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Vorschläge der RentenkommissionMinijobs gehören abgeschafft

Simone Schmollack

Kommentar von

Simone Schmollack

Minijobs sind gut für Ar­beit­neh­me­r:in­nen und notwendig für Unternehmen? Nein. Sie sorgen für Altersarmut und spülen kaum Geld in die Rentenkasse.

D en rund 6,8 Millionen Mi­ni­job­be­r:in­nen in Deutschland geht es jetzt an den Kragen – bis auf ein paar Ausnahmen. Sie alle landen im sozialen Elend, Unternehmen, die mit ihnen arbeiten, geraten an den Rand der Pleite, der ohnehin schon schwächelnde Arbeitsmarkt kollabiert. Und schlecht für die Demokratie ist das auch noch. So in etwa – zugegeben überspitzt formuliert – klingt die Kritik am Vorschlag der Rentenkommission, Minijobs massiv einzuschränken.

Die 33 Vorschläge der Rentenkommission

33 Vorschläge hat die Rentenkommission für die Bundesregierung erarbeitet. Jetzt streiten Ex­per­t:in­nen und Verbände über die große Reform. Hier lesen Sie

.

Aber Moment! Gehen wir noch mal kurz zurück auf Los: Die Kommission soll Ideen erarbeiten, mit denen das zu erwartende Rentenfiasko abgemildert und mehr Geld in die Rentenkasse gespült werden kann. An dieser Stelle kommen die Minijobs ins Spiel. Die gehören nämlich zu Recht abgeschafft, denn nur etwa 32 Prozent der Millionen Mi­ni­job­be­r:in­nen zahlen in die Rentenkasse ein. Für die Unternehmen sind Minijobs – bei denen die Verdienstgrenze derzeit bei 603 Euro liegt und für die nur geringe Sozialabgaben und Steuern gezahlt werden müssen – also ein gutes Geschäft.

Für die Betroffenen allerdings – unabhängig von ihren aktuellen Notwendigkeiten und Bedürfnissen – sind sie langfristig eine soziale Sackgasse. Sie verdienen zu wenig, um davon leben zu können, und erst recht zu wenig, um damit eine mehr oder weniger einträgliche Rente zu haben. Minijobs bedeuten Altersarmut. Punkt. Auch die Rentenkasse profitiert davon nur minimal – weil Mi­ni­job­be­r:in­nen eben viel zu wenig einzahlen. Minijobs suggerieren also nur, dass es sich hierbei um ein gutes Angebot handelt, in Wirklichkeit sind sie das Gegenteil davon: prekäre Arbeitsverhältnisse.

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Sie manifestieren zudem eine viel beklagte Ungerechtigkeit, die endlich abgeschafft gehört: Es sind vielfach Frauen, die in Minijobs arbeiten und damit nicht nur ihre Rente aufs Spiel setzen, sondern auch ihre Unabhängigkeit – ob vom Partner oder vom Staat. Wenn Minijobs für die Unternehmen angeblich so wichtig sind, warum können sie dann nicht einfach in reguläre Stellen umgewandelt werden?

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Simone Schmollack

Simone Schmollack Ressortleiterin Meinung

Ressortleiterin Meinung. Zuvor Ressortleiterin taz.de / Regie, Gender-Redakteurin der taz und stellvertretende Ressortleiterin taz-Inland. Dazwischen Chefredakteurin der Wochenzeitung "Der Freitag". Amtierende Vize-DDR-Meisterin im Rennrodeln der Sportjournalistinnen. Autorin zahlreicher Bücher, zuletzt: "Und er wird es wieder tun" über Partnerschaftsgewalt.
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131 Kommentare

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  • Auf die naheliegende Idee, daß des Wegfallen der Privilegien beim Minijob dann einfach ma ne 10-%ige Bruttolohnerhöhung ist, kommt irgendwie kein Mensch.



    Im Übrigen ist des Gejammer der Unternehmer-bubble über den jetzt aktuell höheren und mehr oder weniger alleinigen Anteil an den SV Käse, die übernehmen kein Krankheitsfallrisiko und inwieweit der auch Minijobbern zustehende Urlaub tatsächlich Realität wird, wage ich in der Breite zu bezweifeln.

  • Wenn man Bevormundung gut findet, dann schafft man die Minijobs ab. Sollen die, die gute Gründe dafür haben, solche Jobs zu machen, doch sehen wo sie bleiben.

  • Und was ist mit all denen, die ohne ein Zubrot gar nicht mehr über die Runden kommen werden.



    Wohngeld weg. Erhöhung der Zuzahlung zu Medikamenten und Behandlungen. Nur noch minimale Rentenerhöhungen. Rente mit 70. Wer's schafft...



    Wohin dieses Land steuert dürfte so langsam klar sein. Da wo Geld in rauen Mengen



    zu holen wäre - nichts als Schweigen. Und die Taz- als angeblich linke Zeitung: wechselt brav zur anderen Seite. Ja denn wünsch ich mal viel Spass und sage tschüss.

  • «Minijob», anders betrachtet, ist das ein gutes «Produkt»:




    Die Regeln sind einfach, wie der Lohn, klar.



