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Rot-Grün-Rot in Berlin Aufbruch oder Absturz?

Uwe Rada

Kommentar von

Uwe Rada

Berlin könnte zeigen, dass der Rechtsruck nicht unausweichlich ist. Doch dafür muss das mögliche Linksbündnis erst die eigenen Konflikte überwinden.

M an darf das Gezeter und Gezerre bei den Sondierungsgesprächen in Berlin auch mal positiv sehen: keine Politik hinter verschlossenen Türen, sondern eine Operation am offenen Herzen. Selten kann man politischen Aushandlungsprozessen derart in Echtzeit zuschauen. Unklar ist nur, ob die Operation erfolgreich sein wird, ob tatsächlich eine Koalition aus Linkspartei, Grünen und SPD zustande kommt und mit Elif Eralp erstmals eine Linke und Frau mit Migrationsgeschichte ins Rote Rathaus einzieht oder ob der Patient, das von den Wählerinnen und Wählern gewünschte Linksbündnis, am Ende tot sein wird.

Denn man kann das, was derzeit in Berlin verhandelt wird, auch mit Fassungslosigkeit verfolgen. Statt Vertrauen aufzubauen, ist den handelnden Akteuren, allen voran dem SPD-Wahlverlierer Steffen Krach, das Misstrauen gegenüber der Linken buchstäblich ins Gesicht geschrieben. Und der grüne Spitzenmann Werner Graf konnte seinem Anspruch, als ruhende Mitte Zuversicht auszustrahlen und die Streithähne bei Laune zu halten, bislang nicht gerecht werden. Das Spitzenpersonal der Linkspartei wiederum, dessen Euphorie nach dem Wahlsieg angesichts der unappetitlichen Bilder von Clanmitgliedern und Terrorsympathisanten auf der Neuköllner Wahlparty schnell verpuffte, hat Mühe, die Fliehkräfte in den eigenen Reihen einzufangen.

Das migrantische Berlin und das Nichtwählermilieu mit dem Versprechen auf Bezahlbarkeit des Alltags an die Wahlurnen gebracht zu haben, ist ihr Erfolg. Der aber verpflichtet die Partei auch, klare Kante gegenüber jenen zu zeigen, die auf dieser Erfolgswelle mitreiten und Hass und Hetze verbreiten wollen.

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Die taz ist eine unabhängige, linke und meinungsstarke Tageszeitung. In unseren Kommentaren, Essays und Debattentexten streiten wir seit der Gründung der taz im Jahr 1979. Oft können und wollen wir uns nicht auf eine Meinung einigen. Deshalb finden sich hier teils komplett gegenläufige Positionen – allesamt Teil des sehr breiten linken Meinungsspektrums.

Vieles an den Schockwellen, die die Sondierungen aus Berlin derzeit in die Republik senden, hat das Land schon einmal erlebt. Es ist die Gewaltdebatte bei den Grünen, die regelmäßig aufkam, sobald eine Regierungsbeteiligung möglich wurde. Inzwischen sind die Grünen erwachsen. Vielen sind sie zu erwachsen, wie die jungen Wählerinnen und Wähler zeigen, die in Berlin mit fast 50 Prozent für die Linkspartei gestimmt haben. Aber auch sie müssen sich die Frage stellen, was am Ende zählt. Ein Stinkefinger Richtung Netanjahu und es den Etablierten mal so richtig zeigen? Oder eine radikale Reformpolitik, die allerdings auch Kompromisse erfordert? Recht behalten oder das Mietrecht ändern, das ist hier die Frage.

Aufbruchssignal aus Berlin

Vieles spricht dafür, dass die Linke die Wahl mit dem Thema Bezahlbarkeit und nicht wegen ihrer palästinasolidarischen Haltung gewonnen hat. Umso wichtiger ist es nun, dass es bei den Sondierungen einen überzeugenden Einstieg in diese Bezahlbarkeit gibt. Wer, wenn nicht ein Linksbündnis, kann beim Thema Mieten den Schalter umlegen? Dass die SPD nun ihr Mietenkataster preist und für Law and Order auch auf dem Mietmarkt eintritt, zeigt, wie sich der Diskurs nach links verschoben hat. Das ist ein Erfolg der Linken.

Diesen Einstieg in die Bezahlbarkeit braucht die Linke auch, um ihre Mitglieder mitzunehmen auf die lange Reise zu einem Linksbündnis. Mehr als verdoppelt hat sich die Mitgliederzahl der Partei im vergangenen Jahr. Verdoppelt hat sich damit auch das Risiko der Unberechenbarkeit – und am Ende sogar der Unregierbarkeit. „Berliner Verhältnisse“, werden dann jene sagen, die es schon immer gewusst haben.

