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Alltäglicher RassismusWarum nicht einfach nur deutsch

Schwarze Menschen begleiten oft Zweifel an ihrer deutschen Identität. Wie die Gesellschaft sie wahrnimmt, prägt die eigene Selbstwahrnehmung.

Schwarze Menschen begleiten oft Zweifel an ihrer deutschen Identität Illustration: Katja Gendikova

K önnen Schwarze Deutsche deutsch und afrikanisch sein oder sollten sie sich für die eine oder andere Identität entscheiden? Oder ist man immer nur halb und damit niemals an beiden Orten dazugehörig, also stets fremd? Hier spielt das Umfeld eine wichtige Rolle. Die Art und Weise, wie Schwarze Menschen in den Medien dargestellt werden, ihre geringe Präsenz sowie die allgemeine und politische Rhetorik können das Gefühl des Nichtdazugehörens oder zumindest die zwischen den Zeilen stets mitschwingende Frage, welchem Ort sie sich denn „wirklich“ zugehörig fühlen, verstärken.

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes von 2024 leben hierzulande etwa 1,27 Millionen Menschen mit afrikanischem Hintergrund. Sie sind privat und familiär eingebunden, studieren, arbeiten oder gehen, wenn sie noch Kinder sind, in den Kindergarten oder zur Schule. Deutschland ist ihr Zuhause, viele besitzen die deutsche Staatsbürgerschaft. Dennoch blicken etliche auf dieses Land, auf ihre Heimat mit ambivalenten Gefühlen: Dazu zählen sowohl das innere Erleben, also die ganz persönliche Erfahrung damit, Teil dieser deutschen Gesellschaft zu sein, als auch die äußere Sicht, der Blick von außen auf Deutschland und dessen eigene kulturelle Dynamiken.

Bild: Tanja Valérien
Florence Brokowski-Shekete

ist die erste Schwarze Schulamtsdirektorin Deutschlands und Mitautorin von: „Perspektivwechsel: Wie wir gesehen werden und was von uns erwartet wird.

Seien es die Hautfarbe, der ungewohnte Name, möglicherweise auch kulturelle Bezüge – als Schwarzer Mensch wird man von der weißen Mehrheitsgesellschaft als „anders“ wahrgenommen, wird die Zugehörigkeit zum Gemeinwesen in Zweifel gezogen. Daraus folgt zwangsläufig die Frage: Wie deutsch darf sich ein Schwarzer Mensch fühlen? Kann es ihm überhaupt gelingen, sich so deutsch zu verhalten und zu geben, um nicht mehr als „anders angesehen zu werden?

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Die taz ist eine unabhängige, linke und meinungsstarke Tageszeitung. In unseren Kommentaren, Essays und Debattentexten streiten wir seit der Gründung der taz im Jahr 1979. Oft können und wollen wir uns nicht auf eine Meinung einigen. Deshalb finden sich hier teils komplett gegenläufige Positionen – allesamt Teil des sehr breiten linken Meinungsspektrums.

Wie oft muss sich ein Schwarzer Mensch besonders rechtfertigen, beweisen und erklären, um als gleichwertiges Mitglied der deutschen Gesellschaft akzeptiert zu werden? Damit nicht genug: Schwarze Menschen müssen jeden Tag aufs Neue spürbare strukturelle Barrieren überwinden, sei es die Diskriminierung bei der Wohnungssuche, Vorurteile bei der Jobbewerbung oder Racial Profiling bei Polizeikontrollen. Deutschland, das eigene Zuhause, die Heimat, ein Land, das Lebenschancen bietet, hält für Menschen mit anderen Wurzeln zugleich große soziale Hürden aufrecht.

Kein Grund zur Scham

Vor allem wird die Zugehörigkeit infrage gestellt und stets an weitere Bedingungen geknüpft. Im Alltag schaut das häufig so aus: Vorurteilen und Stereotypen begegnet man schon in der frühen Kindheit. Schwarze Kinder machen bereits im Kindergarten und in der Schule die Erfahrung, als „exotisch“ zu gelten, ihr Haar wird angefasst, ihre Haut berührt und als irgendwie „anders“ bezeichnet und kommentiert. Um es deutlich zu sagen: Ich meine damit nicht die normale kindliche Neugier weißer Spielgefährtinnen und -gefährten, die in diesem jungen Alter noch nichts oder nur höchst selten etwas mit Diskriminierung oder gar mit Rassismus zu tun hat.

Wie oft muss sich ein Schwarzer Mensch besonders rechtfertigen, beweisen und erklären, um als gleichwertig akzeptiert zu werden?

Ich beziehe mich hier auf das Verhalten von weißen Erwachsenen, die diese Schwarzen Kinder „besonders niedlich“ oder eben „anders“ finden. Ist die häusliche Alltagssprache von Kindern und Jugendlichen nicht Deutsch, wird sie je nach Herkunftsland oft als defizitär angesehen. Nur sehr, sehr langsam setzt sich im Bildungsbereich durch, andere Alltagssprachen zu respektieren oder in ihnen gar eine Bereicherung zu erkennen. Je fremder die Sprache und je weniger sie der sogenannten First World entstammt, desto länger braucht die Akzeptanz.

Es sollte ein Grundsatz sein: Ob in der frühkindlichen Bildung oder in der Schule, überall müsste nicht weißen Kindern und Jugendlichen vermittelt werden, dass sie sich ihrer nicht weißen Wurzeln nicht schämen müssen. Im Gegenteil, dass sie stolz auf ihre unterschiedlichen Herkünfte sein können. Das ist aber nur zu erzielen, wenn Vielfalt als etwas Positives angesehen wird. Doch dafür braucht es gemeinschaftliche Anstrengungen.

So müssen sich sowohl Bildungsinstitutionen und die dazugehörigen Behörden als auch Unternehmen darüber im Klaren sein, dass sie Verantwortung dafür tragen, Diskriminierungen frühzeitig zu erkennen und ihnen sofort entgegenzuwirken. Das heißt: Man darf sich nicht mit bloßen Absichtserklärungen in Leitbildern und dem Prinzip der Freiwilligkeit begnügen, sondern muss das Bewusstsein dafür schärfen, die Verantwortung institutionell verankern und Zuwiderhandlungen ahnden.

Diskriminierungserfahrungen verdichten sich

Alle sollten wissen: Die schon frühen gesellschaftlichen Erlebnisse von Diskriminierung und Rassismus verdichten sich im Laufe der Zeit zu einer tief verwurzelten Erfahrung, die sich prägend auf die Identitätsbildung und das eigene Selbstverständnis auswirkt. Die Belastungen nehmen zu, wenn aus Kindern Erwachsene werden, wenn Schwarze junge Menschen eine Ausbildung, ihr Studierenden- oder Arbeitsleben beginnen.

Möchten sie zum Beispiel einen Beruf ausüben, in dem die weiße Mehrheitsgesellschaft Schwarze Menschen nicht erwartet, müssen sie ihre Eignung meist doppelt und dreifach beweisen, um mit weißen Kolleginnen und Kollegen mithalten zu können. Denn entweder gelten sie quasi automatisch als weniger fähig, oder man sieht in ihnen lediglich eine sogenannte Quotenbesetzung, Menschen, die es allein aufgrund ihrer Hautfarbe in diesen Job geschafft haben.

Nicht selten geht diese Geringschätzung und Respektlosigkeit von Leuten aus, die eher selbst einen Mangel an Fach- und Sozialkompetenz aufweisen. Für sie sind Schwarze Menschen eine Art Blitzableiter, an denen sie sich emotional abarbeiten können. Manche Schwarze Menschen erfahren aufgrund weiterer persönlicher Merkmale sogar zusätzliche Diskriminierungen, etwa aufgrund von Sexismus, Ableismus, Klassismus, der Zugehörigkeit zur LGBTIQ-Community und so weiter.

Diese Dimensionen verkomplizieren ihren Alltag zusätzlich. Es gibt jedoch Möglichkeiten, sich aus diesem verhängnisvollen Dilemma zu befreien. In der Rolle des „Opfers“ zu verharren, ist kein Ausweg, ebenso wenig sich selbst einem Gefühl der „Lebensempörung“ auszuliefern, von dem ich in meinem Buch „Raus aus den Schubladen! – Meine Gespräche mit Schwarzen Deutschen“ spreche.

Nicht länger nur Opfer sein

Um sich daraus zu befreien, entwickeln viele Betroffene ein hohes Maß an Resilienzstrategien. Sie finden zum Beispiel Halt in ihren Familienverbänden, gründen Netzwerke und schaffen sich so einen eigenen „Safe Space“, einen Schutzraum. Nicht selten treffen sie auch innerhalb der weißen Gesellschaft auf Verbündete. Viele Schwarze Deutsche engagieren sich politisch und kulturell, werden dadurch sichtbar, werden zu Quellen der Inspiration und zu Vorbildern, die ihnen selbst in ihrer Jugend oft fehlten.

Diese Bewegungen machen deutlich, dass Schwarze Menschen sich schon lange nicht mehr als bloße Opfer struktureller Diskriminierung sehen. Im Gegenteil, sie begreifen sich als aktive Mitgestalterinnen und -gestalter einer vielfältig gewordenen deutschen Realität. Und Schritt für Schritt haben sie sich auch einen selbstverständlichen Zugang erarbeitet zu Alltagsdingen wie Kosmetika, medizinischen Produkten, Wundpflastern in dunkleren Hauttönen, Malstifte mit verschiedenen Hautfarben, zu weißen Friseurinnen und Friseuren, die sich in der Pflege von afrikanischem Haar weiterbilden.

Wie erläutert, bedeutet Deutschsein für Schwarze Menschen ständige Ambivalenz. Sie bewegen sich von morgens bis abends in einem Spannungsfeld zwischen rechtlicher Zugehörigkeit, gesellschaftlicher Wahrnehmung und gelebter Realität – und zwar völlig ungeachtet der Tatsache, dass Deutschland ihr Geburtsland, Deutsch ihre Muttersprache und ihre Nationalität ist. Deshalb sind zweifelnde Fragen wie: „Woher kommen Sie wirklich?“ oder selbst ein angebliches Lob wie: „Sie sprechen aber gut Deutsch!“ stets Ausdruck eines sogenannten „Otherings“.

