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Alkoholverbot an Bahnhöfen Der German Dream ist eine klinisch reine Gesellschaft

Sibel Schick

Kommentar von

Sibel Schick

Das Alkoholverbot der Deutschen Bahn wird nicht für mehr Sicherheit sorgen. Stattdessen vertreibt es lediglich Obdachlose und suchtkranke Menschen.

A lkoholverbot an allen 5.400 Bahnhöfen der DB? Nur für jene, die kein Geld haben. Denn solange die Bahnhofsgastronomie munter weiter ausschenkt, wird nicht der Alkoholkonsum verboten, sondern die Zurschaustellung von Armut. Wer sich das überteuerte Bier im Bahnhofsrestaurant zwischen zwei Fahrten leisten kann, trinkt weiter. Wer dasselbe Getränk aber für einen Bruchteil des Verkaufspreises im Supermarkt gekauft hat, wird des Platzes verwiesen.

Natürlich steht auch in dieser Debatte die Sicherheit ganz oben. So begründet die DB jedenfalls die Maßnahme, Alkohol an allen Bahnhöfen zu verbieten.

Bei vielen Gewaltdelikten, die an Bahnhöfen begangen werden, spiele Alkohol eine Rolle. Die DB-Sicherheitsleute erleben mitunter heftige Situationen, und ihnen als arbeitende Menschen mag unsere Solidarität gelten. Nur: Um ihr Wohl geht es hier kaum. Ganz im Gegenteil: Sie sollen eine zusätzliche und dazu noch eine äußerst aggressive Maßnahme durchsetzen, mehr Personal gibt es dafür aber nicht. Mehr Aufgaben, mehr Konfliktpotential, gleich viel Mitarbeitende.

Hinzu kommt eine der größten deutschen Tugenden: Sauberkeit. Der German Dream ist eine klinisch reine Gesellschaft ohne „Schmutz, Lärm und Pöbelei“. Das sind Worte, bei denen kaum jemand an den Mann im Anzug denkt, der sich ein Glas Hefeweizen gönnt. Gemeint sind die mit einer Dose in der Hand. Nicht die Ausfälle oder Verspätungen, nicht die überfüllten Züge zu Stoßzeiten, nicht die barrierereichen Gleise sind das Problem – nein, nein, es sind obdachlose Menschen an und um Bahnhöfe.

Viele obdachlose oder suchterkrankte Menschen halten sich an größeren Bahnhöfen auf. Das hat rein praktische Gründe. Dort gibt es ein Dach. In vielen gibt es Kioske, die rund um die Uhr geöffnet sind. An und in vielen Bahnhöfen gibt es soziale Unterstützungssysteme wie die Bahnhofsmission. In manchen Bahnhofsvierteln gibt es Einrichtungen zur Suchthilfe und sichere Konsumräume. An Bahnhöfen lässt sich gut Flaschen sammeln. Und bisher war die Gefahr, weggescheucht zu werden, geringer als beispielsweise von beliebigen Nachbarschaften. All das soll jetzt wegfallen. Was bleibt armen und suchterkrankten Menschen übrig? Nur noch Verachtung.

Kein Ort für die Vertriebenen

Um die Servicequalität zu steigern, hätte die Bahn genug Möglichkeiten. Wie wäre es mit Sozialarbeit am Gleis, beheizten Aufenthaltsräumen, kostenlosen Toiletten? Das kostet Geld, und das bedeutet wiederum weniger für den Vorstand. Ein Bremer Sozialarbeiter beklagt in der ARD die neue Regelung: Wenn Menschen, die Hilfe brauchen, immer wieder vertrieben würden, könne man sie weder finden noch ihnen helfen.

Stattdessen verscheucht man sie hinter die Bahnhofsgrenze. Das macht unsere gesellschaftlichen Probleme unsichtbarer und beruhigt nur jene Menschen, die von sich glauben, dass sie sicherlich niemals obdachlos werden würden. Gelöst ist dadurch nichts. Sucht und Obdachlosigkeit verschwinden nicht, nur weil man sie aus dem Blickfeld der Reisenden räumt.

Wenn diese Gesellschaft Sucht und Obdachlosigkeit lösen will, muss sie dorthin schauen, wo es wehtut: auf die Ursachen. Auf Ungerechtigkeit. Auf Armut. Das ist unbequemer als ein Schild mit durchgestrichener Bierflasche, allerdings die einzige Maßnahme, die auch tatsächlich wirkt.

Jedes Unternehmen darf sein Hausrecht durchsetzen, keine Frage. Ob das fair ist, steht auf einem anderen Gleis. Und auf dem wächst schon lange Unkraut.

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74 Kommentare

  • Suryo

    www.vice.com/de/ar...lkohol-tiergarten/

    “Wir können an öffentlichen Plätzen Alkohol konsumieren, in Parks schlafen, in der U-Bahn betteln – dafür wären wir in Polen längst verhaftet worden”

    Polen scheint "klinisch reiner" zu sein als Deutschland....

  • KaMue7991

    Funktioniert jede wohnungslose Person, die am Bahnhof unterkommt, nur mit der Bierdose in der Hand? Hier wird eine Art symbiotische Beziehung von der Autorin nahegelegt.

    Wo wir aber beim Thema "Wer es sich leisten kann" sind:

    Die DB ist nicht das Fortbewegungsmittel der „teuren Bahnhofsbier" trinkenden Eliten im Anzug. Die fahren morgens schön abgeschottet im Q7 ins Büro.



    Die DB ist für die, die sich das nicht leisten können. Oder die, mit Hinblick auf die Umwelt, Bahn fahren, auch wenn’s doppelt so lange dauert.



    Warum sollen diese Unglücklichen sich neben dem täglichen Wahnsinn, den Pendeln mit der DB bedeutet, noch mit dem Elend, der Gewalt und den Drogen am Bahnhof auseinandersetzen müssen?

    Ich habe Personen in Bahnhöfen Crack und Heroin rauchen sehen. Rausgeschmissen hat die keiner. Von daher kann Frau Schick am Ende wahrscheinlich beruhigt sein. Ein Verbot ist nur ein Verbot, wenn man es auch durchsetzen kann. Der Rest von uns DB-Kunden hat halt Pech gehabt.

