Unbewohnbarmachung weiter Landesteile?"

      Als ob die Einwohner von Belarus groß eine Wahl gehabt hätten.

      "Ich denke, Version Belarus ist besser. Putin wird irgendwann sterben und dann werden die Karten eh neu gemischt."



      Nach Stalins Tod kam Chruschtschow, der wurde von Brezhnev abgelöst. Nach dessen SEHR langer Herrschaft kam Andropow... Sollen die Ukrainer wieder so lange warten, bis mal wieder zufällig ein Gorbatschow das sagen im Kreml hat? (Mal ganz abgesehen davon, daß sie die Millionen (Hunger-)Toten auch schon mal in Zeiten der Unterwerfug in den dreissiger Jahren des letzten Jh. hatten.)

      "Trotzdem war die westliche Ukraine-Politik falsch."



      Hier stimme ich ihnen mal zu. Man hätter eher und stärker helfen müssen.

    • Volker Scheunert

      @test_name:

      Verstehe ich nicht ganz: 2022 hätte man Putin die Ukraine zum Fraß vorwerfen sollen (wahrscheinlich mit den üblichen höflichen Bitten, doch die Menschenrechte zu achten), und heute nicht mehr? Wieso wäre "ein Sieg Putins ... jetzt eine Katastrophe für ganz Europa", damals aber nicht? Wo Putin doch "irgendwann" sowieso sterben wird?

  • Land of plenty

    Wer greift wen an? Wer muss sich verteidigen? Warum feiern Sie nicht den Sturz aller Diktaturen? Maidan gegen Janukowitsch - Lukaschenka - Georgien - genau wie alle anderen Regionen. Die Krim wird seit 100 Jahren russifiziert, Georgien steht seit 200 Jahren unter Russischer Herrschaft.



    Diese hohlen Phrasen wie "Arroganz des Westens" können nur an mir abprallen, weil sie nicht präzisieren wer in welcher Weise arrogant ist. Wer im Westen?



    Arrogant ist es vielmehr zu ignorieren, wie europäische Regierungen in Kontakt mit Regierungen des Südens und Ostens seit Jahrzehnten in Bittstellerposition gehen, um nur den Diktator nicht zu verärgern.



    Sanktionen, die nichts bewirken. von denen keiner der Diktatoren beeindruckt ist.



    Haben Sie den Besuch FW Steinmeiers in Tanzania mitbekommen? Es ging um die Anerkennung der Schuld für den Maji Maji Krieg 1905 und die Frage der Rückgabe der Schädel aus Knochensammlungen in Deutschland.



    Wer nicht so arrogant ist, unterstützt die ukrainische Bevölkerung in ihrem Überlebenskampf - praktisch.

  • Duplozug

    Dieser Text ist eine lange Wehklage. Mehr auch nicht. Der Westen ist nicht mehr das was er war.



    Auch haben nicht die NATO an allen Ecken dass Völkerrecht gebrochen sondern fast ausschließlich die USA. Dass der globale Süden sich nicht für die Ukraine interessiert, sagt auch nichts, aber auch gar nichts darüber aus ob irgendwas davon gerechtfertigt scheint wie die Wagenknecht so gerne von sich gibt. Sondern es bedeutet einfach, es ist ein europäischer Krieg der uns nichts angeht und im besten Fall Europa und Russland schwächt. Warum sollten sie eingreifen?



    Und das Russland Morgen nicht in Berlin stehen wird, behauptet auch niemand. Nur so lammfromm, und wehrlos wie hier Russland dargestellt wird ist auch schon fast peinlich. Also sollen wir tolerieren bzw vor Angst erstarren, wenn hin und wieder ein paar Flugzeuge bei uns von Himmel geholt werden? Oder müssen wir das erst ernst nehmen wenn bei so einem Anschlag Menschen sterben? Und bis dahin was? Russland einfach geben was es will so wie die AfD und Wagenknecht das will?

  • Joachim Petrick

    Bis 2029 fließen 600 Milliarden € Sondervermögen am Budgetrecht vorbei. Es herrscht Vorkriegszeit: EU hält per Kreditkarussell Ukraine-Support in S chwung. Das gleicht FED um J.P. Morgan, P. Warburg ab 1913, die Entente Aufrüstung auf $Basis vorfinanzierten. Als das Empire 1916 zahlungsunfähig wurde, drohte das US-Finanzsystem zu kollabieren. Wilson brach seinen Neutralitäts-Act, trat in den Weltkrieg ein rettete US-Finanzen. Genau das droht neutralenEU, Deutschland: Kriegseintritt aus Systemzwang durch dWette auf Ukraine-Siegfrieden, eigenes Finanzwesen zu retten.



    Dass Russland allein die „regelbasierte Ordnung“ zerstört, greift zu kurz. USA, EU ignorierten UNO, Strafgerichtshof, verzichteten auf Maklerrolle, bliesen regelbasierten Politik das Licht aus. Die Kritiker sind befangen: Verheugen war als EU-Kommissar Teil des Problems, Dohnanyi denkt rein national, Sachs scheiterte 1993 bei Jelzin. Weil nun AfD, Wagenknecht, Lafontaine die relevanten Fragen stellen, verweigert das Establishment Diskurs. Wer mit den „Falschen“ keinen Frieden wagt, will keinen Frieden. Wie Kanzler G, Stresemann, der 1923 Völkerbund betrog, indem er Kronprinz Wilhelm ohne Prozess Weg aus dem Exil bahnte

    • Joachim Petrick

      @Joachim Petrick:

      Akteure wie Jeffrey Sachs (der 1993 als Berater unter Jelzin den wirtschaftlichen Kollaps Russlands miterlebte), Klaus von Dohnanyi oder Günter Verheugen benennen zwar Systemfehler, sind aber durch ihre eigene Vergangenheit im Establishment befangen. Wenn kritische Fragen deshalb nur noch von Rändern wie der AfD, Sahra Wagenknecht oder Oskar Lafontaine gestellt werden, entsteht eine moralische Blockade: Wer aus Prinzip nicht „mit den Falschen“ für den Frieden stimmen will, instrumentalisiert die Moral, um die eigentliche Debatte zu verweigern.



      Reichskanzler Gustav Stresemann gilt heute als großer Friedensnobelpreisträger und Demokrat. Doch 1923 beging er kalkuliertes Täuschungsmanöver gegenüber den Alliierten und dem späteren Völkerbund: Er ermöglichte dem im Exil lebenden, glühend nationalistischen Kronprinzen Wilhelm von Preußen die Rückkehr nach Deutschland. Eigentlich stand Wilhelm auf der alliierten Liste der Kriegsverbrecher und sollte vor Gericht gestellt werden. Stresemann schützte ihn bewusst vor der Justiz, um die monarchistischen und rechtsnationalen Kräfte im Inland zu



      Damals wie heute bestimmen Überleben Kreditkarusssells taktische Täuschungen die sog Realpolitik

  • Westlahn

    Mit seiner Ahnung über eine Vorkriegszeit wie vor 100 Jahren wird Herr Müller wohl recht behalten. Ich denke, es wird nicht bis 2039 dauern, bis es kracht.