Tritt man einen Schritt zurück, sind aus Berlin gerade zwei Signale zu vernehmen: Angesichts einer rasant wachsenden Polarisierung, der Stärkung des rechten Rands und einer Erosion der politischen Mitte könnte ein Berliner Linksbündnis ein Aufbruchssignal sein. Berlin bezahlbar machen als Überschrift für eine Politik, die konkretes politisches Handeln wieder an die Lebenswirklichkeit der Mehrheit der Menschen koppelt. Genauso gut könnten ein scheiterndes Linksbündnis und anschließende Neuwahlen die Erosion befördern.

All das lastet auf den Schultern derer, die gerade in Berlin sondieren. Dass sich so viele Bundespolitiker einmischen, zeigt: Selten stand die Bildung einer Landesregierung unter solcher Beobachtung wie in diesen Tagen. Vielleicht auch, weil hier etwas entstehen kann, das die These widerlegt, ein Rechtsruck in diesem Land sei unvermeidlich. Geben die Parteitage von Grünen und Linken grünes Licht, sollen im November die Koalitionsverhandlungen beginnen. Berlin ist in diesen Wochen ein aufregender politischer Ort. Ausgang des Experiments: offen.

Uwe Rada

Uwe Rada Redakteur taz.Berlin

Jahrgang 1963, ist Redakteur für Stadtentwicklung der taz. Weitere Schwerpunkte sind Osteuropa und Brandenburg. Zuletzt erschien bei Bebra sein Buch "Morgenland Brandenburg. Zukunft zwischen Spree und Oder". Er koordiniert auch das Onlinedossier "Geschichte im Fluss" der Bundeszentrale für politische Bildung. Uwe Rada lebt in Berlin-Pankow und in Grunow im Schlaubetal.
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53 Kommentare

  • Bambuspanda

    "Marktwert" ist in der Regel im Kapitalismus wohl vor allem von der Fantasie bestimmt. Erinnern wir uns zB an dem damaligen "Neuen Markt" - Firmen hatten bis zum crash der damaligen Blase Milliardenwerte und nach dem Platzen der Blase, gingen desssen Werte gegen Null.

    Immobilienblase in den USA und der Bankencrash - Immobilien in vielen Ländern waren nicht einmal mehr die Hälfte wert. Von einem Tag zum andern.

    Der Wert der immobilien in Berlin misst sich ja nicht gänzlich aus Lage/Zustand der jeweiligen Immobilien und aus Angebot und Nachfrage, sondern nicht gering auch welche Gewinne sich mit diesen erzielen lassen.

    Maßgeblich für diese Gewinne sind dabei die exorbitanten, in den Himmel geschossenen Mieten, vor allem in Westeuropa.



    Hätte es vor 20 Jahren schon in Berlin einen Mietendeckel gegeben, wären diese Immobilien nicht einmal die Hälfte des heutigen "Warktwertes" wert.

    In diesem Sinne ist für mich auch der zukünftige Marktwert der Immobilien von Vonovia&Co auch zu berechnen!



    Mit einem Mietendeckel (hoffentlich nicht nur für die Landeseigenen) lassen sich dann nicht mehr jährliche Gewinne bis zu 10% ermöglichen.

  • FtznFrtz

    Die Konservativen (bis hinein in die SPD, zum Beispiel Hubertus Heil) spucken Gift und Galle, allen voran der Erbenkönig Markus Söder, in merkwürdigem Kontrast zur eher ruhig-sachlichen Verhandlungsführung der Beteiligten.



    Offenbar kommen die Beteiligten klar, Grüne und SPD werden mutmaßlich keine Räterepublik in Berlin mit der Linkspartei gründen und reiche Erben werden reich bleiben, vielleicht mit ein paar Wohnungen weniger im Grundbuch. Den Kampfgeist der Union würde man sich gegenüber der AfD auch einmal wünschen.

  • test_name

    >Wer, wenn nicht ein Linksbündnis, kann beim Thema Mieten den Schalter umlegen?<







    Die Antwort auf diese Frage wollt ihr gar nicht wissen. Mietenproblem entsteht aus einem Ungleichgewicht aus Angebot und Nachfrage. Das Angebot kann man ohne staatliche Mittel nicht steigern weil Kostenmieten obgerhalb von 20,00€ allenfalls noch für Kleinstwohnungen durchsetzbar sind.







