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Ilko-Sascha Kowalczuk über die AfD„Glaubt den Lügen der Extremisten nicht“

Mit einem Lächeln die Faschisten stoppen? Ost-Historiker Kowalczuk im Gespräch über klebrige Ostalgie, AfD und die Ablehnung westlicher Liberalität.

taz: Herr Kowalczuk, was mag ein ostdeutscher Spitzenkandidat der AfD damit meinen, wenn er auf einer Wahlveranstaltung mit leuchtenden Augen ins Mikro brüllt: „Wir holen uns unser Land zurück!“ Die DDR, das Dritte Reich, die Weimarer Republik, das Kaiserreich – gibt ja eine breitere Auswahl.

Ilko-Sascha Kowalczuk: AfD-Politiker sind Faschisten. Natürlich ist nicht jedes NSDAP-Mitglied ein Nazi gewesen, nicht jedes SED-Mitglied ein Kommunist. Nicht jeder Wähler dieser Parteien war Kommunist oder Nazi, so ist es mit der AfD auch. Aber wer sich mit einem faschistischen Programm gemeinmacht – und die AfD hat eines –, der muss erst mal beweisen, kein Faschist zu sein. Es war der AfD-Opa Gauland, der mit diesem „Wir holen uns unser Land zurück“ anfing herumzubrüllen. Es ist der Ruf nach einer nationalen, homogenen, geschlossenen Gesellschaft, wo rechtsstaatliche Prinzipien, Menschenrechte außer Kraft gesetzt werden.

lko-Sascha Kowalczuk

ist Historiker und Publizist und wissenschaftlicher Berater der Geschäftsführung des DDR-Museums Berlin. Er ist einer der renommiertesten Experten der Geschichte der DDR und des Kommunismus. Aktuelle Buchveröffentlichung: „Faschismus ist keine Meinung. Stabil bleiben in autoritären Zeiten“ (Verlag C. H. Beck, München 2026, 236 Seiten, 23 Euro)

taz: „Länder wie Deutschland gehören zu jenen besonderen Oasen in der Welt, denen es so gut geht wie noch nie in der Menschheitsgeschichte“, schreiben Sie aktuell in Ihrem Buch „Faschismus ist keine Meinung“. Die rechtsextreme AfD liegt laut Umfragen in Sachsen Anhalt bei 40 Prozent. Grüne, aber auch Sozialdemokraten könnten an der Fünfprozenthürde scheitern. Wie erklären Sie sich das?

Kowalczuk: Wir haben es mit einer Bewegung zu tun, deren Ziel ein faschistischer Staat ist. Gleichzeitig leben wir in einer Gesellschaft, in der es historisch betrachtet noch nie so viel Wohlstand und Freiheitsrechte für alle gab. Was vielen aber nicht bewusst scheint. Sie blicken nostalgisch auf die Vergangenheit. Als Historiker habe ich auf diese allerdings einen eher nüchternen Blick. Natürlich gibt es auch heute soziale Ungerechtigkeiten, sogar sehr große. Doch so, wie wir hier in der Breite leben, können das nicht mal 5 Prozent der Menschheit auf der Welt. Die AfD ist auch keine soziale Protestpartei. Sie ist rassistisch und faschistisch. Und das wissen die Menschen, die ja deswegen ihre Nähe suchen.

taz: In den ostdeutschen Bundesländern ist die Partei besonders stark. 1989 hat man sich dort mehrheitlich die Demokratie gewünscht. Was ist passiert?

Kowalczuk: Es ist ein großes Missverständnis, wenn man so tut, als hätten 1989 alle im Osten Demokratie und Freiheit gewollt. Sie lehnten die DDR ab, das ja. Aber was folgt daraus? Die Realität im Kapitalismus sieht weniger blütenweiß aus, als viele sie durch Clementine aus der Waschmittelwerbung des West-TVs zu kennen glaubten.

taz: Was folgt daraus?

Kowalczuk: Die Vorstellung traf auf ein völlig anderes Staats- und Gesellschaftsverständnis im Westen, als es im Osten eintrainiert wurde. Die Bundesrepublik war nach dem Bruch von 1945 allmählich liberal geworden – die DDR blieb von 1949 bis 1989 diktatorisch und extrem autoritär. Die Einzelnen und die Gesellschaft sahen sich im Westen als Korrektiv staatlicher Maßnahmen. Man musste sich einbringen und teilhaben. Etwas, das im Osten von Anfang an nicht ging.

taz: Sie sind in der DDR aufgewachsen und waren bereits vor 1989 kritisch?

Kowalczuk: Ich gehöre zu einer relativ überschaubaren Gruppe von Menschen, die die DDR als das wahrgenommen haben, was später viele so sahen, aber mittlerweile wieder weniger so sehen, nämlich als eine Diktatur.

taz: Was war für Ihre Existenz vor 1989 prägend?

Kowalczuk: Ich habe als 14-Jähriger einen Schlag vor den Kopf bekommen. Und in einem Jahr alles verloren: Sicherheit, Zukunft, Elternhaus.

Die meisten meiner Altersgenossen im Osten haben überhaupt nicht mitbekommen, dass sie in einer Diktatur lebten – sie liefen einfach m

taz: Was war passiert?

Kowalczuk: Ich habe zunächst zu etwas Ja gesagt. Und es dann widerrufen. Der Staat hat es dem 14-Jährigen nicht verziehen. Dadurch verlor ich jeglichen Glauben an und Hoffnung auf Staat und Sozialismus. Aber vor allem verlor ich meinen Vater. Er wandte sich von mir ab. Mein Leben schien gelaufen. Doch ich hatte Glück, christliche Gemeinden in Ostberlin haben mich aufgefangen. Für das, was ich in der DDR erlebte, fand ich ein Wort: ostoid. Klingt wie faschistoid, denn so haben ich und meine Freunde das System der DDR empfunden.

taz: Mit größerem zeitlichen Abstand scheinen viele die DDR ganz anders zu erinnern?

Kowalczuk: Wer die Vergangenheit beschönigt und die Diktaturgeschichte der DDR als Alternative zur westlichen Demokratie darstellt, ebnet dem neuen Faschismus den Weg. Der von der AfD hat ein anderes Antlitz als der alte spanische, italienische oder der Nationalsozialismus. Aber auch Putin ist heute unzweifelhaft ein Faschist. Und Sowjetkommunismus oder Maoismus beruhten ebenfalls auf faschistischen Grundannahmen. Sie setzten Staat und Gesellschaft in eins und schweißten ihr Staatsvolk autoritär in einer ominösen Volksgemeinschaft zusammen. China praktiziert dies durchgängig bis heute.

taz: Die DDR liegt jetzt 36 Jahre zurück. Genug Zeit, um sich frei und anders zu orientieren.

Kowalczuk: Menschen lieben die Nostalgie. Das warme Gefühl des Erinnerns. Es lässt die Gegenwart leichter bewältigen. Das Leben in einer Diktatur scheint so vielen rückblickend tausendmal einfacher als in der Demokratie. Hier musst du dich um vieles kümmern, während in der Diktatur alles für dich geplant und geregelt wurde. Die meisten meiner Altersgenossen im Osten haben überhaupt nicht mitbekommen, dass sie in einer Diktatur lebten. Sie liefen einfach mit. Wie viele der Eltern und Großeltern in der Nazizeit. Und wenn du nichts mitbekommst, ist die Vergangenheit ein schöner Ort. Anders als die chaotische Gegenwart.

taz: Verunsicherung führt automatisch zur Faschisierung?

