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Antifaschismus nach vorne denkenWir können gewinnen

Tobias Bachmann

Essay von

Tobias Bachmann

Die AfD war nie stärker, der Antifaschismus selten so bedrängt. Woran liegt das? Wie kann es sich ändern? Und woher Zuversicht nehmen, wenn vieles düster scheint?

M anchmal begegnen uns Bilder, die uns für einen Moment neuen Glauben schöpfen lassen. Dass sich der Rechtsruck doch noch wird aufhalten lassen. Menschlichkeit und Vernunft doch siegen werden gegen Hass und Erniedrigung.

Juni 2026, Wittenberg, Hunderte Menschen demonstrieren durch die Altstadt, manche tragen Trans*- oder Regenbogenflaggen über ihren Schultern. Einige lachen, andere halten Protestschilder hoch. „Your hate won’t silence our pride“, steht auf einem. Es ist der zweite CSD hier. Gegenproteste wie noch im Vorjahr gibt es keine.

November 2025, Gießen, lange Stuhlreihen ziehen sich durch die Hessenhalle. Die meisten sind leer, dabei ist es schon Mittag. Der Gründungskongress der AfD-Parteijugend „Generation Deutschland“ sollte längst laufen. Doch aufgrund etlicher Blockaden durch das antifaschistische Bündnis „Widersetzen“ verspätet sich ein Großteil der Rechtsextremen um Stunden.

Februar 2025, Berlin, zwischen Brandenburger Tor und Siegessäule halten Zehntausende ihre Handys in die Nachtluft, die Taschenlampen eingeschaltet. Ein Lichtermeer. Auch hier Protestschilder: „Nein zu Hass“, steht auf einem. „Nie wieder ist jetzt“, auf einem anderen. Wenige Tage zuvor hatte die Union erstmals im Bundestag versucht, einen Antrag mithilfe von Stimmen der AfD-Fraktion durchzuboxen – zur Verschärfung der Migrationspolitik. Ein Tabubruch, gegen den bundesweit über Wochen hinweg knapp zwei Millionen Menschen auf die Straßen gehen.

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Die taz, "widersetzen" und der AfD-Parteitag

An diesem Wochenende mobilisiert das antifaschistische Bündnis „widersetzen“ zu Blockaden gegen den Bundesparteitag der extrem rechten AfD in Erfurt. Zehntausende Menschen werden erwartet. Diesem Anlass widmet die wochentaz einen 17-seitigen Schwerpunkt, fragt unter anderem: Macht „widersetzen“ Sinn? Oder nicht? Warum konnten die antifaschistischen Kräfte der Gesellschaft zuletzt realpolitisch so wenig bewirken – aller Mobilisierungspower zum Trotz? Und wie ließe sich das wieder ändern?

Alle Texte des Schwerpunkts lesen Sie ganz ohne Paywall hier: taz.de/antifa. Am Samstag werden wir mit einem Live-Ticker auf taz.de über die „widersetzen“-Proteste und dem AfD-Parteitag berichten.

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Solche Bilder sind wichtig, keine Frage. Als Belege praktischer Solidarität und Handlungsmacht können sie in die Zukunft tragen. Selbst durch eine Gegenwart, die sich zusammenzieht. Doch vermögen sie auch auf ganz unglückliche Weise zu täuschen: Zu beruhigen, wo anhaltende Sorge angemessen wäre. Zu besänftigen, wo Handlungsdruck herrscht.

„Ich finde es voll schön, dass ihr hier seid, aber die Lage ist ehrlicherweise schon auch ein bisschen beschissen“, sagte die Aktivistin Luna Möbius bei einer Rede während des CSDs in Wittenberg. Was für die queere Community Ostdeutschlands stimmt, gilt auch weit darüber hinaus. Die antifaschistischen Kräfte unserer Gesellschaft geraten zunehmend in Bedrängnis, allen Mobilisierungserfolgen zum Trotz.

Eine dystopische Collage

Alternative Jugendclubs und politische Bildungsprojekte sind bedroht, weil ihnen staatliche Mittel gekürzt oder gestrichen wurden. Ob in Ilmenau, Wurzen oder Berlin. Und längst nicht erst, seit die Union begonnen hat, das Förderprogramm „Demokratie leben“ zu schleifen.

Freiräume an Hochschulen sind umkämpft.

Physische Angriffe auf An­ti­fa­schis­t*in­nen und linke Orte häufen sich.

Sicherheitsbehörden werden hochgerüstet, Versammlungsgesetze verschärft, Proteste kriminalisiert.

Lehrer*innen, die Schü­le­r*in­nen für die Feinde der offenen Gesellschaft sensibilisieren wollen, werden von ebenjenen mit fadenscheinigen Argumenten zu disziplinieren versucht. Stichwort „Neutralitätsgebot“.

Das Logo der taz: Weißer Schriftzung t a z und weiße Tatze auf rotem Grund.
taz debatte

Die taz ist eine unabhängige, linke und meinungsstarke Tageszeitung. In unseren Kommentaren, Essays und Debattentexten streiten wir seit der Gründung der taz im Jahr 1979. Oft können und wollen wir uns nicht auf eine Meinung einigen. Deshalb finden sich hier teils komplett gegenläufige Positionen – allesamt Teil des sehr breiten linken Meinungsspektrums.

Etliche stabile Po­li­ti­ke­r*in­nen sind wegen rechter Anfeindungen und mangelnden Rückhalts aus den eigenen Reihen in den letzten Jahren zurückgetreten. Walter Lübcke wurde erschossen.

Nach militanten Antifas wird öffentlichkeitswirksam gefahndet. Terrorvorwürfe und RAF-Vergleiche stehen im Raum. Maja T. wurde verfassungswidrig nach Ungarn ausgeliefert.

Linken Buchläden wurden von einer unabhängigen Jury zugesprochene staatliche Preisgelder verwehrt. Begründung: Sie seien extremistisch.

Viele, die eigentlich Grenzen abbauen wollten, arbeiten sich heute an solchen ab. Versuchen, Abschiebungen zu verhindern oder dass noch mehr Menschen im Mittelmeer ertrinken.

Dieser dystopischen Collage könnte man noch einige Fragmente hinzuheften. Eines gehört unweigerlich dazu: Die AfD steht derzeit so gut da wie nie zuvor. Wäre heute Bundestagswahl, erhielte sie wohl knapp ein Drittel aller Stimmen. In Sachsen-Anhalt hat sie beste Chancen, die Landtagswahlen und so noch mehr Einfluss auf die deutsche Politik gewinnen. Könnte man ihr dortiges Wahlprogramm auswringen, dicke braune Suppe würde heraustropfen, so sehr ist es durchsetzt von völkisch-autoritären Gelüsten.

