piwik no script img

Transformation und StromnetzeEine Frage der Energiesouveränität

Dass Wind- und Solaranlagen überproduzieren, gehört zur Transformation. Anstatt zu viele Netze auszubauen, ist die Spitzenkappung ökonomisch sinnvoll.

Illustration: Katja Gendikova

W as haben Stromnetze mit Autobahnen zu tun? Nicht viel, aber ab und zu herrscht jeweils Stau. Der Unterschied ist: Es mag zwar nervig sein, wenn es zu Beginn der Schulferien regelmäßig Stau auf den Autobahnen gibt. Nur käme kaum jemand auf die Idee, sie so auszubauen, dass es nie Stau gibt – was wäre das für eine gigantische Geldverschwendung! Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) aber nutzt den Stau in den Stromnetzen als das zentrale Argument, um den Ausbau der erneuerbaren Energien massiv auszubremsen.

Jetzt an Pfingsten wird es vermutlich wieder so weit sein: Viel Sonne, etwas Wind – ein Teil des Stroms aus erneuerbaren Energien kann nicht transportiert werden, die Anlagen werden daher abgeregelt. Reiche wird das als Beleg dafür nehmen, dass die Energiewende angeblich zu schnell geht und man jetzt nur noch in manchen Regionen Wind- und Solaranlagen bauen sollte. Doch das wäre grundfalsch, es würde teurer für alle werden.

Kurz zum Hintergrund: Aktuell liegt von Reiche das sogenannte Netzpaket auf dem Tisch. Darin geht es um eine scheinbar trockene Materie, nämlich die Anschlussbedingungen an das Stromnetz. Tatsächlich aber entscheidet sich hier das Wohl und Wehe der Energiewende. Denn nicht nur Wind- und Solaranlagen, sondern auch Stromspeicher, Industriebetriebe, Großwärmepumpen, Ladestellen für E-Autos und E-Trucks, Rechenzentren und Gaskraftwerke wollen Netzanschlüsse – und zwar schnell.

Das Logo der taz: Weißer Schriftzung t a z und weiße Tatze auf rotem Grund.
taz debatte

Die taz ist eine unabhängige, linke und meinungsstarke Tageszeitung. In unseren Kommentaren, Essays und Debattentexten streiten wir seit der Gründung der taz im Jahr 1979. Oft können und wollen wir uns nicht auf eine Meinung einigen. Deshalb finden sich hier teils komplett gegenläufige Positionen – allesamt Teil des sehr breiten linken Meinungsspektrums.

Nun ist es so, dass es in Teilen Deutschlands Stromnetzengpässe gibt. Die Folge ist, dass in Zeiten von viel Wind und Sonne in diesen Regionen der Strom aus Erneuerbare-Energien-Anlagen (übrigens auch teilweise Strom aus Gaskraftwerken) nicht vollständig abtransportiert werden kann. Um im Bild zu bleiben: Dann herrscht Stau auf den Stromlandstraßen und Stromautobahnen. Bislang ist es so, dass die Betreiber der Kraftwerke für diese Zeiten vom Netzbetreiber entschädigt werden.

Den optimalen Überbau anpeilen

Sie haben schließlich ihren Strom an einen Kunden verkauft und können nichts dafür, dass das Stromnetz nicht ausgebaut wurde. Drei Milliarden Euro zahle Deutschland so für Strom, der nicht genutzt werde – das könnten wir uns nicht leisten, so die Wirtschaftsministerin in einem offiziellen Video des Ministeriums. Bezahlt werden solle künftig nur, was auch gebraucht werde. Das sei, so die Ministerin, eine Frage der ökonomischen Vernunft.

Statt Dampf zu machen, damit Deutschland die Abhängigkeit von teurem Gas und Öl hinter sich lässt, tritt Reiche bei Erneuerbaren, Speichern und Netzen auf die Bremse

Das Argument klingt erst mal einleuchtend. Dass Wind- und Solaranlagen abgeregelt werden, statt den Strom zu nutzen, hört sich nicht gut an – und dass es für die nicht abtransportierten Strommengen auch noch Geld gibt, widerspricht erst recht dem Bauchgefühl nicht nur der schwäbischen Hausfrau. Und doch gilt: Abregelungen sind richtig. Es wäre im Gegenteil rausgeschmissenes Geld, das Stromnetz so auszubauen, dass jede Kilowattstunde aus Wind- oder Solaranlagen abtransportiert werden könnte.

Denn: Netzausbau kostet ja auch Geld, und zwar nicht zu knapp. Energieplaner überall auf der Welt diskutieren deshalb, was der optimale Überausbau ist, also, um wie viel höher als ihr Netzanschluss die Kapazität von Wind- und Solaranlagen sein sollte. Wenn richtig viel Wind weht und dazu noch die Sonne scheint, dann ist das eben wie Sommerferienbeginn auf der Autobahn, und ein Teil der Anlagen wird abgeregelt. Dafür ist das Netz in den anderen Stunden dann besser ausgelastet.

Das nennt man dann Spitzenkappung und das ist: ökonomisch vernünftig. Das Niveau der „optimalen“ Spitzenkappung steigt, je günstiger Wind- und Solaranlagen werden, je teurer die Kosten für Stromkabel sind und je mehr Wind- und Solaranlagen schon installiert sind. Alle drei Faktoren sind aktuelle Trends. Die meisten Experten halten daher mindestens 5, eher 10 Prozent Abregelung der Wind- und Solaranlagen für angemessen.

Investorinnen brauchen Sicherheit

So schlagen die großen Netzbetreiber etwa vor, dass die Wind-Offshore-Anlagen ihren Netzanschluss um 15 Prozent überausbauen sollen, was ihre Stromausbeute um 6,5 Prozent reduzieren würde. Das Bundesamt für Seeschifffahrt plädiert sogar für einen Überausbau von 20 Prozent, was auf eine Spitzenkappung von 10 Prozent hinauslaufen dürfte.