Kowalczuk: Nein, aber Nostalgiker können so leichter ihre rückwärtsgewandten Märchen von der angeblich heilen, reinen, nationalen Welt propagieren. Das nostalgische Gefühl verbindet sich mit dem Zerrbild einer verklärten DDR-Diktatur. Es ist extrem destruktiv, richtet sich gegen Demokratie und offene Gesellschaft.

taz: „Die Vergangenheit ist immer auch ein Schlachtfeld“, heißt es in Ihrem Buch. Was erwidern Sie Menschen, die sagen, Nationalismus und Faschismus seien imperialistische Westexporte, die erst mit dem Mauerfall, nach 1989 auf dem Gebiet der bisherigen DDR Einzug hielten?

Kowalczuk: Dass dies reines Wunschdenken ist. Richtig ist aber auch, dass sich westeuropäische Linke bis auf berühmte Ausnahmen für den Osten nie besonders interessiert haben. Er erschien ihnen irrelevant, grau und langweilig. Die Sowjetunion als Vielvölkergefängnis mit Balten oder Ukrainern war kein Thema. Ich selber habe mit 17 Jahren in Ostberlin das erste Mal von Nazis auf die Fresse bekommen. Das war also fünf, sechs Jahre vor der Revolution von 1989. Wenn man mit wachen Blick durch die DDR lief, war das meiste unübersehbar. Ich habe auf dem Bau gelernt, weil ich nichts anderes machen durfte. So habe ich Milieus kennengelernt, die im Staatsfernsehen nur idealisiert vorkamen.

taz: Obwohl die frühere DDR-Gesellschaft doch erlebt hat, was es bedeutet, unter der autoritären Herrschaft Moskaus zu stehen, verharmlost man heute gerne Putins Politik und wünscht sich wieder engere Beziehungen zu Russland.

Kowalczuk: Viele haben unter der sowjetischen Knute nicht wirklich gelitten. Wie gesagt, die meisten haben die DDR nicht als Diktatur wahrgenommen, auch nicht als Homunkulus des Kremls. Das zeigt sich bis heute in der ignoranten Haltung gegenüber der überfallenen Ukraine. Der westliche Liberalismus bleibt der Feind, der Kreml der natürliche Verbündete. Aber auch ein Trump bewundert das autoritäre Durchregieren eines Putin. Das kann also auch für Rechte im Westen anziehend sein.

Der westliche Liberalismus bleibt der Feind, der Kreml der natürliche Verbündete

taz: Russen waren in der DDR doch gar nicht so beliebt?

Kowalczuk: Das Wissen über Russland, Sowjetunion oder Ukraine war allgemein ähnlich gering ausgeprägt wie in Westdeutschland. Der Russischunterricht in den Schulen war verhasst. Kaum jemand konnte nach sieben Jahren Schule auf Russisch mehr sagen als Guten Tag oder Auf Wiedersehen. Der Russen- oder Slawenhass war im Alltag allgegenwärtig. Mein Großvater war Ukrainer, da wurde bei meinem Namen schon aufgehorcht, ich erlebte den Hass hautnah.

taz: Den Herausgeber der <i>Berliner Zeitung</i> Holger Friedrich oder auch BSW-Gründerin Sahra Wagenknecht bezichtigen Sie der „Ost-Deutschtümelei“. Wie steht es um reale Interessenkonflikte, die es aus der unterschiedlichen Geschichte von Ost und West ja schon gibt?

Kowalczuk: Natürlich gibt es Brüche, soziale Ungleichheiten und Ungerechtigkeiten, gar keine Frage. Die haben wir in anderen europäischen Staaten wie in Italien zwischen Nord und Süd aber auch. Im Zuge der Wiedervereinigung kam es zu Strukturbrüchen, die bis heute fortwirken. Hier liegen auch die Gründe für die heutige Schwäche der Zivilgesellschaft in Ostdeutschland sowie die Demokratiedefizite.

taz: Die wären?

Kowalczuk: In knappen Stichworten: millionenfache Abwanderung, Männerüberschuss und Überalterung. Schwache Kirchen. Ostdeutsche haben weniger Kapital zu vererben, deswegen gibt es weniger Gründungen von Stiftungen, die ein Rückhalt der Zivilgesellschaft wären. An Oberflächenphänomenen setzen Leute wie Friedrich und Wagenknecht mit ihrer Ostdeutschtümelei an und geben falsche Orientierungen hinein. Friedrich sagt, ostdeutsch werde man aufgrund seiner Haltung. Und die sei eine des „Widerstands“ gegen den Westen. Er, das ehemalige SED-Mitglied und der Stasispitzel, treibt es wirklich auf die Spitze. Und da sind wir wieder am Ausgangspunkt unseres Gesprächs.

taz: Wir haben außer mit Neonazis in Städten wie Berlin auch ein massives Problem mit Antisemitismus, Queerfeindlichkeit, gewalttätigen und autoritären Erscheinungsformen aus den Milieus patriarchaler und am politischen Islam orientierter Communitys. Linke vermeiden lieber, darüber zu sprechen, weil sie glauben, sie würden sonst rechtsextremistische Narrative und die AfD stärken. Ein Fehler?

Kowalczuk: Da bleibe ich für mich ganz entspannt. Ich bin und bleibe im „Team Ilko“, muss auf niemanden Rücksicht nehmen, keine Partei, keine Wähler. Vielleicht werde ich auch deshalb besonders gehasst im Osten. Die Linkspartei und die Grünen zerreißt es fast bei solchen Fragen. Ich stehe natürlich zum Existenzrecht Israels, aber ich bin auch ein Kritiker dieser in Teilen rechtsradikalen Regierung und ihres Vorgehens im Gazastreifen. Wenn man an Menschenrechten, Demokratie und Freiheit orientiert ist, kann man aber beides ganz gut zusammenpacken – überall.

taz: Und der Islamismus, mit dem der Westen und Israel konfrontiert sind, was ist mit dem?

Kowalczuk: Ist ein Sicherheitsproblem. Die Zweistaatenlösung könnte der Verwirklichung der Menschenrechte näherkommen. Das sage ich, ohne die Terrororganisationen Hamas oder andere Terroristen mit der demokratisch gewählten Regierung Israels gleichzusetzen.

taz: Und was sollte uns jetzt vor den kommenden Landtagswahlen positiv stimmen?

Kowalczuk: Faschisten, aber auch Demagoginnen wie Wagenknecht verbreiten unentwegt schlechte Nachrichten. Eine Katastrophe jagt die andere. Immer ist Weltuntergang. Wir sollten ihnen mit einem Lächeln entgegentreten. Vielleicht einfach sagen: Hey, so schlecht, wie ihr unser Land macht, ist es nicht. Wir leben in einer der besten, freisten und wohlhabendsten Gesellschaften, die die Welt bisher gesehen hat. Freut euch darüber, lasst uns Dinge weiterverbessern. Aber glaubt den Lügen der Extremisten nicht. Positive Nachrichten entziehen Faschisten die Geschäftsgrundlage!

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

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64 Kommentare

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  • Joachim Petrick

    Faschismust ist keine Meinung ist die Propaganda disruptiven Tumults: Wenn Angst vor Aufklärung Autokraten füttert.



