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13.07.2026 , 19:07 Uhr
Mehr Drama nicht, aber es ging da nicht um überbordende Bürokratie. Die Kasse ist für Hilfmittel zuständig, die bewohnerbezogen eingesetzt werden. Die Einrichtung für Hilfsmittel, die nicht bewohnerbezogen eingesetzt werden. In dem Fall ging es um ein Hilfsmittel, das bewohnerbezogen eingesetzt werden sollte, hypothethisch aber auch nicht bewohnerbezogen genutzt werden könnte, falls die Bewohnerin mal versterben sollte. Die Bewohnerin bezog Hilfe zur Pflege, nach Abzug der Zuzahlungsbefreiung keine 150€ im Monat und davon gingen dann noch Kosten für Medikamente ab, die die Kasse nicht trägt. Die Entscheidung lag aber bei der gesetzlichen Betreuung, die dafür nicht die Mittel der Bw. einsetzen wollte, weil ja entweder Kasse oder Einrichtung zuständig waren. Die 20€ hätte ich nicht wieder gesehen. Ist so. Und ich habe zwar schon Dinge für die Arbeit besorgt, aber ich habe halt auch 27 Bewohner Ich hätte etliche Beispiele, die eine Nummer oder auch mehrere kleiner sind, man spart 10cent an einer Inkontinenzvorlage, wodurch das Bett nass wird, die Wäscherei berechnet etwa 1€ pro bereitgestelltem Laken und über 5€ für eine Inkontinenzunterlage.
zum Beitrag11.07.2026 , 13:10 Uhr
Pflegeeinrichtungen können in den Pflegesatzverhandlungen nur die gesetzlich geforderten Maßstäbe einbringen. D.h. die Pflegekassen würden es ablehnen die Kosten für den Einbau einer Klimaanlage als Investitionskosten zu berücksichtigen. Wenn die Einrichtung an die 3% Kapitalrendite gehen würde, die die Kasse ihr zur Bildung von Rücklagen zugesteht, dann würde sie diese im Folgejahr kürzen, im Zweifel auch unter 0. Aber wenn jetzt über ein Konstrukt wie einen Förderverein die Mittel zum Einbau da wären, bliebe noch der Betrieb. Der fällt unter den Posten für Unterkunft und Verpflegung und da würde die Pflegekasse nicht intervenieren... Dafür aber das örtliche Sozialamt. Denn wenn auch nur ein Bewohner Hilfe zur Pflege erhält, prüft das Sozialamt, ob Leistungen erbracht werden, die über die Leistungen der Grundsicherung hinausgehen (deshalb ist das Essen in Heimen oft so miserabel - aus dem Satz für Nahrung in der Grundsicherung müssen Lebensmittel aber auch die Küchenkräfte bezahlt werden). Und Klimaanlage ist nicht im Regelsatz, wird also gestrichen.
zum Beitrag11.07.2026 , 12:21 Uhr
Ein weiteres Besipiel: Beatmungs-WGs. Ein Beatmungspatient im Krankenhaus kostet um die 30.000€/Monat. In der eigenen Häuslichkeit mit außerklinischer Intensivbetreuung ca. 25.000€. In einer Beatmungs-WG kostet das bis 15.000€. Die Krankenkasse zahlt aber aktuell ~25.000€ - es fallen bei diesen Einrichtungen also Übergewinne an und das nicht zu knapp. Seit Jahren gibt es da Reformvorschläge, aber die laufen jedesmal darauf hinaus, dass die Krankenkasse einfach gar nichts mehr zahlt, dann wären die Beatmungs-WGs nicht mehr zu betreiben. Eine Lösung bei der die Kasse 15.000€ zahlt, also ein kostendeckender Betrieb möglich ist und im Vergleich zur 1-zu-1 Betreuung zu Hause oder der Aufnahme im krankenhaus deutliche Ersparnisse anfallen kam aus dem Gesundheitsministerium soweit mir bekannt bislang nicht.
zum Beitrag11.07.2026 , 12:13 Uhr
Zum einen sind gesundheitliche Outcomes nicht nur vom Gesundheitssystem abhängig - andere Faktoren spielen auch eine wichtige Rolle und würden in anderen Bereichen reguliert werden. Zum anderen geht es of um Detaillösungen und das Gesundheitssystem in D ist im Gegenzug häufig darauf aus zu pauschalisieren. Ich habe als Pflegefachkraft mal ein Hilfmittel für etwa 20€ für eine Bewohnerin benötigt. Weil die Zuständigkeit in einen graubereich fiel und unklar war, ob es von Träger der Pflegeeinrichtung oder der Krankenkasse bezahlt werden musste, namen da zwei Rechtsabteilungen die Arbeit auf, in Vorleistung ging keine Seite, ich bekam das Hilfmittel nicht. Die Bewohnerin hatte dann den Schaden, der mit dem Hilfsmittel vermieden werden sollte, was den Träger ungefähr 30.000€ an Arbeitsleitung gekostet hat und die Krankenkasse um die 50.000€ an Behandlungskosten. Das treibt die Kosten im System und bei den großen Reformen kommt am Ende eher ein "Ab jetzt gibt es das Hilfmittel aus Prinzip nicht" heraus.
