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Eskalation in Frankreich Quittung für einen verweigerten Dialog

Kommentar von

Rudolf Balmer

Die Regierung hat durch die Polizeigewalt Öl ins Feuer gegossen. Sie wusste, dass sie damit ins Risiko geht – angesichts der Geschichte Frankreichs.

N och am Freitag meinte der französische Premierminister Sébastien Lecornu zum angekündigten Protesttag, es handle sich da nicht mehr um eine Jugendbewegung, sondern um „gewaltsame Unruhen“. Damit wollte er wohl die Schülerbewegung samt ihrer legitimen Forderungen pauschal in die Ecke ultralinker Extremisten verbannen. Er hoffte, dass die Perspektive von Krawallen viele Jugendliche, aber auch die ehemaligen Gelbwesten und andere Unzufriedene einschüchtern und von einer Teilnahme an Demonstrationen abhalten würde.

Das ist dem Regierungschef nicht gelungen. In Sachen Gewalt aber wurde er weit über Bedarf erhört. Die gewaltsame Eskalation des Konflikts auf den Straßen übertraf seine schlimmsten Erwartungen. Ist diese Regierung in Paris „taub (für die Proteste), schlecht informiert oder total daneben“ fragt das Online-Magazin Mediapart. Die Regierung muss sich am Tag nach den Krawallen Vorwürfe in alle Richtungen gefallen lassen.

Plünderungen sind wie die gewaltsamen Provokationen auf Seiten demonstrierender Jugendlicher inakzeptabel. Nicht zuletzt, weil sie ihrem Anliegen schaden. Doch die Regierung ist an diesem Ausbruch der Gewalt nicht unschuldig. Sie hat den Dialog mit den Jugendlichen verweigert und deren Forderungen nicht für voll genommen. Stattdessen antwortete sie mit der in Frankreich üblich gewordenen Polizeigewalt.

Sie hat dadurch Öl ins Feuer gegossen – womöglich auch, um eine soziale Bewegung als Werk von professionellen Unruhestiftern zu diskreditieren. Vor dem Hintergrund geplünderter Geschäfte und den Brandruinen von Rathäusern spielt der Innenminister den Betroffenen. Wie der Regierungschef macht er „Ultralinke“ verantwortlich. Nur: Das ist zu simpel, um zu überzeugen.

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Die taz ist eine unabhängige, linke und meinungsstarke Tageszeitung. In unseren Kommentaren, Essays und Debattentexten streiten wir seit der Gründung der taz im Jahr 1979. Oft können und wollen wir uns nicht auf eine Meinung einigen. Deshalb finden sich hier teils komplett gegenläufige Positionen – allesamt Teil des sehr breiten linken Meinungsspektrums.

Denn nicht nur war die Regierung unfähig, einen geordneten Verlauf der Demonstrationen zu garantieren, wie dies ihre Aufgabe wäre. Sie hat mit ihrer Polizeitaktik selbst die Eskalation provoziert. Sie ging dabei leichtfertig mit einem Risiko um.

Tradition der Gewalt

Denn in Frankreich müsste sie aus der Geschichte wissen, dass es nicht erst seit den Revolutionen von 1789, 1830, 1848 und 1870 im Land eine lange Tradition der gewaltsamen Konflikte gibt. Und wenn Landwirte mit ihren Traktoren den Verkehr blockieren oder öffentliche Gebäude attackieren, üben sich Frankreichs Regierungen durchaus in Nachsicht.

Ja, Frankreich hat – gerade im Vergleich mit seinen Nachbarländern – ein spezielles Problem mit Straßengewalt. Überrascht das? Bei sämtlichen Anlässen wird die Nationalhymne angestimmt, mit dem Refrain „Aux armes, citoyens!“ (Zu den Waffen, Bürger), der wie ein unverhohlener Aufruf zu Gewalt klingt. Schuld wären an allem für Lecornu dann wohl die Revolutionäre Danton und Robespierre und Co.

Rudolf Balmer Auslandskorrespondent Frankreich

Frankreich-Korrespondent der taz seit 2009, schreibt aus Paris über Politik, Wirtschaft, Umweltfragen und Gesellschaft, gelegentlich auch für „Die Presse“ (Wien).
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138 Kommentare

  • Wombat

    Man müsste erst mal wissen was genau die Randalierer eigentlich wollen außer Plündern? Die hohe Inflation wird angeheizt von maßloser Verschuldung, die die Protestierer ja aber unbedingt fortsetzen wollen…

  • Marcus Weisen

    danke für diesen Artikel, dem ich zustimme.



    ich möchte nuancierend dazufügen, dass was man hier in Frankreich mal Black Block oder ultra gauche nennt, ein absolut ernstzunehmende nicht hierarchische Bewegung ist, die seit langem Gewalt ausübt, und aus friedvollen Demos Orte des Chaos macht. Die war für viele Auschreitungen vernatwortlich. Diese Bewegung ist auch dieesmal auf nationaler Ebene koordiniert. Gewalt wird da sehr oft ein Ziel für sich selbst. Es schmeichelt das Ego, so stark zu sein, und es gibt Genugtun, Gewalt auszuüben. Ich konnte das mehrmals miterleben. Dem kann man nicht zustimmen.



    salutations de Tours

    • Auweiowei

      @Marcus Weisen:

      Gewalt als persönliche Genugtuung, sozusagen als höchster Ausdruck von Autonomie. Das auszudrücken eignet sich das französische Äquivalent - violence - eigentlich viel weniger gut. Wenn wir aber von dem Wort 'Gewalt' ausgehen, so umfasst es von seinen Ursprüngen ('walten') her ja tatsächlich auch die 'Gewalt Gottes'. Wir sagten früher: 'Das walte Gott.' Engel waren oft 'die Gewaltigen', und die mittelalterlichen 'Walpoten' waren keine Mörderbanden, sondern Gesandte der (königlichen) Macht (französisch 'puissance/pouvoir').

      Worauf ich hinaus will: Die Gewalttäter, aktuell in Frankreich, sehen sich selbst womöglich in der Art der Hell's Angel als Repräsentanten einer 'dunklen Macht' - indem sie ihre Lust am Zerstören ausüben, als wären sie vom Teufel gesandt.



      (Um nicht missverstanden zu werden, sozusagen aus aktuellem Anlass, sei noch hinzugefügt, dass ich damit nicht etwa zur 'Gewaltverherrlichung' beitragen möchte, ganz im Gegenteil.)

  • Andreas Flaig

    "Sie hat den Dialog mit den Jugendlichen verweigert und deren Forderungen nicht für voll genommen. Stattdessen antwortete sie mit der in Frankreich üblich gewordenen Polizeigewalt."



    Wenn die Regierung dich behandelt wie den letzten Dreck, dann ist die Reaktion auf dem selben Niveau.

    • FriedrichHecker

      @Andreas Flaig:

      Nur hat die Reaktion zu einem großen Teil nicht die Regierung getroffen - und man darf auf die Reaktion von betroffenen Verkäufern, Ladenbesitzern etc gespannt sein.



      Wenn die nächstes Jahr an der Urne nach dem von Ihnen genannten Motto erfolgt, können Sie dem RN zur gewonnenen Präsidentschaftswahl gratulieren. 🥴

  • Marcelo

    Schon interessant das hier die Leute kritisieren, das die in Frankreich sich nicht an die Gesetze halten und das die selben Leute sind die die Klimaaktivisten verteidigt haben, das sie gegen Gesetz verstoßen haben

    • Strolch

      @Marcelo:

      Ich habe die Klimaantivisten zwar nie verteidigt, aber es ist ein Unterschied, ob man sich auf eine Straße klebt und der Pendler sinnlos im Stau steht oder ob man ein Haus anzündet.

      • Marcelo

        @Strolch:

        Wie groß der Schaden ist ist immer noch individuell! Mir geht's allein um verstoß gegen Gesetz nichts anderes!

    • PartyChampignons

      @Marcelo:

      Den Unterschied zwischen Plündern und Brandschatzen und sich auf die Straße kleben merken sie aber hoffentlich schon oder?

      • Marcelo

        @PartyChampignons:

        Natürlich! Aber gegen Gesetze verstoßen ist gegen Gesetze verstoßen jemand der ein haus anzündet oder ein Butterbrot klaut ist beides verboten und somit gegen das Gesetz

        • PartyChampignons

          @Marcelo:

          Nein es ist nicht das Gleiche, denn wenn es das gleich wäre, würden alle Verbrechen auch gleich bestraft werden. Man muss schon in der Lage sein zu differenzieren. Und Klimaaktivisten (von denen übrigens auch etliche freigesprochen wurden, es wurde also oftmals gegen kein Gesetz verstoßen) mit Plünderern und Brandstiftern gleichzusetzen ist halt völlig undifferenziert.

          • Marcelo

            @PartyChampignons:

            Du differenziert nur nach Moral und ich nach Recht somit ist es schon das gleiche weil in meinen Augen beide gegen Gesetze verstoßen haben! Verstoß ist verstoß und da ist mir egal wie schwer die Tat ist

    • Deep South

      @Marcelo:

      Dass hier in Artikel und Kommentaren ständig Doppelstandards gelten mal dahingestellt. Was meines Erachtens schiefläuft, ist das zwischen "gegen Gesetze verstoßen" und brutraler Gewalt kaum noch unterschieden wird. Streiks, Blockaden, subversives Verhalten und Ungehorsam sind sicher unvermeidlich im politischen Ringen um Rechte und Veränderungen.

