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Rückzug von Spahn Die CDU hat keinen Platz für Sonnenkönige

Kersten Augustin

Kommentar von

Kersten Augustin

Nur wenige Tage im neuen Job stolpert Jens Spahn über den nächsten Skandal und muss sich nach massiver Kritik zurückziehen. Das macht Hoffnung.

J ens Spahn zieht sich aus dem Haushaltsausschuss des Bundestags zurück. Diese Nachricht zeigt zweierlei: Spahn hat seit seinem Rücktritt als Fraktionschef nichts dazugelernt. Und es ist noch Leben in der Union.

Jens Spahn war vergangene Woche am Flughafen von Sardinien fotografiert worden – während der Sitzungswoche im Bundestag. Die Bild hatte das Foto veröffentlicht und dann gelöscht – vorgeblich, weil es in einem privaten Rahmen aufgenommen worden sei. Bei einer Boulevardzeitung, deren Geschäftsmodell die Missachtung von Privatsphäre ist, ist das ein guter Witz.

Und es war zu spät. Nicht nur die Öffentlichkeit entrüstete sich über den Kurzurlaub während der Sitzungswoche, auch in der Unionsfraktion verlangten viele Konsequenzen. Diesem Druck gibt Spahn nun nach. Er hat angekündigt, sich auf die Arbeit im Wahlkreis zu konzentrieren. Hoffentlich ist ihm bewusst, dass dieser nicht Sardinien heißt, sondern Steinfurt I – Borken I.

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Spahn begründet seinen Rückzug damit, dass „normales Arbeiten“ für ihn kaum möglich sei, und macht sich zum Opfer: Nicht sein Blaumachen ist in seinen Augen das Problem, sondern eine angebliche „Politisierung“ – was auch immer das bei einem Politiker sein soll.

Jens Spahn hat seine Karriere auch dem engen Draht zum Springer-Verlag zu verdanken. Beim Streit um seine Leihmutterschaft hoffte er zunächst, er könnte mit Kinderwagenfotos in der Bild die Herzen gewinnen. Nun ist auch sein Abstieg mit der Zeitung verbunden. Ohne das eilig gelöschte Foto vom Flughafen wäre es nicht so weit gekommen. Bei Springer scheint man sich uneins zu sein, ob man Spahn in Zukunft noch braucht, um etwa die schwarz-blauen Träume des Verlegers umzusetzen. Vorerst verliert Springer seinen wichtigsten Mann in der Spitzenpolitik.

Nicht nur deshalb kann man Spahns Rückzug optimistisch deuten. Einige Konservative beweisen gerade zum zweiten Mal Rückgrat und drängen einen Mann vom Posten, der glaubt, dass Regeln nicht für ihn gelten. Bei der Affäre um Spahns Leihmutterschaft rebellierten die Frauen in der Union. Nun begehrten die Haushaltspolitiker auf.

Dazu passt, dass es am Montag noch einen weiteren Rückzug gab: CDU-Staatsminister Philipp Amthor will den Strandkorb, den er sich auf den Balkon des Kanzleramts hatte stellen lassen, wieder loswerden. Vorher hatte es heftige Kritik an der selbstherrlichen Aktion gegeben. Amthor und Spahn stehen für eine CDU, die das Gefühl verloren hat für die Stimmung im Land.

Die Union mag in vielen Bereichen ihren politischen Kompass verloren haben – aber eine Partei für Sonnenkönige will sie dann doch nicht sein.

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Kersten Augustin

Kersten Augustin Ressortleiter Inland

Kersten Augustin leitet das innenpolitische Ressort der taz. Geboren 1988 in Hamburg. Er studierte in Berlin, Jerusalem und Ramallah und wurde an der Deutschen Journalistenschule (DJS) in München ausgebildet. Er war stellvertretender Ressortleiter der neu gegründeten wochentaz und leitete das Politikteam der Wochenzeitung. In der wochentaz schreibt er die Kolumne „Materie“. Seine Recherchen wurden mit dem Otto-Brenner-Preis, dem Langem Atem und dem Wächterpreis der Tagespresse ausgezeichnet.
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22 Kommentare

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  • Bürger L.

    Den Optimismus von Herrn Augustin kann ich nicht teilen.

    Die Strandkorbgeschichte ist einfach nur albern und lenkt von wirklich wichtigen Themen ab.

    Herr Spahn ist schlicht und ergreifend vorübergehend Opfer seiner eigenen Überheblichkeit und parteiinterner Auseinandersetzungen geworden. Ich fürchte, der wird uns noch lange erhalten bleiben.