Kurzum, sie bedeuten Ausgrenzung, weil sie die deutsche Identität des Schwarzen Gegenübers in Zweifel ziehen. Weil damit im Grunde insinuiert wird, dass sich Schwarz- und Deutschsein ausschließen. Dieser ständige Spagat ist für Schwarze eine gewaltige Herausforderung, die ihnen viel Resilienz abverlangt und gar zu einer kulturellen Selbstverleugnung führen könnte. Das wäre fatal.

Es ist darum höchste Zeit, dass Deutschland sich als ein Land mit Einwanderungsgeschichte begreift und diese auch gesellschaftlich anerkennt. Es muss ein neues gesellschaftliches Narrativ geben, in dem Menschen wie Schwarze Deutsche nicht mehr Ausnahmen, sondern ein selbstverständlicher Teil der Gemeinschaft sind.

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113 Kommentare

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  • Wer schonmal die uneingeschränkte, freundliche, zuvorkommende Gastfreundschaft von Menschen anderer Herkunftsländer, die nicht ausschließlich hier in Deutschland sozialisiert wurden, kennenlernen durfte, fährt wahrscheinlich mit roten Ohren nach Hause...

  • Wenn wir den Fokus nicht auf die Hautfarbe legen wollen, was ich absolut richtig finde, warum dann Schwarz groß schreiben und weiß kursiv? Es ist ein Spektrum, niemand ist wirklich schwarz oder weiß.

  • „ Ist die häusliche Alltagssprache von Kindern und Jugendlichen nicht Deutsch, wird sie je nach Herkunftsland oft als defizitär angesehen. Nur sehr, sehr langsam setzt sich im Bildungsbereich durch, andere Alltagssprachen zu respektieren oder in ihnen gar eine Bereicherung zu erkennen. Je fremder die Sprache und je weniger sie der sogenannten First World entstammt, desto länger braucht die Akzeptanz.“



    Ich halte dieses Argument für an den Haaren herbeigezogen!



    Heißt „häusliche Alltagssprache“ die Kinder sind zweisprachig, sie sprechen also zuhause die Herkunftssprache und im nichthäuslichen Alltag Deutsch (meinetwegen mit Akzent)?



    Wo bitte schön wird das denn stigmatisiert? Im Kindergarten unseres Vorortes jedenfalls nicht, ganz im Gegenteil! Und wie soll man denn im nichthäuslichen Miteinander erkennen, wie fremd die Herkunftssprache ist, wenn man sich ohnehin auf Deutsch verständigt.



    Hier liegt für meine Begriffe ein verkappter Versuch vor, den Mangel oder das Nichtvorhandensein an Deutschkenntnissen als „Bereicherung“ zu Framen.



    Das ist allerdings von so gut wie allen im Bildungssektor, als stärkster Selektionsfaktor hinsichtlich sozialen Aufstieg und Bildungserfolg erkannt.

    • @Thomas Kühnelt:

      Ihr verletzer Absatz ist - wie Sie es ausdrücken - komplett anders den Haaren herbei gezogen.



      Wo sehen Sie denn genau diesen Versuch?



      Eher sprechen Sie allen Fremdsprachlern pauschal die Fähigkeit ab zwei Sprachen zu beherrschen. Nur weil jemand eine andere Herkunftssprache hat, kann er also keine zweite Sprache fließend?

      • @Barnie:

        Ich habe beschrieben, das die Interpretation der Autorin nur zwei Deutungen zulässt:



        A - Kind ist zweisprachig



        B - Kind ist nur der Herkunftssprache mächtig.



        Für Fall A behaupte ich, das dies eben keine Stigmatisierung darstellt, sondern ein Asset. Sollte jedem klar sein, Kinder die sich in zwei Sprachen ausdrücken können, haben erhebliche Vorteile und warum sollte man eine andere Sprache ( wie die Autorin behauptet) als defizitär betrachten?



        Meint die Autorin jedoch Fall B, dann siehe oben.

    • @Thomas Kühnelt:

      @Thomas Kühnelt



      Waren Sie schonmal im Schwabenland oder in Sachsen und haben dort versucht mit Weißen zu kommunizieren ?

    • @Thomas Kühnelt:

      Die weiße Mehrheitsgesellschaft steht mal wieder auf dem Schlauch. Es gibt anerkannte Fremdsprachen wie Französisch und solche, die weniger anerkannt sind

  • «Können Schwarze Deutsche deutsch und afrikanisch sein oder sollten sie sich für die eine oder andere Identität entscheiden?»



    Was heißt «afrikanischsein»? Afrika ist ein Kontinent mit Hunderten verschiedener Sprachen und Kulturen sowie verschiedener Hautfarben. Es macht keinen Sinn, aus all dem eine „afrikanische Identität“ schaffen zu wollen.



    Und dann die „Weißen“. Woran erkenne ich sie? Gehören die Ägypter zu den „Weißen“ oder zu den „Schwarzen“? Seit Jahrtausenden gibt es im Mittelmeerraum einen intensiven Austausch und eine Vermischung verschiedener Kulturen aus Nord und Süd, und dieser Einfluss reicht sogar bis nach China. Ein Ergebnis: ein Mann namens Sokrates. Vor fast einem Jahrhundert versuchten die Nazis, „die Weißen und die Minderwertigen“ zu unterscheiden.Daraus sollten wir doch Lehren gezogen haben?

    • @Stumm Roland:

      Vielleicht ist Ihnen entgangen, dass die Autorin *weiß* kursiv schreibt. Das hat seinen Grund.

      Ich zitiere:

      "Weiß" und "Weißsein" bezeichnen ebenso wie "Schwarzsein" keine biologische Eigenschaft und keine reelle Hautfarbe, sondern eine politische und soziale Konstruktion. Mit Weißsein ist die dominante und privilegierte Position innerhalb des Machtverhältnisses Rassismus gemeint, die sonst zumeist unausgesprochen und unbenannt bleibt. Weißsein umfasst ein unbewusstes Selbst- und Identitätskonzept, das weiße Menschen in ihrer Selbstsicht und ihrem Verhalten prägt und sie an einen privilegierten Platz in der Gesellschaft verweist, was z.B. den Zugang zu Ressourcen betrifft.“

      Quelle: weranderneinenbrun...9/15/weisweissein/

      Es geht nicht um Hautfarbe. Das macht die kursive Schreibweise deutlich .

    • @Stumm Roland:

      Freunden sie sich mit Menschen afrikanischer Herkunft an und diskutieren sie mit denen das Thema oder lesen sie Bücher von afrikanischen Philosophen. Genauso wie es eine europäische Identität gibt gibt es auch eine afrikanische.

  • Das Auge diskriminiert. Dazu ist es - spitz gesagt - da. Die Frage ist, inwieweit der Mensch hinter dem Auge mit der Wahrnehmung von Unterschieden und Besonderheiten - sei es nun Hautfarbe und -textur, Augenform, Körperbau, Haare oder was auch immer - pauschale Aussagen über ANDERE Eigenschaften seines Gegenübers verbindet. Nicht nur Frau Brokowski-Sheketes Berichte lassen unschwer darauf schließen, dass da ein mächtiges Problem liegt.



    Aber man sollte differenzieren, was was ist: Wenn man Kindern zugesteht, völlig arglos eine Faszination für das Andersartige zu haben und es - im wahrsten Sinne - "bemerkenswert" zu finden, dann kann man von Erwachsenen nicht erwarten, dass das bei ihnen einfach nicht mehr existiert: Das Bewusstsein, Menschen zu verletzen, indem man sie ausgrenzt, mag anerziehbar sein. Der Reiz, auf Ungewöhnliches aufmerksam zu werden (und zu reagieren), steckt aber tiefer, UND er ist - an sich - nicht abwertend.



    Anderes gilt für Jene, die "Normaliltät" zu einer moralischen Größe erheben oder eben Vorurteile gegen Träger bestimmter optischer Merkmale hegen. DA sollte antidiskriminatorischer Druck ansetzen. Einfach keine Hautfarben mehr wahrzunehmen, ist unmöglich.

    • @Normalo:

      "Der Reiz, auf Ungewöhnliches aufmerksam zu werden (und zu reagieren), steckt aber tiefer"

      Nur fällt die Hautfarbe eines Menschen sicherlich heutzutage nicht mehr unter die Kategorie "Ungewöhnlich". Von daher sind auch diesbezügliche Bezüge darauf unakzeptabel.

      Den Reiz des "Ungewöhnlichen" auf Menschen aus einem anderen Kulturkreis zu übertragen zeugt doch sehr von einer antiquierten Denkweise und erinnert mich entfernt an die Völkerschauen gegen Ende des 19 Jahrhunderts in Europa.

  • Man muss sich nicht entscheiden, ob man x oder y sein will, wenn man nun einmal beides ist.

    Ich bin in Deutschland geborener Deutscher mit (europäischem) Migrationshintergrund. Man sieht es nur nicht unmittelbar.

    Den entsprechenden Alltagsrassismus "Oh, Sie sprechen aber gut [Sprache]" kriege ich trotzdem mit, wenn ich als erwarteter Deutscher (z.B. weil ich mit meiner Familie Deutsch spreche) plötzlich fließend meine 2. Muttersprache gegenüber Einheimischen spreche.

    Das menschliche Gehirn ist darauf konditioniert, aus begrenzten Informationen sehr rasch Muster zu erkennen und Schlüsse zu ziehen. Dies ist mitunter unzutreffend oder erfahrungsgeprägt. Zum Beispiel durch die Erfahrung, dass Deutsche in der Regel eine bestimmte europäische Sprache nicht sonderlich gut sprechen.

    Man könnte jetzt auch auf den Standpunkt gehen, dass eine derart kommunizierte Korrektur der eigenen Erwartungshaltung gerade keinen Rassismus beinhaltet, sondern das eigentlich positive Gegenteil. Nämlich das Überwinden von Vorurteilen und eine Korrektur von voreiligen Schlüssen.

    Das kann man natürlich durch das eigene Verhalten belohnen oder bestrafen. Was ist gewünscht?

  • Einerseits soll das Befinden von "Schwarzen Deutschen" beleuchtet werden, dann wiederum wird über "Menschen mit afrikanischem Hintergrund" gesprochen.



    Fragen Sie mal einen Marokkaner oder Ägypter ob er sich als schwarz versteht...



