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Der 3. Oktober Das Beste für den Einheitstag ist das Wahlergebnis in Berlin

Simone Schmollack

Kommentar von

Simone Schmollack

Der Tag der Deutschen Einheit ist für die meisten Menschen kein besonderer Tag. Angesichts der politischen Entwicklung ist er aber wichtiger denn je.

M al Hand aufs Herz: Wem ist der Tag der Deutschen Einheit wirklich wichtig? Als Ereignis, das Menschen – trotz aller Schwierigkeiten – als Erfolg des Zusammenwachsens von Ost und West feiern. Als Datum, an dem daran erinnert wird, dass es in der DDR eine friedliche Revolution gegeben hat. Als Moment, der vielleicht so etwas wie Stolz auf die jüngste deutsche Geschichte zulässt und möglicherweise einen positiven Blick in die deutsch-deutsche Zukunft. Die meisten Menschen werden sagen: Das ist mir alles vollkommen wurscht, ich freue mich über den freien Tag. Und manche werden zum wiederholten Male fragen, warum der Einheitsfeiertag ausgerechnet am 3. Oktober begangen wird. Das Datum hat keinerlei historische Anbindung – weder in Ost noch in West.

Der 3. Oktober ist schon länger eher ein Medienereignis, weil sich die Politik an diesem Tag selbst feiert – ob sie nun Anlass dazu hat oder nicht. Die anfängliche Euphorie über die deutsche Einheit ist in den vergangenen Jahren Resignation und Wut gewichen: Im Osten sucht man nach den blühenden Landschaften, im Westen ärgert man sich über die Demokratieverweigerer zwischen Rostock und Zittau.

Manche wünschen sich die Mauer zurück – in Ost und in West. Dass das nicht passieren wird, dürfte selbst jenen klar sein, die am lautesten danach schreien. Ebenso klar ist, dass die Bundesrepublik heute nicht mehr die ist, die sie nach der Wiedervereinigung und selbst noch vor 20 Jahren war.

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Die taz ist eine unabhängige, linke und meinungsstarke Tageszeitung. In unseren Kommentaren, Essays und Debattentexten streiten wir seit der Gründung der taz im Jahr 1979. Oft können und wollen wir uns nicht auf eine Meinung einigen. Deshalb finden sich hier teils komplett gegenläufige Positionen – allesamt Teil des sehr breiten linken Meinungsspektrums.

Das hat weniger mit Ost und West zu tun als mit heftigen nationalen und globalen Veränderungen. Da ist der Aufstieg der AfD, der sich einfügt in das weltweite Erstarken extrem rechter Bewegungen – in Europa, Südamerika, in den USA. Da ist die Spaltung der Gesellschaft, die viele als Folge der Coronapandemie interpretieren, die aber vor allem ein Ergebnis jahrzehntelanger erfolgreicher Zersetzung von Demokratien durch global agierende rechte Netzwerke ist. Und da sind Kriege, Krisen, Klimawandel, die wirtschaftliche Unsicherheiten und individuelle Ängste schüren. Nun auch noch befeuert durch die menschengemachte Ungezügeltheit von KI.

Es gibt genug Zeitzeugen, die die DDR in all ihren Facetten erklären können, von Kitas und Polikliniken, über Wohnungsnot und stinkende Trabis, bis hin zu Stasi und Kindesentzug

Die Antwort auf all das kann nicht lauten: Vorwärts in die Vergangenheit. Nichts anderes hieße es, der Ostalgie Raum zu geben, die heute nicht wenige Menschen befällt, selbst jene, die um die Wende herum geboren wurden. Wer heute jünger als 40 ist, hat von der real existierenden DDR keinen blassen Schimmer. Bestenfalls wissen die, die sich für die DDR-Geschichte interessieren, was es hieß, in dem Land gelebt zu haben – mit all den Freiheitsbeschränkungen, Bevormundungen, Repressalien, Ängsten. Diese Unwissenheit (oder Verdrängung) wissen Rechtsextreme wie Björn Höcke und Ulrich Siegmund im Osten bewusst zu nutzen – mit bestechend guter Laune und so schlichten Devotionalien wie einer Simson.

Es hilft wenig, dieses schrottige Moped entmystifizieren zu wollen und die faschistoide Propaganda der AfD auseinanderzunehmen, wenn das auf Nichtwissen und die Haltung trifft: egal wie, Hauptsache gegen die „Eliten“. Helfen würde ein Geschichtsunterricht, der die DDR stärker thematisiert. Noch gibt es genug Zeitzeugen, die das Land in all seinen Facetten erklären können, von Kindergärten und Polikliniken, über Wohnungsnot und stinkende Trabis bis hin zu Stasiknast und Kindesentzug. Gleichwohl braucht es eine ehrliche Einordnung der alten BRD, die mehr war als Golf GTI, Eduscho-Kaffee, RAF.

Eine hochgezogene Mauer wird es wie gesagt nicht wieder geben. Gleichwohl taucht die berühmte Mauer in den Köpfen wieder öfter auf. Leider gibt das Ossi-Bashing nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt, bei der die AfD stärkste Kraft wurde, noch einen drauf.

Vergessen wird dabei häufig, dass die AfD kein Ostphänomen ist, sondern ein gesamtdeutsches. Der Osten ist – und das ist jetzt kein Lob – diesbezüglich nur Avantgarde. Gelingt es einer Großstadt, die AfD einigermaßen in ihre Schranken zu weisen, wie bei der kürzlichen Abgeordnetenhauswahl in Berlin, ist es auch wieder nicht recht. Weil die Hauptstadt von der Linkspartei regiert werden könnte, drohen unionsgeführte Länder damit, ihr den Geldhahn zuzudrehen. Abgesehen davon, dass das nicht so einfach geht, ist das Berliner Wahlergebnis das Beste, was die deutsche Einheit gerade zu bieten hat: Wir gemeinsam gegen rechts.

Simone Schmollack

Simone Schmollack Ressortleiterin Meinung

Ressortleiterin Meinung. Zuvor Ressortleiterin taz.de / Regie, Gender-Redakteurin der taz und stellvertretende Ressortleiterin taz-Inland. Dazwischen Chefredakteurin der Wochenzeitung "Der Freitag". Amtierende Vize-DDR-Meisterin im Rennrodeln der Sportjournalistinnen. Autorin zahlreicher Bücher, zuletzt: "Und er wird es wieder tun" über Partnerschaftsgewalt.
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71 Kommentare

  • Zippism

    Welch rührende Definition von deutscher Einheit: Wenn in Berlin die gewünschte Partei gewinnt, ist plötzlich zusammengewachsen, was zusammengehört. Demokratie ist offenbar dann besonders gelungen, wenn sie das richtige Ergebnis produziert.