    Ja, es mag stimmen, das Russlands Wirtschaft in den üblichen Vergleichsrechnungen etwa wie Italien rauskommt. Aber Putin stellt sein Wirtschaftssystem auf Kriegswirtschaft um - das sind langfristige Entscheidungen, die mit einem wie-auch-immer gearteten Ende des Ukrainekriegs nicht verschwinden. Und Russland ist nicht allein: Es hat die Wirtschaftskraft Chinas im Rücken - fast ebenso wie Israel die Ressourcen der USA benutzen kann. Russland ist abhängiger Juniorpartner, gewiß. Aber der Konflikt den China gegen den Westen betreibt ist auf Jahrzehnte angelegt. Russland kann da ebenso eingesetzt und ggf verheizt werden wie Putin es mit den nordkoreanischen Soldaten macht. Russland wird vielleicht noch ärmer werden, als es schon ist: Für alles andere hat es zu viele Atomwaffen. Das zählt immer noch. Und für China wäre ein irgendwie "westlicher" gewordenes Russland eine Horrorvorstellung.

  • elektrozwerg

    "Habe ich zu viel Geschichte studiert, wenn mir der Gedanke kommt: „Es fühlt sich an wie eine Vorkriegszeit“? Und es könnte kommen, wie es schon manchmal kam: Alle fühlen sich im Recht – und dann beginnt das Grauen."

    Nein, das haben Sie nicht, aber viele lassen sich von der verbreiteten Panik, der Russe stehe bald vor der Tuer, ablenken. Gegner dieser irrwitzigen Aufruestung werden als Verraeter und Putinfreunde diffamiert, wie die Gegner des Vietnamkriegs alle Kommunisten waren. Es wird nicht mehr lange dauern bis die Deutsche Frage erneut aktuell ist und dann will es wieder keiner gewesen sein. Wir sind anscheinend unfaehig zu verstehen, dass mit Deutschland keiner Krieg spielen moechte, wenn wir zuvor nicht angreifen.



    Natuerlich braucht es ein gewisses Mass an Abschreckung wie es auch die Kapazitaet benoetigt, im Notfall irgendwelche Schlaechter auf der Welt in die Schanken zu weisen, aber dann bitte eingebettet in eine europaeische Stuktur und nicht als deutscher Alleingang.

    • Agarack

      @elektrozwerg:

      Es ist kein deutscher Alleingang. Mehrere europäische Länder haben vergleichbare Rüstungsprogramme angekündigt. Frankreich und Großbritannien zum Beispiel.

      Der Grund, warum sich die Zeit wie eine "Vorkriegszeit" anfühlt, ist zudem nicht unsere eigene Aufrüstung, sondern, dass wir jetzt - nicht sehr weit entfernt - wieder eine Macht östlich von uns haben, die immer wieder ganz offen damit droht, uns anzugreifen bzw. zu vernichten, unsere Städte zu zerstören und unsere Infrastruktur auszuschalten. Das ist - wieder - eine neue Entwicklung. Ich verstehe nicht, warum der erste Instinkt stattdessen zu sein scheint, es ginge darum, dass man selbst Krieg führen wolle - als wäre die SPD über Nacht zu einer imperialen Partei mutiert.

      • elektrozwerg

        @Agarack:

        "Es ist kein deutscher Alleingang. Mehrere europäische Länder haben vergleichbare Rüstungsprogramme angekündigt. Frankreich und Großbritannien zum Beispiel."

        GB hat jahrzehntelang jeden Ansatz einer EU-Armee blockiert und ist nicht in der EU, Frankreich ist so hoch verschuldet wie vor 50 Jahren. Am ehesten waere Polen ein Partner.

        Nehmen wir Merz beim Wort und Deutschland hat irgendwann die groesste konventionelle Armee Europas, groesser als die Ukraine, groesser als die Tuerkei, groesser als Russland und natuerlich groesser als GB, Frankreich, Italien und Polen. Die NATO ist zerfallen, die EU zum Wirtschaftsraum degradiert, eine EU-Armee ein feuchter Traum und die AFD regiert in Deutschland. Dieses Szenario ist nicht aus der Luft gegriffen, es ist eine nicht unwahrscheinliche Fortscheibung der derzeitigen Entwicklungen. Glauben Sie wirklich es waere nicht erneut die Deutsche Frage die dann in Europa ueber Krieg und Frieden entscheidet?

        Um die groesste konventionelle Armee Europas zu haben braucht es einen militaerisch-industriellen Komplex, der andauernd gefuettert werden muss. Die Kriege kommen dann von ganz alleine.

        • Machiavelli

          @elektrozwerg:

          Niemand sagte je größte, Merz sprach mal von der stärksten . Daraus irgendwie eine Gefahr für Europa zu konstruieren ist in der derzeitigen Lage schon sehr gewagt.

    • Machiavelli

      @elektrozwerg:

      Bundeswehr ist in NATO und EU Verteidigungsstrukturen eingebunden, gibt da null alleingänge. Es geht auch derzeit nur darum das Level an Abschreckung zu erreichen das für einen Putin notwendig ist. Aber 1.5 Millionen kampferfahrene russische Soldaten schreckt man nicht mit der Bundeswehr prä-2022 ab, da braucht es sehr viel Geld.

  • nihilist

    "Das Kernargument wurde gleich nach dem russischen Angriff auf die Ukraine formuliert: Dieser brutale Bruch des Völkerrechts bedeute eine „Zeitenwende“, die regelbasierte internationale Ordnung werde von Russland zerstört."

    Das ist das Wachs-Argument für die Wolfgang Müllers, die eeinfach auf ihre alten Tage nicht mehr einsehen können, dass es nicht mehr so ist wie als sie in Bonn gegen den NATO-Doppelbeschluss demonstriert haben.



    Das Kernargument ist: Russland ist noch aggressiver als alle dachten und es reicht nicht aus, Gespräche zu führen und das Beste zu hoffen.

  • Marvienkäfer

    Ich frage mich, was der Autor zu den Linken, den Gazaprotesten und den Schulstreiks gegen die Wehrpflicht denkt. Ich habe das Gefühl, er übersieht sie, oder hält sie nicht für "freiheitlich". Was etwas lustig wäre, weil "Free Palestine", die Freiheit, nicht eingezogen zu werden und generell die Freiheit von kapitalistischer Ausbeutung doch selbstredend auch "freiheitliche" Positionen sind. Vielleicht ist der Autor aber auch unbewusst klassisch bundesdeutscher Antikommunist, und traut sich nur nach links zu blicken, wenn er das Gesehene ablehnen kann. Oder er hält seine Leserschaft dafür. Beides wäre etwas traurig für eine Tageszeitung, die sich selber als "links" bezeichnet.