Das Absurde: Während die nachgeordnete Behörde der Wirtschaftsministerin bei Wind offshore eine Abregelung von 10 Prozent für optimal hält, will Reiche für Wind an Land und Solarfreiflächenanlagen eine 3-Prozent-Grenze etablieren. Ihr Vorschlag lautet, dass in allen Netzgebieten, in denen heute 3 Prozent Spitzenkappung stattfindet, neue Wind- oder Solarparks bei Abregelung keine Entschädigung mehr bekommen sollen.

Patrick Graichen

war Mitbegründer der Agora-Denkfabrik und Energiestaats­sekretär. Heute ist er Berater und Energie­blogger: „Von Mauern und Windmühlen“.

Die Folge wäre eine harte Investitionsbremse. In etwa der Hälfte Deutschlands ist diese 3-Prozent-Schwelle schon erreicht, dort würde keine Investition mehr stattfinden. Viele andere stehen kurz davor. Wenn eine Investorin nicht weiß, wie oft der Netzbetreiber es ihr versagt, ihren Strom zu verkaufen, wird jedes Projekt unkalkulierbar. Diese Regelung soll insgesamt zehn Jahre gelten – so lange soll der Netzbetreiber Zeit bekommen, sein Netz auszubauen.

Reiches Netz-Vorschlag hat mit ökonomischer Vernunft nichts zu tun. Im Gegenteil, er macht die Energiewende teurer, weil eben nicht das Optimum zwischen dem Ausbau der Erneuerbaren und dem des Stromnetzes gesucht wird – das läge vermutlich bei etwa 10 Prozent Spitzenkappung. Man ahnt, dass es eigentlich um etwas anderes geht: Ideologie. Ein Stromsystem auf Basis von Wind und Solar passt nicht ins rechte Weltbild, also soll der Ausbau zumindest gebremst werden – auf Kosten der Verbraucherinnen und der Wirtschaft, denn raus aus der Gaskostenfalle kommt Deutschland nur mit: schnell viel günstigem erneuerbarem Strom.

Mit dem Krieg wächst der Run auf Elektrifizierung

Damit ist man beim zweiten Problem des Netzpakets angekommen: der Frage, wer denn wann einen Netzanschluss gelegt bekommt. Der Irankrieg mit seiner Öl- und Gaspreiskrise sorgt dafür, dass immer mehr Menschen und Unternehmen elektrifizieren wollen – mit eigenen Wind- und Solaranlagen, industriellen Wärmepumpen und solchen fürs Einfamilienhaus, Elektroautos und E-Trucks und natürlich mit Stromspeichern. Das rechnet sich nämlich immer mehr und macht unabhängig von Donald Trump, Wladimir Putin und der Straße von Hormus.

Auch die Europäische Union ist unterwegs, so wird die Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen kommenden Monat ein Elektrifizierungsziel für Europa vorschlagen. Schließlich sind Erneuerbare und Elektrifizierung für jede Region, die nicht über nennenswerte eigene Öl- und Gasvorkommen verfügt, eine Frage der Energiesouveränität – völlig losgelöst davon, dass es auch fürs Klima die richtige Strategie ist. Das Problem ist, dass viele deutsche Stromnetzbetreiber darauf nicht vorbereitet waren und von den Netzanschlussanfragen überfordert sind.

Darüber kann man sich zu Recht aufregen – und dann braucht es pragmatische politische Antworten. Als da wären: eine Digitalisierungsoffensive im Stromnetz, intelligente Netznutzungsregeln für Stromspeicher, die gemeinsame Nutzung eines Stromanschlusses durch verschiedene Netznutzer, ein Netzausbauturbo mit bundesweiter Standardisierung von Prozessen und ein Bonus-Malus-System für Netzbetreiber, je nachdem, wie schnell sie sind.

Dieses Paket würde übrigens auch die Abregelung reduzieren. Stattdessen schlägt die Wirtschaftsministerin vor, dass Netzbetreiber nach eigenem Ermessen eine Rangfolge der verschiedenen Netzanfragen bilden sollen, die sie dann nach und nach innerhalb der nächsten zehn Jahre (!) abarbeiten. Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen: Statt Dampf zu machen, damit Deutschland schnell die Abhängigkeit von teurem Gas und Öl hinter sich lässt, will Reiche mitten in der aktuellen Energiekrise bei Erneuerbaren, Speichern und Netzen auf die Bremse treten.

Weg mit den Fossilen

So zerstört man Deutschlands Energiezukunft und treibt die Unternehmen da hin, wo Strom billiger ist. Zum Beispiel nach Spanien, wo Erneuerbare Gas in nur fünf Jahren fast vollständig aus dem Stromnetz verdrängt haben und wo aktuell die niedrigsten Börsenstrompreise in Europa herrschen. Bleibt die Frage: Sollte Strom, der im Pfingststau steckt, wirklich entschädigt werden? Nein, muss er nicht, hier hat die Wirtschaftsministerin ausnahmsweise einen Punkt.

Nur: Es muss vorher klar sein, wie oft abgeregelt wird. Wenn Investoren neuer Wind- und Solarparks das wissen, können sie kalkulieren. Wenn etwa in 10 Prozent der Stunden der Strom nur zur Hälfte abtransportiert wird, dann bedeutet dies nichts anderes, als dass ihr Strom 5 Prozent mehr kostet. Die Solarfreiflächenanlage muss ihren Strom dann für 4,2 Cent pro Kilowattstunde statt für 4 Cent kalkulieren. Das stört keinen großen Geist.

taz schneller googeln

Sie wollen beim Googlen taz-Texte besser finden? Dann können Sie mit einem Google-Konto die neue Funktion „bevorzugte Quellen“ nutzen. Um die taz hinzuzufügen, müssen Sie nur diesen Link anklicken und einen Haken setzen.

Ach, Sie wollen Google lieber meiden? Dann nutzen sie doch duckduckgo oder ecosia.

