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Deutsche Wohnen enteignen Wohnst du schon oder suchst du noch?

Gastkommentar von

Uwe Fuhrmann

In Berlin fehlen massenhaft bezahlbare Wohnungen. Deshalb ist Vergesellschaftung großer Immobilienkonzerne ein Mittel, den Mietmarkt zu entspannen.

B erlin hat ein Problem: Seit vielen Jahren ist es kaum möglich, eine Wohnung zu finden, und wenn doch, dann macht die Miete arm. Es ist eine veritable Doppelkrise: Zu wenig Angebot und zu hohe Preise. Der Berliner Volksentscheid „Deutsche Wohnen & Co Enteignen“ (DWE-Volksentscheid) von 2021 bildet mit beachtlichen 59 Prozent Zustimmung die demokratische Legitimation für das Vorhaben, mehr als 200.000 Berliner Wohnungen der großen Immobilienkonzerne wie Vonovia dem Zweck der Profitmaximierung zu entziehen.

Durch Vermietung zu überhöhten Preisen machen sie bislang aus Geld viel mehr Geld für ihre privaten Teilhaber. Das Geschäftsmodell ist viel zu erfolgreich, um die Wohnungsbestände freiwillig herauszurücken. Deswegen ist die Vergesellschaftung nach Artikel 15 des Grundgesetzes notwendig. Die Vergesellschaftung würde zwar nicht die Angebotskrise lösen, sehr wohl aber das Ruder in der Preiskrise herumreißen.

Uwe Fuhrmann

ist promovierter Historiker an der Humboldt-Universität Berlin. Er forscht und publiziert unter anderem zur Entstehung der Sozialen Marktwirtschaft.

Hinter dem Streit um Vergesellschaftung und Enteignungen verbergen sich zentrale Fragen: Wer darf über gesellschaftlich erarbeiteten Reichtum verfügen? Wie lässt sich verhindern, dass wirtschaftliche Macht in politische Macht mündet? Wie lassen sich katastrophale Entwicklungen stoppen?

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Die taz ist eine unabhängige, linke und meinungsstarke Tageszeitung. In unseren Kommentaren, Essays und Debattentexten streiten wir seit der Gründung der taz im Jahr 1979. Oft können und wollen wir uns nicht auf eine Meinung einigen. Deshalb finden sich hier teils komplett gegenläufige Positionen – allesamt Teil des sehr breiten linken Meinungsspektrums.

Die Bundesregierung aus CDU und SPD reagierte Anfang Juli mit dem Vorhaben, die „Verstaatlichung privater Mietwohnungsbestände“ per Bundesgesetz zu verbieten. Das wird wohl absehbar vor dem Bundesverfassungsgericht scheitern, aber als Verzögerungsmaßnahme würde es vermutlich funktionieren. Für diesen billigen taktischen Erfolg unternimmt die Koalition einen geschichtsblinden Angriff auf zentrale Grundlagen der Bundesrepublik.

Seit 1990 wurde in Deutschland alles privatisiert, was nicht niet- und nagelfest war, darunter unzählige Wohnungen

Denn nach Kriegsende 1945 wurden Lehren gezogen aus dem Elend des 19. Jahrhunderts, aus zwei Weltkriegen sowie insbesondere aus der NS-Diktatur. Daraus entwickelte sich übergreifend der Konsens, „kapitalistische[m] Gewinn- und Machtstreben“ des „Privatkapitals“ (Ahlener Programm der CDU, 1947) enge Grenzen zu setzen. Nie wieder sollten Eigentümer von Grund und Boden oder von Produktionsmitteln die Möglichkeit bekommen, die Gesellschaft ihren Interessen zu unterwerfen und sie dadurch in eine Katastrophe zu führen. Im Wahlkampf 1949 brachte die siegreiche CDU das Ganze auf den Punkt: „Wer Macht auf dem Markt besitzt […] darf nicht frei sein.“

Wetten, die Demokratie gewinnt? ​

Nach den Wahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern droht erstmals eine AfD-Regierung. Die taz berichtet, was auf dem Spiel steht – und wer jetzt die Demokratie verteidigt. Alle Texte zur Serie finden Sie hier.

Dieser Minimalkonsens fand seinen Weg in die Parteiprogramme und in den wirtschaftspolitischen Diskurs der Nachkriegsjahre – und mit den Artikeln 15 und 14 („Eigentum verpflichtet“) ins Grundgesetz. Selbst Landesverfassungen sehen auch heute noch die Überführung von „Betrieben der Energiewirtschaft“ beziehungsweise von bestimmten Großbetrieben und marktbeherrschende Unternehmen in Gemeineigentum vor. Es wäre sehr zu begrüßen, wenn die aktuelle Bundesregierung nicht so grausame Erfahrungen machen müsste wie die Gründungsgeneration der Bundesrepublik.

Auch die soziale Marktwirtschaft ist eine wirtschaftspolitische Reflexion des Wunsches, dass sich die von den Zeitgenossen gemachten Erfahrungen nie wiederholen dürften. Sie ist ein Kind der Nachkriegszeit: Ihre Geschwister waren nicht Konkurrenz und freier Markt, sondern Sozialisierung und Antikapitalismus. 1949 warb die CDU im Wahlkampf: „Die 'soziale Marktwirtschaft’ steht […] im Gegensatz zur sogenannten ‚freien Wirtschaft‘ liberalistischer Prägung.“ Das Gottvertrauen in „den Markt“ ist also in Wirklichkeit gerade die Negativfolie, von der die soziale Marktwirtschaft sich absetzte.

Die zentralen wirtschaftspolitischen Einsichten des Grundgesetzes will die Regierung von Merz, Klingbeil, Söder mit ihrem Reformpapier entsorgen. Noch nicht einmal einen guten Grund können sie für diesen Angriff auf den Gründungskonsens der Bundesrepublik vorbringen: Die vage Behauptung, Vergesellschaftung würde den privaten Wohnungsbau gefährden, ist reine Spekulation. Und selbst wenn das so wäre: Bauen können auch Genossenschaften, der Staat, Gewerkschaften und Familien – und zwar bezahlbaren Wohnraum. Das wiederum ist historisch belegt.

Seit 1990 wurde alles privatisiert, was ging

Spätestens seit 1990 wurde in Deutschland alles privatisiert – und eben entvergesellschaftet –, was nicht niet- und nagelfest war, darunter die Bahn, das Gesundheitswesen und unzählige Wohnungen. Ein Ergebnis dessen ist die Lage unter anderem auf dem Berliner Wohnungsmarkt. Nun ausgerechnet bei Entprivatisierung durch Vergesellschaftung Gefahren für die Mie­te­r*in­nen an die Wand zu malen, ist Ideologie. Sowohl konkrete materielle Eigeninteressen der Berliner Bevölkerung als auch die erwünschte Rettung eines demokratischen Gemeinwesens sprechen vielmehr für die Begrenzung der wirtschaftlichen und politischen Macht von großen Konzernen, auch im Wohnungssektor. Genau dafür hat 2021 mit knapp über 59 Prozent die deutliche Mehrheit der Ber­li­ne­r*in­nen gestimmt.