    • sailaway

      @KaMue7991:

      Warum das so ist? Vielleicht, weil uns als Gesellschaft schlicht die Menschlichkeit abhandenkommt. Und apropos Verbote. Verboten gehören eigentlich ganz andere Dinge. Erstens diese menschenverachtende Hostile Architektur rund um die Bahnhöfe. Und zweitens (Achtung Ironie) der Verkauf von Charles-Dickens-Büchern in Bahnhofsbuchhandlungen zur Winterzeit.

  • Ricky-13

    taz: *Wenn diese Gesellschaft Sucht und Obdachlosigkeit lösen will, muss sie dorthin schauen, wo es wehtut: auf die Ursachen.*

    Ursachenbekämpfung kostet viel Geld. Geld was man den Reichen lieber weiterhin in den ..... schiebt.

    Ein Staat der auf der einen Seite immer noch den Art. 20 GG (Sozialstaatgedanke) im Grundgesetz stehen hat - und auch den Art. 1 GG (Menschenwürde) - auf der anderen Seite aber nicht erkennen will, dass Armut und Elend in diesem Land immer größer wird; in so einem Staat stimmt etwas nicht mehr. Und das hat ja jetzt nicht erst mit "BlackRock"-Merz angefangen.

    Es wird sich in diesem Land aber leider nichts zum Positiven ändern, sondern im Gegenteil; die Armut und damit auch die Obdachlosigkeit/Trunksucht wird ansteigen, genauso wie der DAX für die Reichen - und der CO2-Klimawandel - immer mehr ansteigen wird.

  • Alex_der_Wunderer

    Also was ist denn dagegen einzuwenden, wenn man mal mit der DB reisen möchte, nicht über Trinker stolpern zu wollen.



    Aufgrund die Bedürfnisse, in Teilen der Bevölkerung ihren Alkoholkonsum öffentlich in Gesellschaft befriedigen zu wollen, könnten doch etwas außerhalb der Innenstädte, größere Flächen mit Überdachungen und eventuell Heizstrahlern geschaffen werden. Einen integrierten Getränkemarkt oder ein Bringdienst / Lieferservice unter Vertrag nehmen, um den Genießern zuverlässig ermöglichen zu können, ihren Pegel halten zu können.



    🥂🥂🍾🥂🍺🍹🍸🍷🍷Prösterchen Gell' 💥

    • sailaway

      @Alex_der_Wunderer:

      Was ist denn dagegen einzuwenden, wenn man die Lounges schließt? Ich möchte nämlich nicht über die ganzen überwiegend männlichen Trinker im Anzug stolpern, wenn ich mit der DB reise. Aber halt, das ist ja was anderes, nicht? ;) Prost.

  • ja wirklich?

    Neben diesem Zeitungsartikel fände ich es gut, wenn die Autorin sich mit den Hambuger Verantwortlichen im Senat / der Stadtregierung /den DB Verantwortlichen für den Bahnhof zusammensetzt, ihnen ihre Sichtweise nahebringt und man dann mit dem Ziel, Angebote für die da rumstehenden Menschen zu schaffen, spricht und redet udn plant und Grips und Geld locker macht. Süchtig udn ohne Obdach zu sein, vielleicht noch psychisch krank, arm, wie viele dort - das ist kein gutes Schicksal und ist auch an einem Bahnhof nicht gut aufgehoben.. Ich weiß nicht, wieviel Ohr, Herz und Hirn die Hamburger bürgerlichen Demokraten für derartige Menschen haben. Ins Gespräch kommen lohnt bestimmt.

  • ja wirklich?

    Wieso benutzt die Autorin die Kombo von Bahnhof und Alkoholverbot auf Bahnhöfen, um Deutschlands Traum als "klinisch reine Gesellschaft" in die Welt zu setzen? Das soll wohl Deutschland Bashing sein, Bahn Bashing. Sie bringt viele wichtige Aussagen. Der Kontext berücksichtigt nicht die Bahnmitarbeiter, die bepöbelt werden. Nicht die Reisenden, die bepöbelt werden. Nicht die Gewalt, die von Alkoholtrinekenden / Betrunkenen ausgeübt wird, und nicht die Tatsache, dass Betrunkene nicht erreichbar sind für Nicht-Betrunkene. - Können Sie vielleicht mit der Autorin ein Interview führen, zu dem, was sie aussgen will? Sie hat jedenfalls mit ihrem merkwürdigen Artikel sehr viel Aufmerksamkeit bekommen. Also Ziel erreicht?

  • Sybille Bergi

    Natürlich gibt es push effekte wie Armut und Suchtkrankheit. Leider gibt es aber auch eine Menge Pull-Effekte, die von (deutschen) Bahnhöfen ausgehen. Wer mir Obdachlosen spricht, stellt schnell fest, dass kaum einer aus Deutschland kommt. Wir ziehen sozusagen das elender von halb Ost und Südosteuropa an. Das führt dann zu solch schlimmen Zuständen wie Frankfurt am Main. Deswegen finde ich es richtig und wichtig pull faktoren abzuschaffen.

    • PartyChampignons

      @Sybille Bergi:

      Obdachlose kommen also von Osteuropa an deutsche Bahnhöfe, weil was? Weil es da so schön für Obdachlose ist? Sehr steile These die sie da aufstellen.

      • aujau

        @PartyChampignons:

        Deutschland ist reich und vielleicht vergleichsweise liberal im Umgang mit Obdachlosen und Suchtkranken.



        Diese Personen abzuschieben kann allerdings keine Lösung sein.

      • Sybille Bergi

        @PartyChampignons:

        Weil es sich deutlich besser lebt als obdachlose Person. Bahnhofsmission, Druckräume, die Duldung von offenem Drogen- und Alkoholkonsum (Alkohol ist natürlich auch eine Droge) sind in Osteuropa so nicht vorhanden.

      • Suryo

        @PartyChampignons:

        Sie kommen, weil sie glauben, in Deutschland gäbe es mehr Sozialleistungen. Ist aber leider meist nicht so.

        In Berlin kommt gerade um den Hauptbahnhof ein sehr großer Teil der obdachlosen Alkoholiker aus Polen. Das ist so und war bereits vor Jahren auch Gegenstand von Gesprächen zwischen Berlin und Warschau. Denn es ist nun mal so, dass diesen Menschen natürlich in Polen eher geholfen werden könnte - schon wegen der Sprache - als in Deutschland.