  • Pflasterstrand

    "Amthor und Spahn stehen für eine CDU, die das Gefühl verloren hat für die Stimmung im Land." Das sind eher zwei Kriminelle in Spitzenämtern, die für eine Partei stehen, in der das Gemeinwesen als erweitertes Privateigentum und gute Gelegenheit zur persönlichen Bereicherung bzw. Ausweitung der individuellen Lebenschancen betrachtet wird.

  • leocat

    Zur Diskussion um Amthor: Die Designermöbel - sind nicht seine, die hat mal ein Architekt da hin gestellt, der Standkorb: offenbar selbst bezahlt. Auch ein Abgeordneter hat das Recht, sein - wenn auch in der Höhe zurecht umstrittenes - Gehalt auszugeben, wie es ihm beliebt. Das San Pelegrino wird vermutlich irgendwo zentral eingekauft. Find ich alles nicht skandalös. Zu kritisieren ist hingegen, die Nonchalance mit der er und weitere CDUler ihre Privilegien für selbstverständlich nehmen und immer weiter ausdehnen ohne sich nur mit einer Hirnzelle Gedanken zu machen, wie das auf jemanden wirkt, dessen Knie nach 45 Jahren körperlicher Arbeit kaputt sind und trotzdem noch 6 Jahre weiter schuften muss oder der ab dem 15. nur noch Nudeln isst oder bei der Tafel ansteht.

  • Jalella

    Ja, lustig, dass das rechtsextreme Lügen- und Hetzblatt seinen Helden zu Fall bringt. Wäre aber sicher auch so aufgeflogen.



    Weniger lustig ist, dass die Springergruppe immer noch ihr Unwesen hierzuladen treiben darf. Ich schätze Pressefreiheit sehr, aber dazu gehört meiner Meinung nach nicht Lügen. Und dafür sind sie seit Jahrzehnten bekannt.



    Letzten Endes gewinnt Deutschland mehr, wenn es Spahn seine Sardinien-Reisen finanziert - macht es sowieso - als wenn es ihn im Haushaltsausschuss wüten lässt. Das gilt für den größten Teil der Regierung aber ohnehin. Die wären ihre Diäten möglicherweise Wert, wenn sie nichts täten. Besser als den im Grundgesetz verankerten Sozialstaat zu zerstören allemal.



    Hat sich mal jemand überlegt, was in Deutschland passieren würde, wenn das Kabinett einfach mal drei Monate nicht da wäre? Vermutlich das Gleiche, das passieren würde, wenn die Geschäftsführung in meiner Firma nicht mehr da wäre. Spolier: alle wären glücklich und es könnte voran gehen - in positive Richtung.

  • TaAl

    „Nur wenige Tage im neuen Job stolpert Jens Spahn über den nächsten Skandal und muss sich nach massiver Kritik zurück ziehen. Das macht Hoffnung.“

    Ich bin bezüglich der „Hoffnung“ da etwas anderer Meinung. Bei mir ist hängen geblieben, dass CDU-Fraktionschef Thorsten Frei Herrn Spahn zunächst noch mit einer Gnadenfrist bis Dezember im Haushaltsausschuss ließ.



    Da habe ich noch „wtf“ gedacht, Jens Spahn ist offensichtlich innerhalb der CDU wie Trump: „Bullet proof“ oder „untouchable“.



    Und so schnell, wie Herr Spahn nach der Leihmutter-„Geschichte“ wieder eine Rolle innerhalb der CDU zugewiesen bekommen hat, erwarte ich, dass es nicht lange dauern wird, bis er den nächsten verantwortungsvollen Posten in der CDU erhält.

    Wenn die Herren in der CDU die momentan an sie gestellten Anforderungen nicht erfüllen können, sollten sie vielleicht eher wieder auf eine Frau setzen.

  • Torben2018

    Naja, Spahn bekommt weiterhin jeden Monat ca. 12 000 Euro, erwirbt weiterhin hohe Pensionsansprüch, und hat jetzt noch mehr Zeit, mit seinem Leihmutterkind am Strand spazieren zu gehen. Klingt nicht nach konsequenter Bestrafung für Ignoranz und Fehlverhalten.



    Klingt eher nach Hohn für diejenigen, die ihren Job wegen Nichtigkeiten verlieren.



    Konsequent wäre, wenn er sein Mandat abgeben müsste.

  • Peter Schütt

    Ich finde diese Strandkorb Geschichte von Philipp Amthor völlig albern. Wenn er gute Entscheidungen trifft, dann soll er sich doch zwei Strandkörbe ins Büro stellen. Aber der eigentliche Skandal ist doch, dass er maßgeblich daran beteiligt ist das informationsfreiheitsgesetz abzuschwächen, das Gesetz, durch das sein Skandal mit den Aktienoptionen aufgedeckt wurde.