  • wortwart

    Guter Impuls, die Friedensbewegung den Putin-Fans zu entreißen. Trotzdem bin ich skeptisch.

    Erst mal: Unter sehr vielen, die heute meist mit wenig Begeisterung für Aufrüstung sind, herrscht ein Bewusstsein darüber, dass "wir" (= der Westen) trotz seiner propagierten Werte von Vietnam- bis Afghanistankrieg oft auf der ethisch falschen Seite stand und steht. In Deutschland ließ sich dieses Bewusstsein komfortabel mit dem latenten Antiamerikanismus verbinden, und weil die Bundesrepublik die geopolitische und militärische Drecksarbeit dem großen Bruder überließ, konnte man sich hier so schön moralisch überlegen fühlen. Diesen Luxus haben wir jetzt nicht mehr.

    Was genau würde eine Friedensbewegung heute erreichen wollen? Ich sehe hier niemanden -- niemanden! --, der sich einen Krieg herbeiwünscht.

    Russland führt gegen den Westen bereits Krieg, wenn auch einen asymmetrischen, und uns bleibt nur die Wahl, klein beizugeben oder uns zu wehren. Und Verhandlungen? Die lassen sich nur erfolgreich führen, wenn beide Seiten sich gegenseitig ernst nehmen, sonst lässt sich höchstens über die Kapitulationsbedingungen verhandeln.

    Was hätte eine Friedensbewegung 1938 getan?

    • marilyn.hanson

      @wortwart:

      Ich denke, dass westliche, v. a. US- und UK-Außenpolitik sowie -Geheimdienste schon vom Auftrag her von Haus aus seit dem Ende des Kalten Krieges ausführlich einen auf Hegemonie abzielenden hybriden Krieg gegen China und Russland sowie den Iran führen: medial-propagandistisch, technologisch, durch vom Westen dominierte Handelsordnungen und formal übernationale, aber westlich dominierte Plattformen / Organisationen (SWIFT, Internet-Domain-Agentur etc.)

    • Francesco

      @wortwart:

      In Deutschland? Die war im KZ?

      • Agarack

        @Francesco:

        Nein, sofern sie männlich war, wurde sie getötet. Wer versuchte, den Kriegsdienst zu verweigern, wurde wegen Fahnenflucht hingerichtet. Franz Jägerstätter war das berühmteste, aber keineswegs das einzige Beispiel.

      • Westlahn

        @Francesco:

        Ändere in der Frage mit der Friedensbewegung einfach das Jahr von 1938 auf 1932. Dann reicht der Hinweis auf "KZ" nicht mehr.

        • Francesco

          @Westlahn:

          Und? Was hätte eine Friedensbewegung 1932 getan? In Deutschland? In Frankreich, Großbritannien, Polen, Russland?

  • KLaus Hartmann

    Die Bundeswehr garantiert den Frieden in Deutschland und Europa mit. Die Begeisterung der Jugend für den Dienst bei der Bundeswehr oder für ein freiwilliges soziales Jahr hält sich aber in Grenzen. Frieden ist für viele Menschen mittlerweile selbstverständlich geworden. Sollen sich doch andere drum kümmern. Gerne auch Ausländer. Keine gute politische und gesellschaftliche Entwicklung.

    • Francesco

      @KLaus Hartmann:

      Was hat ein FSJ mit der Bundeswehr zu tun?

      • Agarack

        @Francesco:

        Ein FSJ zeigt, dass man als junger Mensch willens ist, ein Jahr seines Lebens zu opfern, um der Allgemeinheit einen Dienst zu erweisen, ohne, dass man selbst da jenseits der "Erfahrung" viel von hat. Das ist - potenziell - ein weitaus niedrigerer Einsatz als bei der Bundeswehr, aber viele sind bereits bei diesem nicht bereit, ihn zu bringen. Das ist der Zusammenhang.

  • JeanK

    Ein bemerkenswerter Kommentar.



    Nicht nur in der Friedenspolitik hat die Einstellung, man sei die Guten (statt: man erzielt gute Ergebnisse), üble Folgen.

  • Gerhard Krause

    Ich denke, da sind mehrere Erzähl- und, doch, ja, das kann man eingrenzen, Handlungsstränge, die entweder von den Rednern, oder den Zuhörern ohne die korrekte Einordnung miteinander verwoben werden. Wie Frieden undoder Krieg uns bewegen, unterliegt dem fußballerischen "Bundestrainerprinzip" - "80 Millionen Einwohner", "80 Millionen Bundestrainer".

  • Bürger L.

    Erstmal Danke für den anregenden Kommentar.



    Ich denke auch, dass einer der Entscheidenden Denkfehler ist, dass wir "die Guten" und andere "die Bösen" sind.



    Politische Drohungen oder Kriege gegen andere Staaten oder Gruppen dienen in der Regel vorrangig der Durchsetzung eigener Interessen.



    Daran ändert sich auch nichts, wenn man ethische oder moralische Gründe vorschiebt.



    Ich bin jetzt 76 jahre alt und bin erschüttert, wie schnell und reibungslos es möglich ist, eine Atmosphäre zu schaffen in der ein Krieg in naher Zukunft geradezu unausweichlich und normal erscheint. Wenn VW nicht mehr genügend Autos nach China verkaufen kann, wird es als tolle Lösung propagiert, dass ein Werk nicht geschlossen wird, sondern künftig Rüstungsgüter produziert.



    Die Sehnsucht nach einem "starken Mann" führt dazu, dass sich ein großer Teil der Bevölkerung den Verteidigungsminister als Bundeskanzler wünscht. Im TV wird gefeiert, dass er in den USA den ersten von 35 moderneren Kampfjets in Empfang nimmt, die auch Atomwaffen transportieren können.

    Wie wärs denn damit, die Milliarden zur Verteidigung in wirklich defensive Bewaffnung und Zivilschutz zu stecken? Gibts nicht?t1p.de/Defensiv

    • Westlahn

      @Bürger L.:

      Niemand wäre auf die Idee gekommen, ein VW-Werk in ein Werk für Rüstungsdrohnen umzuwandeln, nur weil in China Märkte verloren gehen, wenn die "Bedrohungslage" noch so wäre wie vor 25 Jahren, als man sich entschied, die Bundeswehr zu einer reinen Symboltruppe runter zu sparen, weil man glaubte, es gäbe in Europa eh keinen Krieg mehr.