Die Suche nach Zusammenhängen

Warum ist diese Partei heute so stark, während gleichzeitig viele, die genau das verhindern wollen, immer näher mit dem Rücken an die Wand geraten?

Sucht man nach ernsthaften Antworten, kommt man an einem Begriff nicht vorbei: Neoliberalismus. Das ist die dominante politische Ideologie der vergangenen Jahrzehnte, nach der das gesellschaftliche Leben am besten über sogenannte freie Märkte und globalen Handel geregelt sei, Staaten schlank und öffentliche Güter privatisiert gehörten. Das emanzipative Versprechen dahinter: Wenn die nationalen Wirtschaften nur genügend wachsen, werden sich die Menschen schon wohlgesonnen begegnen, die Demokratie florieren und auch die ökologische Modernisierung der Industrie sich verwirklichen lassen.

Einige Zeit lang konnten im Neoliberalismus tatsächlich, wenn auch nie für alle gleichermaßen, progressive Fortschritte erkämpft werden: LGBTIQ-Rechte zum Beispiel, Antidiskriminierungsgesetze oder Klimaschutzmaßnahmen.

Doch als zeitgenössische Spielart des Kapitalismus kommt auch der Neoliberalismus nicht umher, Krisen zu produzieren. Um stetig privates Kapital zu mehren, zersetzt er seine eigenen Grundlagen – sozial, politisch, ökologisch. Das erleben wir auch hierzulande immer deutlicher. Bezahlbarer Wohnraum wird knapper, Schulen maroder, Gesundheits-, Renten- und Pflegesystem geraten ans Limit. Hitzewellen nehmen zu, machen Straßen zu Pudding, gefährden Leben.

Und während den Überreichsten immer mehr von der Bäckerei gehört, muss sich der Rest um die Krümel keilen. Dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung zufolge besitzen die wohlhabendsten 10 Prozent der Bevölkerung derzeit etwa 67 Prozent des deutschen Gesamtvermögens. Die ärmere Hälfte teilt sich gerade einmal 3 Prozent davon.

wochentaz

Dieser Text erschien zuerst in der wochentaz, unserer Wochenzeitung von links!

In der wochentaz geht es jede Woche um die Welt, wie sie ist – und wie sie sein könnte. Eine linke Wochenzeitung mit Stimme, Haltung und dem besonderen taz-Blick auf die Welt. Jeden Samstag neu am Kiosk und natürlich im Abo.

Vertiefen sich Krisen, verwachsen sie miteinander, stehen Zukünfte auf dem Spiel – die aller, aber auch die des Systems, das diese Krisen hervorgebracht hat. In dieser Situation stecken wir gerade. Und sie ist brandgefährlich.

In weiten Teilen der Bevölkerung machen sich Angst und Unsicherheit breit. Die Hoffnung auf ein besseres Morgen schwindet, Aufstiegsträume drohen zu zerplatzen, sind es vielleicht schon. Rechtsextreme Erzählungen, die in einer „Entweder ihr oder die anderen“-Logik Feindbilder heraufbeschwören, haben es in einer solchen Gemengelage leichter. Besonders, wenn sie auf eine Konkurrenzgesellschaft treffen, in der rassistische, autoritäre und andere menschenfeindliche Einstellungen weitverbreitet sind.

Auch der Impuls, Menschen gegeneinander aufzuhetzen, wächst in der Systemkrise. In ihrem Buch „The Old Is Dying and the New Cannot Be Born“ beschreibt die Philosophin Nancy Fraser sehr eingänglich, wie Donald Trump schon vor seiner ersten Amtszeit begann, die Verantwortung für die Probleme der USA umzuwälzen: auf Migrant*innen, Schwarze, Queers, Klimaaktivist*innen, Linke. Also all jene, die ihm ohnehin schon ein Dorn im Auge waren, und solche, die ihm politisch in die Quere kommen könnten.

Die AfD agiert in Deutschland ganz ähnlich. Das ist kein Zufall. Sie hat die neoliberalste Agenda im deutschen Parteienspektrum. Dass auch die Parteien der Mitte immer wieder durch rechte Entgleisungen und Politik auffallen, liegt viel weniger daran, dass sie die verkappte Hoffnung hegen, der AfD so Zuspruch streitig machen zu können. Nein, weite Teile dieser Mitte – allen voran die Union – sind ebenfalls neoliberal indoktriniert und wollen das System durch seine Krisen retten. Koste es, was wolle.

Hier kippt etwas

Die Verteidigung kapitalistischer Prinzipien und Privilegien kann ins Faschistische kippen, besonders in Krisenzeiten. Etwa, wenn politische Geg­ne­r*in­nen als existenzielle Bedrohung für Land und Leute dargestellt und entmenschlicht werden – um sie schließlich zu entrechten und ihre Bekämpfung mit allen Mitteln zu legitimieren. Wir kennen das aus der Geschichte.

Aktuelles Beispiel? Die AfD in Sachsen-Anhalt fantasiert in ihrem Wahlprogramm viel davon, wie sie künftig gegen „pervers-linke Fanatiker“ vorgehen will. „Die Antifa“ framed sie als „eine der größten Bedrohungen für die Innere Sicherheit“ Deutschlands. „Alle Organisationen, die sich der Antifa zurechnen lassen“, will sie für terroristisch erklären lassen. Und sie polizei- und nachrichtendienstlich „in die Schranken weisen!“. Damit stimmt sie ein in eine internationale Anti-Antifa-Bewegung, die von Donald Trump bis Geert Wilders reicht.

Wie lässt sich gegen all das ankommen? Zunächst: nur gemeinsam. Ein taz-Kollege schrieb vor einiger Zeit, die radikale müsse die bürgerliche Antifa wertschätzen lernen. Das mag sein. Vor allem aber stimmt auch umgekehrtes. Bei aller taktischer Vielfalt und ideologischer Differenz müssen die dezidiert und potenziell antifaschistischen Kräfte der Gesellschaft Wege finden, zusammenzuhalten.

Breit angelegte Bündnisse wie „widersetzen“, in denen Aktionen zivilen Ungehorsams und bürgerlichere Demonstrationen eine gemeinsame Choreografie bilden, machen vor, wie das gehen kann.

Außerdem wichtig: Überzeugen lernen. Tiefen Krisen wohnt auch die Möglichkeit weitreichenden Wandels inne. Sie offenbaren, dass es so, wie es ist, nicht weitergehen kann. Und auf der Suche nach neuen Perspektiven sind Menschen längst nicht nur offen für rechte Narrative. Sie lassen sich auch für Visionen von Zukunft begeistern, an denen alle teilhaben, bezahlbar wohnen, frische Luft atmen und sauberes Wasser trinken können.

