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Kritik an Fleisch-KampagneTiere essen, ohne nachzudenken

„Iss was dir schmeckt“ appelliert eine Kampagne von Fleischindustrie und Bauernverband. Sie lenke ab von Problemen der Tierhaltung, sagen Kritiker.

Die Grünen, die Ernährungsbewegung Slow Food und der Deutsche Tierschutzbund kritisieren die Pro-Fleisch-Kampagne „Iss was dir schmeckt“. „Die Kampagne der ‚Initiative Fleisch‘ ist eine perfide Täuschung“, sagte der taz Zoe Mayer, tierschutzpolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen. Den Ver­brau­che­r*in­nen werde durch Begriffe wie „Vielfalt“ und „Respekt“ Neutralität vorgegaukelt. „In Wirklichkeit promotet sie hauptsächlich Fleischkonsum ohne Nachdenken über die Folgen für Umwelt und Tiere.“ Plakate und Werbespots verschweigen, dass hinter ihnen der Verband der Fleischwirtschaft und der Deutsche Bauernverband stünden, so die Abgeordnete aus Karlsruhe.

Zweck der Initiative Fleisch GmbH ist laut deren Gründungsvertrag die „Imageverbesserung von Fleisch“. Beide Branchenverbände halten demnach jeweils die Hälfte des Stammkapitals. Der aktuelle Spot auf der Internetseite der Kampagne stellt die Auswahl von Lebensmitteln ausschließlich als Frage des Geschmacks dar. Man solle nicht andere von der eigenen Meinung überzeugen, sagt die Sprecherin im Off. Vielmehr gehe es darum, „zu akzeptieren, dass jeder von uns anders ist – und ja, auch was anderes isst“. Im Bild sind neben einigen Nudeln oder Maiskolben vor allem Mettigel, Steak und Kotelett zu sehen.

„Seit ihrem Start im April 2025 hat die Kampagne rund 400 Millionen Kontakte erzielt“, teilte die Firma der taz mit. „Damit hat sie eine große Reichweite erreicht“. Bei ihrer Aktion „Das große Angrillen“ kooperierte die Initiative zum Beispiel mit der Bild-Zeitung und bekannten Influencern in „sozialen“ Medien.

„Der Claim ‚Iss was dir schmeckt‘ spielt mit dem vor allem in rechten und konservativen Kreisen verbreiteten Kulturkampf-Mantra, dass es aufgrund angeblicher linker Verbotskultur nicht möglich sei, sich frei und uneingeschränkt zu ernähren“, kritisierte Mayer. „Das ist natürlich keineswegs der Fall.“ Allerdings werde heutzutage offener über Probleme für Gesundheit, Klima, Umwelt und Tier gesprochen, die übermäßiger Fleischkonsum verursache. „Über all dies geht die Kampagne wohlfeil hinweg.“

Qualvolle Betäubung, Knochenbrüche

Rupert Ebner, Vorsitzender von Slow Food Deutschland, sagte, die Initiative Fleisch lenke „vom eigentlichen Thema ab, denn gerade Tierwohl, nachhaltige Landwirtschaft und handwerkliche Verarbeitung machen gutes Fleisch zu einem besonderen Genuss“. Wenn beispielsweise ein großer Teil der Masthähnchen Knochenbrüche habe und Schweine bei der Schlachtung einer äußerst schmerzhaften „CO₂-Betäubung bis zum Ersticken“ unterzogen würden, könne man dieses Fleisch nicht mit Genuss essen.

„Wer in einem Kampagnenfilm den Mettigel als Symbolbild nutzt, der belegt nur, dass er in den 70er Jahren stehen geblieben ist“, ergänzte Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbunds. „Hauptsache Fleisch, egal, was das für Tier und Umwelt bedeutet: Das ist die Hauptbotschaft dieser Kampagne. Iss, was dem Planeten schadet, das würde als Slogan besser passen.“

In den Texten auf der Internetseite der Kampagne fand sich bis Redaktionsschluss kein Hinweis zum Beispiel darauf, dass in Deutschland, dem bundeseigenen Thünen-Agrarforschungsinstitut zufolge, circa 10 Prozent der Treibhausgasemissionen auf die Tierhaltung zurückgeführt werden – inklusive etwa des Ausstoßes durch die tierische Verdauung, die Fütterung und der Flächennutzung. Der Futteranbau trägt unter anderem durch Pestizide und Dünger dazu bei, dass wilde Pflanzen- und Tierarten aussterben sowie Wasser verschmutzt wird.