      Das POLITISCHE Debakel darin sehe ich eher, das wir damit Drohnen produzieren für ein Land (Israel), dass im Gaza-Steifen mit Drohnen ein Blutbad angerichtet hat und gegen den Iran mit Hilfe der USA einen angeblichen Präventivkrieg vom Zaun gebrochen hat.



      Das ÖKONOMISCHE Debakel im Umstieg auf Drohnenproduktion liegt darin, das Aufbau Rüstungsproduktion OHNE aktuellen Krieg keine Investition , sondern eine konsumptive Ausgabe ist. Waffen und Munition, die man "für den Ernstfall" ohne aktuellen Krieg produziert, liegen erst mal auf unbestimmte Zeit in Kasernen und Lagern herum und kosten Geld. Ein Grund, warum man die Munitionsvorräte der NATO in den letzten 30 Jahren hat leerlaufen lassen....

    • Bürger L.

      @Bürger L.:

      Ergänzend will ich nochmal darauf hinweisen, dass es ein großer Unterschied ist, ob "Kriegstauglichkeit" oder "Verteidigungsfähigkeit" gefordert wird.



      Wobei mit Verteidigung nicht die ehemals fantasievolle Interpretation von Herrn Struck gemeint ist, der mal behauptete, die Deutsche Freiheit würde am Hindukusch verteidigt. Nach dieser Logik könnten Deutsche Soldaten weltweit "für den guten Zweck" töten oder getötet werden.

      Meine persönliche Haltung zum Pazifismus hat sich in den zurückliegenden 50 Jahren doch verändert. Nach wie vor möchte ich keine Waffe in die Hand nehmen und wünschte mir, dass es idealerweise eine Welt ohne Waffen gäbe. Andererseits sind die zum Teil irren Macht- und Verteilungskämpfe, ist die wachsende Aggression in der Welt nicht zu verleugnende Realität.



      Eine "neue Friedensbewegung" müsste m.E. den Begriff Verteidigung neu definieren und ohne das ideale Ziel aus den Augen zu verlieren, bewusst den Schutz der Menschen auch durch eine REIN DEFENSIVE Bewaffnung zumindest diskutieren. ( t1p.de/Defensiv )



      Der Anspruch, allein im Besitz der reinen Wahrheit zu sein, oder die Formulierung eigener Feindbilder und Schuldzuweisungen hilft nicht weiter.

      • Sisone

        @Bürger L.:

        "...Verteidigung neu definieren und ohne das ideale Ziel aus den Augen zu verlieren, bewusst den Schutz der Menschen auch durch eine REIN DEFENSIVE Bewaffnung zumindest diskutieren..."







        Natürlich eine diskussionswürdige Position.







        Aber auch diskussionswürdig ist die Frage, wer denn überhaupt international eingreifen könnte, wenn eindeutig ein starkes Land ein schwächeres angreift, dort einmarschiert und etwas in Richtung Völkermord, ethnische Säuberung, Genozid vollzieht. Ein Eingreifen wäre dann unmöglich, wenn sich alle nur auf die reine Landesverteidigung konzentrieren und nur defensive Waffen besitzt.







        Ist es dann okay, zu sagen "das ist nicht unser Krieg"?







        Oder wären dann Angriffswaffen, die in der Phase des Kalten Kriegs als "Abschreckung" fungierten, nicht auch eine Art präventive Verteidigung?







        Keine Welt, die ich mir wünsche, ganz klar. Aber es sind nun mal die Realitäten, mit denen man umgehen muss und nicht die Ideale.







        Hier könnte man das Zitat von Pastor Niemöller abwandeln und auf Länder, statt auf Menschen beziehen:

        "... am Ende war niemand mehr da, der mich beschützen konnte..."

    • Agarack

      @Bürger L.:

      Krieg ist keineswegs unausweichlich. Teil der subversiven Taktik Russland ist es, genau das zu behaupten, weil es Russland nützt. Dieses Land möchte, dass wir Angst haben und die Forderung pushen, uns im Zweifel unterzuordnen.

      Es ist zudem aus meiner Sicht nicht die Sehnsucht nach einem "starken Mann", die Pistorius beliebt macht, sondern die Tatsache, dass Herr Pistorius es versteht, den Eindruck zu erwecken, er habe sein Ressort im Griff und sei in der Lage, es zu führen. Das ist ein Kontrast zum Rest der Bundesregierung, der sich in Teilen fast schon einen Wettbewerb zu liefern scheint, wer es schneller schaffe, sich unbeliebt zu machen.

      Zivilschutz ist tatsächlich ein großes Versäumnis unserer jetzigen Verteidigungspolitik, und ich würde mir einen stärkeren Fokus darauf wünschen.

      • marilyn.hanson

        @Agarack:

        Beim Thema Pistorius und mangelhafter Zivilschutz stimme ich zu. Das der Krieg unausweichlich sei, hat Bürger L. auch nicht geschrieben, sondern, dass die vorherrschende Atmosphäre mache, dass es so scheint.

  • Tom Farmer

    Gute Analyse, aber leider muss muss man davon ausgehen, dass jedwede "neue" Friedensbewegung, wenn es sie denn gäbe, von den wiederrum Falschen gekapert werden würde. Nicht nüchtern aber argumentationsfreudig, sondern Wirrwarr Leute von Sinnlosargument "Frieden schaffen ohne Waffen" bis antiamerikanisch bis antikapitalistisches irgendwas. Also immer schön an den relevanten Themen vorbei.



    Und daher haben viel ernünftige Leute auch keine Lust mehr da eine relevante Gegenposition aufzubauen.

  • Agarack

    "Auf dieser Grundlage kommt es schlicht darauf an, die gefährlichsten Potenziale einzuhegen und bei allen Unterschieden die Interessen der anderen Seite zähneknirschend zu berücksichtigen."



    Die Frage ist doch, welche "Interessen" das genau sind. Wenn diese "Interessen" die Herrschaft über andere Staaten sind, die dieser Herrschaft nicht zustimmen, dann ist eine solche Diskussion nicht "kühl" oder "friedliebend", sondern schlichtes Appeasement. Und auf etwas Anderes will sich Russland - erklärtermaßen - derzeit doch gar nicht einlassen. Ich verstehe nicht, wo der Wert darin liegen soll, zum hunderttausendsten Mal zu fordern, man solle doch bitte neue Wege finden, mit Russland zu verhandeln, wenn die russische Regierung immer wieder völlig eindeutig erklärt, dass sie unterhalb der kompletten Räumung aller annektierten ukrainischen Gebiete nicht zu Verhandlungen bereit ist. Und ich habe auch keine Lust, zum hunderttausendsten Mal über Vietnam und den Irak zu reden und so zu tun, als seien der Tschetschenienkrieg und die sowjetische Invasion Afghanistans nie passiert.

