piwik no script img

Mit wem sollen wir zusammenhalten? Tag der deutschen Spaltung

Gustav Cattapan

Kommentar von

Gustav Cattapan

Der gesellschaftliche Zusammenhalt hat sich verbessert – wie blöd. Am Tag der Deutschen Einheit sollten wir uns auf unsere Unterschiede besinnen.

D ie Bertelsmann-Stiftung ist glücklich. „Der gesellschaftliche Zusammenhalt verbessert sich – trotz schwachem Gerechtigkeitsempfinden“, heißt es in einer neuen Studie der Stiftung.

Auch zum Tag der Deutschen Einheit werden wieder Po­li­ti­ke­r*in­nen aller bürgerlichen Parteien davon reden, dass wir zusammenfinden, uns vertragen und gegen eine Spaltung ankämpfen müssen. Aber ist Spaltung wirklich immer schlecht? Brauchen wir einen gesamtgesellschaftlichen Zusammenhalt?

Hinter der Grundidee des gesellschaftlichen Zusammenhalts verbirgt sich eine patriotische Exklusivität und ein fehlendes Klassenbewusstsein. Denn der „gesellschaftliche Zusammenhalt“ ist halt nur auf eine Gesellschaft bezogen, nämlich auf unsere, auf die tolle, deutsche Gesellschaft.

Rechte meinen damit das weiße, deutsche Volk, Bürgerliche einfach die Menschen, die zufällig auf diesem Bereich Erde leben. Mit diesen Menschen sollen wir jetzt zusammenhalten, auch wenn sie den ganzen Tag nur Rasen mähen, Golf spielen oder andere vollkommen fremde Interessen und Weltanschauungen haben. Was verbindet mich mehr mit einer Person aus Goslar oder Mönchengladbach als mit einer aus Zürich oder Kabul?

Mehr Spaltung wagen

Ich habe mehr Zusammenhalt mit einer türkischen, linken, kinobegeisterten Studierenden auf verzweifelter Wohnungssuche in Istanbul als mit meinem deutschen Vermieter oder einer rassistischen Polizistin, die beide gerade zufällig in derselben Stadt wie ich wohnen.

Ich habe mir nicht ausgesucht, mit diesen Menschen in einer Gesellschaft zu sein, und ich bin von ihnen durch meine Werte oder meine Klasse abgespalten. Denn Spaltung ist etwas Gutes, nur so können die großen Konflikte gelöst werden.

Diese Gesellschaftsrollen sind nicht natürlich, sie sind nicht gottgegeben und können für die Freiheit aller geändert werden. Mieter und Vermieter, Arbeitnehmer und Arbeitgeber, politische Ent­schei­de­r*in­nen und Betroffene, Kapitalbesitzer und Lohnabhängige sind gespalten. Diese krassen Gegensätze müssen aufgebrochen werden, damit eine Einheit aller Menschen entstehen kann – ein richtiger Zusammenhalt eben.

Andreas Pinkwart von der Bertelsmann-Stiftung fasst die bürgerliche Gegenthese dazu gut zusammen: „Wir brauchen ein neues konstruktives Miteinander. Der Staat braucht das Engagement der Bürger*innen. Aber berechtigte Anliegen der Bür­ge­r*in­nen sind seitens des Staates zu berücksichtigen, Belastungen durch nötige Reformen sind in fairer Weise zu gestalten.“

Zu viele Deutschlandflaggen

Pinkwart sagt durch die Blume, dass wir für eine perfekte Gesellschaft ein paar Reförmchen, aber vor allem hart arbeitende Bür­ge­r*in­nen brauchen. Wir brauchen also einen „gerechteren“ Lohn für eine „gerechte“ Ausbeutung, obwohl es diese vom Prinzip her nicht geben kann.

Natürlich sollen alle auch zufrieden und dankbar mit ihrer vermeintlich selbst verschuldeten Position in der Gesellschaft sein. In Deutschland gibt es dafür den Sozialstaat, damit das Elend der Ärmsten in Grenzen gehalten wird und nicht noch mehr Menschen als ohnehin schon auf der Straße leben.

