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Krise der CDU Machtmaschine, das war einmal

Sabine am Orde

Kommentar von

Sabine am Orde

Das Drama bei der Wahl des Fraktionschefs der Union ist ausgeblieben. Ausgestanden ist die Krise damit noch nicht. Merz' Autorität ist dramatisch angeschlagen.

D as Drama ist ausgeblieben. Thorsten Frei ist mit knapp 92 Prozent zum neuen Fraktionschef der Union gewählt worden. Das ist angesichts der derzeitigen Stimmung in der CDU ein gutes Ergebnis. Zwar hätten sich manche in der Fraktion einen anderen Vorsitzenden gewünscht, einen, der unabhängiger agiert und nicht derart loyal zum Kanzler steht.

Aber Frei ist in der Fraktion beliebt – und ein schlechtes Ergebnis wäre ohnehin weniger ihm als Friedrich Merz zugerechnet worden. Dass es möglicherweise keine gute Idee ist, diesen weiter zu demontieren, scheint sich jetzt auch in der Fraktion durchgesetzt zu haben.

Für Merz aber ist das Ergebnis kein Grund, um wirklich aufzuatmen. Zu groß ist der Unmut in den eigenen Reihen über ihn, zu heftig war die Kritik in den vergangenen Tagen, zu häufig wurde aus der Partei heraus halböffentlich die Frage gestellt: Kann Merz überhaupt Kanzler?

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Und statt zu versuchen, die Empörung einzuhegen und die Abgeordneten mitzunehmen, kofferte Merz diese am Dienstag aus Irland auch noch an: Seine Entscheidungen müssten jetzt akzeptiert werden. Hätte es noch einen Beweis gebraucht, dass Merz das Gefühl für seine Partei fehlt, hier wäre er gewesen.

Unmut und Wut sind ausgebrochen

Nun ist die Empörungswelle kaum zu verstehen, wenn man allein auf den Auslöser blickt: Die Entlassung des Verkehrsministers, die zur Hängepartei geworden ist. Dass der designierte Nachfolger trotz zweimaliger Zusage kurzfristig absprang, müsste man eigentlich ihm anlasten. Doch diese Entlassung und das gesamte Gestolpere bei der Kabinettsumbildung sind eben nur der Anlass für den Unmut, der Merz nun aus den eigenen Reihen entgegenschlägt.

Von fehlender Glaubwürdigkeit und schwindendem Vertrauen, von schlechtem Stil, mieser Führung und fehlendem Handwerk war zuletzt die Rede – und zwar in den unterschiedlichsten Flügeln und Gruppen der Partei. Unmut und Wut haben sich angestaut. Jetzt sind sie ausgebrochen.

Lange war es in der CDU so, dass sich die Partei in einem sicher war: Regieren, das können wir. Dem Machterhalt wurde so mancher Konflikt untergeordnet, im Zweifel bissen die Abgeordneten die Zähne zusammen und stimmten zu. Jetzt aber mehren sich in den eigenen Reihen die Zweifel, ob die Merz-CDU wirklich regierungsfähig ist. Die Stimmung an der Basis ist schlecht, die Umfragewerte sind es auch. Und die AfD liegt stabil auf Platz eins. Diese Erschütterung trifft die CDU ins Mark.

Läuft es gut für Merz, beruhigt sich die Lage in der Sommerpause. Läuft es schlecht und gehen zudem die Landtagswahlen in Ostdeutschland verloren, könnte es schwer für ihn werden. Seine Autorität ist dramatisch angeschlagen.

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Sabine am Orde

Sabine am Orde Innenpolitik

Jahrgang 1966, Politikwissenschaftlerin und Journalistin. Seit 1998 bei der taz - in der Berlin-Redaktion, im Inland, in der Chefredaktion, jetzt als innenpolitische Korrespondentin. Inhaltliche Schwerpunkte: Union und Kanzleramt, Rechtspopulismus und die AfD, Islamismus, Terrorismus und Innere Sicherheit, Migration und Flüchtlingspolitik.
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9 Kommentare

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  • Die traurige Wahrheit ist:



    Er kann es nicht!



    Nachdem Merz sich doch von rot grün überzeugen ließ, dass es ein Sondervermögen braucht um Deutschland in Schwung zu bringen, hatte ich noch Hoffnung, dass er an seinem Amt wachsen würde.



    Das Moderieren, das Merkel und Scholz beherrschen, geht ihm völlig ab.



    Es sind nicht nur die populistischen Sprüche, nein, er lässt einfach kein Fettnäpfchen aus.



    Die Kabinetts Umbildung hätte eine werden können, doch DAS war ja wohl nur ein schlechter Witz.



    Merz hätte auf den Bundesumweltminister hören können und angesichts der Waldbrände erkennen können, dass es so nicht weiter geht. Eine Wirtschaftsministerin sollte unsere Leitung in die Zukunft nicht kappen, sondern verstärken.