    Dass Berlin gleichzeitig vor erheblichen Problemen bei Wohnungsbau, Verwaltung, Infrastruktur und Haushaltslage steht, ist natürlich nur lästige Erbsenzählerei. Hauptsache, das Wahlergebnis fühlt sich moralisch richtig an.

    Und wer angesichts der möglichen Linksregierung Bedenken anmeldet, ist nicht etwa ein Bürger mit einer anderen politischen Auffassung, sondern offenbar gleich Teil des großen „Wir gegen rechts“. So einfach kann politische Analyse sein.

    Vielleicht wäre der Tag der Deutschen Einheit tatsächlich ein guter Anlass, sich daran zu erinnern, dass Demokratie nicht bedeutet, dass immer die eigene politische Seite gewinnt. Sondern dass man auch ein Wahlergebnis aushalten muss, das einem nicht gefällt. Selbst in Berlin.Selbst in Berlin.

    • Mondschaf26

      @Zippism:

      „ ,Wir gegen rechts'. So einfach kann politische Analyse sein."



      „Wir g e m e i n s a m gegen rechts'." Gemeinsam.



      Das ist keine Analyse. Das ist der Auftrag. Und der ist nicht einfach.

  • Hans aus Jena

    Was an DDR-Verklärung anders wird, wenn die Linke regiert, deren Jugendorganisation dieselbe betreibt, wird ein Geheimnis der Autorin bleiben: www.tagesschau.de/...nksjugend-106.html

  • Astrid Sehnefeld

    "Das Beste für den Einheitstag ist das Wahlergebnis in Berlin"



    Das Wahlergebnis in Berlin zeigt eine tiefe Spaltung zwischen Innenstadt und Vororten, sowie zwischen Stadtteilen mit hohem und niedrigen Migrantenanteil.



    Sozusagen eine perfekte Miniatur der bundesweiten Reibungspunkte.



    Vllt schafft es ja die neue Kenia-Koalition - so sie hoffentlich zustande kommt - manche Gräben zu schließen.

    • Dr. McSchreck

      @Astrid Sehnefeld:

      Die Kenia-Koalition würde wieder immens viele Wähler enttäuschen, wie schon die Ampel, den Linken wäre sie nicht links genug, den anderen nicht rechts genug. Gestärkt würden die Ränder.

      • Astrid Sehnefeld

        @Dr. McSchreck:

        Gut möglich, aber Berlin wäre nicht pleite und die Remmos nicht in Reichweite von sensiblen Daten...



        Reicht so schon was dieser Clan dem Staat auf der Nase rumtanzt

        • Dr. McSchreck

          @Astrid Sehnefeld:

          Berlin wurde doch vor den letzten Wahlen von Rot-Rot-Grün regiert, wenn auch unter SPD-Führung. Natürlich war da nichts besser, zum Justizressort bin ich da sehr sicher, die Behörden waren noch dysfunktionaler, aber die Bürger haben wohl ein kurzes Gedächtnis.

          Offenbar müssen sie erst erleben, dass auch diese neue Regierung nicht ihre Träume erfüllen wird, aber vielleicht gelingt es ja den Parteien, den beiden anderen in der Koalition die Schuld zu geben oder auch nur der SPD, in der noch ein paar vernünftige Leute dabei sind.

          Die Remmos wurden schon seit Frau Heisigs Zeiten nicht wirklich ins Visir genommen, das hat sich zuletzt leicht geändert, aber das liegt eher an neuen Gesetzen. Auch RRG wird nicht wagen, denen ihre Beute einfach zu überlassen.....

  • Reinero66

    Was soll an diesem Ergebnis in Berlin gut sein?



    Das die Stadt nicht regierbar ist, noch mehr Schulden gemacht werden, keine Wohnungen von wem auch immer gebaut werden?



    Neuwahlen in einem Jahr?



    Fragen über Fragen.

  • Alex_der_Wunderer

    Welcher Doofi hat eigentlich das Gerücht verbreitet, der Mauerfall / " Die Einheit " , hätte auch nur im entferntesten irgendetwas zum Wohle der gemeinen Bevölkerungen in Ost und West zu tun gehabt ?

    • rero

      @Alex_der_Wunderer:

      Das musste keiner verbreiten.

      Das war offensichtlich.

    • Jutta57

      @Alex_der_Wunderer:

      Vielleicht ein Doofi, der Freiheit schätzt.

      • marilyn.hanson

        @Jutta57:

        "Freiheit zu" oder "Freiheit von"? "Freiheit zu" (Grundbedürfnissen) ist nämlich wieder zunehmend eingeschränkt (ökonomisch vielleicht mehr noch als zu Zeiten "damals in der DDR").

      • Alex_der_Wunderer

        @Jutta57:

        @ Jutta57



        Dann is datt Doofi aber nicht ganz so doofi wie die AfD Wähler, wa.



        Die AfD Wähler wollen sich ja selber durch demokratische Wahlen, in die Unfreiheit wählen.

        • Zippism

          @Alex_der_Wunderer:

          Schon erstaunlich: Kaum geht es um die Freiheit, wird sie bei manchen offenbar zum exklusiven Besitz der politisch erwünschten Wählergruppe. Wer anders wählt, stimmt demnach gleich für die „Unfreiheit“. Eine bemerkenswert bequeme Definition von Demokratie.

          Man könnte natürlich auch anerkennen, dass Menschen aus unterschiedlichen Gründen AfD wählen und nicht automatisch ihre demokratischen Rechte abschaffen wollen. Aber dann müsste man sich ja tatsächlich mit deren Motiven auseinandersetzen, statt ihnen pauschal geistige Unzurechnungsfähigkeit zu unterstellen.

        • rero

          @Alex_der_Wunderer:

          Die AfD-Wähler fühlen sich jetzt bereits durch die Nichtbeachtung ihres Wählerwillens unfrei.

          Folglich wäre jede AfD-Regierung, die den Willen beachtet, für sie ein Gewinn an Freiheit.