      Dass zunehmnd Aktionen beklatscht werde, die den eigentlichen Interessen absolut schaden, den vorgeblichen Werten diametral zuwiderlaufen und rote Linien kaum noch existent scheinen, halte ich für viel bedenklicher.

      • Marcelo

        @Deep South:

        Das ist nichts neues seit 6 Jahren ist die rote Linie so kurz weil Personen sich selbst wenn sie sagen sie machen es für alle nur an sich denken. Beispiel Letzte Generation sie hat nur an sich und ihr Leben und der Großstadt gedacht und hat mit Demos gegen Menschen aus dem ländlichen Raum agiert und kein Thema gefordert was dem ländlichen Raum hilft sondern ganz im Gegenteil. Das ist leider in der letzten Jahren auf viele Demos in den Großstädten der Fall

        • Deep South

          @Marcelo:

          Ganz sicher ist das ein Problem. Das Unverständnis für andere Lebensituationen kann man hier fast täglich in Artikeln nachlesen. Ich habe auf dem abgelegenen Dorf und in der Großstadt gelebt und kann daher absolut nachvollziehen, wie der Tenor der Großstadtbubble für Menschen daherkommt, die eben keinen Bus vor der Tür haben, zum Pendeln gezwungen sind und zum nächsten Geschäft 15 km in den Nachbartort müssen.



          Aber so selbstgerecht und kurzsichtig ich die LG empfunden habe, finde ich das dennoch harmlos und überbewertet im Gegensatz dazu, wie hier manchmal Gewalttaten verklärt werden. Ob das die Romantisierung der Taten von Leuten um Lina E. oder Maya T. sind, oder Sympathien für Schwerkriminelle wie Daniela Klette bis hin zu einem Luigi Mangione geäußert werden oder jetzt hier in einigen Artikeln legitime Proteste und Gewaltakte unreflektiert vermischt werden, Frau Schmollack ganz selbstverständlich von "brennenden Rathäusern" schreibt. Die roten Linien, die vor 10, 15 Jahren für die meisten noch selbstverständlich waren, sind kaum noch existent. Wahrscheinlich müssen Manche erstmal selbst Angst vor Gewalt oder einem Mob erlebt haben, um zu verstehen.

  • Leo Onlin

    Plündern und Randalieren ist also das Neue revolutionäre Chic. Danke, darauf muss man keine Lust haben.

    • rero

      @Leo Onlin:

      Ist das denn neu?

  • warum_denkt_keiner_nach?

    In Deutschland muss immer alles nach Vorschrift ablaufen 😊

    Aus den Kommentaren geht hervor, dass viele das nicht vorschriftsmäßige Verhalten der Demonstranten ganz schrecklich finden. Ich möchte aber daran erinnern, dass ohne den Hang unserer Nachbarn, Vorschriften zu missachten, wenn es notwendig ist, heute in D noch die Leibeigenschaft Gang und Gebe wäre 😉

    • Chris McZott

      @warum_denkt_keiner_nach?:

      Demnach würden Sie es legitim finden, wenn die AfD mit organisierten Randalen auf ihre Belange aufmerksam macht?

      • warum_denkt_keiner_nach?

        @Chris McZott:

        An den Belangen der AfD ist nichts legitim. Die Forderung nach funktionierenden Schulen ist absolut legitim.

        • Chris McZott

          @warum_denkt_keiner_nach?:

          Es geht um die Legitimität der Methode. Sie suggerieren dass es legitim sei, mit Gewalt gegen eine missliebige Regierungspolitik zu demonstrieren....Gilt das für alle oder nur für Ihnen genehme Anliegen?

          • warum_denkt_keiner_nach?

            @Chris McZott:

            Es gilt für einige Anliegen. Das Recht auf Bildung gehört dazu.

            Übrigens würde die Welt still stehen, wenn die Herrschenden Forderungen einfach ignorieren dürften. Und genau das ist die "Strategie" der französischen Regierung.

            • Chris McZott

              @warum_denkt_keiner_nach?:

              Sagen wir mal eine rechte Opposition sieht durch die Abschaffung des Gymnasium durch eine linke Regierung das Recht auf Bildung verletzt und lässt durch einen Mob Schulämter in Brand setzen. Mokieren sich dann auch über die übertriebene Ordnungsliebe der Deutschen?

      • Auweiowei

        @Chris McZott:

        Mitnichten.



        Möglicherweise denkt @warum_denkt_keiner_nach an gewisse Errungenschaften der momentan so verteufelten Revolution von1789, die auch an den rechtsrheinischen 'Zuständen' (die noch dem Absolutismus verhaftet waren) Entscheidendes verändert hat.

        Ich bin Abiturjahrgang 1963. Seinerzeit haben wir in der Schule vom Hintergrund der Französischen Revolution (Stichwort 'Aufklärung') etwas mitbekommen, natürlich auch von den schlimmen Folgen, die sie mit sich gebracht hat. Von Randale war dabei nicht die Rede, aber vom Rückfall in Tyrannei und Nationalismus.

        So wie ich Sie verstehe, haben Sie von der Hoffnung auf bessere Zeiten (Wolf Biermann), wie sie bei Schiller und Beethoven in 'Freude, schöner Götterfunke' zum Ausdruck kommt, in Ihrer Schulzeit nichts mitbekommen. Schade.

        • Chris McZott

          @Auweiowei:

          Meine Bildungsbiografie ist hier nicht Thema.

          "warum_denkt_keiner_nach" ordnet nicht die Erfolge der frz. Revolution historisch ein, sondern kritisiert die Gewaltversion einiger Forumsmitglieder und suggeriert, dass Gewalt im Rahmen politischer Demonstrationen ("nicht vorschriftsmäßiges Verhalten") ein Instrument des Fortschritts sein kann.

          Das mag auch manchmal so sein. Nur ist ein gewaltätiger Widerstand gegen "die da oben" nicht per se progressiv. Aktuell ist in Deutschland das größte, nicht in der Regierung vertretene, politische Spektrum das rechte/rechtsradikale. Daher meine Frage nach der AfD...

          • Auweiowei

            @Chris McZott:

            Danke für Ihre Klarstellung, auf die ich ja eigentlich mit meinem Einwurf abzielte...). Jetzt würde mich nur noch interessieren, warum Sie "nicht vorschriftsmäßiges Verhalten" geradezu reflexartig-unbedingt zur Gewalt erklären

            • Chris McZott

              @Auweiowei:

              Es ist genau andersherum. Hier im Forum wurde ja die konkrete Gewalt kritisiert und "warum_denkt_keiner_nach" hat dies zu "nicht vorschriftsmäßigem Verhalten" euphemisiert. Ob reflexhaft oder nicht kann ich nicht sagen.

              • Auweiowei

                @Chris McZott:

                Das mag sein, ist aber nach Lage der - mir hier in dieser Diskussion - zugänglichen Beiträge von Ihnen beiden nicht mehr nachzuvollziehen.



                Tut mir leid, an diese Grenze zu stoßen. Wenn überhaupt, so sollten Sie dieses zwischen Ihnen irgendwie 'schwelende' Missverständnis anders zu beheben versuchen.

    • Jutta57

      @warum_denkt_keiner_nach?:

      Stimmt. Aber es gibt auch Nationen, in denen die Missachtung von Vorschriften zur Leibeigenschaft führt.

      • warum_denkt_keiner_nach?

        @Jutta57:

        Man kann das Glas immer auch halb leer sehen 😉

        • rero

          @warum_denkt_keiner_nach?:

          Da machen Sie es sich jetzt aber zu einfach.

          Für eine glaubwürdige Argumentation ist es schon nicht verkehrt, sich mit Gegenbeispielen auseinanderzusetzen.

    • rero

      @warum_denkt_keiner_nach?:

      Stimmt.

      Ohne dem französischen Expansionsstreben hätte es in den Staaten des Deutschen Reiches keine nationale Einigungsbestrebungen als Gegenbewegung bestreben.

      Aber ob das nun eine Rechtfertigung für Krawalle und Revolutionsromantik hergibt, wage ich zu bezweifeln.

      • warum_denkt_keiner_nach?

        @rero:

        Die Situation ist garnicht so viel anders. So wie Ende der 1780er haben wir es mit einer dünnen Oberschicht zu tun, die den Kontakt zur Mehrheit der Bevölkerung verloren hat und sich für die Krone der Schöpfung hält. Und so wie damals weigert sich diese Oberschicht, einen angemessenen Beitrag zum Gedeihen der Gesellschaft zu leisten und predigt statt dessen für den Rest der Gesellschaft Enthaltsamkeit. Natürlich führt diese Mischung aus Arroganz und Dreistigkeit irgendwann zum Knall.

        Ob das jetzt schon eine Revolution ist, weiß ich auch nicht. Aber die Ereignisse in Frankreich und anderen Staaten zeigen, dass die Geduld Grenzen hat.

        PS: Ist die "nationale" Einigung tatsächlich wichtiger, als die Überwindung des Feudalsystems und die beginnende Durchsetzung bürgerlicher Freiheiten?

        • Budzylein

          @warum_denkt_keiner_nach?:

          Lassen Sie mich raten: Mit der dünnen Oberschicht, die für den Rest der Gesellschaft Enthaltsamkeit predigt, meinen Sie jetzt nicht Luisa Neubauer, richtig?