    Die Wirtschaft und wir brauchen kein Stoppschild.



    Die Umleitung - zurück mit den Hits der 80er und 90ern ist der Highway to hell -



    allerdings mit Schlagermusik.



    Merz hat seine letzte Chance vertan.



    Er ist nicht nur der unbeliebteste, er ist schlicht der schlechteste Kanzler, den wir je hatten.



    Das Zusatzproblem ist, dass bei der Union auf weiter Flur kein Fähiger erkennbar ist.



    Somit bleibt nur Durchhalten und das Schlimmste verhindern.

  • Es wurde öfter behauptet, Merz habe keinen Plan.

    Wenn man/frau es Revue passieren lässt, fällt einem schon an seinem spektakulären Anfangsdebakel auf, als er die Stimmen der AfD brauchte, als es um die Migration Abstimmung ging.



    Im Mai desselben Jahres war das Kanzlerwahl Debakel.



    Er stolperte in die Kanzlerschaft und in seinen nachfolgenden Auftritten hörte er nicht auf, der Bevölkerung vor den Kopf zu stossen und den Zeigefinger zu heben. Immer wieder rechtfertigte er seine Wortwahl oder sah sich einfach missverstanden. So habe ich das nicht gemeint. Als dann sein Spezi Jens Spahn sich die Ehre gab, baute er sein Kartenhaus neu um. Das scheint gerade umzufallen.Vielleicht hatte er ja doch einen Plan. Frühzeitig in Rente zu gehen.

  • 91,9 Prozent für Thorsten Frei - das ist doch geil !



    Auf welche Kandidaten haben sich denn die restlichen 8,1 % verteilt ?

  • Na klar, Merz, CDU muß sofort weg. Und Linnemann, Warken, Frei, Amthor? Diese Merz-zertifizierten Ja-Sager und Kriecher können bleiben? Und Linnemann darf dann zur Belohnung gleich mit der Axt schön weiter auf Arbeiter und Rentner bei der Gesundheits- und Pflegereform einschlagen. Das ist doch Merz sein eigentliches Ziel. Die ganze CDU ist doch vollkommen konfus und kopflos.

  • Nach der Wahl in Sachsen Anhalt ist es vorbei mit dem Vertrauen zu Merz. Die AfD wird die meisten Stimmen bekommen, da die CDU selbst seit Monaten für immer mehr Zulauf zur AfD sorgt. Die CDU wird in Sachsen Anhalt eine Minderheitsregierung bilden und mit der AfD Zweckgemeinschaften bilden. Das wird seit Monaten durch Annäherung an die Positionen der AfD vorbereitet. Die indirekte Zusammenarbeit wird dann gegenüber der Budnesebene als hinnehmbar erzählt. die AfD wird das Bundesland damit in wesentlichen Bereichen der Demokratie entziehen. Damit half eine demokratische Partei wie die CDU und die kleine Schwester CSU entgegen dem Schwur auf die Verfassung einen rechtsradikalen Keim zu setzen, der unser demokratisches Land komplett zerstören wird. Erstaunlich, wie sich Geschichte doch wiederholen kann.

  • Das eigentliche Problem für Merz könnte nicht in Berlin, sondern in Sachsen-Anhalt liegen. Holt die AfD die absolute Mehrheit, ist die Strategie gescheitert, sie kleinzuhalten. Holt sie sie nicht, wird die CDU erklären müssen, ob sie eine Zusammenarbeit mit der Linken ausschließt oder nicht. Beides ist politisch heikel.



    Die CDU versteht sich seit jeher als Partei der Regierungsverantwortung. Und die Ersten in der CDU positionieren sich bereits für eine Zeit nach Merz. Kritiker würden sagen: Sie kann vieles entbehren – nur die Macht nicht. Die Machtmaschine.

  • Wie kann man politisch so die Karre vor die Wand fahren? Und die sogenannte Alternative ist noch gruseliger. Rückblickend war die Ampel super.

  • Im Prinzip ein Opa der eine Firma nach Gutsherrenart führen möchte. Merz wurde in der virtuellen Welt dubioser Finanzdienstleister geparkt und soll sich jetzt in der Realwelt zurecht finde. Da erwartet man zu viel.

  • Vielleicht lernen die Politiker insgesamt aus der Geschichte, dass man sich zuerst eines wirklich qualifizierten Nachfolgers diskret versichert, bevor man den Abzulösenden informiert. So bereitet man das zumindest geräuschlos im Management vor.

    Tollpatschiger Merz ist das eine, ein völlig unqualifizierter neuer Verkehrsminister nun die Suppe die wir alle auslöffeln müssen. Fast eine Wiedergeburt von Scheuer, die hoffentlich nicht genauso bescheuert endet.