    Der bürokratische Aufwand eher gering.




    Die Bewerbung ebenso, oft ohne Lebenslauf und Bewerbungsmarathon.




    Den Job wieder zu beenden, auch kein Drama.




    Mehrfach Übernahme in einen festen, guten Job.




    Einfach ausprobieren, ein neues Feld kennenlernen.




    Der Minijob ist überall bekannt, nicht geächtet.



    Steht eher für Fleiß.



    
Eine flexible Lösung.




    Läuft es, dann läuft es.


    Das muss es auch geben.


  • Bezugnehmend auf den Beitrag möchte ich anführen, dass Arbeitgeber bei regulärem Minijob bisher bereits 15% in die Rentenkasse einzahlen. Der Arbeitnehmer kann zusätzlich 3,6% einzahlen. Bei den Minijobbern, welche die Rentenbeiträge abgewählt haben, büßt die Rentenkasse also nur 3,6 % ein. Aus Sicht der Rentenkasse ist hier eigentlich nichts zu holen. Wie wird es zukünftig sein? Der Arbeitgeber zahlt nur noch 9,3 % und beim Arbeitnehmer erhöht sich der Beitrag auf 9,3 %. Was soll daran für Arbeitnehmer vorteilhaft sein? Die Abschaffung dieses Systems bringt weder für Rentenkasse wesentlich höhere Einnahmen noch bringt es Vorteile für die Minijobber. Im Gegenteil. Durch die wesentlich höheren individuellen Steuern (bisher 2% pauschal vom Arbeitgeber) werden viele den Job aufgeben oder in die Schwarzarbeit abwandern. Das System wurde übrigens ursprünglich eingeführt, um die Schwarzarbeit zu bekämpfen. Das war auch erfolgreich, wurde nur in den 25 Jahren des Bestehens immer mehr vergessen. Ich befürchte, dass an der Abschaffung des Minijobs mehr Ideologen mitgewirkt haben als Fachleute, die etwas vom praktischen Nutzen der komplexen Materie verstehen.

  • Die Aussage ist einfach falsch. Minijobber entwenden dem Staat und der Zukunft des Landes gar nichts. Das Geld was sie verdienen wird auch nicht außer Landes gebracht sondern landet in der Regel in den lokalen Kassen des Wohnortes.

    Es hilft den kleinen Unternehmen um Jobs die sonst nicht machbar wären zu schaffen, es hilft älteren Menschen einen netten Bonus zu erwirtschaften.

    Wem es absolut nicht hilft ist der Zukunft unseres Landes, bei den kleinsten wird gierig gegriffen. Und der Mehrwert ist wenn überhaupt, marginal. Denn das Geld was eingesammelt wird, wird direkt wieder vom Staat ausgegben. Nichts mit Zukunft. Wenn der Minijobber die geplanten Abzüge privat auf dem Kapitalmarkt anlegt, dann hat er mehr Zukunft als dieses Reformpaket.

    Beinahe schon erschreckend wie man den Menschen erzählen möchte das man nur gutes im Sinn hat. Traurige Farce.

  • Nachdem in dem Artikel sämtliche Fakten fehlen wie MiniJobs funktionieren und ich nach lesen der Kommentare den Eindruck bekomme, dass diese Fakten nicht allgemein bekannt sind:

    Angenommen jemand verdient 501 EUR auf die Hand (netto) im MiniJob, bei einem Betrieb (scheint wichtig zu sein) UND es werden Rentenbeiträge gezahlt (das geht auch bei einem MiniJob; keine Ahnung warum man das nicht einfach zwingend macht).



    Das bedeutet 520 EUR brutto (3.6% Rentenbeiträge).



    Der Arbeitgeber zahlt 689 EUR (32,5% Arbeitgeberanteil auf Brutto)

    Dieses Netto im normalen Job:



    501 auf die Hand



    640 brutto (ca 21.7% sozial versicherungen, wenn man sonst keine Steuern zahlt)



    Der Arbeitgeber zahlt ca 774 Euro (ca 21% Arbeitgeberanteil)

    Unterm Strich. Arbeitgeber zahlt ca 12% (689 -> 774) mehr damit das gleiche netto beim Arbeitnehmer ankommt.

    ABER: Hat der Arbeitnehmer einen Hauptjob, dann sieht das völlig anders aus. Dann muss er bei einem Zweit-Job (dh dem aktuellen MiniJob) massiv Steuern zahlen.

    Bei MiniJob mit RV gegenüber normalem Job, gibt es bezüglich Rentenbeiträgen fast keinen Unterschied. Keine Ahnung warum die Rentenkommission empfiehlt MiniJobs abzuschaffen.

  • «Minijob» ist, anders betrachtet, ein gutes «Produkt».




    Die Regeln sind einfach und überschaubar, wie der Lohn.




    Der bürokratische Aufwand einfach.




    Die Bewerbung ebenso, oft ohne Lebenslauf, Passbild, Bewerbungsmarathon.




    Den Job wieder zu beenden, auch kein Drama.


    Selber bei mir drei mal Übernahme in einen festen Job.




    Oft nach einem Umbruch.