    Fast niemand hierzulande will Krieg. Und wenn wir keinen Krieg wollen, müssen wir uns verteidigen können.

    • marilyn.hanson

      @Agarack:

      Als Bewohner*in des Westens als Täter ist es aber nicht Ihre Sprecher*innenposition, aus "Unlust" über vom Westen ausgegangene Aggressionen nicht sprechen zu wollen! Die AfD will auch nicht über schon etwas länger zurückliegende deutsche Verbrechen sprechen. Denken Sie mal drüber nach.



      Und: die Sowjetunion gibt es nicht mehr (den Rechtsnachfolger allerdings schon - noch), und wenn Bayern so wie damals Teile der tschetschenischen Elite Abspaltung wollen würde, wäre das auch verfassungswidrig und könnte - müsste sogar! - repressiv nach den geltenden Gesetzen bekämpft werden; man blicke mal nach Katalonien, wo - anders als die militanten Tschetschen*innen - ein NATO- und EU-Mitglied gewaltfreie und sogar demokratisch legitimierte Politiker*innen konsequent verfolgt. Wo ist da die Sanktion, der Aufschrei, der Ausschluss aus EU und NATO? Von dem "wichtigen geostrategischen Verbündeten" Türkei will ich hier mal lieber gar nicht erst anfangen ...

      • Agarack

        @marilyn.hanson:

        Ich habe kein Problem damit, über vom Westen ausgegangene Aggressionen zu sprechen. Ich wurde einst politisiert, indem ich gegen den Irakkrieg protestiert habe. Ich wehre mich nur dagegen, daraus einen Relativismus abzuleiten, in dem die eigenen Verbrechen letztlich schlimmere Verbrechen Anderer geradezu entschuldigend verdecken sollen. Es ist eben noch mal ein ziemlich relevanter Unterschied, ob ein Land "einfach nur" in einem anderen Land einfällt, oder ob ein Land in einem anderen Land einfällt und dabei systematisch und gezielt Kriegsverbrechen begeht - wie es Russland in der Ukraine tut. Sähe man das anders, hätte man z.B. auch kaum noch ein Argument gegen die rechtsextremen "Trauermärsche", die die durch Deutsche verübten Genozide im Zweiten Weltkrieg durch Betonung alliierter Kriegsverbrechen zu relativieren versuchen.

    • Francesco

      @Agarack:

      Der Tschetschenienkrieg war doch ein innerrussischer Bürgerkrieg.

      • Agarack

        @Francesco:

        Das kann man so sehen. Man kann auch sagen, die Tschetschenienkriege waren ein gescheiterter Versuch Tschetscheniens, die Unabhängigkeit zu erringen. So oder so hat sich Russland in diesen Kriegen nicht um Völker-, Kriegs-, oder Menschenrecht geschert.

        • Francesco

          @Agarack:

          Und wenn Abchasien oder Südossetien versuchen, die Unabhängigkeit von Georgien zu erreichen, ist das dann gleich zu bewerten? Oder bei Bergkarabach? Oder Transnistrien?

          • Machiavelli

            @Francesco:

            Da Abachasen Minderheit im eigenen Land waren und nur durch Genozid zur Mehrheit wurden ist das schon anders zu bewerten als Tschetschen und andere Koloniale Subjekte Russlands.

      • Westlahn

        @Francesco:

        Ja, ... und ? China wird nach dem Angriff auf Taiwan ebenfalls von einer innerchinesischen Angelegenheit sprechen.



        Und Tschetschenien wurde nicht gewaltsam daran gehindert die Russische Föderation zu verlassen ?

        • Francesco

          @Westlahn:

          So wie damals die Südstaaten in den USA? Seit wann gibt es denn ein völkerrechtliches Sezessionsrecht?

          • Machiavelli

            @Francesco:

            Seitdem die UN die dekolonialisierung als Ziel ausgab.

  • Zangler

    Soll eigentlich Klaus von Dohnanyi der „intellektuelle Lichtblick“ sein? Der Mann, der einen Unfall im Schacht Asse ausschloss, der mit den Grünen nicht regieren wollte und Neuwahlen herbeiführte, um schließlich mit der FDP (nach dem Sturz von Helmut Schmidt wohlgemerkt!) zu regieren, der (mit-)verantwortlich war für den Bau des AKW Brokdorf und v.a. den „Hamburger Kessel“ und der zum Dank dann bei der Bertelsmann-Stiftung die deutsche Lehre und Forschung mit abwickeln durfte?



    Kritik an der Politik des Westens? – Ja! Aber von links muss das schon noch kommen, und das muss auch benennen dürfen, was für mich als Linker „rechts“ von meiner Position ist. Die angebliche „Diffamierung“ aller eher autoritären (d.h. gewaltvollen und der rationalen Beweisführung nicht geneigten, sowie aller marktradikalen, d.h. unsolidarischen und die systematischen Verarmung der von Arbeitseinkommen Abhängigen betreibenden) Politik ist überhaupt gar keine Diffamierung, sondern linke Systemkritik. Dass selbst rechte Spezialdemokraten die nicht mögen: geschenkt! Aber dahin gehört dieser Beitrag: In die Mottenkiste der Hamburger SPD der 1980er und -90er, wo Schmidt als Bundeskanzler als zu links galt.

  • Philippo1000

    Alles hat seine Zeit.



    Die Zeit, in der die USA verlässlicher Partner waren, der uns beschützt hat, ist vorbei.



    Die Zeit, in der Deutschland und Frankreich gemeinsamer Motor für Europa waren, ist vorbei.



    Die Zeit in der rechtsextreme Parteien klein gehalten wurden ist vorbei.



    Es gibt viel Neues und wenig davon ist erfreulich.



    Einen donald trump hätte es nicht gebraucht.



    In einer Weltordnung, die sich gerade neu justiert, ist es sinnvoll, sich zuerst einmal auf sich selbst zu verlassen.



    Das heißt z.B. sich selbst verteidigen zu können.



    Kriegstüchtig zu sein bedeutet, nicht nur ein paar Soldaten und Waffen zu haben, sondern in der Lage zu sein, Deutschland zu verteidigen.



    Das war bisher nicht so und ist gerade im Aufbau.



    Wie wir an der Ukraine sehen, braucht es nicht zwingend Zwei, die sich streiten, es reicht Einer, der Krieg führen will.



    An den hybriden Attacken ist ablesbar, dass die Gefahr auch für Europa real ist.



    Das muss auch alten Linken klar werden.



    Sich verteidigen zu können ist keine Kriegstreiberei.



    Es ist die Vorsicht, für den Ernstfall vorbereitet zu sein.



    Da ist es klug, Material selbst zu bauen, wie in Osnabrück.