Nancy Fraser schreibt, unter anderem müsse die traditionelle Ar­bei­te­r*in­nen­klas­se davon überzeugt werden, dass ihr Rassismus gepaart mit neoliberaler Wirtschaftspolitik „nicht die materiellen Grundlagen für ein gutes Leben“ werden ermöglichen können. Wie das funktionieren kann, hat nicht zuletzt Zohran Mamdani mit seiner Kampagne zur Bürgermeisterwahl in New York vorgemacht.

Hier schließen sich zwei Fragen an. Die nach einer systemischen Alternative. Und die, nach dem Weg dorthin. Was die Alternative angeht: dazu gibt es gerade sehr lebendige Diskussionen. Es brauche einen demokratischen Sozialismus, sagen manche. Andere sprechen von einer postliberalen Demokratie. Diese Debatten sind wichtig. Sie müssen ausgeweitet werden, vertieft und – auch hier – immer mit dem Fokus darauf geführt, gemeinsame Nenner zu finden.

Nächster Schritt: Weiter überzeugen. Und zwar jene Kräfte innerhalb der Parteien der Mitte, die wirklich am demokratischen Gemeinwesen hängen, die sich ums Klima und den sozialen Zusammenhalt sorgen. Ihnen muss klargemacht werden, dass all das mit einem neoliberalen „weiter so“ unvereinbar ist.

Tiefen Krisen wohnt auch die Möglichkeit weitreichenden Wandels inne. Sie offenbaren, dass es so, wie es ist, nicht weitergehen kann

Würden sich innerhalb des demokratischen Parteienspektrums die Machtverhältnisse verschieben, ließen sich wohl auch progressive Erbschaft- und Vermögensteuern durchsetzen. So könnten Bildung, Pflege, Soziales, Kulturbetrieb, Klimaschutz ausfinanziert – und materieller Wohlstand umverteilt werden. Dann dürfte nicht nur rechte Propaganda weniger fruchten. Auch die gesellschaftliche Basis für einen grundlegenderen Wandel hin zu einer Welt, in der die 99 Prozent gut leben können, würde gedeihen.

Kühne Träume. Stimmt. Denn auch die braucht es heute. Und noch etwas: die feste Überzeugung, gewinnen zu können. Dafür argumentiert auch der Aktivist und „Frag den Staat“-Gründer Arne Semsrott in seinem neuen Buch „Gegenmacht: Die Zivilgesellschaft schlägt zurück“.⁦

Mindset allein entscheidet sicher nicht über politischen Erfolg. Und doch ist klar: Kräfte wie die AfD – und das kaputte System, dass sie hervorgebracht hat –, werden wir nur überwinden, wenn wir davon überzeugt sind, dass uns das gelingen kann.

Woher diese Überzeugung kommen soll, wo doch vieles heute so düster scheint? Aus den Geschichten unzähliger gewonnener Kämpfe der vergangenen Jahrzehnte. Und aus aktuellen Bildern: Von bunten CSDs in Ostdeutschland, millionenstarken Demokratieprotesten – oder blockierten AfD-Parteitagen.

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Tobias Bachmann

Tobias Bachmann wochentaz-Politikredakteur

Geboren kurz vor dem Mauerfall in Sachsen-Anhalt. Über einige Umwege zum Schreiben gekommen. Besonders interessiert an sozialen Bewegungen, gesellschaftlichem Wandel, Protest, Migration und Flucht. Studiert einen Mix aus Ökologie, Ressourcenökonomie, Politikwissenschaften und kritischer Theorie in Berlin. Hat bei der taz volontiert.
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64 Kommentare

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  • Aufgeben ist keine Option.

  • Vielleicht kann mir jemand erklären, warum trotz stetig steigender Staatsquote ständig von Neoliberalismus erzählt wird. Wie kann es sein, dass diese beständig steigt, während angeblich permanent Privatisierung stattfindet.



    Quelle:



    www.bundesfinanzmi...r-staatsquote.html

  • Sind 'Antifaschisten' eigentlich Demokraten ? Ich vermisse da doch eine (Selbst-) Kritik am Zustand des bestehenden Parlamentarismus, der mit seinem Wirken dazu beiträgt, dass es dieses Auseinander-Entwickeln zwischen arm und reich in den letzten Jahren überhaupt geben konnte: Wenn es als naturgegeben hingenommen wird, dass oben kassiert wird und der gesellschaftlich bewirkte Reichtum eben nicht unten ankommt, sich für Viele im Alter herausstellt, dass sie eben nicht genügend für die Vorsorge verdienen konnten und jetzt mit den gerafften Milliarden teure Automaten und Roboter (die sich nie rechnen werden, genauso wie ChatGBT, die ja nur mit Aktien= Krediten finanziert werden konnten!) den Menschen Arbeit und Existenz genommen werden, dann dürfen sich die Zeitgenossen doch nicht wundern, wenn Rechte da fröhliche Urständ feiern und jede Regierungskrise der Demokraten ihnen weitere Wähler zuspielt, ohne dass sie auch nur einen Hauch von Veränderung vorzeigen müssen. Wahre Demokraten müssen sich ehrlich machen über die Zustände in der Wirtschaft über die Fantasien von Trump und Konsorten, denen demokratische Zustände ziemlich egal sind, da ist die AfD noch ziemlich harmlos.

  • Es geht - nur - um Zuwanderung. Die afd wird - nur - wegen ihrer Position zu Zuwanderung gewählt. Wer keine Zuwanderung will, ist Rassist oder sogar Faschist.

    Zuwanderung ist Umverteilung. Hunderttausende mittellose Zuwanderer werden auf deutsches Sozialhilfe-Niveau gehoben. Das kostet Geld. Das zahlt die hart arbeitende Mitte (=der dumme Rest) mit ihren Sozialabgaben und ist darob offensichtlich nicht begeistert und wählt deswegen afd und nicht cdu/spd/grüne/linke.

    Könnte man sicher auch die Reichen zahlen lassen, Vermögenssteuer etc. oder Beamte oder Politiker. Macht man aber nicht. Warum auch immer.

  • ...wenn wir davon überzeugt sind, dass uns das gelingen kann...



    Die Hoffnung stirbt zuletzt.