    Die Nachfrage will das Linksbündnis nicht beschränken denn die unbegrenzte Aufnahmefähigkeit für Zuwanderer ist der erste Glaubenssatz dieses Linksbündnisses - und zwar bei allen drei Parteien.







    Glaubenssatz 2 ist dann: "die Reichen zahlen alles".







    Das Linksbündnis ist mit diesen beiden Glaubenssätzen eine quasi-religiöse Veranstaltung. Aber es ist gut, dass es einmal in der Praxis ausprobiert wird.

    • JaKr

      @test_name:

      " die unbegrenzte Aufnahmefähigkeit für Zuwanderer"... Ach Gott, ja. Würde auch mal wieder Zeit den inherent bösen Migranten zu beschwören. Der tut zwar einerseits nichts und kann natürlich auch nichts, aber irgendwie nimmt er uns doch alles weg. Die Arbeitsplätze, die Wohnungen, und wenn's sonst alles mal nicht so läuft: "Die Linke und die Ausländer und so!"

      Noch den guten, alten "Die Reichen sollen alles zahlen."-Strohmann dazu kommen und fertig ist das tiefbraune Narrativ von der bösen Linken. Da hat das simple Gemüt seine Ruhe.

      Richtig Angst hat man nämlich eigentlich davor, dass die Linke in Berlin Erfolg haben könnte. Dann gäbe es nämlich keine Ausrede mehr dafür, dass es eben nicht doch auch anders geht. - Dann lieber gemeinsame Sache mit Nazis machen, bevor man den größten Parteispendern noch an die Brieftasche muss!

    • RenitenterBoomie

      @test_name:

      Doch ich will es wissen. I(n meinem 66. Jahr schon. Ein halbes Jahrhundert also einigermassen verantwortlich für mich selbst und was ich wissen will.

      Sie aber nerven schon mit dem arroganten Kniff, man wolle selbstverständlich nicht wissen, was Sie als Wissen ausgeben.

      Was dann kommt sind die schlichteten Kalendersprüche, die ein grelles Licht auf das Niveau der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultäten und ihre PISA-Ergebnisse werfen. Jährlich verlassen diese vom Gemeinwesen finanzierten Universitäten immer neu Kohorten von Absolventen die hernach den Rest der Welt mit Idiotismen malträtieren: Das Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage sei in Schuld.

      Nö.



      Das ist die Problembeschreibung. Mehr nicht.

  • Bürger L.

    Die hysterischen Warnrufe vor einer Koalition mit der Linken kommen ja von Anfang an nicht nur von CDU und Springer-Medien sondern von Konservativen quer durch alle Parteien.

    Wenn zum Beispiel, wie aktuell geschehen, 20 Bundestagsabgeordnete der SPD sich dazu berufen fühlen, vor einer Koalition mit der Linken im Berliner Landesparlament warnen zu müssen, scheinen die nicht zu bemerken, dass sie damit selbst zu Totengräbern der einst stolzen Sozialdemokratischen Partei werden.

    Bleibt nur zu hoffen, dass es trotz der breit angelegten Kampagne gegen die Linke, im Berliner Abgeordnetenhaus zu einer stabilen linken Koalition kommt.

    Unabhängig davon, ob, wann, oder in welchem Umfang es wirklich zur Vergesellschaftung von Wohnungskonzernen kommt, wäre das ein wichtiges Signal an all diejenigen, die so tun, als sei das Erstarken der rechts-nationalen Kräfte im Land ein nicht aufzuhaltendes Naturgesetz.

  • Sole Mio

    Wenn das Wahlrecht für alle, die seit mind 5 Jahren in Deutschland sind, kommt. Was bedeutet dies? Ist das wirklich ernst gemeint?



    Fallen darunter auch:



    -Menschen ohne Bleiberecht



    -Straffällig gewordene nicht Staatsbürger



    -illegal Eingereiste

    Das würde ich für äußerst bedenklich halten!

  • Josef 123

    "Statt Vertrauen aufzubauen, ist den handelnden Akteuren, allen voran dem SPD-Wahlverlierer Steffen Krach, das Misstrauen gegenüber der Linken buchstäblich ins Gesicht geschrieben."

    Dem Mann ist vielleicht etwas ganz anderes ins Gesicht geschrieben, nämlich die Existenz seiner Partei.

    Wenn die Enteignung der Immobiliekonzerne nicht klappen sollte ist die SPD wieder mal ein (Junior-) Partner in einer Regierung, der der Bruch eines -sogar DES- zentralen Wahlversprechens vorgeworfen wird.