  • Carolin Rudolf

    Es tut mir wirklich leid, aber ein Bahnhof ist keine Obdachlosenunterkunft, und sollte es auch nicht sein. Die Bahn ist auch nicht für die Unterbringung/Versorgung/Hilfe zuständig, dass sind Städte und Gemeinden, die sollen halt bauen und von ihren Bewohnern dafür entsprechende Steuern und Abgaben einkassieren. Warum jetzt ausgerechnet Bahnkunden besonders mit gesellschaftlichem Elend konfrontiert werden müssen, erschließt sich mir nicht. Und nein, ich will keine klinisch reine Gesellschaft, wenn ich als Bahnkunde im Bahnhof ein sauberes ordentliches Umfeld erwarte. Ohne versiffte Lagerstätten, ohne Sch..., ohne P..., Kotze, Blut, Drogenbesteck, Alkoholdunst, Rauch. Ohne dass ich belästigt und aggressiv anbettelt werde. Das ist immer noch schmutzig und lärmig genug, das lässt sich ja nicht vermeiden.

  • Suse Münch

    Hier in Hamburg gibt es gefühlt täglich immer mehr Obdachlose. Die meisten mit Suchtproblemen. Nicht nur Alkohol. Fahre ich mit Öffis in die Stadt, sind es wieder mehr geworden. Und dies wird sich mit der Richtung, in die Deutschland geht, weiter verschlimmern. Natürlich sammeln sich die wohnungslosen Menschen an den Bahnhöfen und in Einkaufszentren, wo sie betteln, sich prostituieren, stehlen - und bei Bedarf Hilfe erhalten können. Das Problem ist die große Menge an verwahrlosten Menschen, die von unserer Gesellschaft fallen gelassen wurden und werden. Diese immer riesiger werdende Zahl können die Bahnhöfe nicht wuppen. Housing First und Betreuung sowie genügend Entzugsplätze mit anschließendrn Perspektiven wäre eine humane Art, wenigstens die, die dafür erreichbar sind, von der Straße zu holen. Stattdessen gibt es im reichen Hamburg wieder einmal nicht genug Schlafplätze im Winternotprogramm.

    • aujau

      @Suse Münch:

      Grüße vom Kotti.

  • Mendou

    Die Zahl der körperlichen Angriffe gegen Bahnmitarbeiter ist seit 2016 um 37 Prozent gestiegen und Alkohol erhöht das Risiko deutlich. Die Bahn hat für die Sicherheit ihrer Mitarbeiter und Nutzer zu sorgen.

  • Dieter Schütt

    Natürlich bleibt der Alkoholkonsum in Bahnhöfen erlaubt. Wer eine Bahncard 100 erster Klasse hat, oder wenigstens ein Ticket 1. Klasse Flexpreis bekommt sein Bier sogar kostenlos in der Lounge.



    Es geht darum, das Elend in Deutschland durch Platzverbote unsichtbar zu machen.

    • Oleg Fedotov

      @Dieter Schütt:

      Die Bahn macht nur von ihrem Hausrecht gebrauch. Und das ist halt nicht zu beanstanden. Sie würden (als Hausbesitzer) ja auch einschreiten, wenn sich Obdachlose oder Alkoholiker in Ihrer Zufahrt oder dem Garten aufhalten würden.



      Theoretisch könnte man den Zutritt zum Bahnhof auch vom Besitz einer Fahrkarte abhängig machen. Wird in anderen Ländern ja auch so gehandhabt.

  • Land of plenty

    Und Grüße aus Bremen.



    In dem von Sibel Schick verlinkten Bericht wird einiges an Absurditäten deutlich:



    www.tagesschau.de/...or-folgen-100.html

  • Land of plenty

    Schöner Kommentar! Danke. stimme zu.



    Wobei ich schon solche Situationen erlebte:



    auf dem Gehweg lag ein Mann quer von Gartenzaun bis Bordsteinkante. Ich forderte ihn auf aufzustehen:



    "Hallo! Ich möchte hier durch!"



    Der stand auf und wurde aggressiv und wollte mich hauen, torkelte aber zu sehr.



    Als ich vom Einkaufen zurückkam lag er nicht mehr da.



    Das war in meinem Wohngebiet, weit weg vom Hauptbahnhof.



    Genauso auch junge Personen, die sich an unserem Haus am Rand aufhalten. Seltsam. Was machen die da zwischen den Mülltonnen und der Hauswand? Is doch ungemütlich.



    Kurz: Menschen sollen sich nicht gehen lassen.



    Alkoholkonsum geht zurück, dachte ich. (Durchschnitt)



    Also : Smartphone-Verbot im Verkehr!



    Nicht alles gleichzeitig machen!

  • Lernkern

    Moin.

    Weil ein paar Mal gesagt wurde, dass die Bahn nicht die Probleme der Gesellschaft lösen kann: das ist meiner Meinung nach grundsätzlich richtig. Allerdings ist die Bahn - genau wie ich - ein Teil dieser Gesellschaft und deswegen sollten wir (die Bahn und ich) zur Lösung beitragen. Nach einer Erfahrung mit Suchtkranken, die unglaublich kämpfen mussten, um von der Droge Alkohol wegzukommen, boykottiere ich Alkohol seit nunmehr drei Jahren. Schließlich ist er eine harte Droge und bei uns m. W. Einstiegsdroge Nr. 1.



    Wir sollten ihn meines Erachtens generell verbieten. Wenn wir da bei den Bahnhöfen anfangen, ist es eben genau das: ein Anfang.

    Grüße

    Jörg

    • aujau

      @Lernkern:

      Kein Allohol in keiner Gesellschaft. Schöne Idee, wird aber nix. Haben die Amerikaner Anfang des letzten Jahrhunderts vergeblich versucht. Was helfen könnte, ist ein besserer Umgang mit Kindern. Dort ist einer der Schlüssel für so manche Suchtkarriere.

    • Eugen-Emilio

      @Lernkern:

      Die "kleine Flucht" aus dem Alltag gehört zum Menschsein dazu. Sprich: Fluppe und Bier oder Kaffee und ein Stück Torte. Und wenn man diese verschließt, dann weichen die Menschen eben auf Psychopharmaka etc. aus. Grüße aus Amerika!