    Einfach ausprobieren, ein neues Feld kennenlernen.




    Der Minijob ist überall bekannt, aber nicht geächtet.




    Eine flexible Lösung.




    Läuft es, dann läuft es.




    Das muss es auch geben, einfach und direkt.

    • @punktum:

      Was hat denn das Bewerbungsverfahren mit der Ausgestaltung von Sozialabgaben und Lohnsteuer zu tun? Gar nichts.



      Wenn hier von Abschaffung der Minijobs die Rede ist, dann geht es nur um die besondere Ausgestaltung der Sozialabgaben und der Lohnsteuer. Aber nicht um die Abschaffung des Jobs selbst oder die arbeitsrechtliche Ausgestaltung.

  • Das ganz unmittelbare Problem für viele Minijobber ist ja auch, dass da die Krankenkasse nicht gezahlt wird. Und es ist gesetzlich nicht so geregelt, dass Minijobber schon über einen anderen Job kranken- (und Renten-) versichert sein müssen.



    Entweder müssen bei prekär im Minijob Beschäftigten (die nicht über hauptjob, Ehepartner oä versorgt sind) die Sozialkassen über Bürgergeld aufstocken und die Krankenkasse zahlen lassen - oder wenn kein Bürgergeldanspruch besteht die Krankenkasse aus eigener Tasche bezahlt werden. Und obwohl ein Midijob 1 Euro über der Minijobgrenze den Jobber bereits sozialversichert, und die Arbeitgeber nicht teurer sind, wählen viele Arbeitgeber den einfachen Weg.



    Das ist ein falscher Anreiz, und der gehört abgeschafft.

  • Ich lese "von Simone Schmollack", mein gesicht verfinstert sich. Ich bin schon von Schmollacks Kommentaren im DLF buchstäblich geweckt worden und jedes mal war ich danach sauer. Das bringt mich heute morgen (5:30 !) zu der Frage: ist das vielleicht absicht? Sie kriegt es einfach zu gut hin, backpfeifenartig und oberflächlich. Das wird auf jeden fall ein schwieriger Tag!

  • Wer den Minijob abschafft, drängt die Menschen wieder in die Schwarzarbeit.



    Nie im Leben zahle ich für meine Nebentätigkeit volle Beiträge.



    Null Bock.



    Gastro, Hotellerie, Saisonkräfte, etc - da hat keiner Lust auf die paar Groschen vom Minijob Abzüge zu bezahlen.



    Der Minijob ist für uns Luxus. Damit erfüllt man sich den Jahresurlaub, das neue Motorrad, etc...



    Der Minijob ist ein Zweitjob.



    Wer nur den Minijob hat, ist eh am Arsch🤷



    Ob mit oder ohne Abzüge landest du damit eh in der Grusi.



    Wer glaubt denn bitte das der Gastronom einen festen Kellner Vollzeit einstellt wenn er keine drei Minijobber mehr haben darf?



    Der Gastronom braucht am Wochenende 15 Stunden Leute, von Dienstag bis Donnerstag braucht der keinen oder maximal zum Abend...



    Minijobs regulieren Stoßzeiten. Minijobs machen Unternehmen flexibel.



    Wozu Regulierungswut führt zeigt gerade Frankreich - da wurden die Tabakpreise massiv erhöht. Konsequenz? Sprunghafter Anstieg von gefälschten Zigaretten. Fast jede zweite Kippe in Frankreich ist mittlerweile an der Steuer vorbei.



    Genau so wirds mit dem Minijob.



    Die Leute haben die Schnauze voll. Dieser Staat hat völlig den Bezug zum Volk verloren.

    • @Astrid Sehnefeld:

      "Nie im Leben zahle ich für meine Nebentätigkeit volle Beiträge."



      Mit welchem Recht? Warum glauben Sie, haben Sie das Recht weniger zu bezahlen als jemand, der in seinem Erstjob meh arbeitet?

      • @Francesco:

        Weil der Minijob in der Regel mit Mindestlohn vergütet wird. Eben Gastro, Einzelhandel, Saisonkräfte.



        Für meinen Erstjob zahle ich ganz normal Steuern wie jeder, da gehe ich aber auch nicht für 15 Euro die Stunde hin...



        Da ginge ich nicht mal für 15 netto hin

  • Sorry, aber da sieht man wie weit man von der Realität entfernt ist. Wie viele Minijobbler kennen Sie denn die ausschließlich davon leben und keine feste Anstellung deswegen bekommen? Na dann suchen Sie mal lange. Ich habe knapp 100 Mitarbeiter, davon die Hälfte sozialversicherungspflichtig und die andere Hälfte als Minijobber. Gerne würde ich denen mehr arbeiten lassen, aber ALLE haben einen Hauptjob und verdienen bei mir nebenher noch Geld um ihr Leben bestreiten zu können. Von ca 750 Minijob Mitarbeiter*innen die ich bei mir jemals hatte, hat lediglich eine gesagt, dass sie von ihrem Minijob etwas in die Rente einzahlen möchte.

