Studie zur extremen Hitze: Ohne Klimawandel wäre das unmöglich
Fossile Energienutzung hat die aktuelle Hitzewellen in Europa massiv verschlimmert, zeigt eine Untersuchung. Der Zusammenhang sei „eindeutig“.
Für die aktuelle Hitzewelle über Europa ist „eindeutig“ der Klimawandel und damit der Mensch selbst verantwortlich, wie es in einer am Freitag veröffentlichten Schnellstudie des Forschungsnetzwerks World Weather Attribution heißt. Noch vor 50 Jahren sei ein derartiges Wetterereignis „praktisch unmöglich“ gewesen.
Das Vorgehen der Wissenschaftler*innen: Vereinfacht gesagt vergleichen sie unter dem Einsatz von Klimamodellen die reale Welt mit einer, in der es die menschengemachten Treibhausgase nicht gibt oder weniger von ihnen. Dann gucken sie, ob das aufgetretene Wetterereignis in der einen wahrscheinlicher war als in der anderen. Den Unterschied kann man dann dem Klimawandel und der Nutzung fossiler Energieträger zuordnen.
Mittel- und Westeuropa sind seit mehr als einer Woche von einer extremen Hitzewelle mit Temperaturen bis um die 40 Grad betroffen – in mehreren Ländern wurde die nationale Allzeitmarke geknackt: 37 Grad in Dänemark, 39 Grad in der Schweiz, in Tschechien 40,9 Grad – mit enormen Auswirkungen auf Gesundheit und Wirtschaft. Frankreich meldet die Gesundheitsbehörde rund 1.000 Todesfälle mehr als im Durchschnitt.
Sie nutzen Google? Sie wollen beim Googeln taz-Texte besser finden? Dann können Sie mit einem Google-Konto die neue Funktion „bevorzugte Quellen“ nutzen. Um die taz als „bevorzugte Quelle“ einzustellen, müssen Sie nur diesen Link anklicken und einen Haken setzen. Fertig.
Sie wollen Google meiden? Kein Problem, es gibt zahlreiche Alternativen. Stellvertretend erwähnt seien Ecosia, DuckDuckGo oder Startpage.
Mehr Details zur Funktion „bevorzugte Quelle“ bei Google finden Sie hier.
Ursache ist eine große Warmluftmasse aus Afrika, die von einer stark ausgeprägten Hochdruckzone an Ort und Stelle gehalten wird, die die Hitze wie eine Art Kuppel umschließt. Expert*innen sprechen von einem Hitzedom.
Vergleiche mit 1976
Unter anderem verglich das Forschungsteam das aktuelle Wetter mit den Bedingungen von 1976 – einem Jahr, in dem es ebenfalls eine bis dato unvergleichliche Hitzewelle gab. Eine mit der aktuellen vergleichbaren Hitzewelle im Juni wäre damals noch tagsüber um 3,5 Grad und nachts um 2,4 Grad kühler gewesen, berechneten die Expert*innen.
World Weather Attribution ist ein Projekt, dass unter anderem die Klimawissenschaftlerin Friederike Otto vom Londoner Imperial College gegründet hat. Sie gilt als eine Pionierin der sogenannten Attributionsforschung, die nach dem Anteil des Klimawandels an Extremwetterereignissen sucht.
Das Besondere: Die Wissenschaftler*innen führen die Studien in Eigenregie durch – und veröffentlichen sie gleich selbst, statt erst in Fachmagazinen. Das hat den Vorteil, dass sie die Öffentlichkeit schon kurz nach oder sogar während Extremwetterereignissen informieren können. Es heißt auch, dass die Studien nicht durch die üblichen monatelangen Prüfverfahren von unbeteiligten Fachkolleg*innen gehen. Es werden aber nur Methoden genutzt, die diese Prüfverfahren schon durchlaufen haben.
Die taz gehört zu 100 Prozent ihren Leser:innen und ist damit nicht nur konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung für taz zahl ich. Unser nächstes Ziel: 50.000 – wir brauchen nur noch 90 Freiwillige, dann haben wir es geschafft! Setzen Sie jetzt ein Zeichen für die taz und machen Sie mit. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen
meistkommentiert