  • Wanderin

    Da beim neuen Faschismus um Phantombesitz gekämpft wird, ist meine Frage, ob es falsch war, Ostalgie abzuwerten und zu "verbieten"? Mit Ostalgie meine ich das Wertschätzen von harmlosen Dingen wie Moped- Marken, Spreewaldgurken, nicht den Wunsch nach der Staatsform. Sich diese Marken zurückzuwünschen, muss ja nicht heißen, dass man die DDR wieder haben will. Ich würde es damit vergleichen, dass jemand, der Meghan & Harry Klatschpresse liest, damit auch nicht antidemokratische Tendenzen zeigt und die Monarchie einführen will..

    • marilyn.hanson

      @Wanderin:

      Mal sehen, mal sehen. "Die Monarchie einführen will" ist ggf. etwas stark, aber sich nun mit seinem Leben dagegen zu sperren - darauf würde ich ja nicht wetten wollen!



      Die Struktur des Spätkapitalismus führt auch zu neofeudalen Oligarchen, die vielleicht kompatibel sind zu der monarchistischen Klatschberichterstattung. Ich habe vernommen, dass ein US-Oligarch sich jüngst zu seiner Hochzeit eine eurpoäische Großstadt gemietet haben soll - Demokratie und Unmut der Bewohner*innen hin oder her. Auch soll es darüber Klatschberichterstattung gegeben haben, die auch - nicht nur negativ - rezipiert und konsumiert worden sein soll.

      • Wanderin

        @marilyn.hanson:

        Ja, die Übergänge von harmlos zu "nicht mehr harmlos" sind fließend bei diesen Dingen.

  • Boris80

    Ich war damals schon gegen die Wiedervereinigung und lediglich für die Einbettung der DDR in die europäische Union. Heute noch mehr denn je, wenn ich mir den braunen Sumpf in den neuen BL anschaue. Dies ist jetzt des Erbe der Wiedervereinigung, die besser hätte laufen müssen!

  • Zangler

    Wie wäre es denn mit einem auf die Zukunft gerichteten Feiertag, am besten bei meistens schönem Wetter? Der 23. Mai, Tag des Grundgesetzes! An liebsten schon 2027 mit einer Diskussion, wie die uneingelösten oder verloren gegangenen Versprechen des GG eingelöst werden, z.B.:



    Männer und Frauen sind gleichberechtigt.



    Das Briefgeheimnis sowie das Post- und Fernmeldegeheimnis sind unverletzlich.



    Die Wohnung ist unverletzlich.



    Zwangsarbeit ist nur bei einer gerichtlich angeordneten Freiheitsentziehung zulässig.



    Politisch Verfolgte genießen Asylrecht.



    Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen.



    Das Deutsche Volk bekennt sich darum zu unverletzlichen und unveräußerlichen Menschenrechten als Grundlage jeder menschlichen Gemeinschaft, des Friedens und der Gerechtigkeit in der Welt.



    – Um nur ein paar zu nennen ...



    Diskutieren wir darüber, wie wir das verstehen und überlassen das nicht Karlsruhe! Verpflichten wir unsere Politiker:innen darauf, für ein Deutschland zu sorgen, dass diesem Grundgesetz, so wie es allgemein verstanden wird, mehr und mehr entspricht. So war das mal gedacht, mit dem BVerfG als Rettungsanker, wenn die Politik nicht mitspielt.

  • Otto Buchmeier

    Vorschlag für den Tag der Einheit: 9. Oktober 1989 - war der Tag an dem 100.000 Menschen in Leipzig demonstriert haben, obwohl sie nicht wussten, ob die Partei an dem Tag schießen lassen wird. Polizei, besonders ausgebildete Armeeeinheiten, Kampfgruppen, … waren sichtbar vor Ort. An dem Tag wurden Gerüchte gestreut, dass die Leipziger Krankenhäuser mit Blutkonserven aufgefüllt wurden. Das DDR Fernsehen hatte die Demonstrierenden als Rowdies diskriminiert, denen man keine Träne nachweinen soll. Spätestens an diesem Tag hatten die existierenden Oppositionsgruppen einen Großteil der unzufriedenen Bevölkerung hinter dem Ofen hervorgelockt und einen Schulterschluss geschaffen. Das wäre ein wirklicher Revolutionstag für eine Einheitsfeier.



    Am 3. traten irgendwelche Dokumente in Kraft, am 9. November hat sich ein SED-Politiker versprochen. Besiegt werden musste die SED-Alleinherrschaft, nicht die Mauer.

    • taz.manien

      @Otto Buchmeier:

      Nur schade daß genau jene mutige Menschen in der Politik sich nicht wieder finden konnten. Sie waren der damaligen Politik und Seilschaften in der Wendezeit ein Dorn im Auge. Schade das Ostdeutschland sich nicht genau auf dieses Erbe bezieht, wenn sie wirklich etwas zum besseren in den neuen Bundesländern ändern wollen. Vielleicht ist das auch eine Illusion von mir, weil nur 100.000 für Ihre Freiheit gekämpft haben und das sogar in letzter Konsequenz mit Ihren Leben sogar bezahlt hätten, der Rest von den 18 Millionen wer weiß wo die waren, das sind bestimmt genau jene die heute keine Probleme haben die AgD zu wählen, so wie es scheint!

  • Jochen Mahlke

    Aber liebe Kommentatorin, da kann doch die Simson nichts dafür. Soweit ich das sehe, verbringen viele Zoneneltern viel Zeit mit ihren Zonenkindern, um an diesem Moped rumzuschrauben. Es war nicht alles schlecht. Und jetzt: Alte Mopeds / Neue Straßen: Win, Win.

  • Dr. McSchreck

    Das beste soll das Wahlergebnis in Berlin sein. Das kann ich aber steigern.

    Noch besser wäre es gewesen, einen Teil der DDR zu erhalten und als Anschauungsmaterial zu verwenden, wie Sozialismus in der Praxis funktioniert. Es hätten sich definitiv Freiwillige gefunden.

    Das würde dann entweder den Beweis erbringen, dass nach wie vor die Idee schön sein mag, für die Praxis aber nicht geeignet ist - oder es hätte ein Hinweis sein können, wie Sozialismus funktionieren könnte (allerdings dann auch mit Unfreiwilligen, was wohl etwas schwieriger würde).

    • Jutta57

      @Dr. McSchreck:

      "...wie Sozialismus funktionieren könnte (allerdings dann auch mit Unfreiwilligen, was wohl etwas schwieriger würde)." Daher kann Sozialismus auch nur im totalitären System aufblühen. Schön (bzw. sozial) ist die sozialistische Idee wahrscheinlich nur in der Familie oder der Gruppe. Zumindest habe ich noch keinen Beweis für die Schönheit dieser Idee gesehen. Aber das kann ja noch kommen und vielleicht ist es ausgerechnet die KI, die Marx Vorstellung vom "Reich der Freiheit" ohne Kapitalismus wahr machen wird. "Jenseits desselben beginnt die menschliche Kraftentwicklung, die sich als Selbstzweck gilt, das wahre Reich der Freiheit, das aber nur auf jenem Reich der Notwendigkeit als seiner Basis aufblühn kann."

