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Merz zu Krankenversicherungen Ein löblicher Sinneswandel

Manuela Heim

Kommentar von

Manuela Heim

Überraschend hält Kanzler Merz das Zweiklassensystem bei der Krankenversicherung für ungerecht. Die Privaten will er natürlich nicht abschaffen.

I m vergangenen Jahr sagte der gerade verabschiedete SPD-Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach im taz-Interview, irgendwann werde die Bürgerversicherung, also das Zusammenführen von privater und gesetzlicher Krankenversicherung, kommen. Selbst SPD und Grüne hätten schließlich eine ganze Weile gebraucht, um sich der Ungerechtigkeit bewusst zu werden. Nun, könnte man meinen, ist es auch bei der CDU und Kanzler Friedrich Merz so weit.

Das Nebeneinander von privater und gesetzlicher Versicherung löse ein massives Problem im Gerechtigkeitsempfinden der Bevölkerung aus, sagte Merz nämlich am Montag in einer Pressekonferenz nach den für die CDU desaströsen Wahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin.

Mal abgesehen davon, dass Merz gerne mal Sachen sagt, die er oder ein Sprecher von ihm danach wieder zurücknimmt oder abschwächt, ist diese Aussage doch bemerkenswert. Das wachsende Gefälle in der Behandlung von privat und gesetzlich Versicherten war schließlich nur noch für solche Menschen zu ignorieren, die selbst überwiegend privatversichert sind und daher nie wochen- oder gar monatelang auf einen Fachärztintermin warten müssen. Die CDU/CSU trug da bisher die größten Scheuklappen.

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Natürlich will Merz nicht die private Krankenversicherung abschaffen. Der Kanzler habe „nur die Terminvergabe“ gemeint, heißt es nun beschwichtigend aus der CSU.

Diese Termine werden inzwischen vor allem über Online-Plattformen vergeben, die Privatversicherten regelmäßig zeitnahe Termine und gesetzlich Versicherten oft genug gar keine Termine anbieten. Mit entsprechenden Folgen für den Krankheitsverlauf und das Gerechtigkeitsempfinden in der Gesellschaft.

Wenn die CDU/CSU jetzt so weit ist, immerhin dieser Ungerechtigkeit ernsthaft einen Riegel vorzuschieben, wäre das schon mal ein echter Sinneswandel. Für die Frage einer Bürgerversicherung braucht es vielleicht noch ein paar mehr bewusstseinserweiternde Wahlergebnisse.

Manuela Heim

Manuela Heim Gesundheit und Soziales

Redakteurin in der Inlandsredaktion, schreibt über Gesundheitsthemen und soziale (Un-) Gerechtigkeit.
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8 Kommentare

  • warum_denkt_keiner_nach?

    Nach den bisherigen Erfahrungen mit Merz wird die "Angleichung" wohl so aussehen, dass die Leistungen der gesetzlichen Versicherung zusammen gestrichen werden und dafür dann eine Plicht eingeführt wird, für diese Leistungen eine private Versicherung abzuschließen. Schließlich müssen die Versicherungskonzerne auch leben. Evtl. gibt es dann noch 2€ Zuschuss aus der Staatskasse...

  • Wanderin

    Ja und er hat sich neulich stark gegen die AfD abgegrenzt! Ich sehe in letzter Zeit, dass ständig der Rücktritt von Merz gefordert wird. Wen möchten die Linken, die das fordern, denn stattdessen lieber haben? Dobrindt? Jemanden vom ultra-rechten CDU-Flügel?

  • Kabelbrand Höllenfeuer

    Dieser Doctolib-Terror ist einfach nur widerwärtig. Arztpraxen sind faktisch oft telefonisch gar nicht mehr zu erreichen und Termine werden willkürlich und ohne weitere Rücksprache geändert. Zitat: "Genau dafür ist Doctolib ja da.".



    Über die Arztpraxen, die tatsächlich 2 verschiedene Eingänge für Privat- und Kassenversicherte haben, will ich lieber gar nicht erst reden.