    • JK83

      @Lernkern:

      Ich verstehe ihren Punkt und respektiere ihn. Aber ich sehe eibn paar Dinge da schon anders. Unser Leben ist - grundgesetzlich gesichert - auf Freiheit und Eigenverantwortung aufgebaut. Man kann (und darf - auch wenn es tragisch ist) sein Leben zerstören. Heißt nicht, dass deswegen Tätigkeiten, die andere im Griff haben und die nicht zwangsläufig bei vielen diese Golgen hervorbringen, für alle verboten werden dürfen. Und da gehört Alkohol trinken auf jeden Fall dazu; genau, wie aus Spass Auto zu fahren z.B. Sofern es für die Folgen eine Art Ausgleich für die Allgemeinheit gibt, die deren Folge tragen; und das ist mit diversen Steuern - über deren Höhe man trefflich debattieren kann - gegeben! Das alles zu verbieten und noch dieses und jenes als "unvernünftig" ist defintiv ein Beitrag zum vernünftigen Utopia und zum vermeintlichen "Verbrechen" überall jederzeit. Darauf lässt sich keine irgendwie vertretbare Gesellschaft bauen. Es braucht immer Eigenverantwortung plus Schutzversuche für die, die das nur ungenügend leisten können.

  • Kassenclown

    Ich finde hier wird einiges durcheinander geworfen. Die Bahn wird hier für Missstände in Haftung genommen die durch mangelhafte Wohnungs- und Suchtpolitik verursacht wurden Die Bahn ist ein Transportunternehmen und kein Sozialträger. Ich stimme in allen Forderungen zu, Obdachlose und Süchtige besser zu unterstützen, allerdings ist dies eine staatlich-gesellschaftliche Aufgabe, nicht die eines Unternehmens, das Waren und Personen von A nach B bringen soll. Grade dassdas Elend an Bahnhöfen so toleriert wir ist und war für die Politik eine bequeme Ausrede sich nicht selbst kümmern zu müssen. Ein Bahnhof kann kein Ersatz für ein menschenwürdiges Dach über dem Kopf sein.

  • Janpeter Meindl

    Besser wäre es gewesen, ein generelles Rauchverbot zu erlassen, und zwar auf dem gesamten Bahnhofsbereich, inklusive der Bahnsteige.



    Dies würde dem Willen der Fahrgäste entsprechen und für mehr Sauberkeit, Gesundheit und Komfort sorgen.



    Wie kann es sein, dass dies noch nie wirklich diskutiert wurde? Weder bei der Bahn selbst noch in der Öffentlichkeit. Es wäre eine Selbstverständlichkeit im Sinne des Nichtraucherschutzes.

    • Mendou

      @Janpeter Meindl:

      Hat aber mit dem Thema nichts zu tun, Rauchen macht Menschen nicht Aggressiv und unberechenbar.

  • Šarru-kīnu

    Warum wird eigentlich nur der Konsum verboten aber nicht auch der Verkauf? Die Bahn verbietet den Konsum und tritt nach unten während weiter Umsatz gemacht werden soll. Alkohol müsste konsequenterweise auch im Bistro und Bahnhöfen dann raus aus dem Sortiment.

    • Jutta57

      @Šarru-kīnu:

      wär aber blöd für den alkoholabhängigen Reisenden und streng genommen ist es auch diskriminierend.

    • JK83

      @Šarru-kīnu:

      Sie kennen doch die Antwort: Es ist eine ausgestreckte Hand, damit die Wirte stillhalten - und sich vielleicht sogar freuen weil die billige Konkurrenz aus diesem Ort verdrängt wurde. Muss ihnen nicht gefallen, können sie als ungerecht empfinden mit wohl auch guten Gründen, aber es ist eine politische Entscheidung mit Tendenzen, die politische Entscheidungen IMMER haben.

    • rero

      @Šarru-kīnu:

      Vermutlich bringen diejenigen, die Ärger machen, ihre Getränke selbst mit.

      Die Alkoholiker-Truppe im Bahnhof steht nicht im Reisebedarf vor Ihnen in der Schlange.

      Die Verkehrsunternehmen wollen nicht Gerechtigkeit schaffen.

      Sie wollen ein Problem lösen.

  • *Sabine*

    Danke für diesen einfühlsamen Artikel. Ich gebe zu, an diese Menschen habe ich überhaupt nicht gedacht. Vermutlich weil diese Menschen für mich "zum Bahnhof gehören, das ihr Zuhause ist" und "man" zuhause selbstverständlich "ein Bierchen zischen" darf.

    Ich habe bei der Änderung immer nur an die Fußball-Fangruppen gedacht.

    Danke, dass Sie meinen Blickwinkel geweitet haben. Ich stimme dem Inhalt Ihres Artikels zu.

  • Sam Spade

    Die Intention die sich hinter dem Artikel der Autorin verbirgt ist durchaus zu begrüßen, dennoch finde ich das Alkoholverbot in Bahnhöfen angebracht, auch wenn es ganz nach deutscher Manier wieder nur eine halbgare Lösung darstellt, solange das Verbot nicht auch in den Zügen gilt.

    Die Diskussionen über den Umgang mit Alkohol werden in Deutschland generell scheinheilig geführt. Solange jeder 12jährige sich hier mühelos mit Alkohol versorgen kann und Bier beim Discounter oft günstiger ist als Mineralwasser kann von Prävention im Sinne von auf die Ursachen zu schauen eher nicht die Rede sein. Einen großen Teil der Suchtkranken dürfte das deutsche System selbst mit hervorbringen.

    Hier in Norwegen haben wir gute Erfahrungen in jeglicher Hinsicht mit einem generellen Alkoholverbot in der Öffentlichkeit gemacht.

    Und auch Obdachlose und Suchtkranke werden dabei nicht an den Rand gedrängt, für sie gibt es halboffene Szentreffs die von der Polizei toleriert werden solange Ruhe herrscht und an denen Alkohol konsumiert werden kann. Bei uns in Tromsø liegt der sogar zentral mitten in der Altstadt. Stört sich kein Einheimischer dran und hat auch zum Zweck diese Menschen nicht zu isolieren

    • *Sabine*

      @Sam Spade:

      "Bei uns in Tromsø liegt der sogar zentral mitten in der Altstadt."

      Das finde ich sehr gut und wünsche es mir auch für Deutschland. Mich würden diesen Menschen in keiner Weise stören, sie stören mich auch nicht am Bahnhof. Vermutlich kommt es aber auf die Anzahl an.

      • Suryo

        @*Sabine*:

        So etwas gibt es in Deutschland seit Jahrzehnten, und zwar nicht nur für Alkoholiker.

        In Berlin-Wedding z.B. treffen sich auf dem Leopoldplatz seit Jahren die Junkies, um sich dort Meth und Fentanyl reinzujahen. Fünf Meter entfernt von einer Bunshaltestelle und fünfzehn Meter entfernt von einem Kinderspielplatz.