    Eine professionell erarbeitete Machbarkeitsstudie liegt nicht vor. Die Linke geht derzeit offenbar davon aus, daß sich die Wirklichkeit mitsamt den rechtlichen und finanziellen Aspekten ihrem Wunschbild anpassen wird. Sowas gibt es gelegentlich. Allerdings nur in Takatukaland.

    • Selbstauslöser

      @Josef 123:

      Es gibt eine professionell erstellte Machbarkeitsstudie. Das scheint nicht in Ihr Framing (Weltbild) zu passen.

    • Sole Mio

      @Josef 123:

      Mit manchen Ideen und Vorhaben sind die Linken alleine. Da darf man sich nicht beschweren, dass andere diese nicht teilen oder unterstützen.

      Dann sind auch nicht andere die Totengräber des Wahlversprechens. Man brachte halt simpel und einfach nicht genügend Wähler für diese zusammen.

      Geht allen anderen Parteien in ihren Koalitionen ähnlich.

    • Janix

      @Josef 123:

      Was passierte, als Giffey den Volksentscheid einfach ignorieren wollte und dafür sogar die Führungsrolle der SPD wohl auf Jahrzehnte pulverisierte, haben wir gesehen.



      Die SPD wird den Giffeyfehler kein zweites Mal begehen wollen, oder sie wäre noch mal halbiert.



      Mahnen darf und muss sie. Aber ernsthaft mitziehen eben auch.

    • Simon Lübbers

      @Josef 123:

      Es gibt nur eine Grenze dessen, was möglich ist, und das ist die Physik. Alles, was sie nicht ausschließt, kann morgen umgesetzt werden, wenn der politische Wille da ist. An dem scheitert es leider sehr häufig. Ansonsten kann natürlich der Bund einer Landesregierung juristische Steine in den Weg legen und daran könnte auch die Vergesellschaftung sehr leicht scheitern. Das ist dann aber auch wieder ausschließlich ein Problem des politischen Willens auf Bundesebene.

      • Machiavelli

        @Simon Lübbers:

        Ressourcen Knappheit ist aber auch Physik. Fachkräfte und Baumaterialien sind knapp daher teuer daher ist Neubau teuer daher ist die einzige Lösung für das wohnproblem nicht verfügbar.

  • Yoriko N.

    Alea iacta est – die Würfel sind gefallen. Zumindest die der Union.



    Die „False-Flag“-Aussage, die Causa Bärbel Bas und die Reden auf dem Deutschlandtag der JU zeichnen das Bild einer Union, die ihren Kurs weiter nach rechts verschiebt. Während der mediale Krach um die Berliner Koalition die Schlagzeilen beherrscht, gerät die eigentliche politische Richtungsentscheidung aus dem Blick. In Sachsen-Anhalt stützt die CDU in Teilen weiterhin die extreme Rechte. Zugleich wird die Erzählung vorbereitet, die SPD trage die Schuld an Merz’ schlechter Politik – als Rechtfertigung für ein mögliches Scheitern der Koalition.



    Ein Bruch noch vor der NRW-Wahl könnte der Union helfen, sich aus der gemeinsamen Regierungsverantwortung zu stehlen.



    Die Würfel der Union sind gefallen. Was macht die SPD? Das entscheidet sich in Berlin.

  • Selbstauslöser

    @ Sole Mio: „100.000€ je Wohnung ... nur ein Bruchteil des realen Wertes“



    Was bestimmt denn den realen Wert einer Wohnung? Der Verkehrswert? Der Marktwert? Die Mietforderung? Der Materialwert? Der Wohnwert? Der historische Wert? Der sentimentale Wert? Das Steueraufkommen? Renditeaussicht? Bewohnt oder leer?



    Mich erschreckt, wie sehr unser ganzes Denken und Wahrnehmen kapitalistisch durchgefärbt ist. Solange wir Wohnen ausschließlich mit den Begriffen des Marktes in den Griff zu bekommen versuchen, begreifen wir nicht, daß Wohnen ein Grund- und Menschenrecht ist.



    Berlin zeigt: UNSER DENKEN muss sich ändern, um Fredric R. Jamesons Satz zu widerlegen: „Es ist einfacher geworden, sich das Ende der Welt vorzustellen, als das Ende des Kapitalismus.“ Und Berlin provoziert alle, die uns die Ideologie vom unbegrenzten Wachstum mit Gier und Konkurrenz als normal und natürlich verkaufen wollen. Nichts könnte widernatürlicher sein.



    Wenn wir weiter unsere Seelen und unsere Menschenrechte den Marktkräften zum Fraß vorwerfen, ist das Ende allen Lebens auf diesem Planeten besiegelt.