    Faschismus ist ein Verbrechen gegen das Recht. Historiker Kowalczuk zeigt: Die heutige „Propaganda des Tumults“ dient der Flucht vor Verantwortung. Die Ahnenreihe dieser Verdeckung ist lang: Nach 1918 schützte das Hohenzollern-Milieu Kriegsverbrecher vor Versailles. Stresemann holte den Kronprinzen 1923 zurück. Die OHL erfand die Dolchstoßlegende als Schutzbecken, um die NSDAP mit Kapital für ewige Immunität vor Elitenversagen zu füttern.Das Muster zieht sich bis heute: Der Treuhand-Komplex blieb dank Lex Waigel ermittlungsfrei. Es folgten das NATO-Debakel 2021, die CFA-Zone, die Troika-Krise, der von den USA entlarvte Dieselbetrug und Cum-Ex. All diese historischen und modernen Brüche offenbaren ein systemisches Versagen der Kontrollinstanzen, das durch gezielte Desinformationskampagnen im medialen Rauschen erstickt wird. Gegen das Aufdecken dieses Organisationsversagens mobilisiert die AfD seit 2013, um Netzwerke in Wirtschaft und Politik in Sicherheit zu wiegen. Die Waffe: Über § 147 GVG regiert das unprotokollierte Weisungsrecht der Minister über die Justiz.

  • Yes

    Das Argument, dass es Deutschland im internationalen Vergleich so gut gehe, wird für Menschen, die mit ihrer Lebenswirklichkeit nicht wirklich zufrieden sind, eine vollkommen unattraktive Botschaft sein. Es deutet an, dass größere Veränderungen unnötig seien und wirkt auf Unzufriedene wohl eher entfremdend als identitätsstiftend. Die Union hat mit dem entsprechenden Slogan „Für ein Deutschland, in dem wir gut und gerne leben.“ sogar schon einmal ihr bis dahin schlechtestes Wahlergebnis erzielt. Die AfD zog daraufhin erstmals und dann auch gleich noch als stärkste Oppositionsfraktion in den Bundestag ein. Warum soll ein Gedanke, der ihren Aufstieg eher fördert, die Partei nun wieder aus den Köpfen und Parlamenten hinausbefördern? Das Wohlfühl-Argument erschafft bei Skeptikern weder ein positives Lebensgefühl noch entfaltet es bei ihnen Überzeugungskraft.



    Genauso wenig wie der übermäßige Gebrauch des (unscharfen) Worts „Faschismus“ als bloßen Kampfbegriff. Selbst wenn der Begriff erläutert wird, ist er wenig hilfreich, wo man schon um das diffamierende Sprachniveau des politischen Gegners weiß.

    • Suryo

      @Yes:

      Faschistisch oder vielleicht besser faschistoid passt aber, wenn man die Gemeinsamkeiten von deutschem Rechtsextremismus, Russland und China beschreiben will.

      • Abdurchdiemitte

        @Suryo:

        Der Vergleich deutscher Rechtsextremisten mit Russland und erst recht mit China erklärt überhaupt nichts, wenn es um die Definition von Faschismus geht.



        Wenn schon das Spektrum der Meinungen über die AfD hierzulande von ‚faschistisch‘ bis ‚normal‘ reicht, wie will man sich dann ein Urteil bilden, ob das autokratische Regime Putins - das es ohne jeden Zweifel ist - auch als faschistisch bezeichnet werden kann?



        (Ebenso problematisch ist es übrigens, die Hamas-Ideologie als islamo-faschistisch zu bezeichnen, obschon sie wesentlich von einem ausgeprägten, nicht zu bestreitenden eliminatorischen Antisemitismus geprägt ist. Das allein macht jedoch keinen Faschismus aus.)



        Da bin ich doch eher bei @Yea Auffassung, mit Faschismus-Vorwürfen vorsichtig umzugehen, weil sie leider zu oft als ideologischer Kampfbegriff in Stellung gebracht werden, um politische Gegner zu diskreditieren oder um Kriege zu legitimieren, weil sie ja schließlich gegen einen faschistischen Gegner geführt werden..



        Mir reicht es schon festzustellen, dass das ethnonationalistische Programm der AfD gegen das GG verstößt, dafür muss ich diese Partei nicht noch als faschistisch deklarieren.

  • Suryo

    Jeder Wähler ist erwachsen. Wer eine rechtsextremistische Partei wählt, der muss sich diese Wahl zurechnen und sich damit selbst als Rechtsextremist bezeichnen lassen.

    Viele Konservative, aber auch solche Gestalten wie Wagenknecht und Friedrich fordern einerseits, man solle Wähler der AfD ernstnehmen, behaupten aber andererseits, man dürfe ihnen ihre freie Wahl nicht zurechnen. Als seien sie kleine Kinder oder Leute, die sozusagen in höchster Not und ohne ganz Herr ihrer Sinne zu sein, rechtsextremistisch wählen.

    Beides geht nicht, und Kowalczuk zeigt das immer sehr deutlich auf.

  • migra

    "Natürlich ist nicht jedes NSDAP-Mitglied ein Nazi gewesen, nicht jedes SED-Mitglied ein Kommunist."

    Äh, doch. Natürlich gab es viele Mitläufer und Opportunisten (wie immer), aber per Definition ist ein eingetragener Nationalsozialist ein Nationalsozialist, kurz Nazi.

    • Janix

      @migra:

      In seltenen Fällen haben Menschen mit Parteiabzeichen doch noch die Kurve gekriegt, aus nicht nur opportunistischen Gründen Juden versteckt und gerettet, den Mund aufgerissen etc. Wer 'Nazi' an Verhalten festmacht, wird Ausnahmen zulassen. Es waren deutlich weniger als Familienmythen gerne behaupteten, das auch.

      • Abdurchdiemitte

        @Janix:

        Auf der anderen Seite haben übrigens auch viele Nicht-Parteimitglieder Juden ermordet und andere schreckliche Kriegsverbrechen verübt. Ich fürchte, diese waren weitaus zahlreicher als die ‚Schindlers‘ unter unseren Vorfahren.



        Ich frage mich zuweilen, warum ich unbedingt wissen muss, ob mein Großvater auch Mitglied der NSDAP war. Es reicht mir eigentlich zu wissen, dass er als Wehrmachtssoldat in der Sowjetunion in die NS-Kriegsmaschinerie (in welcher Weise und in welchem Umfang auch immer) eingebunden/verstrickt war.

    • Yes

      @migra:

      Warum das so „natürlich“ sein soll, verstehe ich auch nicht so ganz. Im historischen Sinn ist "Nazi" eigentlich die gebräuchliche Bezeichnung für Angehörige oder Anhänger der NSDAP.

  • Suryo

    Er hat mit allem recht.

  • Janix

    "Wenn man an Menschenrechten, Demokratie und Freiheit orientiert ist, kann man aber beides [Israels Existenz und Kritik an seiner teils rechtsradikalen Politik] ganz gut zusammenpacken – überall." - nicht der einzige kluge Satz in diesem Interview.



    Wie in jeder fest installierten Diktatur war die Zahl der Widerständigen überschaubar, Kowalczuk als eine Stimme der Wenigen tut ganz gut gegenüber den Zahlmaul-Friedrichs und AfD-Pöblerallas.

  • Der olle Onn

    "Faschisten, aber auch Demagoginnen wie Wagenknecht verbreiten unentwegt schlechte Nachrichten. Eine Katastrophe jagt die andere. Immer ist Weltuntergang..."



