Teures Benzin : Sorry, liebe Wutbürger!
Vermutlich muss Sprit noch viel teurer werden, bis es auch der letzte Autofahrer merkt, dass er sich nur mit einem Stromer von der Ölmafia lösen kann.
S orry, liebe Wutbürger: Auch wenn der Preishammer an den Tankstellen vielen und gerade den sozial Schwächeren wehtut – die Spritpreise sind in Deutschland einfach noch viel zu niedrig. Das ist keine grünversiffte Illusion, das ist Klimaschutz und die einzig mögliche Antwort auf eine bereits weit vorangeschrittene Verkehrswende.
Donald Trump führt die USA gerade in den zweiten Kriegsschlag ums Öl – seit Jahresbeginn. Die beste Versicherung gegen die Abhängigkeit von den Fossilen sind E-Autos. Sie helfen dem Klima, schaffen Jobs und schützen uns vor fossilen Oligarchen. Wer jetzt schon mit grünem Strom fährt, ist gegen die Flummibewegungen der neuen Geopolitik ganz gut gefeit. Der Preisschock an den Zapfsäulen durch den Iran-Krieg belastet die Fahrer*innen von Benzinautos fünfmal so stark wie jene von Stromern.
Alle E-Autos weltweit sparen heute schon zwei Drittel des Öls ein, das durch die Straße von Hormus transportiert wird. Außerdem werden sie preislich immer attraktiver gegenüber Benzinern. Doch EU und Bundesregierung setzen auf ein ökologisches Rollback. Am Dienstag berieten die EU-Umweltminister*innen über abgeschwächte Flottengrenzwerte und Aufweichung des Verbrenner-Verbots.
Das wird den Umstieg in Europa verlangsamen – und könnte die deutschen Hersteller, die weiter auf PS setzen, eines Tages als die Nokias der Autobranche enden lassen. Gleichzeitig schwächt Wirtschaftsministerin Katherina Reiche günstige heimische Energiequellen wie Wind und Sonne. Und sie präsentierte am Dienstag ein Tankstellenpaket, über das selbst der ADAC sagte, dass es vorerst die Spritpreise sogar anziehen lassen werde.
Man müsste sie dafür fast beglückwünschen. Noch besser sollte Reiche fossile Subventionen abbauen und Diesel und Benzin verteuern. Als die Grünen Ende der 90er 5 Mark für einen Liter Benzin forderten, wurden sie bei den Wahlen abgestraft. Wahrscheinlich muss der Sprit heute aber noch viel kostspieliger werden, bis der letzte Autofahrer merkt, dass er sich nur mit einem Stromer von der Ölmafia lösen kann.
Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen
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