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Klimapolitik und ZukunftDas Meckern über Moral

Der Klimaschutz sei zu moralisch, moralisierend, moralistisch, hört man oft. Aber wer profitiert davon, wenn man sich diesen Vorwurf zu Herzen nimmt?

Demonstranten von Fridays For Future bei einer Protestaktion vor dem Kanzleramt in Berlin Foto: Stefan Boness/Ipon

Z u den vielen Unwuchten im Politikbetrieb gehört es, dass das linke Lager jederzeit bereit ist, sich noch den billigsten Vorwurf des politischen Gegners zu Herzen zu nehmen – „Ui, haben die da doch einen Punkt?“ – und die eigenen Argumente durchzuflöhen. Auf konservativ-wirtschaftsliberaler Seite dagegen ist das selten bis nie zu beobachten. Das Bemühen um halbwegs widerspruchsfreie Begründungszusammenhänge bleibt ein linkes Hobby, und ebenso lange wird die Macht vermutlich auf der anderen Seite wohnen bleiben.

Das derzeit beeindruckendste Beispiel dafür ist die Klimapolitik. Der Durchmarsch der fossilen Lobby auch durchs bundesdeutsche Kabinett macht die Klimaziele zur Fata Morgana – einem Trugbild in der Wüste, als die wir uns große Teile Europas in der Zukunft vorstellen dürfen. Doch hadern KlimaschützerInnen weiterhin damit, ob und inwiefern die Vorhaltung wohl stimmt, dass Klimaschutz stets zu moralisch, moralisierend, moralistisch sei, eben mit einer „überhöhten Moral“ daherkomme, wie es Friedrich Merz als Noch-nicht-Kanzler über die Grünen donnerwortete.

wochentaz

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Wie bei vielem anderen ist Merz als Kanzler auch hierin längst vom Gas gegangen. Grünen-Parteichef Felix Banaszak bestätigte den Vorwurf jedoch indirekt noch einmal, als er im März programmatisch schrieb, das „Kampffeld“ müsse „von der Moralisierung von Lebensstilfragen“ weg verlegt werden, hin zur „Herausforderung schädlicher Machtverhältnisse“.

An genau dieser Stelle habe ich mich schon einmal mit meinem Kolumnenkollegen Peter Unfried verhakt. (Er: Moral raus aus dem Klimaargument! – Ich: Das Klimaargument geht nur mit Moral!) Umso glücklicher war ich deshalb, vorige Woche auf unserem Jahreskongress, dem taz lab, eine Diskussion mit zwei MoralexpertInnen führen zu dürfen. Wir hatten eine Auflösung. Kurz zusammengefasst: Man entkommt der Moral nicht.

Die Idee von einer besseren Zukunft

Die Schriftstellerin Anne Rabe, die jüngst das Buch „Das M-Wort. Gegen die Verachtung der Moral“ geschrieben hat, sagte: „Vielleicht ist eine Politik, die sich an einem Ideal oder an einer Idee von einer besseren Zukunft ausrichtet, per se verdächtig.“ Doch genau deshalb sollten sich Progressive – gedacht bis in gemäßigte CDU-Kreise hinein – diese Vorstellung einer besseren Zukunft nicht nehmen lassen, sondern sie nur noch deutlicher formulieren.

Gegen Moral spreche dabei überhaupt nichts, sagte Rabe. Moral sei schließlich „ein Mittel, die Gesellschaft resilienter, intelligenter und besser zu machen, mit den Herausforderungen unserer Zeit umzugehen“.

Über Moral zu meckern, sei ungefähr so schlau, wie sich über Schwerkraft zu beschweren, sagte auch der Philosoph Hanno Sauer. Er hat in „Moral. Die Erfindung von Gut und Böse“ die Entwicklung der Moral durch die Menschheitsgeschichte nachgezeichnet. „Die Behauptung, dass einem mit Moral unangenehm in den Nacken geatmet werde, ist abwegig“, führte Sauer in entzückender Metaphorik aus. Zwar gebe es Bereiche wie Kunst oder Sport, denen der „Import von Moral“ nicht unbedingt guttue. Das gelte aber nicht für die Politik. „Moral ist die Abwägung und Versöhnung von Interessen – auch von Menschen, die noch nicht geboren sind, und Menschen am anderen Ende des Planeten.“

Bleibt die Frage, unter welchen Umständen die WählerInnen es dulden, ihre Interessen etwa am Autofahren mit den Interessen noch nicht geborener Menschen abzugleichen. „Preise sind ein akzeptiertes Mittel“, sagte Sauer, „dann bräuchte man gar keine Moral, weil’s einfach zu teuer ist.“ – „Um das zu rechtfertigen, bräuchte man eine moralische Diskussion“, entgegnete Rabe. Wie erwähnt: Moral ist sowieso überall drin.

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Ulrike Winkelmann
Chefredakteurin
Chefredakteurin der taz seit Sommer 2020 - zusammen mit Barbara Junge und inzwischen auch Katrin Gottschalk. Vorher: Von 2014 bis 2020 beim Deutschlandfunk in Köln als Politikredakteurin in der Abteilung "Hintergrund". Davor von 1999 bis 2014 in der taz als Chefin vom Dienst, Sozialredakteurin, Parlamentskorrespondentin, Inlandsressortleiterin. Zwischendurch (2010/2011) auch ein Jahr Politikchefin bei der Wochenzeitung „der Freitag“.
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78 Kommentare

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  • Von Moral spricht man eigentlich, wenn eine Entscheidung einem schwerfällt und hohe Kosten (wirtschaftlich, emotional, politisch) verursacht.



    Aber das E-Auto, die Wärmepumpe, die Solar- und Windkraftwerke sind die jeweils eindeutig so viel kostengünstigere Variante, das zeigt gerade markant die CDU, die fast alle Konzepte vom zuvor vielgeschähten Habeck übernommen hat, dass es eigentlich nicht die Frage der Moral, sondern der Zumutbarkeit ist, auf welche Weise und wie schnell man die (alternativlosen?) Konzepte umsetzt, ohne den entgeisterten Michel auf dem Weg zu verlieren.

  • Meckern, oder nennen wir es Kritik üben, bezüglich der aktuellen Klimapolitik unserer jetzigen Regierung, in Bezug auf den Klimawandel und seine Auswirkungen, die gerade auch extrem die Länder Europas betreffen, ist eine Frage des Verstandes. Wir sollten und dürfen nicht die Stimmen aus der Wissenschaft weiter ignorieren, und unsere z. Z. in Verantwortung stehenden Volksvertreter dürfen sich auch nicht durch Ignoranz der Wissenschaft gegenüber hervorheben.