Kein Anspruch auf Vollständigkeit

Die Initiative wies die Kritik zurück. „‚Iss was dir schmeckt‘ erhebt nicht den Anspruch, sämtliche Aspekte von Ernährung in einem Kampagnenformat zu verhandeln“, schrieb Geschäftsführerin Kirsten Otto der taz. Die Kampagne plädiere „für selbstbestimmte Entscheidungen und einen respektvollen Umgang mit unterschiedlichen Essgewohnheiten“. Gleichzeitig gehe die Initiative auf Fragen wie „Herkunft, Transparenz, Nachhaltigkeit und Qualität in der Fleischerzeugung“ in Formaten wie „Wissen was schmeckt“ auf ihrer Internetseite ein. Das wolle die Firma in diesem Jahr weiter ausbauen.

„Der Vorwurf mangelnder Transparenz bei der Absenderschaft trifft nicht zu“, fügte Otto hinzu. Die Initiative Fleisch und der Deutsche Bauernverband seien als Absender der Kampagne ausgewiesen. Dass auf einzelnen Werbemitteln „nicht sämtliche Hintergründe zur Finanzierung im Detail“ dargestellt würden, entspreche der üblichen und rechtlich zulässigen Praxis in der Werbung.

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21 Kommentare

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  • Hersteller werben für ihre Produkte, ohne auf die Nachteile hinzuweisen.

    Ein normaler Vorgang in einer Marktwirtschaft. Was muss man also ändern, wenn man das nicht mag?

  • Ich finde den Spot sehr gelungen. Er zeigt ein verbindendes und keine spaltendes Gesellschaftsbild, was heutzutage sehr selten ist. Meine Meinung nach sehr gute Arbeit von den Initiatoren.

  • „Wer in einem Kampagnenfilm den Mettigel als Symbolbild nutzt, der belegt nur, dass er in den 70er Jahren stehen geblieben ist“, ergänzte Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbunds."



    Muss nicht sein, denn der Mettigel kann täuschend echt offenbar auch im Geschmack vegan kreiert werden. Anlässlich einer Feier wollte mir das vor mehr als 10 Jahren wirklich niemand glauben, der/die der Produkt der damaligen "Meister dieser Klasse" in Dortmund probierten.



    "Die Geschichte des Mettigels



    Seinen Ursprung findet der Mettigel auf den typischen Ruhrpott-Buffets. Den Höhepunkt erlebte er in den siebziger Jahren. Aber auch 2022 ist er immer noch extrem beliebt als Mitbringsel für Party-Buffets oder außergewöhnliches Geschenk. Mittlerweile ist er nicht nur im Ruhrpott, sondern auch über die deutschen Grenzen hinaus bekannt und ging schon auf TikTok und Co viral. Aus dem Igel lässt sich der perfekte Brotaufstrich machen und zum Beispiel mit Essiggurken auf einem Baguette servieren. Egal ob auf einer Geburtstags-, Betriebs- oder Weihnachtsfeier – der vegane Mettigel sorgt nicht nur für Schmunzeln am Buffet, sondern auch für Fragen, wie “Und der ist wirklich vegan?!”



    this-is-vegan.com

  • Ich halte Fleisch-Essen – im Grundsatz - nicht für verwerflich.



    Seit wir aber seit ein paar Jahren ein paar Hühner im Garten halten, sind mir diesbezüglich ein paar Bedenken gekommen.



    Nach meiner Beobachtung ist jedes dieser Hühner anders, jedes reagiert anders, jedes neue Huhn, das zu der kleinen Gruppe stößt, lässt wieder neue Aspekte in der „Hühner-Charakteristik“ erkennen. Und für mich hat sich die Erkenntnis manifestiert, dass jedes dieser Tiere ein Individuum ist, jedes ist „eigen“.