Es setzt zugleich einen Anreiz, direkt neben den Solarpark einen Speicher zu bauen – und prompt geht die Spitzenkappung wieder runter. Die Lösung wäre ziemlich einfach. Der Umbau unseres Energiesystems hin zu Wind und Solar ist eine Herausforderung, ohne Zweifel. Zugleich gibt es genug kluge Lösungen, die allen helfen. Noch ist Zeit, Reiches Netzpaket-Unsinn durch gute Ideen zu ersetzen. Sie sollte genutzt werden.

Nur noch 460 – dann sind wir 50.000

Als Genossenschaft gehören wir unseren Leser:innen. Und unser Journalismus ist nicht nur 100 % konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung. Unser nächstes Ziel: 50.000 – wir brauchen nur noch 460 Freiwillge, dann haben wir es geschafft! Setzen Sie jetzt ein Zeichen für die taz und machen Sie mit. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen

Mehr zum Thema

45 Kommentare

 / 
  • "Das Problem ist, dass viele deutsche Stromnetzbetreiber darauf nicht vorbereitet waren und von den Netzanschlussanfragen überfordert sind."



    Nun, wir hatten ja einen grünen Wirtschaftsminister. Wer hat die Stromnetzbetreiber "darauf nicht vorbereitet"?



    Die Energiepolitik damals hat mich an Maos "Großen Sprung nach vorn" der 1950-er Jahre erinnert: Stahlproduktion um jeden Preis. Dass der Stahl auch eine brauchbare Qualität aufweisen sollte, war unwichtig.



    Jetzt muss Reiche eben aufräumen, was Habeck versiebt hat. Dass da Netzstabilität und Versorgungssicherheit vor "Anschluss sofort für jeden, der will" steht, ist nachvollziehbar. Und wo es im Netz klemmt, das wissen wohl die Netzbetreiber am besten, da sie unmittelbar betroffen sind.

  • Um den gesamten Strombedarf zu decken, müssen so viele Solar- und Windkraftanlagen gebaut werden, dass die Spitzen der Einspeisung den momentanen Strombedarf manchmal übersteigen. Da die Spitzen der EE-Einspeisung sehr schmal sind, lohnt es sich weder ökonomisch noch ökologisch, auch die letzte kWh zu verwenden. Solarstrom und Windkraft selber sind inzwischen ja sehr billig.



    Noch dazu gibt es EE-reiche und EE-arme Jahr - der Strombedarf muss aber auch in den EE-armen Jahren gedeckt werden.



    Entsprechend werden so viele EE-Anlagen benötigt, dass im langjährigen Mittel etwa 30% der Erzeugung abgeregelt werden. Im Vergleich zu den 60 bis 70% der Energie der Brennstoffe, die in konventionellen Kraftwerken als Abwärme verloren gehen, ist das aber immer noch sehr wenig.

  • Dieser Beitrag und viele der Kommentare zeigen leider wieder, dass die meisten immer noch nicht über den Rahmen des Vorhandenen, also der wenigen momentan genutzten Technologien und der fortschrittsfeindlichen Strukturen der Energiewirtschaft hinaus denken können. Wen wundert's, solange kleinkarierte und lobbygesteuerte Politiker:innen ihre Themen nicht begreifen können oder wollen und statt dessen verschiedenste Institutionen für die fadenscheinigen Begründungen des Status quo bezahlen. Wissenschaftler, Ingenieure und Medien bemühen sich seit Jahren, Wissen zu verbreiten und sinnvolle Entwicklungen voranzubringen. Man kann nicht erwarten, dass ein so komplexer Vorgang wie die Energiewende im Selbstlauf gelingen kann, ohne Beteiligung und Berücksichtigung der Rechte aller Betroffenen. Dann wäre auch endlich der längst überfällige Schritt machbar, Techniken zur Nutzung sogenannter "überflüssiger" Energieerzeugung zu entwickeln - Unterstützung von Dezentralisierung, preiswerte Wasserstofferzeugung und neue Speichertechnologien eingeschlossen. Und - Frau Reiche - es wäre echt dumm, die Inhalte der Konferenz zur Energiesicherheit und des Energieministertreffens ignorieren!!!

    • @Christine_Winterabend:

      "Hinaus denken" kann man über vieles, aber von einem Land welches schon bei der Verkehrswende krachend scheitert und in dem schon Tempolimit und autofreie Innenstädte als tiefer Eingriff in die Freiheitsrechte verstanden werden, kann keiner erwarten, das die Einsichten irgendwann von selbst kommen. Da braucht es schon einen gravierenden Anlass und selbst dann werden nicht alle an einem Strang ziehen.

      Hier bei uns in Norwegen hat es 15 Jahre gebraucht um die Verkehrswende in das Bewusstsein der Bevölkerung zu bringen. Seit einigen Jahren läuft es mit E Mobilität und verkehrsberuhigten Innenstädten, dafür wurden gewaltige Investitionen von staatlicher Seite getätigt.

      Ein paar Nummern größer war dann die Energiewende. Dabei kommen hier bereits seit den 80er Jahren flächendeckend schon Wärmepumpen/Wasserenergien zum Einsatz. Die Abkehr von fossilen Energieträgern mit Berücksichtigung der "Rechte für alle" hatte und hat enorme Förderungsmittel zur Folge um überhaupt Akzeptanz zu schaffen. Der Ausbau der Strukturen wie Wasserspeicher kommt noch dazu.

      Norwegen als reiches Land mit kleiner Bevölkerung kann sich derartige Maßnahmen, auch ohne Einschnitte, leisten. Deutschland nicht!

  • Bin voll dabei! Wenn ich auf dem Weg in den Urlaub im Stau stehe, steht mit gefälligst auch Ausgleichsurlaub oder zumindest eine finanzielle Entschädigung zu! :-) Und wenn wir schon dabei sind: dasselbe bitte für den Weg zur Arbeit.

  • Das Bild mit dem Stau passt nicht.