  • Das gesamte Konzept "Gesellschaft" ist von Moral getragen: Eine Gesellschaft definiert sich letztlich durch ihre geteilten moralischen Werte, nach denen sie auch ihr Miteinander regelt. Entsprechend ist Politik, die man als das Handwerk der "Gesellschaftssteuerung" verstehen kann, eine Kanalisierung moralischer Strömungen innerhalb der Gesellschaft zu einem möglichst stringenten Gesamtkonzept, genannt "Staat".

    Wie ENG eine solche Wertgemeinschaft sein muss, ist natürlich höchst variabel. Je enger, desto größerere Schnittmengen der einzelnen Mitglieder in deren moralischen Kompassen verlangt sie, und desto weniger tolerant ist sie für geistige und kulturelle Vielfalt. Deshalb sollte man auch Politiker von der Macht fernhalten, die ihre Moralvorstellungen insgesamt nicht nur für richtig, sondern für absolut halten (selbst wenn die mit den eigenen im Großen und Ganzen übereinstimmen).

    • @Normalo:

      Tatsächlich gibts bei Moral immer nen Absolutheitsanspruch, deswegen gibts Gesetze. Und ein Teil davon wie die universalen Menschenrechte kriegt mer hier ned garantiert und arbeitet noch dran, sich aus der Verantwortung davonzustehlen.

  • Ausgerechnet der Parteilinke Felix Banaszak (danke für den Link auf sein Papier) gibt Söder und Merz im Grunde Recht, dass die Grünen übermoralisieren, weshalb eine Wende hin zu erfolgreicher Politik - wie sie z. B Özdemir verfolgt - geboten sei.

    Deshalb der Hinweis auf den berühmten Satz aus den Minima Moralia von Adorno: „Es gibt kein richtiges Leben im falschen“, womit der Schlüsselbegriff Kapitalismus gemeint ist, der zentral für den Klimawandel ist.



    Wahre Moral besteht für Adorno in der kritischen Reflexion und dem Widerstand gegen die Verhältnisse, die den Menschen unfrei machen.



    Umso verwerflicher, dass Banaszak ohne Not die Freiheit bemüht, die ihm sein erstes Auto ermöglichte. Freiheit als Argument, um die Grünen als Partei zu entmoralisieren und anschlußfähg an den "grünen Kapitalismus" und vor allem massiver Aufrüstung zu machen.



    Auf der Strecke - nämlich im Gefängnis oder finanziell ruinert- bleiben Widerständige wie die Letzte Generation, die dem Dictum von Adorno folgen: "Emphatisches Denken fordert Zivilcourage. Der einzelne Denkende muß es riskieren, darf nichts unbesehen eintauschen oder abkaufen; das ist der Erfahrungskern der Lehre von Autonomie.“

    • @Lindenberg:

      Sind sie ernsthaft der Ansicht, dass über 8 Milliarden Menschen nicht auch für ordentlich Klimaerwärmung sorgen würden in einem anderen System? Soweit ich mich erinnern kann, hat der sozialistische Ostblock seinerseits auch ordentlich Treibhausgase in die Atmosphäre geblasen - bei merklich geringerem wirtschaftlichem Output wohlgemerkt.



      Das ist übrigens genau die Moralisierung, die oben angesprochen wird, die sie hier mit ihrem Kapitalismus -Bashing zur Schau stellen.

    • @Lindenberg:

      Der Übergang von Zivilcourage zu übergriffiger Rechthaberei mag nicht Jedem sofort auffallen. Die Grenzen sind im Zweifel auch nicht in Stein gemeißelt, sondern "sozialadäquat" definiert. "Der Zweck heiligt jedes Mittel" ist jedenfalls KEIN praxistauglicher Maßstab.



      Was Adorno dem Inidviduum mitgibt, ist zwar völlig nachvollziehbar und liest sich echt gut. Es begründet aber keinen Anspruch des Individuums an seine Umwelt, die Konsequenzen, die es aus seinen Wertungen zieht, selbst als moralisch richtig anzuerkennen und mit den eigenen Vorstellungen und Rechten hinterherzustehen. Die Grenzen gesellschaftlicher Toleranz ergeben sich im besten Fall aus Gesetzen. Anders gesagt: Die Freiheit, die Adorno das Individuum animiert sich zu nehmen, schließt eben auch die Freiheit ein, sich außerhalb dessen zu stellen, was die Gesellschaft toleriert ("es zu riskieren"). Das heißt aber logischerweise auch, dass sie das dann eben NICHT toleriert und gegebenenfalls auch im Hinblick auf sein Anliegen negativ reagiert.



      Nehmen Sie Banaszak nicht übel, dass er als Politiker, der Ergebnisse erzielen will, diesen Effekt berücksichtigt: Wer in makelloser politischer Schönheit stirbt, ist trotzdem tot.

  • Klimaschutz ist übernomme, gelebte Verantwortung .

  • Statt den moralischen Zeigefinger zu erheben, sollten lieber jeder mit gutem Beispiel vorangehen. Funktioniert zumindest in der Schule (manchmal ;)).

    • @Hauptschullehrkraft:

      Was ist aber, wenn man selbst zB keine klimaschädliche Industrie weniger klimaschädlich weiter betreiben?

      Es ist auch eine Frage des Maßstabs, sonst wird der Aufweis nicht einwandfreien Verhaltens auf Seiten derjenigen, die moralischen Argumente vertreten, schnell zum Totschlaggegenargument a la „Ich hör doch nicht auf, mit dem SUV zur Arbeit zu fahren, mit Öl zu heizen und dreimal im Jahr auf Kreuzfahrt zu gehen, solange du noch einmal im Jahr nach Großbritannien fliegst.“

      Klimaschädliches Verhalten ist nie vollständig vermeidbar und dahingehend relativ. Also müssen die Relationen des Sinnvollen auch politisch bestimmt werden und dürfen nicht nur von Individualtugenden abhängig gemacht werden.

  • Die Wissenschaft und die Klimaschützer haben halt Fehler gemacht die Ihnen nun vor die Füße gefallen sind. Die haben die soziale Lage vergessen! Ihre Berechnung war zu einseitig. Das hat nichts mit Moral zutun

    • @Marcelo:

      Ähnlich wie Normalo.