    • Astrid Sehnefeld

      @Selbstauslöser:

      "Wohnen ein Grund- und Menschenrecht"



      Schöne Aussage - und wie wollen Sie regulieren, wer in Berlin wohnen kann und wer nicht?



      Weil es wollen offensichtlich schon jetzt 100.000+x Menschen mehr dort leben als es Wohnraum gibt.



      Und was glauben Sie, wieviele erst in Berlin wohnen wollen, wenn es dort 'günstige' Mieten gäbe.



      Drei Fragen hierzu:



      1. Woher soll der zusätzlich benötigte Wohnraum kommen - wer soll ihn wann und wie schnell bauen?



      2. Wo soll gebaut werden? Weiter verdichten und Grünflächen opfern oder...?



      3. Wie soll das finanziert werden - wer bezahlt die Kosten? Weil Baufirmen und Bauarbeiter werden trotz humanistischer Idee bezahlt werden wollen...🤷



      Der Markt hat diese 3 Fragen bisher zuverlässig beantwortet.



      Alles was ich bisher über die angedachte Vergesellschaftungen gelesen habe ist, dass unterm Strich entweder ein ideologisches Wahlgeschenk an Bestandsmieter rauskommt oder die Wohnungen werden gar nicht billiger, sondern sogar teurer - nur vielleicht ein paar Prozent weniger teurer - und das auch nur im "Idealfall", wie es hier die taz schreibt.



      Wenn das die Wähler wüssten...😂



      taz.de/Ergebnis-de...spraeche/!6221845/

      • Selbstauslöser

        @Astrid Sehnefeld:

        In B. fehlt nicht potentieller Wohnaum, sondern BEZAHLBARKEIT. Tats. stehen in vielen Bezirken Mietshäuser leer, mit guter Bausubstanz, in Westend zB läßt man eine ganze Siedlung verfallen, weil das profitabel ist. Es wird immer mehr Gewerbefläche gebaut, obwohl es sehr viel Leerstand gibt, weil das profitabler ist. Neubau in Realität: zB 4 Wohnungen Dachgeschoß, insges. 615qm Wohnfläche für 5 Personen, davon eine als 2.-Wohnung. Weil das profitabel ist.



        In D gibt es trotz Abriß immer noch mehr leere als gesuchte Wohnungen. Weil das den Profit steigert.



        Neubau fast immer auf Pump, sodaß nicht nur die Bauherren und -damen, sondern auch die Banken schnell viel Profit „erwirtschaften“ wollen (dh Mieter zahlen, um Aktionären das leistungslose Einkommen zu sichern). Folge: selbst neue Sozialwohnungen werden unbezahlbar. Immobilienbesitz ist Zuflucht vor der gewollten (! 2% sind ideal - für wen?) Inflation.



        Wenn Sie darin keine Antwort auf Ihre drei Fragen lesen können, wollen sie es wohl nicht.



        Der fromme Glaube an die Marktkräfte (= Gier, Konkurrenz, Ausbeutung, das Recht des Stärkeren, …) VERURSACHT unsere Probleme, nicht nur bzgl. Wohnen.

    • Sole Mio

      @Selbstauslöser:

      Der Marktwert natürlich. Um den wird es gehen. Auch irgendwann vor Gericht.

      Luftschlösser kann man mit anderen Werten bauen, die wären auch leichter zu verallgemeinern.

      Vielleicht sollten Sie dort einziehen?

      Wenn Links wirklich regiert und somit die Ideologie auf die Realität trifft, wird man sehen was geschieht.

    • Pico

      @Selbstauslöser:

      Doch es gibt einen Wert. Dem Marktwert. Wird der nicht bezahlt, entscheiden Gerichte. Und die entscheiden nach geltenden Recht. Und die entscheiden unabhängig. Wem's nicht passt kann ja bis zum EUGH marschieren. Aber eins ist sicher: Für billig werden keine Wohnungen in Berlin zu bekommen sein.

    • Walterismus

      @Selbstauslöser:

      Weil eine Immobilie nunmal einen finanziellen Wert hat.Das kann man blöd finden, muss es aber akzeptieren lernen. Immobilien müssen gebaut, instandgesetzt und gepflegt werden. Alles Kosten.



      Immobilien werden finanziert, da hängen also Schulden bei Banken dran aus Bankdarlehen. Die Immobilien gehören darüber hinaus jemandem.

      Das hat nichts mit Denken zu tun, sondern mit Logik und Sinn.

      Berlin ist eher eine Provokation für jeden, der weiter als bis 3 zählen kann.

  • Querbeet

    Man weiss noch nicht im Detail, wie es passieren wird, aber das Mietthema wird RRG nicht lösen.