    Es sind nicht einmal Faschisten, Wagenknechte oder wer auch immer. - Es ist die allgemeine, sowas von nur neutral berichtende Tagespresse, die alltäglich den nächsten Weltuntergang auf der Frontseite beschwört - und im eigenen Kommentar mindestens noch einmal wiederholt: täglich schlechtere Gesundheitversorgung, furchtbarer Nahverkehr, steigende Arbeitslosigkeit, keine Handwerker, Insolvenzen, die arme Autoindustrie! und, und, und. Alles wird auf Popanzgröße aufgeblasen - das Blatt will ja schließlich verkauft werden.



    An allem mag ETWAS dran sein - aber wenn „Team Ilko“ - wie immer - recht hat, hat auch unsere ganz normale Tagespresse (der ich das gelegentlich auch schon postalisch mitgeteilt habe) einen gewaltigen Anteil am Niedergang der Stimmung im so wunderbaren deutschen Lande...



    Ach: Und weil Herr Kowalczuk seines Namens wegen angefeindet wurde war Russenhass allgegenwärtig? Hab ich nicht so erlebt in der Provinz. - Geht's ne Nummer kleiner?

  • Philipp Lobinger

    Was sind denn die positiven Nachrichten,die den Faschisten die Geschäftsgrundlage entziehen? Also: die positiven Verkündungen, dass wir in einer der freiesten und wohlhabendsten Gesellschaften leben, die die Welt bisher gesehen hat, haben den Faschist:innen nach meinem Kenntnisstand bisher weder die Geschäftsgrundlage entzogen, noch großflächige Entfaschisierungen bewirkt. Vielleicht so: die nicht vorhandenen Probleme müssen endlich mal benannt werden und allen denen, denen es gut geht oder die zufrieden sind, die müssen in den Westen remigrieren. Das könnte ich mir als gangbaren Weg vorstellen: Endlich, endlich sind dann alle Misepetrigen glücklich unter sich und so haben wir dem Faschismus für immer die Geschäftsgrundlage entzogen.

  • Kaboom

    In jeder Diktatur kann eine Mehrheit der Leute gut leben. Hier ein wenig ducken, dort ein wenig anpassen. Nicht auffallen, nicht anecken. Wegschauen. Hat nichts mit dem Osten zu tun.

    • Hugo

      @Kaboom:

      Jo, Bernd der Wessi säuselt aktuell auch von der "guten Diktatur", welche die DDR seiner Fachmeinung nach eine war. Als dem sein brauner Haufen vor paar Jahren mit "DDR 2.0" plakatierten, haben die Leute des auch mit Absicht als Versprechen verstanden.

  • FtznFrtz

    Warum sind die Ostdeutschen so drauf? Sicher eine Erklärung, aber hilft ja nichts, man muss bei den Jungen ansetzen, Demokratie ist Debatte, Klein-Klein und Mühe der Ebene und des Kreisparteitages. Aber es lohnt sich, die Nazis werden es nicht besser machen.

  • Captain Hornblower

    Man merkt hier und da immer wieder das die Vereinigung so wie sie gelaufen ist ihre Schwächen hat.



    Ich hatte es schon mal geschrieben, in meinen Augen war sie viel zu schnell.



    Die DDR hätte erstmal unter neuer Führung allein überstehen



    müssen. Der Westen hätte sich komplett raushalten müssen und



    nur wenn man gefragt worden wäre hätte man Hilfe gegeben.



    Keiner aus dem Osten hätte erstmal übersiedeln dürfen, Reisefreiheit ja natürlich.



    Dann hätte man nach ein paar Jahren im Osten wie im Westen



    eine verpflichtende Abstimmung über die Wiedervereinigung durchführen müssen. Es hätten mindestens hüben wie drüben 75%



    dafür seinen müssen.



    Ansonsten wäre die Vereinigung nicht zustande gekommen.



    Beide Länder hätten sich weiter um Annährung bemühen müssen wenn sie denn gewollt gewesen wäre.

    • Encantado

      @Captain Hornblower:

      "...in meinen Augen war sie viel zu schnell."



      Grundsätzlich bin ich durchaus bei Ihnen, aber Sie dürfen nicht vergessen, dass es damals eine nicht unberechtigte Sorge gab, diese könne die einzige und letzte Gelegenheit sein.



      Hinterher weiß man's halt immer besser...

  • Stefan Schmitt

    Mir kommt das Interview insgesamt etwas zu schwarz-weiß vor.



    Es geht nicht nur um Ostalgie oder die Prägung durch die DDR, sondern auch um Identität und mit deren Umgang, insbsondere nach der Wende.



    Nach der Wiedervereinigung wurden nahezu alle gesellschaftlichen Bereiche den Maßstäben der westlichen Marktwirtschaft untergeordnet. Nicht nur Betriebe, sondern auch Institutionen, Biografien und Erfahrungen wurden häufig als rückständig oder entbehrlich betrachtet.

    Auch die Unterstützung autoritärer Regime, der Vietnamkrieg und andere militärische Interventionen gehören zur Geschichte westlicher Politik. Deshalb erscheint mir die Darstellung des Westens im Interview zu unkritisch.

    Und auch die Friedensbewegung kommt mir zu schlecht weg. Sie war nie ein Sprachrohr Moskaus – dafür war und ist sie viel zu heterogen. Vielmehr war sie Ausdruck einer breiten gesellschaftlichen Entwicklung, die Krieg, Aufrüstung und Machtpolitik grundsätzlich kritisch hinterfragt hat.



    Und genau deshalb ist Deutschland heute auch "einer der besten, freisten und wohlhabendsten Gesellschaften, die die Welt bisher gesehen hat".



    Wer vor vereinfachenden Weltbildern warnt, sollte selbst keines zeichnen.

    • dites-mois

      @Stefan Schmitt:

      "Nach der Wiedervereinigung wurden nahezu alle gesellschaftlichen Bereiche den Maßstäben der westlichen Marktwirtschaft untergeordnet."



      Ja, was denn sonst? Die ostdeutschen Wählers haben mehrheitlich ja genau das gewollt. Und den großen dicken Blühende-Landschaften-Kanzler gewählt. Klar, sie konnten keine Vorstellung davon haben, was Kapitalismus wirklich bedeutet, aber darauf weist Herr Kowalczuk ja nun genau hin.

      • Stefan Schmitt

        @dites-mois:

        Was der Herr Kowalczuk ganz gut zusammenfasst, ist die gesellschaftliche und politische Konsequenz daraus. Die natürlich nicht adhoc einsetzte, sondern ein jahrelanger und polarisierender Vorgang war, der durch die AFD im Grunde heute ein Gesicht bekommen hat.



        Problematisch empfinde ich auch die unterschiedliche Wahrnehmung innerhalb der Generationen. Dieses überstülpende Pauschalbild.



        Dieses Thema ist im Grunde mehr ein Feld der Sozialwissenschaften als das eines Historikers. Mir fehlt schlicht und ergreifend die Verifikation durch entsprechende Studien und damit der wissenschaftliche Nachweis. Und so bleibt es schlussendlich doch nur eine Meinung.

    • Der olle Onn

      @Stefan Schmitt:

      "Wer vor vereinfachenden Weltbildern warnt, sollte selbst keines zeichnen."



      Da haben Sie wohl recht. Ungefähr das fällt mir immer ein wenn Herr Kowalczuk irgendwo argumentiert. Dann fällt mir häufig das Wort Elfenbeinturm ein. - Kann es sein, dass das „Team Ilko“ manchmal doch zu sehr seine eigene Blase ist?