          • warum_denkt_keiner_nach?

            @Budzylein:

            Zu welcher Oberschicht soll denn Luisa Neubauer gehören?

            • Dr. McSchreck

              @warum_denkt_keiner_nach?:

              Ich teile die Ansicht von Budzylein zwar nicht, aber natürlich gehört Frau Neubauer zu einer Oberschicht. Sie hat reich geerbt, hat eine hohe Medienpräsenz, weil im Mediensektor tief verwurzelt (schon die Vorfahren), was neben Geld auch ein Faktor ist, der oben und unten unterscheidet. Die Verkäuferin bei Aldi ist froh, wenn sie mal in einer Talkshow als Anruferin durchkommt, Frau Neubauer wird ständig eingeladen und jede Nebensächlichkeit taucht in den Medien auf.

              • warum_denkt_keiner_nach?

                @Dr. McSchreck:

                Medienpräsenz hat nichts mit Oberschicht zu tun. Dazu gehören die Besitzer sehr großer Vermögen (ungefähr ab 6-stelligen Millionenbeträgen). Und sehr viele davon halten sich lieber aus den Medien raus.

                • nihilist

                  @warum_denkt_keiner_nach?:

                  Sechsstellige Millionenbeträge sind die Kategorie Musk und Bezos. In Europa gibt es dann keine Oberschicht.

        • rero

          @warum_denkt_keiner_nach?:

          Historisierungen sind meistens unglücklich und wenig überzeugend.

          Die Situation in der französischen Monarchie Ende des 18. Jahrhunderts muss zwangsläufig eine andere sein als die französische Republik im Jahre 2026.

          Mir fallen übrigens AfD-Fans ein, die genauso so die aktuelle Situation in Deutschland beschreiben.

          Die würden Ihren ersten Absatz genau so unterschreiben.

          Weil es eigentlich das Kernnarrativ des Populismus ist.

          Revolutionsromantik ist bei ganz Rechten ebenfalls recht verbreitet, so mein Eindruck.

          Ihr PS erschließt sich mir nicht.

          Die Überwindung des Feudalsystems erfolgte ja gerade durch die Entstehung der Vorstellung, man sei eine gemeinsame Nation.

          Und nur mit dieser Legitimierung wurden die bürgerlichen Freiheiten im 19. Jahrhundert dann durchgesetzt.

          Bis heute gibt es kein anderes in der Breite akzeptiertes Narrativ als die Nation, um Partizipation durchzusetzen.

          • warum_denkt_keiner_nach?

            @rero:

            Das einiges schief läuft, war schon zu sehen, als nach dem Ende des kalten Krieges immer mehr Staaten auf den neoliberalen Zug aufsprangen, den Reagan und Thatcher auf die Schienen gesetzt hatten. Und in D ist spätestens seit Schröders Agenda 2010 klar, dass die soziale Marktwirtschaft "überwunden" werden soll, um die uneingeschränkte Geldanhäufung der oberen 10000 nicht weiter zu behindern. Das immer arrogantere Vorgehen auf diesem Weg in Gestalt sogenannter "Reformen, ist offensichtlich. Und die fehlende Bodenhaftung auch. Dazu braucht niemand eine Nazipartei, die übrigens genau auf diesem Weg weiter gehen will.

            Bei der Sache mit den bürgerlichen Freiheiten scheint etwas unklar zu sein. Der Ruf danach entstand durch die schreiende Ungerechtigkeit der bestehenden Feudalordnung. Mit der Beseitigung dieser mussten aber auch die beiden Integrationspunkte Monarchie und sehr mächtige Kirche beseitigt bzw. gestutzt werden. Als neuen integrationspunkt wählte man damals die gerade erfundene Nation. Sie steht also hinten, nicht vorn. Obwohl. Wenn man die AfD fragen würde, wäre die Nation natürlich wichtiger als das Recht und Freiheit. Gleiche Rechte für alle lehnt sie offen ab.

          • Auweiowei

            @rero:

            Ich versuche mal zwischen Ihnen beiden zu vermitteln, bezugnehmend auf das strittige PS.



            Sie sprechen beide vom zu überwindenden 'Feudalsystem', eine*r (?) von Leibeigenen hier bei uns noch im 19. Jh. Nun bin ich kein Historiker vom Fach, allenfalls von der Literaturgeschichte her involviert. Bei mir stehen etliche Bände BDK (Bibl. dt. Klassiker) aus der DDR im Regal - und darin wird in den (durchaus oft lesenswerten) Nachworten die Zeit pauschal in 'vor und nach Marx' eingeteilt: feudal und bürgerlich.



            Und das glaube ich in Ihren Beiträgen wiederzufinden.



            Allerdings halten Sie (@rero) an der Lesart 'Legitimierung bürgerlicher Freiheiten im Nationalismus' quasi dogmatreu fest. Hingegen hat @warum_denkt_keiner_nach sich in diesem Punkt wegentwickelt: er/sie lehnt den Primat des Nationalen ab, ohne sich aber gleich den 'Mühen der Ebene' zu widmen, also vielleicht den Bezug zu den diversen, letztlich gescheiterten deutschen Revolutionen von 1848 und 1919 zu suchen - während Sie, @rero, das Dogma 'frei, bürgerlich und national' hochhalten - fast als wäre die NS-Katastrophe längst 'Staub der Geschichte'.



            Aber mit Brecht: Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch.

          • Auweiowei

            @rero:

            Lassen Sie mich bitte begründen, warum ich mit dem PS von @warum_ denkt_ keiner _nach? durchaus klarkomme:

            Die deutsche Revolution von 1848 hat das Feudalsystem nicht wirklich zu beseitigen vermocht, so wenig wie zuvor der Wiener Kongress. Leider. Der demokratische Anstrich (Paulskiche...) und das Wirken des Freiherrn von Stein sollte die Hegemonie Preußens und den Ausschluss Österreichs überzuckern - und mit dem neuen, in deutschen Landen bis dahin 'romantischen' Begriff der Nation allen Kritikern den Wind aus den Segeln nehmen. Später kämpfte Reichskanzler (!) Bismarck gegen die starke Arbeiterbewegung. Deren politische Reichstagsvertreter konnten den 1. Weltkrieg der europäischen Nationalstaaten nicht aufhalten, so wenig wie sie die 'notgeborene' Weimarer Republik zu stabilisieren und den Nationalsozialismus und den 2. Weltkrieg verhindern konnte...

            Und die EU droht heute von den Nationalstaaten und deren Interessen vor die Wand gefahren zu werden.

            • Auweiowei

              @Auweiowei:

              Kleine Korrektur, nachträglich: An der Stelle, wo ich auf das "Wirken des Freiherrn von Stein" zu sprechen komme, fehlt zur richtigen zeitlichen und inhaltlichen Einordnung ein "vorher schon das reformerische (Wirken...).

            • warum_denkt_keiner_nach?

              @Auweiowei:

              "Die deutsche Revolution von 1848 hat das Feudalsystem nicht wirklich zu beseitigen vermocht, so wenig wie zuvor der Wiener Kongress."

              Hier muss ich etwas korrigieren. Der Wiener Kongress sollte das Feudalsystem nicht beseitigen, sondern versuchte es so weit wie möglich zu restaurieren und zu festigen (Heilige Allianz).

              • Auweiowei

                @warum_denkt_keiner_nach?:

                Da haben Sie Recht. Mein Drang zu verkürzen hat mich hier dazu gebracht, zwei ganz verschiedene Dinge über ein einziges Verb - unzutreffend -



                zu koppeln.



                Sachlich gesehen, könnte man die Präsenz und den - letztlich gescheiterten Versuch der Einflussnahme des preußischen Reformers Frh. v. Stein beim Wiener Kongress erwähnen, mehr aber nicht.

        • Dr. McSchreck

          @warum_denkt_keiner_nach?:

          und dafür zertrümmert man kleine Läden, steckt Schulen und Rathäuser in Brand?

  • Gesunder Menschenverstand

    Wieviele Kirchen, Moscheen und Synagogen wurden eigentlich verwüstet und geplündert?

    • PartyChampignons

      @Gesunder Menschenverstand:

      Warum ist das wichtig?

      • Gesunder Menschenverstand

        @PartyChampignons:

        Ich habe von einer verwüsteten Synagoge gelesen. Mich interessierte, ob andere Gotteshäuser auch verwüstet wurden. Oder ob es spezifisch gegen ein jüdisches Gotteshaus ging.

    • Manuel Im

      @Gesunder Menschenverstand:

      Keine Sorge, Moscheen wurden nicht beschädigt.

  • Martin L.

    Vordergründig ist die Regierung schuld, weil sie nicht Geld herbeizaubern kann. Im Hintergrund ist´s der Europa-Hasser Putin, der den freien Westen mit seinem sauteuren Krieg überzieht. UND die frz. Gewerkschaften, die vehement die frühe Rente verteidigen. Die angesichts ungünstiger Demographie + chinesischer Arbeit zum halben Lohn die andere Hauptursache ist. Gegen beides sind Rechts, Links und die Schüler jedoch ebenso machtlos, wie der Präsident. Für Putin sind das Schenkelklopfer, wenn Europa sich so zerlegt. Dank der Rechten UND der Linken - beide sind Mitschuld, wenn sie die unangenehme Wahrheit nicht begreifen wollen.