    Der Kontinent Afrika beherbergt über 3000 ethnische Gruppen und Menschen mit beinahe allen Hautfarben, von hellbraun bis tiefschwarz.



    Für die alle in einem Artikel sprechen zu wollen ist aus meiner Sicht unmöglich.



    Den Fokus auf die Hautfarbe zu legen, unabhängig von der Herkunft, dürfte eher das Problem treffen.



    Das Äußere ist das Erste was einem jeden Menschen am Gegenüber auffällt - und das Äußere war schon immer maßgeblich, drum heißt das Sprichwort auch: 'Kleider machen Leute'.



    Es wurde also schon immer nach dem Äußeren bewertet.



    Hautfarbe ist auch ein Kleidungsstück, das offensichtlichste sogar.



    Ziel muss es sein, Menschen grundsätzlich nicht mehr nach ihrem äußeren Erscheinungsbild 'vorzuverurteilen'.



    Egal ob krankhaft übergewichtig, schwarz, braun, gelb, weiß, klein, groß oder mit zerfetzter Jeans.

    • @Astrid Sehnefeld:

      Ob das Ziel realistisch ist? Mit Hermestuch und Perlenkette in eine linke Szenekneipe zu gehen, ist vermutlich nicht die allerbeste Idee. Mit einer niedlichen Blümchenbluse oder einem Filialleiter-Anzug zur Vernissage? Da würde man wirklich abschätzig angeguckt werden. Die Hautfarbe ist da eher kein Problem.

  • Ich finde zuerst sollte man verbal ein wenig abrüsten und nicht alles gleich mit der Rassismus Keule oder anderen tollen Wörtern erschlagen.



    Vieles halte ich einfach für Vorurteile fremdem gegenüber. Und das trifft jeden unabhängig der Hautfarbe. Was ich mir wahlweise als Dorfkind, als Mann, als Ossi schon so alles anhören durfte. Und bestimmt manchmal auch benachteiligt wurde. Da kann man gut gegen angehen wenn man sich extra anstrengt um es den anderen zu zeigen. So lange bis der Ruf sich ändert. Oder ist das auch Rassismus wenn man Asiaten unterstellt besonders fleißig zu sein?



    Ich denke sich abzugrenzen und in eigene Strukturen zu fliehen macht es noch schlimmer.



    Wenn Menschen mit mir in gutem Deutsch sprechen ist mir die Hautfarbe egal. Farbige Schauspieler, Sportler, Politiker, Ärzte empfinde ich nicht als fremd weil sie meist genau so reden wie ich. Unterhalten sich Menschen in der Öffentlichkeit in ihrer fremden Alltagssprache, fühle ich mich ausgegrenzt.



    Wie soll mir ein Mensch nicht mehr fremd sein wenn ich ihn nicht kennen lernen kann weil ich Bauchschmerzen habe ihn nach seinen Wurzeln zu fragen?

    • @Jan Grobe:

      "Oder ist das auch Rassismus wenn man Asiaten unterstellt besonders fleißig zu sein?"

      Ja! Jede Annahme unterschiedlicher kollektiver Eigenschaften aufgrund ethnischer oder"rassischer" Abstimmung ist nicht nur rassistisch (damit sagen Sie ja dass andere Völker weniger fleißig seien) sondern vor allem auch faktisch falsch. Diese Vorurteile sind nämlich total beliebig. Zu Kaisers Zeiten war es z.B. ein gängiges Vorurteil, dass Chinesen faul seien.

    • @Jan Grobe:

      Oha. Nein, gegen Vorurteile sollte man eben nicht angehen müssen, indem man sich extra anstrengt, um das Gegenteil zu beweisen. Das bedeutet nämlich, dass die Beweislast, ob man es denn wert ist, urteilsfrei als gleichwertig angesehen zu werden, beim Ausgegrenzten liegt.



      Stattdessen sollte man benennen dürfen, dass jemand einen gerade aufgrund bestimmter Merkmale ausgrenzt. Und wenn es rassistische Vorurteile sind, darf man das auch so nennen. Das ist kein unnötiges "verbales Aufrüsten".



      Wenn Sie sich wegen Ihrer Dorf- oder Ossiherkunft benachteilgt oder abgewertet fühlen, dürfen Sie das Ihrem Gegenüber auch deutlich sagen und müssen Vorurteile nicht durch besondere Leistung entkräften.

      In der Öffentlichkeit können Menschen sprechen, wie sie wollen. Wenn Sie nicht gemeint sind, sondern nur zufällig auch anwesend, geht Sie das auch gar nichts an. Es gibt kein Recht darauf, die Unterhaltungen fremder Menschen zu verstehen. Sicher möchten Sie auch nicht in einem Land leben, in dem das Sprechen anderer Sprachen als der Staatssprache bei Strafe verboten ist.

      • @blutorange:

        In der Theorie haben Sie sicher recht, aber ob das in der Praxis funktioniert? Vorurteile und Rassismus sind etwas Emotionales, Irrationales, dem kommt man so nicht bei. Zu fordern, dass sich jetzt aber alle mal lieb haben und gegenseitig respektieren, funktioniert weder bei Kindern noch bei Erwachsenen. Wenn Sie jemandem vorwerfen, er sei Rassist, wird er wahrscheinlich andere Gründe suchen, um seine Haltung zu rechtfertigen. Eigentlich Vorwände, aber das gibt man sich selbst nicht zu.



        Probieren Sie es einfach mal bei jemandem aus, bei dem Ihnen antisemitische Denkmuster auffallen. Wenn Sie ihn darauf ansprechen, wird die Reaktion in den allermeisten Fällen eine ausgiebige Erläuterung der subtilen Nuancen zwischen Israelkritik, Antizionismus und Antisemitismus sein, gerne noch flankiert von der Feststellung, dass glücklicherweise nicht alle Juden so seien, oder aber, dass die israelische Politik am derzeit grassierenden Antisemitismus schuld sei. Niemand will beim Rassismus oder Antisemitismus ertappt werden.



        Sich öffnen, gegenseitig kennenlernen, Verständnis für einander entwickeln, braucht zwar Zeit und Geduld, aber ich glaube, dass es letztlich die nachhaltigere Strategie ist.

    • @Jan Grobe:

      "Oder ist das auch Rassismus wenn man Asiaten unterstellt besonders fleißig zu sein?" ... Die Frage überrascht mich, 50, ehrlich. Ja, ist es, weil dieses vermeintlich positive besetzte Stereotyp dann allen Asiaten einen Druck und einer Erwartungshaltung aussetzt, welcher der Einzelne vielleicht nicht erfüllen kann.

  • Kleine Erbsenzähleranmerkung (die ich wohlgemerkt auch bei weißen oder "biodeutschen" Autorinnen oder Autoren gehabt hätte):

    "Klassizismus" ist eine Epoche in der Kunst, die angesprochene strukturelle Diskriminierungsform heisst "Klassismus".

    • @Malte Kuller:

      Wichtiger Einwand! Bin auch grad beim Lesen des Artikels lachend drüber gestoIpert und schließ mich an, dass das absolut keine Erbsenzählerei ist. Und gerade weil die Autorin in Hamburg geboren ist, sollte das absolut keine Rolle spielen.

    • @Malte Kuller:

      Das ist keine Erbsenzählerei - sondern es sind zwei völlig unterschiedliche Gegenstände. Danke für den Hinweis.

  • Klar gibt es strukturellen Rassismus. Und wenn es struktureller Rassismus ist, jemanden mit dunkler Hautfarbe - auf den ersten Blick - als nicht-deutsch oder Mensch nicht-deutscher Herkunft wahrzunehmen, dann ist vermutlich niemand frei davon. Ich selbstverständlich auch nicht. (Selbst die Autorin des Artikels ist nicht frei davon, wenn sie einen bestimmten Haartyp als "afrikanisch" bezeichnet). Diese Wahrnehmung lässt sich aber weder sozial noch individuell so ohne weiteres abstellen. Wie man mit ihr umgeht, ist eine andere Frage. Aber selbst den Umgang damit zu ändern, ist mühsam und dauert lang. Das ist nicht allein eine Frage des guten Willens. Fakt ist: (Fast) Alles, was deutlich von der Mehrheit abweicht, wird als "anders" wahrgenommen (also "geothert"): Besonders groß oder klein, dick oder dünn, selbst rote Haarfabe kann "Othering" bedingen. Ich setze das nicht gleich mit der Diskriminierung, die dunkelhäutige Menschen erfahren, ich erkläre nur das Muster. Was gegen dieses "Othering" hilft? Ich glaube vor allem: Zeit, viel Zeit. Was erwiesenermaßen nicht hilft: Haufenweise Artikel wie diesen zu veröffentlichen, in denen das Phänomen beklagt aber nicht erklärt wird.

    • @Purschka:

      1



      Das sind halt immer noch "Reste" aus der Kolonialzeit - als Europa die Welt eroberte und alles, was man dort vorfand -Kultur und Menschen - als "minderwertig" betrachtete. Dieses Denken hängt uns bis heute nach.



      2



      Die Angst vor allem "Fremden" ist bei vielen Menschen zu beobachten. Was man nicht kennt und nicht einschätzen kann, wird gemieden oder ausgegrenzt, schlechtgemacht etc. Nichts anderes steckt hinter dem Begriff der "Überfremdung", der vor allem von den Ultra-Rechten ständig gebraucht wird.

      • @Il_Leopardo:

        Was genau meinen Sie mit Reste aus der Kolonialzeit oder besser: wessen Kolonialzeit?

        Wirklich die heute längst aus dem kollektiven Gedächtnis verschwundene Kaiserzeit?

        Oder die viel bedeutendere deutsche Kolonialherrschaft die schwerpunktmäßig in Osteuropa v.a. im Baltikum (unter Hitler: Ukraine) stattfand aber heute keine Beachtung mehr findet?

        Oder die sowjetische (kulturell: russische) Herrschaft über Ostdeutschland, die länger und intensiver war als die wilhelminische Kolonialzeit?

        Was ist mit den Kolonialherrschaften außereuropäischer Staaten, wie wirken die heute noch nach? Ist die Einstellung der Türken in Deutschland auch noch von dem Wunsch geprägt, endlich das koloniale Projekt der osmanischen Sultane in Mitteleuropa zu verwirklichen? Immerhin war die Türkei 300 Jahre interkontinentale Kolonialmacht und nicht nur 40 Jahre wie Deutschland...