        Ich fürchte, der soziale-therapeutische Nutzen hält sich in Grenzen. Ja, man sieht diese Menschen und sie sind mittendrin. Der Ort ist garantiert nicht "klinisch rein".

        Geholfen ist damit aber auch noch keinem von ihnen.

        • *Sabine*

          @Suryo:

          Sam Spade bezieht sich auf einen Ort, "... solange Ruhe herrscht und an denen Alkohol konsumiert werden kann. ..." mit Alkoholkonsum.

          Bezüglich harten Drogen bin ich unsicher. Den von Ihnen genannten Kinderspielplatz würde ich von meinen Kindern vermutlich nicht besuchen lassen. Aber, ich kenne die Verhältnisse in Berlin nicht.

    • Manuel Im

      @Sam Spade:

      Ich glaube mittlerweile hat jeder Verstanden, dass Norwegen das perfekte Land ist und Deutschland einfach alles kopieren sollte.

      • Sam Spade

        @Manuel Im:

        Wo bleibt da die Pointe?

        Das macht Deutschland doch schon seit Gründung der BRD. Keine einzige gesellschaftliche Innovation kam von innen heraus, wurde alles mit Verspätung importiert. Meist aus den USA, Niederlanden oder Skandinavien.

        Geht über die Geschlechtervormundschaft, die erst 1977 komplett abgeschafft wurde, über Einführung einer Frauenquote, gleichgeschlechtliche Ehe bis hin zum Selbstbestimmungsgesetz.

        Im Sinne von "perfekten Land" würden ihnen meine beiden ältesten Töchter durchaus zustimmen. Denen ist es wichtig das Recht über den eigenen Körper zu verfügen gewahrt zu sehen, keine ablehnende Bekundungen tätigen zu müssen sondern sexuelle Kontakte nur auf Basis eines vorherigen Einverständnis zu haben und auch gesetzlich garantierte Bezahlung hinsichtlich Equal Pay finden sie wichtig.

        Da sie teilweise in Deutschland sozialisiert wurden und hier 6 bzw 8 Jahre die Schule besucht haben, sind sie durchaus in der Lage die Zustände in beiden Ländern für Frauen sehr gut zu vergleichen.

        Auch die Abwesenheit jeder Art von Vergleich in Hinsicht auf "nicht gönnen können" in der norwegischen Gesellschaft finden sie sehr "chillig", im Gegensatz zur deutschen Neidkultur.

        • Suryo

          @Sam Spade:

          Ganz so toll ist es in den nordischen Ländern dann aber auch nicht für die Frauen: die Rate häuslicher Gewalt ist dort im europäischen Vergleich sogar überdurchschnittlich hoch:

          theconversation.co...ainst-women-286173

          Marius Høiby lässt grüßen

          • Sam Spade

            @Suryo:

            Das wird auch als Nordisches Paradoxon bezeichnet, da die hohe Quote häuslicher Gewalt sogar nicht mit der geläufigen Gleichstellung vereinbar ist.

            Für die Ursachen zieht die Forschung vorrangig ein hohes Hellfeld und den sogenannten Backlash Effekt bei partnerschaftlicher Gewalt heran. Der bezieht sich auf die Machtverhältnisse und emotionalen Abhängigkeiten in einer Beziehung. Im Sinne von patriachialer Wiedererlangung der Kontrolle in der Partnerschaft.

            Das erfolgt unter psychischen Gesichtspunkten in allen Ländern nach dem gleichen Muster, unabhängig vom Entwicklunsgrad der Gesellschaft hinsichtlich Gleichstellung.

            Mehr als dreiviertel der Fälle in Norwegen sind Partnerschaftsdelikte, innerfamiliäre Delikte sind relativ selten.

            Das hat allerdings alles nichts mit den von mir beschriebenen Rechten zu tun. Die sind gesetzlich verbrieft und einklagbar. Vom Schwangerschaftsabbruch über Equal Pay bis hin zur Ja heißt Ja Regelung.

            Und es hat ja auch niemand behauptet, dass norwegische Männer grundsätzlich zivilisierter sind als deutsche Männer. Die wurden lediglich unterschiedlich sozialisiert. Und hier fallen dabei anteilig genau so viele durchs Raster wie in Deutschland.

    • JK83

      @Sam Spade:

      Sehr guter Ansatz. Man muss nur feststellen, dass die BRD von der Leistungsfähigkeit der sozialen Regelungskraft weit hinter Norwegen zurücksteht - und auch im Hinblick auf die Personen, die hier über - zwischen Schengenstaaten - offene Grenzen sich noch mit einmischen. Das macht es nicht leichter.

      • Sam Spade

        @JK83:

        Ein Trugschluss den hier viele aufsitzen. Die Sozialausgaben in Deutschland sind pro Kopf höher als in sämtlichen skandinavischen Ländern.

        Es sind einzig die Strukturen und die mangelnde Regulierung des Marktes die eine ineffiziente Verwendung der Gelder begünstigen und zur Ungleichheit beitragen.

        Ein Beispiel, in Norwegen werden die Abgaben über Steuern und nicht über Beiträge gezahlt.

        Die Steuern werden für alle fällig, ohne Ausnahme. Bedeutet jeder zahlt auch in die staatliche Krankenversicherung ein. Das ist gerecht, keiner kann sich freikaufen.

        Sorgt gleichzeitig dafür das die gesamte Gesellschaft Interesse an einem gut funktionierenden Gesundheitssystem hat, weil es eben alle betrifft, auch die Vermögenden. Auf diese Weise werden hier gesellschaftliche Dynamiken erzeugt, an deren Ende oftmals progressive Ergebnisse stehen.

        Voraussetzung dafür ist eine gesellschaftliche Einheit, es wird sich auf eine Wahrheit verständigt, die dann von der Politik umgesetzt wird. In Deutschland ist diese selten zu finden. Hier hat jedes Lager seine eigene Wahrheit, dies sorgt dann für Konfrontation statt Konsens und bremst die Entwicklung aus. Spiegelt sich dann im Ist-Zustand wieder.

        • Suryo

          @Sam Spade:

          "...Voraussetzung dafür ist eine gesellschaftliche Einheit, es wird sich auf eine Wahrheit verständigt"

          Und genau das sieht die Autorin offensichtlich als quasifaschistoides Streben nach klinischer Reinheit an, wenn sie auch dem Trugschluss aufgesessen ist, dass das irgendwie spezifisch deutsch sei.

          • Sam Spade

            @Suryo:

            In der Hinsicht hat sich mir die Argumentation der Autorin nicht recht erschlossen.