  • casio

    Einen Ladenbesitzer von hinten in den Rücken zu springen, damit dieser meterweit durch die Luft fliegt, hat nichts mit besseren Bedingungen für Schüler*innen zu tun. Es wäre gut, wenn dies auch klar benannt wird. Es waren Horden von Plünder*innen unterwegs. Sie suchten nichts als Zerstörung - aus Spaß

    • Astrid Sehnefeld

      @casio:

      Spaß? Es wurden systematisch Geschäfte ausgeräumt. Vom kleinen Späti bis Louis Viutton. Das erinnert mich sehr an die als Proteste getarnten Plünderungen nach dem Fall George Floyd.

  • Dietmar Rauter

    Keine Perspektiven, daher ist es mehr als 'nur' ein Protest ! Schon einmal gab es von Frankreich einen REVOLUTIONÄREN Aufruf 'Egalite', alle sind gleich. Am Beispiel Bildung gibt es keine Grenzen in Bezug auf Stand, Hautfarbe, Herkunft und Geschlecht mehr: Das kapitalistische System hat kein Geld mehr, um allen gleichermaßen gerecht zu werden, im Gegenteil: Es nimmt den Menschen durch 'Verzicht' auf ihre Arbeit ihr Auskommen, ihre Legitimation, ihr Gesicht. Da schützen auch keine Polizei und ihre Auftraggeber in den eigentlich ratlosen Regierungen mehr, Gelbwesten, aber vor Allem die jungen Leute fordern ihre Rechte auf Jobs und ein auskömmliches Leben in Zeiten, in denen selbst besser (Aus-) Gebildete durch KI und Automaten -nicht zuletzt aus 'Kostengründen' - ersetzt werden. Auch für Musk, Trump und Co sind 'MENSCHEN', die nichts mehr konsumieren können oder wollen, nichts wert, System-bedingt ! Jetzt fehlt 'nur' noch die Einsichtigkeit (und Bildung) und das Verständnis, es evtl. demokratisch ändern zu können, Chaos nützt nur den Despoten..... Vive le Re'volution ! Natürlich ist Greta Thunberg auch dabei..... Ohne Gewalt, ohne Polizei ?

    • Encantado

      @Dietmar Rauter:

      "Schon einmal gab es von Frankreich einen REVOLUTIONÄREN Aufruf 'Egalite', alle sind gleich."



      Ja, und die Guillotine hat das eindrucksvoll unter Beweis gestellt.



      "Vive le Re'volution! (...) Ohne Gewalt, ohne Polizei?"



      Wär doch schön, oder? Dann könnte man Hoffnung haben, dass womöglich was für alle tragbares dabei herauskommt.

  • Jochen Laun

    Quittung? Das soll wohl suggerieren, dass die französische Regierung bekommt, was sie bestellt hat. Ich finde, das ist zynisch, relativiert die Gewalt und stellt die Dinge auf den Kopf. Täter sind die, die sich - aus freiem Willen - dafür entschieden haben, zu plündern und zu zerstören. Opfer - und Empfänger der "Quittung" - sind vor allem die, deren Eigentum geplündert oder zerstört wurde, unter ihnen viele kleine Ladenbesitzer, die um ihre Existenz fürchten müssen. Haben Regierung und Polizei alles richtig gemacht? Vermutlich nicht. Das macht sie aber noch lange nicht zu Tätern.

    • Auweiowei

      @Jochen Laun:

      Entschuldigen Sie, wer die "Dinge auf den Kopf" stellt, hier ganz speziell das Täter-Opfer-Verhältnis, sind diejenigen, die sich jahrzehntelang einen Dreck um marode Schulen und ihre Lehrer und vor allem Schulkinder (!) geschert haben (aber Prestigeobjekte wie den rasanten Wiederaufbau von Notre-Dame möglich gvemacht haben, um nur ein Beispiel zu nennen). Aber davon reden Sie ja gar nicht erst. Als ob die vielen friedlich Protestierenden - darunter auch jüngere Schüler*innen! - allesamt Luft wären.

      • Šarru-kīnu

        @Auweiowei:

        Als ob es den Plünderern der Läden für Sportbekleidung und Louis Vitton um irgendwelche gesellschaftlichen Missstände an Schulen oder antikapitalistische Reaktion gehen würde. Jeder der die Bilder in den sozialen Medien gesehen hat, kann gut erkennen welche Zielgruppe da unterwegs war. Das Framing als Schülerproteste bei den Ausschreitungen ist doch im besten Falle naiv, da es im Artikel selbst ja auch nicht um die berechtigten friedlichen Protestierenden geht.

        • Auweiowei

          @Šarru-kīnu:

          "Bilder in den sozialen Medien", als ob man denen trauen könnte. Herr Balmer berichtet in der taz vom 'Tatort' (Paris). Dem vertraue ich eher. Verstehen Sie? Er spricht klar von der in Frankreich üblich gewordenen Polizeigewalt. Von deren Präsenz gegenüber Schüler*innen hat z.B. auch heute morgen ein deutscher Lehrer, der in Paris lebt und arbeitet, im Df gesprochen...



          Unsere Medien suggerieren indessen vielstimmig, die Schulkinder hätten mit ihren 'Aktionen' (?) die Übergriffe der Randalierer, Gelbwesten usw. provoziert. Wie bitte? Und da nimmt man die Schüler, diese gewaltbereiten Mitläufer (?) heraus - als wären sie gar nicht mehr relevant, und dreht den Spieß einfach um: falsches "Framing als Schülerproteste". Als ob es im taz-Artikel nicht (mehr) "um die berechtigten friedlichen Protestierenden" ginge. Natürlich, über die 'Umzüge' der Betroffenen selbst gibt es weiter nichts Spektakuläres zu berichten, trotzdem geht es um sie, denn sie werden von Regierenden, Polizei, Medien, Politiker*innen und Chaoten und Plünderern instrumentalisiert.

      • Jochen_W

        @Auweiowei:

        Der Wiederaufbau von Notre-Dame wurde nicht vom Schulbudget bezahlt, sondern zu 100 % aus über 840 Millionen Euro privaten Spenden aus aller Welt – es hilft, vor dem Empören kurz die Fakten zu prüfen. Und genau weil es viele friedliche Schüler gab, ist es so schäbig, sie hier mit kriminellen Plünderern in einen Topf zu werfen. Oder erklären Sie mir bitte kurz, welches marode Klassenzimmer dadurch saniert wird, dass man dem Bäcker an der Ecke den Laden ausraubt und das Auto einer Krankenschwester anzündet?

        • Auweiowei

          @Jochen_W:

          Wie Sie nachlesen können, habe ich nichts zu Budgets und Geldsummen bzw. deren Quellen ausgeführt, wie Sie das hier tun. Ich bin nämlich kein Finanzfachmann und habe mich darauf beschränkt zu sagen: In Frankreich, zuletzt unter dem Ex-Banker (?) Macron, hat man sich nicht groß um das Wohl und Wehe von Schulen und Schülern gekümmert als vielmehr um Prestigeobjekte. (Monsieur Macron hat doch nur Tage nach dem Brand der Nation versprochen, die Kathedrale werde innerhalb von zwei(?) Jahren wieder aufgebaut.)

          Wissen Sie, das in Abrede stellen zu wollen, finde ich "schäbig", natürlich auch Ihre Art, mir zu unterstellen, ich würde Schüler mit Plünderern in einen Topf werfen. Wo sollte ich derlei gesagt oder gemeint oder gedacht haben?

          Warum in aller Welt sollte ich Ihnen - kurz - erklären, wie dank krimineller Gewalt gegen Unbeteiligte ein marodes Klassenzimmer zu sanieren wäre. Entschuldigen Sie bitte, ich möchte ihnen gewiss nicht zu nahe treten, aber das ist mir um einiges zu hoch. (Ich könnte vielleicht sogar der Meinung sein, Sie wollen mich auf den Arm nehmen.)

          Don't worry. Keep cool.

  • Dr. McSchreck

    Wer LePen will, der kann die Randale natürlich gut finden.

    • nihilist

      @Dr. McSchreck:

      Wer mehr Randale will, kann auch Le Pen gut finden. Der RN will mehr von allem, was die Eskalationen begünstigt.

      • Dr. McSchreck

        @nihilist:

        Das stimmt, sollte eigentlich ungefähr meine Aussage sein, die nicht so gut formuliert war. Letztlich meine ich, dass diese Randale dem RN helfen wird, weil er von Eskalation profitiert.

        Ich bin sicher, manche Besitzer eines kleinen Ladens, der regelmäßig beklaut und jetzt geplündert wurde, wird ganz unabhängig davon, wo seine Wurzeln sind, jetzt eine Partei wählen, die man von ihm gar nicht erwarten würde.

  • Machiavelli

    Frankreich hat eine staatsquote von über 50% es ist also ein ausgabenproblem nicht ein einnahmenproblem. Und hier sind es zwei Faktoren hohe pensionen und rentenansprüche für Boomer und zuviel angestellte in der Verwaltung die ineffizient sind. Westlichen Staaten sind langsam aber stetig zu skelltierten bürokratischen Monstern mutiert die sich selbst handlungsfähig reglementiert haben und gleichzeitig einen Mangel an tatsächlichen produktiven Beamten (Lehrern, Plannern, etc.) Haben.