  • Starke Analyse. Der Neoliberalismus als Mutter aller Probleme. Zumindest ein Ansatz bei dem es sich lohnt tiefergehend einzutauchen. Mit einer Überzeugung allein macht man die AFD nicht klein. Schön dass man eine Überzeugung hat, aber das hat die AFD auch. Zuerst kommt das Fressen dann die Moral und damit einhergehend die Überzeugung. Ein möglicher Weg? Von der Wohlokratie zur Demokratie. Die Linken machen es vor, die selbst als Abgeordnete ihr Einkommen deckeln: vorbildlich und mit Tiefenwirkung, ist nicht nur Symbolistik. Das ist ein Anfang. Und nun gilt es im Detail auszubuchstabieren wie man den Neoliberalismus aushebeln kann. Niemand hat hierzu ein fertiges Konzept, aber es wird gelingen. Es gibt zahlreiche Gemeinden und Städte deren Bürge unglaublich reich sind und die müssen nun über die Hebesätze und Umlagen ihren Beitrag leisten. Sie werden nicht geschröpft sondern sie legen ihr Geld jetzt in der Kommune so an dass die Schulen nicht marode sind, genügend Integrationsmaßnahmen möglich sind. Sie müssen nicht bluten sondern sie werden einfach gezwungen ihren solidarischen Beitrag zu leisten Es bleibt dann der oberen Mittelschicht und der Oberschicht noch genügend zum Prassen

    • @Philipp Lobinger:

      "...sie werden nicht bluten, sie werden nur gezwungen..."



      Herrlich, da wird mir ganz nostalgisch zumute!

  • Gutes Essay. Neoliberalismus soll die Probleme lösen, aber autoritär . Wie soll das gehen?

    • @A.S.:

      Das wird nicht gehen.

      Aber die AfD-Wähler davon abzuhalten, indem man ihnen erklärt, dass die AfD-Politik nicht funktionieren wird, wird auch nicht klappen.

  • Wer antifaschistisch sein will, muss in demokratischen Parteien aktiv sein, muss in einer Gewerkschaft sein, zum Elternabend gehen und seine Nachbarn kennen. Nur wer vernetzt ist und das auch sein will, das auch bezahlen kann und will, der kann die Erosion stoppen, von der die AfD sich ernährt. Aber natürlich ist es gut, wenn Menschen sich auch anders treffen und organisieren, die Nazis beobachten und davon berichten, aber die Stärke der AfD ist die Erosion der Milieus und die nachlassende Wirkung der Bindekräfte der demokratischen Parteien. Gerade die SPD baut sehr stark ab und sie hat Arbeitnehmer organisiert, war früher für sozial schwache Menschen dar, jetzt ist es eine Mitte-Rechts-Partei geworden.



    P.S. Ohne AfD-Verbot lässt sich m.M. aber die Gefahr einer Diktatur gar nicht mehr aufhalten. Solange Bürger in der Wahlkabine eine rechtsextreme Partei wählen können, die reale Machtchancen hat, werden das einige schon aus Wut und Aggression machen.

  • Zumindest wurde ein Begriff mal genannt, der zu den Ursachen dafür gehört, dass in so vielen demokratischen Gesellschaften rechtsextreme Kräfte immer stärker werden.



    Konkret ist das Problem, dass die Gewinne durch den Kapitalismus immer einseitiger verteilt werden und die Gesellschaften damit immer ungerechter werden und immer mehr Menschen Probleme in der Gegenwart bekommen und Angst vor der Zukunft.



    Durch diese einseitige Verteilung sind die Milliardäre und Superreichen alleine seit 2024 um 400 Mrd. $ reicher geworden auf nun 3.400 Mrd. $. Während der Staat nur noch mit allen möglichen Tricks einen Haushalt auf die Reihe bekommt, und indem er normale Menschen auspresst bis zum Geht nicht mehr.



    Es hätte nicht so weit kommen müssen, wenn Milliardäre und Superreiche auch nur um 30 Mrd. € pro Jahr höher besteuert worden wären und könnte gelöst werden, indem diese auch nur für einige Jahre um 50-100 Mrd. € pro Jahr höher besteuert würden. Es würden schon ca. 30 SPD-Abgeordnete ausreichen, um dies sicherzustellen. Siehe demokratieingefahr...ratie-und-die-spd/

  • " ...Feindbilder heraufbeschwören, haben es in einer solchen Gemengelage leichter."

    Feindbilder gibt's nicht nur von rechts, sondern auch von links. Jedesmal wenn man von "Faschismus" oder der Farbe "braun" schwadroniert, stärkt man die rechte politische Seite. Das ist wiederum der Beweis für einen Rechtsruck, der dann noch intensiver bekämpft werden muss. Natürlich mit noch drastischeren Worten und auch mit illegalen Mitteln. Konsequenz: die Rechten werden noch stärker.

    Ich bin mir nur nicht sicher, ob diese linke Aktionen Ausdruck von Naivität oder Absicht sind, vermutlich beides. Ich glaube, dass die Linken sich in der Rolle der Kämpfer für "Gerechtigkeit" wohlfühlen und keine Fantasie entwickeln wollen, es auf anderem Wege zu versuchen.

    Menschliche linke Politik kann man auch mit respektvoller Kommunikation durchsetzen.

  • Ich bin ja ungerne der Pessimist, aber der "Club der Linken" wird immer exclusiver gemacht. Man schaue sich mal an, was mittlerweile alles als "nicht links" gilt:



    -Flagge zeigen bei Fußball-WM (lt. YouGov 84% der Deutschen dafür, also "Nicht-Linke")



    -Rund zwei Drittel der Deutschen halten das geplante "Verbrenner-Aus" ab 2035 für falsch



    -Migrationspolitik weiter verschärfen (letzte Umfrage, dich ich gelesen habe: knapp über 70% dafür)



    -Enteignungen von Wohnraum (nur knapp 18% dafür auf Bundesebene)



    -knapp 97 Prozent der Deutschen lehnen Gewalt zur Durchsetzung politischer Ziele strikt ab



    Bei so viel Menschen, die man als "nicht jemand von uns" markiert wundert es fast schon, dass noch so viele bei der Linken ihr Kreuz machen.



    Und es wird nicht besser werden, siehe AfD-Parteitagsdemos:



    Die Bilder vom Apollo-Typen sind ein PR-Desaster, aber sowas lässt sich leider schwer komplett verhindern. Aber die linken Reaktionen darauf sind das PR-Desaster Teil 2. Selbst wer Gewalt ablehnt und einen solchen Angriff ohne jede Relativierung ablehnt wird sich gut überlegen, diese Meinung offen zu vertreten. Auch intern ist man unerbittlich (s. letzter BuKo der Linksjugend).

    • @Desdur Nahe:

      Nach der Logik müsste man ja immer dem Volk aufs Maul schauen und ihm danach reden. Progressive Politik heißt für die sozialen Interessen der Mehrheit, aber oft leider auch gegen die kulturellen Interessen selbiger.

      • @Axotono:

        Sie meinen für das, was man für die sozialen Interessen der Mehrheit hält...oder das, von dem man meint, dass es die sozialen Interessen der Mehrheit sein sollten....