    Das Märchen das ein Minijob Verhältnis besser für die Unternehmer wäre, ist leider auch nicht richtig. Auf die Stunde runter gerechnet, kostet mich ein Minijob ca. 10% mehr wie wenn ich ein sozialversicherungspflichtiges Verhältnis mit einem Mitarbeiter habe. Richtig ist: dem Mitarbeiter bleibt dann weniger Geld in der Tasche, da er dann auch Sozialabgaben zahlen muss und nicht nur der Arbeitgeber. Somit bleibt mal wieder weniger Netto vom Brutto. Beim Minijob ist Brutto = Netzo

  • Minijobs sind für viele Arbeitnehmer mit Hauptjob und Rentner eine wichtige Möglichkeit, ihr Einkommen aufzubessern. Wer freiwillig mehr arbeitet, sollte nicht schlechter gestellt werden. Unterstützt die Petition: www.openpetition.d...atus-fuer-minijobs

    • @Rune:

      Für ein besseres Einkommen in der Breite wären wir alle. Gäbe es da wirklich nicht noch andere Ansätze? Was fällt Ihnen da noch ein?

    • @Rune:

      Dann spricht doch nichts dagegen, darauf auch Steuern und Sozialabgaben zu zahlen. Rentenbeiträge werden bei Rentnern meines Wissens nicht erhoben

  • Ich habe den Eindruck, dass viele, die eine Abschaffung des Minjobs fordern, kaum eine direkte Berührung mit der komplexen Materie haben. Es gibt wie bereits angesprochen sehr viele Nutznießer von Minijobs, die man einfach vor den Kopf stoßen würde. Studenten, Teilzeitkräfte und Rentner wurden schon genannt. Wir betreiben als Verein eine kleine Firma, die unseren Verein finanziert. In der Firma arbeiten fast ausschließlich Minijobber (13) im Nebenjob. Im Hauptjob sind die Leute in einem Forschungsinstitut angestellt. Sie arbeiten von 10 bis 200 Stunden im Jahr, je nach Auftragslage und persönlichen Bedürfnissen. Diese Flexibilität erreicht man nur mit Minijob. Man kann nicht für jeden kleinen Auftrag einen Arbeitsvertrag aufsetzen. Unsere kleine Firma, die hochspezialisierte technische Dienstleistungen für die Industrie erbringt, ist auf diese flexible Ausgestaltung des Minijob angewiesen. Ohne Minijob kann die Firma schließen, der Verein hat keine Einnahmen mehr und unsere Bürokraft muss entlassen werden. Ich denke nicht, dass die Politiker überblicken, was sie im Detail mit ihren Aktionen anrichten. Der Missbrauch sollte eingedämmt, aber nicht alles blind zerstört werden.

    • @rolas:

      Welchen Unterschied gibt es denn arbeitsrechtlich zwischen normalen Jobs und Minijobs? Meines Wissens keinen. Die Unterschiede betreffen nur die Sozialversicherung und die Lohnsteuer. Das mit dem Arbeitsvertrag ist also kein Argument.

  • Offenbar wird hier nicht an die EM-Rentner gedacht.



    EM-Rentner dürfen nur unter 3 Stunden am Tag arbeiten, und haben sonst keine Möglichkeit.



    Wenn dann noch das Wohngeld zusammengestrichen wird, sieht es für die ganz schlecht aus.



    Ich bräuchte den Zuverdienst, um in ein paar Jahren auswandern zu können. Für mich geht gerade ein Lebenstraum kaputt.

    • @Chris0404:

      Was sind EM-Rentner?

      • @Francesco:

        Erwerbsminderungs-Rentner

      • @Francesco:

        Damit sind doch wahrscheinlich Erwerbsminderungsrentner gemeint.

        • @ttronics:

          Danke. Das könnte man dann auch ausschreiben. Woher soll das jemand wissen, der nicht in der Materie drin steckt? Und mit Raten liegt man oft genug falsch.

  • Es gibt momentn 7,9 Mio. Minijobber - das kann man über Nacht nicht abschaffen. Immerhin 4,5 Mio. arbeiten nebenher, die könnten vielleicht mit dem Minijob aufhören. Hintergrund dieser Beschäftigungsverhältnisse ist der Niedriglohnsektor, der rund 20 Prozent der Arbeitnehmer umfasst und seit 2012 leicht gesunken ist.



    Ich würde sagen, diese Beschäftigungsverhältnisse bringen niemanden was, aber viele Unternehmen hängen davon ab: Einzelhandel, Friseure, Gastronomie und andere Bereiche sind stark davon abhängig, dass Menschen kommen. Nur wenn diese Menschen von ihren €603 mindestens €100 in die Rente investieren, funktioniert das.



    Diese Arbeitsverhältnisse hängen direkt an niedrigen Löhnen und besonders dem Niedriglohnsektor. Es müsste also der Niedriglohnsektor umgestaltet werden, damit diese Beschäftigungsverhältnisse verschwinden. Die Anhebung des Mindestlohns hat eine kleine Wirkung bislang gehabt, das mag auch an der Inflation liegen, weil die Wirkung der Anhebung eventuell neutral oder sogar negativ war.