      • marilyn.hanson

        @Jutta57:

        Der (real-existierend-habende) "Sozialismus" konnte nur und eben nur genau da existieren, wo er sich rücksichtslos aller ihn bedrohender Kräfte - ob im In- oder im Ausland - entledigte. Andere Formen wie in Spanien oder - man staune: potzblitz! - in Bayern 1918 waren eben zu schwach und zu pipifax pazifistisch-idealistisch, um den sozialdarwinistischen Showdown mit der Reaktion länger als so ca. vier Jahre durchzuhalten.



        Kann man ja mal drüber nachdenken.

      • Dr. McSchreck

        @Jutta57:

        Die Idee ist in der Theorie doch sehr schön, dass es allen Menschen gut geht, jeder alles bekommen kann, was er möchte, jedenfalls die Grundbedürfnisse gesichert sind und niemand dem anderen etwas neiden muss, weil alles allen gehört.

        Zur praktischen Umsetzung geben ich Ihnen aber natürlich Recht.

        • Jutta57

          @Dr. McSchreck:

          Ich weiß nicht, ob es allen Menschen gut geht, wenn sie alles bekommen können und alles allen gehört. ZUmindest soll der Mangel die Treibkraft jeglichen Fortschritts sein; sagt man. Die vermeintlichen Grundbedürfnisse werden wahrscheinlich von denen definiert, denen es in diesem Himmel auf Erden etwas besser geht. Aber dafür gibts dann Brot und Spiele. Ob utopisch oder dystopisch, das wird jeder anders beurteilen. Aber um diesen mangellosen Zustand erreichen zu können, bedarf es wohl nicht nur der großen KI (die uns das denken erspart) sondern auch eines Replikators.

  • Querbeet

    Das Beste zum 3. Oktober ist also der Wahlerfolg der Linken. Der Rechtsnachfolgerin der SED. Der Partei, die all das Elend der DDR zu verantworten hat. Diese Partei soll nun also Berlin regieren. Ganz Berlin. Wo da das Gute ist, will mir nicht in den Kopf.

    Und ja, von mir aus macht. Aber macht es alleine. Aus eigener Kraft.

    • Bürger L.

      @Querbeet:

      Dann lassen sie uns doch mal gemeinsam rechnen:

      Das durchschnittliche Alter der Linken Mitglieder liegt Bundesweit bei 38,6 Jahren. Das entspricht in etwa auch dem Durchschnittsalter der künftig ins Berliner Abgeordnetenhaus einziehenden Politiker*innen.

      Ab 1990 gab es die SED nicht mehr, stattdessen eine neu formierte PDS.



      Im Schnitt waren die Politiker*innen, über die sie urteilen, damals also ca. zweieinhalb Jahre alt.



      Die meisten dürften die DDR also nur aus Erzählungen kennen.....

      Wo also könnte der Fehler liegen, wenn sie die frisch gewählten Kandidat*innen für "...all das Elend der DDR" verantwortlich machen ?

      • Querbeet

        @Bürger L.:

        Habe ich nicht. Aber wenn ich heute in diese Partei eintrete und die "Rezepte" aus der kommunistischen Mottenkiste hole, dann bin ich dafür verantwortlich.

        Ist ein Neo-Nazi heute nicht kritikwürdig, weil er ja damals nicht gelebt hat, als die NSDAP gewütet hat?

        • Reinero66

          @Querbeet:

          Wir wissen doch beide, was für den einen gilt muss für den anderen nicht gelten. Das ist bei allen - ismen so, ob Links, Rechts, Glauben oder Philosophie n.

    • Christine_Winterabend

      @Querbeet:

      Ich würde gern mal ein Experiment zu dem Thema 3. Oktober machen: Wie würde beurteilt werden, wenn ich gefragt würde, was mir Gedanken ich zum 7. Oktober verbinde und ich darauf antworten würde "Nationalfeiertag"? Ganz im Ernst, Ich würde wetten, dass eine ganze Anzahl von Leuten genauso eine Oberflächkeit gegenüber geschichtlichen Ereignisse und Prozessen offenbaren würden wie Ihr Beitrag, was aber auch nicht verwundert, denn nicht einmal das Bildungssystem ist ja in der Lage, etwas Sinnvolles dazu zu verbreiten.



      Ich freue mich jedenfalls, dass in Bremen ich weiß nicht wer die Wiedervereinigung feiert, die auf verfassungsmäßiger Grundlage als Beitritt zu bezeichnen ist. Und ich freue mich auch, dass dieser heute wie jedes Jahr der Tag der offenen Moschee stattfindet, den ich ohne jeden Sarkasmus als sehr sinnvoll bezeichnen würde, und den 3. Oktober als Feiertag brauchen wir ja eigentlich sowieso nicht, oder?

      • Querbeet

        @Christine_Winterabend:

        Würde ja gerne antworten, aber was genau ist Ihr Punkt?

        • Christine_Winterabend

          @Querbeet:

          Ja, genau das meine ich, und noch was obendrauf.

          • Querbeet

            @Christine_Winterabend:

            Sehe ich auch so.

  • Reiner Pfister-Ecker

    Wir Deutsche tun uns, vermutlich auch wegen unserer Geschichte, schwer mit unseren "Nationalfeiertagen". So sehr mir die Schlusssequenz das Herz wärmt, fehlt mir, einem alten "Wessi", dieser Aspekt.



    Die, damalige BRD-Auswahl, des 17. Juni ,fand ich historisch und inhaltlich unehrlich, aber dem adenauerschen Zeitgeist geschuldet; der 8. Mai wäre für mich die (s.o.) bessere Wahl gewesen, war aber uns aber damals und erst recht heute wohl nicht zumutbar. Somit bleibt die Wahl des 3. Oktober ziemlich aufgesetzt, hölzern. Und, eines muss man der "guten alten Zeit" lassen, der Freizeitwert war früher besser.

  • Bürger L.

    Danke für diesen, im positiven Sinn , ausgewogenen Kommentar.



    Ich bin vor 75 Jahren in West-Berlin geboren, wohne jetzt in Schleswig Holstein.