        Der "Überfremdungs"gedanke ist auch Kern einiger linker Konzepte wie Gentrifizierung oder Safe Space ("kulturelle Freiräume")

        • @Chris McZott:

          1 : Die Überheblichkeit des "alten, weißen Mannes" gibt es immer noch oder? Sie ist eben nicht aus dem "kollektiven Gedächtnis" verschwunden, sondern wurde durch Großeltern und Eltern weitertransportiert.



          2 : Ich kenne den Gedanken oder sogar Pläne zur Remigration eigentlich nur von den Ultra-Rechten, z.B. der AfD.



          3 : Kennen Sie die postkolonialen Studien zu diesem Themenkreis? Wenn ja, dann müssten Sie doch wissen, wie die Kolonialzeit bis in die heutige Zeit hineinwirkt - nicht nur in den ehemaligen Kolonien, sondern auch in den europäischen Ländern.

          • @Il_Leopardo:

            Ich bleibe dabei: es nicht nachvollziehbar warum die Rassismen aus dem Jahr 1900 die Deutschen mehr geprägt haben sollen als die Rassismen von 1933.

            Die postkolonialen Studien haben leider einen stark selektiven, meist auch amerikazentrischen Ansatz, bei dem das Ergebnis "Der westliche(!!!) weiße Mann ist Schuld" schon fest steht. Schon bei Russlands Kolonialismus hört es auf. Von den Kolonialmächten Japan, China oder der Türkei ist dann überhaupt keine Rede, von noch weiter zurückliegenden historischen Verhältnissen ganz zu schweigen. Da der Ausgangspunkt der "alte weiße Mann" ist, sollen z.B. Balten, die optisch noch "weißer" als die Deutschen sind, trotz jahrhundertelanger kolonialer Unterdrückung "böse" sein, nichtwestliche Kolonialherren wie die Türken hingegen ausschließlich gut.

  • Zu dem Thema eine Situation, die ich vor einigen Jahren selber erlebt habe:



    eine Freundin und ich, beide "biodeutsch", waren mit deren 10-jährigem Sohn, aufgrund von dessen Ghanaesischem Vater sehr dunkelhäutig und mit einer großartigen Haarpracht ausgestattet, spazieren.



    Auf einer Brücke kam eine (alkoholisierte) Dame mittleren Alters auf uns zu, blickte mir (!) mitleidig in die Augen und fragte mich (!), ob denn der Junge schon etwas deutsch spreche.



    Der Junge schreibt gewöhnlich die besten Deutschaufsätze seiner Klasse.

  • [ Florence Brokowski-Shekete ist die erste Schwarze Schulamtsdirektorin Deutschlands und Mitautorin von: „Perspektivwechsel: Wie wir gesehen werden und was von uns erwartet wird.“] Bezeichnenderweise steht FRAU Brokowski-Shekete nicht auf dem Buchtitel, nicht einmal klein gedruckt unter dem Namen des Herausgebers, Thomas Mirow (ehemaliger SPD-Senator in Hamburg)

    • @Sven-Olof Carlsson:

      Sie haben offenkundig noch nie ein solches Buch in der Hand gehabt. Selbstverständlich stehen bei einer solchen Sammlung von Beiträgen die Autoren nicht auf dem Umschlag. Stehen sie nie.



      Aber was ihre eigentliche Botschaft ist, ist klar rübergekommen.

    • @Sven-Olof Carlsson:

      Bei Sammelbänden stehen in der Regel nur die Namen der Herausgeber auf dem Titel. Auch Jörn Leonhard wird auf dem Titelblatt nicht erwähnt.

  • vor wenigen Jahrzehnten waren in einigen Gegenden noch die aus dem Nachbardorf oder aus einem anderen Bundesland "eingewanderte" = "die anderen", die niemals "dazugehören" werden, mit denen die eigenen Kinder nicht spielen sollen. Heute noch so in ländlichen Gegenden, die Abneigung gegen Fremde, auch wenn sie die gleiche Hautfarbe haben. Es dauert noch, dann wird sich das Verhältnis zu anders Aussehenden normalisieren. Natürlich nicht in Gegenden, wo die Gesetze von der AfD diktiert werden.

    • @Sven-Olof Carlsson:

      Ich den 70ern wies mich eine Freundin darauf hin, dass ihre Mutter nicht wissen dürfe, dass ich nicht katholisch sei, wir dürften sonst nicht befreundet sein. Da waren wir beide schon erwachsen.

  • Wir leben im 21. Jahrhundert und die Globalisierung vermischt die verschiedenen Völker immer mehr. Dennoch gibt es in Deutschland – von sogenannten "Biodeutschen" – immer noch die Vorstellung, dass echte Deutsche weiß sind, blonde Haare und blaue Augen haben (sollen); auch wenn die meisten Deutschen diesem Klischee selbst nicht entsprechen.

    Dieses antiquierte Denken bringt aber leider wieder viele Bürger dazu, rechte Spinner – die Rassismus und Fremdenfeindlichkeit schüren – zu wählen; und das nicht nur in Deutschland und in anderen Ländern Europas, sondern sogar schon in den USA.

    • @Ricky-13:

      @ Ricky-13



      China und Putin handeln auch gerade massive Austauschprogramme für Schüler im Rahmen der Bildungseinrichtungen / Forschung, IT und Wissenschaft aus.



      Aber in Deutschland verschwenden unsere Politiker, ihre von uns teuer bezahlte Arbeitszeit, mit der Masserkrierung der arbeitenden Bevölkerung, durch Abschaffung der Arbeitszeitregelung &



      Verschärfung der Lebensbedingung der Bevölkerung und der Gefährdung durch Beschleunigung, des Menschen gemachten Klimawandel, durch fossile Energien. Gibt bestimmt bald massig Orden & Auszeichnungen für die Germans Parlamentarier.

    • @Ricky-13:

      Ich hatte eine Schulkameradin, die war - obwohl dunkelhäutig - aufgrund ihrer Vita in vielerlei Hinsicht "deutscher" (in der bajuwarischen Ausprägung) als ich es wohl je sein werde.

      Es ist nicht die Vorstellung, dass "echte Deutsche" weiß, blond und blauäugig sind, sondern es kommt schlicht auf den Erfahrungshorizont jedes einzelnen an. Aufgrund der Historie unseres Landes ist anzunehmen, dass "deutsch" ohnehin ein recht wildes Gemisch ist, aus Kelten, Teutonen, Alemannen, Sachsen, Chatten, Italiern, Goten, Sueben, Bajuwaren, diversen Slawen, Dänen, Schweden, Franken, Friesen, usw.

      Das gilt wohl auch für Italiener, Franzosen und Spanier, nicht zu verschweigen den gesamten Balkan und die Türkei.

      • @Metallkopf:

        @Metallkopf



        Ich meine einmal gelesen zu haben, in Deutschland ist Blond die meist angesagtesten & verkauftesete Haarfarbe...👱‍♀️

  • Ich habe 15 Jahre in einer nordhessischen Kleinstadt gelebt. Obwohl biodeutschem mit Familie und Kleinkindern haben wir irgendwann gemerkt, dass wir dort nie gehören werden. Wer nicht mindestens in der dritten Generation dort wohnt, bleibt ein Zugezogener, ein Fremder. Wir sind dann in eine Grossstadt gezogen, wo alle irgendwie fremd und damit gleich sind. Ich weis, dass es nicht vergleichbar ist, aber wenn man unterstellt, dass die Menschen nicht bösartig sind, dann ist es wohl die gleiche psychologische Ursache. Wir leben wohl noch immer in der Sippe und jeder und jedes Fremde ist erst einmal verdächtig. Wie bei vielen psychologischen Störungen (wenn man es so bezeichnen will) lässt sich das behandeln indem man sich der Situation immer wieder aussetzt. Deswegen lebt es sich in einer Grossstadt freier. Man hat dort eher gelernt, mit fremden Menschen umzugehen.

  • Also, ich verstehe meine Mitbürger nicht. Haben nicht viele selbst Wurzeln, die nicht in Deutschland liegen. Viele sind in den Zeiten der beiden Weltkriege weit aus dem gesamten Osten gekommen und später die Millionen Gastarbeiter? Ich lebe heute in einem Heim für Betreuung und Pflege und hier haben wir Personal aus allen Kontinenten! Nur einige wenige ewig-gestrige Bewohner haben da ein Problem. Wir sollten über jeden Menschen froh sein der zu uns Kommt!

    • @Dieter Baumgärtner:

      Es ist doch schön beschrieben: Die meisten rassistischen oder fremdenfeindlichen Vorurteile sind Mittel zum Zweck. Es geht nicht darum, Fremden in positiver oder negativer Hinsicht "gerecht" zu werden, sondern um Selbstgerechtigkeit. Und die legt auf historische Stringenz oder demografische Notwendigkeiten nur sehr eingeschränkten Wert.

    • @Dieter Baumgärtner:

      D hat seit dem 17. Jahrhundert diverse Schübe an Einwanderung gehabt, angefangen putzigerweise mit den Vorfahren des Herrn Sarrazin, den Hugenotten.



      Entsprechend geht's um Ideologie, nicht um Fakten.

    • @Dieter Baumgärtner:

      Ich sehe das als Enkel Heimatvertriebener ähnlich. Daher blicke ich auf das Thema Flüchtlinge auch etwas anders als viele Alteingesessene. Bedeutet aber nicht, daß ich gewisse Entwicklungen nicht ablehnen darf.



      Bzgl. Ostvertriebener: Damals waren schon viele Alteingesessene gegenüber ihren "Volksgenossen" sehr vorurteilsbehaftet und biestig.



      Scheint eine deutsche Konstante zu sein, die durch die Umgangsweise mit dem Nationalsozialismus und leider auch der linken Diktatur niemals überwunden wurde.

  • Meine Schwester, Vater ein Tamile, ist damals immer mit Türken verwechselt worden und hat so viel Diskriminierung und Rassismus erlebt, dass sie schließlich nach Süditalien geflohen ist. Dort ist sie dann gar nicht mehr aufgefallen und hat sich zu einer stereotypischen italischen Mama entwickelt. Ich wiederum bin zwar eine deutsche Kartoffel, allerdings mit Verstand eines Akademikers/Ingenieurs und der Herkunft aus der Gosse. Ich gehöre bis heute nirgendwo hin. Ich bin heimatlos in der Heimat, bin hier aufgewachsen habe aber keine Verbindung dazu.