    Und wie gehen wir mit diesen Individuen um? Egal, ob es Hühner, Rinder oder Schweine sind. Für ein Schwein gilt nach dem Tierschutzgesetz eine Mindestfläche von 0,75 m² vor. Das 5-stufige Tierwohl-Label der BRD sieht für Stufe I eine Fläche von 0,9 m² , für Stufe II 1,1m² für Stufe III 1,5 m² und Frischluft vor und erst in Stufe V ist Freifläche verlangt. Ein Wildschwein, also der Vorfahre unserer Zuchtschweine, kann in einer Nacht bis zu 40 km zurücklegen.



    Bei diesem unwürdigen Spiel will ich mich nicht mehr beteiligen. Deshalb habe ich für mich beschlossen, auf tierische Nahrungsmittel möglichst zu verzichten.



    Ist das Idiologie, oder Respekt vor unseren Mitgeschöpfen?

  • "...kein Hinweis zum Beispiel darauf, dass ... circa 10 Prozent der Treibhausgasemissionen auf die Tierhaltung zurückgeführt werden..."



    Ja und? In der Wärmepumpenwerbung findet sich ja auch "zum Beispiel" kein Hinweis darauf, dass dafür entweder Neubau von Gaskraftwerken oder Speicher im dreistelligen TWh-Bereich erforderlich sind.



    Es ist immer wieder schön zu erfahren, wie Leute an andere Leute Kriterien stellen, die sie selbst nicht erfüllen.



    @Moderation: Sie haben selbstverständlich das (Haus)recht, das unter Whataboutismus einzuordnen und zu löschen.

    • @sollndas:

      Gut, dass Sie Ihren Beitrag schon selbst eingeordnet haben 😉

  • Erst quälen sie die Tiere und später werden sie dann von unterschiedlichsten Zivilisationskrankheiten gequält.



    Ich bereite mir aus Gemüse, Kräutern und einigen Gewürzen die schönsten wohlschmeckenden Speisen zu. Es geht auch ohne Fleisch. Nur auf ein schönes Rotbarschfilet hin und wieder mag ich nicht verzichten.

    • @Il_Leopardo:

      Die Veganer und Vegetarierer sterben nicht zwingend gesünder… Wir sehen am Tod nicht, wie jemand sich ernährt hat.

      Schöne Grüße aus dem Sozialdienst des Seniorenheimes.

  • Zitat:



    „Der Claim ‚Iss was dir schmeckt‘ spielt mit dem vor allem in rechten und konservativen Kreisen verbreiteten Kulturkampf-Mantra, dass es aufgrund angeblicher linker Verbotskultur nicht möglich sei, sich frei und uneingeschränkt zu ernähren“, kritisierte Mayer. „Das ist natürlich keineswegs der Fall.“

    Also wenn man den Artikel ganz durchliest entsteht, für mich schon mind. der Eindruck, dass schon einige der Ernährungsbewegten dieses "Fleisch essen verbieten würden, wenn es gehen würde"



    Alles natürlich im Konjunktiv.

    Nur verstehe ich nicht wieso dieses Thema "Fleisch essen" schon wieder (nur) ein rechter Kulturkampf sein soll. Es geht doch jeden an der sich nicht in den Teller hineinregieren lassen will.



    Selbstverständlich ist es legitim der Welt oder wem auch immer seine Sicht der schlechten Fleisernährung zu erzählen aber damit ist es auch gut. Wir leben immer noch in einer freiheitlichen Demokratie in der jeder, ganz alleine entscheiden können muss was er essen möchte.

    Also ich, jedenfalls esse nicht meinem Essen, das Essen weg.

  • Lachhaft!



    Mann darf sich nicht frei und uneingeschränkt ernähren?!



    Ich bin jetzt seit fast 40 Jahren Vegetarier und habe mindestens 2Jahrzehnte lang auf "respektvollen Umgang" in Restaurants warten dürfen.



    Was Jüngeren wahrscheinlich nicht wissen: es war völlig normal, dass es in Restaurants kein einziges vegetarisches Gericht gab, von vegan ganz zu schweigen.



    Wer Salat ohne Putenstreifen oder Bauernfrühstück ohne Speck wollte, hatte einen "Sonderwunsch".