    Demokratie verteidigen nach innen und nach außen.

    • Lizu Mutzson

      @Philippo1000:

      Man muss sich eben auch als Linker eingestehen, dass bei dem tollen Feindbild das die USA (durchaus zumindest in Teilen gerechtfertigt) und vor allem deren Außen- und Militärpolitil für die Linke in der BRD historisch abgab und bis heute abhibt, es auch deren Außen- und Militärpolitik war, die einem überhaupt erlaubt hat Kritik so zu äußern. In einer Gesamt-DDR hätte es wohl keine Menschenkette gegen Pershing 2 gegeben.

      Und diese Freiheit qeiterhin haben zu könnem, benötigt eben Kompromisse, die einer klassisch linkspazifistisch geprägten Ideologie zuwieder sein mögen, aber die Umstände haben sich nunmak geändert. Es ist eben letztendlich eine riskante Wette darauf zu setzen, dass ein eindeutiger Aggressor wie Russland im Endeffekt doch nicht angreift. Eine Wette die die Ukraine teuer bezahlt hat, denn mit den ganzen alten sowjetischen Atomwaffen (und nein das bedeutet nicht, dass ich finde Deutschland bräuchte die Bombe, es ist nur rinfach ein Fakt) im Land, hätte Russland diesen Krieg wohl nicht begonnen. Jetzt müssen wir uns fragen, ob wir diese Wette der fortgesetzten Pazifismuspolitik in einer sich verändernden Welt für Deutschland eingehen möchten. I doubt it...

  • Sam Spade

    "600 Milliarden Euro werden in Deutschland recht geräuschlos bis 2029 dafür bereitgestellt"

    Und wenn Deutschland dann in zwanzig Jahren sein Ziel erreicht hat und die größte konventionelle Militärmacht auf dem Kontinent stellt, dann stehen dem deutschen Altmetall KI gestützte Drohnen und Kampfroboter gegenüber und das Spiel beginnt von vorne.

    Ein Fass ohne Boden. Wundert mich das die deutschen Steuerzahler diesen Irrweg so geräuschlos begleiten. Zumal Geld allein noch kein Garant für ein funktionierendes Militär ist, aber auf diesem Gebiet hat Deutschland ja reichlich Erfahrung.

    • Westlahn

      @Sam Spade:

      ..."Und wenn Deutschland dann in zwanzig Jahren sein Ziel erreicht hat und die größte konventionelle Militärmacht auf dem Kontinent stellt, dann stehen dem deutschen Altmetall KI gestützte Drohnen und Kampfroboter gegenüber ..."



      Es ist zu hoffen, dass die Modernisierung der Bundeswehr nicht von denselben Ministerialen und Verwaltungsbeamten organisiert wird, die den technologischen Wandel in der Kriegführung 20 Jahre lang verschlafen haben. Aber wegen diesem "Fachkräftemangel" diese Aufgabe nicht anzugehen, wäre grob fahrlässig.

    • elektrozwerg

      @Sam Spade:

      "Wundert mich das die deutschen Steuerzahler diesen Irrweg so geräuschlos begleiten."

      Geraeuschlos wuerde ich die Wahl in S-A nun nicht nennen.

  • Uwe Kulick

    70 Jahre Frieden? In welcher Welt leben wir denn? 1999 war Kosovokrieg und, obwohl die NATO nicht angegriffen war und auch kein UN-Mandat vorlag, waren Tornados der Luftwaffe inklusive Bundeswehrpiloten an Angriffen beteiligt. Anno 1999! Die Zeitenwende ist also schon drei hoch drei Jahre her! Da war bereits Bundeswehr buchstäblich in den Krieg gezogen!

    Immerhin wurden die teuren Flieger da mal benutzt. Aber ich war der Meinung, im Bundestag hätte der Einsatzfall besser ausdebattiert werden müssen. Später noch war immer mal wieder von der Bundeswehr als Parlamentsarmee die Rede, aber im Kosovokrieg hätte das überzeugender zelebriert werden müssen, damit es auch alle ein für allemal verstehen.

    Olaf Scholzes "Zeitenwende" war also eine Wende rückwärts: Nicht eingreifen, sondern schön zögerlich Waffen liefern. Auch sein Nachfolger Merz zögert schon mehr als ne Weile mit dem Taurus ...

    In früheren kohlgemütlichen Zeiten hat Waigel einfach drei Milliarden an die USA überwiesen, und über einen Einsatz der Bundeswehr im Kuwaitkrieg wurde gar nicht erst diskutiert. Deutschland konnte sich nochmal freikaufen vom Kriegführen.

    Nach Kosovo und Kundus ist schon die 2. Bundes-Nachkriegszeit!

    • Lizu Mutzson

      @Uwe Kulick:

      Serbische Soldaten oder Talibananhänger haben aber nie versucht auf deutschem Boden Sprengstoffattentate zu verüben. Krieg war es trotzdem und auf moralischer Ebene mögen sich Explosionen im Kosovo oder in Deutschland nicht viel geben, aber für die Lebensrealität des Großteils der Einwohner Deutschlands die damals weder aktive Berufssoldaten, noch familär oder sonstwie mit den beteiligten Nationen verbandelt waren, sind das völlig unterschiedliche Welten. Krieg im eigenen Land, wenn auch nur womöglich, ist was ganz andetes als in Ländern die man nicht mal auf der Landkarte findet, das ist einfach Realität.

      • Uwe Kulick

        @Lizu Mutzson:

        Mit dem Afghanistankrieg, in dem es auch für die Bundeswehr echte Kampfeinsätze gegen die Taliban gab, die auf beiden Seiten Opfer kosteten, und Särge in deutscher Flagge in Deutschland eintreffend absolut klar machten, dass Deutsche von diesem Krieg betroffen waren, also auch deren Angehörige und Nahestehende Personen hier im eigenen Lande Kriegsbetroffene waren!

        Und es gab sogar Sichererheitsverpflichtungen der Bundeswehr gegenüber ihren Ortskräften, die am Ende schändlich nicht eingehalten wurden! Also hat nicht nur Oberst Klein, sondern das Verteidigungsministerium und das Außenministerium womöglich Vorgänge "gegen die Menschlichkeit" zu verantworten! Nur wird beides ausgeblendet! Drumrum geredet!

        Die Sprengstoffattentate fanden übrigens statt. Allerdings in Afghanistan. Es waren immer gezielte Anschläge gegen den Afghanen, die am Projekt "zivilisierteres Afghanistan" von NATO und v.a. Bundeswehr mitwirken wollten. Wiederholt gab es z.B. Talibanbomben gegen Bewerberschlangen für eine neue afghanische, rechtsstaatliche Polizei!