Doch trotz schlagender historischer und aktueller Argumente ist die Linke bislang die einzige Partei, die entschieden für die Umsetzung des DWE-Volksentscheids kämpft. Die AfD steht in dieser Frage wie so oft komplett gegen die Interessen ihrer eigenen Wählerschaft, während CDU und SPD sich auf Bundesebene mit dem geplanten Verbot von Vergesellschaftungen für die Profitinteressen von Vonovia, Heimstaden und Co so richtig ins Zeug legen.

Es wäre also höchste Zeit für diese Parteien, ihre Position zu überdenken. Möglicherweise werden sie es nicht tun. Deshalb sollten Wähler*innen, die zur Miete wohnen oder eine von Konzernen dominierte Republik ablehnen, ihre Wahlentscheidung in Berlin am 20. September entsprechend anpassen. Dasselbe gilt für die Wählenden von liberalen, tierlieben und semiwitzigen Kleinparteien. Berlin bietet die beste Chance seit Langem, dem Neoliberalismus eine Alternative entgegenzusetzen.

Die taz schreibt, redet und diskutiert für Pluralismus und eine freie, offene Gesellschaft – besonders jetzt, wo der Rechtsextremismus weiter erstarkt und demokratische Institutionen angreift. Dort wo rechtsextreme Kräfte an Zustimmung gewinnen, wächst auch die Befürchtung vor zunehmenden Angriffen und Diffamierungen gegen Gegner*innen extrem rechter Politik. Besonders selbstverwaltete Orte spüren diesen Druck, dabei brauchen wir gerade jetzt Orte der Kritik, (Sub)Kultur und der Solidarität. Gerade jetzt müssen wir zusammenhalten und uns solidarisch mit denjenigen zeigen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit „Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

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84 Kommentare

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  • Jan Grobe

    Ich glaube langsam es geht hier nicht um günstigen Wohnraum für alle.



    Es den großen Konzernen Mal richtig zu zeigen befriedigt nur ideologische Wunschträume auf Kosten der Allgemeinheit. Und man verschafft sich Macht über die Zuteilung des nicht weniger knappen Wohnraums zu entscheiden.

    Würde man stattdessen viele Wohnungen günstig bauen, dann wären nicht nur die neuen Wohnungen günstig. Auch die alten Wohnungen würden günstiger werden. Denn die ach so bösen Kapitalisten können hohe Mieten nur verlangen wenn die Mieter keine Alternativen haben.

  • Maxim_Sassnitz

    Da dies mittlerweile die X-te Diskussion zum Thema ist habe ich es zum Anlass genommen mich auch endlich zu registrieren. Mal ganz abgesehen vom Thema der Finanzierung habe ich, als ich 6 Jahre in Amsterdam gelebt habe, das System am eigenen Leib erfahren. Wie fast jeder dort habe ich mich auf die Warteliste für eine Wohnung im sozialen Sektor gesetzt. Jede Woche konnte man sich auf bis zu 3 Wohnungen bewerben und am Ende wurde das Ergebnis bekannt gegeben. Selbst soziale Härtefälle bekamen mit viel Glück und Wohnungstausch oft erst nach 3-5 Jahren überhaupt einen Besichtigungstermin in den umliegenden Hochhaussiedlungen und sozialen Brennpunkten. Für eine Wohnung im Grachtengürtel, vergleichbar mit dem S-Bahnring, war die Wartezeit mindestens 20 Jahre. Der Grund ist relativ simpel: Wer einmal eine Wohnung hat vererbt sie entweder an die folgende Generation, oder behält sie als Zweitwohnsitz, oder, und das ist der Hauptgrund, vermietet sie zu horrenden Preisen unter und mietet sich dafür eine hochwertige Wohnung oder zieht mit Lebensgefährten zusammen. Exakt das selbe liest man im "der Standard" über die "Wiener Wohnen". Kurzum es funktioniert nur auf dem Papier.

  • Müller Christian

    Schon der erste Satz ist doch ein Widerspruch. Wenn man ein Mangel an Wohnungen hat, hilft es doch nich den Besitzer der Wohnungen zu tauschen. Die bestehenden Wohnungen haben einen neuen Eigentümer, für den Wohnungssuchenden ist kein neuer Wohnraum entstanden.

  • Deep South

    Ein Kommentar aus der Rubrik "Und täglich grüßt das Murmeltier". Alles zigfach gelesen und zigmal die Gegenanalysen, warum es eben doch bei Weitem nicht so einfach ist. Und dann kommt der Nächste, der die Nadel wieder auf Rillenanfang setzt, ohne mal die Gegenargumente aufzugreifen und zu entkräften oder einfach mal zu erklären, wie eine Stadt mit ständigem Zuzug, die kaum selbst Wohnungen baut, das Problem dauerhaft lösen will. Die Menschen wollen Problemlösungen und kein Wiederkäuen von unausgereiften ideologischen Positionen.

  • Agarack

    Sehr geehrter Herr Dr. Fuhrmann,



    ich bin nach Lektüre Ihres Kommentares etwas überrascht über Ihre Argumentation. Sie benennen das Problem völlig korrekt: Es besteht eine Angebotskrise. Sie gehen aber mit keinem Wort darauf ein, dass es sehr gut belegt ist, dass Preisregulationen bei Mieten das Angebot weiter verknappen, weil die Mobilität sinkt, da jemand, der in einer günstigen Wohnung in einer teuren Stadt wohnt, einen starken Anreiz hat, diese nicht wieder zu verlassen - selbst wenn z.B. der eigene Platzbedarf sinkt. Hier eine Metaanalyse, die die Effekte von Mietpreisregulationen analysiert: www.sciencedirect..../S1051137724000020 . Da es sich bei einer Vergesellschaftung zum Zweck des Erhalts günstiger Mieten im Grunde um eine indirekte Mietregulation handelt, ist zu erwarten, das hier ähnliche Effekte eintreten.



    Deshalb lässt sich zusammenfassen: Selbst, wenn die Vergesellschaftung genau so klappt, wie z.B. die Linke sich das vorstellt, dann nützt diese nur den Leuten, die jetzt schon in einer der betreffenden Wohnungen suchen. Für alle Anderen verschärft sich die Krise eher. Das kann man wollen, muss es aber ehrlich benennen.

    • Agarack

      @Agarack:

      Korrektur: in einer der betreffenden Wohnungen wohnen, nicht suchen.

  • GaGaZar

    Vergesellschaftung ist doch die faulste und bequemste Art des politischen handelns. Und die, die den Steuerzahlen am Ende am meisten kosten wird.