      Fehler machten und machen halt alle jene, die die Erde für Bequemlichkeit und Quartalsprofit ausschlachten. Was die soziale Lage wirklich einseitig verschlechtert.

    • @Marcelo:

      Wissenschaftlern diesen Vorwurf zu machen, wäre unsachlich. Bei der Berechnung, was an Wandel nötig ist/wäre, um eine Erwärmung um X Grad zu verhindern, sind nun einmal Geldbörsen und subjektive Lebensstandard-Erwartungen der Erwärmer keine relevanten Parameter. Da geht es um chemische und meteorologische Prozesse und thermische Energie.

      Ob die Ergebnisse dieser Berechnungen dann zu einem Angriff auf besagte "soziale Parameter" führen müssen oder nicht, ist dagegen eine politisch-moralische Entscheidung. Da hat jeder seine Meinung zu, und atheistische, kinderlose Hedonisten beurteilen den Wert oder Unwert einer sorglosen "Nach mir die Sintflut"-Mentalität im Zweifel anders als z. B. frischgebackene Eltern (oder solche, die das eigentlich noch werden wollen), die sich aus religiöser oder sonstiger Überzeugung heraus übergeordneten Gemeinwohlgedanken verpflichtet fühlen.



      Das hat auch, aber nicht NUR mit der wirtschaftlichen Situation der jeweiligen Meinungsträger zu tun. Zumindest dürften Jene, die die Umstellung der eigenen Lebensgewohnheiten mit dem fehlenden sozialen Ausgleich begründen, WEIT zahlreicher sein als die, die sich diese Umstellung wirklich nicht leisten können.

      • @Normalo:

        Nur genau das sagen die Sozialwissenschaftler über die Klimawissenschaftler das die ihre Berechnung nach bestimmte Großstädte gemacht haben und nach allen anderen nicht berücksichtigt haben und das ist halt falsch, das hat erstmal nichts mit Geld zutun

  • Ziele kann man moralisch begründen. Die Wege, die Ziele zu erreichen, entziehen sich einer moralischen Beurteilung. Denn sie können in ihrer Wirkung richtig sein, sie können aber auch falsch sein. Um dafür nur ein Beispiel zu geben. Deutschland hat ganz massiv in die alternativen Energien investiert und hat jetzt im Sommer das Problem, zu viel davon zu haben. Zu Beginn der Energiewende haben insbesondere die Fraunhofer-Institute darauf hingewiesen, dass man Speicherkapazität benötigt. Pumpenspeicherwerke oder auch Wasserstoffkraftwerke. Man hätte die Lausitz in ein Pumpspeicherwerk umwandeln können, wie auch den Hambacher Forst. Man ist aber eher den Ratschlägen von Agora gefolgt. Ausbau um jeden Preis. Andere Länder, beispielsweise Spanien, sind eher den technischen Vorstellungen gefolgt und stehen heute besser da als Deutschland. Das sind keine moralischen Fragen, sondern das sind rationale, zu überprüfende politische Entscheidungen. Der deutsche Weg hat dazu geführt, dass Deutschland europaweit bei den finanziellen Aufwendungen für die Energiewende mit an der Spitze steht, aber auf der Basis der europäischen Daten beim Klimaschutz auf der 23. Stelle.

  • Putzig ist ja auch die Vorstellung, dass diejenigen, die jeden Versuch, die Welt ein klein wenig weniger unerträglich zu machen, kein moralisches Gerüst hätten. Haben sie natürlich, aber oft ist es halt eine Schweinemoral.

    • @My Sharona:

      Es ist irgendwie schon moralisch verwerflich, jedes Jahr ne halbe Sau zu futtern (so statistisch, schaff ich ned ganz), deren von Menschen zugeschriebene Moral nu wieder zurückzuspiegeln ist unfair ;).

  • Das Problem ist dass "Moral" oft als absolut verstanden wird (Gut vs. Böse) und die Möglichkeit, dass auch Moral relativ ist, wird gar nicht in Betracht gezogen. Häufig genug ist es nur eine behauptete Moral -ein kraft irgendeiner Wassersuppe gesetztes Dogma.

    • @Chris McZott:

      Woher leite ich sie ab, die Moral? Aus 'Offenbarung', Religion, Humanismus, menschlichen Gefühlen? Ich frage offen.

      Ist zugleich eine komplett privatisierte Moral noch eine Moral oder nur Lifestyle - oder brauchen wir universale Leitplanken, die auch schneller Doppelmoral aufzeigen?

      Sich selbst als Engel und den "anderen" als Teufel zu sehen, kann einen mobilisieren und mag in seltenen Fällen sinnvoll sein (Putins Soldaten vor der ukrainischen Ortschaft). Aber zumeist verdeckt es mehr, als es zeigt, und führt zu verdrehter Moral.

      • @Janix:

        Nüchtern betrachtet ist Moral zunächst einmal höchst subjektiv. Die allermeisten Menschen halten ihre Einstellung für moralisch - selbst die größten Schlächter und Raubritter der Geschichte leg(t)en sich irgendwas zurecht.



        Glaubt man umgekehrt NICHT an eine übermenschliche moralische Autorität, stellt sich in der Tat die Frage, wer mehr Recht hat als jeder einzelne Mensch, einen moralischen Kodex Anderen nötigenfalls zu oktroyieren. Eigentlich ist schon dieser Anspruch Doppelmoral - und die Verurteilung von "Doppelmoral" ist umgekehrt wieder die Anmaßung, das Konzept der "moralischen Stringenz" zur übergeordneten Regel erheben zu können. Auch "Jeder für sich, dann ist Allen geholfen", ist letztlich ein "moralischer" Standpunkt.



        ...womit wir beim möglichen überpersönlichen KONSENS über moralische Systeme sind (vulgo "Gesellschaft"). Hierzulande verwenden wir die Demokratie, um ihn zu herzustellen und eine Balance aus hinreichend breit akzeptierten Regeln und daneben frei schwingendem Pluralismus zu schaffen. "Anstand" z. B. meint daher eher pseudo-universelle Regeln, deren Achtung effektiv mehr Unterscheidungsmechanismus ist als einforderbare Pflicht.

        • @Normalo:

          Etymologisch betrachtet ist Moral ein kollektives Regulativ.



          Es stimmt aber, dass es wichtig ist, die Normen einer Gemeinschaft in sich selbst herauszubilden. Welche gemeinschaftlichen Normen man hier anvisiert, ist in der Gegenwart in hohem Maße individualisiert.