Doch es gibt auch gute Neuigkeiten aus der Studie: Die Verbundenheit mit dem Gemeinwesen stagniert, genauso wie das Vertrauen in die Bundesregierung. Noch niedriger ist der errechnete Gerechtigkeitsindex, der gesunken ist – die Menschen erkennen die ökonomische Ungleichheit in Deutschland. Diese Ungleichheit hat in Deutschland einen Höchststand erreicht, auch die Armut nimmt zu.

Der Tag der deutschen Einheit wird auch dieses Jahr begleitet werden von einem Stolz auf Deutschland und vielen kleinen Deutschlandfähnchen – vielleicht noch ein paar mehr als in den vergangenen Jahren. Rechte wissen, wie man spaltet, aber auf Kosten von POCs, queeren Menschen, Flintas und Arbeitnehmer*innen.

Gerade am 3. Oktober sollten wir aber die Deutschlandfahnen runterreißen und uns bewusst machen, was uns wirklich unterscheidet. Macht den Tag der Deutschen Einheit zum Tag der deutschen Spaltung!

Mehr zum Thema

25 Kommentare

  • Strenge Susanne

    Irgendwie versuche ich am Tag der Deutschen Einheit immer aus Deutschland zu flüchten. So bin ich heute mit meinen 7 niederländischen Freundinnen im Dreiländereck in Basel: wir schlafen in Frankreich, gehen in Deutschland und der Schweiz ins Museum. Uncool ist nur der riesige Stau nach Deutschland rein, denn die Deutschen können es ja nicht lassen, ihre Grenzen zu kontrollieren. Ob das was mit dem Mauerfall zu tun hatte? Nie wurde ich härter kontrolliert als wenn ich damals von Deutschland nach Deutschland einreiste, oder auch nur durchfuhr. Vielleicht ist es ja das was uns Deutsche vereint: Die Angst vor Kontrollverlust. Naja, bin gespannt wo ich nächstes Jahr am dritten Oktober sein werde. Diesen hab ich erstmal wieder hinter mich gebracht.

  • Kurz dazu

    Hä?



    Mir absolut unverständlicher Artikel. Für mich heißt "Zusammenhalt" für andere einzustehen, nicht Gleichmacherei. Und es bedeutet nicht, Ausgrenzenden nach dem Mund zu reden oder sich reichen Menschen nahe zu fühlen, sondern eben andere Menschen nicht auszugrenzen und für andere einzustehen. Unterschiede und Ungerechtigkeit zu benennen ist für mich dann aber auch keine Spaltung, sondern eher Ausdruck des Zusammenhalts. Ich glaube, der Autor und ich sprechen verschiedene Sprachen. (Naaa gut, das war ein Versuch, höflich zu sein. Ich glaube, er redet Unsinn.)

  • Bauer Gerry

    So ein Quatsch. Deutschland war noch nie eine Einheit. Auch die Bundesländer nicht. Hier bei uns witzeln Badener über Württemberger und umgekehrt. Gleichzeitig bewundern wir die Vorzüge der anderen Volksgruppe.

    Es braucht auch keine Einheit, im Gegenteil, es braucht unsere Vielfalt.

    Vielfalt kann aber nur friedlich zusammen leben mit Respekt vor der Meinung eines anderen.

    Vielfalt funktioniert nicht, wenn nicht zwischen Meinungs- und Widerspruchsfreiheit unterschieden wird. Immer mehr behaupten etwas nicht sagen zu dürfen, nur weil sich dazu Widerspruch regt.

    Sollten irgendwann alle einer Meinung sein, dann gibt es keinen Fortschritt mehr. Unterschiedliche Meinungen befeuern dagegen die Weiterentwicklung. Voraussetzung ist dafür die Einstellung, dass der Andere vielleicht Recht oder die bessere Idee haben könnte.