            Gesellschaftliche Veränderungen haben nur dann Bestand, wenn sie nach einer gewissen Zeit zur Norm werden und das setzt eine breite gesellschaftliche Akzeptanz voraus. Ist eigentlich keine neue Erkenntnis.

            Macht auch keinen großen Unterschied ob der Impuls von der Gesellschaft oder vom Staat ausgeht. Legt man sich einvernehmlich auf eine Wahrheit fest und setzt sie in die Tat um, dann ist das Werk dann vollbracht wenn es zur Norm wird und als selbstverständlich angesehen wird.

    • rero

      @Sam Spade:

      In deutschen Städten gibt es doch auch halboffene Szenetreffs, wo sich die Alkoholiker treffen und konsumieren.

      Die Polizei tut denen nichts.

      Dort zu trinken ist ihr gutes Recht, weil es ja kein allgemeines Alkoholverbot in der Öffentlichkeit gibt.

      Die Frage ist nur, ob es auch in den Bahnhöfen solche Treffs geben muss.

      Würden viele Fahrgäste mit Nein beantworten.

  • DiMa

    Eine funktionierende Infrastruktur und Drogenhilfe sind zwei vollkommen unterschiedliche Ziel- und Zweckrichtungen und beide sind nicht und beide sind nicht in Einklang miteinander zu bringen.

  • Suryo

    Wenn etwas als "typisch deutsch" bezeichnet wird, ist es sehr oft in anderen Ländern absolut selbstverständlich und nur die Debatte, in der es als "typisch deutsch" bezeichnet wird, ist wirklich typisch deutsch.

    Typisch deutsch ist es definitiv, wenn ein konkreter Missstand - hier: Betrunkene, die ihre Mitmenschen auf dem Bahnhof belästigen - nicht gelöst werden soll, bevor nicht das ganz große Grundproblem: hier: Alkoholismus und Obdachlosigkeit als solche - gerlöst ist. Da letzteres oft nicht geht, spart man sich, den konkreten Misstand überhaupt anzugehen.

    • Dr. McSchreck

      @Suryo:

      Sehr gute Beschreibung, warum hier in vielen Bereichen Stillstand herrscht.

  • Vigoleis

    Nur weil das Alkoholtrinken in Bahnhöfen verboten wird, heißt das nicht, dass Obdachlose vertrieben werden. Diese Behauptung unterstellt, dass diese Gruppe ständig "trinkt".



    Viele Betrunkene, die wirklich nerven ggf. eine Gefahr ausstrahlen oder sind, fallen bereits betrunken aus den Zügen (z.B. Fußballfans), wo der Alkoholkonsum weiter erlaubt ist. "Nicht trinken" bedeutet nicht "Nicht betrunken sein".



    Innerhalb der notwendigen Aufenthaltszeit (vom Betreten bis zur Abfahrt) auf z.B. dem Berliner Hauptbahnhof wird man meist mehrmals auf unterschiedliche Art um einen Obolus gebeten. Auch da spielt(e) der öffentliche Alkoholgenuss keine Rolle. Das aktuelle Verbot wird auch daran nichts ändern.

  • Eugen-Emilio

    Es gibt schon immer Menschen, überwiegend Frauen, die öffentliche Verkehrsmittel ganz meiden oder sich auf bestimmte Linien und Tageszeiten beschränken. Und die Gründe verstehe ich. Selbst wenn ich sie nicht verstehen würde, so gäbe es sie dennoch.

    Warum um alles in der Welt muss der öffentliche Personennah- und Fernverkehr das Elend der modernen Zeit auffangen? Mögen die Tankstellen dazu gezwungen werden, das billigste Bier für maximal einen Euro zu verkaufen und in ihrem beheizten Verkaufsbereich und auf ihren Toiletten jeden und zwar wirklich jeden willkommen zu heißen.

  • Jarvis

    Ich finde den Artikel gleich in mehrfacher Hinsicht befremdlich.

    In den meisten Ländern Europas und z. B. in den USA ist Alkoholkonsum in der Öffentlichkeit verboten. Zu suggerieren, es handele sich speziell um einen German Dream ist daher im besten Falle Fakenews, genau genommen aber schlicht Lüge, wenn man dies dann noch mit der Unterstellung verbindet, es werde da von einer klinisch reinen Gesellschaft geträumt.

    Soweit unterstellt wird, man vertreibe Menschen, die eigentlich Hilfe bräuchten, anstatt zu helfen, geht die Verbreitung von Unwahrheiten munter weiter. Die Ermöglichung, der eigenen Suchterkrankung in aller Öffentlichkeit zu fröhnen, hilft diesen Leuten nämlich nicht ansatzweise. Es ist keine Hilfeleistung, wenn jemand überall saufen kann, wo er gerade eine Bierflasche dabei hat. Das ist das Gegenteil von Hilfe.

    Schließlich ist auch die Unterstellung falsch, es gehe nur darum, Obdachlose zu vertreiben. Wäre dies das Ziel, könnte man auch den Zugang zu öffentlichen Verkehrsmitteln so beschränken, wie es weltweit üblich ist. Mit Lesegeräten am Bahnsteigzugang.

    Nein, es geht vor allem darum, der zunehmenden Verwahrlosung der Stadt entgegenzuwirken.

  • FtznFrtz

    Die Bahn ist ein privates Unternehmen, dass das Hausrecht hat. Wurde so beschlossen, muss man aber auch nicht gut finden.



    Es ist zwiespältig: natürlich löst oder lindert die Bahn durch hartes Durchgreifen nicht das Übel der Gesellschaft, dass ohnehin zu viel gesoffen wird. Wer meint, zwischendurch ein Bierchen trinken zu müssen ist nicht gleich per se Alkoholiker oder Randalierer. Aber natürlich gibt es ein Thema mit sich systematisch am Bahnhof oder in Zügen besaufenden Menschen. Man wird hier keine Zustände wie im AOK-Handbuch haben, trotzdem kann es insgesamt das Reisen für diejenigen, die auch mal ohne Drink auskommen angenehmer machen.

    • LuckyLulu

      @FtznFrtz:

      Das kann ich als Verkehrsteilnehmerin wirklich nur begrüßen wenn Betrunkene systematisch die Bahn nutzen, wer will denen denn ernsthaft hinter dem Steuer begegnen.