          Man aber dennoch in den meisten Gesellschaften auf ein angemessenes Inventar zurückgreifen. Dieses Inventar müsste man sich zunutze machen, und es mit gegenwärtigen Handlungsfragen in Verbindung setzen. Dazu ist aber auch Vernunft nötig und die kommt da häufig nicht mehr hinterher.

      • @Janix:

        Wie man sich seine Moral erschliesst, das hängt vom Verständnis jedes Einzelnen ab. Je mehr man lernt, und je mehr man erlebt, desto weiter ändert sich auch die Moral.



        Man ist verantwortlich, nicht nur für das "Schlechte", das man tut, sondern auch für die Unterlassung des "Guten", das man tun könnte. Egal ob man sich drum kümmert oder nicht, diese Verantwortung hat man.

  • Je mehr der konservativ-wirtschaftsliberalen Seite die wissenschaftlichen Argumente gegen einen konsequenten Abschied von der fossilen Wirtschaftsweise ausgehen, desto öfter beschuldigt sie den Gegner, moralisch zu argumentieren anstatt in der Sache. Dabei liegen die wissenschaftlich fundierten Tatsachen auf dem Tisch. Aber gegen vermeintliches Moralisieren muss man halt nicht argumentieren, da reicht schon diskreditieren (Bali-Flieger!), das ist leichter.

  • "Moral wird viel zu oft mit Empörung verwechselt- und Empörung ist negativer Narzissmus..." (Julia Kristeva, polnische Philposophin)

    .

    DAS sollten sich einige mal zu Herzen nehmen...

    • @MarsiFuckinMoto:

      Sollten wir uns über Empörung zuerst empören?



      Oder doch zunächst über Leben auf Kosten anderer, ökonomisch und/oder ökologisch?



      Empörung kann der Moral die Handlungskraft schenken oder sie auch nabelschauverpuffen lassen, es kommt wohl auch hier darauf an.

  • Es ist doch ganz einfach. Moral ist ein extrem wichtiger Leitfaden für das eigene Leben. Moral eifernd und dogmatisch vor sich her zu tragen, ist was für Spießer.

    • @Deep South:

      Moral ist nicht nur ein Privataltar der Notare Bolamus, sie kann auch Gemeinschaften vereinen und ermöglichen. Eine Prise Moral gehört dazu.

      Seien wir dabei lieber der selbstdemütige Zöllner als der Pharisäer.

    • @Deep South:

      ist das nicht schon moralisierend :-) ?

      • @Opossum:

        Nee, dass ist meine Meinung. Und Suggestivfragen sind der billigste Weg, sich einem Thema zu entziehen.

        • @Deep South:

          Billig ist doch gut, oder? ;-)

  • Moral ist etwas sehr subjektives und keine feste Größe.

    Moral ändert sich auch je nach Standpunkt und Gruppenzugehörigkeit.

    Für die einen ist Sex vor der Ehe unmoralisch, für den anderen ist es moralisch in Ordnung mit mehreren Frauen verheiratet zu sein und für wieder andere ist die Ehe an sich unmoralisch.

    Für die einen war es durchaus moralisch in Ordnung Menschen an der Mauer zu erschießen, für andere ist es moralisch schon ein Problem, wenn das falsche Pronomen verwendet wird.

    Von daher ist jede Argumentation, die mit Moral begründet wird, ein subjektive Herangehensweise und kein Argument.

    • @Reinero66:

      Sagen wir so: Es hängt von den Prämissen ab. Aus tauglichen Prämissen lässt sich auch moralisch schlüssig urteilen. Natürlich wird man sich nicht so leicht auf Prämissen einigen...

      • @JK83:

        Nur müsste "moralische Stringenz" erst einmal zu diesen Prämissen gehören, damit dieser Satz irgeneine Konsequenz hat. Leute wie Donald Trump können darüber nur kichern. Sie halten es für absolut vertretbares Freiheitsstreben, einen Großteil ihres Lebens dem Aufbau eines Umfeldes zu widmen, in dem sie eben NICHT nach den Regeln leben müssen, deren Einhaltung sie von Anderen selbstverständlich erwarten.



        Deren Prämisse ist also: "Meine Willkür muss geschützt werden." Man kann auch auf dieser Prämisse "schlüssige Urteile" basieren, aber deren moralische Tragweite ist halt äußerst begrenzt...

    • @Reinero66:

      Da möchte ich widersprechen: In allen Kulturen finden sich einfache Grundregeln, die alle unterschreiben, z. B. die, dass man anderen keine Schmerzen zufügen möge, nicht klauen soll usw. Es sind wenige, aber sie sind omnipräsent. Alles, was dem widerspricht, benötigt schwere ideologische Arbeit, wahnsinnig viel Gelaber und geht in der Regel mit Unterdrückung und Gewalt(androhung) einher. Insofern ist Moral in theoretischen Spielereien sicher "relativ", aber sie ist menschheitsübergreifend nicht beliebig.

      • @T 1000:

        "Moral in theoretischen Spielereien sicher "relativ""

        Sagen sie das all den Frauen, die im Iran und in Afghanistan wegen vermeintlichen Ehebruch gesteinigt wurden.

  • Während Frau Herrmann und Frau Lehmann doch recht häufig in Talkrunden auftreten und dabei die Unverzichtbarkeit der TAZ in der Medienlandschaft manifestieren - ist Frau Winkelmann selten zu sehen: Schade; denn ich mag ihre Süffisanz und die nett hergeholten Wortspiele.

    Zurück zum Thema. Erst kommt das Tröpfeln - dann kommt die Moral. Ich tue mich schwer die Begriffe union und Moral zusammen zu denken (die verspäteten Koalitionsverhandlungen in BaWü legen Zeugnis ab).



    Bei alten Herrn ist es nun mal so, dass sie zum Tröpfeln neigen (wenn die Prostata nicht gänzlich zumacht). Und man hat uns einen Kanzler in intellektuell überreiztem Alter zu gewählt. Herr Merz neigt zu vorzeitigem Rede-Erguss, einem Symptom, dass eher jungen und unerfahrenen Hüpfern zugeschrieben wird. Und dann geht´s eben zum Urologen oder Coaching für Reflexion & Psychohygiene. Wenn die union sich Moral gern als Kreuz an die Wand hängt – diese, ihre Moral aber auf einem Merz`schen Bierdeckel Platz hat – wird es eng – an den Rändern. Oder die Gesellschaft wird Rand.

