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Russlands Raketen auf KyjiwDäumchen drehen für den Frieden

Dominic Johnson

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Dominic Johnson

Ein heißer Sommer droht in der Ukraine und im Baltikum. Aber Europa findet keine angemessene Antwort auf Russlands militärische Eskalation.

Je mehr russische Raketen die ukrainische Hauptstadt Kyjiw treffen, desto schäbiger fallen die Reaktionen Europas aus Foto: Zoya Shu/dpa

R ussland bombt, Europa dreht Däumchen. Je mehr russische Raketen die ukrainische Hauptstadt Kyjiw treffen, desto schäbiger fallen die Reaktionen aus. „Deutschland steht weiter fest an der Seite der Ukraine“, sagte am Sonntag Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) nach dem Horror der Pfingstnacht, der in Kyjiw massive Verwüstung anrichtete.

Stehen – das reicht nicht mehr. Bewegen – das sollten sich die europäischen Verbündeten der Ukraine jetzt endlich. Russlands Eskalation trifft nicht nur die Ukraine. Vergangene Woche verging kaum ein Tag ohne Drohnenalarm im Baltikum, dazu kam im UN-Sicherheitsrat eine russische Angriffsankündigung gegen Lettland. Wie reagiert der Westen? Die EU überlegt, wen sie als Unterhändler in den Kreml schicken könnte, Großbritannien lockert seine Ölsanktionen gegen Russland, die USA sind mit Iran beschäftigt.

Ein heißer Sommer 2026 droht Europa nicht nur, er hat bereits begonnen. Der Umgang Europas mit dem Krieg in der Ukraine erweist sich immer offensichtlicher als ungenügend: zu zögerlich im Erkennen des militärisch Nötigen, zu langsam in der Umsetzung finanzieller Zusagen, zu US-fixiert in der Diplomatie, selbst gegenüber Donald Trump, der eher als Vertreter russischer Interessen agiert.

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Wo Europa stillsteht, ist die Ukraine längst weiter. Aus eigener Kraft hat sie Langstreckendrohnen entwickelt, die Russlands Militärapparat schwächen und eine neuartige Kriegsführung ermöglichen, von der die Nato noch weit entfernt ist. Aus eigener Kraft hält sie im Donbass den russischen Invasoren stand und wendet allmählich an einigen Frontabschnitten das Blatt.

Dieser Krieg wird mit der Waffe entschieden und nicht an der schiefen Bahn, die Trump für einen Verhandlungstisch hält. Die Ukraine weiß das. Die Europäer werden es wohl erst merken, wenn es zu spät ist und der Krieg sie direkt erreicht. Vielleicht werden sie dann die Ukraine verzweifelt bitten, ihnen zur Seite zu stehen. Und die Ukraine wird sich erinnern, wie Europa im Frühsommer 2026 Däumchen drehte.

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Dominic Johnson
Ressortleiter Ausland
Seit 2011 Co-Leiter des taz-Auslandsressorts und seit 1990 Afrikaredakteur der taz.
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6 Kommentare

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  • Ein Text eines Autors, der sich von seinem Narrativ nochmals selbst überzeugen möchte.

  • "... zu zögerlich im Erkennen des militärisch Nötigen ...



    Dieser Krieg wird mit der Waffe entschieden"

    Manche, auch links der Mitte, werden erst zufrieden sein, wenn deutsche Soldaten wieder in Panzern Richtung Russland rollen bzw. Drohnen und Raketen dorthin lenken.



    Dabei hat doch der zuständige, 'kriegstüchtige' Minister klar gesagt, dass das vor 2029 nichts wird.



    So lange wird auch die linke wohl noch warten müssen; es sei denn, sie schaft es wesentlich früher, den Menschen in Deutschland dafür die nötigen Milliarden für die Rüstungsindustrie aus den Rippen zu schneiden.

  • Zum vollständigen Bild gehört eben auch die unschöne Wahrheit, dass die EU-Europäer eine endgültige Niederlage Putins fast ebenso sehr fürchten wie dessen Sieg. Etwa weil er auf dem Weg dahin doch noch versucht sein könnte das Blatt mit dem Einsatz taktischer Nuklearwaffen zu wenden, oder weil eine solche durch die EU ermöglichte Niederlage die nächste Stufe des Revanchismus auslösen könnte, dann in ein paar Jahren im Baltikum, die Kriegswirtschaft läuft ja weiter, oder weil selbst seine Entmachtung deutlich weniger zu einer echten Demokratisierung der russischen Föderation führen dürfte als zu deren potentiellen Zerfall, inclusive der Möglichkeit, dass dabei Typen wie Kadyrow Zugriff auf Atomwaffen bekommen.



    Deshalb spielt man lieber auf Zeit und hofft, dass sich schon noch irgendwann irgendwas ergibt.

  • Herr Johnson, was wollen Sie denn eigentlich genau? Insbesondere würde mich interessieren: Was hätten Sie denn in der bisherigen Geschichte der Beziehungen zu Russland anders gemacht? Da lief es doch eigentlich an fast jeder Stelle im Sinne derer, die die Zwistigkeiten eskalieren wollten, oder nicht? Wo hätten Sie persönlich(!) anders gehandelt als die deutsche Regierung es getan hat?

  • Irgendwelche konkrete, umsetzbare Vorschläge?

  • Es ist ja nicht so das Europa gar nichts getan hat.



    Richtig ist aber auch das noch Luft nach oben ist.



    Zu mal die Zeit auch immer knapper wird, wer weiß



    wie es demnächst politisch in Europa aussieht und



    dann geht gar nichts mehr.