    Vergesellschafften ist in meinen Augen eine Art von Kapitulation.



    Wir haben keine Lust geltene Gesetze durchzusetzen und gegebenfalls nachzujustieren, bzw, durch neue, bessere zu ersetzen.



    Wir wollen keine fuktionierenden Kontrollinstanzen aufbauen.



    Wir wollen den Bürgern nicht erklären wie sie diese Instanzen benutzen könnten.



    Wir möchten uns ins gemachte Nest setzen. Und! Uns dafür feiern lassen, wie wir es den bösen Konzernen gezeigt haben.



    Im übrigen die Konzerne, die dann die Milliarden an Entschädigung, irgendwo anders in der Welt neu investieren werden aber ganz bestimmt nicht in Berlin oder Deutschland.

  • elektrozwerg

    Ich verstehe nicht, warum sich alle immer auf den "Vergesellschaftungsartikel" 15 im GG beziehen. Dieser erlaubt Vergesellschaftungen fuer Grund und Boden, Rohstoffe und Produktionsmittel.



    Grund und Boden inkludiert anders als der Begriff Grundstueck nicht die Gebaeude auf dem Boden, deshalb werden Produktionsmittel, die sich ja ebenfalls auf dem Boden befinden, extra aufgefuehrt.

    Bleibt der Enteignungsartikel 14 (3). Dieser verpflichtet zur Entschaedigung und ist nur nutzbar, wenn die Enteignung der Allgemeinheit dient. Ob letzteres der Fall ist wenn nur die Mieter der enteigneten Konserne betroffen sind, werden die Gerichte klaeren muessen.

  • mwinkl02

    Im Grunde ist es peinlich einfach. Auch vor der großen Privatisierungswelle gab es einen „teuren“ Wohnungsmarkt für „Besserverdiener. Verlorengegangen ist besonders der Konsens welcher Teil der Wohnungsmarktes „bezahlbar“ bleiben muss/sollte. Z. B. 30% für Polizisten, Feuerwehrleute Busfahrer Krankenpfleger etc. die auch irgendwo Arbeitsnah wohnen müssen. Die Bezahlbarkeit deren Wohnraums ist mitnichten eine Frage des Abgebots sondern eine Frage der Finanzierug des Angebots. Ob die öffentliche/genossenschaftliche Hand für 3% Zins baut oder ein Privater für 5-6% Rendite macht nun mal den Unterschied zwischen bezahlbar (unter 10€/m2 oder unbezahlbar (über 14€/m2) aus. Den privaten kann man nicht vorwerfen was deren Aufgabe ist: Geld für die Altersvorsoge zu verdienen. Dass ist mit 2-3% Zinsen für die Finanzierung und null Rendite schlicht unmöglich. Es geht nicht um Vergesellschaftung sondern um die Schaffung eines Konsens der ein Angebot mit 0% Rendite für 30% der Bevölkerung schafft. Ich bezweifle das eine Vergesellschaftung mit den vorgeschriebenen Entschädigungen wirklich zielführend ist. Das Geld könnte besser direkt in staatlich organisierten renditefreien Wohnraum fließen. !

    • Machiavelli

      @mwinkl02:

      Selbst ohne Gewinn Ansicht kann man im Neubau nicht unter 14/m²vermieten. Baut der Staat wird es extra teuer.

  • Biker-Ffm

    Und genau wieviel neue Wohnungen entstehen durch die Vergesellschaftung?

    • Schmetterling

      @Biker-Ffm:

      Wie viele neue bezahlbare Wohnungen entstehen denn durch den Verzicht auf die Vergesellschaftung?

      Die Sache ist, dass Wohnungskonzerne Geld damit verdienen Wohnungen zu vermieten. Wenn sie keine mehr haben, müssen sie ja neu bauen - oder glauben sie, dass arbeitsscheue Kapital geht dann Arbeiten? 😆

      • Agarack

        @Schmetterling:

        Werden sie auch. Nur eben nicht in Berlin. Herr Dr. Fuhrmann als Historiker kann Ihnen bestimmt gut erläutern, dass Enteignungen historisch eine massive Investitionsbremse darstellen. Ist ja auch logisch - wenn Sie wissen, dass in einer Straße Leuten immer die Brieftasche gestohlen wird, dann werden Sie diese Straße nicht betreten.

      • stiller

        @Schmetterling:

        Wenn die Stadt das Geld für die "Vergesellschaftung" für den Wohnungsbau ausgibt, dann entstehen neue Wohnungen. Dass die Stadt das tut, ist jedenfalls möglich. Dass Dank der Enteignung sich die Wohnungsanzahl magisch erhöht ist nicht möglich.

      • Reinero66

        @Schmetterling:

        Sie stecken das Geld nicht in neuen Wohnraum, da sie ja schon einmal enteignet wurden. Nur ein Dummer macht denselben Fehler zweimal und hofft auf ein anderes Ergebnis.



        Dann wird das Geld in Aktien oder ähnlichem angelegt.

      • GaGaZar

        @Schmetterling:

        Das erscheint mir massiv naiv. Die Wohnungskonzerne werden die Gelder dann irgenwo anders anlegen aber ganz bestimmt nicht anfangen in einer Stadt, die sie sie zuvor enteignet hat, neu zu investieren. Es lässt sich überall auf der Welt investieren. Das einzige worin die Konzerne hier vor Ort investieren werden ist in Gerichtsprozsse um die Entschädigungszahlungen in die Höhe zu treiben.

        • Schmetterling

          @GaGaZar:

          Mir erscheint die hier in den Kommentaren vorgebrachten Meinung, wenn man nur alle regularien schleift und den Markt mal machen lässt, entstehen auf wundersame Weise bezahlbare Wohnungen äußerst naiv, aber wenns an den Glauben an den freien Markt geht, sind die deutschen - wie sagte Reinero66 doch so schön - äußerst dumm.

          • Müller Christian

            @Schmetterling:

            Das war aber keine Antwort auf die vernünftigen und nachvollziehbaren Argumente. Wenn die Stadt für das Geld neue Wohnungen baut, anstatt zu enteignen, ist allen mehr geholfen. Manchmal hat man das Gefühl, dass es bei der Debatte nicht um die Betroffenen (Wohnungssuchenden) geht, sondern darum, den bösen Immobilien Firmen ein auszuwichen. Übrigens mit Geld, was man nicht hat.

          • Zippism

            @Schmetterling:

            Der schöne Strohmann vom „Markt mal machen lassen“ darf natürlich nicht fehlen. Niemand behauptet, man müsse sämtliche Regulierung abschaffen und anschließend auf das Wunder von Angebot und Nachfrage warten. Es geht um die viel banalere Frage, welche Maßnahmen tatsächlich mehr Wohnraum schaffen.