        Wir dürfen nicht dem Irrtum verfallen: Wenn hier keine Bombe trifft sind wir nicht kriegsbeteiligt. Das warn wir definitiv. So war die Lebensrealität.

    • Westlahn

      @Uwe Kulick:

      Mein hässlicher Gedanke, aber Krieg ist nun mal genau das: hässlich... deshalb...:die NATO, die Bundeswehr braucht neben Geld vor allem eins, um sich auf die neue Lage einzustellen: Zeit.



      Und solange Putins Russland mit dem Kriege in der Ukraine derart beschäftigt ist, dass es keine Ressourcen hat, einen zweiten "heißen" Konflikt zu beginnen, kann die NATO an einer Reorganisation arbeiten. Nicht nur Selenskij ist schon auf den Gedanken gekommen, dass ein dauerhafter Waffenstillstand, Russland die Möglichkeit gibt, sich für den nächsten Konflikt aufzustellen und vorzubereiten - und das deshalb die Unterstützung aus Europa so etappenweise kommt. Und ob die USA angesichts der schönen Gewinne der Rüstungskonzerne so dringend am Ende beider Kriege interessiert ist, kann man sich angesichts Trump'scher Prioritäten für's eigene Portfolio auch fragen.

  • XXX

    "Mit denen gemeinsam möchte man nicht mal für den Frieden sein."



    Diese Haltung ist genau das Problem! Ein Standpunkt wird nicht dadurch wahr oder falsch, ob die AfD oder das BSW ihn vertritt. Das sollte vollkommen egal sein und sollte auch niemand jemals vorgeworfen werden.

    • nihilist

      @XXX:

      Das ist korrekt.

      Wer klug ist, prüft seinen Standpunkt aber nochmal ganz genau und ergebnisoffen, wenn ihm ausgerechnet AfD und BSW zustimmen.

  • rero

    „Russland selbst dürfte in absehbarer Zeit keinen Angriff auf die Nato riskieren, konstatierte unlängst selbst der Nato-Oberbefehlshaber in Europa Alexus Grynkewich.“

    Setzt voraus, dass es in absehbarer Zeit überhaupt noch eine NATO…

    Da ist sich nicht jeder so sicher.

    Ein NATO-Oberbefehlshaber wird nun daran keine Zweifel äußern.

    • Westlahn

      @rero:

      Wenn die USA aus der NATO (vulgo: North Atlantic Treaty....) raus gehen sollten, heißt der Restverein 1 Stunde später vermutlich WETO (West European Treaty Ordanization).



      Und NATO steht dann wohl für New American-Trump Ocean auf google maps.

  • Cornelia Gliem

    "dass jeder Aspekt, der nicht in die westliche Binnenerzählung passte, als „rechts“ oder Putin-nah diffamiert wurde" - sry nein. Das wurde jahrzehntelang als links und kommunistisch diffamiert.

    Ich stimme zu, dass es eine bessere rational und gleichzeitig idealistische Friedensbewegung braucht.

    Aber zt wirkt es beliebig: mal heißt es, Russland wäre ja so wirtschaftlich schwach, dass es dumme angstmacherei sei von wegen Böse russische Gefahr.



    Mal dass Russland ja so riesig wäre und im Besitz enormer Ressourcen, dass Ukraine nie gewinnen könnte etc.



    Was denn nun?



    Und die drei genannten ach so verkannten und als putinfreundin gebashte Verfechter von frieden -



    werden zt eben auch kritisiert, weil sie aus dem sicheren Deutschland heraus der Ukraine ihre Handlungen Verhandlungen vorschreiben wollen...

    Aber wie gesagt: stimme zu dass wir eine echte Diskussion benötigen, eine über schwarz weiß hinaus.

  • Kohlrabi

    Vielem möchte ich zustimmen. In einem Punkt aber leider Pessimismus einstreuen.

    Gustav Stresemann war ein klassischer Zentrist in der deutschen Politik. Vor 1918 innenpolisch linksliberal, außenpolitisch ein Falke.



    Solche gibt es auch heute.

    Stresemanns Hinwendung zur Entspannungspolitik mit dem Ergebnis der Locarno-Verträge geschah erst nach der Erfahrung eines verheerenden und massenmörderischen Krieges.

    Gibt es heute genug zentristische Politiker, die einer solchen Erfahrung nicht bedürfen und die schon VORHER zu einer Erkenntnis gelangen, welche Stresemann leider erst NACHHER zuteil wurde?

  • Hometown Tourist

    Der Artikel hat gute Fakten und Absichten, aber warum wird hier die dem Militarismus zugrunde liegende Logik ausgespart? Der "Frieden" hieß die letzten Jahrzehnte, dass sich alle(+-) Nationalstaaten und Gigakonzerne einig sind über Wettbewerb und Expansionslogik (national und transnational), sprich Kapitalismus.



    Und wenn Wirtschaftsstatistiken straucheln, niemand mehr deutsche Autos kaufen will (+ Stichwort Klimakatastrophe die künstliche Knappheit zur tatsächlichen Ressourcenknappheit ausartet) ist doch klar, was laut diesem System geschehen muss

    "friedlichere Verhältnisse" ist nicht, solang Klassenwidersprüche, Staatendenken und weitere Formen von Apartheid unangetastet bleiben



    die neue Friedensbewegung sollte keine sein, die (egal ob verbal/emotional/inhaltlich oder aktiv(Barrikaden)/passiv(streikend) gewaltvoll) an das System herantritt und fordert es solle nicht genau das machen, was in seiner Natur liegt, sondern es einfach mal durchs tatsächlich kollektiv nicht länger mitspielen "verdursten" lassen (vgl. Benjamin: "proletarischer Generalstreik")

  • Pawel_ko

    "In Richtung Russland müsste sie unmissverständlich ein Ende des barbarischen Angriffs auf ein souveränes Land fordern."

    Und die Rückgabe der annektierten Gebiete, Reparationszahlungen und die Rückgabe aller entführten Kinder.

    Eine Einstellung der Kampfhandlungen und einfrieren der Frontlinie würde de facto ein Land belohnen ein anderes mit Gewalt seiner Ressourcen und Bevölkerung zu rauben.

    • Francesco

      @Pawel_ko:

      Es würde Menschenleben retten.

      • Westlahn

        @Francesco:

        Kurzfristig und ukrainische Menschenleben sicher, da haben Recht.



        Langfristig bin ich mir da weder mit Blick auf Ukrainer noch auf andere Europäer so sicher, dass ich darauf wetten würde...

    • nihilist

      @Pawel_ko:

      Dass die Ukraine niemals de jure auf ihr Staatsgebiet verzichten kann und wird, ist vollkommen klar.



      Genauso klar ist, dass niemals mehr irgendetwas zurückgegeben wird. Jeder Quadratkilometer, den die Ukraine wiederhaben will, muss zurückgewonnen werden und zwar unter Einsatz von noch mehr Ressourcen und Bevölkerung.