      • Stefan Schmitt

        @Der olle Onn:

        Ich glaube auch, dass genau darin das Problem liegt. Wer Geschichte vor allem durch eine ideologische Linse betrachtet, läuft Gefahr, die Widersprüche und Grautöne auszublenden. Die Erfahrungen vieler Ostdeutscher waren eben komplexer als nur "Demokratie gut, DDR schlecht". Genauso gehört zur Geschichte des Westens eben auch mehr als Freiheit und Wohlstand. Ein Historiker sollte diese Ambivalenzen sichtbar machen – nicht neue Vereinfachungen schaffen.

  • Rainer Möller

    Kowalczuk tr#umt von einem "Westen", in dem es keine Opposition mehr gibt und man keine Rücksichten zu nehmen braucht, sondern gnadenlos durchregieren kann. Nur: zu dem "Westen", so wie wir das seit den 50er Jahren verstanden haben, gehörte das Recht auf Opposition unabdingbar dazu. (Und ist es nicht eigenartig, wie weit Kowalczuk und Frau Kahane mit ihrem Schülerkreis sich praktisch-politisch treffen?)

    • Klabauta

      @Rainer Möller:

      "Kowalczuk tr#umt von einem "Westen", in dem es keine Opposition mehr gibt "

      Wie kommen Sie darauf? Und was deuten Sie mit Ihrer letzten Frage an?

    • Schmetterling

      @Rainer Möller:

      Das kann ich aus dem Interview jetzt nicht rauslesen. Können sie mir auf die Sprünge helfen oder ist das nur so ein Fiebertraum von ihnen?



      (Und ist es nicht merkwürdig, wie hier versucht wird, mit unbewiesenen Anschuldigungen Stimmung zu machen?)

  • Il_Leopardo

  • Michaela Medler

    Großes Dankeschön an das gute Interview von Herrn Fanizadeh! Die lebendigen Schilderungen und klaren Einordnungen von Herrn Kowalzcuk zum Alltagserleben in der DDR erscheinen mir wie eine verspätete Bestätigung von Eindrücken, die sich während häufiger Besuche in den späten 70er und 80er-Jahren als sog. "West-Besuch" bei mir nachhaltig eingegraben haben. Umso erfrischender erscheint auf diesem Hintergrund der nüchterne und von verwirrenden Sentimentalitäten freie Blick von Herrn Kowalzczuk auf die DDR. Ich wünschte mir mehr solcher Beiträge in der Auseinandersetzung um die Deutung der deutschen Vergangenheit und ihre Auswirkungen auf aktuelle gesellschaftspolitische Entwicklungen auch in der taz! Umso mehr: Danke an Herrn Fanizadeh für diesen Beitrag!

  • Peter Schütt

    Was ist eigentlich mit den türkischen Erdogan-Waehlern hier in Deutschland? Müssten die nicht auch erst einmal beweisen, dass sie keine Faschisten sind?



    Denn Erdogan und seine Partei handeln doch schon sehr faschistoid, oder?



    Aber diese 100.000 Leute Fälle bei allen Rechtsextremismusbetrachtungen immer durch das Raster.

    • Francesco

      @Peter Schütt:

      Was hat das mit dem Artikel zu tun?

  • Reinero66

    Das mit dem Weltuntergang können andere auch ganz gut -



    Klimawandel!



    AfD das absolut böse!



    Mit Meloni geht Europa unter....

    Die AfD ist auch im Westen z. T. bei 20% oder mehr.

    Es ist also kein ostdeutsches sondern ein gesamtdeutsches Thema.

    • dites-mois

      @Reinero66:

      Können Sie evidente und belegte Entwicklungen (Klimakollaps, erstarkender Faschismus allerorten) nicht von Hetze und Propaganda (Volkstod, Verschwulung, Bestrafung arbeitender Menschen) unterscheiden?

    • Klabauta

      @Reinero66:

      Klimawandel! - den gibt es, auch wenn Sie es noch nicht bemerkt haben sollten. Und ja, wenn wir so weitermachen, wird zwar die Welt (Erde) nicht untergehen, aber in absehbarer Zeit die Menschheit hungern.

      AfD das absolut böse! - Stimmt. Uneingeschränkt.

      Mit Meloni geht Europa unter.... - Mit Meloni alleine sicherlich nicht, aber die vereinte Rechte arbeitet dran, Stichwort EU-Austritt und nationaler Egoismus.

      Die Untergangsszenarien der Rechten hingegen - Stichworte Bevölkerungsaustausch! (Meinungs-) Diktatur! - sind reine Projektion und Angstmache.

      • Reinero66

        @Klabauta:

        ,,@Klabauta



        Ich habe nirgends geschrieben, dass ich den Klimawandel leugne, sondern das dies immer mit Weltuntergang einhergeht.



        "Die Menschheit wird hungern"



        Das hat sie bis 1970 tatsächlich, seit dem wurde die Ernährung jedes Jahr weltweit besser.

        AfD, das absolut böse, da haben wir wieder die Übertreibungen zum Thema Weltuntergang.

        Warum sind nur ihre Untergangs-Szenarien real, und die der Andersdenkenden nicht?

        Diese können für den Personenkreis genauso real sein, wie ihre Vorstellungen für Sie.

        Vereinte Rechte ist ein Widerspruch in sich.

        • Klabauta

          @Reinero66:

          "Das hat sie bis 1970 tatsächlich, seit dem wurde die Ernährung jedes Jahr weltweit besser."

          "Die Klimakrise ist eine Hungerkrise: Von den 35 am stärksten vom Klimawandel bedrohten Ländern leiden 27 unter extremer Ernährungsunsicherheit. Zu diesem Schluss kommt ein neuer Klima-Bericht von Aktion gegen den Hunger. "



          www.actionagainsth..._Crisis_Report.pdf

          "Warum sind nur ihre Untergangs-Szenarien real, und die der Andersdenkenden nicht?"

          Weil z.B. das Szenario des Großen Austauschs eine nicht belegbare Chimäre ist, wie so Vieles, was Rechte behaupten.

  • Klabauta

    "Kowalczuk: Es ist ein großes Missverständnis, wenn man so tut, als hätten 1989 alle im Osten Demokratie und Freiheit gewollt."

    Sah ich damals schon genauso und sehe mich heute leider bestätigt.



    Sascha Kowalczuk neigt zu deutlichen Worten und kommt dabei ziemlich hemdsärmlig rüber, was ihn nicht gerade zu Everybody's Darling macht, aber Recht hat er. Und deshalb haben wir jetzt ein dickes Problem am Hals.

    • Der olle Onn

      @Klabauta:

      Ja - einer der Punkte, bei denen er unbestritten recht hat:



      Meine Landsleute haben in weit überwiegender Mehrheit schnellen Wohlstand und die sofortige D-Mark gewählt. Ohne Wenn und Aber. Und ohne Rücksicht auf zu erwartende Verluste.



      Nur gelang es Kohl und Co. das völlig anders "zu erzählen". Gut - mit dem CDU-Stimmengewinn bei der nächsten Wahl war man ja fein raus...

  • pumble

    Auch problematisch ist, dass es nie eine Aufarbeitung der DDR gegeben hat. Nach der Wende wurde alles an der DDR systematisch verteufelt und nach dem Vorbild der BRD umgestaltet. Wer die DDR erlent hat, weiß aber, dass diese komplette Verteufelung Unfug ist. So einiges lief in der DDR eben auch gut, teilweise auch besser als im Westen. Dass nicht aufbereitet wurde, was gut und was schlecht war, bietet dann natürlich Angriffsfläche für das Schönreden der DDR.