            Und genau da wird es bei der Vergesellschaftung dünn: Durch die Übertragung bestehender Wohnungen entsteht nicht eine einzige zusätzliche Wohnung. Berlin hätte danach lediglich einen anderen Eigentümer und eine gewaltige Rechnung. Das Geld, das für die Vergesellschaftung ausgegeben wird, kann man nicht gleichzeitig für Neubau verwenden.

            Natürlich kann der Staat selbst bauen – und sollte das dort, wo der Markt allein nicht ausreichend funktioniert, auch tun. Aber dafür muss man keine Wohnungen von A nach B übertragen und anschließend so tun, als hätte man dadurch Wohnraum geschaffen.

            Und das Argument „Die Konzerne müssen dann neu bauen“ ist besonders hübsch: Man enteignet Unternehmen, damit sie anschließend freiwillig Milliarden in genau dem Markt investieren, in dem sie gerade enteignet wurden. Wenn das der wirtschaftspolitische Masterplan ist, Gute Nacht.

          • Machiavelli

            @Schmetterling:

            Schleift man die Regularien und gibt das Geld vorgesehen für Enteignung als zinsloses Darlehen an Genossenschaften hat man das wohnungsproblem in zehn Jahren gelöst.

            • Alex_der_Wunderer

              @Machiavelli:

              @ Machiavelli



              Nun ja, in unserem Grundgesetz ist ja nun extra explizit die Möglichkeit der Enteignung vorgesehen.

  • vieldenker

    Der ehemalige Verfassungsrichter Udo di Fabio hat es heute in einem Interview noch mal auf den Punkt gebracht: Man kann enteignen, muss dann aber den tatsächlichen Marktpreis als Entschädigung zahlen. Da wird dann nicht viel Spielraum für günstigere Mieten und wahrscheinlich gar kein Budget mehr für Neubauten durch das Land Berlin bleiben. Oder überspitzt gesagt, die jetzigen Mieter der Konzerne, bekommen ggf. eine Mietsubvention unter Marktniveau, die dann Nichtversorgten haben weiter keine Lösung für ihre Suche.

    • ToMuch

      @vieldenker:

      Und der Staat als Besitzer macht sich strafbar, wenn er nicht gescheit renoviert. Also nochmal viel Geld in marode Buden stecken.

  • Desdur Nahe

    "mehr als 200.000 Berliner Wohnungen"



    Nur zur Einordnung: in Berlin gibt es über 2.000.000 Wohnungen, den landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften gehören zusammen über 400.000 Wohnungen.



    "um die Wohnungsbestände freiwillig herauszurücken"



    Soll damit die Hoffnung auf den symbolischen Euro genährt werden? Juristisch völlig aussichtslos. Es wird ein zweistelliger Milliardenbetrag werden.



    "Wer Macht auf dem Markt besitzt […] darf nicht frei sein.“+"Eigentum verpflichtet"



    Beides Aussagen, die genau gegen eine Vergesellschaftung sprechen: Wer enteignet wird, hat keinerlei Macht am Markt, auch keine kontrollierte. Und Eigentum hat er auch nicht mehr.



    "privatisiert ... darunter die Bahn"



    Kleine Ergänzung: 100 % der Aktien gehören dem Staat.



    Die Mieten bei Vonovia und Co. liegen übrigens dicht an der Durchschnittsmiete, teilweise drunter. Die landeseigenen Wohnungen sind etwas günstiger. Theoretisch. Wenn man eine bekommt. Wie in der DDR: Alles günstig, nur halt nicht zu haben.



    Wenn der Staat alles besser könnte, könnte er Massen an günstigem Wohnraum schaffen, und die Konzerne würden pleite gehen. Macht er aber nicht, weil er es nicht kann.

  • Peter Schütt

    Es ziehen immer mehr Leute nach Berlin, das macht den Wohnraum knapp und teuer. Ist das nicht die logischste Erklärung?

    • Querbeet

      @Peter Schütt:

      Ja. Wobei ich mich frage, warum zur Hölle will man in Berlin leben?

    • Comerade Aardvark

      @Peter Schütt:

      Verstaatlichter Wohnraum mit den entsprechenden nichtmonetären Zugangsbeschränkungen könnte an dem Punkt Teil der Lösung sein!

    • Weiterdenken3

      @Peter Schütt:

      endlich sagts mal einer

    • Gerhard Krause

      @Peter Schütt:

      Das ist sicherlich eine erforderliche Bedingung, jedoch keine notwendige. Folglich nein.

  • Machiavelli

    Der Riss geht durch die Mittelschicht, die einen wollen günstiger wohnen, die anderen müssen vielleicht in ein paar Jahren nach Berlin ziehen und wollen dann keinen dysfunktionalen Mietmarkt.

    Baut man mehr dann sinken die Mieten für diejenigen die schon wohnen, aber halt in zehn bis 20 Jahren. Enteignet man sinken die Mieten für die die schon mieten steigen aber für diejenigen die in der Zukunft mieten wollen.

    Mehr bauen ist die zukunftsorientierte Politik, auch im Luxussegment (die Menschen wachsen ja nicht mit den Wohnungen, sondern machen andere Wohnungen frei). Bringt den Leuten die jetzt mieten nichts. Aber wir brauchen Migration und wir haben Migration in die Städte. Wer diesen Menschen mit Wohnungen versorgen will muss bauen und muss hoch bauen.

    • Gerhard Krause

      @Machiavelli:

      Verzeihung, nein. Es gilt hier ebenfalls zu analysieren und herauszufinden, wodurch die Konzentration auf einen Punkt ausgelöst wird und diese Probleme zu lösen. Dem Markt kann man nicht hinterherbauen, auch nicht hoch.

      • Machiavelli

        @Gerhard Krause:

        Demographischen Wandel macht migration notwendig, Migranten ziehen bevorzugt in die Städte. Migration in die Städte ist ein globales Phänomen da die Menschen heute mehr soziale Infrastruktur erwarten die das Land nicht bieten kann. Würde man in Berlin primär Hochhäuser bauen würde der Mietvertrag entspannen.

        • Gerhard Krause

          @Machiavelli:

          Soweit solche Einschätzungen belastbar sind, gehen Menschen, nicht ausschließlich Migranten, wegen der / einer Arbeit(-sstelle) in die (großen) Städte. Arbeitsplätze und ebenfalls beispielsweise Arbeitszeitmodelle, sowie Umstände, die Arbeitsplätze ermöglichen (Ansiedlungspolitik), sind einer dezentralen Organisation zugänglich. Zum Beispiel gibt es beim Bund Arbeitszeitmodelle, die sich auf einen jeweils unterschiedlichen Standort von Arbeitsstelle und Wohnort beziehen, wie "1Tag Anwesenheit, 4 Tage Arbeit zu Hause".