    • @Wirrwicht:

      Das mit dem Aufsteigerproblem kann ich voll unterschreiben. Ich habe das schon bei meiner angeheirateten Seite gemerkt,



      ehemaliger Pfarrerhaushalt mit klassischer Bildung.



      Irgendwie bleibt man immer gefühlt eine Stufe unterhalb, da so viele Selbstverständlichkeiten dieser Klasse einfach nicht erlernt wurden.



      Man paßt da als klassisches Malocher-Kind irgendwie nicht rein. Umgedreht bei den Arbeiterkindern von früher, die nicht "aufgestiegen" sind auch nicht mehr wirklich.

      Das hinterläßt dieses "heimatlos" Gefühl. Das teilen Aufsteiger mit Kindern mit Migrationshintergrund häufig, ebenso die Erfahrung zurückgesetzt oder eben nicht wirklich angenommen zu werden. Auch dieses Gefühl man muß doppelt so hart arbeiten um anerkannt zu werden.

      Natürlich bleibt aber als Plus, daß man keine Diskriminierung wegen der Hautfarbe erfährt.

      Einen Vorteil hat dieses "heimatlos" Gefühl zumindest bei mir. Durch die fehlende Bindung komme ich mit wechselnden Situationen und neuen Orten sehr schnell sehr gut zurecht.



      Vermutlich wird man anpaßungsfähiger.

      • @Stefan Haydn:

        Ich hatte in der "Quarta" (damals hieß das noch so) mit einer Vier in Mathe den drittbesten Notendurchschnitt in der Klasse. Die Vier erklärt sich dadurch, dass dieser sadistische Zyniker oder vielleicht auch zynische Sadist sich mich von Anfang an als Mobbingopfer ausgesucht hatte, viele Klassen"kameraden" sammelten bei ihm Punkte durch Nacheifern.



        Der Direktor erklärte meine Eltern, Eisenbahner und Hausfrau, dass ich durch mein familiäres Umfeld keine Chance hätte, mit den Söhnen von Ärzten, Anwälten, Autohaus- und Möbelhausbesitzern mitzuhalten. Meine Eltern wussten es nicht besser, akzeptierten es als Schicksal und hielten sich bis zum bitteren Ende raus, höchstenfalls zeigten sie noch Verständnis für die, die mir das Leben schwer machten. Später habe ich dann selbstbestimmt und selbstorganisiert meinen Weg gemacht, aber das Messen mit zweierlei Maß auf vielen Gebieten nehme ich immer noch bedauernd wahr.



        Meine Anpassungsfähigkeit drückt sich unter anderem dadurch aus, dass bei der Hochzeit meines Sohnes sechzehn Nationalität feierten.



        Normalerweise halte ich mich mit Erzählungen über mich eher zurück, aber hier geht es um eine alte Narbe, die wohl nie ganz verheilt.

      • @Stefan Haydn:

        Mit Gosse meine Ich nicht Arbeiterkind, weit drunter. Dazu dann spät diagnostizierter Autist. Die Gegend in der ich aufgewachsen bin, ist vollständig abgerissen worden. Platz für nette Einfamilienhäuser. Plötzlich gab es eine neue Bibliothek und es war Geld für die Schulen in der Gegend da... Zwar nicht wegen der Hautfarbe, bin aber trotzdem mehrfach als "Yugoslave" (?) und anderes, teilweise mit Messern und aus dem Nichts angegriffen worden.

  • Es kommt zudem darauf an, was von der Weissen einheimischen Gesellschaft überhaupt als Schwarz gelesen wird.

    Schwarz ist nicht gleich Schwarz, da wird sehr genau differenziert und das hat Auswirkungen. Meine Frau ist Britin und hat jamaikanische Wurzeln und einen helleren Taint.

    Von den Einheimischen wurde sie während unserer Zeit in Deutschland anscheinend nicht als Schwarz gelesen. Alltagsrassismus haben wir lediglich in der Form erlebt, dass einige Personen beim Erstkontakt Englisch mit ihr gesprochen haben. Das hat aber eher zur Belustigung beigetragen.

    Dies sind jetzt lediglich subjektive Erfahrungen aus einer deutschen Metropole und daher wohl eher nicht repräsentativ.

    In Deutschland wird zudem vieles über den Status geregelt. Das Ansehen beim Gegenüber stieg auch bei reservierten Menschen automatisch, sobald sie ihre Tätigkeit als Chefärztin in einem deutschen Krankenhaus erwähnte.

    Das ist auch kein deutsches Phänomen sondern in abgewandelter Form auch in anderen Ländern anzutreffen.

    • @Sam Spade:

      "Klasse" ist der grosse Gleichmacher.

      Ich mein, salopp gesagt: Wer ist letztlich "privilegierter", der heterosexuelle Cis Mann aus der unteren Mittelschicht oder der bi/pansexuelle Trans Mann mit Millionen auf dem Konto?

      Und ich würde sagen, das gilt im Grunde für so ziemlich jede Diskriminierungsform: diese relativieren sich alle im Verhältnis zu Einkommen/Kontostand/Klassenzugehörigkeit.

    • @Sam Spade:

      Auf englisch angesprochen zu werden hat auch für mich gar nichts mit Rassismus zu tun.

    • @Sam Spade:

      Alltagsrassismus weil Ihre Frau in Englisch angesprochen wurde? Die Wahrscheinlichkeit daß schwarze Menschen in Deutschland aus englischsprachigen Raum kommen ist meiner Ansicht nach recht hoch so daß sie es vielleicht einfach nur gut gemeint haben.

      • @Suchender:

        Saß am Sonntag im Regionalexpress Goslar-Halle. Neben meiner Frau und mir zwei farbige Frauen, meiner "Erfahrung" nach eher aus Afrikas Süden. Könnten freilich auch USA-Leute gewesen sein, hätten sie sich nicht in einer mir völlig fremden Sprache unterhalten. Als Vielreisender bin ich immer ein wenig neugierig drauf mit wem ich es nahebei zu tun habe. Aber auch vorsichtig - "Mann" will ja niemandem zu nahe treten oder falsch wahrgenommen werden..



        Hätte ich irgendwas zu erfragen versucht hätte ich das selbstverständlich auch auf Englisch getan. Nicht weil ich Rassist bin, sondern weil ich einfach höflich und zuvorkommend hätte sein wollen...

        • @Der olle Onn:

          Ja, "Neugier" in Form von echtem Interesse an fremden Mensch und ihrer Kultur kann leicht nach hinten losgehen.



          Ich kenne die Worte für "Guten Tag", "Auf Wiedersehen" und "Vielen Dank" in ca. 20 Sprachen.



          Neulich im Zug begrüßte ich einen Inder, der sich in unser Abteil setzte, in seiner Muttersprache, der Rest der Unterhaltung verlief in Deutsch. Eine Nigerianerin im Nachbarabteil fragte, ob sich sich wegen der guten Stimmung zu uns setzen könne - ebenfalls auf Deutsch.



          Wären diese beiden nicht hier, wäre unser Land um zwei wertvolle Menschen ärmer.

      • @Suchender:

        "Gur gemeint" ist nach moderner Lesart Teil des sogenannten Alltagsrassissmus oder 'Mikroaggression' 😇

        • @FriedrichHecker:

          Wenn Sie sich in einem bayerischen Biergarten an einer Bank dazusetzen und nicht den lokalen Dialekt sprechen, werden Sie automatisch „woher kimmts nacha“ (= „woher kommt ihr“) gefragt. Das ist weder Alltagsrassismus noch Mikroaggression gegenüber Norddeutschen, sondern der Einstieg in einen freundlichen, unverbindlichen Smalltalk, mit dem man es auch nicht übertreiben muss. Freundliches Nicken und Zuprosten alle halbe Stunde reicht für ein entspanntes Miteinander in netter Atmosphäre völlig aus.

      • @Suchender:

        Wenn man dem Artikel und auch Spiegel-Bestsellern wie ,Exit Racism‘ als suchende Person folgen möchte, dann ist es doch genau dieses Gutmeinen oder dieses sich auf der Seite der Wahrscheinlichkeitsrechnung in der Mehrheit fühlend, was vom Gegenüber als ausschließend und rassistisch wahrgenommen wird. Es ist schmerzhaft, aber gut Gemeintes ist eben trotzdem und gerade drum oft rassistisch und man muss sich noch mehr Mühe geben und es pro-aktiv verlernen wollen, wenn man als weiße Deutsche nicht rassistisch sein möchte. Ich spreche als Verkäuferin oftmals langsamer oder verwende untermalend Körpersprache, wenn ich den Kunden als Schwarz einordne. Das ist doch genau der Rassismus der beklagt wird. Wir sind nicht mehr rassistisch, wenn Hautfarbe so wichtig ist, wie Augenfarbe, heißt es in einem berühmten Lied. Davon bin ich leider noch weit weg. Möchte da aber wirklich gerne hin.

        • @gleicher als verschieden:

          Ich bin seit meiner Studentenzeit mit Menschen aus aller Herren Länder zusammen und befreundet. Später auch beruflich in internationalen Projekten, Früher war das ein ganz natürlicher, entspannter Umgang. Seit einigen Jahren ist das ziemlich verkrampft geworden. Ich hatte z.B. eine dunkelhaarige Praktikantin mit exotischem Namen. Obwohl die Kollegen alle neugierig waren, hat sich keiner getraut, sie nach ihrer Herkunft zu fragen, sondern sie haben versucht, mich hintenrum auszufragen. Die Kollegin direkt anzusprechen, hätte ja als Othering verstanden werden können. Gottseidank war die junge Dame recht extrovertiert und sozial geschickt. Sie hat zu ihrem Einstand Leckeres nach traditionellen Familienrezepten mitgebracht und von sich aus von ihrer Herkunft erzählt. Damit war das Eis gebrochen und sie war völlig normal in das Team integriert. Man spricht ja auch unter biodeutschen Kollegen über seine Biografie und seine Herkunft, so können Nähe und Freundschaften entstehen.