      • @Axotono:

        Klingt nicht sehr demokratisch

        • @AllesWirdGuter:

          Das interessiert nicht. Man will für die Mehrheit ja immer nur das Beste.

          • @test_name:

            Eben. Und die Partei, die hat immer Recht.

  • „Breit angelegte Bündnisse wie „widersetzen“, in denen Aktionen zivilen Ungehorsams und bürgerlichere Demonstrationen eine gemeinsame Choreografie bilden, machen vor, wie das gehen kann.“

    Ich möchte mit „Widersetzen“ nichts am Hut haben. Von der „Widersetzen“-Website:

    Rechtshilfebroschüre für Thüringen



    "2.3.3 Sabotage



    Unter den Begriff Sabotage können viele Aktionen fallen, dabei können kleinere Dinge kaputt gemacht oder größere Brände gelegt werden. Mögliche Strafrahmen hängen stark davon ab, wie schwerwiegend Eingriff und Zerstörungen waren und was kaputt gemacht wurde, deshalb ist es schwer, dazu allgemeine Aussagen zu machen. Schadensersatzforderungen sind auch nicht ganz unwahrscheinlich



    Keep in mind // zu beachten



    ✓ Lass dich nicht erwischen.



    ✓ Achte darauf, keine Spuren zu hinterlassen (Fingerabdrücke, Fuß- oder Reifenabdrücke, DNA, Handystandorte, Überwachungskamera-Aufnahmen)



    widersetzen.com/wp...hueringen_2026.pdf

    So etwas hat mit „zivilem Ungehorsam“ nichts zu tun.

  • Einfach mal die Menschen fragen, warum sie AfD wählen!



    Zuhören!



    Da kommt dann halt etwas anderes raus als Kapitalismuskritik und intellektuelles Blabla.

    • @Stiefel:

      Ihre Empfehlung basiert auf der Annahme, die Menschen würden in dem Szenario

      a) mit Andersdenkenden reden



      b) die Wahrheit sagen

      Beides bestreite ich.

    • @Stiefel:

      Kapitalismuskritik und intellektuelles Blabla wären in der Tat etwas viel verlangt, aber wenigstens ein bisschen ins Nachdenken kommen und Zusammenhänge einordnen zu können wären schon noch drin, oder? Denn wozu hat der Mensch Grütze im Kopf?



      Die Leute für dumm zu verkaufen und zugleich intellektuellenfeindlich aufzutreten ist das Geschäft der AfD. So generieren sie Feindschaft gegenüber den ‚Studierten‘ - zumindest gegenüber denen, die ihnen kritisch begegnen und ihre faschistische Gesinnung entlarven - und verhöhnen dabei doch nur die, die nicht gerade über das Privileg eines höheren Bildungsbschlusses verfügen.



      Genau so haben auch schon die historischen Nazis agiert.



      Die schlimmsten Nazis sind allerdings die Nazis, die über gewisse intellektuelle Ressourcen verfügen und sie einsetzen, um die Leute zu verhetzen und zu verführen.

    • @Stiefel:

      Die wenigsten werden die eigentlichen Gründe nennen. Die meisten sind einfach unzufrieden mit der Gesamtsituation. Insbesondere sind sie der Meinung, dass es ihnen zu schlecht geht und sie haben Angst vor der Zukunft. Und sind wütend auf die etablierten Parteien. Dann wählen sie eben die Partei, die genauso wütend auf die etablierten Parteien sind und glauben, den Unsinn, den diese Partei erzählt.

    • @Stiefel:

      Das habe ich oft gemacht. Am Ende kam immer nur heraus, dass "den Ausländern alles in den Arsch geschoben wird", und sie auch was vom Kuchen abhaben wollen. Wenn ich erkläre, dass die Mehrheit der Antragsteller, auch in Gerichtsverfahren, keinen Flüchtlingsstatus erhält, aber die Abschiebung die Kooperation der Herkunftsländer voraussetzt, für welche die Ampel viel getan, die AfD aber gar nichts geplant hat, und vorrechne, dass das neoliberale Programm der AfD meinem Gesprächspartner nun überhaupt nichts beim Plan nutzen würde "mehr vom Kuchen zu bekommen", im Gegenteil - dann kommt komischerweise gar nichts mehr außer einer wegwerfenden Handbewegung und ein Gemurmel wie "rot-grün-versifft".



      Ja, wie soll man da vernünftig reden?

      • @hedele:

        Tja, da haben Sie nicht zugehört, seine Probleme nicht ernst genommen. Und, statt gemeinsam mit ihm nach Lösungen zu suchen, angefangen zu Missionieren. Mit vorhersehbarem Ergebnis.

      • @hedele:

        Das ist der gleiche Mechanismus, aus dem Merz & Co möchten, dass die Arbeiter sich bereits am 1. Tag eine Bescheinigung holen müssen: Man ist unzufrieden mit der Gesamtsituation und sucht sich dann irgendeinen Sündenbock aus, an dem es dann liegt. Bei Merz an den Arbeitnehmern, die zu oft blau machen, bei den AfD-Wählern an den Ausländern.

        Beides ist Quatsch. Aber bei beiden kann man sich den Mund fusselig reden, die Überzeugung wird man bei beiden nicht ändern.

        Wenn man die AfD-Wähler davon abhalten will, weiter AfD wählen, muss man "einfach" deren Gesamtsituation ändern. Über die Programme der AfD oder die Kosten durch Ausländer zu diskutieren, wird nichts bringen.

      • @hedele:

        Mit Verlaub, wenn ich lese, wie Sie hier reden, kann ich mir gut vorstellen, wie Ihre Gespräche mit Menschen aus Ostdeutschland von Ihrer Seite geführt wurden. Dass da dann wenig Produktives bei rum kommt, erstaunt mich dann nicht.

      • @hedele:

        Da belegen Sie doch super, dass die ganze Kapitalismuskritik den AfD-Wählern komplett am Allerwertesten vorbeigeht und deshalb sinnlos ist.

        Übrigens sprach Stiefel nicht von Reden.

        Er sprach von Zuhören.

        Ein feiner, aber entscheidender Unterschied.

        Sie können es also nochmal versuchen.

        • @rero:

          Kapitalismuskritik betreiben auch die Faschisten, zumindest der national-revolutionäre Flügel, sprich: innerhalb der AfD der völkisch-nationale Flügel um Höcke. Das neoliberale Spektrum (Weidel & Co.) hat es damit eher nicht so.



          Allerdings ist bei denen die Kapitalismuskritik ethnonationalistisch eingefärbt - in den Genuss des faschistischen Wohlfahrtsstaates sollen nur noch die Angehörigen der jeweiligen Volksgemeinschaft kommen. Und wer dazu gehört, bestimmt die AfD.