  • Querbeet

    Wo soviel dogmatische Ideologen zusammenkommen, da kann es kein stabiles Bündnis für 5 Jahre geben.



    Das Scheitern ist in dieser Koaltion schon eingebaut.

  • Sole Mio

    Es wird spannend werden, ob es p. Gesetz möglich sein wird den großen Immobilienkonzernen wirklich 160.000 Wohnungen für eine durchschnittliche Entschädigung von 100.000€ je Wohnung zu nehmen. Das dürfte nur ein Bruchteil des realen Wertes sein und wahrscheinlich nicht haltbar. Die Gefahr ist durchaus gegeben, das es dann hinterher Nachzahlungen an die ehemaligen Besitzer geben würde und es zu einer weiteren Verschuldung kommt.

    Oder ist diese niedrige Summe reines Kalkül um das Vergesellschaften durch die Hintertür zu verhindern, bzw. sich in die nächste Wahlperiode zu retten?

    Die aktuellen Eigentümer würden bei einer Vergesellschaftung in die Insolvenz gehen. Wenn sie nicht noch schnell neue Gesellschaften gründen und den Bestand damit unter die Grenze verschieben.

    Der Drops ist noch lange nicht gelutscht. Das wird, auch durch Klagen, viele viele Jahre dauern.

    • Nordlicht4711

      @Sole Mio:

      Ich halte es sogar für möglich dass die ganze Geschichte im Vorhinein an der Schuldenbremse scheitert. Nämlich dann wenn das Land Berlin die Haftung für die juristische Auseinandersetzung übernehmen muss.

    • Petros

      @Sole Mio:

      Was ist Ihrer Meinung nach der "reale" Wert einer Wohnung?



      Gibt es den überhaupt? Ist das nicht immer nur Spekulation?



      Ich z.B. habe vor 11 Jahren eine Wohnung in Berlin gekauft. Die ist jetzt 3x so viel Wert. Ohne daß ich einen Cent investiert habe geschweige denn einen Finger krumm gemacht habe.



      Und von wegen ach die armen Vermieter - die Wohnung ist Nähe Leoüoldplatz, in gutem Zustand, 84m2 und meine Mieter zahlen aktuell ca 610€ warm (ein paar Cent pro m2 in der Untergrenze des Mietspiegels). Warm - also mit Heizkosten! Und ja, es bleiben für mich nach Abzug vom Wohgeld, den üblichen kleinen Reperaturen so ca 2500€ für mich im Jahr übrig. Wie gesagt ohne einen Finger krumm zu machen.



      Wie viel ist also meine Wohnung wert?

      • Sole Mio

        @Petros:

        Sie ist immer soviel wert, wie ein anderer dafür bereit ist zu bezahlen.

        €610 warm ist ein Traum für einen Mieter. Schön ist, dass ihr Mieter günstig wohnt und Sie eine Wertsteigerung haben.



        Eine win : win Situation. Schön wenn es überall so wäre!

      • Quantensprung

        @Petros:

        Es fehlt leider der Kaufpreis :-(



        Ohne den ist alles Spekulation

      • Exilberliner

        @Petros:

        Jede Sache ist soviel wert wie andere dafür bezahlen würden. Ganz einfach.

        • Petros

          @Exilberliner:

          d.h. im Umkehrschluß die Wohnungen von Vonovia sind so viel Wert wie Berlin bereit ist dafür zu bezahlen. Gutes Argument.

    • Janix

      @Sole Mio:

      Das ist ein offensichtlicher Kompromiss mit Gesichtswahrung aller, und so ist es in der Politik.



      Je nach Miethöhe, Lage, Größe und Zustand der Objekte kann das sogar hinhauen bzw. werden dann die günstigsten Objekte zuerst gezogen. Verkauft von Sarrazin damals wurden die Dinger - nicht an die Mieter, Genossenschaften, sondern an Haischwärme - zu einem Spottpreis deutlich darunter.



      "2004 ist es dann im dritten Anlauf soweit. Die GSW mit ihren 65.700 Wohnungen geht für gerade mal 405 Millionen Euro an ein Konsortium der amerikanischen Immobilienfonds Whitehall und Cerberus. Dabei übernehmen die Käufer auch die Unternehmensschulden von über 1,5 Milliarden Euro." taz.de/Ausverkauf-der-Stadt/!6010700/

      • Éljen a Magyar

        @Janix:

        Unter Berücksichtigung der Inflation entspricht der "Spottpreis", zu dem die Wohnungen der GSW 2004 verkauft wurden, heute einem Betrag von ca. 3,068 Millliarden Euro.