          Eine Frage nach der Herkunft war mal freundliches Interesse an den Mitmenschen, der Einstieg in die Bekanntschaft. Ich bin nicht sicher, ob uns diese neue, verklemmte Steifheit einander wirklich näher bringt.

          • @Oma:

            Sahen Sie bei Ihren vielfältigen beruflichen Erfahrungen denn selbst auch immer die Notwendigkeit, erst einmal Eis zu brechen, um dazugehören zu dürfen, indem Sie Kulinarisches aus Ihrem Herkunftsland mitbrachten?



            Ich habe auch schon im Ausland gearbeitet aber zum Einstieg bisher keinmal Pumpernickel mitgebracht. Aber warum eigentlich nicht, das hätte was… wenn es erwartet würde, dass ich auf der Arbeit erst mal meine Herkunft thematisiere, fände ich das aber auch verkrampft oder unentspannt.



            Wer definiert die Entspanntheit bzw. die Verkrampftheit?

            • @gleicher als verschieden:

              Dass man bei einer neuen Arbeitsstelle erstmal mit den neuen Kollegen warm werden muß, ist völlig normal und geht auch einheimischen Kollegen so. Natürlich muß niemand beim Einstand heimische Spezialitäten präsentieren, Labskaus oder Pfälzer Saumagen wären in Süddeutschand keine gute Wahl. Aber wenn jemandem was anderes als Prosecco und Donauwelle einfällt (oder was es gerade an Fertigbackmischungen im Supermarktregal gibt), ist es doch toll?



              Ich wurde bei Dienstreisen ins Ausland immer in Restaurants mit lokalen Spezialitäten eingeladen und das war richtig klasse. Der kulinarische Teil der Gegenbesuche in Deutschland war anstrengender, aber mein Magen und meine Leber sind gut trainiert.

            • @gleicher als verschieden:

              Und wie ich das kenne, sowohl beruflich als auch privat. Seit Jahrzehnten werde ich im Ausland immer als erstes gleich mal aufs Oktoberfest angesprochen. Davor (in den 70ern und 80ern) war es das Nacktbaden im Englischen Garten. Mit beidem habe ich mich noch nie identifiziert, aber weil ich weiß, dass es nicht böse gemeint ist, sondern ein unbeholfener Smalltalk-Versuch, lächle ich sowas erstmal weg. Anderer Klassiker: welches Auto ich fahre, BMW? Auch da muss ich enttäuschen, aber auch das mache ich peu a peu. Ich gebe den Leuten erst einmal eine Chance, andere gute Seiten an mir zu entdecken.



              Krasse Erfahrung meines Schwagers im Iran: er wurde von einem alten Herrn voller Begeisterung auf Hitler angesprochen. Der hatte wohl das Ende des zweiten Weltkriegs noch nicht mitbekommen.



              Pumpernickel würde ich Ausländern bestimmt nicht servieren, das dürfte die meisten überfordern. Überhaupt deutsches Brot, das kommt am ehesten noch bei Finnen gut an. Weihnachtsplätzchen sind da schon besser geeignet.

          • @Oma:

            Was das Fazit betrifft bin ich ganz unbedingt bei Ihnen... Was alles soll denn noch Rassismus sein?



            Ich bin in mehr als vierzig Ländern unterwegs gewesen. Oft wochenlang fernab aller Straßen, begleitet von den unterschiedlichsten Einheimischen. Ich habe dabei so viele liebenswerte Leute kennengelernt und das fast immer als großen Gewinn betrachtet, mit all den Einblicken, derer man unterwegs teilhaftig wird. Und in den allermeisten Fällen wurde meine oft kenntnisfreie Nachfrage nach Alltagsdingen, Sitten oder Ritualen auch als das bewertet, was sie war: Wissensdurst, Neugier auf tieferes Verständnis. Jedenfalls aber nicht als Herabwürdigung oder Ausdruck rassistischer Überheblichkeit...

      • @Suchender:

        Ja vielleicht mag das angehen. War gut gemeint, nur dann landen wir bei "hätte", "könnte", "sollte" und lassen dabei aussenvor, das es gerade in Alltagssituationen viele Situationen gibt, in denen unbewusster Rassismus auftritt.

        Einen Menschen nur aufgrund seiner Hautfarbe in einer Fremdsprache anzusprechen gehört dazu.

        • @Sam Spade:

          Gelegentlich passiert mir dieser Fehler.

          Gelegentlich reagiert die direkt Angesprochene Person rassistisch, und bin ich selbstverständlich der Nazi, wenn ich freundlich auf einen gerade begangenen Verstoß (Grund der Ansprache, berufliche Hintergründe) hinweise.

          Schön ist es dann wenn neben mir mein nepalesisches, türkisches, afrikanisches Umfeld steht.

          Bei der Türkin wird das Wort an sie gerichtet, was sie mit dem Christen wolle :D

          In jeder anderen Situation bekomme ich zumeist ein schnelles - "Ich verstehe Deutsch" - dann kurze Entschuldigung - oder geht es auf Englisch bzw. Englisch/Spanisch weiter.

          Der Alltagsrassismus wird dann deutlich mehr verschwinden, wenn wir uns der simplen Höflichkeit besinnen. ;)

  • Anderssein ist immer mit Mehraufwand für Akzeptanz verbunden für diejenigen, die es betrifft. Ein Umzug in Deutschland reicht dafür aus. Vom Rheinland nach Schwaben oder andersrum. Der Neue muss sich beweisen, muss mehr bringen, als einer von den Gleichen, spricht nicht die gleiche Sprache, würde mit anderen Bräuchen sozialisiert. Auch kleine, dicke, oder sonstwie "andersartige" Menschen kennen das sehr gut. Die Hautfarbe ist natürlich auch so ein Kriterium. Nach meiner Erfahrung im Miteinander ist es in zivilisierten Kreisen in Deutschland nicht relevanter als die anderen genannten Kriterien. Aber auch nicht unrelevanter.

    • @Jens Köster:

      Aber genau das ist doch unser aller Rassismus hier, wenn wir den Rassismus in einen Topf werfen, zusammen mit Dialekten und Körperfülle und Gottweißwas und dann auch noch sagen: Komm damit klar! Menschen wie Sarah Vecera bedauern und beklagen sowas seit Jahren. Kommen irgendwie nicht damit durch. Genauso Mohamed Amjahid und Aladin El-Mafaalani und Lamya Kaddor. Oder Theodor Michael. Oder Hans J. Massaquoi.

      • @gleicher als verschieden:

        Bis zu einem gewissen Grad ist das genau die Aussage: komm damit klar. Z.B. wenn jemand Dich auf Englisch anspricht. Wenn Dein Aussehen thematisiert wird, weil es nicht Standard ist.



        Es gibt sehr viele Menschen, die aufgrund ihrer optischen Merkmale, oder Aussprache ähnliches erleben und nicht immer ist das Böse gemeint. Sei resilient. Und wenn Dir wirklich einer dumm kommt, dann lass es Dir nicht gefallen. Echte Diskriminierungen sind ernstzunehmen. Durch den Betroffenen selbst ebenso wie für seine Mitmenschen. Das gilt für rassistische Diskriminierung ebenso, wie für die anderen genannten.

        • @Jens Köster:

          Ich sehe nicht ein, warum ein Aussehen, das nicht Standard sei, überhaupt thematisiert werden muss. Man kann an der Stelle doch einfach mal nichts sagen.

  • Vor 1 Woche gab es hier einen Artikel, wo jemand mit Migrationshintergrund beschrieb, wie er immer deutlich mehr leisten muss, um das gleiche zu bekommen wie andere ohne seinen Hintergrund und sich dabei "kaputt arbeitet". Allerdings schrieben dann einige Leser, dass sie das auch kennen, weil sie aus anderen Gründen "nicht dazu gehören".

    Das kam wiederum bei einigen Lesern mit Migrationshintergrund nicht an, weil damit die konkrete Diskriminierung relativiert würde.

    Für mich stellt sich die Frage, ob dieses Trennende nicht von beiden Seiten immer wieder betont wird - dass es nicht der Fall sein sollte, dem stimme ich zu.

    • @Dr. McSchreck:

      Aber ist das nicht das beschriebene Problem? Etwas Trennendes wird als rassistisch und schmerzhaft beschrieben und mit einem Beispiel belegt. So wie Sie es sagen: IMMER WIEDER. Und immer wieder ÄNDERT sich einfach nichts. Immer wieder wieder kommt allenfalls ein Whataboutism, wie es neudeutsch oft heißt. Und mehr oder weniger subtil auch hier in Ihrem Beitrag, Herr Schreck. Da wird im Grunde noch mal aufgewärmt, dass es anderen Menschen als von Rassismus betroffenen doch irgendwie auch so geht. Und dann wird noch betont, dass man kein Rassist sein möchte, um das sagen zu dürfen. Niemand außer einer Minderheit WILL rassistisch sein. Aber wir, die wir das nicht sein wollen, sind es jeden Tag immer wieder.

      • @gleicher als verschieden:

        Aus einem ganz einfachen Grund:

        Habe über 8 Jahre mit mindestens 50 verschiedenen Nationen zusammengearbeitet - die unterschiedlichste Form der Wechselschicht.

        Die Türken verschwanden immer mal in der "persönlichen Verteilzeit" - es brauchte unter 2000 Menschen zwei Tunesier, ja auch mit Tunesiern befreundet gewesen, die mit Absicht Unruhe reinbrachten, weil wir Ihre Gebetszeiten nicht beachten würden - 1 Promille - von 2000 Leuten.

        Wer ein Stinkstiefel ist, wird immer nur seinen persönlichen Vorteil raussuchen - egal ob andere dann darunter leiden sollen.

        Selbst die türkischen Kollegen wiesen mehrmals diskret auf die Gepflogenheiten und Möglichkeiten hin, weil dies ein Miteinader sei.

        Nach drei Wochen hatten die beiden Herrschaften den Bereich verlassen müssen - und es zog wieder Frieden ein.

        • @Altbayer:

          Lieber Altbayer - nicht persönlich gemeint, wohl eher als Einzelfall:



          Am meisten fremd habe ich mich bisher in Bayern gefühlt, als ich für eine Weiterbildung mal 3 Monate da war.