          Wer nicht dazu gehört oder der Volksgemeinschaft unnötig zur Last fällt, kann gehen, freiwillig oder per Remigration. Dass das Ganze durchaus noch steigerungsfähig ist, hat die Geschichte des NS gelehrt. Darauf sollten wir es nie mehr ankommen lassen.

    • @Stiefel:

      Jetzt hätte ich gern ein Beispiel!

      • @A.S.:

        Für was hätten Sie gerne ein Beispiel?

  • Machen wir uns nichts vor, die Heimat der neuen Rechten ist der Osten Deutschlands. Nach dem Fall der Mauer hatte das westliche System nichts besseres zu tun, als die Menschen im Osten mehr oder weniger zu demütigen und sie damit in Strukturen zu treiben die vor allem antidemokratisch waren und sind. Und natürlich war die SPD im Westen nach Schröder nicht mehr Heimat der "Arbeiterklasse" und der Unterprivilegierten. Und die daraus resultierende Ablehnung des gesamten Systems ermöglichte dann auch im Westen AFD zu wählen. Ähnlich wie in den USA: Man wählt dann einfach das größte Arschloch. Lässt sich das alles aufhalten? Nein, da müssen wir leider durch, wenn die AFD nicht verboten wird und Pädoexperten die Regierung übernehmen. Wenn die AFD regiert wird es wie bei Trump werden. Man wird sie alsbald als selbstsüchtige Idioten wahrnehmen, die nur ihr eigenes Fortkommen im Auge haben.

  • Vielleicht kommt es anders als wir denken.



    Wir können scheinbar eine braune Regierung mit Unterstützung des BSW in Sachsen-Anhalt, Thüringen und Sachsen nicht mehr verhindern.



    Viele Menschen werden aus diesen Ländern wegziehen müssen, Nichtbinäre, Schwule, Menschen mit Migrationshintergrund, Linke, die auf den Verfolgungslisten stehen. Aber andere, die an diesen totalitären Staat glauben, werden vielleicht auch dorthin ziehen, so dass wir hier im Westen vor ihnen Ruhe haben?



    Soll doch dort regelmäßig die Bundeswehr einmarschieren, weil die Bundestreue verletzt wird.



    Wir im Westen hingegen könnten es, zunächst in Berlin und vielleicht auch in Niedersachsen zu Rot-Rot-Grün schaffen und eine inklusive Gesellschaft aufbauen.



    Irgendwann in 15 oder 20 Jahren werden die Ossis merken, dass der Faschismus doch ein Fehler war. So wie beim Brexit und bei allen anderen großen Glaubensbewegungen wird diese Erkenntnis aber wohl nur langsam durchsickern.



    Wer hier im Westen derweil weiter gegen Klimaschutz und Integration nörgelt, dem können wir wie früher sagen: "Dann geh' doch rüber!"

    • @hedele:

      Was für ein Unsinn. Auch im Westen sind die AfD-Zahlen stetig nach oben gegangen und tun es weiterhin. Die AfD-Zahlen hängen an der Unzufriedenheit. Im Osten war die Unzufriedenheit höher wegen der Art und Weise, wie nach der Vereinigung mit ihnen umgegangen wurde. Daher waren und sind die Zahlen dort noch höher. Aber auch im Westen steigt die Unzufriedenheit stetig, nicht zuletzt durch die neuen Reform-Pakete. Daher werden auch im Westen die AfD-Zahlen weiter steigen. Und insbesondere die Zahlen für die SPD in Berlin weiter sinken. Mit Rot-Rot-Grün wird es nichts in Berlin. Im Gegenteil. Auch im Westen wird es schon in kurzer Zeit weder für Rot-Rot-Grün noch für Rot-Schwarz-Grün reichen und für Rot-Schwarz schon gar nicht.

    • @hedele:

      In Berlin gab es bereits Rot-Rot-Grün und Rot-Grün-Rot.

      Wurde nichts mit der inklusiven Gesellschaft.

      Im Gegenteil.

      Sagen Sie mir bitte einen Grund, warum das beim nächsten Mal Rot-Rot-Grün anders laufen sollte?

    • @hedele:

      Bemerkenswert ist, dass Sie Millionen Ostdeutsche in wenigen Zeilen zu einer einheitlichen Masse erklären. Der "blaune Ossi", der angeblich so denkt, so wählt und den Westen belehren möchte – das ist nichts anderes als ein Klischee.



      Mich wundert immer wieder, mit welcher Selbstverständlichkeit manche Westdeutsche glauben, den Ostdeutschen ihre Motive erklären zu können. Niemand käme auf die Idee, aus Wahlergebnissen in Nordrhein-Westfalen auf den Charakter aller Westdeutschen zu schließen. Beim Osten scheint das plötzlich legitim zu sein.



      In einer Demokratie zählt jedoch nicht, wer mehr Menschen hat oder wer glaubt, kulturell überlegen zu sein. Entscheidend ist, dass unterschiedliche Erfahrungen und Sichtweisen respektiert werden.



      Vielleicht wäre es an der Zeit, Ostdeutsche nicht länger als politisches Studienobjekt oder Projektionsfläche zu behandeln. Wir brauchen keine Erklärer aus dem Westen, die uns sagen, wer wir sind oder warum wir wählen, wie wir wählen. Wir sind mündige Bürger – mit genauso unterschiedlichen Ansichten wie im "Westen". Und falls Sie es immer noch nicht verstanden haben, hier geht es nicht um das Klischee von Ost/West!

      • @BuffyShe:

        "Vielleicht wäre es an der Zeit, Ostdeutsche nicht länger als politisches Studienobjekt oder Projektionsfläche zu behandeln."

        Das wird genau an dem Tag passieren, an dem Ostdeutsche aufhören, solidarisch mit allem zu sein, das im Osten passiert.

      • @BuffyShe:

        Im Wsten gab der Faschismus aber keine strukturelle Nehrheit wie in diesen drei Ländern. Ich will Sie nicht belehren. Ich möchte davon in Ruhe gelassen werden. Gehen Sie mit Gott! Aber bitte gehen Sie!

    • @hedele:

      "Wir im Westen hingegen könnten es, zunächst in Berlin und vielleicht auch in Niedersachsen zu Rot-Rot-Grün schaffen und eine inklusive Gesellschaft aufbauen."

      Bezahlen müssen das aber Bayern und Bawü (Länderfinananzausgleich an Berlin 4Mrd, an Niedrrsachsen 600 Mio).