      • FtznFrtz

        @LuckyLulu :

        So kann man es auch sehen. :)

        Wenn schon bis zum Augenstillstand, dann doch lieber mit dem ÖPNV als mit dem Jeep-SUV nach Hause, kann man nur zustimmen.

  • Dr. McSchreck

    als ich ein junger Mann war, sahen alle Bahnhöfe gleich schlimm aus. Dunkle Gänge, die nach Urin stanken und oft ein Pornokino an einem Ende.

    Dann wurden die Bahnhöfe modernisiert und in Einkaufsmeilen umgewandet - schon damals gab es die gleichen Sätze zu lesen wie in diesem Artikel. Allerdings haben nicht nur die Deutschen die Haltung, dass Sauberkeit angenehmer ist als Dreck, dass laute aggressive (gelegentlich durch Sucht bedingt, aber nicht immer) Menschen sie nicht glücklicher machen. Sondern das ist ein Grundbedürfnis, das auch einen Wert hat.

    Zwischen klinisch rein und Drecksloch gibt es eine ziemlich breite Spanne.

  • sujall

    Es geht bei dieser Maßnahme nicht darum, Sucht- und Obdachlose zu vertreiben. Das passiert, je nach dem wo man ist, auch heute schon.

    Es geht ganz einfach darum,. dass Leute nicht immer und überall ihren Alkohol konsumieren sollen, wann sie es für geboten halten. Es ist unangenehm, wenn man es als Reisende mit Vor - oder Nachglühern zu tun hat, die - meist in Gruppen - ihren Alkohol konsumieren. Je nach Alkoholpegel wird es laut und rücksichtslos. Und es stinkt. Derjenige, der im Bahnhofsrestaurant beim Umsteigen ein Bier trinkt, betrinkt sich in der Regel nicht und wird nicht unangehnem für Mitreisende und Bahnpersonal.

    Ich würde mir auch. wünschen, dass Alkoholkonsum in allen Regionalbahnen verboten wird - so wie in den NordWest-Bahnen schon seit Jahren - auf Wunsch der Fahrgäste. Es ist kaum etwas unangenehmer als immer lauter werdende Trinkerinnen.

    Die eigene Freiheit endet da, wo sie die Freiheit der anderen einschränkt.

    • J_CGN

      @sujall:

      Wenn sie im Zug sitzen trinken die Leute, die trinken wollen.



      Die Belästigung entfällt evtl. auf dem Bahnsteig, aber im Zug ist sie weiter vorhanden. Und wird im Bordbistro auch noch gefördert...

      BTW: Auch Ihre Freiheit endet dort wo sie andere einschränkt.

      • sujall

        @J_CGN:

        Deshalb ja:

        "Ich würde mir auch. wünschen, dass Alkoholkonsum in allen Regionalbahnen verboten wird - so wie in den NordWest-Bahnen schon seit Jahren - auf Wunsch der Fahrgäste. Es ist kaum etwas unangenehmer als immer lauter werdende Trinkerinnen."

  • Norbert Bauer

    Es gibt Gründe, das Alkoholverbot kritisch zu sehen. Das Verbot aber als German Dream zu bewerten, ist doch fraglich. Wer mit dem Zug durch Europa reist, wird meist an Bahnhöfen ein- und aussteigen, die weitaus strengere Regeln kennen. Hier sind Bahnhöfe gar keine für jeden zugänglich Ort. Betreten darf man sie oft nur, wenn man ein gültiges Ticket vorweisen kann. Ein Aufenthalt für obdachlose und suchterkrankte Menschen ist somit gar nicht möglich. Von daher sehe ich nicht warum das nur eingeführte Alkoholverbot typisch deutsch sein soll. Man kann es trotzdem kritisch sehen.

  • Ringsle

    Was die Autorin vergisst: auch jetzt schon werden Personen, die vollkommen zugedröhnt sind, aus den Bahnhofen kolportiert.



    Meines Erachtens richtet sich die Maßnahme nicht primär gegen das Suchtklientel an den Bahnhöfen (Drogenkonsum ist dort seit ehedem verboten), sondern gegen durch Alkohol aufgeputschte Randalierer, sprich v.a. Fußballfans und Co.



    Und das wohl absolut zu Recht - auch wenn zugebenermaßen das Gefühl bleibt, dass früher mehr erlaubt war...

  • sollndas

    Also meinem bescheidenen Verständnis nach ist es Aufgabe der Bahn, Menschen und Güter von Punkt A nach Punkt B zu bringen.



    Es ist nicht Aufgabe der Bahn, die Probleme der Gesellschaft zu lösen.

  • Philippo1000

    Gewalt gegenüber Personal der Bahn, sowie Mitreisenden ist ein Problem.



    Es verwundert, dass diese Problematik kaum beleuchtet wird.



    Dass die Bahn die Sicherheit ihrer Angestellten und Reisenden bevorzugt, ist verantwortungsbewusst.



    Sozialarbeit und Konsumräume sind ein anderes Thema.



    Offener Konsum und Drogenszene ist ebenfalls ein ungelöstes Problem.



    Allerdings ist es auch nicht Aufgabe der Bahn diese gesellschaftlichen Probleme zu lösen.



    In der jüngsten Vergangenheit sind Angestellte der Bahn zu Schaden gekommen und auch getötet worden.



    Alkohol ist ein Katalysator von Gewalt. Es ist eine gute Entscheidung, diese Gefahr zu minimieren.



    Es ist allerdings unwahrscheinlich, dass Jemand, der zum Essen ein Bier trinkt, anschließend versuchen wird, den Schaffner aus dem Zug zu werfen.



    Augenmaß ist benannter Teil der neuen Strategie und daher können die Mitarbeiter*Innen der Bahn auch individuell und angemessen reagieren.

  • Offebacher

    Ich möchte aber die Bahn (und die öffentlichen Verkehrsmittel allgemein) benutzen, ohne von Junkies angemacht oder von betrunkenen Rowdys bedroht zu werden.



    Ist Eurer Kommentatorin eigentlich klar, dass viele Menschen das eigene Auto auch deshalb vorziehen, weil sie damit sicher, trocken, warm und sauber zur Arbeit kommen, alles, was nicht immer im ÖPNV gegeben ist?