    Man kann die Minijobs nicht von heute auf morgen vernichten, das würde Armut und höhere Bedürftigkeit auslösen, was es braucht sind Lohnerhöhungen und fairer Jobs.

  • In dieser Diskussion scheinen viele die gesetzliche Regelung zum offiziellen Minijob mit Teilzeitanstellung auf Stundenbasis gleichzusetzen.



    Aber das sind zwei vollkommen unterschiedliche Konzepte, die nur zufällig bei vielen Menschen gleichzeitig auf den eigneen Job zutreffen.



    Es geht nicht darum, dass niemand mehr für weniger als 10 Wochenstunden angestellt werden darf. Es geht nur darum, dass das Korsett der Pauschal-Abrechnung aufgeschnürt werden muss, um sowohl Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer flexibler zu machen, wenn es um die Frage geht, ob es jetzt 5 oder 15 Stunden in der Woche sein sollen. Der Mini-Job schafft eine künstliche Hürde, die ein Aufstocken der Stunden sehr schwierig macht. Wenn alle Stellen gleich behandelt werden, können Menschen viel freier entscheiden. Das ist doch gut.

    • @Herma Huhn:

      Alleine der erste Satz betrifft bei vielen die Realität, Frau Huhn!

      Wen interessieren denn bitte Stundenzahlen wie Teilzeitkräfte, wenn die Hütte brennt, und in der Zeitarbeit Not an der Frau ist - da bleibt man doch freiwillig noch zwei, drei Stunden länger - ich bitte Sie... bewusster Sarkasmus.

      Der letzte Satz ist ein romantischer Grundsatzgedanke,



      der in erlebter Ausübung (negativ) für mich nur den Umkehrschluß bedeutete, diese endgültig zu verlassen. ;)

      • @Altbayer:

        unbezahlte Überstunden durch Teilzeitkräfte verhindert man aber nicht mit der Pauschal-Besteuerung von Minijobs.

  • Im Beitrag geht die Autorin anscheinend davon aus, dass Menschen ausschließlich im Minijob arbeiten. Das wäre natürlich zu wenig für die Rente (und auch zum Leben by the way) . De facto sind jedoch der größte Teil der Minijobs Sudentenjobs oder Nebenjobs.



    Der Vorteil für Nebenjobber: Man muss die Einkünfte nicht entsprechend des Grenzsteuersatzes versteuern. Und wenn man will, bekommt man für monatlich ca. 20€ Eigenbeteiligung 110€ für Renten Punkte. Für Arbeitgeber ist der Minijob gar nicht so lukrativ wie im Artikel beschrieben. Es fallen etwa 30% Sozialabgaben an, die der AG komplett trägt. Bei normalen Jobs sind es etwa. 40%, von denen der AG ca 20% trägt.



    In der Summe sind. Minijobs für den Arbeitsmarkt günstig, da Arbeit insgesamt weniger kostet (-10% Abgaben, fast keine Steuern).

    • @Jens Köster:

      "Der Vorteil für Nebenjobber: Man muss die Einkünfte nicht entsprechend des Grenzsteuersatzes versteuern."



      Und damit sind Nebenjobs privilegiert gegenüber z.B. Mehrarbeit im Hauptjob.

      • @Francesco:

        @Francesco



        Ja... ohne dieses Privileg will überhaupt niemand mehr-Arbeit leisten, weder im Haupt- noch im Nebenjob, weil es sich einfach nicht lohnt.



        Dh Minijob weg, dann werden die Leute insgesamt einfach weniger arbeiten...

      • @Francesco:

        Das ist tatsächlich so, wenn der Nebenjob ein Minijob ist.

        • @Jens Köster:

          Ja, das meinte ich auch so. Ein Grund für die Abschaffung.

  • Abgesehen davon, daß der AG über 30% pauschal abführt (Krankenversicherung, Lohnsteuer,etc.) gilt für die Rente:

    "Minijobs unterliegen seit 2013 der Versicherungspflicht in der gesetzlichen Rentenversicherung. Arbeitgeber zahlen für ihre Minijobber einen Pauschalbeitrag. Die Minijobber selbst zahlen zusätzlich einen Eigenbeitrag. Dadurch kommen sie in den Genuss des vollen Schutzes der gesetzlichen Rentenversicherung."

    Und: "Für den versicherungspflichtig geringfügig entlohnt Beschäftigten gilt wie für andere versicherungspflichtige Arbeitnehmer in der Rentenversicherung ein Beitragssatz von zurzeit 18,6 Prozent. Die Beitragslastverteilung erfolgt aber nicht hälftig. Der Arbeitgeberanteil für einen Minijobber beträgt 15 Prozent, der Arbeitnehmeranteil auf 3,6 Prozent vom Arbeitsentgelt."

    Und: "Auf seinen Antrag hin kann der Beschäftigte von der Versicherungspflicht befreit werden. Der Antrag auf Rentenversicherungsfreiheit ist schriftlich beim Arbeitgeber einzureichen und verbleibt auch bei diesem." -> Der Arbeitnehmer muss sich aktiv von der Rentenversicherung abmelden; nicht sehr schlau wg. 3,6%.

