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Parteiprogramm in Sachsen-AnhaltNoch kann man die AfD verhindern

Simone Schmollack

Kommentar von

Simone Schmollack

Die AfD in Sachsen-Anhalt gibt sich so siegesgewiss wie professionell. Teile ihres ideologischen Sofortprogramms sind umsetzbar, andere indes nicht.

R undfunkverträge kündigen, noch mehr Mi­gran­t:in­nen abschieben und dafür mehr Abschiebehaftplätze und einen speziellen Arbeitsstab schaffen. Kinder von Mi­gran­t:in­nen in „Sonderschulen“ unterrichten, die Regenbogenflagge verbieten, dafür die Deutschlandfahne in Schulen hissen. Mindestens zwei Ministerien abschaffen und – natürlich – eine Kampagne #deutschdenken starten. Das sind einige Punkte aus dem ideologisch aufgeladenen 100-Tage-Sofortprogramm der AfD in Sachsen-Anhalt vom Parteitag am vergangenen Wochenende.

Die in dem ostdeutschen Bundesland vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextrem eingestufte Partei gibt sich so siegesgewiss, als hätte sie die Landtagswahl am 6. September schon gewonnen. Das Selbstbewusstsein ist so erschreckend wie entlarvend. Denn nicht alle Vorhaben sind so leicht umsetzbar, wie die AfD das behauptet. So kann das Land nicht einfach Menschen abschieben – dieser Teil der Migrationspolitik ist Bundespolitik. Länder und Kommunen hingegen sind für Maßnahmen wie Integrationskurse, die Unterbringung von Geflüchteten, Sozialleistungen zuständig.

Möglich sind allerdings Änderungen beispielsweise im Schulgesetz, weil das Ländersache ist. Wie massiv die AfD schon im Vorfeld daran arbeitet, zeigt die Causa Max Heckel. Der Lehrer in Stendal hat sich auf die Frage eines Schülers gegen die AfD positioniert – und wurde dafür vom Schulamt abgemahnt. Angesichts eines solchen vorauseilenden Gehorsams kann man hundertfach die Brandmauer beschwören, die Menschen auffordern, nicht gegen ihre eigenen Interessen zu stimmen, die Zivilgesellschaft in die Pflicht nehmen – es kommt am Ende eben auf alle an.

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Es ist leider so, dass die demokratischen Parteien gegen die mittlerweile starke Professionalität der AfD kaum ankommen. Man muss den kleinen Parteien in Sachsen-Anhalt, die laut Umfragen an der Fünfprozenthürde kratzen, wünschen, dass sie den Sprung ins Parlament schaffen – und damit eine AfD-Mehrheit verhindern. Noch ist dafür ein klein wenig Zeit.

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Simone Schmollack

Simone Schmollack Ressortleiterin Meinung

Ressortleiterin Meinung. Zuvor Ressortleiterin taz.de / Regie, Gender-Redakteurin der taz und stellvertretende Ressortleiterin taz-Inland. Dazwischen Chefredakteurin der Wochenzeitung "Der Freitag". Amtierende Vize-DDR-Meisterin im Rennrodeln der Sportjournalistinnen. Autorin zahlreicher Bücher, zuletzt: "Und er wird es wieder tun" über Partnerschaftsgewalt.
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9 Kommentare

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  • Ich finde es immer sehr spannend, wenn angeführt wird, manches, was die AFD plane, sei ja von der Gesetzeslage her gar nicht umsetzbar.



    Das mag stimmen und die AFD wird es auch respektieren, aber schon das Gerede darüber ist wirksam. Genauso macht es doch Donald Trump. Er weiß auch, was illegal ist und was nicht, aber bis die Gerichte etwas einkassiert haben, vergeht eben Zeit und der Eindruck der Handlung bleibt.



    Beispiel Migration. Natürlich kann die AFD nicht alle Migranten des Landes verweisen, aber was für ein Gefühl bleibt wohl, wenn die ersten 200, wenn auch illegal, ausgewiesen werden? Tausende werden freiwillig folgen und schon ist das Ziel legal erreicht.



    Das Problem in Sachsen-Anhalt ist nicht die Gesetzeslage, sondern die Straße, und da liegt die AFD weit vorne. Leider.

  • Hoffnung ist wichtig, leider hier unberechtigt. Ja, die Demoskopen könnten wie schon passiert die AfD zu stark projizieren, aber die Stärke der Partei ist real und nur eine charismatische Person auf der anderen Seite (ja, soweit ist es) kann der AfD Wähler abjagen.

  • Zitat: "....eine AfD-Mehrheit verhindern. Noch ist dafür ein klein wenig Zeit."



    ---



    Leider nicht mehr, dafür wurde an allen Ecken zu lange geschlafen.



    Die Quittung dürfte auf dem Weg sein!

    Ziviler Ungehorsam müsste dann aber die Folge sein - oder um es mit Bettina Wegner zu sagen:



    " Grade, klare Menschen, wär'n ein schönes Ziel // Menschen ohne Rückgrat, ham wir schon zuviel!"

