Großbrand im Hohen Venn : Gigantische ökologische Tragödie
Der Brand im Hohen Venn zerstört vermutlich dauerhaft eine einzigartige Moorlandschaft. Aber die deutschen Medien berichten über Rauchgeruch in Köln.
Foto: Bruno Fahy/Belga/dpa
M an kann ein beliebiges deutsches Medium verfolgen: Immer wieder sollen wir über den fürchterlichen Großbrand im belgischen Hohen Venn erfahren und wie weit die Flammen hochheiliges deutsches Staatsgebiet bedrohen: nur noch 2,3 Kilometer. Der Feuerschein ist keine 400 Meter entfernt zu ahnen. Müssen Menschen in einem Zipfel von Kalterherberg in der Nähe von Aachen evakuiert werden?
Hallo! Zunächst mal geht es um BelgierInnen, die zu Hunderten bereits Hab und Gut zurücklassen mussten. Vor allem aber ist – solange es keine ernsthaft Verletzten und Toten gibt – die grenzüberschreitende ökologische Katastrophe von Belang. Ein Drittel des größten Hochmoores Europas ist vernichtet, über 3.000 Hektar. Ein einmaliges Naturschutzgebiet existiert nicht mehr. Die Torfschichten, entstanden in der Eiszeit vor 11.000 Jahren, enthalten Pollen, Pflanzenreste, Mikroorganismen und gelten als Archiv der Umweltgeschichte. Alles weg. Ein ökologischer Totalschaden ereignet sich vor unserer Haustür – und wir sollen erfahren, ob Onkel Ernst sein Urlaubsquartier am Bütgenbacher See zwei Tage früher verlassen muss?
Ein Abt der Gegend schrieb einmal, im Venn gebe es keinen Horizont, keine Grenze, „sondern Endlosfülle“. Niemand weiß, ob sich diese Endlosfülle wieder erholen kann wie nach dem viel kleineren Brand 2011. Oder ob der Torf metertief dauerhaft zerstört ist. Moore speichern exorbitante Mengen CO2. Statt Moor-Renaissance entsteht womöglich eine dauerhafte Mondlandschaft: größte Tundra Mitteleuropas? Endlosleere.
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Auch der Venn-Brand ist menschengemacht. Aktuell entflammt durch irgendeinen Raucher oder eine Grillerin. Wegen der Klimakatastrophe und ortshistorisch: Das Moor wurde einst in Teilen trockengelegt, um es mit Fichten holzgierig aufzuforsten. Jetzt sind exorbitante Mengen Feinstaub und Kohlendioxid freigesetzt. Das ist eine gigantische ökologische Tragödie. Und wir erfahren: Der Rauch war kurzfristig sogar in Köln zu riechen, fast 100 Kilometer entfernt. Kurz darauf aber nicht mehr. Wie beruhigend!
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