    (deutsche-rentenversicherung.de)

    Ich bin wede AG noch Minijobber = neutral.

  • Klingt erstmal sexy: Minijobs abschaffen.



    Das ist eine sehr elitäre Sichtweise. Für mich hat der Minijob als ich jünger war Zugang zum staatlichen Gesundheitssystem bedeutet. Es ging nicht ums Geld. Das hatte ich Dank Schwarzarbeit. Die soziale Absicherung hat der Minijob geleistet.

    Bis vor kurzem habe ich monatliches Aufstiegsbafög in Höhe von 1050 € monatlich bezogen. Den Minijob "nebenbei" habe ich erledigt wann immer ich es wollte. Ich bin einfach in der Firma aufgetaucht und habe mich an die Maschine gestellt. 19 € auf die Hand.



    Mein Chef hat an die Knappschaft bezahlt obwohl ich schon den freiwilligen Weiterversicherungs Beitrag bei der GKV jeden Monat bezahlt habe. Win, win, win, win; für mich, Mama Staat, meinen Chef die und gesamte Gesellschaft.

    • @Zange:

      Der Minijob bringt Sie nicht in die Krankenversicherung. Auch wenn der Arbeitgeber Krankenversicherung bezahlt.



      Wie Sie oben schreiben haben Sie an die GKV bezahlt. Ohne das wären Sie trotz Minijob nicht versichert gewesen.



      Wenn Sie nicht selbst auch einen geringen Teil von Ihren 603€ abgeben (ca. 20€) sammeln Sie zudem auch keine Renten Punkte, obwohl der Arbeitgeber ca. 90€ für Ihre Stelle an die Rentenversicherung abführt.

  • Ich arbeite ein paar Stunden in einer städtischen Kunstgalerie auf Minijob Basis. Sollte der weg sein und ich müsste wieder in die 6er Lohnsteuerklasse, bleib ich daheim! Dann gibt es schlichtweg niemanden mehr, der die Bilder aufhängt, oder Sachen aufbaut. Die eh schon klamme Stadt kann da niemanden einstellen und Vollzeit wäre es ohnehin nicht. In der Folge müssten wir dann einen Eintritt verlangen, der bisher frei ist. Oft ist es nicht der börse Arbeitgeber der die Leute ausbeuten will, sondern Vater Staat möchte seine durch Misswirtschaft klammen Kassen auffüllen!

  • Für Unternehmen sind Minijobber nicht pauschal ein gutes Geschäft. 30% Abgaben ggü. 21% für sozialversicherungspflichtig Beschäftigte sind kein Geschenk für UnternehmerInnen. Der Vorteil besteht ja darin, dass Personen, die in einem MiDiJob (Gleitzone) stecken, über den Minijob dazuverdienen können, ohne Abgaben zu fürchten. Manche Menschen üben einen Hauptjob aus, der zwar die Miete zahlt, aber sie nicht erfüllt. Gerade Studierende können hier einfach etwas hinzuverdienen. Kleine Betriebe sind hier wieder besonders angeschmiert, weil die viel mehr von Minijobbern abhängen, als große Unternehmen. Dass der Rentenkommission nichts anderes einfällt, um die Rentenlücke zu schließen ist bezeichnend. Die Beitragsbemessungsgrenze sollte hier viel eher mal gekippt werden und endlich mal die Beamten mit einbezogen werden, anstatt die Kleinen zur Kasse zu bitten. Ich selber arbeite in einem Betrieb, der auf Minijobber angewiesen ist. Würden die zwei Personen die Stelle mit Stkl. 5 vergütet bekommen, werden sie den Job nicht machen und wir das Delta nicht schließen können. Wir stecken in der längsten Rezession seit 2. WK. Das ist Öl im Feuer.

  • Meine Tochter macht gerade einen Minijob im Berliner Zoo als Überbrückung für ihr FÖJ. Was soll an sowas schlecht sein? Sie ist happy mit dem Zusätzlichen Taschengeld und hat was zu tun. Freizei mit Hund und Phone hat sie eh schon genug.

    • @lord lord:

      Und was wäre anders, wenn ihr Job nicht mehr "Minijob" heißt, sondern eine reguläre Tätigkeit mit wenigen Stunden und Sozialversicherungsbeiträgen wird?

      • @Life is Life:

        Sie müsste so viele Steuern und Abgabe bezahlen, dass sich der Netto-Stundenlohn erheblich verringerte. Dann würde sich die Arbeit nicht mehr lohnen.

        • @Arno Bischopp:

          Warum müsste sie Steuern zahlen? Sie verdient doch sicher aufs Jahr gerechnet weniger als den Grundfreibetrag, oder nicht? Und eine Krankenversicherung braucht sie auch.

      • @Life is Life:

        Also entweder wird es für den Arbeitgeber teurer oder für meine Tochter. Beides hat Vor- und Nachteile. Ich erkenne jetzt den Vorteil nicht. Wenn es für den Arbeitgeber tuerer wird, erhöhen sich die Preise - vom Eis oder Eintritt in dem Fall. Wenn man Tochter es zahlt hat sie weniger Taschengeld und mehr Versicherung. Ist quasi auch ein Nullsummenspiel.