    Eigene, subjektive Erfahrung: das Busfahren ist in Offenbach angenehmer geworden, die Busse besser und die Fahrgäste, jung und alt, still in ihren Smartphones versunken. Die S-Bahn dagegen hat die letzten 20 Jahre abgebaut. Am besten war sie so um 2006 herum, herausgeputzt zur Fußball-WM, die Bahnhöfe renoviert oder zumindest gesäubert und neu angestrichen. Aber seitdem ging es bergab, sowohl was die Bahnhöfe angeht, als auch der Betrieb der S-Bahn im RMV (Rhein-Main-Verkehrsverbund). Die Zugausfälle werden immer mehr, die Züge immer unpünktlicher. Das Letztere ist jetzt nicht subjektiv, sondern objektiv nachgewiesen durch mehrere Studien und Untersuchungen.



    Ich denke, die taz will auch mehr Leute vom Auto in den ÖPNV bringen, da dürft ihr aber nicht die Fahrgäste und ihre Bedürfnisse vergessen.

  • la suegra

    Ich finde das so ambivalent. Die Position des Artikels teile ich, es braucht mehr Suchthilfe und das ist Kriminalisierung von Armut, wenn die mit Geld weiterhin dort trinken dürfen. Und zugleich, wer als (warum auch immer) verletzliche Person schon mit dem komplett besoffenen Junggesellinnenabschied oder schwer betrunkenen zunächst nur verbal aggressiven Mitreisenden im Abteil saß, oder mal Nachts auf den nächsten Anschlusszug gewartet hat, da ist einem jedes bisschen mehr Nüchternheit lieb. Sich nicht von denjenigen Betrunkenen belästigen lassen wollen, die aggro werden, das finde ich nicht spießig.

    • Jarvis

      @la suegra:

      Die öffentlichen Verkehrsmittel sind nicht das Sozialamt. Sie sollen Menschen von A nach B bringen, nicht deren Sucht heilen. Es ist auch nicht Kriminalisierung von Armut, wenn diejenigen, die maßvoll in Restaurants Alkohol konsumieren, dass auch weiterhin können, während die, die es unbedingt in der Öffentlichkeit oder in der bahn wollen, es nicht mehr tun können. Diskriminierend finde ich viel mehr, dass sie Armut offensichtlich mit Alkoholismus gleichsetzen.

  • Janix

    Der eher bürgerliche Teil meiner Blasen kann sich teils ellenlang über die schlimmen Bahnhöfe auslassen, und ich meine Menschen, die Bahnhöfe auch nutzen.

    Speziell um Alkoholkranke geht es da aber selten. Eher um Menschen, in deren Hintergrund Alkoholkonsum religiös nicht vorgesehen ist und die angeblich ja "alle" so laut wären (unguter Unterton, ja). Oder härtere Drogennutzer. Oder Vollprofi-Bettlers.



    Falls hier zufällig wer von der Bahn mitliest, was wahrgenommen wird.

    Alkoholkrankheit ist etwas Arges, zerstört Beziehungen und die Menschen selbst. Alkoholwerbung hat nichts im öffentlichen Raum zu suchen, seltsame Jögermeistermägde mit Pushup-BHs auch nicht.

    Doch zurück zum Bahnhof, Die Bahn ist dabei keine Profi-Sozialhilfe. Wenn die Junggesellenabschiede-Rosenheimer, die Jung- und Altvertrieblergruppen auf privater oder dienstlicher Fahrt, die Keglerinnengruppe Finnentrop, alle, wenn die ihren Alkoholkonsum einfach mal auf später schöben: Ja, das würde mich freuen. Das wäre rücksichtsvoll.



    Dosensammlers kann ich deutlich eher aushalten als jenes. Abbildbar wäre wohl nur ein universales Verbot, das eine Weile bräuchte, um anzukommen.

  • nutzer

    ".....Stattdessen vertreibt es lediglich Obdachlose und suchtkranke Menschen. "



    richtig. Nur ist das Gegenteil auch keine Lösung und hilft diesen Menschen ebenfalls nicht.

    • Herma Huhn

      @nutzer:

      Nur wurde hier nicht das Gegenteil verlangt, sondern echte Hilfe. Das ist natürlich eine gesamtgesellschaftlichte Aufgabe und nicht die Aufgabe einer AG.



      Womit wir wieder bei der Diskussion sind, warum die Bahn überhaupt eine AG werden musste. Auch Infrastruktur wäre eigentlich eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe.

      • nutzer

        @Herma Huhn:

        Alkohol aus Bahnhöfen zu verbannen trifft auch Suchtkranke, abwer vor allem depperte Fussball-alkis und das ist ein erfreulicher Effekt.



        Die Bahn ist nicht zuständig für Suchtkranke.

        • Herma Huhn

          @nutzer:

          Die depperten Fußball-Alkis werden aber nicht verschwinden, nur weil sie das Bier vor dem Bahnhof oder in den Zügen trinken müssen.



          Und dass die Bahn-AG bei Suchtbekämpfung nicht zuständig ist, habe ich ja auch zugegeben. Aber als Infrastruktur-Unternehmen sollte sie denen, die dafür zuständig sind, die Arbeit nicht schwieriger machen, als sie ohnehin schon ist.

      • Axel Schäfer

        @Herma Huhn:

        Ob jetzt die Bahn (ob pseudoprivat oder staatlich) der richtige Ansprechpartner für Drogenhilfe ist mal dahingestellt, aber Rauchen wurde auch mal nach und nach eingeschränkt, wobei man sich auf Bahnhöfen ja nur so mittel daran hält.



        Besser wäre hier wie in anderen Ländern auch, das man nur mit Fahrschein zu den eigentlichen Bahnsteigen kommt, das schränkt die Fälle von Eigen- und Fremdgefährdung durch beeinträchtige Menschen in Bezug auf Zugbewegungen schon mal ein. Das andere ist ein wirkliches Alkoholverbot, denn "gehobene" Gastronomie die eine dringende Weinbegleitung erfordern würde gibt es auf Bahnhöfen nicht, höchstens teure Gastronomie. Der Gourmet kann sich auch außerhalb was suchen. Wichtig auch das Alkoholverbot in Zügen, denn der Konsum kann auch ohne Exzess nerven, wenn die Leute Laberwasser genossen haben oder nach dem Genuss von zwei Flaschen "Wegebier" innerhalb von 5 Minuten Motorikprobleme haben.

  • Elite123

    Es scheint hier ein Missverständnis vorzuliegen: Das Problem der Obdachlosigkeit ist keines der Armut, sondern entweder eine Sichtproblematik oder einer sozialen Inkompatibilität.

    Es hilft keinem Süchtigen wenn man ihn nur "in Ruhe" am Bahnhof seine Sucht ausleben lässt, bis er sich abschießt.