    Hier bekleckern sich die Medien aber auch nicht mit Ruhm, weil sie halt über Strandkörbe berichten, und nicht darüber.

  • warum_denkt_keiner_nach?

    Natürlich ist Spahn ein gutes Beispiel für abgehobene Politiker, die glauben, sie können tun und lassen, was sie wollen.

    Ob sein (vorläufiger) Sturz aber jetzt ein Zeichen für die moralischen Qualitäten der Mitglieder der Unionsfraktion ist oder einfach nur ein Resultat von Machtkämpfen, ist schwer zu beurteilen.

  • Strolch

    Das mit Spahn verstehe ich. Das mit dem Strandkorb nicht. Da wird ein Möbelstück aufgestellt auf einer leeren Terrasse. Und jetzt? Steht der Strandkorb zu sehr für Freizeit? Zu legere? Zu teuer?

  • alemao

    Ich mag Phillip Amthor nicht. Ich respektiere in gerade so und halte auch seine Positionierung gegen die AfD für authentisch. Die "Strandkorbaffäre" ist ein bisschen überzogen. Da gibt es echt schlimmere Sachen die es bei ihm zu kritisieren gilt.



    Spahn auf der anderen Seite gehört eigentlich aus der Politik entfernt. Allein die immensen Kosten, die er ohne Not im Zusammenhang mit den Masken verursacht hat sollten Grund genug sein ihn aus jeglichen Ämtern zu verbannen und gerichtlich zur Verantwortung zu ziehen.

    • Encantado

      @alemao:

      "Die "Strandkorbaffäre" ist ein bisschen überzogen."



      Es ist schlicht keine. Ich find ihn ja auch nicht so prickelnd, aber wenn das der einzige Vorwurf ist, den man ihm machen kann, dann beginne ich ihn ja fast wertzuschätzen ;-)



      "Spahn auf der anderen Seite gehört eigentlich aus der Politik entfernt."



      Ich fand es ja schon unglaublich, dass man ihn überhaupt so schnell wieder in den Haushaltsausschuss gelassen hat. Bin gespannt, wann und wie er das nächste Mal auftaucht.

  • economista

    Philipp Amthors Auftritt mit dem Strandkorb hatte für mich selbstironische Qualitäten. Sowas zur Staatsaffäre zu machen, finde ich kleinlich. Gibt es keine wichtigeren Themen, wie beispielsweise das rausgeworfene Geld für die Erweiterung des Kanzleramts?

    Bei Jens Spahn hingegen glaube ich, der Mann bettelt regelrecht um seinen Rauswurf. Politikverdrossenheit gibt's offenbar nicht nur bei Wählern.

    • FtznFrtz

      @economista:

      Das glaube ich nicht, wenn er genug von der Politik hätte könnte er zurück- oder für sein Mandat nicht mehr antreten.



      Spahn hat extrem hohe Ambitionen, die Gier aufs Kanzleramt dringt aus allen Poren. Nur passen weder persönliche Integrität noch professionelle Berufsauffassung dazu. Spahn hat sicher politisches Talent, allerdings hat er auf allen Posten die er bisher innehatte dilettantische Fehler gemacht, Spahn ist kein Profi, trotz (oder wegen?) großspurigem Auftreten. Und natürlich häufen sich die Skandale und Skandälchen, hier Immobiliengeschäfte, dort entgegen der eigenen politische Linie Leihmutterschaft, jetzt ein kleiner Trip in der Arbeitswoche. Wenn es sein Ziel war, den Ball flach zu halten und in ein paar Jahren wieder an die Spitze aufzusteigen, nachdem Gras über die Leihmuttersache gewachsen ist, hat er das erst einmal verfehlt. Die Geduld mit ihm geht zu Ende, in der Union will das was heißen.

    • Mondschaf26

      @economista:

      Die Politisierung im Leben von Politiker:innen ist einfach unerträglich. Oder so selbstironisch wie der Strandkorb von P. Amthor. Der hat in der „heute show" vermutlich auch nie gewusst, ob er veräppelt wurde oder ob ihm gehuldigt wurde. (Mir ging es genauso.)

    • moonwatcher

      @economista:

      Wissen Sie auch, was Herrn Amthor auf diesen Gedanken gebracht haben könnte? Was geht in den Köpfen dieser Leute vor? Wie versteht er sein Amt? Was ist sein Verständnis repräsentativer Demokratie? Einfach nur Selbstironie? Das würde mich sehr überraschen.