    Seit einiger Zeit gibt es hier "Regionale Gesundheitszentren" - könnte man vielleicht auch "Polikliniken" nennen.



    Wenn man sich dann noch dazu durchringen könnte, dort jeweils Gemeinde("Schwestern") Pfleger*innen anzustellen, die mobil in der Gemeinde unterwegs sind um nichtärztliche Aufgaben, wie Blutdruckmessen, Spritzen, Verbandswechsel oder ähnliches Vor Ort zu erledigen könnte das die Zentren und Patient*innen entlasten.

    Ein völlig verrückter, neuer Gedanke, wäre auch, ausreichend kostenlose Krippen- und Kitaplätze zur Verfügung zu stellen, um allen Frauen (oder Männern) den Zugang zum Arbeitsmarkt zu erleichtern.

    Das sind nur drei Beispiele, die mir einfallen, wenn`s um das voneinander Lernen geht.

    Wenn wir uns dann darauf einigen könnten uns gemeinsam für Demokratie, Presse-, Meinungs-, Informations-, Reise-, Religions- Freiheit und ein friedliches Zusammenleben in einer wirklich SOZIALEN Marktwirtschaft als Teil der EU einzusetzen, wäre schon viel erreicht.



    Das würde allerdings einen gemeinsamen Zukunftsentwurf erfordern.

    • Bürger L.

      @Bürger L.:

      Noch ein kleiner Nachtrag aus der Abteilung "you may say I'm a dreamer...."



      Da Parteien in der Regel nicht in der Lage sind, über den nächsten Umfrage- oder Wahltermin hinaus zu denken, wäre es mein "Traum", den Gedanken eines öffentlich tagenden runden Tisches wieder neu zu beleben.

      Einziges Thema: gemeinsamer Zukunftsentwurf für Deutschland.

      Beteiligt wären alle gesellschaftlich relevanten Gruppen, wobei die Parteien auch nur mit jeweils einer Person vertreten sind.

      Es ginge nicht darum, wer in der jüngsten Vergangenheit was falsch gemacht hat, wer wofür verantwortlich ist, es ginge nicht um Schuldverteilung - auch nicht um das "klein, klein" in Steuer-, Verkehrs-, Sozial-, Bildungs-, Verteidigungs- oder Wirtschaftspolitik.

      Um, das "nach vorne Denken" nicht irgendwelchen interessengeleiteten "Denk-Fabriken" oder Parteien zu überlassen, ginge es darum, gemeinsam ein positives und langfristiges Zukunftsbild für Deutschland zu entwickeln, ohne in Zugzwang zu geraten, das sofort in Gesetze und Maßnahmen umsetzen zu müssen.



      Das würde allerdings neben Fantasie und Offenheit auch die Bereitschaft voraussetzen, Widersprüche mal auszuhalten.

      Wie ich schon sagte, "I had a dream"

    • zartbitter

      @Bürger L.:

      ""Ein völlig verrückter, neuer Gedanke, wäre auch, ausreichend kostenlose Krippen- und Kitaplätze zur Verfügung zu stellen, um allen Frauen (oder Männern) den Zugang zum Arbeitsmarkt zu erleichtern.



      =



      Das sind nur drei Beispiele, die mir einfallen, wenn`s um das voneinander Lernen geht.""



      ==



      Genau dieses Programm hat Ramelow in Thüringen als ein Teil seiner Bemühungen durchgesetzt das Einkommen der Thüringer spürbar zu verbessern - genau das wurde in Thüringen abgewählt. (!)



      =



      Ramelow war auch so schlau zu wissen wo der Unmut in Thüringen herkam - häufiger hat er beklagt das dem Bundesland leider die Mittel fehlen die Renten zu erhöhen. Er hat sich dementgegen dazu entschlossen Altschulden seiner Vorgänger zurück zu zahlen um damit für stabile finanzielle Verhältnisse im Bundesland zu sorgen.



      =



      Wenn die Hälfte der Bürger in den neuem Bundesländern für die Agentur gegen Deutschland stimmt - die mit Sicherheit nicht für finanziellen Ausgleich sorgen werden - sollte man endlich zur Kenntnis nehmen das es den Jammerossis um was anderes geht.



      =

      • Bürger L.

        @zartbitter:

        Nun will ich ja nicht annehmen, dass sie ein/e Jammerwessi sind, trotzdem beklagen sie in erster Linie, das Fehlverhalten eines Großteils der Thüringer Bürgerinnen.

        Sie haben bestimmt auch konstruktive Vorschläge, wie die teilweise noch zwischen Ost und West bestehenden Gräben zu überbrücken sind. Damit könnten vielleicht auch die aktuellen Wahlerfolge der Rechtsnationalen wieder zurückgedrängt werden.



        Beklagen allein hilft auf Dauer auch nicht unbedingt weiter.

  • Astrid Sehnefeld

    "Da ist der Aufstieg der AfD, der sich einfügt in das weltweite Erstarken extrem rechter Bewegungen – in Europa, Südamerika, in den USA."



    Wieso werden hier nur diese drei Kontinente genannt?



    Als ob Meloni, Weidel, Trump und Milei Solitäre wären.



    Was ist mit Afrika? Als prominentestes Beispiel trat Südafrika zuletzt in den medialen Fokus, aber es gibt noch mindestens ein Dutzend weitere Regierungen dieser Gangart auf dem Kontinent.



    Was ist mit Asien? Wieso wurde das nicht aufgezählt? Beispiel Indien: Modi und überhaupt die BJP bezeichnen Muslime fast ausnahmslos als Eindringlinge die mehr Kinder haben und warnen davor, dass dadurch eine Oppositionspartei die Macht erlangen könnte, die den Wohlstand der Hindus an Muslime umverteilen will.



    Was ist mit China? Was mit Japan? Was mit Thailand?



    Tatsächlich sind die Rechten in Europa am wenigsten radikal. Selbst Weidel, selbst Meloni.



    Es ist ein himmelweiter Unterschied zwischen einer Partei die von Remigration träumt und wütenden Mobs, die durch die Straßen ziehen und Ausländer gewaltsam vertreiben - Stichwort Südafrika.



    Europa und die USA mögen schon mal liberaler gewesen sein, gemessen an der Welt sind wir immer noch (zu) weit links.

  • Hans Dampf

    ♫ Wer soll das bezahlen... ♫



    Ich akzeptiere jedes demokratische Wahlergebnis, ob die AfD in Sachsen-Anhalt oder die Linke in Berlin, auch wenn ich beide Parteien als eine Katastrophe für eine gute Demokratie empfinde.