    Köche in "besseren Restaurants" waren geradezu beleidigt, wenn ihr Kalbsbries verschmäht wurde und die Frage "auch kein Fisch?" habe ich hunderte Male gehört.



    Es ist der Erfolg der VerbraucherInnen, dass es heute in jedem Restaurant und in jedem Supermarkt Vegetarisches und sogar Veganes gibt.



    Es gibt 1000 gute Gründe kein Fleisch zu essen und eine solche Kampagne, die von Freiheit faselt, wenn sie was verkaufen will, ist einer mehr.

  • Und wieder ist es passiert: Moralische Überlegenheit und ein verlieren im KleinKlein.

    Genau so wirbt man um Herz und Hirn der Menschen…

    • @Andi S:

      Moralische Überlegenheit ist niemals falsch. Zum Beispiel Menschenrechte.

      Übertragen auf Tierrechte: Warum soll es Sinn machen, ein Nutztier zu quälen und systematisch auf die Ermordung vorzubereiten? Weil wir etwa Hunger haben?

  • Ja klar, die bösen Fleischfresser. Ist den Vegetarieren und den Veganer klar, dass Milliionen Kleintiere sterben, wenn ihr ach so fairen Produkte angebaut werden? Ach ja, die haben natürlich keine süßen Kälberaugen - aber ist das ein Unterschied?

    • @FraMa:

      Und wenn Getreide oder Soja nicht für Menschen, sondern als Tierfutter geerntet werden, läuft die Erntemaschine auf "Kleintiere retten Modus"????

    • @FraMa:

      Belege für die Behauptungen? Vegetarier sehe ich noch ein, aber Veganer?

      Oder ist das wieder ein typischer, kleinkarierter Whataboutismus gegen die vegane Ernährung und der Verweis, dass im Salat zwei Insekten ums Leben gekommen sind?

  • Ja, doch, ich esse was mir schmeckt.

    Aber bei Fleisch oder Wurst wird es mir bei dem Gedanken zur Herkunft immer speiübel, so dass ich schon vor Jahren zum Vegetarier geworden bin, weil ich nur noch das esse, was mir wirklich ohne üblen Beigeschmack schmeckt.

    • @Bauer Gerry:

      Und Eier und Milch essen ist okay? Aber was ist mit den Tieren, die dafür gehalten und genutzt werden? Werden die nicht ebenfalls für unsere Zwecke ausgebeutet? Milchkühe werden nicht einfach „nur gemolken“ – sie werden in der Regel immer wieder künstlich trächtig gehalten, damit sie Milch geben, und die Kälber werden oft früh von ihnen getrennt. Männliche Kälber haben in der Milchindustrie kaum Wert und werden häufig zur Mast genutzt. Wenn die Milchleistung nachlässt, werden viele Kühe geschlachtet.

      • @Ice-T:

        Ich glaube genau diese Antwort ist, es, die manche Fleischesser glauben lassen, Veganer hätten alle einen an der Waffel.



        Jedes Tier, das nicht gegessen wird, ist gut.



        Jemandem, der den ersten Schritt macht, vorzuwerfen, dass er den Weg nicht schon so weit gelaufen ist wie man selbst, motiviert nicht gerade zum Weiterlaufen.

      • @Ice-T:

        Der Kommentator versucht als Vegetarier weniger Tierleid zu verursachen und wird dafür angegangen. So wirbt man natürlich für seine Sache… nicht.

  • "Schweine bei der Schlachtung einer äußerst schmerzhaften „CO₂-Betäubung bis zum Ersticken“ unterzogen"

    Soweit ich weiß, döst ein Lebewesen unter CO2-Einfluß einfach weg. Direkt durch diese Betäubungsart sollten eigentlich keine Schmerzen verursacht werden.



    Ein Ersticken sollte auch nicht eintreten, da das Tier nach eingetretener Betäubung getötet wird.

    Aber schön ist das natürlich auch so nicht.

    • @R.I.P.:

      Für dieses Schmerzfreie Wegdösen müsste man CO nutzen.



      CO2 löst einen Alarm aus, reagiert mit Speichel zu ätzender Säure und macht das Ersticken zu einer echten Qual.



      Dummerweise ist CO etwas teuerer als CO2