          Es ist ein paar Jahre her, neue Erfahrungen habe ich nicht gemacht.

      • @gleicher als verschieden:

        Welche Lösung schwebt Ihnen denn vor? Mein Beitrag zielte eher darauf ab, das Gemeinsame aufzuzeigen, dass Menschen solidarisch sind, wenn sie erkennen, dass sie alle einen "Makel" haben, der sie für andere angreifbar macht und den sie nicht oder kaum beeinflussen können.

        Wenn man dagegen das Trennende betont, wird man eben auch die Trennung vestärken.

        • @Dr. McSchreck:

          Ich habe keine einfache Lösung parat. Konkret hier im Kommentar würde mir vorschweben, dass Sie diesen Hinweis oben einfach mal weggelassen hätten. Weil er aus meiner Sicht eher trennend als verbindend wirkt.

          • @gleicher als verschieden:

            Darauf möchte ich erwidern, dass weiter oben (derzeit ganz oben) auf ihre Herkunft aus anderen Milieus hinweisen, die ihnen auch das Gefühl vermittelt, nie richtig dazu zu gehören.

            Wieso soll es trennend sein, diese gemeinsame Erfahrung zu teilen und sich damit auch zu solidarisieren.

            Es gibt im englischen das Sprichwort, dass man den Kuchen nicht essen und behalten kann. So kommt mir das hier vor. Wenn man gleichzeitig betont, dass Ausgrenzung wegen der Hautfarbe oder Herkunft ganz etwas anderes ist als Ausgrenzung als "Dorfkind", "Ossi" oder "Arbeiterkind" - dann betont man ja selbst das Trennede.

  • Warum nicht einfach „nur“ MENSCH?

    Warum thematisieren wir immer noch Hautfarbe oder Nationalität?

    Warum sind nicht Respekt vor Werten, Gesetzen und Integrationswillen im Fokus?

    • @Sole Mio:

      @ Sole Mio



      Ja, am Integrationswillen der Weißen muss noch sehr viel geleistet werden. Unterstützen wir die Weißen dabei ❗️

    • @Sole Mio:

      Warum wir Hautfarben thematisieren?

      Weil wissenschaftlich belegt bereits Babys im Alter von 9 Monaten Menschen abgleichen, ob sie ihren Eltern phänotypisch ähneln.

      Insbesondere anhand der Hauttönung.

      Ähneln sie ihren Eltern nicht, erzeugt das Stress/Angst/ ...

      Warum wir Nationalität thematisieren?

      Weil bislang keine andere Ebene akzeptiert ist, um gesellschaftliche Solidarität zu legitimieren.

      Die berühmten Radwege in Peru oder die Reaktionen auf den 7.10. haben erst wieder vor Augen geführt, dass viele da nicht mitgehen.

      • @rero:

        Welche wissenschaftliche Untersuchung belegt dies angeblich?



        Außerdem kann man mit einer Hautfarbe geboren werden, die von der der Eltern abweicht, das kommt vor!



        Der Stress, den Sie nennen ist menschengemacht, ist kulturell, wenn es ihn gibt. Kann verlernt werden.



        Man kann sich das abgewöhnen anstatt es als irgendwie natürlich anzusehen.

      • @rero:

        Schade, dass Sie so denken.

        Wir waren in den 80/90ern als Jugendliche oder junge Erwachsene eine wirklich bunte Truppe mit vielen Nationalitäten und ebenso dunkelhäutige dabei.

        Jeder hatte Respekt vor dem anderen und es waren gefühlt auch weniger Gräben unter oder zueinander wie heute.



        Man hat sich geachtet und respektiert.

        Wo ist das nur geblieben?

        • @Sole Mio:

          Es kommt erfreulicherweise langsam ein wenig wieder.



          Weil es eben einfach auch die gemischten Gruppen langweilt, wenn eine einzelne Gruppe - nicht wir Bayern - ununterbrochen die Paschas im Hause sein möchten.

          Schön, wenn sich vieles bei den Jugendlichen selbst reguliert.

    • @Sole Mio:

      Mir reicht es schon, wenn sich jeder an die Verfassung und die Gesetze hält. Ansonsten kann jeder so leben, wie er will. Ich bin ich und du bist du - ist mein Motto.

      • @Il_Leopardo:

        Das sollte „die Mindestanforderung“ sein. Auch moralisch

  • Schwarze Menschen brauchen keine Zweifel an ihrer deutschen Identität haben, wenn sie sich ihrer Authenzität bewusst sind & auch leben.



    Da einige weiße ihrer Mitmenschen, oftmals nur aufgrund mangelnder Intelligenz und- / oder Verunsicherung & Unbeholfenheit sich nicht wie Weltbürger verhalten, könnten hier prophylaktische, während der Schulzeit weißer Schüler, ein verpflichtendes Schuljahr im Ausland fix für etwas Abhilfe schaffen können.



    Bei auffälligen älteren weißen Mitbürgern könnte ein freiwilliges, soziales Jahr im Ausland zur Verbesserung ihrer Umgangsformen gegenüber Schwarzen behilflich sein.

    • @Alex_der_Wunderer:

      Bloß mal so: Ihr freiwilliges Auslandsjahr ist dann auch wirklich freiwillig? Bei "auffälligen älteren Mitbürgern"? - Und wer wird das bezahlen wollen? Die Auffälligen doch eher nicht...

      • @Der olle Onn:

        @ Der olle Onn



        Einfach mit der Suchmaschine Ihrer Wahl eingeben :



        www.eirene.org



        Oder auch :



        www.weltwaerts.de

        • @Alex_der_Wunderer:

          Jo - das wäre Erst Schritt zwei. Der nämlich, der sich aus der "Freiwilligkeit" ergäbe. Und ebendie stelle ich bei den "auffälligen älteren Mitbürgern", die Sie thematisieren, vor allem in Zweifel...



          Aus eigener Reisetätigkeit weiß ich, wie heilsam Unterwegssein gegen Vorurteile sein kann, glaube aber kaum, dass man sowas verordnen kann. Mein eigener Großvater umrundete sein Dorf mit einer Schafherde. Der sagte: "Wenn ich den Kirchturm nicht mehr sehen kann bin ich krank..." Er hats mal für ne Woche zur Tochter nach Berlin geschafft. Seines Lebens größte Reise...

          • @Der olle Onn:

            @Der olle Onn



            Wie, & warum sollte man denn Meschen Glücklichsein verordnen ?



            Glücklichsein & Erfüllung & Zufriedenheit müssen die Menschen schon selber - von sich aus Anstreben.



            Bei Schülern sollten da ja ausser dem Elternhaus auch die Schulen einen Weg aufzeigen.

    • @Alex_der_Wunderer:

      Bin im Prinzip für den geförderten Auslandsaufenthalt. Aber aus anderen Gründen. Bin jetzt 50 und nur zweimal ins europäische Ausland gekommen. Neben dem grundlegenden Stress den das Reisen so mit sich bringen kann, halten mich aber auch meine Ängste davon ab. Im Prinzip die Angst etwas falsch zu machen. Ich habe schon genug Probleme mit der hiesigen Bevölkerung und bin ziemlich isoliert.

    • @Alex_der_Wunderer:

      Was ist denn eine "deutsche Identität"?

      • @Tom Tailor:

        @Tom Tailer



        Wohl alles was den Deutschen so Nachgesagt wird, leichte Bräsigkeit, weiße Socken in offenen braunen Sandalen, Obrigkeitshörigkeit, liebe für Schützenvereine, ganz wichtig Fußball, lautes Gröhlen, Fremdenhass oder mindestenseine Phobie auf alles was sie nicht kennen, Überpünktlichkeit, Verklemmtheit, Neid, Grillen bis der Arzt kommt, Bier saufen - am besten aus Dosen, Sparsamkeit, Sauberkeit bis zur Sterilität, kurz gemähter Rasen, olle Vorhänge vor den Fenstern, ach ja, unbedingt die saubere, polierte Karre vor der Tür...

        • @Alex_der_Wunderer:

          Hm. Dann bin ich wohl kein Deutscher.

  • Ich komme aus dem südwestlichen Teil Deutschlands - und ich habe ganz gewiss keine ungebrochen deutsche Identität. Eigentlich etwas verrückt, das im Kontext der Personen, die im Artikel beschrieben werden, überhaupt zu erwarten.

  • Aus der offiziellen Beschreibung des Wappens des Landkreises Freising: "Unter Schildhaupt mit den bayerischen Rauten gespalten von Rot und Gold, vorne ein linksgewendeter, rot gekrönter schwarzer Mohrenkopf mit rotem Ohrring, hinten eine silberne heraldische Rose."



    Und weiter:



    "Das gekrönte Mohrenhaupt galt vom Ende des 12. Jahrhunderts bis zur Säkularisation 1802/1803 als Hoheitszeichen des Bistums und Hochstifts Freising, dessen Kernland im heutigen Landkreisgebiet gelegen ist."



    www.kreis-freising...ng/das-wappen.html



    Wir alle gehören also seit mindestens 800 Jahren eng zusammen, wahrscheinlich sogar noch viel länger, nämlich seit die Römer den südwestlichen Teil Deutschlands zivilisiert haben. Da muss sich wirklich niemand dafür rechtfertigen, hier zu leben.

  • Wenn mich jemand in gutem Deutsch anspricht, ist er mir gleich sehr vertraut - egal, welche Hautfarbe er hat. So kann es passieren, dass ich mich in Gesellschaft einer Inderin, mit der ich ein nettes Gespräch beim Warten auf den Bus führe, sehr wohl fühle, während ich mich in Gesellschaft eines Menschen, der mich im dicksten Pfälzer Dialekt anspricht, fremd fühle.



    Sprache ist für mich schon immer sehr wichtig gewesen. Das liegt vielleicht auch daran, dass wir zu Hause erst sehr spät ein Fernsehgerät hatten, aber viele Hörspiele gehört und Bücher gelesen haben. Außerdem habe ich viele Jahrzehnte in einen Job gearbeitet, in dem das Zuhören wichtig war.

    • @Il_Leopardo:

      Wer mich in gutem Deutsch anspricht, kann doch auch ein Rassist sein! Es geht doch hier weder um gutes Deutsch noch um Dialekte.

      • @gleicher als verschieden:

        Hat also Zugehörigkeit, Identität nichts mit Sprache zu tun?