  • Il_Leopardo

    Nach dem Wal-desaster - eh, ich meine natürlich das andere Desaster, also das in Sachen-Anhalt, feiere ich den heutigen Tag wirklich als Tag der Spaltung. Mehr als 40% der Menschen dort sind mir irgendwie abhanden gekommen.



    Schade, dass die Bertelsmann-Stiftung mich nicht gefragt hat. Die hätten von mir erfahren, dass ich mich mit den Abhängigen, die mir im Hof meines Arbeitgebers während der Zigarettenpause eher verbunden fühle als mit irgendwelchen Schlotbaronen, die mir beim Durchqueren eines Villenviertels auf dem Weg zum Wald begegnen.



    Und sie hätten erfahren, dass ich mich mit jedem Flüchtling, der es übers Mittelmeer oder über Belarus bis hierher geschafft hat, mehr verbunden fühle, als mit irgendwelchen Politikern, die allen Anstand fahren lassen, um der AfD ein paar Stimmen abzujagen.

    • DiMa

      @Il_Leopardo:

      Damit beschreiben Sie genau das, was ich immer wieder sage (nur das wir wohl unterschiedlichen Bubbles angehören).

      Wenn man dann zur Erkenntnis gelangt, dann sollte man auch das Solidarsystem abschaffen, den die Gesellschaft stellte die dafür notwendige Grundlage dar.

  • Herma Huhn

    Ich weigere mich die positiven Aspekte der deutschen Einheit in den Abfall zu werfen, nur weil ein paar Rechtsextremisten meine Freude über den Tag missinterpretieren könnten.



    Und wenn ich mir die Entwicklung der letzten 40 Jahre anschaue, dann ist vieles, was im Text als schlecht bemängelt wird gerade Folge der Spaltung, die hier propagiert wird.



    Wenn ich mich immer nur mit denen verbunden sehe, die mir in Interessen oder Lebenslage ähnlich sind, vermeide ich es, über den Tellerrand zu schauen, Bedürfnisse und Wünsche anders lebender Menschen zu sehen und anzuerkennen.



    In der Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts wurden in vielen Ländern der Erde innergesellschaftliche Grenzen abgebaut, im Versuch eine gleichberechtigte Gemeinschaft aufzubauen. Sexistische und rassistische Gesetze wurden auf mehreren Kontinenten bekämpft und abgeschafft. In Europa wurde vorbereitet durch die Lehren aus zwei Weltkriegen und nicht zuletzt auch durch die deutsche Einheit eine Utopie geschaffen, nämlich, dass zahlreiche Gesellschaften mit unterschiedlichen Vorstellungen sich zu einer Gemeinschaft zusammengetan haben, um Kriege zwischen Staaten in Zukunft zu verhindern.



    Das gilt es zu feiern. Mit allen.

    • DiMa

      @Herma Huhn:

      Nur wird das "Über-den-Tellerrand-schauen" durch die Vielschichtigkeit immer anstrengender und die Ergebnisse werden immer unbefriedigender. Es macht einfach keinen Spaß mehr. Da scheinbar alle nur noch anders Leben, sind mir deren Bedürfnisse vollkommen egal - solange diese mich nichts kosten.

    • Comerade Aardvark

      @Herma Huhn:

      Welche positiven Aspekte der Einheit? OK, dem Osten hat's vielleicht unterm Strich was gebracht. Aber sonst so, aus alte-Bundesländer-Steuerzahler-Sicht?

      • Herma Huhn

        @Comerade Aardvark:

        Die Gesellschaft besteht doch nicht aus ausschließlich Steuerzahlern, die sonst im Leben nichts hält.



        Auch im Westen gab es Menschen, die von ihren Familien getrennt waren.



        Außerdem hat die deutsche Einheit ein Europa, wie wir es heute haben erst wirklich möglich gemacht. Vorher war die Europaische Gemeinschaft doch für die Allgemeinheit nicht mehr als ab und zu eine Randnotiz im Wirtschaftsteil.