          • Machiavelli

            @Gerhard Krause:

            Ich arbeite 2h weg von der Metropole mit viel möglichleit für home office die meisten meiner Kollegen Pendelen aus der Metropole zur Arbeit wenn sie vor ort sein müssen, wegen der besseren sozialen Infrastruktur dort. Ich glaube das ist mehr als Anekdote. Der Job ist das erste was den Leuten einfällt aber wenn man tiefer gräbt haben Städte noch eine Menge anderer Vorteile. Daher sollte man Umfragen da mit Vorsicht genießen.

  • Ricky-13

    taz: *... während CDU und SPD sich auf Bundesebene mit dem geplanten Verbot von Vergesellschaftungen für die Profitinteressen von Vonovia, Heimstaden und Co so richtig ins Zeug legen.*

    Dass die "Christen" und die "Sozialen" sehr viel für Superreiche übrig haben, ist ja hinlänglich bekannt.

    Und solchen Immobilienkonzernen wie Vonovia muss man endlich mal das Handwerk legen, sonst sitzen bald noch mehr Obdachlose auf unseren Straßen. Was ist in diesem Land eigentlich los, dass Immobilienhaie sich eine goldene Nase verdienen können, während die Zahl der Obdachlosen immer mehr ansteigt?

  • rero

    "Die Vergesellschaftung würde zwar nicht die Angebotskrise lösen, ..."

    Ich finde gut, dass er wenigstens offen sagt, dass die Angebotskrise durch die Enteignung kein Stück gelöst wird.

    "Bauen können auch Genossenschaften, der Staat, Gewerkschaften und Familien – und zwar bezahlbaren Wohnraum."

    "Der Staat" - in diesem Fall das Land Berlin - wird nach der Enteignung kein Geld mehr haben, um noch großartig zu bauen.

    Die Genossenschaften schießen nicht in Massen aus dem Berliner Boden.

    Und welche Familien sollten in Berlin bei diesen Grundstückspreisen bauen?

    Mag sein, Gewerkschaften könnten bauen.

    Nur tun sie es nicht.

    Ich finde Vergesellschaftung an sich gut.

    Nur hat dieser Artikel mich davon überzeugt, dass sie in diesem Fall sinnlos wäre.

  • Lindenberg

    Die Mieten der städtischen Hamburger Saga (größter Wohnungskonzern Deutschlands) stiegen in den letzten zehn Jahren um fast 20 Prozent, während die Mieten im restlichen Wohnungsmarkt regelrecht explodierten. Die Saga machte Riesengewinne, nutzte diese aber nicht, um Mieten zu senken, was den Mietspiegel gedämpft hätte. SPD, Grünen-Politik pur.

    Gringverdiener und mittlere Einkommen können diese Steigerung finanziell kaum auffangen, zumal die Inflation noch hinzukommt und immer weniger Menschen in Berufen arbeiten, die ihnen durch Gewerkschaften eine jährliche Steigerung ihres Lohnes ermöglicht.



    Meiner Meinung nach auch ein Grund, warum die AFD so erfolgreich ist.



    Denn das gesellschaftliche soziale Modell der BRD implodiert leise. Dafür ist die Wohnungspolitik ein gutes Beispiel: denn in etwa so viele Sozialwohnungen wie neu gebaut werden fallen aus der Sozialbindung, ohne das es die Politik stört.



    Zeitwende bei der Bundeswehr mt Abermilliarden, nicht aber in der sozial gestalteten Wohungspolitik, die seit Jahren nur Flickwerk ist. Investoren aus dem Ausland spekulieren im großen Stil auf dem deutschen Wohnungsgsmarkt, deshalb ist Enteigung der Venovia eiin guter Anfang!

  • Oleg Fedotov

    Wenn die Linke sich dies zu eigen macht, kann die ganze Republik sehen, wie man tote Pferde reitet und damit grandios scheitert. Spätestens in Karlsruhe.



    Aber so verprellt man dann auch noch unschlüssige Wähler, die dort gerne ihr Kreuz machen würden.

  • Sole Mio

    Einfach bauen, bauen, bauen, das erhöht das Angebot und senkt den Preis.

    Die Schweiz hatte vor einigen Jahren dasselbe Problem und es so gelöst

    • ToMuch

      @Sole Mio:

      Irgendwann muss man allerdings entscheiden, was wichtiger ist: Fläche für Landwirtschaft oder Fläche für wohnen… Und bei Corona konnte mannhaft schnell sehen anhand leerer Regale, wie wichtig die Landwirtschaft ist.

      • FriedrichHecker

        @ToMuch:

        Landwirtschaft findet hierzulande immer weniger statt - ob nun Wohnungen gebaut werden oder nicht...

        Zumal auf Flächen wie dem Tempelhofer Feld seit deutlich mehr als einem Jahrhundert keine Landwirtschaft mehr betrieben wird.😉

  • Axel Schäfer

    Wir sind ja im europäischen Schnitt mal wieder auf dem letzten Platz beim Wohneigentum gelandet. Da sollte man bei den Überlegungen vielleicht mal daran denken, die Möglichkeiten schaffen Wohnraum zu erwerben, bei sehr hohen Mieten ist das ja in der Regel Geld was zum größten Teil dem Vermögensaufbau und einer Altersvorsorge in Form von eigenem Wohnraum entzogen wird und dann in Taschen von Aktionären landet, die damit jetzt auch keinen günstigen Wohnraum bauen und regelmäßig kaum Steuern darauf entrichten.

  • T-Rom

    Es sind 2 verschiedene Probleme:



    Mehr Wohnungen in Hand von Genossenschaften oder kommunalen Gesellschaften können für niedrigere Mieten / Nebenkosten sorgen. Hat über Jahrzehnte gut funktioniert, bis der Privatisierungswahn kam.



    Um mehr Wohnraum zu bauen müssen die Kosten gesenkt werden, u.a. auch durch weniger strenge Vorschriften, einfachere Bewilligung von Baugelände. Da ist man in den letzter Zeit weit über das Ziel hinausgeschossen, und jetzt hat man die Folgen.



    Auch eine konsequentere Nutzung von leerstehenden Immobilien (zB Bürogebäuden) könnte hier und da helfen.

    • Normalo

      @T-Rom:

      Einen eher kleinen Teil des Wohnraums unter Marktpreisen anzubieten, sorgt exakt so lange für niedrigere Preise, bis dieser kleine Teil vollständig vermietet ist. Gerade da, wo Wohnungsnot und Mietinflation besonders groß sind, dürfte sich dieser Zeitraum in Stunden messen lassen.



      Danach geht es weiter wie gehabt: die nächste freie Wohnung wird wieder für genau den Preis vermietet den Jemand dafür maximal zu zahlen bereit ist, und wer eine von den günstigen Wohnungen ergattert hat, gibt sie nicht mehr her. Aber

    • Comerade Aardvark

      @T-Rom:

      auch ein Detail, das verärgert: Kommunen verkaufen an Höchstbietende, die gleichen Baureferenten schimpfen ein Jahr später, dass nur "Luxuswohnungen" gebaut werden.