    Wenn ich mir das Wahlprogramm der Linke so anschaue (Enteignung, Mietendeckel,...) frage ich mich:



    1) Wer wird jemals wieder Mietwohnungen in Berlin bauen, man müsste ja verrückt sein.



    2) Wie wollt ihr das jemals finanzieren, was ihr den Wählern versprochen habt.



    3) Glaubt ihr ernsthaft es gäbe jemals ein "von oben nach unten" verteilen, eurer einzigen Finanzierungsidee.

    Und nun versucht bitte vom eigenen Geld zu leben, denn Geberländer wie BW sind bald keine mehr, weil es bei Mercedes, Porsche, Bosch, Mahle, etc. schwer abwärts geht.

    • Josef 123

      @Hans Dampf:

      Ein sehr interessanter Aspekt: Wenn Berlin irgendwann womöglich zusätzlich zu all der bereits bestehenden und geplanten heillosen Überschuldung dann auch noch in den Länderfinanzausgleich einzahlen muss.

      • Georg Sonntag

        @Josef 123:

        Sagen Sie mir bitte bitte welches Modell Berlin nach vorne bringt..



        Nur weil die anderen Länder abstürzen steigt Berlin nicht auf. Einzig das Selbstwertgefühl steigert sich zur Arroganz

        • Josef 123

          @Georg Sonntag:

          Relativ schon, es muss ja nicht bis zur Spitze sein.

      • Hans Dampf

        @Josef 123:

        Wird nie passieren, weil Berlin niemals eine schwarze Null schreiben wird. Mit einer möglichen Enteignung treten sie dann endgültig in die größte Schuldenfalle aller Zeiten.

  • economista

    Was soll diese Passage implizieren? Dass die Corona-Politik alles supi war und lediglich ein paar rechte Stänkerer für Unfrieden sorgten? Ich bin mir sicher, dass bis zu 5 der 43% in Sachsen-Anhalt bei einer etwas selbstkritischeren Herangehensweise zurückzugewinnen wären. Und nenne dazu nur ein paar Fakten zur Impfung: sie hatte, anders als alle anderen Impfungen, nur eine Notzulassung. Versprochen war im Sommer 2021 beispielsweise, dass Johnson&Johnson bei einmaliger Verabreichung der Pieks in die Freiheit sei. Im Januar 2022 wurde eben diese Impfung von Lauterbach über Nacht für ungültig erklärt und tausende Geimpfte wurden in der App, ohne jedwede Vorwarnung, zu Ungeimpften. Man müsse nur ausreichend Booster nehmen, dann bekäme man diesmal ganz bestimmt alle versprochenen Vorzüge des Geimpftentums, hieß es von Lauterbach. Am Schluss waren vierteljährliche Booster im Gespräch, anders als bei allen anderen Impfungen. Aufarbeitung? Fehlanzeige!

    • MBG

      @economista:

      Sie wollten doch ein paar Fakten schreiben, und kommen dann mit dem Begriff „Notzulassung“? Eventuell sollten Sie sich den Unterschied von einer Notzulassung und einer bedingten Zulassung aneignen.



      Davon abgesehen hat Lauterbach nicht in seinem Kämmerlein gesessen und sich einfach mal so gedacht: „ Ach komm, aus purer Schikane werde ich die Leute einmal piesacken.“



      Es ist gerade der Sinn bei einer bedingten Zulassung den entsprechenden Impfstoff ständig zu überwachen und bei entsprechenden Ergebnissen eine Anpassung durchzuführen.



      Das Virus mutierte ziemlich schnell, wodurch die Wirkung von Johnson und Johnson nicht mehr gegeben war. Die mRNA Impfstoffe haben sich hier als wirkungsvoller herausgestellt.

      Eine Grippeimpfstoff von vor fünf Jahren wird heute auch nicht mehr verimpft. Auch hier gibt es eine regelmäßige Anpassung und es gilt kein ewiger Impfschutz.



      Corona war eine weltweite Pandemie. Das haben einige Leute bis heute immer noch nicht verstanden.

    • derzwerg

      @economista:

      Es stellt sich heraus, dass eine Impfung nicht besonders effektiv ist, also muss man sich nochmals impfen lassen.







      Das ist kein Völkermord oder etwas in der Art, was gibt es daran „aufzuarbeiten“?

  • Josef 123

    "Und manche werden zum wiederholten Male fragen, warum der Einheitsfeiertag ausgerechnet am 3. Oktober begangen wird. Das Datum hat keinerlei historische Anbindung – weder in Ost noch in West.":

    Da kann geholfen werden: "Der 3. Oktober wurde als Tag der Deutschen Einheit im Einigungsvertrag 1990 zum gesetzlichen Feiertag in Deutschland bestimmt. Als deutscher Nationalfeiertag erinnert er an die deutsche Wiedervereinigung, die „mit dem Wirksamwerden des Beitritts der Deutschen Demokratischen Republik zur Bundesrepublik Deutschland […] am 3. Oktober 1990“ „vollendet“ wurde. Um Mitternacht vom 2. auf den 3. Oktober traten die neugegründeten Länder dem Geltungsbereich des Grundgesetzes nach Artikel 23 GG bei. Somit wurden Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen sowie Berlin in seiner Gesamtheit die neuen Länder der Bundesrepublik Deutschland."

    Bitte, gerne.

    • PeWi

      @Josef 123:

      Erstens finde ich es unhöflich, Frau Schmollack zu unterstellen, sie wisse nicht, was am 3. Oktober 1990 passiert ist.

      Zweitens ist es irgendwie "typisch deutsch", ausgerechnet den Tag eines Verwaltungsaktes zum Nationalfeiertag zu machen. Als Nationalfeiertag werden doch in der Regel Tage ausgewählt, an denen ein das Land und seine Bevölkerung über lange Zeit prägende Ereignisse stattgefunden haben.

      Ich halte den 9. November für den geeigneteren Tag. Nicht nur wegen des Mauerfalls, sondern weil an diesem Tag im vergangenen Jahrhundert ja mehrere bedeutende Ereignisse statgefunden haben, wenn auch nicht nur erfreuliche, sondern auch schreckliche. Die Politik hat sich damals dagegen entschieden, was ich bedauere.