    • Moritz Tübbecke , Autor ,

      @Herma Huhn:

      Das ist aber langweilig.

      Außerdem war gesellschaftliche Einigkeit innester Antrieb eben jener beiden Weltkriege :(

      • Deep South

        @Moritz Tübbecke:

        So ein Nonsens. Rassismus, Xenophobie, Chauvinismus und völkisches Denken basieren unmittelbar auf Spaltung. Der Holocaust konnte nur stattfinden, weil man propagandistisch das Volk in arische Deutsche und Untermenschen gespalten hat. Spaltung ist das Erfolgsrezept der AfD.



        Und "Langweilig" sind billige Provokationen, die vorgeben einen tieferen Inhalt zu haben.

        • Yes

          @Deep South:

          Der Wunsch der Rechten ist die Einheit, das „ungespaltene“ Ganze. Die Nationalsozialisten formulierten „Ein Volk, ein Reich, ein Führer“ und verdeutlichten damit, wie sie Identität, Raum und Herrschaft zu einer einzigen, unteilbaren Einheit verschmelzen wollten. Heutige Rechte phantasieren aus Herkunft, Sprache, Geschichte, Tradition und Kultur eine gemeinsame Identität herbei und nennen sich mitunter auch dementsprechend „Identitäre“ oder „Die Heimat“. Ihre Kernerzählung ist, dass die Identität vor allem Fremden bewahrt werden müsse. Ihr Mittel ist die Ausgrenzung und damit auch die Spaltung, ihr Ziel und Antrieb aber ist die gleichgerichtete Einheit.



          Die dringendste Gefahr besteht dabei übrigens nicht etwa darin, dass dies unsere Vielfalt bedroht, sondern darin, dass der Schutz vor allem Fremden nur durch die „Beseitigung“ der Fremden zu erreichen ist. Nur weil die sich das so wünschen, können von alleine nämlich weder die Migranten, Intellektuellen, Leistungsempfänger, Homosexuellen und alle sonstigen Sündenböcke noch die mit diesen verknüpften Ängste, Ratlosigkeiten und Verwirrungen verschwinden.

          • Deep South

            @Yes:

            Der wesentliche und entscheidende Unterschied ist, dass die Nationalsozialisten einen komplett anderen Volksbegriff hatten. Deshalb hat man mit Volk eben nicht alle Deutschen gemeint, sondern nur die, die durch die "arische" Schablone gepasst haben. Millionen Menschen wurden selektiert, aussortiert und von vorgeblich "reinrassigen" Deutschen abgespalten.

            Niemand, der heute von gesellschaftlichem Zusammenhalt und der Einheit Deutschlands spricht, meint das in irgendeiner Weiße völkisch oder genetisch. Rund ein Drittel der Deutschen hat heute einen Migrationshintergrund.



            "Heutige Rechte" setzen auf identitären Quatsch, weil sie eben wieder eine Spaltung im Sinne der Nazis wollen und nicht auf dem Boden des Grundgesetzes stehen, das allen Deutschen gleiche Rechte gewährt.



            Die Behauptung wir bräuchten "mehr Spaltung", weil sonst irgendeine Gefahr von Deutschland ausgeht ist nicht nur völlig falsch, sondern ganz im Sinne der Rechtsextremen.

            • Yes

              @Deep South:

              Ich möchte jetzt nicht rabulisieren, aber wie möchten Sie sich vom „identitären Quatsch“ distanzieren, ohne selbst zu „spalten“? Es klingt nicht so, als ob Sie den gesellschaftlichen Zusammenhalt mit den Identitären befürworten möchten. Aber ohne „Spaltung“ geht das nicht, denn es bedeutet nichts anderes, als sich davon abzugrenzen. Der Begriff „Spaltung“ ist in Bezug auf Menschen negativ konnotiert („gespaltene Persönlichkeit“, Axtmörder usw.), aber eine Abgrenzung zu Rechtsradikalen zeigt doch gerade sehr schön, dass „Spaltung“ eine positive Seite hat und welche Gefahren von gesellschaftlichem Zusammenhalt ausgehen können.