  • Deutschland erwärmt sich seit 30 Jahren um 0,5 Grad pro Jahrzehnt, und die globalen Treibhausgasemissionen sind immer noch jedes Jahr höher. Und der arktische Permafrost taut jetzt schon grossflächig - in dem ist 3mal so viel CO2 gebunden, wie die Menschheit bisher freigesetzt hat.



    In 100 Jahren liegen die Temperaturen in Deutschland also so hoch wie in Spanien am Ende des letzten Jahrtausends. Das ist faktisch schon nicht mehr vermeidbar. Es geht jetzt darum, zu verhindern, dass es NOCH VIEL SCHLIMMER wird.

    • @Griffendorff:

      Es ist nicht sicher, daß wir es in 100 Jahren schön warm haben werden, da ist noch die kleine Wahrscheinlichkeit der winterkalten Trockensteppe. Aber keine Sorge, dafür gibt es dann andere Regionen, die so feuchtwarm werden, daß da auch kein Zweibeiner mehr wohnen kann.



      Traurig ist nur, daß das bestehende Wirtschaftssystem nicht in der Lage sein wird, das zu verhindern oder abzumildern.

    • @Griffendorff:

      Dem ist nicht viel hinzuzufügen, höchstens dass eben dieses Moralgeschwafel inkl. dem Fingerzeig aufs Individuum und davon ablenkt, wirksame Gegenmaßnahmen zu ergreifen

    • @Griffendorff:

      👍

  • "Moral" ist das falsche Wort. Es ist einfach nicht gesund, sich an Dingen zu erfreuen, die Anderen schaden. Insbesondere dann, wenn man sich auch an Dingen erfreuen könnte, die vor allem nützlich sind.

  • Der sog. Westen (mit seinem dualistischen Denken) hatte schon immer ein zwiespältiges Verhältnis zu Moral.







    Die Buddhistische Weltsicht, bei der z.B. der Begriff des *Karma* eine zentrale Rolle spielt, ist da schon wesentlich eindeutiger.

    Moral ist seinem Wesen nach universell und baut auf das *Prinzip der Gegenseitigkeit* auf. Sie ist damit DIE entscheidende Instanz für Gerechtigkeit und sozialem Miteinander..sowie eine der zentralen Säulen der Lebenskunst.







    ..eigentlich..denn wie wir sehen, läßt sich Moral auch sehr gut instrumentalisieren, z.B. indem man anderen ein schlechtes Gewissen macht.. (und die Moral von der Geschicht: ich sage dir das tut man nicht).

    Und so arbeiten in der Jetztzeit ganze Thinktanks, Werbefirmen, Sprachdesigner, Verschwörungsideologen, usw. daran Moral in ihrem Sinne umzuframen und als Machtinstrument einzusetzen.



    Ziel dabei ist immer die Eindeutigkeit der Welt zu spalten.



    Der relativ neue Begriff des "Narrativs", der suggeriert, es gäbe auch eine "alternative Realität" ist so ein Beispiel, Trumps "alternative Fakten" ein anderes..







    In Wirklichkeit gibt es aber nur EINE Realität und EINE (universelle) Moral. Die Physik wird uns daran erinnern..

    • @Wunderwelt:

      Nein, die Physik wird uns mit Sicherheit nicht daran erinnern.

      Elektrischer Strom, Quantenphysik, ...

      Dann wird es wohl auch nichts mit der universellen Moral.

      Was sollte die sein?

      Das Prinzip der Gegenseitigkeit hört sich nach der Goldenen Regel an.

      Da stößt man relativ schnell an seine Grenzen.

      Der Grundkonflikt der Gerechtigkeit- jedem das Seine oder allen das Gleiche - ist bis heute auch noch nicht gelöst.

    • @Wunderwelt:

      Ich betrachte Moral nicht als universell, sondern als kulturell hergestelltes nicht gänzlich festgeschriebenes Regelwerk, das sich in der echten Welt bewähren muss.



      Da Moral laut Dir auf Gegenseitigkeit beruht, werden die Leute, die mithilfe von Moral herrschen wollen auch selber mithilfe der Moral beherrscht. Moral engt alle Beteiligten ein. Natürlich muss sich eine Gesellschaft fragen, wie viel Moral sie erfüllen kann, und welche Moral sie erfüllen muss, um überhaupt stabil funktionieren zu können.

      Tierschützer sind beispielsweise sehr moralisch, aber Leute, die keine Ahnung haben, wie sie vegan leben können, können so hohen moralischen Ansprüchen gar nicht genügen. Hier haben wir also ein klassisches Beispiel für einen moralischen Aushandlungsprozess.

      Klimaschutz ist hingegen ein Beispiel für ein moralisches Ideal, das unverhandelbar ist, weil die Gesellschaft an sich ohne Klimaschutz nicht fortbestehen kann. Gleichzeitig lassen sich Klima"sünden" mit der Technik, die jetzt zur Verfügung steht, noch nicht vollständig vermeiden. Diesen Zwiespalt muss man aushalten, weil er materiell gegeben ist.

      • @Marvienkäfer:

        Ich denke nicht, dass der andere User diese Gegenseitigkeit meint, sondern das - wie auch immer ursächlich - Teilen gemeinsamer Werte. Wo Sie recht haben, denke ich, dass dies, die Ursächlichkeit, zumindest in unseren Breiten nicht mehr aus einem tradierten Naturkodex bzw gemeinsamen Werten heraus geschieht. Meine persönliche "Verschwörungstheorie": die Abkehr von Natürlichkeit (zB der Ascheu dem Töten gegenüber und Abkehr von der Humanität, denn alles muss sich rechnen) haben wir der hiesigen Kultivierung des Neoliberalismus zu "verdanken", selbst wenn das nicht beabsichtigt war; es macht jedoch etwas mit den Menschen.

      • @Marvienkäfer:

        Zu einem Nebenpunkt: Mir ist kein Punkt bekannt, wieso jemand grundsätzlich nicht vegan leben "kann". Welchen meinten Sie?

        Klimaschutz wird nach allem, was ich weiß, ohne einen deutlichen Minder-Verbrauch von Fossil gerade der Prasser kaum machbar sein. Technik wäre nett, ist aber nicht so (und wenn, müsste die Preispeitsche dafür endlich ran).

        • @Janix:

          Bevor die Preispeitsche die Hauptverursacher des unnötigen wohlstandsverwahrlosten Drecks zum Nachdenken bringt, bleibt denen, die am wenigsten dazu beitragen, noch weniger übrig.