    • economista

      @T-Rom:

      Das Zweckentfremdungsverbot sanktioniert aber die Nutzung von Büros zu Wohnzwecken und macht flexible Ansätze unmöglich.

      • T-Rom

        @economista:

        Man könnte die Gesetzeslage ja entsprechend anpassen.

        • FriedrichHecker

          @T-Rom:

          Wer ist denn dieser ominöse "man"? Weiß der, was er könnte?

          Und will er das auch tun? Ich habe das Gefühl, ihm ist das entweder egal oder er ist der Ansicht "Wohnungskonzerne enteignen" wäre die einzige funktionierende Lösung...

  • David Lejdar

    Da gab es auch die DDR, mit Monopol auf Wohnungen, wo SED-Funktionäre, Stasi-Mitarbeiter und so, bei Wohnungsvergabe bevorzugt wurden, während weitere Leute Jahre warten durften. Und so krass mag das nun nicht werden, aber nachdem billig privatisiert wurde, um teuer zurückzukaufen - an für sich nicht garantiert, dass weiterer Senat nicht schon wieder billig privatisiert, oder selbst Mieten anhebt, um Haushaltslöcher zu stopfen, usw.

    Unterdessen wäre auch Option einfach mal Grundsicherung im Alter um z.B. 200 Euro anzuheben, und paar Studetenwohnheime gebaut, wobei derzeit in Berlin angeblich rund 150.000 Studenten in Mietwohnung/WG leben - und da wäre es ja belegbare Entlastung, wenn diese Wohnungen verfügbar wären. Und allgemein auch mal bei dem Mietpreisspiegel konsequenter zu sein, wo Bundesjustizministerin letztens nannte, dass es mit Strafen einhergehen sollte, wenn Verstoß - was vernünftig wäre.

  • Goldi

    Danke! Sehr guter Kommentar! :-)

  • Black & White

    Profitieren würden nur die Mieter der enteigneten Immobilienkonzerne, unabhängig, ob die Mieter wohlhabend sind oder eher ein geringes Einkommen haben. Alle Anderen (Mieter als auch Wohnungssuchende) würden in die Röhre schauen.

    Das klingt wie eine Klientel-Politik, die die Masse der Bedürftigen im Regen stehen lässt. Warum sich die Linke für eine solche ungerechte Lösung einsetzt, bleibt mir ein Rätsel.

  • Encantado

    "In Berlin fehlen massenhaft bezahlbare Wohnungen. Deshalb ist Vergesellschaftung großer Immobilienkonzerne ein Mittel, den Mietmarkt zu entspannen."



    Mir fehlt im Text die Argumentation, warum eine Vergesellschaftung mehr Wohnungen schaffen soll, wie diese Unter-Überschrift suggeriert.



    "Es ist eine veritable Doppelkrise: Zu wenig Angebot und zu hohe Preise."



    Das wiederum sind keine zwei Probleme. Das zweite resultiert aus dem ersten.

    • economista

      @Encantado:

      Zu wenig Angebot führt nur zu hohen Preisen, solange ein freier Wohnungsmarkt entscheidet, wer in welcher Stadt leben darf oder kann. Mit staatlichen Quoten wäre das Problem gelöst; ein vergesellschafteter Wohnungsbestand könnte das Problem zumindest für gut vernetzte Aktivisten entschärfen.

      • Normalo

        @economista:

        Der vergesellschaftete Wohnraum wird immer nur einen Bruchteil der Bestände ausmachen. Wenn dieser Bruchteil dann günstig vermietet ist (oder sagen wir: so günstig, wie die Last der Enteignungsentschädigung es erlaubt), geht das Hauen und Stechen um den übrigen Wohnraum weiter.



        Schaut man ins "Mieterparadies" Wien mit seinen von Linken weltweit bejubelten Gemeinde akuten, kann man es schön beobachten: gutvernetzte (und teilweise auch durchaus -betuchte) Mietvertragserben, gern im Staatsdienst und tapfer rot oder grün wählend, singen das Vergesellschaftung-Loblied und verhindern diskret jegliche Fluktuation. Derweil halten sich die privaten Mieten oder auch die Grundstückspreise im Umland mit internationalem Niveau locker mit.

        • Comerade Aardvark

          @Normalo:

          Das stimmt nicht so ganz. Freie Preise gibt es nur im Neubau. Im Altbestand (innerhalb des Gürtels ist das sehr, sehr viel) gibt es strenge Vorgaben. Allerdings "hilft" der Magistrat: wir schreiben denen alle paar Jahre, was wir denn für jede Wohnung nehmen sollten und erhalten innert Tagen eine durchkalkulierte Antwort. Das ist dann ein faktisch nicht anfechtbarer Mietzins. Die Rendite ist nicht riesig, aber sicher. Man muss bei der Auswahl halt streng sein.

        • ToMuch

          @Normalo:

          In Wien haben auch die Linken nicht 200.000 Wohnungen verscherbelt..,

        • Duplozug

          @Normalo:

          Genau das ist es doch. Der Markt wird noch stärker zwei geteilt. In Mieter die einen SpottPreis zahlen obwohl sie es sich leisten können und dort natürlich für immer bleiben. Während Leute die suchen die Verlierer sind. Und deshalb hilft auch nur mehr Wohnungen bauen.

      • Encantado

        @economista:

        "Zu wenig Angebot führt nur zu hohen Preisen, solange ein freier Wohnungsmarkt entscheidet..."



        Ah so. Sie wollen also neben den großen Immobilienkonzernen alle Grundstückseigentümer faktisch oder tatsächlich enteignen. Sagen Sie das doch gleich.



        Inwieweit das zu größerem Angebot führt, wäre ich gespannt zu hören.



        "Mit staatlichen Quoten wäre das Problem gelöst"



        Bis auf die armen Schweine, die nicht in die Quoten fallen.



        "ein vergesellschafteter Wohnungsbestand könnte das Problem zumindest für gut vernetzte Aktivisten entschärfen."



        Das nennt man glaub ich Klientelpolitik. In Zusammenhang mit staatlichem Zwang fallen mir da weitaus häßlichere Bezeichnungen zu ein.

        • economista

          @Encantado:

          Wenn aber 85 Millionen Deutsche alle in Berlin leben möchten, müssen sie durch unerschwingliche Preise abgeschreckt werden. Alternativ könnten staatlich verordnete Zuzugsbeschränkungen die Nachfrage unterdrücken. Ich schreibe das nicht, weil ich den zweiten Lösungsweg bevorzuge; im Gegenteil. Die Idee der Vergesellschaftung, wenn sie nicht auf besonders problematische Marktteilnehmer beschränkt bleibt, sehe ich als einen Mittelweg, der billige Wohnungen zum Privileg macht.

