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Tausend Hitzetote in einer WocheDas unerhörte Massensterben

Gereon Asmuth

Kommentar von

Gereon Asmuth

Ende Juni starben in Deutschland 4.300 Menschen an Hitze – eine Katastrophe wie ein schweres Erdbeben. Ein Krisenstab auf höchster Ebene ist überfällig.

I n Venezuela gab es vor fast zwei Wochen ein dramatisches Erdbeben mit Tausenden Toten und noch immer viel mehr Vermissten. Die Regierung dort wird von Rettungsinstitution für ihre zögerliche Arbeit heftig kritisiert. Aber immerhin nennt sie, wenn auch zögerlich Opferzahlen: 3.685 Tote wurden bisher offiziell gezählt. Gut, dass wir in Deutschland leben? Da würde die Regierung doch sofort …

Aber nein. Zeitgleich zum Doppelbeben in Südamerika überzog eine der heftigsten Hitzewellen Europa. In Deutschland wurden täglich neue Rekordtemperaturen gebrochen. Die Autobahnen bröckelten, was immerhin ein paar Leute aufregte. Und seit Donnerstag ist bekannt: Innerhalb nur einer Woche starben in Deutschland laut Robert Koch-Institut (RKI) mehr als 4.300 Menschen an Hitze. Laut Statistischem Bundesamt gab es in der letzten Juniwoche sogar 6.800 Tote mehr als zwei Wochen zuvor – eine Übersterblichkeit um 30 Prozent.

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Zahlen wie zu Corona-Weihnachten 2020

Um die Dimension dieser Zahlen zu verstehen: Solch dramatisch überhöhten Sterbezahlen pro Woche gab es selbst während Corona nur rund um Weihnachten 2020, als das Land in der zweiten Pandemiewelle komplett im Lockdown war und es noch keine Impfungen gab. Hitzetote gab es zwar auch schon in den Vorjahren, aber zumeist waren es laut RKI weniger als 3.000. Der Spitzenwert im Jahr 2018 lag bei 8.000 Hitzetoten – im ganzen Jahr und nicht in einer Woche.

Kanzler Friedrich Merz hat die Wörter Hitzewelle oder „Hitzedom“ nicht einmal angesprochen.

Was macht die Bundesregierung angesichts dieser nationalen Katastrophe? Kanzler Friedrich Merz hat die Wörter „Hitzewelle“ oder „Hitzedom“ nicht einmal angesprochen. Dabei hatten erst kurz vor der Hitzewelle 150 Organisationen mit einem Appell darauf hingewiesen, dass Deutschland nicht im Geringsten auf drohende Hitzedome vorbereitet sei. Und dass es im Extremfall bis zu 10.000 Tote binnen weniger Tage geben könne. Was in manchen Ohren nach Panikmache klang, ist noch im selben Monat Realität geworden.

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Besonders die Ältesten und Schwächsten trifft es

Wie schon bei Corona trifft es auch diesmal insbesondere die Ältesten, die Schwächsten. Wenn in einem Seniorenheim Dutzende Menschen durch ein Feuer sterben würden, wäre die Betroffenheit groß. Wenn sie an der Hitze krepieren, weil Klimaanlagen fehlen und selbst Notaufnahmen in Kliniken nicht auf Hitze ausgelegt sind, ist das nur noch mehr Öl ins Feuer des Klimawandels. Und niemand aus der Regierung schaut hin.

Nichts weniger als ein Krisenstab auf höchster Ebene ist angemessen, der dem mittelfristigen Umbau der Städte in hitzeresiliente Orte Dampf macht. Der Klimapolitik allerhöchste Priorität zumisst und sich um die sofortige Kühlung der bedrohtesten Hotspots kümmert. In den nächsten Tagen droht vor allem im Südwesten Deutschlands wieder eine zunehmende Hitzebelastung. Und wieder werden Menschen sterben.

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Gereon Asmuth

Gereon Asmuth Ressortleiter taz-Regie

Leiter des Regie-Ressorts, das die zentrale Planung der taz-Themen für Online und Print koordiniert. Seit 1995 bei der taz. 2000 bis 2005 stellvertretender Leiter der Berlin-Redaktion. 2005 bis 2011 Leiter der Berlin-Redaktion. 2012 bis 2019 Leiter der taz.eins-Redaktion, die die ersten fünf Seiten der gedruckten taz produziert. Hat in Bochum, Berlin und Barcelona Wirtschaft, Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation und ein wenig Kunst studiert. Mehr unter gereonasmuth.de. Bluesky:@gereonas.bsky.social Mastodon: @gereonas@social.anoxinon.de Foto: Anke Phoebe Peters
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1 Kommentar

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  • Hitzetote bei unzureichender Klimatisierung von Krankenhäusern und Altenheimen, Schulen und Kitas - Wozu haben wir ein Wirtschaftsministerium?.



    Vorschlag für gesellschaftlich nützlichen Wirtschaftsleistung statt Marktreligion: Klimatechnik statt SUVs und Arbeitsplatzabbau.



    Notwendig sind Klimatisierunglösungen nach folgenden Kriterien:



    1. Überproduktionsspitzen bei Solaranlagen und der Bedarf an Klimatisierung fallen zeitlich zusammen - Klimatisierungsbetrieb mit auf Basis der Solarproduktion drängt sich als Lösung geradezu auf. Das geht ohne fossile Energie und Netzausbau besonders gut mit dezentralen, autarken, leicht installierbaren Kombi-Lösungen mit neuen oder bestehenden Solaranlagen.



    2. Die neue Generation von Klimageräten muss folgende Anforderungen erfüllen:



    - einfache Installation



    - hohe Effektivität



    - weitgehende Verwendung gut verfügbarer, preiswerter Rohstoffe



    3. Kapazitäten für Massenproduktion auf Basis bewährter automatisierter Anlagen.



    4. Vielleicht helfen Erfahrungen aus der Corona-Zeit: damals haben Ingenieure mit Elternverantwortung sich um die Entwicklung von unkomplizierter Lüftungstechnik mit Funktionalität für Infektionsschutz bemüht.

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