      • @OldFrank:

        Länderfinanzausgleich war und ist immer. Wenn man Bayern anschaut, dann verbrennt gerade die Verweigerung bei Windrädern und Netzausbau so richtig viel Geld. Niedersachsen ist hier schon weiter und könnte, wenn wir aus dem Stromverbund endlich aussteigen dürften, richtig Kasse machen und sogar neue Industrien anziehen. Dann müssen BaWü und Bayern auch nicht mehr so laut über uns jammern.

        • @hedele:

          Bayern hat halt nicht soviel Wind. Manchen Windradbetreibern in Bayern zahlt der Staat noch was extra, weil sowenig Wind weht. Dafuer nutzen sie viel Sonnenenergie.



          Was ist so falsch daran das zu nutzen, was auch vorhanden ist?

        • @hedele:

          Herr Hedele einen Vogelschlag am Flugzeug haben Sie sicherlich schon einmal gesehen.

          Jetzt stellen Sie sich bitte einfach einmal das umgedrehte Bild, durch Windräder, bei Vögeln vor.

          Es gibt schönerweise in Bayern, nicht nur die CSU,



          sondern auch noch ein paar Ökologen, die halt nicht jede Donaubegradung mit Beifall beklatschen!

          Langfristig wird dies noch ein verdammt langer Weg, bis wir alle in einer Gesellschaft der menschlichen Mitte angekommen sind!

        • @hedele:

          Warten wir mal ab, wie es bei VW weitergeht und was sich Niedersachsen dann noch leisten kann...

      • @OldFrank:

        Na ja warum nicht. Als morderner Ablasshandel, oder so.

      • @OldFrank:

        Wenn schon denn schon, ich will das Königreich Bayern wieder haben! Wird doch irgendwo noch ein Wittelsbacher leben.

  • Das Bild suggeriert,. dass der 1. FC Kaiserslautern mit der AfD assoziiert wäre.

  • Ob man es Neoliberalismus, Spätkapitalismus oder Spätfaschismus nennt, ist völlig egal. Populismus bzw. ein neuer Rechtsruck auf dem Weg in die Machtposition.

    Es gibt weder eine traditionelle Arbeiter*innenklasse, wie Nancy Fraser schreibt, noch einen Zohran Mamdani in diesem Land.

    Es ist auch alles gesagt und geschrieben worden – von Soziologinnen, Politikwissenschaftlerinnen und Ökonom*innen. Maja Göpel schrieb in ihrem Buch "Wir können auch anders". Aber wir wollen es nicht. Dabei bringt auch das Wohnzimmerprojekt der taz nichts.

    Wenn Kapitalsteigerung und Ungleichheit zusammengehören, wird die Politik auch keine Maßnahmen ergreifen, weil sie ein Teil dieses Systems ist.

    Es ist jetzt nur noch abzuwarten, wie die Menschen sich weiter abwürgen und dabei auch das Klima seinen Teil übernimmt, um zunächst einen Schlussstrich zu ziehen.

    Danach, während einige Tech-Milliardäre vielleicht in ihren Schutzbunkern auf anderen Planeten weiterleben, werden die Menschen sich neu erfinden müssen.

  • Der Neoliberalismus ist als Gegenbewegung gegen die totalitären Regime in Deutschland, Spanien, Russland und Italien der 30er Jahre entstanden und hat zusammen mit der liberalen Demokratie in D über Jahrzehnte dramatische Wohlfahrtsgewinne für alle Bevölkerungsgruppen gebracht.



    Den "demokratischen Sozialismus" konnte man in der DDR studieren und eine "postliberale Demokratie" würde sicher auch der AFD gefallen.

    • @Günter Keller:

      So wie sie alles zu einem Amalgam verbinden, kann man keinen echten Erkenntnisgewinn mehr daraus ziehen. Meinen Sie Ordoliberalismus, die Chicagoer Schule oder den Neoliberalismus der 90er, der sich alles Heil von der Börse versprach? Ich glaube tatsächlich, dass unsere Form des Kapitalismus mit Grenzen des Wachstums nicht vereinbar ist, so wie unsere Weltkugel sie uns nunmal setzt. Denn dann wird das Schlachten der Kuh am Ende mehr Erlös bringen als ihr Melken. Der Neoliberalismus wird also bei sinkenden Rohstoffvorkommen alles wieder zerfleischen, was er zuvor aufgebaut hat und am Ende seine eigenen Kinder fressen. Was ich unbedingt bewahren möchte, das ist unsere freie Marktwirtschaft und liberale Demokratie. Aber das hat nichts damit zu tun, dass unsere privaten Banken den Staatshaushalt finanzieren müssen, dass alle Unternehmen frei aufgekauft und zerschlagen werden dürfen, dass wir bei KI angeblich auf einen privaten Gigainvestor warten müssten und der Staat nchts machen darf, dass industrielles Kern-Know-How einfach von einem chinesischen Staatskonzern weggekauft werden kann.



      Das müsste alles nicht sein, ohne dass wir uns einen Zacken aus der ordoliberalen Krone brechen.

  • Der link für "Physische Angriffe auf An­ti­fa­schis­t*in­nen" ist, bei allem Verständnis, wirklich fehl am Platze. Ein bis dato ungeklärter, juristisch unverhandelter Fall, der auch genau das Gegenteil der Aussage des links vermuten lassen könnte, mutmaßlich.



    Gibt es keinen eindeutigeren Fall, den man benennen könnte?

  • "Etwa, wenn politische Geg­ne­r*in­nen als existenzielle Bedrohung für Land und Leute dargestellt und entmenschlicht werden – um sie schließlich zu entrechten und ihre Bekämpfung mit allen Mitteln zu legitimieren. "



    Hm. Ist da aktuell nicht am ehesten die AfD in Gefahr von Antifaschist*innen so dargestellt zu werden? Aber denen geschieht das ja recht?

    • @XXX:

      Schönes Beispiel aus der Kommune dem Parallelartikel:

      "Wenn die Faschisten Polizeischutz bekommen.

      Es stinkt ordentlich in diesem Land, wenn schon wieder so viele "Menschen " diese Partei mit ihrer Stimme unterstützen." (Zitat: Andreas Flaig)

      taz.de/Liveticker-...bb_message_5237570

    • @XXX:

      Politische Gegner aller Richtungen zeigen temporär mehr oder weniger existenzielle Bedrohungen. Ja, derzeit trifft das wohl auf die AfD zu. Und deshalb sollte diese Gefahr für unser demokratisches Leben gestoppt werden. In gleichem Masse wie dies auch bei Gefahren aus anderen politischen Richtungen der Fall sein sollte.

  • Es ist richtig und wichtig zu fragen, warum die AfD einen solchen Zuspruch erfährt während linke Narrative imm er weniger verfangen.