        • @Il_Leopardo:

          Nur, weil er oder sie gut Deutsch spricht, möchte ich mich einem Rassisten nicht zugehörig fühlen und mit einer Rassistin möchte ich mich auch nicht identifizieren.

          • @gleicher als verschieden:

            Sie wollen mich nicht verstehen. Was macht einen Deutschen zum Deutschen? Sicher nicht sein blondes Haar? Neben der deutschen Staatsangehörigkeit möglicherweise auch die Kenntnis der deutschen Sprache. Ich habe durch meinen Beitrag weiter oben doch einfach nur zum Ausdruck bringen wollen, dass ich mich der erwähnten Inderin durch die gemeinsame Sprache (dem Deutschen) näher fühle als einem deutschen Passhalter, der vielleicht nur einen Dialekt spricht, den ich nicht verstehe. Wenn ich deshalb in Ihren Augen ein Rassist sein sollte), dann kann ich's nicht ändern.

    • @Il_Leopardo:

      Es ist doch allgemein so, dass man mit Sprache ganz subtil Nähe herstellen kann.

      Da sind Sie wie wir alle.

      Es ist halt nur die Frage, in welcher Sprache man sich beheimatet fühlt.

      Wer den Pfälzer in Pfälzer Dialekt ansprechen kann, signalisiert sofort Gruppenzugehörigkeit.

      Das kann man natürlich auch bewusst setzen.

      In dieser Hinsicht ist es für Migranten von weit her schade, dass Dialekte in Deutschland auf dem Rückzug sind.

      Man kann sich von der Mehrheit optisch abheben, wie man will - sobald man den örtlichen Dialekt beherrscht, wirkt das anders.

      • @rero:

        MP wird, wer am besten schwäbisch schwätzt.

      • @rero:

        Absolut, mein fränkischer Opa war immer skeptisch gegenüber Migranten bis einmal ein aus Afrika stammender Mitschüler meines Cousins ihn in breitestem Fränkisch angesprochen hat, was seine Enkel nie so hingekriegt hätten, er hat über das ganze Gesicht gestrahlt und sich immer gefreut wenn er zu Besuch kam.



        Ich kann leider kaum fränkisch, ich bin im Ausland in Preußen aufgewachsen.:-)

      • @rero:

        Dann wollte der Pfälzer mich wohl ausgrenzen! Nehmen Sie es nicht so ernst. Vielleicht konnte er kein Hochdeutsch. Ansonsten hätte ich schon etwas Rücksicht erwartet. Er kann doch nicht erwarten, dass ihn hier in Frankfurt irgend jemand versteht.

  • Ich habe ein Jahr lang in England gelebt, eines in Asien und ich habe in beiden Ländern nie dazu gehört. Gerade in Asien wären weder ich noch meine Kinder jemals assimiliert worden. Das ist doch eigentlich ganz normal.

    Und selbst wenn man Deutschland als Einwanderungsland anerkennen wollen würde, dann ist das ja lange noch keine Erfolgsgeschichte. Die geforderte gesellschaftliche Anerkennung hätte daher auch keinerlei Folgen.

    • @DiMa:

      Wenn man von Assimilation statt Integration spricht, wundert es nicht, dass man im Ausland keinen Anschluss findet. In West Afrika habe ich, fast ausschließlich, nur gute Erfahrungen gemacht. Ich wurde immer Akzeptiert, da ich allen Menschen auf Augenhöhe begegne, mich auf andere Kulturen einlassen kann und Deutschland für mich nicht das Maß aller Dinge ist. Afrikaner haben es in Deutschland viel schwerer dazu zu gehören. Was vor allem an den Deutschen und ihrer Mentalität liegt.

      • @Andreas J:

        "Was vor allem an den Deutschen und ihrer Mentalität liegt."

        Das ist mir zu pauschal und aus eigener Erfahrung heraus, kann ich das auch nicht bestätigen.

        Es gibt aufgeschlossene Deutsche, weniger aufgeschlossene und Deutsche die alles Fremde ablehnen oder mit Misstrauen begegnen.

        Eine Mentalität halt wie sie in vielen europäischen Ländern anzutreffen ist.

        Auch den oftmals ins Feld geführten Mangel an Weltgewandheit der Deutschen, wie sie Briten und Franzosen aufgrund ihrer Historie gerne zugesprochen werden, halte ich für ein Klischee.

        Während meiner Zeit in Deutschland habe ich viel integrierende Aspekte vernommen. Im Gegensatz zu meiner Studienzeit in Großbritannien. Der Standortfaktor ist dabei natürlich auch entscheidend.

        Leben sie als Deutscher einfach einmal eine Zeit lang hier bei uns in Norwegen. Abseits der Metropolregion werden sie sozial isoliert sein. Da nutzt Aufgeschlossenheit wenig.

        Die Liste der deutschen Einwanderer die hier keinen Anschluss gefunden und Norwegen den Rücken gekehrt haben ist lang.

        Da brauche ich auf die Somalier die in Norwegen leben gar nicht erst gesondert hinweisen.

        • @Sam Spade:

          Ich arbeite ehrenamtlich in afrikanischen Vereinen und Verbänden und bin mit vielen Afrikanern befreundet. Ich kenne deren Alltag, ihre Familien und Erfahrungen. Natürlich sind nicht alle Deutschen so, aber mehr als die Deutschen wahr haben wollen. Als Nichtbetroffener bekommt man eher wenig davon mit und das äußert sich nicht nur in offener Ablehnung, sondern oft unterschwellig. Ich kenne auch zwei schwarze Führungskräfte, die für US-Unternehmen nach Deutschland kamen. Beide sind nach einem Jahr wieder gegangen, weil sie als Führungskräfte von Deutschen nicht akzeptiert wurden. Schwarze werden nur als Untergebene akzeptiert. Was im Essay beschrieben wurde, kann ich alles bestätigen. Die Offenheit und Toleranz mir gegenüber, die ich in West-Afrika erfahren habe, erleben viele Afrikaner hier eher weniger.

      • @Andreas J:

        An Akzeptanz fehlte es mir bisweilen auch nirgends und über eine fehlende Akzeptanz habe ich mich auch nicht beschwert. Ich für meinen Teil verlasse dieses Land dieses Jahr und werde zukünftig Gast in meiner neuen Wahlheimat.

        Es geht um Identität und da habe ich einfach Zweifel, dass dies so enfach ist, wie sich die Autorin das vorstellen möchte. Nehmen wir beispielsweise die USA als ganz klassisches Einwanderungsland. Dort spielt die Abstammung (ganz ungeachtet der Staatsbürgerschaft) auch nach vielen Generationen ganz selbstverständlich eine Rolle bei der eigenen Identität der Menschen.

        Und die Autorin beschreibt ja selbst, was derzeit passiert. Wir leben in eigenen Bubbles (sei es nun familiär oder sozioökonomisch). Das ist nichts anderes als der Zerfall der Gesellschaft in viele kleine Parallelgesellschaften.

        • @DiMa:

          Dann müssen sich sich fragen worauf die eigene Identität beruht. Meine steht mir im Umgang mit Menschen aus anderen Kulturen nicht im Weg. Werder hier, noch im Ausland. Die USA haben auch gewaltige Probleme mit Rassismus. Natürlich führt das zu Bubbles, was man aber nicht den Betroffenen von Rassismus und Ausgrenzung anlasten kann.

    • @DiMa:

      In einem Jahr wird man nicht einmal ein Südhesse, wenn man aus Nordhessen oder Unterfranken stammt. Dafür braucht man eine ganze Generation.

  • Ja, bayesianische Wahrscheinlichkeit besagt immer noch, dass jemand mit schwarzer Hautfarbe hierzulande wahrscheinlicher keinen deutschen Pass hat, vielleicht Gaststudi, GI, Tourist, Flüchtender, ... ist als eine äußerliche Stumpfblondgrete/-gert. Das als mildernde Umstände, wobei die äußerliche Bandbreite von "klassisch" deutsch schon sehr weit liegt und dank maurischer Legionen gewisse bayrische Gegenden schon früher da etwas zeigten.



    Gleichwohl kann mensch ja mal mit Deutsch beginnen und nicht mit Englisch, Französisch, Portugiesisch oder so.



    Ausnahme: die Afrikanistikprofessorin, die an einem Akzent eine Heimatsprache heraushören mag und die so gerne mal wieder spricht.

    • @Janix:

      Tja, was einst als Ausdruck von Höflichkeit galt, wird heute als systemischer Rassismus - unter mildernden Umständen natürlich - wahrgenommen. Ironischer Weise riecht das " das mit Deutsch beginnen" -Statement doch auch etwas - sagen wir mal - patriotisch.

  • Das Problem, wenn mensch zu einer Minderheit gehört, ist aber leider, dass mensch die Ausnahme ist. 1,27 Millionen Menschen mit afrikanischem Hintergrund sind 1,5 Prozent. Unter Tausend Personen sind es im Schnitt 15 und bei 10 sich zufällig begegnenden Personen 0,15. Das betrifft ja auch andere Minderheiten. Taube Menschen, trans* Personen, Bhutaner*innen in Deutschland sind gezwungen einen Umgang damit zu finden, dass der überwiegende Teil der Menschen nie so vorgebildet und reflektiert über ihre Hintergründe Bescheid weiß, wie mensch sich das wünscht. Und genau deshalb gibt es Selbstorganisationen, Empowerment, Safer Spaces, um damit einen Umgang zu finden und die Notwendigkeit, Allianzen zu bilden, um Druck für Veränderung aufbauen zu können. Reines Anklagen mag ab und an gehört werden, aber verpufft auch wieder.



    Wo dieser Essay für mich offen bleibt: Inwiefern hilft der Fokus auf weiß und deutsch in einer Migrationsgesellschaft? Wer ist das Gegenüber einer solchen Diskussion in einer Stadt wie Berlin? Wer ist das Gegenüber in Neukölln, in Offenbach oder Pforzheim? Was ist die Erwartung an eine deutsch-weiße Minderheit? Welche Erwartungen gibt es an die Minderheiten-Mehrheit?

    • @DieLottoFee:

      Für den Fokus auf weiß sorgen wir selbst, durch rassistische und diskriminierende Verhaltensweisen gegenüber Migranten.