  • Axel Schäfer

    Na, warum wird sich da kaum ernsthaft was ändern? Kleiner Spoiler, 93% der Beamten und Richter sind privat versichert und stellen über 50% der privat Versicherten. Ein sog. Ökonom verkündete eben im Radio, man müsste einfach die Beiträge der GKV erhöhen und den Ärzten mehr Geld geben, damit die auch Anreize haben gesetzlich versicherte zu behandeln...



    So schön einfach kann die Welt sein wenn man komplett weltfremd ist.

  • Sikasuu

    Merz habe nur deutlich gemacht, dass man das Gefühl der Ungerechtigkeit in der Bevölkerung ernst nehme, ...



    ----



    Kann "unser Fritz" KEIN Fettnäpfchen auslassen?

    Gefühlte Ungerechtigkeit!

    Das mal übersetzt: GKV-Patienten begreifen nicht, dass SIE & PKV‑Patienten gleich behandelt werden?

    Das mag vielleicht in einigen Fällen stimmen. Doch spätestens, wenn es um Termine, Arztwechsel, teilweise auch ums KH usw. geht, stimmt das REAL nicht!

    Klar gibt es "gute Gründe" für die PKV! Wenn z.B. Beamte, Selbstständige usw. in der GKV wären, es gar eine "Bürgerversicherung" gäbe, müssten Bund, Länder, Kommunen, usw. massiv Beiträge dazu übernehmen. Die Beihilfe für Beamte ist weit kostengünstiger.

    Mein Fazit: ER, s.o. kann's einfach nicht! Doch nicht seine "missverständlichen Sprüche" sind dabei mMn. das Problem, sondern seine "leicht antiquierte Sicht der politischen Wirklichkeit" & der Menschen "in DIESEM unserem LANDE" DIE belegen, dass er "wirklich nur 3. Wahl" zu sein scheint!"



    Ps. Neuwahlen fürchten mMn. beide Regierungsparteien wie der Teufel das Weihwasser & ein Kanzlerwechsel ist deswegen "unmöglich" weil mMn. niemand in der CDU den Job im Moment freiwillig haben will!

  • fly

    Tatsächlich gibt es auch Ärzte, die da kaum einen Unterschied machen, sprich privat Versicherte können manchmal ebenfalls monatelang warten. Im Schnitt bekommen die eher einen Termin. Aber an dem Eingangsstatement sieht man, dass es nicht die PV Versicherten sind, die das Problem darstellen, sondern die Ärzte, die sich für deutlich höheren Verdienst entscheiden. Besonders auffällig ist der Termineffekt in Investorenfinanzierten Gemeinschaftspraxen. Darin gibt es aber Ärzte, die ein geregeltes, gutes Gehalt einer stressigen Geldmaximierung vorziehen.

  • Astrid Sehnefeld

    Was ist daran ungerecht?



    Ich bezahle schließlich deutlich mehr.



    Wer eine bessere Behandlung oder frühere Termine möchte, muss sich nur privat versichern - es steht jedem frei🤷



    Wem die Beiträge zu teuer sind, der muss sich verbeamten lassen. Dann übernimmt der Dienstherr je nach Familienstand, Alter und Bundesland 50 bis 70 Prozent als Beihilfe, für Kinder 80 Prozent - für Polizisten, Soldaten und Berufsfeuerwehr meist 100 Prozent.



    Und wem das Beamtenleben zu dröge ist, der möge Lehrer werden - auch da gibt's Beihilfe vom Staat.



    Wer sich den privaten Luxus leisten will, der hat natürlich für seine höheren Beiträge eine bessere Behandlung verdient und wer für den täglichen Ablauf des Staates von Wichtigkeit ist (Lehrer, Polizisten, Soldaten, etc), der gehört allein schon aus Staatsinteresse natürlich ebenfalls bevorzugt behandelt.



    Dass Ärzte und Krankenschwestern als auch Altenpfleger ebenfalls in den Beamtendienst gehören sollten steht auf einem anderen Blatt - DASS sollte wirklich geändert werden.

  • Annette Thomas

    Bewusstseinserweiternde Wahlergebnisse. Schön!



    Bzw. eigentlich nicht, denn die Schnittmenge mit "destabilisierenden Wahlergebnissen" wird bei fast 100% liegen...