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Reform des HeizungsgesetzesFreiheit zum absoluten Blödsinn

Susanne Schwarz

Kommentar von

Susanne Schwarz

Als stünde Deutschland nicht eh schon vor dem Problem, die Klimaziele absehbar zu reißen: Jetzt soll es immer weiter neue Öl- und Gasheizungen geben.

In Zukunft soll sich je­de*r wieder jede noch so klimaschädliche Heizung einbauen dürfen Foto: Zoonar/totalpics/imago

D ie schwarz-rote Bundesregierung behauptet frech, sie werde die deutschen Klimapflichten erfüllen – dabei ist das Gegenteil offensichtlich. Das Heizungsgesetz der Ampel-Regierung, das Deutschlands noch größtenteils fossile Wärmeversorgung nach und nach erneuerbar gestalten soll, will sie völlig entkernen. Das zeigen die Eckpunkte zur geplanten Reform, auf die sich die Fraktionsspitzen der Unionsparteien und der SPD am Dienstagabend geeinigt haben.

In Zukunft soll sich je­de*r wieder jede noch so klimaschädliche Heizung einbauen dürfen. Gas, sogar Öl – alles wieder drin. Überraschend kommt das nicht, die Ansage im Koalitionsvertrag lautete schließlich: „Wir werden das Heizungsgesetz abschaffen.“ Doch die Hoffnung blieb, dass die SPD sich doch noch daran erinnern würde, dass das ursprüngliche Heizungsgesetz ja ein Projekt der von ihr geführten Regierung war.

Die Union hat sich aber vollends durchgesetzt. Das zentrale Element des Heizungsgesetzes soll gestrichen werden. Das besteht darin, dass neue Heizungen zu 65 Prozent erneuerbar betrieben sein müssen. Der Clou liegt nicht in der konkreten Zahl, sondern vor allem darin, dass damit nicht einfach nur herkömmliche Öl- und Gasheizungen eingebaut werden dürfen. Für Neubauten gilt die Regelung seit 2024, für den Bestand gibt es Übergangsfristen.

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Die Eckpunkte von Schwarz-Rot sehen nun eine „Bio-Treppe“ für neue fossile Heizungen vor. Das heißt, dass die klimaschädlichen Anlagen ab 2029 einen zunehmenden Anteil ‌CO₂-neutraler Brennstoffe wie Biomethan oder synthetische Treibstoffe nutzen müssen. Doch die sind rar und werden ohnehin in der Industrie viel dringender gebraucht. Die Knappheit bedeutet außerdem hohe Preise. Durch den CO₂-Preis wird auch das fossile Öl und Gas zunehmend teurer.

CO₂-Preise treiben Kosten für Öl und Gas hoch

Verbraucher*innen, die jetzt noch auf neue Öl- und Gasheizungen setzen, dürften also früher oder später in die Kostenfalle tappen. Das gestehen auch die Regierungsparteien ein. „Da muss ich als Verbraucher oder Verbraucherin abwägen, ob ich mich diesem Risiko der steigenden CO₂-Preise aussetzen will“, sagte SPD-Fraktionschef Matthias Miersch bei der Vorstellung der Eckpunkte. „Aber es gibt eben diesen Freiheitsaspekt.“ Wie bitte? Die Freiheit zum absoluten Blödsinn?

Der Staat hat den Bür­ge­r*in­nen gegenüber eine Schutzpflicht. Deshalb gibt es auch nicht die Freiheit, Häuser ohne Standsicherheit zu bauen, ohne Gurt Auto zu fahren und vieles Weitere. Er muss Bür­ge­r*in­nen auch vor der existenzbedrohenden Klimakrise schützen. Das ist gesunder Menschenverstand, aber auch verfassungsgerichtlich bestätigt.

Immerhin soll die staatliche Förderung, etwa für den Einbau von Wärmepumpen, erhalten bleiben. Zu hoffen ist also, dass sich viele Menschen auch ohne Pflicht für erneuerbare Varianten entscheiden. Sicher ist aber: Mit der geplanten Reform wird Deutschland viel weniger Treibhausgas einsparen. Damit gibt die Regierung die deutschen Klimaziele praktisch auf.

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Susanne Schwarz
Leiterin wirtschaft+umwelt
Jahrgang 1991, leitet das Ressort Wirtschaft + Umwelt und schreibt dort vor allem über die Klimakrise. Hat ansonsten das Online-Magazin klimareporter° mitgegründet.
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2 Kommentare

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  • Das sogenannte Heizungsgesetz war im Prinzip nicht schlecht, nur die Art der Förderung für die Wärmepumpe hatte unter anderem dazu geführt das die Wärmepumpheizung in Deutschland viel teurer war und ist als in unserem Nachbarland Frankreich.

    Denn je teurer die Anlage, desto höher der Zuschuss, also hat man immer versucht das Maximum herauszuholen und extra teuer Kalkuliert und eine viel zu große Wärmepumpenanlage errechnet!



    Dazu haben viele Hausbesitzer das Problem, das ihr Haus auch ein teil der Altersvorsorge ist, möglichst schuldenfrei mit der Rente auskommen ohne Miete zahlen zu müssen, wer aber über 70 Jahre alt ist, bekommt auch nicht mal so eben einen Kredit von der Bank, auch nicht als Hausbesitzer und wenn dann zu einem Hammer Zinssatz!

    Deshalb war das Heizungsgesetz also sehr schlecht, gut gedacht, aber im Detail schlecht ausgearbeitet.



    Es gibt auch wichtigere dinge um das Klima zu retten, Energiespeicher werden zu wenig und zu langsam gebaut, einfach nur PV- Anlagen und Windräder in die Landschaft stellen ohne Speicher ist großer Unfug.



    Durch Gaskraftwerke Flauten ausgleichen, statt von den Erneuerbaren (Stromspeicher), machen die Erneuerbaren obsolet.

  • Zwei Punkte, die es noch schlechter machen:

    - die nur noch temporär existierende Förderung macht die Lage für alle noch unübersichtlicher. (Einziger Vorteil könnte sein, dass mit Wegfall der Förderung der Preis von Wärmenpumpen sich dem EU Durchschnitt annähert)

    - eine steigende CO2 Bepreisung und die eventuelle Kostenfalle ist keineswegs sicher. Es gibt schon genug Initiativen mit dem Ziel den CO2 Preis herauszuschieben oder abzuschaffen.

    Die einzige Hoffnung scheinen Gerichte zu sein.