    Angenommen die Stromnetze wären so ausgebaut, dass man alles "transportieren" kann.



    Dann bleibt immer noch die Frage wer denn den Strom verbraucht.



    Das ist eher so als ob man in einen Gartenschlauch auf einer Seite Wasser reindrückt aber auf der anderen Seite weniger ablässt. Nach kurzer Zeit platzt einem dann der Schlauch.

    Das Abregeln ist in dem Fall das einzige was übrig bleibt, wenn man nicht will das einem das Netz um die Ohren fliegt.

    So wie die Ausbau Pläne für Solar sind müssen an den entsprechenden Tagen dann ca 50% abgeregelt werden. (Sobald das Ausbauziel erreicht ist.)

    Jetzt ist einfach die Frage warum man denn dann auf das geplante Niveau ausbauen will.



    In der Nacht gibt es ja trotz Ausbau kein bisschen mehr Strom.

    Sinn macht das dann, wenn man irgendwie genug Speicher hat um am Tag Solarstrom zu speichern, um den gespeicherten Strom dann in der Nacht zu verbrauchen. Oder noch besser so im Sommer gespeicherten Strom im Winter zu verbrauchen.

    Nur wo dieser Speicher herkommen soll, das ist völlig unklar.

  • In welcher seiner Rollen schreibt der Autor?



    Als früherer Chef einer Lobbybude, die sich viel zu lange gegen den massiven Ausbau von Batteriespeichern ausgesprochen hat?



    Als Oppositionspolitiker?



    Oder als Aufsichtsratsvorsitzender eines ukrainischen Energiekonzerns, der kürzlich vorgeschlagen hat dass Deutschland seine strategische Gasreserve in der Ukraine aufbaut, dessen Energiesysteme laufend Ziele der russischen Angriffe werden?

  • Katharina Reiche agiert rechts-ideologisch als Lobbyistin für fossile Energien und behindert durch komplizierte Verhinderungs- Gesetze eine zeitgemässe, unabhängige Industrieentwicklung in der BRD.

    Außerdem kann sie das Wort Technologie nicht aussprechen.

    Es mussten schon Ministerinnen für weniger gravierende Fehler ihren Hut nehmen.

  • Es sollte mehr über Natrium ionen Speicher nachgedacht werden,denn das viele Lithium geht sicher nicht ohne viel Zerstörung für ausreichend Speicher abbauen. Wie könnte die Natrium Speicher Technologie hier Probleme besser lösen helfen? Natrium aus Meerwasser Entsalzungsanlagen ? wie gross müssenSpeicher sien, die für grüne Stahlproduktion - neben Hadrogen etwa - nutzbar wären ? Kreisläufe, auch um Flufzeuge zu elektrifizieren ? Viel zum nachdenken ....

  • Neulich hat der Lies bei Lanz erzählt, wie VW gerade in China plötzlich mehr Autos verkauft und durch Kooperation die Innovationen auch her holen und hier ausbauen will. Das setzt eine Hyperdigitalisierung auch hier vorraus, deren Beginn als demokratisch regulierte mit den Smarmetern für die Bürgerenergie Einspeisungen + Speicherausbau bestehen könnte. Nur müssten die leute sich auch gegen die autoritäre Überdigitalisierung gleichzeitig wehren, wir wollen ja keinen Überwachungsstaat wie in China, oder eine US Version davon bei uns. Gegen die autoritäöre Variante des ulktraschnellen und zerstörerischen Ausbaus von Datenzentren wehren sie sich jetzt schon, was hier auch mit vernetztwerden sollte: Für Speicher und ausbau, aber im demokratisch-mitbestimmten autonomen Sinne ! Auch jammern sie ja ständig, dass sie zu wenig Strom für Stahlproduktion hätten, zuwenig, oder zu viel ?Smart fairteilen und regulieren !! Siehe :



    www.youtube.com/watch?v=XMNMHf5rHGA

  • Wir dürfen 'unsere' Versorgung mit Energie nicht den altbackenen Konzernen, die in fast allen Stadtwerken schon etabliert sind, überlassen, die uns weiter in Abhängigkeit lassen wollen und ihre Profite weiter generieren möchten: So ist Erdwärme eigentlich VIEL günstiger. einmal bohren, anschließen und mit wenig zusätzlicher elektrischer Energie heizen und duschen. Wärmepumpen erfordern dagegen viel mehr elektrischen Input, für das -sehr aufwändig- Leitungen verstärkt und teure Stromtrassen, die in den Händen der bisherigen Versorger bleiben, neu verlegt werden müssen. Geothermie lohnt sich oft schon für Einzelhäuser, aber noch mehr für Quartiere, Reihenhäuser und ganze Dörfer, nur eben nicht für Eon & Co und Reiches Kumpel, die um ihre Rendite fürchten, wenn wir uns kleinteiliger und auf unsere Bedürfnisse zugeschnitten selbst versorgen. Eine Aufgabe für alle kommunal und gemeinschaftsorientierter denken und planen. Erdwärme ist die günstigste und CO²-freiere Versorgung, die unabhängig macht !

  • Jeder, der irgendetwas herstellt, seien es Kühlschränke, Fernseher oder Bücher, hat fast immer die Kapazität, bei starker Nachfrage die Produktion hochzufahren. Ein "abgeregelter" Betrieb ist also überall der völlige Normalfall. Nicht normal ist die Forderung, nicht nach dem bezahlt zu werden, was er tatsächlich verkauft, sondern nach dem, was er produzieren könnte, fände er denn Abnehmer dafür, oder gar die, "der Staat" oder die Allgemeinheit sei verpflichtet, ihm gegen volle Bezahlung alles abzunehmen, das ihm zu produzieren in den Sinn kommt.



    > Es muss vorher klar sein, wie oft abgeregelt wird.