              • Herma Huhn

                @Yes:

                Ich kann der Meinung eines Menschen durchaus widersprechen, ohne mich von diesem Menschen selbst spalten zu müssen. Wenn der andere Mensch meine Meinung nicht aushält und geht, dann hat er gespalten, nicht ich. Ich kann dieser Spaltung nichts positives abgewinnen, außer vielleicht ganz egoistisch einen Moment Ruhe, der mich aber auch nicht weiterbringt.

                • Yes

                  @Herma Huhn:

                  Sie sehen die Spaltung (erst) im Auseinandergehen. Nach den Maßstäben moderner Kommunikation wäre das dann wohl bereits eine „tiefe“ oder „verheerende“ Spaltung, vielleicht sogar „unumkehrbar“ („Was als Riss begann…“). In den Medien setzt die Spaltung bereits früher ein, nämlich da, wo lediglich Meinungsverschiedenheiten bestehen. Zum Beispiel nennen sie bei jeder US-Wahl die USA eine „gespaltene Nation“ und meinen damit eigentlich nur, dass die eine Hälfte den einen und die andere den anderen Präsidentschaftskandidaten gewählt hat. Die Amerikaner gehen aber nicht auseinander, sondern gemeinsam vom Wahllokal nachhause, grüßen einander, frühstücken zusammen und verhalten sich auch ansonsten sozialadäquat. Der Begriff ist eine Verdrehung („Spaltung“ ist ja kein Zustand, sondern eine Tätigkeit), eine unmäßige Übertreibung und erweckt zudem finsterste Assoziationen. Letzteres ist dann vermutlich auch der Grund, warum viele die Spaltung intuitiv erstmal ablehnen. Einige verwenden diesen Begriff aus Unbeholfenheit, andere möchten ihren Schilderungen mit ihm mehr Bedeutung verleihen und wiederum andere setzen ihn manipulativ ein. Darauf sollte man gegebenenfalls achten.

      • Herma Huhn

        @Moritz Tübbecke:

        Nein, Antrieb der Weltkriege war nicht gesellschaftliche Einigkeit, sondern der Versuch, Einigkeit durch Ausrottung aller anderen zu erreichen.



        Und ob ein Feiertag langweilig ist, entscheiden doch die Feiernden selbst. Ich gehe jetzt meine Einheitskekse mit schwarz-rot-goldener Zuckerschrift verzieren.

  • Astrid Sehnefeld

    "Spaltung ist etwas Gutes, nur so können die großen Konflikte gelöst werden."



    Ohne diese These positiv oder negativ bewerten zu wollen hieße das, wir sollten offener für Ideen von den Rändern sein.



    Beispielsweise mehr auf Die Linke hören im Bezug auf Klima und beispielsweise mehr auf die AfD im Bezug auf Einwanderung.



    Jetzt haben hier bestimmt 95% der Leser direkt Schaum vor dem Mund, aber das hieße diese Idee zu Ende gedacht - oder ist diese These nur offen geframt und soll es eigentlich heißen:



    "Spaltung ist etwas Gutes, (so lange sie nach links ausschlägt,) nur so können die großen Konflikte gelöst werden."



    Jetzt möchte ich die ursprüngliche These "Spaltung ist etwas Gutes, nur so können die großen Konflikte gelöst werden" doch bewerten. Ich halte sie für brandgefährlich, weil wir sehen wo uns Spaltung hingebracht hat - zu 40% AfD einerorts und 25% Die Linke andernorts.



    Das mag regional betrachtet unschädlich sein und für den jeweiligen regionalen Bereich auch die beste politische Lösung, aber schon bundesweit führt es zu Zerwürfnissen, die unüberwindlich sind - von kontinental bis global will ich da erst gar nicht anfangen.