          • Encantado

            @economista:

            "Wenn aber 85 Millionen Deutsche alle in Berlin leben möchten, müssen sie durch unerschwingliche Preise abgeschreckt werden."



            Zum Glück wollen sie das nicht. Fragen Sie z. B. mal in München, Frankfurt, Hamburg oder Köln nach, ob die den Eindruck haben, dass Berlin bezüglich der Mieten stärker unter Druck steht als sie.



            "Die Idee der Vergesellschaftung, wenn sie nicht auf besonders problematische Marktteilnehmer beschränkt bleibt, sehe ich als einen Mittelweg, der billige Wohnungen zum Privileg macht."



            Und die Schaffung von Privilegien für wenige ist jetzt wünschenswert? Irgendwie kann ich Ihnen nicht folgen.

    • AndreasM

      @Encantado:

      Geht mir genauso. Ketzerische Frage, wäre es nicht viel schlauer, für das viele Geld neue Wohnungen zu bauen? Das führt langfristig zu mehr Angebot und damit wieder zu sinkenden Mieten für ALLE Wohnungen.

      • Desdur Nahe

        @AndreasM:

        "wäre es nicht viel schlauer"



        Kommt drauf an, welches Ziel man hat.



        Wenn Privateigentum böse ist und der Wohnungsmarkt unter staatliche Kontrolle soll, dann wären viele neue Wohnungen kontraproduktiv. Ein entspannter Wohnungsmarkt würde die Zustimmung zu Enteignungen einbrechen lassen.

  • Filou

    Enteignung wird irrsinnig hohe Entschädigungsbeträge kosten. Berlin ist so schon pleite. Wie soll das gehen ?

    • ToMuch

      @Filou:

      Und die ollen Buden müssen dann noch aufwändig und teuer saniert werden. Also nochmal Geld, dass nicht da ist.

      • Müller Christian

        @ToMuch:

        Und verwaltet. Ob das ein Stärke von Berlin ist? Und man benötigt natürlich auch wieder neue Beamte.

  • Herr Lich

    Versuchen wir mal einen Vergleich. Nehmen wir die S-Bahn.



    Nehmen wir an, diese ist übervoll. Nun haben wir 10.000.000€ auf der Straße gefunden und wollen den Bahnfahrern helfen.



    Variante 1:



    Ich kaufe ein paar Wagen auf, lackiere diese um und wer jetzt in diesen Wägen fährt, der zahlt 20% weniger (so lange das Geld halt reicht. Das ich nach kurzer Zeit, mit Blick auf die Unterhaltskosten, doch wieder die Preise anheben muss, ignorieren wir erstmal - es sei denn natürlich, ich finde noch einmal Geld auf der Straße). Natürlich passe ich auf, dass hier nur Leute einsteigen, die sich den vollen Preis nicht leisten können. Wenn andere Bahnfahrer traurig sind, dass sie immer noch in übervollen Zügen zum hohen Preis fahren, bügle ich als grundlosen Neid ab– schließlich gibt es ja Leute, die jetzt preiswerter fahren, und das war ja das Ziel. Dass nicht allen geholfen werden konnte, war hoffentlich jedem vorher klar.



    Variante 2:



    Ich baue ein paar neue Wagen→ mehr Platz, aber keiner spart



    Variante 3:



    Ich senke die Preise→ weiter voll, aber alle sparen erst einmal



    Variante 4:



    Ich baue neue Züge, die zusätzlich fahren, billiger und nur für Bedürftige sind

    Wie würden sie entscheiden?

    • GaGaZar

      @Herr Lich:

      Variante 1. Ganz klar.



      mit freundlichen Grüßen



      ein Bewerber auf ein führendes Parteiamt bei der Linken



      ps: meine Stärken sind logisch denken und ich habe ein gutes Zahlenverständnis. Hat zumindest meine Mutti gesagt.

  • Minderleister

    Ich bin Mitglied bei der Berliner Wohnungsbaugenossenschaft EVM mit einer vergleichsweise niedrigen Miete bzw. „Nutzungsgebühr“, und solche Vermieter sind ausdrücklich von den Vergesellschaftungsambitionen der Linken ausgenommen.



    #



    Dennoch hat sich der EVM in einem Rundschreiben an seine Mitglieder dagegen ausgesprochen, unter anderem mit dem banalen Standardargument, dass dadurch ja keine einzige zusätzliche Wohnung geschaffen werde. Als ob das eine Rechtfertigung dafür wäre, dem asozialen Treiben von Vonovia & Co. weiterhin tatenlos zuzuschauen.



    #



    Ernster nehme ich da schon den Hinweis, dass durch die dann fälligen Entschädigungszahlungen sich die Verschuldung des Landes Berlin weiterhin massiv erhöhen würde.



    #



    Insgesamt empfinde ich dieses Rundschreiben aber als durchschaubaren Versuch einer Beeinflussung der Genossenschaftsmitglieder bei der Wahl des Berliner Abgeordnetenhauses am 20.09.2026.

    • TheBox

      @Minderleister:

      3 Fakten zu Genossenschaften: a) Firmen können Genossenschaftsmitglieder sein. b) Genossenschaften entscheiden intern und unabhängig, wen sie aufnehmen und wen nicht. c) Genossenschaften dürfen durchaus Profit machen. Welchen Mantel werden sich dann wohl die großen Berliner Immofirmen überwerfen, wenn es akut wird? Und wenn dann immer noch vergesellschaftet werden soll, müssen aus Gründen der Rechtsgleichheit große Genossenschaften ebenfalls vergesellschaftet werden, sonst bricht das ganze erträumte Konstrukt zusammen. Ihre Genossenschaft ist keineswegs sicher.

      • Minderleister

        @TheBox:

        »Welchen Mantel werden sich dann wohl die großen Berliner Immofirmen überwerfen, wenn es akut wird?«

        Wer sich eingetragene Genossenschaft (eG) nennt, muss auch die entsprechenden gesetzlichen Voraussetzungen erfüllen. Dazu gehört unter anderem, dass Gewinne zweckgebunden sind (z. B. Rückstellungen für zukünftige Investitionen, aber keine Dividenden für Anteilseigner).

        • uwe

          @Minderleister:

          Meine Wohnbaugenossenschaft zahlt Dividende. Viele andere auch.

          • Minderleister

            @uwe:

            Meine auch. Daher die Korrektur unten, die du wohl übersehen hast.

        • Minderleister

          @Minderleister:

          »… keine Dividenden für Anteilseigner…«

          Genauer gesagt für Aktionäre, denn die Genossenschaftsmitglieder erhalten ja durchaus eine Dividende für ihre Anteile.