    Woher leitet sich diese Forderung ab? Niemand, der zum Beispiel ein neues Automodell, ein neues Medikament oder eine neue Straßenbahnlinie entwickelt, kennt die genaue Nachfrage und den zukünftigen Absatz im voraus. Für die absurde Forderung nach staatlichen Abnahmegarantien gibt es keinen Grund und keine Parallele. Diese Garantien sind es, die Frau Reiche eindämmen will.

    • @Axel Berger:

      Die Forderung ist gerechtfertigt, da es im Stromnetz (neben Eigenverbrauch) erst mal nur genau ein Versorgungsnetz gibt, in das eingespeist wird (also ein Einkaufsmonopol), während sich dagegen das neue Medikament, das neue Auto usw an einen offenen Markt wenden. Wenn der Versorgungsnetzbetreiber bei Versäumnissen das Netz auszubauen zugleich willkürlich ohne Entschädigung abregeln kann, ist es für den Anlagenprojektierer (z.B. die Bürgerenergiegenossenschaft deren Mitglied ich bin) nicht möglich, die Wirtschaftlichkeit einer geplanten Anlage zu berechnen. Ähnlich schreibt auch Herr Graichen im Artikel: "Es muss vorher klar sein, wie oft abgeregelt wird [ich würde noch ergänzen: bzw wie entschädigt wird]. Wenn Investoren neuer Wind- und Solarparks [und großer Aufdachanlagen] das wissen, können sie kalkulieren."

  • Ein Jahr hat 8760 Stunden. Spitzenströme entstehen vor allem durch Solaranlagen nur an wenigen hundert Stunden Im Sommerhalbjahr. Um diese Ströme ableiten zu können müßten Verkabelungen und Transformatoren bis auf Dorfebene verstärkt werden, obwohl diese teuren zusätzlichen Anlagen keine 10% der Zeit genutzt werden können.

    Der Bau großer zentraler Batteriespeicher Ist keine Lösung, da die zusätzlichen Kabel und Transformatoren weiterhin für die Zuleitung benötigt würden.

    Die kostengünstigste Lösung wäre, daß die Betreiber von Solaranlagen nur ein Drittel bis zur Hälfte Ihre maximalen Kapazität garantiert einspeisen dürfen. Den Überschluss müssen sie auf ihrem Gelände speichern. Sie können dann ein weiteres Drittel ihrer Stromproduktion am Abend ausliefern und das letzte Drittel am Morgen. Das Netz müßte dann deutlich weniger stark ausgebaut werden. Die Nutzungszeiträume der Erneuerbaren Energien würden sich verlängern. Die Auslastung der Netze wäre gleichmäßiger und wirtschaftlicher.

    Statt Entschädigung für abgeregelte Solaranlagen zu zahlen, sollte der Netzbetreiber die Stromabnahme auf spätere Zeiten verschieben dürfen.

  • Danke für die Fachkompetenz!



    Die ist bei der Wirtschaftsministerin offenbar nicht vorhanden .



    Kann aber auch sein, dass Sie schlichte Lobbyarbeit als ihre Aufgabe betrachtet.



    Wer eine solche Position im Land hat, sollte allerdings zum Wohle des Landes und nicht einiger Energiekonzerne handeln.



    Dass Unabhängigkeit die Maßnahme der Stunde ist, haben offenbar Alle begriffen, nur leider nicht Frau Reiche.



    In einer Zeit wirtschaftlicher Stagnation will sie einen der wenigen Wachstumsbranchen, die Regenerativen, ausbremsen.



    Das ist rückwärts gewandte Ideologie!



    Die Abwanderung unserer Industrie ist in vollem Gange. Energie aus regenerativen ist die günstigste Lösung und könnte energieintensive Branchen halten. Speicher gleich neben Windkraftanlagen oder Solarparks sind notwendig.



    Vielleicht ist es an der Zeit alte Zöpfe abzuschneiden und Jemanden mit volkswirtschaftlichem, statt vetterwirtschaftlichem Interesse im Wirtschaftsministerium zu installieren?

  • Anscheinend befürwortet Herr Graichen, dass weiterhin Strom, der nicht produziert wird, bezahlt wird. Das ist ein Unding. Plädiert Herr Graichen für höhere Redispatch- und damit auch höhere Stromkosten?



    Genau so gut könnte man Autofirmen die Autos, die sie dank Überkapazität produzieren könnten, aber wegen mangelndem Absatz nicht produzieren können, bezahlen. Sie müssen ihre Kalkulation eben dem Bedarf bzw. Absatz anpassen.



    Das Gleiche kann man von Kraftwerksbetreibern verlangen. Besonders angesichts dessen, dass Sonne und Wind angeblich die billigsten Stromquellen sind; da sollten ein paar Stunden Abschaltung doch in der Kalkulation unterzubringen sein.



    Man kann Geld nur einmal ausgeben. Geld, das für Redispatch ausgegeben wird, fehlt für den Netzausbau.

    • @sollndas:

      Ist es nicht so, dass für eine schwächelnde Autoindustrie auch mal eine Abwrackprämie ins Leben gerufen wird? Kümmern sich Autohersteller um Infrastruktur (jenseits von Lobbyarbeit)? Zahlt nicht die Allgemeinheit die Folgekosten für die CO2 Verklappung bei konventionellen Kraftwerken und den westlichen Anteil der Kosten für die Entsorgung radioaktiver Abfälle?



      Insofern sehe ich Abnahmegarantien für Strom als eine von vielen Subventionen, insbesondere wenn die notwendige Infrastruktur seit Jahren vernachlässigt und verzögert wird.

    • @sollndas:

      Der Unterschied zwischen Autos und Strom ist, dass Autos direkt an Millionen Kund/innen verkauft werden können. Beim Strom gibt es zwar auch einen Strommarkt, aber es sitzt das Netz eines einzigen Versorgungsnetzbetreibers dazwischen. Wenn dieser einzige Versorgungsnetzbetreiber abregelt, und das ohne Entschädigung ist, dann ist für die Kraftwerksbetreiber und -finanzierer ein Problem. Wenn die fossilen Importe bei ca 80 Mrd/Jahr und die Redispatchkosten ca 3 Mrd/Jahr sind, dann ist der Nutzen der Finanzierungssicherheit des weiteren Erneuerbaren-Aufbaus größer als die Kosten als eines möglicherweise etwas erhöhten Redispatch. (Es ist klar, dass man Redispatchthema natürlich auch parallel z.B. durch besseren Speicherausbau usw angehen sollte.) Geld was wir für fossile Importe ausgeben, fehlt halt auch für den Netzausbau.