    • Libuzzi

      @Machiavelli:

      "Frankreich hat eine staatsquote von über 50% es ist also ein ausgabenproblem nicht ein einnahmenproblem. "



      Finnlands Staatsquote ist höher ... Die Schuldenquote aber niedriger. So einfach ist die Rechnung also nicht.

      • Kaboom

        @Libuzzi:

        Frankreich hat 115 % Schuldenquote, D hat 63 % (2025)

  • Philippo1000

    Gewalt ist keine Lösung.



    Hier ist es tatsächlich die Aufgabe der Polizei, die Sicherheit zu erhalten.



    Es mag junge "Revolutionäre" begeistern, doch politisch ist ein Gewaltexzess nicht.



    Die im Text kritisierte Polizei ermöglichte übrigens parallel stattfindende friedliche Demonstrationen.



    Diejenigen, denen die Geschäfte geplündert oder die Autos zerstört werden, werden kaum nachvollziehen können, wie das zu mehr "Teilhabe und Gerechtigkeit" führt .



    Ganz nebenbei: Frankreich steht finanziell mit dem Rücken zur Wand.



    Deutschland geht es relativ gut, da bereits in der Vergangenheit Schritte zur Einsparung gemacht wurden. Daher waren zum Beispiel auch die Investitionsprogramme möglich, die nun wieder ein kleines Wirtschaftswachstum bewirken.

    • MontNimba

      @Philippo1000:

      Hm, wer ist denn Ihr Deutschland?



      Sie reden vom Haushalt, die Rentnerinnen und Rentner sind ein anderes Thema. Und ist's bei uns ziemlich Essig.

  • FFR

    Was wird da erst los sein, wenn die Staatsausgaben wirklich gekürzt werden.



    Bei einer der höchsten Staatsquoten der Welt und die auch noch schuldenfinanziert, kann das Ganze nicht am fehlenden Geld liegen.

    • Libuzzi

      @FFR:

      Wieso nicht? Wofür ich wieviel Geld ausgebe, sagt noch nicht viel darüber, wieviel ich einnehme. Und in Frankreich haben Sie das gleiche Problem wie in vielen europäischen Ländern: Die Tatsache, dass es bis heute keine einheitlichen Mindeststandards bei der Besteuerung von Unternehmen und Kapital gibt, sorgt -- zusammen mit der ideologischen Ausrichtung der Staatsführung -- dafür, dass man an die nicht rangeht.

  • EchteDemokratieWäreSoSchön

    Ich habe mich mal mit jemandem darüber unterhalten, dass es extrem ungerecht ist, dass die meisten normaler Arbeiter und Angestellten mehr als 50% Ihres Lohns an den Staat abführen (Einkommenssteuer, Mehrwertsteuer, Sozialabgaben, Mineralölsteuer), während Superreiche und Milliardäre oft weniger als 20% abführen. Und dass dies nicht nur extrem ungerecht ist, sondern auch zu enormen Problemen führt, weil noch nicht einmal der Staat noch ausreichend Mittel zur Verfügung hat, um auch nur die dringendsten Aufgaben zu erledigen.



    Weil der Staat kein Geld mehr hat, wurden z.B. im Laufe der Jahrzehnte 900 Mrd. € aus der Rentenkasse entnommen und dadurch fehlen jetzt z.B. die 10 Mrd. € für die Rente nach 45 Beitragsjahren. Demgegenüber wuchs das Vermögen der 5000 Superreichen und Milliardäre alleine seit 2024 um 400 Mrd. $.



    Nur 1,5-3,5 % ihres Vermögens wären 50-100 Mrd. € und würde alle Probleme des Staates lösen und wieder zu einer stabilen Gesellschaft und Demokratie führen. Das sollte doch auch Superreichen und Milliardären die 1,5-3,5 % wert sein.

    Doch man antwortete mir, das man das nicht einsieht, da es ja noch keine Revolution auf den Straßen gibt.

    • Axel Berger

      @EchteDemokratieWäreSoSchön:

      Falsch. Nicht "1,5-3,5 % ihres Vermögens" sondern "Ihres Vermögens pro Jahr". Das ist ein gewaltiger Unterschied. In 10 Jahren wären es bis zu 35 und in 20 Jahren zwei Drittel des Vermögens. Das wäre dann weg. Aber die Ausgaben liefen unvermindert weiter. Was dann?

    • Hans - Friedrich Bär

      @EchteDemokratieWäreSoSchön:

      Ich finde die Zahlen sehr interessant. Da haben Sie sich viel Mühe gemacht. In Frankreich, auch in anderen Ländern mit Präsidialsystemen passt das Politische System zur Vermögensverteilung. Nach diesem Gesellschaftsverständnis muss das Volk sich gefallen lassen mit dem Mittel der Überschuldung durch ZInszahlungen ausgeplündert zu werden. Von daher wird die Lage so bleiben.

      "Sozialabgaben" sind keine "Abgaben", also etwas was verschwunden ist wenn man es gezahlt hat, sondern als Versicherungsbeiträge gedacht, wie sie aber schreiben trotzdem nicht zugriffssicher.

      Das ist ein exorbitantes Ausmaß an Habgier der "oberen 5.000." Verantwortungslos, sogar gegenüber den eigenen Kindern, die in diese explosive Gesellschaft hineinwachsen müssen.

      • PeWi

        @Hans - Friedrich Bär:

        Sie vergessen, dass das "ausgeplünderte Volk" in den vergangenen Jahren durch massive Proteste verhindert hat, das Renteneintrittsalter den demographischen Realitäten anzupassen, oder auch das Rentenniveau abzusenken. Und da wird dann auch die Parole, man dürfe das nicht weiter über die EU-Beiträge mit deutschem Steuergeld mitfinanzieren, nicht mehr ganz so populistisch.



        Aber wenn man nur auf die "Reichen" starrt, übersieht man das.

    • Elite123

      @EchteDemokratieWäreSoSchön:

      Die Staatsquote liegt bei 50%.

      Dass der Staat zu wenig Geld habe, kann man da wahrlich nicht behaupten, er verfügt über jeden 2. Euro der erwirtschaftet wird.

      • Sam Spade

        @Elite123:

        "Dass der Staat zu wenig Geld habe, kann man da wahrlich nicht behaupten, er verfügt über jeden 2. Euro der erwirtschaftet wird."

        Knapp daneben. Der Staat gibt Geld aus über das er teilweise gar nicht verfügt sondern sich leihen muss.

        Eine Staatsquote gibt das Ausmaß der staatlichen Aktivitäten in der Wirtschaft wieder. Sie beschreibt also das Verhältnis der gesamten Staatsausgaben zum BIP.

        Bedeutet nicht das der Staat in Frankreich über jeden zweiten erwirtschafteten Euro verfügt, sondern das jeder zweite Euro vom Staat ausgegeben wird, z.B. für die sozialen Sicherungssysteme. Häufig über Kredite finanziert.

        • Dr. McSchreck

          @Sam Spade:

          Das ist aber eigentlich noch schlimmer, weil es bedeutet, dass die Wirtschaft so richtig lahmt und die Einnahmen aus Steuern und Abgaben nicht reichen.

      • EchteDemokratieWäreSoSchön

        @Elite123:

        Bei normalen Arbeitern und Angestellten stimmt das. Da liegt die Staatsquote bei über 50%. Und das ist zuviel.

        Aber bei den 5000 Superreichen (>100 Mio. $) und Milliardären liegt die Staatsquote bei ca. nur 20%. Und weil sie dort so niedrig liegt, liegt sie bei Arbeitern und Angestellten bei über 50%.



        Deshalb muss die Belastung dort steigen, damit sie für alle anderen sinken kann.



        Und da die 5000 Superreichen alleine seit 2024 über 400 Mrd. $ an Vermögen hinzugewonnen haben, würde es dort auch nicht schaden, die Steuern um 50-100 Mrd. € zu erhöhen.

        • Dr. McSchreck

          @EchteDemokratieWäreSoSchön:

          Sie verstehen den Begriff wohl falsch. Staatsquote ist der Anteil der staatlichen Ausgaben am Bruttosozialprodukt, ist diese sehr hoch, geht es der Wirtschaft schlecht. Über 50 Prozent sind eigentlich katastrophal, wenn es nicht gerade eine Sondersituation wie Corona gibt. Deutschland kommt auch schon nah daran, evtl. hilft der jetzt erhoffte Wachstum, es knapp zu vermeiden.

          • Sam Spade

            @Dr. McSchreck:

            "Staatsquote ist der Anteil der staatlichen Ausgaben am Bruttosozialprodukt, ist diese sehr hoch, geht es der Wirtschaft schlecht"

            Leider hat das eine mit dem anderen nichts zu tun, auch wenn Staaten bei einer schwächelnden Wirtschaft oft ihre Ausgaben erhöhen und dadurch die Quote steigt. Das sind aber lediglich temporäre Erscheinungen aus denen sich keine Gesetzmäßigkeit ergibt.

            Eine Staatsquote gibt lediglich das politische und gesellschaftliche Modell des Landes wieder, besagt aber nichts über den Zustand einer Volkswirtschaft. Ist also kein Gradmesser für die Wirtschaft.

            Skandinavische Wohlfahrtsstaaten haben eine sehr hohe Staatsquote, da der Staat hier viele Aufgaben übernimmt und diese durch Steuern finanziert.

            Norwegen hat eine Staatsquote von 50% und keiner dürfte ernsthaft behaupten das es der norwegischen Wirtschaft schlecht ginge.