zum Beitrag01.04.2026 , 16:54 Uhr
Die Welt ist größtenteils stochstisch und nicht-linear. Um sie handhabbarer zu machen greifen wir zum Gesetz der großen Zahl (dann wird's deterministisch) und zur Taylor-Näherung (dann wird's linear). Unterkomplex wird es immer dann, wenn die Näherung nicht gut ist, die CDOs sind wertlos, aber AAA geratet, weil die Bank das Produkt so kompliziert gemacht hat, dass die Rating Agentur nicht erkennen konnte, das der Fehler, der durch Anwendung des GdgZ entsteht nicht klein ist - Unterkomplex. Jemand sagt Merkmal X sei zu 73% genetisch bedingt - unterkomplex, schon die einfachsten Merkmale zeigen so nicht-lineares Verhalten, dass man mit einer Varianzanalyse vor die Wand fährt. Allerdings finde ich es deutlich leichter Unterkomplexität (eines modells) zu definieren, als Komplxität selbst, zumal darum eben Jahrzente andauernde Diskuse in verschiedenen Disziplinen bestehen. Richtig aber darauf hinzuweisen, dass komplex eben nicht kompliziert heißt, auch sehr komplizierte Modelle können unterkomplex im oben genannten Sinn sein, umgekehrt können sehr unkomplizierte Dinge sehr komplex werden. Aber in den meisten Beispielen wäre es besser von der eigenen Perplexität zu reden.
zum Beitrag19.09.2024 , 11:52 Uhr
Hogben, L. (1931) "Genetic principles in medicine and social science"126ff. zeigte schon das fundamentale Problem, Rassisten verstiegen sich daraufhin darauf, das FSTs es beheben könnten. Erste Messungen von FSTs bei Menschen basierten auf Eiweißen und auch da kam raus, dass es keine Rassen gibt (das war dann in den 60ern und 70ern). Daraufhin einigte man sich bei den Rassisten darauf, dass wohl im nicht-kodierenden Teil des Genoms noch irgendwas sein könnte. Da gab es aber auch weit vor dem HGP schon etliche Studien, die zeigten, dass dem nicht so war. Die neuste Veriante ist die Synonymisierung von Rasse mit Y-Haplotypen, die es ja zumindest gibt. Aber man siehts halt niemandem an, ein ordentlicher Anteil der Menschheit hat keinen und man fragt sich, ob die Fans dieser Version zumindest mal ihren eigenen haben bestimmen lassen, nicht dass am Ende rauskommt, dass Björn Höcke vom Y-Haplotyp her ein Aborigine ist und sich in den australischen Busch remigrieren muss.
zum Beitrag25.04.2024 , 17:54 Uhr
Ist es möglich, das Hamburg die Grundlage für das PeBeM schaffen will, das eine Fachkraftquote von 40% vorsieht, bei der die Anzahl der Fachkräfte allerdings nicht gesenkt wird? Bei einer starren Quote von 50% gilt: Wenn eine Fachkraftstelle nicht besetzt werden kann, dann wird auch eine Helferstelle nicht besetzt. Das dies der Qualität dienlich sei, oder die Arbeitsbedingungen verbessern würde, halte ich für ein Gerücht. Das mit dem PeBeM die zu besetzenden Stellen unabhängig voneinander werden sollen, ist ein Fortschritt, der allerdings bislang in kaum einem Bundesland umgesetzt ist, nicht zuletzt weil die Fachkraftquote als heilige Kuh gilt und offensichtlich auch direkt Gegenwind kommt, wenn sie angetastet wird. Aber die Studie zum PeBeM hat gezeigt, das Fachkräfte sehr viel Zeit mit Tätigkeiten verbringen, die eben nicht ihre Qualifikation benötigen. Es haben heute in Deutschland Pflegefachkräfte Betten bezogen, Getränke nachgeschüttet und Brote geschmiert. Sie haben Inkontinenzartikel gewechselt und Rücken gewaschen, die eine Hilfskraft nicht schlechter gewaschen hätte. Gleichzeitig haben sie Beratungsgespräche nicht geführt, Pflegeplanungen nicht evaluiert, Hilfskräfte nicht angeleitet, Faxe an die Ärzteschaft nicht geschrieben, die eigentlich geführt, evaluiert, angeleitet und geschrieben hätten werden müssen. Die Fachkraftquote ist nicht das entscheidende - Wenn eine Fachkraft mit 2 Hilfskräften für 19 Bewohner zuständig ist, dann ist das besser als wenn eine Fachkraft mit einer Hilfskraft für diese 19 Bewohner zuständig ist. Ich bin diese Fachkraft und krakheitsbedingt fehlt mir in der Frühschicht aktuell ein Kopf (Die Quote von 50% wird über den Tag erreicht (1 PFK, 2HK morgens, 1/1 Nachmittags und 1 Fachkraft in der Nacht).
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