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Verein Lamsa in Halle an der Saale„Migration ist nur die Kirsche auf der Torte“

Wer Integration und Demokratie fördert, würde unter einer AfD-Regierung ins Visier geraten. Trotzdem kämpft Waseem Aleed in Halle für mehr Teilhabe.

Aus Halle

Evke Bakker

Trotz der aktuellen Umfrageergebnisse in seinem Bundesland Sachsen-Anhalt baut Waseem Aleed auf seine Mitbürger*innen: „Wir haben großes Vertrauen in die Menschen hier, dass sie keine AfD-Regierung erlauben.“ Seit sechs Jahren ist er ehrenamtlich im Vorstand vom Landesnetzwerk Migrantenorganisationen Sachsen-Anhalt (Lamsa). Der Verein vertritt die politischen und sozialen Interessen von Mi­gran­t*in­nen auf Landesebene und fördert ihre demokratische Teilhabe.

„Durch das Wählengehen rutschen Mi­gran­t*in­nen mit in die Statistiken“, sagt Aleed. „Dann sehen die Parteien, dass auch unsere Stimme ein Gewicht hat. Das ist oft das Problem: Man nimmt uns als Zielgruppe nicht wahr, weil wir angeblich nicht wählen gehen.“

Vor elf Jahren kam Waseem Aleed aus Syrien nach Deutschland. Seitdem lebt er in Halle an der Saale. Gesellschaftlich engagiert hat er sich schon immer: früher in der Hilfsorganisation Roter Halbmond, heute unter anderem bei Lamsa und dem Migrationsbeirat in Halle.

Zwölf bunte Portraits
richtig gute leute

Bei den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern könnte erstmals seit 1945 eine rechtsextreme Partei an die Regierung kommen. Es gibt vor Ort aber auch eine lebendige Zivilgesellschaft, die die Wahlen noch nicht verloren gibt. In der Serie „Richtig gute Leute“ stellen wir sie den Sommer über vor.

Sollte die AfD die Landtagswahl gewinnen, sieht Aleed darin ein gesamtgesellschaftliches Problem. Nicht nur eines, das Mi­gran­t*in­nen betreffen würde. „Wir reden von einer Regierung, die alle Fortschritte rückgängig machen will, die wir in den letzten Jahren geschafft haben. Nicht nur in der Integration. Auch in den Bereichen Bildung, Soziales und Gesundheit.“

Osten wird nicht gehört

Ebenso wie andere demokratiefördernde Organisationen, würde Lamsa von einer AfD-Regierung direkt in die Schusslinie genommen, Fördergelder abgedreht werden, befürchtet Aleed. „Was bleibt dann noch von unserer Demokratie, wenn keiner mehr bleibt, um sich für sie starkzumachen und Kritik zu äußern?“

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Die Wurzel des Problems für die hohen AfD-Umfragewerte in der Region sieht Waseem Aleed bei der hohen Unzufriedenheit der Menschen mit der Regierung. „Seit 30 Jahren berichten die Leute im Osten von ihren Problemen und niemand hört zu“, so Aleed. „Migration ist nur die Kirsche auf der Torte. Aber sie ist nicht wirklich ein Problem.“

Dennoch würden Debatten zur Migration andauernd von rechten sowie linken Parteien in den Mittelpunkt gestellt. Das müsse aufhören, betont Aleed. „Wir sind Teil dieser Gesellschaft. Wir leben hier. Und wir tragen Deutschland mit.“

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3 Kommentare

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  • Wie immer ist es die Summe der Probleme die Unzufriedenheit schafft.

  • Das Bild von der Kirsche auf der Torte ist mehr als nur unglücklich.



    Denn es vermittelt den Eindruck, dass Migration eigentlich das Tollste an allem ist.

    Das meint er aber gar nicht. Das, was er meint, ist aber richtig. Nur mit diesem Bild kommt es nicht an. Er meint, das die Menschen auch wegen ganz anderer Probleme die AfD wählen, z.B. fehlende Wohnungen, zu hohe Mieten, Lebensmittel- und Energiepreise und die zusätzlichen Punkte, wegen denen man ich im Osten noch Sorgen macht. Und dass die Migration sozusagen nur ein Punkt unter vielen ist und dieser Punkt nur deswegen so präsent in der Diskussion ist, weil er von der AfD immer als Sündenbock für alle anderen Probleme nach ganz vorne geschoben wird und damit so sichtbar ist wie die Kirsche auf der Torte. Aber eigentlich eben nur ein kleiner Teil des ganzen Problems - des ganzen Kuchens.

  • "Migration ist die Mutter aller Probleme *"



    War schon immer falsch,



    Hält sich aber leider hartnäckig...

    .

    * ehemaliger CSU-Innendödel