            Der Staat hat hohe Einnahmen und kann daher zusätzlich zu seinen Aufgaben wie Investitionen in Bildung, Infrastruktur, Gesundheit etc noch Ausgaben tätigen z.B. für Forschung und Klimaschutz oder für die Förderung von E Mobilität oder Zukunftstechnologien, ohne sich zu verschulden.

            • Dr. McSchreck

              @Sam Spade:

              Norwegen hat aber eine Sondersituation durch das Öl, wobei man die Einnahmen geschickt angelegt hat in einem Staatsfonds. Letztlich sind die Öleinnahmen aber endlich, was nicht nur die Golfstaaten, sondern auch die Norweger wissen und daher neue Felder erschließen.

              Dass es der Wirtschaft schlecht geht, war eher auf Deutschland und das System hier bezogen, wo die Einnahmen inzwischen ganz wesentlich auf Abgaben aus der freien Wirtschaft beruhen - und wenn diese wegbricht, steigt die Staatsquote, weil die Einnahmen sinken, die Ausgaben aber mindestens unverändert bleiben, in der Regel sogar steigen.

              • Sam Spade

                @Dr. McSchreck:

                Die Öleinnahmen machen 60 Mrd € (2025) aus und sind mittlerweile für den Staat hauptsächlich hinsichtlich der damit verbundenen Arbeitsplätze von Bedeutung.

                Die Investmenterträge aus dem Fond belaufen sich hingegen auf 275 Mrd € (2025).

                Stabile Finanzmärkte sind daher für den Staat wesentlich bedeutender als eine nachlassende Nachfrage nach fossilen Energien.

                Ausserdem gibt es in Norwegen noch ein hohes Aufkommen an kritischen Rohstoffen, die noch nicht angetastet wurden und in Zukunft aber für EE und den Technologietransfer benötigt werden. Der Marktwert dieser Rohstoffe wird mit 28 Billionen Dollar taxiert. Würde das Ausmaß des gesamten bisherigen Ölgeschäfts seit den 70er Jahren damit deutlich übertreffen.

                Entscheidend für die Staatsquote ist jedoch der Faktor, das Norwegen so gut wie nichts an Zinsen oder Tilgung aufwenden muss und somit die Mittel des kompletten Haushalts für inländische Projekte zur Verfügung stehen.

                In Deutschland werden hingegen fast 6% des Haushalts alleine für Zinstilgungen ausgegeben. Die fehlen dann natürlich an anderer Stelle für Investitionen.

        • Kaboom

          @EchteDemokratieWäreSoSchön:

          Hier geht's um die staatliche Schuldenquote. Und die kann rein technisch nicht unterschiedlich bei verschiedenen Bevölkerungsgruppen sein.

        • whereischesgmt

          @EchteDemokratieWäreSoSchön:

          Was verstehen Sie unter Staatsquote und wie setzten sich diese 50% und 20% zusammen?

          • marilyn.hanson

            @whereischesgmt:

            Wenn wir unten leiden, sollen die oben "mitleiden" (sprich: etwas langsamer obszön überreich werden vom gesamtgesellschaftilch erarbeiteten Reichtum). Das wäre gut für die Spiegelneuronen. Wenn das nicht sichtbar oder messbar geschieht, ist es nach jahrzehntelanger Dämonisierung der linken Strömungen eben ein gefundenes Fressen für die Rechtsextremen, wohin sich fundamentaler Protest nur noch entladen kann.

  • realnessuno

    Lästern gegen "Linke",



    Eskalation statt Kommunikation,



    Markiges und schnelles Handeln,



    Das klingt alles wie der übliche Plan wenn man nichts verbessern will sondern nur eigene politische Werbung betreibt.

    Natürlich hat die Regierung (auch) bei dem Thema unverantwortlich gehandelt!

    Aber auch der brandschatzende Bürger könnte schlauer handeln, eigene Lebenshaltungskosten senken, Vernunft verbreiten...



    Viele der Teuerungen haben ihre Ursache in neuen Technologien ("KI"), Werbekosten (schaut euch die Milliardeneinnahmen der gängigen Werbekonzerne an - das ist EUER Geld!) und in unbedachten Konsumverhalten.



    Alle drei Dinge sind von jedem einzelnen Bürger steuerbar, wenn nur das Verständnis und die Vernunft vorhanden ist....

    • JK83

      @realnessuno:

      Verzeihen sie, ihr letzter Satz stimmt nicht. Die allermeisten Dinge brauchen arme Menschen. Essen, Hygiene, Wohnung, Kleidung, Fortbewegung usw.



      Aber das ist nur der eine Punkt. Der andere ist, dass das System unseren Konsum braucht und das heißt nichts anderes, das auch wir nicht wohlhabenden diesen Konsum brauchen damit wir mit Arbeit "beschäftigt" werden.



      Wenn es nur so einfach wäre, wie sie sagen, wenn einzelne und dann alle einzeln hier so einfach ein System von innen heraus verändern könnten..



      und zur KI: Es sind kaum die normalen Bürger, die das antreiben, es sind die Kapitaleigner, Firmenbesitzer und auch die öffentliche Hand, die sich alle davon Effizienzgewinne und - mehr Gewinne bzw. Kosteneinsparungen - wünschen.



      Dies alles läuft gegeneinander und es muss so sein, weil das Wirtschafts- und Gesellschaftssystem diese Gegensätzlichkeit braucht. Es braucht Mangel, Druck durch Zins und Konsumimperativ oder zumindest Konsumanreize. Sonst fällt tatsächlich alles auseinander, die anderen Staaten auf der Welt stehen bereit um wirtschaftliche Schwäche auszunutzen.. unser Sozialstaat, unsere medizinische Versorgung - dahin.



      Was sie schreiben ist und bleibt (leider) nur ein Traum.

  • cerobasis

    Ueber 1000 verletzte Polizisten.



    Streiker sabotieren Lehre an Universitaeten mit Randalen und Beleidigung. Rechtfertigung: Votum bei einer "Vollversammlung", bei der ein Prozent der Studenten anwesend waren.



    Die Missachtung durch diee Regierung ist nichts im Vergleich zu dem Schaden an Glaubwuerdigkeit, den sich die Bewegung seler zufuegt.

    • warum_denkt_keiner_nach?

      @cerobasis:

      "Ueber 1000 verletzte Polizisten."

      Die Regierung spricht nur von den verletzen Polizisten. Nicht von den verletzten Demonstranten. Darunter vielen sehr jungen Menschen.

      • FriedrichHecker

        @warum_denkt_keiner_nach?:

        Und von den anderen Verletzten spricht fast keiner - auch aus der Opposition.



        Von Lehrern, die mit Benzin übergossen wurden; von Ladenbesitzern und Verkäufern, die misshandelt wurden; von der Passanton, die am 01.10. in Marseille mit einem "improvisierten Flammenwerfer" von einem Vermummten im Gesicht verbrannt wurde...



        Sind ja überwiegend friedliche Proteste, wenn man Leuten wie Mélenchon glauben darf.



        Die Einzige, die aussieht als ob sie die Kurve zu diesen Leuten gerade noch kriegen würde, ist... Marine LePen. 🥴

      • kiwitt

        @warum_denkt_keiner_nach?:

        Sind junge Verletzte anders anzusehen als alte Verletzte?



        Es ist völlig egal ob jemand jung oder alt ist, wenn er randaliert und plündert.

  • vieldenker

    Sicher, die Regierenden machen Fehler. Aber auf der anderen Seite werfen auch nicht ein paar Schüler*innen nur Knallbonbons. Daher sollte man in einem Kommentar nicht versuchen, dass auch noch irgendwie zu rechtfertigen. Auch nicht, wenn man die Anliegen politisch teilt.

    • Auweiowei

      @vieldenker:

      Wenn die Schüler*innen bei Ihren - ich sag mal bewusst 'Protest-Umzügen' -etwas "werfen" würden (und zwar nicht nur Knallbonbons, wie Sie hier, des Beifalls sicher, zu sagen belieben*) - dann hätten wir das bestimmt schon in der Tagesschau gesehen.



      Abgesehen davon, die meisten der Protestierenden tragen Kartons mit gut lesbaren Aufschriften vor sich her - wie sollen sie da auch noch irgendwelche Wurfgeschosse (Steine? Brandsätze?)



      'bedienen'?



      * Tun Sie doch bitte wenigstens nicht so, als würden Sie das 'politische Anliegen' (vielleicht sogar?) teilen.

      • vieldenker

        @Auweiowei:

        Die Frage ist doch, welches politische Anliegen welcher Demonstrationsteilnehmenden meinen Sie? Ich teile den Frust der Schüler*innen über eine anachronistische Elitenbildung, sehe das Problem der nichtgelungenen Integration in den Vorstädten, oder den schwierigen ökonomischen Pfad zwischen den Treibsänden rechter und linker Populisten. Aberwerauch immer radikalen Akteuren das Recht zur Revolte gibt, sollte auch mit eigenen Schäden rechnen und sie bejahen. Wäre das in ihrem Sinne? Na dann.

        • Auweiowei

          @vieldenker:

          Auf das, was Sie mir hier geschrieben haben, vermag ich mir beim besten Willen keinen Reim zu machen. Tut mir leid.

        • Auweiowei

          @vieldenker:

          Nicht so ganz.