      Es gibt darüber wohl keine Statistik, aber ich glaube, dass jedes Jahr bundesweit weitaus mehr Veranstaltungen zum Gedenken an das Pogrom und seine Opfer stattfinden, als am 3. Oktober zum Tag der Deutschen Einheit jenseits der zentralen Veranstaltung. Dasss sich das geändert hätte, wenn der 9. November Nationalfeiertag geworden wäre, glaube ich nicht.

      • Josef 123

        @ PeWi:

        Es war als Ergänzung (auch für andere Leser) gemeint, weil Frau Schmollack geschrieben hat, es gäbe keine historische Anbindung. Ich bin anderer Meinung: Ich halte die WiederverEINIGUNG durchaus für einen historischen Vorgang, und der Tag heißt "Tag der Deutschen EINHEIT". Den Bezug kann man m.E. herstellen.



        Ich sehe das -anders als Sie- nicht als reinen Verwaltungsakt.

        "Als Nationalfeiertag werden doch in der Regel Tage ausgewählt, an denen ein das Land und seine Bevölkerung über lange Zeit prägende Ereignisse stattgefunden haben.": Im Gegensatz zu Ihnen halte ich die Wiedervereinigung durchaus für einen prägenden Tag in der Geschichte Deutschlands, der das Land und die Bevölkerung seit bald 4 Jahrzehnten beschäftigt und prägt. Politisch, sozial und kulturell stärker als andere Ereignis.

        • marilyn.hanson

          @Josef 123:

          Die Einigung Deutschlands ist nun schon fast so lang wie die Teilung. Der konkrete Kalendertag ist sowas von egal. Der hat nichts geprägt außer gähnender Langeweile und dem Erdulden von Sonntagsreden arrivierter (meist westdeutscher) Politiker*innen zum Thema - das sie meist auch noch schafften, im Kern zu verfehlen, weil sie als Repräsentant*innen der arrivierten bürgerlichen Klasse die bestehenden Verhältnisse natürlich gegen jedwede Kritik zu immunisieren beabsichtig(t)en.



          Geprägt hat uns in West und Ost das Narrativ, die "Geschichte" sei "vorbei", und "endlich" sei "zusammengewachsen, was (aus nicht näher spezifizierten Gründen unbedingt) zusammen" gehöre. Wie sehr dem Narrativ inzwischen materiell Tatsachen nachgefolgt sind, mag ein jedeR für sich beurteilen.

      • rero

        @ PeWi:

        Doch, der Mauerfall ist viel emotionaler als der 3. Oktober.

        Der Mauerfall hatte bereits in manchen Jahren das Gedenken an die „Reichskristallnacht“ überlagert.

        • FriedrichHecker

          @rero:

          Genau das hat ja den einen oder anderen gestört.

          Der 9. November 1918 ist ja sowieso schon in Vergessenheit geraten...

  • amigo

    ​Am 3. Oktober feiern wir die Freiheit und den Zusammenschluss – doch das Fundament dieser Einheit bröckelt gewaltig. Was 1989 als friedlicher Kampf für Demokratie, Menschenrechte und Pluralismus begann, wird heute von der AfD Schritt für Schritt entwertet und ad absurdum geführt.



    ​Die völkisch-autoritären Agitatoren betreiben keinen politischen Diskurs, sondern ein gezieltes Giftmischen gegen unser Gemeinwesen. Indem sie staatliche Institutionen verächtlich machen, freie Medien diffamieren und ganze Bevölkerungsgruppen ausgrenzen, zersetzen sie den gesellschaftlichen Zusammenhalt von innen heraus. Diese Partei nutzt die errungenen Freiheiten unseres Grundgesetzes einzig dafür, die Axt an ebenjene demokratische Ordnung zu legen.



    ​Es gibt keine Einheit mit Kräften, die den Rechtsstaat abwickeln und die Gesellschaft spalten wollen. Wer am Tag der Deutschen Einheit die Freiheit beschwört, muss die Feinde der Demokratie entlarven. Vernunft und wehrhafte Haltung sind gefordert, bevor aus dem Fest der Freiheit das Requiem unserer offenen Gesellschaft wird!

    • marilyn.hanson

      @amigo:

      Die AfD muss verboten, gewaltbereite Kader mit mehrjährigen Haftstrafen sanktioniert werden. Aber: Wer aus den etablierten Parteien setzt sich dafür ein?



      Mit dem KPD-Verbot hatte ja offenbar kaum jemand aus der damals etablierten Politik Probleme, woher jetzt die Zurückhaltung?

  • InkelOngo

    Ich bin vom Westen in den Osten gezogen aus Bayern um genauer zu sein, nach Thüringen.

    Was ich für Vorurteile selbst aus meiner Familie in Bayern gegen den Osten höre ist unbeschreiblich. Es fängt an damit das den Soli eh nur die Wessis zahlen, über im Osten sind alle Straßen besser als im Westen bis hin zu im Osten sind doch eh nur rechte und so weiter und so fort..

    Es waren aber die Wenigsten überhaupt schon mal "Drüben" und die Medien tun an Tagen wie diesem eine Mediale "Ost-Safari" mit dem steten Blickwinkel aus dem Westen.

    Was oft einfach vergessen wird, 42 Jahre andere Sozialisierung lässt sich nicht über Nacht wegwischen.

    Es sind kleine aber feine Unterschiede, angefangen mit dem Schulsystem im Osten waren alle vom Kindergarten bis zur 10ten Klasse zusammen.

    Das war im Westen nicht so - Klassentreffen dauern hier von 14 Uhr nachmittags bis 6 Uhr Morgens mit Allen und bis zum Schluss. Das ist nur ein kleines Beispiel.

    In Bayern waren für mich Klassentreffen eher etwas wo man hin soll aber eigentlich gar nicht hin will und wenn dann aber so schnell wie möglich wieder weg.

    • Der olle Onn

      @InkelOngo:

      Ihre Erkenntnis, Ihr offener Blick eines Thüringer Neubürgers auf den Osten, ist eindeutig extrem selten...



      Ich hatte einst ein langes Gespräch mit einem Münchener Endsechziger, wohlsituiert, gebildet, weitgereist. Als ich ihm mit der statistisch erwiesenen Binsenweisheit kam, dass sich die überwiegende Zahl der Altländerbürger leider nie wirklich persönlich für die "Neuen Fundländer" und deren Bürger interessiert habe, konterte der Herr mit dem Satz: "Glaubst Du meine Münchner Golffreunde interessieren sich für den Ruhrpott?"



      Schätze, das fasst den Zustand der deutschen Einheit recht gut in Worte...