    • @sollndas:

      Nö, das Argument ist nur, das der Anbieter die Kappungen mit einpreist. Das macht die Bahn auch, mit nicht ausgelasteten Zügen. Oder ein Verkehrsbetrieb mit Bussen, die nicht voll sind. Kraftwerksbetreiber machen das heute schon, nur dass sie für die Vorhaltekapazitäten sogar direkt bezahlt werden.



      Aber Reiche meint ja dass es besser ist wenn wir weiter massenhaft LNG einkaufen, zu stark steigenden Preisen und von so berechenbaren Partnern wie USA oder Russland (ja da beziehen wir immer noch LNG).

  • Wir müssen uns unbedingt wesentlich intensiver als bisher mit Stromspeichern beschäftigen! Stromspeicher sind der Schlüssel jedes zukünftigen Ausbaus der Stromnetze. Für den Ausbau der Speicherkapazitäten müssen hinderliche gesetzliche Regelungen, die die Kosten von Großspeichern erhöhen, unbedingt beseitigt werden.

    Ich kann mich erinnern, wie eine Menge selbsternannter Experten damals über die vielleicht etwas ungeschickte Bemerkung von Frau Baerbock gelacht haben, weil sie meinte , Strom werde im Netz gespeichert. Diese selbsternannter Experten waren damals offensichtlich der irrigen Meinung, das Stromnetze ausschließlich aus Kupferkabeln bestehen, mit denen alleine Stromspeicherung natürlich schwerfällt. Stromspeicher als integralen Teil der Netzinfrastruktur zu verstehen, ist jedoch gar keine schlechte Idee.

    • @Aurego:

      Im Prinzip ja. Speicher kosten Geld und haben eine begrenzte Lebensdauer. Diese Kosten kommen zu denen für Erzeugung und Verteilung noch dazu. Würde es sich nicht trotzdem oft lohnen, gäbe es nicht schon sehr lange die Pumpspeicher. Wie so oft ist die Frage nicht "ob" sondern "wieviel" und wie fast immer gibt es dabei den Gegensatz zwischen einer quantitativen Betrachtung und Schlagwortweitwerfen.

      • @Axel Berger:

        Wie schon vorhin angedeutet, bin ich ja kein Freund des deutschen Berufsbedenkenträgertums, denn diese Zögerlichkeit und Langsamkeit ist es, die uns regelmäßig ins Hintertreffen geraten lässt.

    • @Aurego:

      ja natürlich, Stromspeicher sind eine gute Idee - im Prinzip. leider gibt es aber heute keine Speichetechnologie die die erforderlichen Mengen auch nur annähernd wirtschaftlich speichern kann. Hier die Zahlen:



      Deutschland braucht etwa 1400 GWh pro Tag. Davon werden 166 GWh von Biomasse und Wasserkraft abgedeckt. In Zeiten der Dunkelflaute haben wir tagsüber sehr wenig Solarstrom und auch sehr wenig Wind (so wie heute). Sagen wir solarstrom 50 GWh und Wind 2,3 (heute) x24 = 55 GWh. Bleiben also 1129 GWh. Eine SUV Batterie kann 100 kWh speichern und kostet 10.000 Euro. Wir bräuchten also, um auch nur einen Tag ohne konventionelle Kraftwerke und Importe auskommen zu können, Batterien im Wert von



      1129000 kWh / 100 x 10000 = 112.900.000 = 112.9 Mrd Euro. Plus Bau und Wartung. Ausserdem, soviel Lithium gibts nirgendwo zu kaufen. Und dann müssen die Batterien auch geladen werden, wir bräuchten also zusätzlich erneuerbare Energieerzeugung in großem Ausmaß. Die wir abregeln müssen wenn die Batterien voll sind. Und was passiert wenn eine Dunkelflaute 10 Tage dauert??



      Sie sehen das ist alles nicht sooo einfach wie einfach Stromspeicher zu fordern.

      • @Gerald Müller:

        "leider gibt es aber heute keine Speichetechnologie die die erforderlichen Mengen auch nur annähernd wirtschaftlich speichern kann."



        1. Das stimmt nicht. Bsp. Abu Dhabi baut mit 19 GWh den größten Batteriespeicher der Welt.



        2. Große Stromspeicher mit Lithium-Technologie sind Schnee von gestern



        3. Ist es wirtschaftlicher vorhandene Energie herunterzuregeln?

        • @Oskar Muster:

          "Ist es wirtschaftlicher vorhandene Energie herunterzuregeln?"



          Ja. Muss in jedem (auch in jedem konventionellen) Stromnetz gemacht werden. Sonst bricht es bei Spitzenlast zusammen.

        • @Oskar Muster:

          "Abu Dhabi baut mit 19 GWh den größten Batteriespeicher der Welt." ... der mit Solarstrom gespeist wird. Dieser Speicher kann in Äquatornähe täglich nachgeladen werden, da die Sonneneinstrahlung sich zwischen Sommer und Winter kaum unterscheidet. 365 Ladezyklen je Jahr heißen: Die Kosten können jährlich auf 365 Nutzungen verteilt werden.

          Hier in Deutschland kann der Speicher ab Herbst nicht mehr täglich nachgeladen werden. Erst an einem stürmischen Tag. Die mögliche Ladezyklen liegen weit unter hundert.

          Möchte man für jeden Tag im Winter Strom speichern, müßte der schon im Sommer eingesammelt werden. Das wäre ein Ladezyklus von "1". Die gesamten Kosten würden sich auf eine Nutzung im Jahr verteilen.