        • @lord lord:

          Warum sollte ihre Tochter denn weniger Sozialversicherungsbeiträge zahlen als andere Beschäftigte? Als vermutlich Familienversicherte in der GKV wird sie ja auch durch die Beitragszahlungen anderer Arbeitnehmer mit getragen.

  • Die Minijobs , die im Rahmen der SPD- Reform



    Agenda 2010 eingeführt wurden ,



    waren und sind ein Mittel zur Lohnkürzung ,



    Beschneidung von Arbeitnehmerrechten etc.



    Leider sind Viele auf sie angewiesen , traurig



    . aber dass war von der Politik so gewollt .



    Schröder - größter Niedriglohnsektor u.s.w.



    WER NOCH DER SPD VERTRAUT , DEM HAT MAN DAS GEHIRN GEKLAUT .



    DER SPRUCH IST ÜBER 100 JAHRE ALT UND HEUTE SO



    AKTUELL WIE DAMALS .

    • @Worgt Michael:

      Es ist schon richtig, dass die Minijobs unter Schröder einführt wurde. Mutti Merkel hat sie aber noch kräftig ausgebaut und sich in der ersten Hälfte ihrer Regentschaft ständig für die niedrigen Arbeitslosenzahlen feiern lassen. Die vielen Aufstocker und das ganze neu entstandene Elend wurde totgeschwiegen.

  • Ich finde es auch in dieser Diskussion wieder faszinierend, dass fast alle Argumente gegen die Abschaffung der Minijobs - lediglich aussagen: „Auf keinen Fall eine Veränderung, denn das geht nicht, weil irgendwer davon betroffen sein könnte!“



    Ja, eine Veränderung wird zwangsläufig immer auch jemanden negativ betreffen. Das ist bei ALLEN Veränderungen so. Die Frage muss aber sein, ob die Gesamtsumme positiv ist. Nichts zu verändern, also Stillstand, führt zwangsläufig zum Totalversagen. Und die absolute Aversion der Deutschen gegen jegliche Veränderung ist das größte Problem seit Helmut Kohls Kanzlerschaft - links wie rechts.

    • @Heideblüte:

      Ich finde es faszinierend, dass es in dieser Diskussion anscheinend völlig an sachlicher Grundlage mangelt.

      Da sind so Fragen wie: Warum minijob nicht als normaler sozialversicherungspflichtiger Job?



      Antwort soweit ich das überhaupt verstehe: Weil der Arbeitnehmer dann ca 20% weniger Nettostundenlohn hat.

      Aber selbst dieser einfache Zusammenhang kommt in dem Artikel nicht vor (bzw. es fehlt überhaupt jede sachliche Bewertung).

  • Ich arbeite in Vollzeit (bin also regulär SV-versichert) und verdiene mir als Minijobber Abends und am Wochenende etwas dazu. Von dem Geld gehen 300 € mtl. in meine Altersvorsorge (ETF-Sparplan). Wenn die Minijobs jetzt unattraktiv werden wird mein Arbeitgeber die einfach nicht mehr anbieten. Auch nicht als sozialversicherungspflichtige Teilzeitstelle weil dann Kosten > Nutzen sind. Für mich konkret würde das also mehr Altersarmut bedeuten!?

    • @Ralf S.:

      Konkret geht es aber eher um Menschen die sich, teilweise mit meheren Minijobs, mehr schlecht als recht über Wasser halten.



      Bei Ihnen geht es ja eher um eine Zusatzrente. Ich weiß nicht wie alt Sie sind aber bei 300,- monatlich zusätzlich in ETFs von Altersarmut zu sprechen hört sich für die, die nicht einmal 300,- in die gesetzliche Rente einzahlen können, wie Hohn an.

      • @nepp:

        "..Konkret geht es aber eher um Menschen die sich, teilweise mit meheren Minijobs, mehr schlecht als recht über Wasser halten...."



        Mehrere Minijobs gleichzeitig? Sobald man in Summe über 603 € kommt, werden alle Jobs regulär steuer- und sozialversicherungspflichtig. Dass es sowas gehäuft geben soll, haben Sie sich doch ausgedacht.

    • @Ralf S.:

      Keine Sorge, bei gleichem Stundelohn spart ihr Arbeitgeber gegenüber einem mini-Job sogar wenn es ein regulärer SV-Job auf Stundenbasis wird. Er kann sogar ihren Stundenlohn um 10% erhöhen, ohne dass es ihm wehtut.

  • Der Sozialstaat erwürgt sich jetzt schon selbst:

    Minijobs sind Nebenjobs. Durchschnittseinkommen beträgt in Deutschland 57.408 EUR. Alleinstehenden zahlen da 40% Steuern auf jeden zusätzlichen EUR. Wer 400 EUR mehr verdienen will, zahlt 160 EUR Lohnsteuer und rund 80 EUR Arbeitsnehmersozialabgaben. Die Arbeitgeberin zahlt 80 EUR Arbeitgebersozialabgaben. Macht 480 EUR Arbeitgeberkosten. Arbeitnehmer bekommt 160 EUR raus. Auf die Arbeitgeberkosten also rund 33% Sozialabgaben, 33% Steuern, 33% netto.