    Nur die Antworten im Artikel sind mir zu selbstgefällig. Eigene Fehler werden nicht gesehen oder zumindest nicht ernsthaft thematisiert. Stattdessen sind die Neoliberalen schuld und es wird auf die Auswirkungen der Wirtschaftskrise verwiesen, an der ebenfalls nur der Kapitalismus Schuld trägt.

    Klar, in wirtschaftlich fetten Jahren kann jede linke Regierung aus dem Vollem schöpfen und wie in Deutschland geschehen, die soziale Wundertüte füllen. Aber Deutschland lebt diesbezüglich über seine Verhältnisse und die Verteilungskämpfe beginnen.

    Jetzt wäre Antworten gefragt und die gibt es (von links) nicht mehr. Außer man müsste den politischen Gegner verjagen…

    • @Leo Onlin:

      Herr Onlin ich bleibe weiterhin davon überzeugt, das brauchbares Reden - und damit meine ich nicht Klingeln putzen - am meisten hilft.

      Ein wunderbares Beispiel - für erklärbare Politikverdrossenheit - ist die Geschichte einer VEG ("Kolchose") aus dem Bereich Rostock, die damals 15 Mitglieder hatte, und als GENOSSENSCHAFT ihren wirtschaftlichen Erfolg (!) fortführen wollte.

      Wurde verboten, weil es einen Geschäftsführer bräuchte, und eine Genossenschaft ja wohl zu sozialistisch wäre.

      Die Kommune löste sich auf. Mit ein klein wenig Druck zuviel, geht halt alles.

      Von den 15 Bauern, samt Familien, wählt seitdem bestimmt keiner mehr CDU (!), FDP (!) geschweige denn SPD, oder sogar "Grün".

    • @Leo Onlin:

      Es ist so viel einfacher, wenn jemand anders schuld ist, dass man die Menschen nicht mehr erreicht, als wenn man sich selbst fragt, was man falsch macht.

    • @Leo Onlin:

      In wirtschaftlich fetten Jahren waren es vor allem die politische Mitte und Neoliberalen, Wirtschaftskriminalität unterstützten und die das gestohlene Geld ihren Freunden (Aktionäre, Banken, ect.) in die Hosentaschen steckten, statt die Infrastrukturen (Bahn, Strassen, Kitas, Schulen, Alten- u. Pflegeheime, etc.) in unserem Land abzusichern und zu modernisieren.

      • @Sonnenhaus:

        Die Gewinne in Deutschland wurden und werden sehr hoch besteuert. Das Geld hätte man tatsächlich in Infrastruktur und damit in neue Jobs (auch für die zahlreichen jungen Migranten) stecken können. Hat man aber nicht. Stattdessen wurde viel Soziales getan, was zwar nett aber dann doch nicht nachhaltig ist. Und jetzt fällt es uns auf die Füsse.

  • Woran liegt das? Weil der Antifaschistischmus letztendlich auch nichts mehr als "dagegen" zu bieten hat. Eine überzeugende Vision für die Zukunft braucht mehr als nur frei von Faschismus zu sein. Was soll danach kommen? Gleiches gilt für Antikapitalismus. Und jetzt bitte mehr als CSD und Planwirtschaft.

    So leid es mir tut, die Mutter aller Probleme ist weder die Migration noch was auch immer alles heute als Faschismus gilt. Es ist die Ideen- und Mutlosigkeit der demokratischen Gesellschaft hierzulande, sich in unsicheren Zeiten zurechtzufinden. Es ist die vermeintliche Demut vor der eigenen Geschichte, ironischerweise gepaart mit der Hybris, immer noch am besten zu wissen, wie die Welt funktioniert - was letztendlich wieder nur eine Variation der alten Allmachtsphantasie ist. Es ist ein Mangel an Vertrauen in die Demokratiefähigkeit dieses Landes.

    Der gesamte deutsche Diskurs ist einfach nur noch peinlich. Deutschland verhält sich wie ein pubertierender Teenager, der weder mit sich selbst noch mit dem Rest der Welt wirklich klar kommt, aber sich trotzdem irgendwie groß machen muss. Leute werdet endlich erwachsen!

    • @Fairchild670:

      Ja, hallo. Die Mehrheit ist erwachsen. Es besteht kein Mangel an Demokratiefähigkeit in diesem Land. Allein das Vertrauen in die "Mann- und Frauschaft" derer, die den Auftrag gegen Entlohnung, alles für eine funktionierende Demokratie zu organisieren haben, ist weitgehend verbraucht.



      Antifaschismus endet nicht erst beim CSD, dem Widerstand gegen die AfD, sondern ermöglicht erst eine demokratische Selbstwirksamkeit der Mehrheit in diesem Land. Gerade in Rückblick auf unsere Geschichte. Die Menschen, die unter den Farben des Antifaschismus für demokratische Werte eintreten sind eine Gemengelage aus unterschiedlichen Bürgern, die nicht nur zum Thema Faschismus und AfD aktiv in ihrer Freizeit, ehrenamtlich u.a. auf die Strasse gehen. Es sind Menschen die auch in der Wirtschaft, für Soziales, etc. für den Erhalt und der Verbesserung unseres Landes sich ehrenamtlich einsetzen, obwohl sie bereits Milliarden für den politischen Apparat ausgeben (Steuern) der bei diesen Themen versagt. Niemand will die Planwirtschaft der Regierenden, welche die Armut zementiert und der leistungslosen Gesellschaft (10%) die demokratische Abwesenheit auf kriminelle Weise sichert.

      • @Sonnenhaus:

        Danke!

      • @Sonnenhaus:

        "Antifaschismus endet nicht erst beim CSD, dem Widerstand gegen die AfD, sondern ermöglicht erst eine demokratische Selbstwirksamkeit der Mehrheit in diesem Land."

        Ich finde, da überhöhen Sie den Antifaschismus ganz gewaltig und machen es ihm gleichzeitig deutlich zu einfach.

        Für die demokratische Selbstwirksamkeit, sollte es reichen, einfach nicht Faschist zu sein. In dem Sie eine grundlegende Notwendigkeit eines expliziten Antifaschismus postulieren, bestätigen Sie im Prinzip auch meine Aussage: Ihnen scheint Vertrauen in die Demokratiefähigkeit zu fehlen.

        Und nochmals: Was genau soll denn auf dem gesunden Boden des Antifaschismus entstehen? Es geht mir nicht darum, Sie persönlich hier auf eine Antwort festzunageln. Aber genau diese Frage müssen linke Kräfte überzeugend beantworten, wenn sie mit Ihrem Antifaschismus irgendjemanden überzeugen wollen. Und daran mangelt es ganz gewaltig.

    • @Fairchild670:

      Danke!