„Frühstartrente“ für Kinder : Omas Sparschwein 2.0
Künftig sollen Sechsjährige vom Staat 10 Euro pro Monat aufs Konto bekommen, um fürs Alter vorzusorgen. Die Argumente dafür sind mehr als schräg.
F rüher lief die Sache mit dem Sparen so: Oma schenkte ein Sparschwein zum Geburtstag und steckte, um die Kleine an das Geld und an die Sparsamkeit heranzuführen, 3 Mark in das Schweinderl. Wenn das Kind jetzt jede Woche vom Taschengeld etwas abknapsen und in das Tierchen stecken würde, dann, so lautete das Versprechen, hätte man irgendwann mal so viel Geld zusammen, um sich die große gelbe Schwimmente zu kaufen. So weit die Erinnerung der Boomerin. Das Sparschwein von heute heißt: „Frühstartrente“. Und die Oma sieht aus, als hätte sie sich als Lars Klingbeil verkleidet.
Der am Mittwoch vom Bundeskabinett beschlossene Gesetzentwurf zur „Frühstartrente“ sieht vor, dass der Staat im Monat 10 Euro auf das Konto aller Sechsjährigen in Deutschland ab dem Jahrgang 2020 einzahlt. Jedenfalls dann, wenn die Eltern ein entsprechendes Altersvorsorgedepot bei einer Bank eröffnen.
Tun sie das nicht, können sie die Förderung aber auch irgendwann mal rückwirkend beantragen. Mit der milden Gabe soll die „finanzielle Bildung“ gefördert werden, „indem schon Kinder und Jugendliche sich mit Fragen der Vorsorge beschäftigen“, erklärt Bundesfinanzminister Lars Klingbeil. Bis zum 18. Lebensjahr sollen die monatlichen 10 Euro fließen, was insgesamt ein staatliches Geschenk von 1.440 Euro macht.
Zurück auf Los!
Mit Volljährigkeit könne das Depot dann „bis zum Renteneintritt durch eigene Einzahlungen weiter bespart werden“, heißt es aus dem Finanzministerium. Die Gabe vom Staat soll also vor allem auch eine Art pädagogischer Anreiz sein, sich mit Aktienfonds, Rentenpapieren, Immobilienfonds und Co. zu beschäftigen. Demnächst könnte die Bundesregierung eine Art Monopoly mit dem Thema „Sparen fürs Alter“ herausbringen. Wer nicht geschickt agiert oder wen das Würfelglück beziehungsweise Investitionsglück verlässt, für den heißt es: „Gehen Sie zurück auf Los!“
Ein wenig Geld an die Kleinen zu verteilen, auf dass sie oder ihre Eltern an die Finanzmärkte herangeführt werden, wirkt ein wenig aus der Zeit gefallen. Denn die 10 Euro fließen unterschiedslos, also auch an reiche Kinder mit Erbschaftserwartung, deren Eltern sich mit Investments gut auskennen. Und die Armen könnten mit den 10 Euro im Monat nicht die Streichung des Sofortzuschlags von 25 Euro im Monat kompensieren, den ebendiese Bundesregierung aktuell für Hunderttausende Kinder und Jugendliche plant.
Dass man mit sechs Jahren nicht für eine Schwimmente, nicht für eine spätere Ausbildung, nicht für einen Immobilienerwerb bei der Familiengründung, sondern eben schon als Kind fürs Alter sparen soll, zeigt überdies eine bedrückende Wahrheit: Aus dem kollektiven Sicherungssystem ist in Zukunft nicht mehr allzu viel zu erwarten, nach gegenwärtiger Lage.
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