  • DiMa

    What? Es ist vollkommen bizarr, das Wahlergebnis eines Bundeslandes irgendwie in Bezug zu setzen mit der Wiedervereinigung.

  • LinksRechtsMitte

    Dieser Kommentar macht das, was die taz gerne macht. Eine gute Zusammenfassung liefern, um am Ende "irgendwie" sagen zu können: links ist die Lösung!

    Die Wahl in Berlin und der Erfolg der Linken dort ist spiegelverkehrt zur AFD auch nur eine Protestwahl.



    Mit dem Versprechen Mieten zu senken und beim Thema Wohnen bedient man dasselbe Muster wie beim Thema Migration der AFD.



    Es wird eine unterkomplexe (!) Lösung präsentiert und darauf springen die unzufriedenen Wähler an.

    "Deine Miete ist teuer? Wir nehmen das denen weg, die das so teuer machen und wir machen das dann billiger."



    Darauf die Wähler so: "Klingt logisch!"

    Und jetzt bin ich mal gemein: ich glaube die allermeisten Wähler sind gefühlsgesteurt und lesen sich nicht im Detail in Themen ein.



    Die Realität wird sein, dass das eben "nicht mal so eben" gelingen und wieder zu Enttäuschungen führen wird.

    Die AFD ist nicht Die Linke, das will ich nicht sagen. Nur das Muster in Berlin ist schlicht dasselbe wie in Sachsen Anhalt: die Altparteien haben die Wähler enttäuscht, also rennen sie zu den Rändern. Mehr nicht.



    Daraus irgendwie einen hoffnungsvollen Bezug zum Tag der Deutschen Einheit zu produzieren ist schon wild.

    • warum_denkt_keiner_nach?

      @LinksRechtsMitte:

      "Mit dem Versprechen Mieten zu senken und beim Thema Wohnen bedient man dasselbe Muster wie beim Thema Migration der AFD."

      Der Unterschied zwischen dem Versuch, soziale Probleme zu lösen und Hasspropaganda ist wirklich nicht offensichtlich?

      • Maxim_Sassnitz

        @warum_denkt_keiner_nach?:

        Die einen bedienen den Hass auf Ausländer, die anderen den auf Kapitalisten. Beide haben einfache Lösungen für hochkomplexe Sachverhalte. Und beide halten ihre Lösung für die richtige. Es braucht nur die richtigen Themen für die jeweilige Zielgruppe und schon haben Populisten beiderlei Gesinnung leichtes Spiel.

        • warum_denkt_keiner_nach?

          @Maxim_Sassnitz:

          Die hohen Mieten sind ein echtes Problem. Sogenannte Ausländer (dazu zählen die Hetzer auch Menschen, die hier geboren sind) sind kein Problem. Das unser Staat mit der Zuwanderung nicht wirklich umgehen kann, liegt unter anderem an der Einstellung, dass man die Zuwanderer als Ausländer bezeichnet.

  • Don Geraldo

    Dieser Tag der deutschen Einheit ist doch vollkommen irrelevant.



    In jedem anderen Land der Erde bezieht sich der Nationalfeiertag auf ein historisches Datum. Der 3. Oktober dagegen hat absolut keine historische Bedeutung.



    Ich persönlich vermute ja, es war der einzige freie Termin, bei dem die beiden damals Unterhändler Zeit hatten, den Einheitsvertrag zu unterschreiben.



    Und irgendjemand ist dann auf die dumme Idee gekommen, daraus einen Nationalfeiertag zu machen.

    • Herma Huhn

      @Don Geraldo:

      Ja, der dritte Oktober war ein Kompromiss, weil man den 9,November nicht feiern wollte.



      Trotzdem kann man durchaus am 3 Oktober die an diesem Tag in Verträge gegossenen Ergebnisse des 9. November 1989 feiern. Historischer Bezug ist also gegeben, nur aufgrund anderer 9ter November leicht verschoben.

      • warum_denkt_keiner_nach?

        @Herma Huhn:

        Also ich wär für den 17. oder 18.10. an diesen Tagen wurden mit dem Rücktritt (der praktischen Absetzung) die Weichen für die weitere Entwicklung gestellt. Oder Man nimmt das Datum der ersten großen Montagsdemo.



        In beiden Fällen würde Leistungen in der DDR würdigen. Der Rest war nur noch (zwangsläufige) Entwicklung.

  • Romilia

    Die Ostdeutschen, die nach den blühenden Landschaften suchen, sollten vielleicht mal statt auf einem Kreuzfahrtschiff Urlaub machen irgendwo in Hessisch-Sibirien, Bochum oder Franken oder oder.



    Aber weil der Ostdeutsche nicht gern über seinen Tellerand guckt, denkt er natürlich, der Westen wäre München.



    Ich bin Jahrgang 71, habe immer hier gelebt und weiß, was ich 85 gesehen habe, 90 und 2026.



    Aber ich war halt auch mal anderswo in Westdeutschland.



    Bei meinem ersten Auswärtstermin an einem westdeutschen Provinzgericht habe ich mich auch gefragt, wo ich gelandet bin.



    Heute jedenfalls werde ich wie jedes Jahr wandern fahren ins Dreiländereck Vogtland/Bayern/Tschechien und wenn ich auf der A9 den Esso-Guck unterfahren habe, werde ich wie immer aufseufzen und froh sein, dass alles wahr ist. Ich bin im Westen.



    Und hernach werde ich den auf der Wanderung in Teilen den Kolonnenweg berühren - und an das Grauen denken und die, die dort gestorben sind.



    Ich werde an die Enge denken und die Perspektivlosigkeit, die wir damals fühlten.



    Und vielleicht hätte nan einfach mehr von der Mauer erhalten sollen - für die, die vergessen haben oder wenig Fantasie haben.

  • Andreas Flaig

    Danke für den Artikel und die klaren Worte!

  • Martin Rees

    "Ostalgie" und "Avantgarde" kann mensch auch anders lesen oder interpretieren, nach der Etymologie das erste, das neuere Hybridwort, und nach dem allgemeinen Sprachgebrauch zweite, das ur-französische Wort, jetzt in unserem modernen Sprachschatz verankert (i.d R. als positiv besetzt gelesen).



    Bei der AfD sehe und höre ich historisierende Ansätze mit Heroisierung und falsche Bezügen zu Nationalismus und Fakten aus der deutschen Vergangenheit. Angst macht mir aber insbesondere der Begriff der 'Bewegung', das kannten wir schon aus München...(vor einhundert Jahren)



    www.sr.de/sr/srkul...den_autor_100.html