          Daher ist der nächste Schritt, stromintensive Verbraucher, wie Roh- und Elektrostahlfertigung sowie Chemiebetriebe in Regionen wie Abu Dahbi zu verlegen.

          Unser Energiekonzept funktioniert ab Spanien südwärts soviel besser (einfacher + billiger) als hier, daß keine Chance besteht, lange gegen solche Standorte gegenan zu subventionieren.

          Für einen Wettbewerb mit solchen Regionen hat Deutschland - geografisch bedingt- viel zu kurze Beine. Noch mehr Geld zu setzen, ändert nichts.

        • @Oskar Muster:

          Der 19 GWh Speicher in Abu Dhabi verwendet flüssigkeitsgekühlte Lithium-Ionen LFP Speicher, also nix mit Schnee von gestern. Und mit 6 Mrd US$ ist er auch nicht gerade billig. Bei den Kosten sind die PV-Anlagen die fürs Laden gebraucht werden allerdings schon dabei. Eine 5 GW PV Anlage kostet etwa 4 Mrd US, also kostet der Speicher 2 Mrd. Meine SUV Batterien würden auch etwa 2 Mrd kosten. Die Kosten für solche Anlagen kann man nur decken wenn man jeden Tag einen Lade- und Entladezyklus hat. In Abu Dhabi ist es fast immer sonnig, so dass das der Fall ist. In Deutschland ist es jedoch nicht, so dass die Wirtschaftlichkeit selbst bei 24-Stundenzyklen (die das Problem der Dunkelflauten aussen vor lassen..) wesentlich geringer wäre. Für die Dunkelflauten bräuchte man dann noch zusätzliche Speicher mit Kosten im Billionenbereich.

      • @Gerald Müller:

        Dass es keine Speichertechnologie gebe, die die erforderlichen Mengen speichern könne, ist ein ziemlicher Unsinn. Wirtschaftlichkeit erreicht man durch Skalierung, also kein typisch deutsches kleinkariertes Denken, sondern "think big" ist angesagt.

        Folgerichtig steht der größte aktive Speicher z. Zt. in Kalifornien (wo sonst?) mit einer Kapazität von 3,3GWh (www.mortenson.com/...olar-plus-storage). In Abu Dhabi wird gerade ein Speicher mit einer geplanten Kapazität von 19GWh gebaut. Der größte deutsche hat eine Kapazität von lächerlichen 238MWh. In Sachsen-Anhalt soll einer mit 716MWh Kapazität gebaut werden.

        Aber wir sind hier ja schließlich im Land der professionellen Bedenkenträger.

        • @Aurego:

          "Dass es keine Speichertechnologie gebe, die die erforderlichen Mengen speichern könne, ist ein ziemlicher Unsinn."



          Um mal Ordnung in die Speicherdiskussion rein zu bekommen: Wie groß sind denn Ihrer Meinung nach die "erforderlichen Mengen"? Bitte einigermaßen plausible Angaben, in Terawattstunden oder so.



          Leider halten sich die Akkufans bei dieser grundlegenden Frage ziemlich bedeckt. Haben sie Angst vor den Zahlen, die da herauskommen?

          • @sollndas:

            Ich schätze den Gesamtbedarf mittel- bis langfristig z. Zt. auf 15-25TWh.

        • @Aurego:

          Meines Wissens sind alle diese Speicher modular aus kleinen Einheiten aufgebaut, also nicht groß sondern zahlreich, Was wir brauchen, ist das dezentrale Speichern dezentral einfallender Spitzen. Eine punktuelle Konzentration auf große Blöcke löst das Netzproblem gerade nicht sondern verschärft es.

        • @Aurego:

          Hier geht es nicht um Bedenkenträger, sondern schlicht um Zahlen. Ich nehme mal an, Sie sind kein Ingenieur oder Physiker. 3.3 GWh decken gerade mal 4.6 Minuten des Strombedarfes in Deutschland, 19 GWh entsprchend 27 Minuten. Und was kosten die Dinger? Ich habs mal nachgeschaut, 3 GWh kosten irgendwo zwischen 150 und 400 Mio Euro. Wir bräuchten 342 davon für einen Tag Speicherkapazität, das wären dann also bei durchschnittlich 300 Mio pro Speicher coole 102,6 Mrd Euro, also fast genausoviel wie ich mit den SUV Batterien berechnet hatte. Dazu kämen Solar- und Windenergieanlagen um die Speicher auch laden zu können, wobei die Anlagen dann wenn die Speicher voll sind bageregelt werden müssen und also auch wesentlich mehr Kosten verursachen. Wer soll denn das bezahlen??



          Und wieviel Sonne gibt es in Kalifornien und in Abu Dhabi verglichen mit Deutschland? Ich befürchte in Deutschland leben wir nicht im Land der Bedenkenträger sondern im Land der Wunschträumer...

          • @Gerald Müller:

            Mit Leuten, die anderen zuerst unterstellen, sie hätten keine Ahnung, rede ich ungern.



            Wenn Sie übrigens die Sonne als einzige Stromquelle identifiziert haben wollen, liegt die Ahnungslosigkeit ganz bei Ihnen.

          • @Gerald Müller:

            Bei den derzeitigen Kosten für Akkumulatoren wären Speicher für den Strombedarf einer Sommernacht ökonomisch sinnvoll, unter Berücksichtigung von Depth of Discharge (DoD), Alterung und Reserven. Die werden dann im Jahr für etwa 150 bis 200 Vollzyklen genutzt. Noch grössere Speicher würden in Sommernächten nicht mehr leer, und an Wintertagen nicht mehr voll - die zusätzliche Kapazität würde also nur für wenige Vollzyklen im Jahr genutzt.