    Die ökonomische Schlechterstellung des Ostens gegenüber dem Westen, die komplette Unwissenheit vieler Westdeutscher über die DDR, das ignorieren Ostdeutscher Geschichte und Kultur (wenn sich zum Beispiel irgendein großes Sport- oder Kulturereignis aus der BRD zum 50ten Mal jährt, dann gibt es dazu einen Artikel in jeder großen Zeitung - Ereignisse aus der DDR finden fast nur in der regionalen Presse im Osten statt), und die selbstgerechte Überheblichkeit, die einem als Ossi von Wessis oft entgegenschlägt, tun dann ihr übriges.

    • Gila Rosenberg

      @pumble:

      Ihr Wort in Gottes Ohr!

  • Griffendorff

    Die logische Weiterführung eines seit Jahrzehnten andauernden Trends, bei dem die Wähler ihr Kreuz bei den Parteien machen, die ihnen ordentlich das Fell über die Ohren ziehen.

    • Normalo

      @Griffendorff:

      Das kommt davon, wenn man seine Wahlentscheidung als abschließenden Beitrag zum eigenen Erfolg und Wohlergehen versteht. Der Wunschtraum lautet, die Partei, die vorgibt das Land, das Volk oder welche Gruppe auch immer, mit der sich leicht identifizieren lässt, so richtig nach vorn zu bringen, könne das tatsächlich mit dem staatlichen Mitteln schaffen. DAS ist das geistige Erbe des Auroritarismus, das auch 36 Jahre nach dem Ende der Diktatur noch lebt.



      Tatsächlich behaupten nur Scharlatane, solche Heilsbringer zu sein. Aber wer nie gelernt hat, einen anderen, selbstbestimmten Weg zum Glück für möglich zu halten, dem fehlt die Phantasie. Der fällt auf einen Scharlatan nach dem anderen rein, wird dabei jedesmal noch saurer, und sucht den Scharlatan, der NOCH größere Töne spuckt (und die Wut kanalisiert).

      • Der olle Onn

        @Normalo:

        Auch wenn Sie hier vermutlich nicht die Basis der CDU meinen, als die den letzten Kanzlerkandidaten aufgestellt hat, den, der die AfD halbieren wollte - ja, da ist was dran.

        • Normalo

          @Der olle Onn:

          Ich meinte keinen speziellen, wobei natürlich die AfD das aktuelle Ende der Kette der Scharlatane ist. Ein stückweit zwingt die Medienlandschaft so ziemlich alle Wahlkämpfer zur Scharlatanerie (das Müntefering-Zitat dazu, so wahr es ist, klingelt wahrscheinlich noch vielen Ex-SPD-Wählern in den Ohren). Selbst die FDP, die sicher nicht im Verdacht steht, den übermächtig Alles zum Guten wendenden Staat zu propagieren, kommt nicht umhin, mehr zu versprechen, als sie, in vermeintlicher "Machtposition" angekommen, letztlich leisten kann. In der aktuellen Lage der allgemeinen Wut wird ihr dann im Vergleich zu anderen Parteien zum Verhängnis, dass sie außer dem doch sehr abstrakten Ungetüm des überbordenden Staates ihren Wählern kein echtes Feindbild liefert - keine Migranten, keine "Sozialschmarotzer", keine "reichen" Turbokapitalisten.



          Da geht es anderen besser, auch wenn das keine schöne Aussage ist, sondern traurig aber wahr: Wenn man außer Absichtsbekundungen, die leider ein Teil der Wähler immer für feste Versprechen hält (die sie zunehmend dann wieder als "eh gelogen" abstempeln), nichts in den Ring werfen kann, hat man - gerade in Ostdeutschland - derzeit schnell verloren.

          • Der olle Onn

            @Normalo:

            Schon verstanden. Die Scharlatanerie ist ja deutlich erkennbar.



            Aber sehen Sie: Das genau ist des Pudels Kern. Hier, im deutschen Osten, sah man sich 1989 betrogen um die Früchte seiner ehrlichen Arbeit, ausgenutzt von den Staatsoberen, die in "Saus und Braus lebten" (lächerlich angesichts der realen Bedingungen in Wandlitz - aber halt zu Teilen verständlich, betrachtet man den üblichen Standard). Und genau dieses Betrogenwerden durch Parteien und Personen - so unwahrscheinlich es klingen mag - erwarteten viele meiner Mitbürger mit dem Systemwechsel allen Ernstes hinter sich zu haben. - Jetzt konnte man sein Glück ja frei wählen! Die "blühenden Landschaften", die dickes Helmut versprach, wurden jedenfalls nicht als temporäre "Absichtsbekundung" verstanden. - Die waren sicher zu schaffen. Und zwar nicht nur für Jena oder Dresden, sondern überall. Unter anderem das ist eine Quelle der fatalen Enttäuschung, der Politikerverdrossenheit. Und wie sich zeigt inzwischen nicht mehr nur im Osten.

  • Dietmar Rauter

    Ich sehe deutlich Paralellen zur Weimarer Republik ! Es ist die Schwäche der politischen Parteien und ihrer Repräsentanten, denen es nicht gelingt, in diesen Zeiten, wo es so wichtig ist, zusammenzuhalten, zum Beispiel ein Verbot von weiterer CO²-Emission durch Verbrenner, Flugzeuge oder Kreuzfahrtschiffe im Privaten, aber auch der Eingrenzung z.B. einer chemischen oder Waffen-produzierenden Industrie im Öffentlichen zu erreichen, um die schon so weit fortgeschrittene Klimakatastrophe in den Griff zu bekommen. Dabei sind die Fakten eindeutig: Wir leben über unsere Verhältnisse, ausgelöst durch einen Profitwahn, der Abhängige ärmer macht und -nur zeitweise, bis es kracht- Reiche reicher und letztlich versagen alle: Politiker, Wissenschaft, Konservative, aber auch Musk, Trump & Co, wir sitzen alle auf der selben Insel Erde, die gerade für Menschen unbewohnbar wird. Soweit war Weimar noch nicht..... Da retten uns auch keine AfD-Verbote, es gäbe Wichtigeres, wenn wir wirklich Demokratie, die ja kein Selbstzweck ist, sowie Wissenschaft und Erkenntnis zusammenbringen.....

  • Thutmerwe

    In seinen Urteilen zur aktuellen Lage kann ich Herrn Kowalczuk weitestgehend zustimmen. In seinen Gründen dazu, die er aus der DDR-Geschichte herleitet, kann ich das oft nicht. (Da wir beide fast gleichaltrig sind können sie sowieso eigentlich fast nur die letzten 10 Jahre der DDR betreffen.)



    Die Mehrheit soll nicht gemerkt haben, daß sie in einer Diktatur leben? Ernsthaft? Was sind denn Merkmale einer Diktatur wenn nicht die fehlende Möglichkeit, sie abzuwählen oder ohne Gefahr o. zumindest Nachteile zu befürchten, dagegen protestieren zu können? Oder, daß man permanent zu irgendwelchen "freiwilligen" Veranstaltungen oder Maßnahmen zusammen getrommelt wurde oder immer wieder die gleichen Parolen um die Ohren gehauen bekommen hat, ohne außer im kleinen Kreis darüber zu witzeln.