    • Janix

      @economista:

      Amthor einen Korb zu geben ist nachvollziehbar wie irrelevant. Solche kleinen Aufregungen halten sich an Kleinigkeiten fest und blockieren die Wahrnehmung echter Empörungspunkte und Skandale, die sich in der handfesten Unions-Politik leider allzu häufig abspielen.



      Spahn sollte besser von der Macht ferner gehalten werden als derzeit, und auch nach Merz' Schwanengesang.



      Nicht weil die Union bei Schwulenpärchen andere Maßstäbe anlegen will oder wegen Spahns gierig wirkenden Auf-große-Hose-Machens. Ja, christlich formuliert sollen erst mal dienen können, wer herrschen will.



      Sondern weil Spahns Politikpunkte blauäugig wie gefährlich sind. Und Redenschwingen auch bei ihm nicht als Qualifikation reicht.

  • Janix

    Spahns Fehler sind nicht Lifestyle. Dass er geldorientiert, snobbig und andersmoralisch agiert, ist unschön, aber auch noch nicht der entscheidende Punkt.



    Es sind seine politisch-inhaltlichen Unzulänglichkeiten, die schmerzen. Wer nur Reden schwingen kann, gehört in die Dauerwerbesendung, nicht in die höheren Kreise der Politik.

  • Westlahn

    Was geht im Kopf dieses Mannes vor? Bei der Mutterschaftsgeschichte schien es eine Mischung aus "was schert mich mein Geschwätz von gestern" und "die Regeln, die andere befolgen sollen, gelten nicht für mich, da steh ich drüber..."



    Jetzt scheint es eine Art Missachtung oder Verachtung seines "Arbeitgebers" namens "Bundestag" um nicht zu sagen: das bundesdeutsche Volk. Er findet offenbar nichts dabei, eine Täuschung zu begehen, wenn er sagt: ...bin nicht da, Kind krank..." und dann auf die sonnige Urlaubsinsel zu fliegen..." obwohl der Haushaltsausschuß ja z.Zt nicht "business as usual" abarbeitet. Es steht über die Einigung dort die Existenz der Koalition auf dem Spiel. Und er chillt. Diese Partei hat -auch mit ihm- dem deutschen Volk gesagt: Krankschreibung am 1. Tag ihr Drückeberger ! Telefonmeldungen haben zu viele Verlockungen zu betrügen.



    Jetzt wissen wir, wie die CDU auf diese Unterstellung gekommen ist: an führender Stelle saßen (?sitzen?) Leute, die es genau so machen (würden)...

  • Heideblüte

    Die von Amthor und Spahn zur Schau getragene Heuchlerei, gepaart mit Dreistigkeit, völliger Freiheit von Moral und gekrönt von intellektueller Leere, ist zwar in ihren einzelnen Bestandteilen nicht selten in der heutigen politischen Landschaft, in dieser Geballtheit aber doch etwas zu viel.



    Lustigerweise soll Herr Amthor in Meck-Pomm ja auf Grund seiner „Jugendlichkeit“ in Zukunft jüngere Wähler anziehen und die CDU retten. Da Amthor der älteste 33-jährige ist, den ich kenne ( der ist mir als 60-jährigem schon viel zu antiquiert ), zeigt es, wie innerlich vergreist die CDU ( und weitestgehend die SPD ) wirklich ist!

  • Ach Mensch

    Sind sich seine Wähler bewusst, welchen Schaden sie unserer Republik zugefügt haben?

    de.wikipedia.org/w...nfurt_I_–_Borken_I

    Ein Jens ohne Scham!

  • wheredallthegoodpeoplego

    Spahn und Amthor gehören zu einer Berufspolitiker -Kaste, die so ziemlich jeden Realitätsbezug verloren hat, so er denn jemals vorhanden war. Mit solchen Leuten wird nichts besser werden. Die Partei müsste mMn solche Leute dazu bringen, ihr Mandat niederzulegen. Alles andere sind nur leere Gesten, die keine wirklichen Konsequenzen haben. Gilt übrigens auch für diesen Ferat Kocak, nur hier aus anderen Gründen. Mich wundert bei solchen Charakteren überhaupt nicht, daß viele Bürger sich verar...t vorkommen. Dann noch dieses ewige Opfer-Gegreine, zum Davonlaufen! Und genau diese Emotionen sammelt die AfD auf.

  • Bolzkopf

    Die Katze schwörte hoch und heilig nie wieder einer Maus was zu Leide zu tun ...