        • @Janix:

          Vegan dürfte schwierig sein bei vielen Menschen, die eh schon ums tägliche Überleben kämpfen. Wenn ich tagtäglich Hunger habe, werde ich aus den Mülltonnen essen, was ich nur finden kann.



          Indiegene Völker, Inuit, auch da nehme ich an, wird die vegane Speisekarte nicht allzuviel bieten.

          • @ToMuch:

            Ich dachte an physiologische Gründe.

            Doch sehe auch Ihren Punkt. Es gibt Historiker, die das Robbenessen der Inuit als Grund sehen, wieso sie in Grönland verblieben, anders als die Wikinger.

            Wenn das Ziel wäre, möglichst ressourcenschonend möglichst viele Menschen gesund zu ernähren, hätten wir wohl vereinzelt Weidevieh auf schlechten Böden, nachhaltigen Fisch-/Robbenfang, die ein oder andere Tierverwertung - und ansonsten ganz, ganz viel Gemüse incl. eiweißreicher Sorten.

  • Moral ist ein Begriff der immer wieder von Interessengruppen für ihre Argumentation gebraucht wird und für das Gegenteil. Wir haben das zunehmende Problem das wir uns mit anderen Meinungen auseinandersetzen. Die Wichtigkeit des Klimaschutzes ist prinzipiell wenig umstritten. Die Frage ist der Stellenwert gegenüber anderen persönlichen Interessen. Beim Klimaschutz haben wir ein großes Problem mit der Verfügbarkeit von bezahlbaren Lösungen, dass können am ehesten Ingenieure der Energietechnik beurteilen, die sind aber sowieso nur die Erfüllungsgehilfen von RWE und Co. Da läßt man sich durch Sachargumente nich die Meinung vermiesen. Hersteller von Ökoenergieanlagen haben genauso wirtschaftliche Interessen, wie alte Energieunternehmen. Die Demokratie wird über Mehrheiten geführt. Leider ist die Mehrheit nicht bereit mehr als ein Eis pro Jahr und Person für den ökologischen Umbau zu zahlen. Seit Trittin ist der Eispreis auch massiv angestiegen. Deutschland sollte natürlich eine Vorbildfunktion im Umbau entwckeln. Auf Grund unserer Resourcen haben wir deutliche Probleme beim Wandel. Das Gefühl der Wähler das der Preis für den Ökuumbau unseriös dargestellt wird, macht es ebenfalls schwer.

  • Es ist gut, wenn Politik sich an Moral ausrichtet - Betonung auf 'ausrichtet'.

    Problematisch wird es durch das weit verbreitete Denken, gegen Moral dürfe nie verstoßen werden, sie sei etwas absolutes.



    Der absolute Anspruch gibt denen, die die moralische Deutungshoheit für sich reklamieren, ein tolles Herrschaftsinstrument in die Hände, mit dem gerne gespielt wird.



    Natürlich stößt das alle Anderen vor den Kopf.

    Schuld ist wahrscheinlich der kategorische Imperativ und die autoritärem Denken entspringende Angst, Ausnahmen würden sofort ein ganzes System zum Einsturz bringen.

  • Ohne Moral geht es nicht!



    Eine Gesellschaft ohne eigene Moralvorstellungen ist unmöglich.



    Das bedeutet nicht, dass Moralvorstellungen unveränderlich sind.



    Rauchen ist hier mal wieder ein schönes Beispiel: Bis in die 70er und 80er Jahre hinein war es allgemein üblich, dass jederzeit und allerorten geraucht werden durfte. Nichtraucher*Innen hatten sich dem zu fügen.



    In zwei bis drei Jahrzehnten ist es gelungen,



    die Moralvorstellungen dahingehend zu verändern, dass Rauchen in Gesellschaft unangebracht ist, da es auch die Gesundheit Anderer gefährdet.



    Da kommen wir zum Thema Klimaschutz, der uns eben auch Alle betrifft.



    Ein „Mach doch was Du willst“ wäre hier kontraproduktiv.



    Nur gemeinsame Anstrengungen sind letztlich erfolgreich.



    Das bedeutet nicht, das es falsch wäre, mit gutem Beispiel voran zu gehen.



    Wer seinen Garten in eine grüne Oase verwandelt, kann mit Vogelgezwitscher, Schmetterlingen und erholsamem Schatten für die Idee Klima- und Umweltschutz werben.



    Wer allerdings Klimaschutz fordert und dann in den Urlaubsflieger steigt, betreibt Antiwerbung.

    • @Philippo1000:

      Ihr Beispiel Rauchen passt aus meiner Sicht nicht.

      Ich habe kaum erlebt, dass das Thema moralisch diskutiert wurde.

      Viele hatten keine Lust, wegen ihrer Mitmenschen zu stinken und den ungesunden Qualm einatmen zu müssen.

      Dass Rauchen die Gesundheit anderer gefährdet, ist wissenschaftlich nachweisbar.

      Ganz ohne Moral.

      Gemeinsam eine Entscheidung zu treffen, geht in einer Demokratie auch ohne Moraldiskussion.

    • @Philippo1000:

      Ich möchte noch weiter gehen: Mir ist aufgefallen, dass gerade diejenigen, die viel 'rum kommen, diesen Planeten besonders schätzen lernen. Wer für einen Urlaub in den Flieger steigt, die Natur, die er oder sie dort vorfindet als unerwartet schützenswert erkennt, und sich danach den Garten, das Haus und das Dach zu einer grünen Oase transformiert, und sich darüber hinaus auch noch gesellschaftlich engagiert, hat viel mehr für den Erhalt der Umwelt und des Klimas erreicht als jemand, der oder die aus Klimascham zuhause geblieben ist, die totgespritzte Kulturlandschaft zuhause weiter für eine naturnahe Umgebung hält, und sich zum Erhalt dieses "Idylls" womöglich auch noch gegen Windräder einsetzt, weil ihm oder ihr der Blick aufs große Ganze fehlt.

      • @Marvienkäfer:

        Das ist genau die Sorte Selbstsschönrednerei, die Menschen mitfühlend dem Schicksal von "Timmy" folgen lässt, während sie das x-te Thunfischbrötchen des Jahres futtern und damit höchstselbst wahrscheinlich schon einen Delfin auf dem Gewissen haben. Und nein, mit ein wenig Begrünung in unseren Breiten hat man KEINE Chance, die CO2-Bilanz von ein, zwei Fernreisen pro Jahr wieder reinzuholen.