          • Britzer

            @Minderleister:

            Meine Baugenossenschaft zahlt ebenfalls Dividende, in etwa der Höhe von Festgeld.



            Und was heißt zweckgebunden. Die Gewinne können für Neubau und Instandhaltung verwendet werden. und wie hoch die Dividende wird, entscheidet der Vorstand der Genossenschaft.



            Die Genossen sind hier die Aktionäre, sie heißen nur anders. Damit treffen alle Punkte von TheBox zu. Lesen sie sich den Brief ihrer Genossenschaft doch noch einmal durch ...

            • Minderleister

              @Britzer:

              Soso, es ist also dasselbe, ob die Mieter die Dividende erhalten oder externe Aktionäre. Interessante Auffassung!

              • FriedrichHecker

                @Minderleister:

                In vielen Wohnbaugenossenschaften sind auch Unternehmen Mitglied - in der hiesigen beispielsweise die Firma Bosch. Die bekommen Dividende, ohne Mieter zu sein. Und die Bosch-Mitarbeiter, die eine Genossenschaftswohnung wollen, müssen trotzdem moch selbst Genossenschaftsmitglied werden...

  • C. Avestruz

    "Bauen können auch Genossenschaften, der Staat, Gewerkschaften und Familien – und zwar bezahlbaren Wohnraum. Das wiederum ist historisch belegt."

    Der Aufkauf bestehender Wohnungen steht in Konkurrenz zum neu Bauen, da das -noch zu leihende Kapital- nur einmal ausgegeben werden kann . Während der Neubau das Angebot an Wohnungen vergrößern würde, bliebe beim Aufkauf alles so knapp wie zuvor.



    Warum macht sich die Partei Die Linke nicht lieber für Bauen stark?

    • Axel Schäfer

      @C. Avestruz:

      Ich bin gerade in Graz, die haben ja wieder eine kommunistische Bürgermeisterin, da wird an allen Ecken und Enden gebaut, neben vielen exklusiven Neubauten (7.000€/m2) auch viel öffentlich geförderter Wohnraum und auch der Bund hat dort viel günstigen Wohnraum zu vermieten, weil dort was bei uns die BIMA ist dort in den 1990ern den Auftrag bekam auf staatlichen Flächen wenns geht Wohnraum zu errichten. Von denen gibt es z.b. auch Wohnungen die mit Erdwärme beheizt werden da zahlt man fest/pauschal je 1€/m2 für Warmwasser und je 1€/m2 für Heizung. Zumindest sieht man dort Bewegung.

      • Comerade Aardvark

        @Axel Schäfer:

        Nicht nur "wieder" - Elke Kahr wurde unmittelbar wiedergewählt, weil sie und ihr Team sehr gute Arbeit machen und insgesamt glaubwürdig sind. Da hat es Graz schon ganz gut getroffen. Indes färbt "nebenan" in Oberösterreich ein FPÖ-Wohnbaulandesrat die Genossenschaft um und forciert den Verkauf weit unter Wert von Wohnungen an seine Vertrauten... und in Wien hilft schon seit eh und je eine SPÖ-Connection. Irgendwas ist immer, leider.

  • behr Behr

    Der Autor geht etwas leichtfertig für einen forschenden Wissenschaftler mit den Fakten um, wenn er die Privatisierung von



    Teilen der kommunalen Unternehmen der Daseinsvorsorge so



    umfassend beschreibt „ alles was nicht niet-u. nagelfest war“ wurde



    privatisiert. Diese pauschale Darstellung ist nicht nur bei der Bahn, die immer noch im Eigentum des Bundes, falsch.



    Und mit Venovia-Aktien sind die Aktionäre auch nicht reich geworden, die Dividenden der letzten Jahre wiegen die Verluste



    Der Aktie in den letzten 3 Jahren nicht annähernd aus.



    Im übrigen werden die privaten Vermieter, die zu 50 % in Berlin den



    Wohnungsmarkt versorgen sicher ihre Schlüsse aus der Vergesellschaftung ziehen, denn die Polemik gegen die



    „Vermieterlobby“ macht keinen Unterschied von Konzernvermietern u. Privatvermögen. Die Argumentation des Autors trifft auch sie



    als Enteignungsobjekt - sie sind dran früher oder später.

    • Comerade Aardvark

      @behr Behr:

      Und deshalb sollte Berlin gleich alle enteignen. Dann ist Wohnen dem Markt entzogen, der politischen Willkür ausgeliefert und das Paradies auf Erden nah. Und selbstverständlich soll Bayern dafür bezahlen, schließlich liefert Berlin im Gegenzug einen immerwährenden Buhmann.

      • Encantado

        @Comerade Aardvark:

        "...deshalb sollte Berlin gleich alle enteignen. Dann ist Wohnen dem Markt entzogen, der politischen Willkür ausgeliefert und das Paradies auf Erden nah."



        Warum dann beim Wohnen aufhören? Alles (einschließlich der Nieren) gehört dann der Obrigkeit, die nach Belieben darüber verfügen kann.



        Und alle sind gleich glücklich.

  • Chaos-NRW

    Bis heute hat noch niemand erklären können, wie die Vergesellschaftung zu mehr bezahlbarem Wohnraum führen soll. Der Wohnraum, der vergesellschaftet werden soll ist ja nicht neu und die Mieten werden ja auch nicht gesenkt werden können, da man mit den Mieteinnahmen ja die dafür aufgenommenen Kredite finanzieren will. Das geht aber nur, wenn der Mietpreis mindestens stabil bleibt.

    Wo also entsteht neuer bezahlbarer Wohnraum durch diese Maßnahme?

  • Mopsfidel

    "Die Vergesellschaftung würde zwar nicht die Angebotskrise lösen, sehr wohl aber das Ruder in der Preiskrise herumreißen."

    Die Preiskrise am Wohnungsmarkt entstand durch die Angebotskrise. Wenn man das Angebot nicht erhöht, löst sich damit auch nicht die Preiskrise. Die Argumentation von Uwe Fuhrmann ist daher fundamental falsch.

    Eine Vergesellschaftung löst nur das Preisproblem innerhalb(!) der großen Wohnungsunternehmen; in diesem Fall circa 200.000 Wohnungen von Vonovia und Co. Die anderen circa 1,2 Millionen Wohnungen des freien Marktes bleiben dem großen Preisdruck weiterhin ausgesetzt. Die Entnahme der 200.000 Wohnungen aus dem freien Markt würde den Preisdruck in diesem Segment sogar noch verschärfen.

    Kommunalisierung löst das grundsätzliche Problem nicht, es verlagert nur Probleme. So bräuchten die landeseigenen Gesellschaften zum Beispiel deutlich mehr MitarbeiterInnen. Und die Liste der Kritiken (lange Wartezeiten, hohe Mieten bei Neubauten, etc.) wird dadurch auch nicht kürzer.