      Das ist kein Streit unter Geschwistern, den nur die NATO-Eltern pädagogisch wertvoll klären müssten.

      • Francesco

        @nihilist:

        Alles oder nichts. Und bis dahin Sterben auf beiden Seiten.

  • PeterArt

    Leider ist ja das selbstherrliche "Wir sind ja für Frieden" (während die, die sich um Verteidigungsfähigkeit kümmern, natürlich als Kriegstreiber verteufelt werden) immer wieder mit dem Putin-Lawrow-Narrativ von der Schuld des Westens und der NATO am Ukrainekrieg verbunden.

    • nihilist

      @PeterArt:

      Ja. Es ist am Ende immer wieder die selbe Soße - der Westen hat um die Jahrtausendwende auch mal wen angegriffen, also hat Russland dazu nun auch jedes Recht und sollte am besten möglichst schnell und unblutig alles bekommen, was es will.



      Und das nennt sich dann Friedenspolitik.

      • Altbayer

        @nihilist:

        2019 sollte ein Manöver im Osten Deutschlands stattfinden, mit dem man rein zufällig natürlich, ein paar Abwehrraketen an den Grenzen stationieren wollte.

        Das Manöver fand dann halt 2020 statt, und die besorgte Bevölkerung wurde "beruhigt", dass dies nur Truppenverbände wären, die in ihre Heimatkasernen zurückkehren. Während Corona...

        Raketen hatte man aber lieber nicht dabei.

      • Francesco

        @nihilist:

        Der Angriff der USA auf den Iran ist noch nicht so lange her.

        • nihilist

          @Francesco:

          Und wie genau hängt der damit zusammen, dass Europa die Ukraine fallen lassen soll?

  • Totti

    Einer Friedensbewegung, die von Russland fordert, den barbarischen Angriff auf ein souveränes Land zu beenden, und vom Westen, weniger arrogant zu sein, schließe ich mich gerne an und wünsche ihr vor allem viel Erfolg...

    • KaosKatte

      @Totti:

      Da möchte ich gerne zustimmen. Sehe aktuell auch das Muster der 80er-Jahre-Friedensbewegung, wo gegen amerikanische Raketen protestiert wurde aber nie gegen sowjetische; ähnlich wie aktuell unter Führung von Afd, Wagenknecht & Co.

      • Sisone

        @KaosKatte:

        Das sind zwei komplett verschiedene Paar Schuhe.







        Die AFD, Wagenknecht & Co inszenieren sich als Friedensengel, indem sie in einer akuten Kriegssituation Putins Aggression relativieren und Verhandlungen, die eindeutig von der anderen Seite nicht gewollt werden, als vermeintlich einzige Lösung verkaufen.







        Die Friedensbewegung der 80er hat sich dagegen erstens sehr wohl auch gegen die sowjetische Aufrüstung gestellt, übrigens auch in der DDR ("Schwerter zu Pflugscharen"). Aber natürlich lag der Schwerpunkt im Protest eindeutig gegen den NATO-Doppelbeschluss und die Stationierung von Pershing II und Cruise Missiles in der Bundesrepublik. Schon aus dem einfachen Grund, dass der Stationierung auf deutschem Boden nun mal die "eigenen Leute", sprich, die Bundesregierung, zustimmen musste, also hier eine echte Einflussnahme möglich war. Damals wie heute hat es in Moskau niemanden gejuckt, was die Leute auf der Straße in Deutschland rufen; wozu also die Mühe?







        Gemeinsamkeit ist folgendes:



        Damals hat die SED der DDR Leute in die westdeutsche Friedensbewegung geschmuggelt und die Meinungsmache beeinflusst. Heute sind es AFD, Wagenknecht & Co, die als Moskaus Sprachrohr dienen.

      • Schleicher

        @KaosKatte:

        Sich an die eigene Nase zu fassen ist kein "Muster", sondern gehört zum Standardrepertoire einer funktionierenden Demokratie. Amerikanische Raketen standen schließlich auf westdeutschem Boden. Das galt für sowjetische Rakten wohl kaum. Es ist also Selbstkritik.

        Dass Sie die AfD damit in Verbindung bringen ist komplett falsch. Genau wie Sie möchte die AfD Schluss machen mit diesen "Denkmälern der Schande". Lass uns doch lieber Denkmäler für russische Verbrechen aufstellen, statt immer nur für die eigenen.

        • Westlahn

          @Schleicher:

          Denkmäler stellt man -wenns gut läuft- für Ereignisse auf, bei denen man Sorge hat, sie könnten in Vergessenheit geraten. Da sind eigene Schandtaten in Deutschland ebenso wie in anderen Ländern weit mehr gefährdet als die Schandtaten anderer Völker. Deshalb gehören deren Denkmäler auch eher dorthin, hier kämen die Leute bei solchen Denkmälern eher auf dumme Gedanken.

        • xriss

          @Schleicher:

          Aber natürlich gab es sowjetische Atomwaffen auf DDR Gebiet. Die NVA hatte die Trägersysteme dafür.

          www.atomwaffena-z....fen-in-deutschland

          • Schleicher

            @xriss:

            Ja natürlich. Hab ich auch nicht bestritten.

          • Iguana

            @xriss:

            Okay, aber DDR war nicht "westdeutscher Boden". Im Kommentar davor stand nicht deutscher sondern westdeutscher Boden und es ging davor wohl eher um die Friedensbewegung in der BRD.

          • Axel Schäfer

            @xriss:

            Und auch in der DDR gab es eine sehr mutige Friedensbewegung, Stichwort "Schwerter zu Pflugscharen" ....

      • elektrozwerg

        @KaosKatte:

        Der Feind meines Feindes ist mein Freund geht halt meistens in die Hose.

        • nihilist

          @elektrozwerg:

          Mein Freund ist Russland geht immer in die Hose.

          • marilyn.hanson

            @nihilist:

            "Mein Freund ist der Westen" aber auch: kannste ja mal z. B. in Griechenland herumfragen ...

            • nihilist

              @marilyn.hanson:

              Schickt der Westen gerade Drohnen und ballistische Raketen, die in Athen einschlagen? Das muss ich verpasst haben.

            • Westlahn

              @marilyn.hanson:

              .und in Chile, Argentinien, Panama, Brasilien, Persion (vulgo: Iran) , Laos, Vietnam, Kambodscha, Südafrika, , ja selbst Spanien und Portugal...



              Das Blöde ist: bessere Freunde als "der Westen" sind gar nicht im Angebot...so übel das sein mag...

  • Black & White

    Danke für diesen offenen und inspirierenden Beitrag.

    • Martin Rees

      @Black & White:

      Dito👍🏻