        Wenn man dann noch den Wertzuwachs der Wohnungen einberechnet, dann ist klar, daß die kolportierten 16 Milliarden Euro, die die Vergesellschaftung nur kosten dürfen soll, völlig unrealistisch sind.

        • Janix

          @Éljen a Magyar:

          Zwischenzeitlich gab es Mieteinnahmen und Abschreibung. Um nur einen Punkt zu nennen. Differenzierter meine Beiträge an anderer Stelle.

      • Exilberliner

        @Janix:

        Herr Sarrazin war das nicht allein, auch Die Linke, damals PDS, war dafür. Und in unserer Anlage mit ein paar Hundert Wohnungen wurden diese allen Mietern zum Kauf angeboten, von der Gewobag. Bei meinen Eltern, andere Gesellschaft, geschah das auch. Also bitte keine Falschinformationen.

        • Janix

          @Exilberliner:

          Es muss ja den Mietern kurz angeboten werden (hatte ich selbst mal einen Fall). Genossenschaften wären es freilich gewesen, die auch eine Finanzierung geschafft hätten - zum Zuge kamen die Geierfonds, so konnten viele Immobilien auf einmal weggehen. Und Sarrazin hatte mehr Zeit, um gewisse Ideen zu ersinnen,



          Die Linken wollten es an Genossenschaften verkaufen, um auch den Hinweis zu geben.

          • Exilberliner

            @Janix:

            Wir haben die Wohnung damals gekauft weil wir befürchtet haben ein anderer Käufer kommt mit Eigenbedarf. Ja, wir haben sie mit Ersparnissen anbezahlt, vom Staat gab es 7 Jahre lang jährlich 4.000,- Mark und mit Kredit war sie nach 10 Jahren bezahlt. Das haben viele in unserer Anlage gemacht. Wer weiter Miete bezahlt hat hätte sie inzwischen jetzt auch längst abbezahlt.



            Und soweit mir bekannt ist sind diese Wohnungen von keiner Genossenschaft gekauft worden, hatten vermutlich kein Geld. Weiß ich aber nicht genau. Gehören immer noch der Gewobag.

      • Sole Mio

        @Janix:

        Das war eine Reihe von Fehlentscheidungen der SPD und Linken.



        Beide wollen die Wohnungen nun zurückholen.

        Denke das gibt eine Bauchlandung und am Ende sind alle anderen Schuld.

        • Janix

          @Sole Mio:

          Es war eine Fehlentscheidung, den Hauptstadt-Effekt zu unterschätzen und auf Schrumpfung zu setzen. Nötig schien dies durch CDU-Diepgens-Landowskys Bankenskandal, der Berlins Finanzen fürs Kapital ausbluten ließ. Doch falsch bleibt es.

          Was ist j e t z t richtig? Ich weiß es nicht, im Gegensatz zu vielen mit Meinung. Es gibt Argumente für das eine wie das andere.



          Sowohl der Volksentscheid wie die Wahlentscheidung anschließend legen aber nahe, die Enteignung sehr eingehend und ernsthaft zu prüfen.



          Einmal Giffeyfehler reicht.

      • Petros

        @Janix:

        Volle Zustimmung.

    • TheBox

      @Sole Mio:

      Wenn da nicht hunderte von Präzedenzfällen aus Straßen- und Bergbau ignoriert werden, ist die seit Jahrzehnten etablierte Entschädigung für Wohngebäude 150% Marktwert plus ein Baugrundstück in der weiteren Umgebung. Alle von hoch bezahlten Gutachtern im Auftrag kunstvoll gedrechselten Argumentationen warum das gerade hier nicht gelten soll halte ich für Selbstbetrug. Meine Vorhersage: Die Immokonzerne werden klagen, um als erste und sofort enteignet zu werden.

      • MontNimba

        @TheBox:

        Es gibt seit Bestehen der Bunderepublik keine Präzendenzfälle.

        • Walterismus

          @MontNimba:

          Doch gibt es. Die einzige Frage die ungeklärt ist, ist die Rechtmäßigkeit der Vergesellschaftung, da weder für einen höheren Nutzen enteignet wird, noch eine Nutzungsänderung angestrebt wird.



          Wohnungen sollen enteignet werden um weiter Wohnungen zu bleiben. Das ist die rechtliche Frage, ob das rechtlich möglich ist.

          Finanziell ist alles klar was die Entschädigung angeht. Unter 150% des Werts wird da gar nichts laufen.