    Spaltung fügt zu (Bürger)Kriegen.



    Spaltung ist Gift☠️

  • Jan Schubert

    Das Gesellschaftsbild des Grundgesetzes geht von Meinungsvielfalt aus. Und es hatte bei seiner Entstehung auch nicht vor Augen, dass alle die gleiche Partei wählen, ganz im Gegenteil.

  • Jürgen Klute

    Danke für den Beitrag. Schon lange geistert durch meine Gedankenwelt der Verdacht, dass das Reden von der Überwindung der gesellschaftlichen Spaltung und ebenso das Reden von der gesellschaftlichen Mitte seine Wurzeln im völkischen Denken hat.

    Eine Gesellschaft besteht, wie du es beschreibst, aus unterschiedlichen Interessengruppen, die sich auf einen bestimmten Modus eines mehr oder weniger friedlichen Zusammenlebens verständigt haben.

    Dazu kommt noch ein anderer Aspekt, aus den der britische Publizist und Germanist James Hawes wiederholt aufmerksam gemacht hat: die als deutsch bezeichneten Gebiete östlich der Elbe waren slavische Siedlungsgebiete, die erst ab dem 13. Jahrhundert vom Deutschen Orden (aus dem später das Autorität und militaristische Preußen wurde) kolonialisiert wurden.

    Was bedeutet aus dieser Perspektive eigentlich Wiedervereinigung? Erneute Einverleibung dieser deutschen Kolonien in einen deutschen Staat?

    Siehe: James Hawes: Everyone is terrified of a far-right return in Germany. Here’s why it won’t happen. The Guardian, (www.theguardian.co...hy-it-wont-happen)

  • DiMa

    Na da kann ich den Autor doch beruhigen. Einen "gesamtgesellschaftlichen Zusammenhalt" gibt es doch schon nicht mehr, mangels "Gesellschaft". Diese ist in kleine Bruchstücke verfallen und es existieren nur noch Parallelgesellschaften. Manche davon mit Deutschlandfähnchen, andere halt ohne.

    • Moritz Tübbecke , Autor ,

      @DiMa:

      Dies

  • Martin Rees

    Mit Spaltung, neudeutsch Disruption, fing das Desaster oft an und wurde...



    /



    "Disruption. Die Revolution der Erschöpften"



    www.bpb.de/themen/...-der-erschoepften/

  • Thutmerwe

    Ich kann einige Punkte des Autors ja verstehen.



    Aber bei Sätzen wie "Gerade am 3. Oktober sollten wir aber die Deutschlandfahnen runterreißen und uns bewusst machen, was uns wirklich unterscheidet. " wird mir nur noch schlecht. Mal abgesehen davon, daß die "Deutschlandfahnen" außer am dritten Oktober (und Fußball-WM's) sowieso kaum außerhalb der Rechten Bubble zu sehen sind, braucht man sich nicht zu wundern, daß die Rechtsextremisten von immer mehr Leuten als "normal" empfunden werden, wenn man ihnen selbst solche Dinge wie die Nationalflagge bereitwillig zur alleinigen Nutzung überlässt.

  • Wunderwelt

    "Mehr Spaltung wagen". ..???







    Hmh..ein sehr unglückliches wording. Wobei der Kerngedanke ja gut ist.







    Wie wäre es damit.?:

    -> hin zu einem Selbstbewußten Umgang mit Unterschieden und Besonderheiten.



    Also weg vom kleinsten gemeinsamen Nenner..hin zur größten gemeinsamen Vielfalt..







    Und der Weg dahin:







    -> sich seiner Besonderheiten bewußt werden, lernen diese offen und selbstbewusst zu Kommunizieren (Manche haben da noch so ihre Schwierigkeiten und vetstecken sich lieber hinter irgendwelchen Populisten)..und sich in Ost und West besser zuhören..







    Denn am Ende heißt es doch (nur) gemeinsam sind wir stark.