    Und Russenhass? Ich würde es eher eine latente Überheblichkeit gegenüber "dem Kolja" nennen. Denn zumindest in den 80ern war man sich über den NOCH geringeren Lebensstandard der meisten Menschen in der Sowjetunion schon bewußt. (Der Russisch-Unterricht dauerte übrigens nur 6 Jahre, außer man machte Abitur und DANN beherrschte man notgedrungen schon etwas mehr als Guten Tag und Auf Wiedersehen.

    • Klabauta

      @Thutmerwe:

      Wissen Sie, was mir beim Lesen Ihres Kommentars einfiel? Es war das sehr deutsche Sprichwort "Wer ein Häkchen werden will, krümmt sich beizeiten."

      Ich glaube, es gab in der DDR eine Menge beizeiten gekrümmter Häkchen, die nicht besonders unter dem Umstand, in einer Diktatur zu leben, gelitten haben.

      • Thutmerwe

        @Klabauta:

        @Klabauta



        Zwischen "nicht besonders darunter gelitten" und "nicht bemerkt" haben besteht aber doch ein ganz schöner Unterschied.

        @Otto Buchmeier



        Ja, Ihre Argumentation kann ich nachvollziehen.

    • Otto Buchmeier

      @Thutmerwe:

      "Die Mehrheit soll nicht gemerkt haben, daß sie in einer Diktatur leben?"



      So ist es die falsche Frage. Das Thema hat einfach kein Mensch diskutiert. Man hat sich über einzelne bestimmte klare Dinge aufgeregt. Die Mehrheit hat das "Große Ganze" eher ignoriert. Bzw. auch gewusst, dass diese Aussagen an der falschen Stelle zu persönlichem Nachteil führen können. So ist wohl die Aussage in seinem nächsten Satz wichtig: "Sie liefen einfach mit" und haben die Diktaturfrage ignoriert. Viele hätten auch auf die direkte Frage danach wohl eher ausweichend reagiert - wer will schon zugeben, dass sie/er - irgendwie mehr oder weniger freiwillig - in einer Diktatur lebt.



      Das was sie in den folgenden Sätzen schreiben, kann man unter dieser Prämisse gut ignorieren/relativieren ... muss halt so sein ... ist nun mal so ...

      • Der olle Onn

        @Otto Buchmeier:

        Ja - so trifft das die Dinge besser.



        Aber selbst "Sie liefen einfach mit" suggeriert ja noch, dass DDR eine Ganztagsveranstaltung gewesen sei, die "around the clock" ein Gewehr bei Fuß erfordert hätte, den ständigen Blick nach oben aufs ZK der SED gerichtet.



        - Ist es nicht vorstellbar, dass Alltag auch in der DDR schnöder Alltag war? Mitunter sogar ohne spürbarere Repressalien als das äußerst gelegentliche Vorzeigen des Personalausweises? Auch in der DDR bestimmten vor allem (oft schwerere, ungesündere) Arbeit, der konstante Mangel an bevorzugten Konsumgütern - ja, die Frage: "Wann ist endlich Urlaub?" den Jahresverlauf.



        Klar: Wir waren uns durchaus bewusst, dass da oben ziemlich alte Herren komplett über uns bestimmten, hofften wenigstens auf einen Gorbatschow-Effekt (der zügig abgelehnt wurde) und eine jüngere "Garde". In den letzten beiden Jahren dann implodierte das System rasant - auch lange bevor das sich in Demos zeigte. Die Hoffnung auf Veränderung war schlicht weg. Doch bis dahin ging es der Bevölkerung eben nicht schlecht genug um mehrheitlich aus ihrem Trott ausbrechen zu wollen - obgleich es real selten "echte" strenggläubige Parteigenossen gab.

  • Philippo1000

    Super!



    Danke für diesen tollen Artikel!



    Viele Ansichten teile ich, sowohl historisch, als auch, was die gegenwärtigen Perspektiven betrifft.



    Mit meinem Blick aus dem Westen ist es schön, auch historische Erinnerungen über die DDR aus einer damals alternativen Perspektive erklärt zu bekommen.



    Das erfahre ich auch immer wieder in der kommune, da hier einige wache Köpfe unterwegs sind.



    Den Buchtipp nehme ich mir zu Herzen,



    Vor gut 20 Jahren habe ich einige Zeit für linke Projekte im Osten gearbeitet.



    Der zunehmende Faschismus in jüngerer Vergangenheit hat dafür gesorgt, dass ich den Osten schon fast abgeschrieben hatte.



    Dieser Artikel gibt Hoffnung und die Gewissheit, dass es heute, wie damals, Viele Menschen gibt, die ein Fels in der Brandung sind.



    Wir sollten Alle mit ein paar gesammelten Kieselsteinen davor dafür sorgen, dass das auch so bleibt.

  • Stinepizza

    Danke, Herr Kowalczuk, für dieses Interview! Als Helmuth Kohl damals die Wiedervereinigung voran trieb, habe ich gesagt, das kann man doch nicht von jetzt auf gleich machen! Die DDR-Bürger wissen doch gar nicht, wie Demokratie geht! Ich war aber anscheinend die Einzige mit diesen Bedenken. Ich bin sehr froh, dass Sie es auch so sehen!



    Dass wir im Westen nicht interessiert gewesen wären, kann man, glaube ich, nicht so sagen. Wir hatten ja kaum eine Möglichkeit, an Informationen zu kommen. Ich hatte eine Tante und einen Onkel, die wegen ihres Alters zu Besuch kommen durften, so lange sie noch reisen konnten (gesundheitlich). Die Beiden haben aus ihrem Dorf erzählt, und mir blieb davon in Erinnerung (ich war noch ein Kind), dass man "drüben" immer irgendwie einen Weg finden musste und konnte, Ge- und Verbote zu umgehen. Um die Phantasie, die dazu gehörte, habe ich Ostdeutsche immer beneidet, aber es dürfte auch ganz schön anstrengend gewesen sein, ständig um die Ecke zu denken. Es wäre jedenfalls besser gewesen, wir hätten nach der Wende mehr kommuniziert!

    • Der olle Onn

      @Stinepizza :

      "Dass wir im Westen nicht interessiert gewesen wären, kann man, glaube ich, nicht so sagen. Wir hatten ja kaum eine Möglichkeit, an Informationen zu kommen."



      Das erschüttert mich nun doch etwas: Im Westen keine Möglichkeit an Informationen zu kommen? Mag sein, dass Sie an Ihrem Wohnort kein DDR-TV empfangen konnten, aber ich hatte ARD-Empfang und zumindest gelegentlich kam die DDR dort auch vor - wenngleich natürlich nicht positiv.



      Ich im Osten war durchaus auf dem Laufenden, was die "andere Seite" betraf. Und daher habe auch ich - wie Sie - die schnelle Vereinigung nicht für sinnvoll gehalten. Wenngleich nicht aus Unwissen um das Funktionieren von Demokratie - man muss ja eigentlich kein Wissenschaftler sein, um das Grundprinzip zu begreifen.



      Ihrem letzten Satz stimme ich absolut zu. Nicht nur was die famliliäre Ebene betrifft.



      1990 habe ich versucht private Kontakte über die Partnerstadt Peine zu finden, Leute, die vielleicht Lust auf einen sinnvollen Erfahrungsaustausch hatten. Die Resonanz war gleich Null. Und das sagt dann doch einiges über das Interesse der Altbundesbürger am Osten aus...

    • Nordischbynature

      @Stinepizza :

      Vergessen wir bitte nicht die außenpolitische Konstellation 1990. Vermutlich wäre Moskau schon zwei Jahre später kaum bereit gewesen, dem Beitritt der DDR zur Bundesrepublik zuzustimmen.