          Haben Sie nicht zuerst reichlich undifferenziert-vage von "auch nicht ein paar Schüler*innen nur" (?) gesprochen? Und nun sagen Sie, deren "Frust" sei ja zu verstehen, aber dann biegen Sie doch wieder nach halbrechts ab: Wer nach dem "Recht zur Revolte" ruft, "sollte auch mit eigenen Schäden rechnen und sie bejahen" (?).

          Ich bitte Sie: Da gehen welche aus ihren Schulen und machen mit ihren Plakaten einen Protestzug durch die Straßen - und das ist dann schon eine Revolte? Wenn einige Hitzköpfe - Schulfremde? - auf Gewaltaktionen scharf sind, ist das unbedingt den friedlich Protestierenden anzukreiden? Ich glaube nicht. In dubio pro.

    • warum_denkt_keiner_nach?

      @vieldenker:

      "Sicher, die Regierenden machen Fehler."

      Mit Blendgranaten auf Schüler schießen, ist also nur ein Fehler?

      • marilyn.hanson

        @warum_denkt_keiner_nach?:

        Naja, eine Selbst-Deligitimation der Staatsgewalt, zumindest.

    • Hans Dampf

      @vieldenker:

      Dem stimme ich zu.

  • Auweiowei

    1789 war ein vergleichsweise friedlicher Auftakt, selbst der 'Sturm auf die Bastille' wurde erst von der nationalen Geschichtsschreibung zu dem gemacht, als den man ihn kennt oder besser: zu kennen glaubt.



    Und Danton war einige Jahre, bevor er unter der Guillotine starb, ein eher besonnener 'Softie', ein brillanter Redner und Strippenzieher. Er war keinesfalls ein blutrünstiger Unhold oder Gewalttäter. Und der am Ende 'eiskalte' Robespierre wird heute eher als moralinsaurer, unter Verfolgungswahn Leidender gesehen. Georg Büchner kommt mit 'Dantons Tod' den historischen Realitäten ziemlich nahe - ganz ohne Gewalt auf den Straßen.



    Und schließlich zur Marseillaise: "Le jour de gloire est arrivé!" Darin liegt viel mehr Opfer- und Todesbereitschaft (schlecht Bewaffneter!), als wir es heute für möglich halten würden.

    • Willi Müller alias Jupp Schmitz

      @Auweiowei:

      Mit seiner Version der Marseillaise hat ja schon Serge Gainsbourg die Regierung kritisiert :



      youtu.be/kMwq_Yg7q...i=LqPw7s0TCMGM7OIJ



      Aux armes, et cætera...

      • Auweiowei

        @Willi Müller alias Jupp Schmitz:

        Gainsbourg 1979, angeblich reggae-beeinflusst. Obwohl, hört sich in meinen Ohren an wie drogen-beeinflusst. Wenn das Regierungskritik sein soll...

        Ja - und?

        • Willi Müller alias Jupp Schmitz

          @Auweiowei:

          Stimmt schonn, seine "Kritik" war eher etwas hilflose Stichelei gegen eine nicht für voll genommene Regierung.

    • YeahYeah

      @Auweiowei:

      Bevor die Revolution hier zu sehr glorifiziert wird, würde ich auch Dinge wie den Aufstand in der Vendée nachschlagen.

      • Auweiowei

        @YeahYeah:

        Haben Sie denn z.B. bei dem Altmeister der französischen Historiker, Jules Michelet, "Histoire de la Révolution Française", nachgeschlagen oder genauer nachgelesen? Wahrscheinlich nicht.

        Aber vielleicht bei dem reaktionären Spanier Albert Bárcenas Pérez (2014), La guerra en la Vendée? Dort wird nämlich die 'Gegenrevolution' von 1793, angezettelt von glaubenstreuen Katholiken und Monarchisten - in einem einzelnen Département - als Kampf für Gewissensfreiheit glorifiziert, weit mehr noch: die Truppen der Revolution hätten



        den ersten Genozid in der Neueren Geschichte verübt... Und natürlich, Googles KI stellt dieses Werk wie kein anderes groß heraus.

        Sollten Sie dieses von manchen Zunftgenossen hochgelobte Buch noch nicht kennen - bitte, es ist auch auf deutsch erschienen und gut zugänglich. Und danach lesen Sie doch bei Michelet (deutsch bei zweitausendundeins) nach.

        Aber eigentlich bin ich ja froh, dass Sie mir nicht mit der Guillotine gekommen sind. Nichts für ungut.

        • MontNimba

          @Auweiowei:

          "Dort wird nämlich die 'Gegenrevolution' von 1793, angezettelt von glaubenstreuen Katholiken und Monarchisten - in einem einzelnen Département - als Kampf für Gewissensfreiheit glorifiziert"

          Gucken sie mal im dtv-Geschichtsatlat, Bd.2, Ausgabe von 1995: Vendée, Bretagne, Lyon sind nur die bekanntesten Orte.

          Ich glaube, Sie glorifizieren der FRev etwas. Eine Mehrheit für die Republik wird erst für ab 1876 (also nach Napoléon III) angenommen. Die größere Identifikation gab es jedenfalls mit Napoléon Bonaparte.



          In Paris sah es freilich anders aus.

          • Auweiowei

            @MontNimba:

            Gerade habe ich zu den 'Nachwehen' der Frz.Rev. weiter oben unter @ChrisMcZott etwas geantwortet. Würden Sie bitte dort nachlesen (wobei ich natürlich nicht sicher sein kann, dass mein Beitrag auch "durchkommt"). Vielen Dank.

        • Thutmerwe

          @Auweiowei:

          Michelet ist, was den Forschungsstand angeht, nun wirklich nicht mehr das Maß der Dinge, auch wenn er sich unterhaltsam liest.



          Und es braucht auch keinen "reaktionären Spanier", um auf die Ereignisse von 1793 (und noch ein paar Jahre länger) eine andere Sichtweise zu bekommen. Das kriegen die Franzosen inzwischen schon recht gut selbst hin, wie ihnen z.B. ein Besuch in den entsprechenden Museen vor Ort zeigen würde.

          • Auweiowei

            @Thutmerwe:

            Die deutsche Übersetzung (bei 2001 neu aufgelegt) ist schwer verdaulich. Michelet bezieht sich auf Gewährsleute und war zeitlich noch näher an 1789... dran als andere.



            Zu den Museen vor Ort: Die kenne ich leider nicht. Trotzdem würde ich sagen: Deutsche sollten Verdun, Oradour, Dieulefit oder andere Orte der Résistance (Auswahl etwas zufällig) besucht haben.



            Danke für Ihre Hinweise.

  • Ritchie

    Die Regierung ist schuld wenn die "Demonstranten" plündern und brandschatzen?



    Eine sehr krude Ansicht.

    • rero

      @Ritchie:

      Die Formulierung ist ja weicher: „ nicht unschuldig“.

      In Frankreich ist die Polizei deutlich härter drauf als in Deutschland.

      Kann man schon an der Bewaffnung erkennen.

      Auch im Umgang ist man dort rauher.

      Deeskalierend ist was anderes.

      Das kann die Polizei in Deutschland deutlich besser.

      Natürlich hätte die französische Regierung auch beizeiten Aktivisten empfangen können, um sie zu besänftigen.

      Ist natürlich schwierig im Zentralismus.

      In Deutschland würde sich irgendein Bürgermeister die Vorwürfe anhören, Versprechungen machen und das war“s.

      Seine Verantwortung.

      In Frankreich muss man bei diesem Thema metaphorisch auf die Regierung zielen.

      Bürgermeister werden sich da nicht so schnell in die Schusslinie stellen.

      Die profitieren eher politisch von der Aufruhr.

      Und ein Minister wiederum hat einzelne Schulen nicht so schnell im Blick.

      Insofern passt das mit „ nicht unschuldig „ durchaus.

    • FancyBeard

      @Ritchie:

      Es geht um Mitverantwortung. Zum wiederholten Male endet breiter politischer Protest in Plünderungen und Unruhen. Die Staatsgewalt hat dafür Sorge zu tragen gewaltfreien Protest zu ermöglichen und die Bürger vor Gewalttäter zu schützen. Darin hat die französische Exekutive wieder einmal willentlich versagt.

      • rero

        @FancyBeard:

        Willentlich?

        Klingt nicht glaubwürdig, immerhin büßt die französische Exekutive dadurch extrem an Prestige ein.

        Können Sie das irgendwie belegen?

        • FancyBeard

          @rero:

          Selbstverständlich war mein Kommentar überspitzt formuliert, jedoch: Seit gefühlt 20 Jahren endet gefühlt jede große Protestaktion in Frankreich in Unruhen und Plünderungen des entsprechenden Klientels, oder es kommt direkt zu Unruhen, wenn etwas in den Vierteln hochkocht. So lange dann die gleiche Taktik zu fahren und das Problem jedes mal wieder zu haben, da muss man doch mindestens eine gewisse Lernresistenz unterstellen, aber ich würde sogar von "Nicht lernen Wollen" sprechen.

    • warum_denkt_keiner_nach?

      @Ritchie:

      Die Regierung hat schon auf die ersten Demos mit brutaler Gewalt reagiert. Natürlich fördert das Gewalt auf der Gegenseite.

      • Newjoerg

        @warum_denkt_keiner_nach?:

        warum das "natürlich" sein soll ... ?

      • Dr. McSchreck

        @warum_denkt_keiner_nach?:

        Bei den ersten "Demos" wurden 2 Schulen in Brand gesetzt.