  • Sind das wirklich plausible und tragfähige Annahmen auf die man sich wenn es hart auf hart kommt wirklich verlassen kann? Kann man wirklich annehmen, dass ein MP "Sieg Mund!" wie er wohl von seinen Anhängern gerufen wird, am Tag 1 einer Amtszeit feststellen würde, dass die Zuständigkeit für das Kernanliegen seiner Partei eine ethnisch homogene "Volksgemeinschaft" zu schaffen gar nicht bei ihm liegt und es dann einfach bleiben lassen? Oder wäre nicht eher zu erwarten, dass die sich einfach für zuständig erklären und Fakten schaffen? Etwa in Form einer ICE-mäßigen 'Spezialgruppe Rückführungen' bei der Landespolizei zu der sich dann exakt jene Polizeibeamten versetzen lassen können die ganz genau darauf schon immer Bock hatten. Was dann? Würde man Bundespolizei schicken um eine derart extra-legal agierende Landespolizei an ihrem Tun zu hindern? Nötigenfalls mit Gewalt? Oder würde man nicht doch eher einen langjährigen Rechtsweg antreten, dessen Urteile dann aber von diesen Leuten möglicherweise auch einfach ignoriert werden?

  • Viele AfD Wähler lieben diese Frau. Ruth Moschner, kein Fan der AfD, postet auf Instagram:



    "Ich weiß, dass mir hier viele folgen, die die AfD wählen. Ich verstehe die meisten so, dass ihr diese Partei wählt, weil sie euch Versprechungen für ein besseres, günstigeres Leben macht. Mehr Rente, bezahlbare Lebensmittel, Sicherheit, etc.



    Ihr nehmt dafür rassistische, antisemitische, menschenfeindliche Pläne in Kauf. Soweit eure Entscheidung.



    Was die AfD nie beantwortet, ist, von welchem Geld sie all das bezahlen will.



    Das Vorhaben ist schlicht finanziell nicht realisierbar. Alle Zahlen lassen sich widerlegen. Wer garantiert euch, dass ihr nicht die nächsten seid, die die AfD loswerden möchte. Menschenfeinde hassen Menschen. Dahinter steckt keine Logik. Und vor allem keine Garantie für Eure Sicherheit.



    Auch ich bin entäuscht von den demokratischen Parteien. Auch ich glaube, das intern hier nicht alle demokratisch handeln.



    Menschenhass und Ausgrenzung werden aber niemals Wohnraum schaffen, sondern Krieg und Elend. Lasst euch nicht verarschen von einer Partei, die ein altes System hochhält. Lasst uns lieber gemeinsam etwas Neues entwickeln. Als Gemeinschaft!"

    Vielleicht hilft es etwas.

  • Sollen das Trostpflaster sein, ihre Worte? Wenn CDU/CSU weiterhin den Verbotsantrag verweigern, dann machen sie sich mitschuldig an allem was dann kommt.

  • Welches 100 Tage Programm ist denn bitte nicht ideologisch aufgeladen?🤷



    Ausgerechnet da wo die AfD sich verhält wie alle anderen Parteien seht ihr ein Problem?



    Was wollte denn Merz in den ersten 100 Tagen erreichen? Stichwort Herbst der Reformen... - mittlerweile laufen wir auf den zweiten Herbst der Reformen zu und es ist immer noch nichts passiert...



    Auch die Ampel wollte ALLES anders machen und endete nach dreieinhalb Jahren mit ziemlich wenig...



    Im Ankündigen sind alle Parteien groß.



    Beim Umsetzen hingegen versagen sie alle seit langem.



    Und ich sehe wenig Gründe, warum die AfD da besser sein sollte - denn wie es der Artikel schon sagt: vieles davon ist eh nicht umsetzbar.



    Den Bürgern wird schnell ein Licht aufgehen, dass die schulischen Leistungen sich nicht ändern, ob da n Regenbogen, die Deutschlansfahne oder Sponge Bob vom Mast weht. Auch mehr Lehrer kommen dadurch nicht.



    Die AfD kocht auch nur mit Wasser.



    Am Beispiel BSW hat man sehr schön gesehen wie man mit Maulhelden umzugehen hat. Mitspielen lassen und entlarven. Thüringen, zack waren sie wieder bei 5%.



    Lasst die AfD machen. Der Fehler ist, sie so lange vom Trog gehalten zu haben.



    Fett ist sie nur wegen der Brandmauer

  • Die Probleme in Sachsen-Anhalt sind zum einen die totale Überalterung der Gesellschaft und die hohe Arbeitslosigkeit. Wenn überhaupt, sollte sich die AfD darum kümmern und nicht um die Beflaggung der Schulen und die Ausländer, deren Rate ohnehin nur halb so hoch ist, wie die in anderen Bundesländern.



    Merken die Menschen dort eigentlich nicht, wie sie durch die AfD verarscht werden?

  • Letztlich entscheiden die Bürger:innen in Sachsen - Anhalt, wie extrem sie gerne in Zukunft regiert werden möchten. Die Fakten liegen schon lange auf dem Tisch, scheinen aber eine recht große Anzahl der Wahlberechtigten nicht zu stören. Wenn eine so große Minderheit, oder vielleicht sogar die Mehrheit eine so extreme Alternative wünscht, muss man in einer Demokratie wohl damit leben. Die Wähler der AfD sollen nur bitte nach der Wahl nicht jammern, wenn es dann wirklich so wird, wie zu befürchten ist.