    • Gerhard Krause

      @Stinepizza :

      Verzeihung, das sehe ich nicht. Wer muss den wissen, wie Demokratie geht? Das ist nicht Erleben. Soweit Sie meinen, wer denn die Möglichkeiten, die sich boten, wirtschaftlich bzw rechtlich, dann stimmt dies, betraf aber alle Nichtjuristen überall. Erlebt haben die Menschen mE besonders, aus meiner Sicht deshalb, weil sie schockiert zusehen mussten und gleichzeitig ökonomisch zurückfielen, dass sich wie heute Schichten bereichern, dass das Recht wenig dagegen tun konnte und der Staat - ich denke parteipolitisch motiviert, wie heute - tatenlos zugeschaut hat. Keine Hilfe, kaum Gegenorganisation, selbst kaum finanzielle Mittel und natürlich, so ehrlich muss man sein, den A.. nicht aus dem Sessel bekommen, um eine Gegenöffentlichkeit zu schaffen.

  • Astrid Sehnefeld

    "Obwohl die frühere DDR-Gesellschaft doch erlebt hat, was es bedeutet, unter der autoritären Herrschaft Moskaus zu stehen, verharmlost man heute gerne Putins Politik und wünscht sich wieder engere Beziehungen zu Russland."



    Moskau war der große Bruder. Große Brüder sind Beschützer. Natürlich ist Russland bis heute bei uns positiv belegt, gleichwohl hier auch sehr viele sagen, dass was Putin in der Ukraine macht, ist nicht richtig.



    Die in den Medien verbreitete völlige Dämonisierung Putins wird allerdings abgelehnt, weil Amerika selbst nichts anderes gemacht hat und macht: Vietnam, Afghanistan, Nicaragua oder Venezuela und Iran jetzt.



    Krieg, erobern, Marionettenregierungen einsetzen und als Beifang die Zivilbevölkerung opfern - Amerika steht da den Russen in nichts nach.



    Da trifft halt Westglorifizierung (der gute Ami) auf Ostglorifizierung (der große Bruder).



    In Wahrheit sinds beides Despoten - meine Meinung - aber unter irgendeinen Rockzipfel müssen wir schlüpfen mangels eigener Verteidigungskräfte - und da strebt halt der Ossi nostalgisch gen Russland, wohingegen die Wessis dem Amerika unter Obama oder Clinton nachtrauern🤷

    • Moby Dick

      @Astrid Sehnefeld:

      Was meinen Sie mit "Westglorifizierung"? Die amerikanische Außen- und Sicherheitspolitik wurde in Westdeutschland sehr kritisch rezipiert.

      • Birger Gerling

        @Moby Dick:

        In der gesamten Breite der Gesellschaft, oder von einer kleinen Gruppe von maximal 10% der erwachsenen Bevölkerung?



        @Astrid Sehnefeld hat da auf jeden Fall einen stimmigen Punkt.



        Die Liste der Einmischungen der USA alleine durch CIA-Aktionen seit 1953, und die Eingriffe durch militärische Kräfte in fremden Ländern ist gewiss nicht kürzer als die der Sowjetunion zur gleichen Zeit.

        • Moby Dick

          @Birger Gerling:

          Die militärischen und geheimdienstlichen Aktionen der USA werden überhaupt nicht bestritten, aber man muss sie sich als (West-)Deutscher nicht zurechnen lassen.



          Eine kritische Haltung zu amerikanischer Politik war keineswegs eine Nischenposition.



          Peter Scholl-Latour war insgesamt 115 Wochen auf Platz 1 der Bestsellerliste.



          "Tod im Reisfeld" war noch 2014 das meistverkaufte Sachbuch der Nachkriegszeit.

    • Axel Schäfer

      @Astrid Sehnefeld:

      Als Wessi halte ich von Trump und Konsorten auch nichts, in den USA besteht allerdings noch die Möglichkeit wieder auf eine demokratische Spur zu kommen, was ich bei Russland ausschliessen würde. Man muss sich ja nur anschauen, wo Menschen freiwillig hingehen und wo nicht. Das traf ja auch schon auf DDR und BRD zu.



      Übrigens Big Brother war ja früher eher der Begriff für die US-Hegemonie.

      • Der olle Onn

        @Axel Schäfer:

        Frau Sehnefeld hat durchaus recht: Im Sprachgebrauch waren "die Freunde" oder gelegentlich auch der "große Bruder" üblich. Natürlich gern auch mit eher ironischer Betonung.



        Hinterm "Big Brother" verorte ich hingegen eine Figur von George Orwell, die damals zwar fiktiv war aber spätestens unter Ohr-bama durchaus reale Formen annahm - was auch Angela Merkel erstaunt feststellen musste...

      • Astrid Sehnefeld

        @Axel Schäfer:

        "Man muss sich ja nur anschauen, wo Menschen freiwillig hingehen und wo nicht."



        Menschen gehen immer in wirtschaftlich stärkere Länder.



        Die Regierungsform ist ihnen hingegen fast egal.



        Wir Europäer reden uns das gerne ein, dass Migranten zu uns primär wegen unserer Demokratie oder der persönlichen Freiheit kommen - und natürlich mag es auch ein paar geben, die deswegen kommen - tatsächlich aber gehen Migranten vor allem dahin, wo sie sich ein besseres wirtschaftliches Auskommen versprechen.



        Andernfalls würden nicht unzählige Inder in die Golfstaaten zum Arbeiten gehen oder Menschen aus Myanmar nach Malaysia als Erntehelfer, etc...



        Wäre Demokratie und Freiheit das primäre Verlangen, würden alle ausschließlich nach Europa, in die USA oder nach Japan drängen. Dem ist aber nicht so.

        • Axel Schäfer

          @Astrid Sehnefeld:

          Da muss man unterscheiden, ob Menschen irgendwohin auswandern um sich eine neue Existenz aufzubauen und zu bleiben oder ob sie als Einzelpersonen aus purer Not oder um etwas anzusparen nur vorübergehend zum Arbeiten "irgendwohin" gehen. Vor 20 Jahren habe ich in Dubai auch zwei Inder Mitte 30 getroffen (Hoteldiener, Schuster) mit denen ich mich unterhalten hatte, die waren mit 25 dahin gekommen und wollten mit 40 gehen, das verdiente Geld haben ihre Frauen zuhause in Land investiert und sie brauchen dann nicht mehr zu arbeiten. Da erträgt man auch arrogante Araber und die Diktatur dort.



          Allerdings kann man in solche Länder nicht wirklich einwandern, auch wenn Steuerbetrüger und Influencer (und deren Schnittmenge) uns das weis machen wollen, denn man kann nie vollwertiger Bürger werden und in vielen Fällen muss ein einheimischer Strohmann die 51% vom Geschäft halten.



          Das war ja hier auch das grundsätzliche Missverständnis mit denn "Gastarbeitern", man rief Arbeitskräfte und es kamen Menschen. Diktaturen ist dies ja grundsätzlich wumpe, wie man ja an den Arbeitsmigranten in Russland sieht, die dort ja auch gerne mal als Kanonenfutter an die Front geschickt werden.

        • Axel Schäfer

          @Astrid Sehnefeld:

          Alle die nicht nur von der puren Existenznot getrieben werden und sich etwas langfristiges aufbauen wollen werden sicher nicht in irgendwelche Golfdiktaturen oder nach Russland gehen. Demokratie bietet auch Sicherheit.