      • @Marvienkäfer:

        Zur Klärung des Sachverhalts gibt es glücklicherweise den CO2 Rechner.



        Da entspricht ein Interkontinentslflug in etwa einem Jahr Auto fahren.



        Nachdem wir in Europa den Großteil unserer Wälder abgeholzt haben, sollten wir nicht nur für den Erhalt der Regenwälder „eintreten“ sondern auch vor der eigenen Tür kehren. Das heißt gegen die Abholzung von Urwäldern in Finnland handeln, indem keine Päckchen mehr von Amazon geliefert werden, denn dafür wird das ja gemacht.



        Angesichts der Tatsache, dass es bei dem Artikel um Moral geht, stellt sich die Frage, warum Jemand, der gar nicht fliegt „Flugscham“ empfinden sollte?!



        In einer Zeit, in der neben den klassischen Medien auch noch ein Haufen Influenzer*Innen die letzten Ecken der Welt visualisiert, ist es durchaus möglich, sich daran zu erfreuen. Und das, so ganz ohne dorthin zu jetten und Alles kaputt zu trampeln…

      • @Marvienkäfer:

        1. Die Pflanzen, die dort drüben wachsen, wachsen eventuell bei uns nicht.



        2. Kann man auch ohne in den Flieger einzusteigen recherchieren, welche Pflanzen auch bei uns sich heimisch fühlen.



        3. Wenn es nur die heimischen Pflanzen sein sollen, so ist es auch wichtig, unkontrollierten Wildwuchs zu haben. Keine Behörde darf das dann verbieten, erst recht nicht der Nachbar. Das war der Standard vor Millionen von Jahren.

  • Es geht doch weniger um Moral, als die oft genug an den Tag gelegte Doppelmoral. Wenn sich Menschen für den Schutz des Klimas auf der Straße festkleben (mal von der Sinnlosigkeit dieses Tuns abgesehen) und dann nicht vor Gericht erscheinen können, weil sie zur Selbstfindung nach Bali geflogen sind, dann bekommt man keinen Zuspruch. Wenn nur Lösungen präsentiert werden, die unter Berücksichtigung aller Opportunitätskosten für einen Großteil der Menschen nicht leistbar sind und eine insgesamt sehr fragwürdige Umweltbilanz haben, dann gewinnt man keine Mitstreiter. Oder wenn man in D die Atomkraftwerke abschaltet um dann Atomstrom aus Frankreich oder Kohlestrom aus Polen zu importieren. Die Liste ist lang. Und ganz grundsätzlich scheitert die Klimabewegung daran, dass sie keine funktionierenden Konzepte für den Klimaschutz hat und die Konzepte, die funktionieren, aus vermeintlich moralischen Gründen ablehnt.

    • @Samvim:

      "...wenn man in D die Atomkraftwerke abschaltet um dann Atomstrom aus Frankreich oder Kohlestrom aus Polen zu importieren..."







      2001 (Höhepunkt) lieferten deutsche Atomkraftwerke 171,3 Mrd. kWh Strom. Dagegen ist die 2025 importierte Atomstrommenge mit 5,1 Mrd. kWh lächerlich gering.







      Aus Polen kamen 2025 rund 330 Millionen kWh Kohlestrom. Der Höchststand in Deutschland lag 1991 bei 312,2 Milliarden (!) Kilowattstunden, also um den Faktor 1000 mal höher.







      Und in 10 Jahren sind selbst diese unrelevanten Mengen wahrscheinlich gar nicht mehr notwendig. Wenn das für Sie Scheitern der Klimabewegung ist, dann weiß ich auch nicht mehr. Man kann auch alles schlechtreden.

      • @Sisone:

        Das ist nicht das Scheitern der Klimabewegung.

        Aber es ist das Scheitern der Moral in der Klimabewegung.

        Klimaschutz geht auch ohne Moralismus.

        Klar ist Moral überall drin.

        Nur ist typisch für moralisch aufgeladene Diskussionen, dass man dem anderen die Moral abspricht.

        Da sind Sie raus aus dem Kompromiss.

        Wer lässt sich schon Morl absprechen...

  • Die PV-Module kosten heute unter 70 €, 2023 waren es über 400 €.



    Die Speicherpreise sind ungefähr bei einem Drittel der Kosten von 2023. Mehrwertsteuer-Befreiung nach wie vor für PV-Anlagen auf Häusern. Damit rechnen sich diese PV-Anlagen mehr denn je!



    Das einzige, was gestrichen werden soll: Das Recht, zu jeder Tageszeit 20 Jahre lang zum garantierten Preis einspeisen zu können. Das kann man heute mit Speichertechnik und Apps so lösen, dass der Strom dann eingespeist wird, wenn es auch Verwendung gibt.



    FFF könnte also einfach aufrufen: PV-Anlagen auf Häusern sind so billig geworden, also baut sie drauf!



    Das passt aber nicht ins Weltbild, deswegen wird der Ausbau von FFF gebremst, weil den Leuten grob fälschlicherweise erzählt wird, es lohne sich nicht mehr.



    Das ist ideologisch verbohrt und der Sache nicht dienlich.

  • Moralinsaures Geschwafel von der Sorte "Wir sind allzumal Klimasünder" bringt den Klimaschutz nicht voran. Auf sowas kochen nur alle möglichen Schlangenölverkäufer ihr Süppchen.



    Kommt lieber mit einem praktikablen und bezahlbaren (== erwirtschaftbaren) Konzept. Wäre überzeugender.

  • Wenn man darüber nachdenkt, ist jemanden die Moral an sich verwerfen zu lassen ein todsicheres Mittel, die Person als den Bösewicht der Geschichte zu etablieren.

  • Ordentliche Linke wollen das System verändern, nicht gegen einzelne Menschen moralisieren. Konservative hingegen nutzen Moral fallweise, wenn es ihnen argumentativ in den Kram passt (z.B. wenn Klimakleber nach Bali fliegen). Und manchmal haben die Konservativen ein schlechtes Gewissen, das kriegen sie dann wieder klein, indem sie Linken vorwerfen, sie würden moralisieren.

    Etwas plakativ, aber ungefähr so, richtig?

    • @derzwerg:

      Ihre Sichtweise scheint mir etwas veraltet.

      Zumal die Konservativen in Ihrem Beispiel gar nicht mit ihrer Moral kommen, sondern auf Heuchelei und Bigotterie hinweisen.

