Der Kanzler und der Klimawandel : Nein, Merz ist kein Klimaaktivist
Friedrich Merz zeigt sich im abgebrannten Hürtgenwald als Klimaaktivist – ohne Konsequenzen. Was ihm wirklich wichtig ist, verkündet er per „Bild“.
Foto: Roberto Pfeil/AFP-Pool/dpa
U ps, er hat es wirklich gesagt. Nicht nur erwähnt, als etwas, das ihn nicht interessiert. Sondern als etwas, das wichtig ist. „Das ist der Klimawandel“, sagte Friedrich Merz am Samstag bei seinem Besuch im Hürtgenwald, in dem fast eine Woche lang der bisher größte Waldbrand in Nordrhein-Westfalen gewütet hatte. Der Bundeskanzler legte sogar noch nach und versprach, alles zu tun, um den Klimawandel zurückzudrängen. Ist Merz auf seine alten Tage zum Seniorenbeauftragten der Fridays-for-Future-Bewegung geworden?
Leider nein. Und man muss es so formulieren: natürlich nicht. Denn auch wenn Merz gleich seinen ersten öffentlichen Termin nach dem dreiwöchigen Sommerurlaub den Waldbrandbekämpfer:innen widmete, auch wenn er dort explizit den Klimaleugner:innen widersprach. Ein Klimaaktivist ist der Kanzler noch lange nicht. Nicht nur, dass er vor Ort mit keinem Wort verriet, was genau er denn tun wolle, um die Klimakatastrophe wenn schon nicht abzuwenden, so doch wenigstens aufzuhalten. Nein, er verkündete auch noch gleich via Bild, was bei ihm vor allem anderen stehe: Wirtschaftswachstum. Und genau so sieht die Politik der regierenden Union auch aus.
Dabei wäre es nicht nur im Hürtgenwald höchste Zeit, dass die Bundesregierung den Löschzug holt und das Wasser aufdreht. Denn es brannten in diesem Sommer nicht nur tausende Bäume – es starben Menschen. 14.000 Hitzetote gab es laut konservativer Schätzung des Robert-Koch-Instituts. Davon 10.000 allein binnen weniger Tage bei der extremen Hitzewelle Ende Juni. Solch extreme Sterbezahlen gab es nicht mal zu den Hochzeiten der Coronapandemie beim Jahreswechsel 2020/21, als die damalige Bundesregierung das Land mit einem Lockdown zu schützen versuchte.
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Dazu ist dem Kanzler bis heute nichts eingefallen. Und deshalb war der lautstarke Protest am Samstag gegen den Merzbesuch im Walde auch mehr als angemessen – auch wenn die Pfiffe den Kanzler sichtbar wütend machten. Doch diese Wut beruht zu Recht auf Gegenseitigkeit.
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