      • Francesco

        @TheBox:

        Die Situation bei Enteignungen zu Gunsten Dritter ist eine ganz andere und nicht mit der Vergesellschaftung vergleichbar.

        • Machiavelli

          @Francesco:

          denke ich nicht das Gerichte das anders sehen. Eher werden sie den Staat da in einer ganz besonderen Verantwortung sehen nicht willkürlich handeln zu können. Man sollte also mit 150% rechnen.

      • behr Behr

        @TheBox:

        Und die Entschädigungen „steuerfrei“ zu kassieren.

      • Ajuga

        @TheBox:

        Sie vergessen dabei wie so viele eine kleine Tatsache:

        Die letzten, die in Berlin sehr erfolgreich Immobilien enteigneten, war die Linkspartei.

        Und zwar geschah das 2018.

        Betroffen war der Remmo-Clan.

        • MBG

          @Ajuga:

          Die Möglichkeit der Einziehung von illegalen Werten ist zunächst einmal ein Bundesgesetz, das letztendlich vom Rechtsstaat durchgesetzt wird.



          Da hat die Partei Die Linke nichts enteignet.

        • Walterismus

          @Ajuga:

          Weil einwandfrei festgestellt wurde, dass die Immobilien mit Geldern aus Straftaten finanziert wurden. Daher konnte man die auch enteignen, bzw. beschlagnahmen, da der Remmo Clan die Immobilien nicht hätte besitzen dürfen und keinen finanziellen Schaden hat, da sie das Geld mit dem die Immobilien finanziert wurden gar nicht erst hätten besitzen dürfen.

          Eine Enteignung der großen Wohnungskonzerne ist so nicht möglich. Aber das Berlin sich politisch selber an die Wand fährt ist ja kein Geheimnis. Außerhalb Berlins ist das jedem klar, dass das so nicht funktioniert.

        • Budzylein

          @Ajuga:

          Das waren keine Enteignungen im Rechtssinne. Das war die Strafjustiz, wobei das Landgericht Berlin in dieser Sache erst vom Bundesgerichtshof zum Jagen getragen werden musste. Die Grundstücke wurden 2017 durch die Staatsanwaltschaft beschlagnahmt, aber die gerichtliche Entscheidung, die Grundstücke einzuziehen, wurde erst 2025 getroffen.

          • Budzylein

            @Budzylein:

            Korrektur eines Schreibfehlers: Die Beschlagnahme erfolgte, wie von @Ajuga zutreffend angegeben, 2018, nicht 2017.

  • Wilfried Wang

    Herr Radas Reflektionen zum Abschluss der Sondierung der drei Parteien übernimmt einen Großteil der oppositionellen Skepsis. Richtig ist, dass das Thema Antisemitismus bei den Linken noch längst nicht für alle sichtbar und befriedigend "abgearbeitet" worden ist. Wie denn auch in dieser recht kurzen Zeit? Sollen die Linken tatsächlich dem Rat von Herrn Liminski von der NRW CDU befolgen eine "politische Säuberung" in der Partei vorzunehmen?

    Während die CDU in Sachsen-Anhalt erwägt für gewisse Gesetzesvorhaben der AfD zu stimmen?

    Am Ende von Herrn Radas Beitrag scheint dann doch die Utopie durch, die die progressive Koalition selbst gerne verströmen möchte.

    Sind wir denn schon alle dermaßen vom Alltagsrechtsextremismus zermürbt, dass wir uns gar nicht mehr freuen können, dass diese unsägliche, von der CDU geführten scheidenden Koalition endlich der Geschichte angehört, dass es wieder vernünftige, progressive und befriedende Politik in Berlin geben könnte, ja, einschließlich der unter der SPD vorgeschlagenen Prinzipien zur Vergesellschaftung von Wohnungen?

    Darf man noch hoffen?

    • So,so

      @Wilfried Wang:

      Man MUSS hoffen.



      Wenn diese Chance vergeigt wird, sieht es dunkel aus hier..

    • Janix

      @Wilfried Wang:

      Liminski ist wohl ein kluger, fleißiger Mensch, dem Wüst viel zu verdanken hat. Doch leider kein guter Katholik (mehr?), der seine Apostelgeschichte Kap. 4 präsent hätte. Pfui.

      Berlin darf nach den schwarzen Jahren wohl aufatmen. Etwas leisten muss die neue Koalition davon unbeschadet noch.

  • Michael Breitkopf

    Werter Kollege Uwe Rada, ich möchte mich gerne für Ihre treffliche Lage-Betrachtung bedanken. MfG, Michael Breitkopf (Sozialberatung im Stadtteilbüro Friedrichshain)