        • MontNimba

          @Dr. McSchreck:

          Das waren mitnichten die ersten Demos.

        • warum_denkt_keiner_nach?

          @Dr. McSchreck:

          Welche?

          • Budzylein

            @warum_denkt_keiner_nach?:

            Eine war die Nelson-Mandela-Schule in Nantes, die am 01.10.2026 angezündet wurde, s. hier: en.wikipedia.org/w...n_Mandela_(Nantes)



            Die Schule wurde erst 2014 eröffnet und sieht auf dem Bild im Wikipedia-Artikel nicht so aus, als müsse man sie wegen ihrer schlechten Ausstattung in Brand setzen.

          • rero

            @warum_denkt_keiner_nach?:

            Lycée Roger-Verlomme und Lycée Beaugrenelle, beide im 15. arrondissements.

    • nihilist

      @Ritchie:

      Die Regierung ist für die öffentliche Ordnung, wie etwa nicht in Plünderungen ausufernde Demonstrationen, zuständig? Ja, das ist wirklich völlig verrückt.

    • Retsudo

      @Ritchie:

      Eigentlich ein simpler Gedankengang, wenn die herrschende Klasse nicht auf die Anliegen der Demonstrierenden eingeht,. riskieren sie eine Eskalation oder schaffen es sich wegzuducken. Das nun zweiteres eingetroffen ist, lag im Rahmen des möglichen und zeigt die Notwendigkeit für weitere Demos.

      Daß es plündernde Banden gibt,.die die legitimen Interessen der Demonstrierenden konterkarieren, und die Regierung es nicht schafft eine geordnete Demonstration zu organisieren spricht für sich. Da geht es noch nicht mal um eingesetzte Granaten die Jugendlichen die Hände weg sprengen.

      Welche Sicht nun krude ist sollen die Foristen für sich beurteilen.

      • Dr. McSchreck

        @Retsudo:

        Krude ist jedenfalls die Idee, dass die Regierung "geordnete Demos organisieren" sollte. Diese Zeiten sind zum Glück länger vorbei.

    • Hans Dampf

      @Ritchie:

      Ja, fand ich auch eine sehr fragwürdig Darstellung des "Schuldigen".

      • Retsudo

        @Hans Dampf:

        Interessante was sie finden, nur sind die Gesetze in Deutschland eindeutig zur Versammlungsfreiheit (§ 21 und § 15VersammlG).

        Da ich mich im französischen Recht nicht so gut auskenne, gehe ich davon aus das dies im EU Recht nicht allzu unterschiedlich gehandhabt werden sollte.

        Wem.habem.denn.die Zerstörungen genutzt?

        Mit den Anliegen der Demonstranten beschäftigt sich keiner mehr, also das gute alte Cui Bono.

  • Hans - Friedrich Bär

    Die Polizeigewalt hat damit zu tun, dass die Polizeiausbildung in Frankreich dtl kürzer ist als bei uns, somit Polizeigewalt als Ersatz von Polizei Know How strukturell toleriert wird. Das heizt Konflikte an. Wer Straßenschlachten will weiß: er bekommt sie geliefert.



    Die Bemerkungen zum geschichtichen Bezug stimmen im Großen und Ganzen weil das Gesellschaftsverständnis sich seit Jahrhunderten nicht geändert hat: "Die Freiheit führt das Volk" .



    Die politische Psychologie eines Präsidialsystems hat Weltferne zur Voraussetzung und zur Folge. " Was wollen die da unten überhaupt" bekommt man aus einer Schicht, die so erzieht und so erzogen ist, nicht heraus. In der Ukraine ist das genau so.



    Die Präsidenten sind deswegen subjektiv nicht Schuld an der Überschuldung und an sonstigen Misserfolgen. Es sind andere. Die Protestierenden in beiden Ländern haben erkannt , dass sie die anderen sind, die das sein sollen. Dazu haben sie keine Lust "nous en avons marre" stand auf einem Plakat. Da sind sie sich dem Präsidenten sogar ähnlich, er hat auch keine Lust sich zu ändern. Erschöpfung bis zum nächsten Waffengang, bei dieser Kassenlage nur eine Frage der Zeit.

    • Auweiowei

      @Hans - Friedrich Bär:

      Ja, natürlich. Vielleicht haben Sie aber auch nur "nous en avons marre" in Ihrem Sinn psssend verwendet bzw. missverstanden (im Sinn von: keine Lust mehr haben, etwas zu ändern). Im Blick auf die 'Anliegen' der Schüler*innen bedeutet es aber in Wahrheit "Uns reicht's!" (So kann es nicht weitergehen.)



      Vielleicht haben Sie ja noch den Refrain eines Chansons aus anderen französischen Zeiten in Erinnerung:



      Et puisque j'en ai marre



      Je gratte ma guitarre.



      (Und weil ich von alldem genug habe,



      Kratze ich auf meiner Gitarre herum.)

      • Auweiowei

        @Auweiowei:

        Kleine Selbstkorrektur und Quellenangabe:



        Es muss heißen "Et lorsque...



        ma guitare." Aber, o Wunder, die Übersetzung stimmt trotzdem.



        Das Chanson stammt von Georges Moustaki, der sich als 'métèque' (psychosozialer outlaw) outete, ich glaube aus dem Jahr1973.

  • warum_denkt_keiner_nach?

    Eine Regierung, die mit Blendgranaten auf Kinder schießt und die legitimen Forderungen der Kinder weitgehend ignoriert, braucht sich nicht aufzuregen, wenn im Land Rathäuser brennen.

    Ich fürchte mit der aktuellen Kombination aus Politik und Propaganda rollt Macron Le Pen den roten Teppich auf dem Weg in den Élysée-Palast aus...

    • Nachtsonne

      @warum_denkt_keiner_nach?:

      Haben Sie auf YT mal einen Blick auf die "Kinder" geworfen?

  • Josef 123

    "Plünderungen sind wie die gewaltsamen Provokationen auf Seiten demonstrierender Jugendlicher inakzeptabel. Nicht zuletzt, weil sie ihrem Anliegen schaden."

    Wie bitte? Wären Plünderungen und gewaltsame Provokationen in Ordnung, wenn sie dem Anliegen nicht schaden würden?

    • marilyn.hanson

      @Josef 123:

      Nach Logik des zivilen Ungehorsams: ja! Ist militärische Gewalt denn legitim, wenn sie abstrakte Normen wie schwindende westliche Vorherrschaft schützt (wer traut sich zu sagen: Neo-Kolonialismus, der sogar ableugnet, einer zu sein) auf dem Globus? Wurde "unsere Freiheit" nicht "am Hindukusch verteidigt"? Hat es sich ausgezahlt? Wie nachhaltig war das denn? Wieviel hat der Afghanistan-Einsatz FR gekostet im Vergleich zu den Forderungen der Demonstrierenden?



      Sollen Schüler*innen die Skrupel gegenüber Gewalt mehr beherzigen als gestandene Politiker*innen? Warum eigentlich?



      Weil die Savourierten das gern so hätten?



      Die Regierungen weltweit machen es doch vor, egal, ob vordergründig "liberal", "autoritär" oder "kleptokratisch".



      Es sind doch gelehrsame Schüler*innen & Studierende: Lernen am Modell! Warum ist Merkel aus der Atomkraft ausgestiegen? Weil es ihr zu anstrengend wurde, gegen hartnäckige, ungehorsame, sabotierende und teils militante Teile der eigenen Bevölkerung vorzugehen, während sich Unmut & Überstunden der Polizei in die Millionen steigerten. Das wurde ihr schlicht zu teuer. Die abgebrühte politische Kaste reagiert halt wie eine Amöbe nur auf den stärksten Reiz.

      • Josef 123

        @marilyn.hanson:

        "You say you want a revolution



        Well, you know



        We all want to change the world



        You tell me that it's evolution



        Well, you know



        We all want to change the world



        But when you talk about destruction



        Don't you know that you can count me out."

        ( The Beatles, Revolution 1/



        Release date: 22 November 1968)

    • nihilist

      @Josef 123:

      Nein, wenn Plünderungen in Ordnung wären würden sie dem Anliegen nicht schaden.

  • Pico

    Klar, wenn erst dann miteinander geredet wird, wenn es eskaliert, dann ist das ein Vorgehen, dass vielleicht dann Schule macht. Besonders eben in Frankreich. Auch wenn die Bauern demonstrieren, geht es nicht immer sehr friedlich zu. Friedliche Demos werden doch von der dortigen Regierung "weggelächelt". Das ist bedauerlich, aber anders wird man vielleicht nicht mehr gehört. Wobei Brandstiftungen, Plünderungen und Sachbeschädigen und besonders Angriffe auf Menschen nicht akzeptabel sind.

    • FriedrichHecker

      @Pico :

      "Friedliche Demos werden doch von der dortigen Regierung "weggelächelt".

      Das ist bekannt - weswegen man in Frankreich seit den Protesten der «gilets jaunes» überhaupt keinen neuen Versicherungsvertrag mehr abschließen kann, der im Fall solcher "innerer Unruhen" eine adäquate Leistung vorsieht. Wer nicht einen schweineteuren Tarif wählt oder einen Altvertrag hat, bleibt auf seinem kompletten Schaden sitzen.

      Die Law-and-Order-Fraktion vom RN freut sich über die Wahlkampfhilfe für die Präsidentschaftswahlen...