            Windkraft erzeugt zu wenige Zyklen pro Jahr, um extra für sie Speicher zu bauen. Dagegen erzeugt Windkraft genug lange Zeiten hoher Erträge, um damit Wasserstoffelektrolyseure betreiben zu können. Moderne Windkraftanlagen erzeugen 40% der Zeit mehr als 36% ihrer Maximalleistung, wohingegen Solaranlagen in Deutschland nur etwa 15% der Zeit mehr als 33% ihrer Maximalleistung einspeisen.

          • @Gerald Müller:

            Wenn man mit SUV Batterien und Lithium rechnet, kann man die tollsten Dinge ausrechnen. Nur will niemand ernsthaft damit große Mengen Strom speichern. Es gibt, wie oben angemerkt, andere Möglichkeiten.

            • @warum_denkt_keiner_nach?:

              In Zukunft werden wahrscheinlich eher Natrium- als Lithiumbatterien für Großspeicher verbaut werden.



              Desungeachtet ist der Lithiumpreis jedoch in letzter Zeit sehr deutlich gesunken.

  • >Wenn eine Investorin nicht weiß, wie oft der Netzbetreiber es ihr versagt, ihren Strom zu verkaufen, wird jedes Projekt unkalkulierbar.<

    Nein - die Kalkulation ist nur eine andere, als wenn die Abnahme garantiert wird. Strom, der am Markt nicht kostendeckend verkauft werden kann, sollte nicht staatlich gefördert werden. Es braucht Speicher-Möglichkeiten. Man sollte daher Speicher-Lösungen fördern. Das ist sinnvoller als nicht benötigte Stromproduktion zu fördern.

    • @test_name:

      So lange Deutschland noch nicht zu 100% aus Solarstrom und Windkraft versorgt wird, muss dafür gesorgt werden, dass ein starker kontinuierlicher Ausbau stattfindet. So lange noch emissionsbehaftete Kraftwerke am Markt teilnehmen, müssen emissionsarme Technologien gefördert werden. Es gibt nämlich einen menschengemachten Klimawandel (und weitere schädliche Effekte der Emissionen), nach 26 Jahre "Energiewende" könnte man das mal begriffen haben.

  • Der Effekt ist dann hoffentlich dass die Erzeuger dann jeweils in Speicher investieren. Aus unproblematischen Materialen wie Eisen oder Salz. Dann einfach den Strom verkaufen wenn der Bedarf da ist.

    • @Gunnar Grannis:

      Ganz genau. Die Batterien kommen zwar aus China, weil Deutschland auch diesen Zug hat abfahren lassen, aber immerhin…



      Wird aber von Fr Reiche auch bekämpft.

      Energiespeicher geht übrigens auch mit Pumpspeichern. Die will aber niemand, besonders nicht im Süden der Republik, wo es die passenden Berge gäbe.



      Deshalb schicken wir den Strom halt nach Norwegen, um dort die Pumpspeicherkraftwerke zu bedienen. 😱

  • Nicht alles was hinkt, ist ein Vergleich.

    Subventionen sollen fördern, aber eben auch lenken. Das Windrad und die Solarfläche auf den Brachen in Berlin wäre zwar teurer aber wegen der Nähe zum Verbraucher subventionswürdiger als auf dem grünen Acker in Brandenburg.

    Subventionen für unverbrauchbaren (weil untransportierbaren) Strom ist doppelte Verschwendung. Schliesslich ist doch eine subventionsfreie Energieversorgung das Zeil.

  • Energie-Souveränität wie auch Gesamt-Volkswirtschaftlicher Nutzen sollten eine viel größere Rolle spielen.



    Aber auch - noch weitergehend- im Bereich Industrie: wir brauchen in Europa - nicht unbedingt in Deutschland eigene große überlebensfähige Zukunftsindustrie von PV Panels über Eisenbahn, Speicher und vor allem im Bereich IT, KI und Digitalisierung.



    Die wesentlichen Grundlienen sollten dann auch mal 2-3 Legislaturperiden halten.



    Der Atomaufstiegsbeschluss 2011 wurde parteiübergreifend mit 86,6 % zugestimmt. Da müssen wir wieder hinkommen.



    Auch in Europa.



    Die relative Klarheit und Verlässlichkeit Chinas sollte da in vielen Bereichen Vorbild sein.



    Wir brauchen langfristige Rohstoffpartnerschaften und mehr industrielle Unabhängigkeit.



    Daß wir in existentiel wichtigen Bereichen der künftigen Stromsysteme von einem Land - China - abhängig sind und über Jahre eigene Industrien haben kaputt gehen lassen bzw den Neuaufbau verhindern ist nicht nachvollziehbar!

    • @Andre Marg:

      >Der Atomaufstiegsbeschluss 2011 wurde parteiübergreifend mit 86,6 % zugestimmt. Da müssen wir wieder hinkommen.<

      Nach Ansicht von Merz - irgendwo in der gesellschaftlichen Mitte - war das ein Fehler. Die Abstimmung hätte heute wohl ein anderes Ergebnis. Atomkraft ist schlecht - aber einen Tod muss man sterben.

      • @test_name:

        Wir bekämen jedoch aus den Ländern, denen wir langfristig vertrauen, nicht so viel Uran, wie wir langfristig bräuchten. Selbst welches in Deutschland abzubauen, haben wir ja keine Lust, obwohl es noch ein paar Reserven gäbe. Das wäre ohnehin nur eine Übergangslösung und die drei letzten AKWs konnte man leistungsmäßig vergessen. Die waren nur ein Tropfen auf den heißen Stein und das Problem der Stromversorgung bliebe auch mit viel mehr AKWs, weil sich Kernreaktoren nicht nach Bedarf an- oder ausschalten lassen.

    • @Andre Marg:

      Wir brauchen langfristige Rohstoffpartnerschaften ....

      Der Meinung bin ich auch, aber das kann morgen als Vorwurf umgemünzt werden!



      Denken Sie an Merkel, Russland und das Gas/Öl. Damals in meinen Augen vernünftig, heute ein Dauervorwurf einer gewissen Klientel.