      • @rero:

        Das mit der Heuchelei und Bigotterie... Wenn man die CO2-Emissionen auf den Tag verteilt, dann haben wir noch bevor wir morgens aufstehen unser Kontingent verbraucht (und zwar ohne Flug nach Bali).

        Was war jetzt nochmal die Logik des Heucheleivorwurfs? Man darf nur dann fürs Klima kämpfen, wenn die eigenen Emissionen < 1t/Jahr sind, sonst ist man ein sog. Heuchler. So war es, wenn ich mich richtig erinnere.

        • @derzwerg:

          Die Frage bei Bigotterie ist, ob jemand selbst dem Maßstab nicht bereit ist gerecht zu werden, den er an Andere anlegt ("Do as I say, don't do as I do!"). Zwischen 1t/Jahr und dem deutschen Durchschnitt von 8,4t ist natürlich eine Menge Luft. Aber eine Reise, bei der allein die Flüge 1,3t produzieren, ist halt SEHR viel CO2 in sehr kurzer Zeit - und in etwa das, was ein deutscher Autofahrer (Hauptziel der Kleber-Aktionen) in etwa pro Jahr mit seinem Töfftöff in die Luft bläst.



          Um es mit den Worten eines verdienten CSU-Granden zu sagen: "Scho peinlich, gell?"

  • Moral ist was man seit letztlich Jahrtausenden ausgehandelt hat. Aber nicht etwas mit was und womit man begründen kann. Begründungen sind entweder vernunftgeprägt oder schaffen wenig Akzeptanz. Moral ist allenfalls der Überbau.



    Zusammemfassend: falsche Argumentationsebene. Sonst bräuchten wir Moralgesetze und keine Gesetzbücher.

    • @Tom Farmer:

      Sind Gesetze nicht einfach die Formalisierung und Standardisierung bestehender Moralvorstellungen? Und manch Paragraf macht sich ja nicht einmal diese Mühe: Was ist sittenwidriges oder ehrenrühriges Verhalten Anderes als ein Bruch mit den Moralvorstellungen der Gesellschaft, wie man sich gesittet und würdevoll zu verhalten hat? Im Gesetz zu Beleidigung und Erregung öffentlichen Ärgernisses steht das jetzt nicht gerade spezifisch drin, was das genau heißen soll.

      • @Marvienkäfer:

        Es gibt Gesetze, da fließen moralische Vorstellungen mit ein.

        Da haben Sie recht.

        Die meisten Gesetze interessieren aber Ihre Moralvorstellungen nicht.

        Klimaschutzgesetze werden bis auf weiteres eher keine Moral enthalten, sondern kalte Vernunft.

        • @rero:

          Ich wäre eher bei @Marvienkäfer: Natürlich gibt es viele Gesetze, die der wertfreien, höchst pragmatischen "Harmonisierung" des gesellschaftlichen Miteinander dienen, aber trotzdem lässt sich jede Vorschrift auf eine axiomatische, in ALLER Regel moralisch verstehbare Grundthese zurückführen (sofern es nicht nackte Urinstinkte sind).



          "Vernunft" kann man eigentlich nicht ohne eine moralische Basis denken, denn das Wort meint die logische Umsetzung bestimmter, vorgegebener, übergeordneter Ziele. Reine Logik aber ist eine Kette ohne Anfang. DEN liefern axiomatische Wertungen. So ist zum Beispiel die Nachhaltigkeit menschlicher Existenz eine wertende Forderung. Man KÖNNTE unsere Spezies auch als eine Ebola-gleiche Seuche betrachten, die es eben aktuell (seit einer in kosmischen Maßstäben nicht mal die Bezeichnung "Fliegenschiss" verdienenden Zeitspanne) gibt, die aber unter optimalen Vermehrungsbedingungen die dumme Angewohnheit hat, ihre Lebensgrundlage schneller zu zerstören, als diese nachwachsen kann - genießt es, solange es dauert, Leute, die Erde dreht sich aber auch ohne unsere Nachfahren weiter...



          DARF man doch so nicht sehen, finden wir jetzt natürlich - aber WARUM nicht?

      • @Marvienkäfer:

        Nein, das springt zu kurz. In der Detailnotwendigkeit modernen Zusammenlebens reicht Moral nicht aus. Wenn das ausrreichen müsste, wären wir auf der Ebene religiöser Gebote, Bibel 2.0 als Basis des Rechts. Ein No-go, da (subjektive) Moral (objektive) Gerechtigkeit nicht ersetzen kann. Und niemals darf... nebenbei bemerkt.

        • @Tom Farmer:

          Objektive Gerechtigkeit? Ich denke, Sie meinen objektives Recht. Wobei auch das Recht dem Wandel des Moralempfindens unterliegt. Es gab Zeiten, da war Sklaverei rechtens.

  • Einerseits: Das Klima Schützende versuchen wenigstens, das richtige zu tun. Manchmal scheitern sie daran, aber das ist bei weitem besser, als es nichtmal zu versuchen.

    Andererseits: Moral ist die Moral der Gesellschaft. Auch „schütze mein Geld, mein Auto, meine Gasheizung“ ist Moral. Was Klimaschützer sagen ist, dass diese Moral falsch ist und dass die Gesellschaft ihre Moralvorstellung ändern muss.

    Klimaschützer reden über Moral, statt sich der Moral einfach zu unterwerfen.

    • @Arne Babenhauserheide:

      „Schütze mein Geld, mein Auto, meine Gasheizung“ ist insofern keine oder die falsche Moral, als die Verallgemeinerbarkeit, die Gültigkeit für alle eines der Axiome der Moral ist (d.h. man braucht/kann es nicht beweisen). Und warum sollte dann MEIN Auto mehr wert, schützenswerter sein als deins oder das der entfernt Lebenden oder Zukünftigen? Da kann ja jeder "Ich zuerst!" rufen. Und dann fragt der olle Kant wieder: Kann man das zur Grundlage einer allgemeinen Gesetzgebung machen? ;-)

    • @Arne Babenhauserheide:

      Die Klimaschützer haben die Gesellschaft lediglich auf die Klimakrise aufmerksam gemacht. Dass die Welt zu zerstören unmoralisch, und sie zu retten moralisch richtig ist, ist jetzt wirklich nichts Neues.

      • @Marvienkäfer:

        Der Klimawandel wird die Welt definitiv nicht zerstören, der Menschheit wird es sicher schwerer fallen. Aber die Welt überlebt alles.

  • Ich bin für Anstand. Wie ist es mit An-stand?