    Mit Minijob bekommt Arbeitnehmer 400 EUR raus. Arbeitgeber bezahlt zusätzlich rund 125 EUR Sozialabgaben. Außerdem noch 25 EUR an das Lohnbüro. Arbeitnehmer kostet also 550 EUR. 27% gehen für Nebenkosten drauf.

    Unsere Industrie verliert gerade den internationalen Wettbewerb. Mehr Sozialstaat seh ich da nicht als die Lösung.

    Frau Bachmann kann ich nur zustimmen.

    Ein weiteres Problem: ich wohne im durch die Automobil- und Schmuckkrise geplagten Süddeutschland. Ich würde gerne eine Putzhilfe anstellen, meine Bekannte ebenfalls. Man bekommt hier aber keine Haushaltshilfen auf Minijobbasis, alle bisherigen Kandidaten wollten schwarz arbeiten.

    • @Martin M:

      Nebeneinkommen heißt oft genug: Der Mann hat einen regulären Job, die Frau einen Minijob. Damit hängt die soziale Absicherung komplett am Job des Mannes.

  • Die Aussage



    " Minijobs bedeuten Altersarmut. Punkt."



    ist einfach sachlich falsch.



    Minijobs eröffnen Schüler:innen, Studis und Rentner:innen, sowie Menschen, die in ihrem Hauptjob mit dem Mindestlohn bezahlt werden, oder aber scheinselbstständig arbeiten müssen, ihr Einkommen signifikant zu verbessern.



    Gerade in Ballunsggebieten, wo man alleine fürs Wohnen inzwischen über 40% des Haushaltseinkommens zahlen muss, sind für viele solche Jobs unentbehrlich - vor allem, wenn dann noch Wohngeld gekürzt wird.



    Auf lange Sicht haben Schüler:innen, Studis die Perspektive, gut bezahlte Arbeitsplätze zu erhalten.



    Für Rentner:innen wäre der Wegfall der Minijobs wirklich fatal.



    Und die prekären Hauptjobs? Die werden prekär bleiben und zu Altersarmut führen, Minijobs hin oder her.

    • @Neville Longbottom:

      Also sind Minijobs zwingend notwendig, um unser kaputtes Rentensystem und Immobilienspekulanten zu subventionieren? Wenn sie das so formulieren, ergibt das natürlich total Sinn.

  • Als 47-jährige alleinstehende volle Erwerbminderungsrentnerin muss ich mit einer kleinen Rente auskommen. Aus gesundheitlichen Gründen ist mehr als ein Minijob (< 10 Stunden pro Woche) für mich nicht zu schaffen. Solche Teilzeitstellen gibt es nicht. Ohne Minijob kann ich meinen Lebensunterhalt nicht bestreiten. Er ist für mich kein Zubrot, sondern existenziell notwendig, um meine Miete und die Lebenshaltungskosten zu bezahlen. Wer denkt bei der Debatte an all die Rentner mit kleinen Renten, die sich nur dank der Möglichkeit, einen Minijob auszuüben zu können, über Wasser und am Leben halten?

    Ein anderer Aspekt: ich arbeite in einem kleinen Selbsthilfeverein in der Verwaltung und Buchhaltung. Der Verein ist ein wichtiger Teil der Zivilgesellschaft. Ohne geringfügig Beschäftigte könnte er nicht existieren, da sie den Ehrenamtlern den Rücken frei halten und die bürokratischen Notwendigen erledigen.

    Die Argumentation in dem Artikel empfinde ich als übergriffig. Es braucht m.E. die flexiblen Rahmenbedingungen eines Minijobs zur Aufbesserung kleiner regulärer Einkünfte dringend, da für viele das teurer gewordene Leben sonst unerschwinglich geworden ist.

    • @Katharina Bachmann:

      Trifft es denn die Rentner? Die zahlen doch eh keine Rentenbeiträge auf ihr Arbeitseinkommen. Oder irre ich michvda?

    • @Katharina Bachmann:

      Mir geht es da ähnlich.



      Zudem soll dann noch das Wohngeld zusammengestrichen werden.



      Ich hoffe, dass das Problem in der Politik noch auffällt.

    • @Katharina Bachmann:

      Ich stimme Ihnen zu. - Schon wieder wird unterstellt, gerade Frauen seien nicht in der Lage, die Konsequenzen ihrer Entscheidungen abzusehen, das finde ich ebenfalls übergriffig. Es sollte doch reichen, immer wieder auf diese möglichen (in bestimmten Konstellationen auch wahrscheinlichen) Konsequenzen hinzuweisen. - Ich vermute, dass sich mit der Abschaffung der Minijobs ein Teil der bisher so erledigten Aufgaben auf gewöhnliche unselbständige Arbeit verlagern wird (was in diesem Fall ja erwünscht ist), dass sich andere ehemalige Minijobber mit den üblichen Abgaben und Pflichten werden selbständig machen müssen (auch dies vielleicht erwünscht) und viele andere, die das aus verschiedenen Gründen nicht können (Rentner, manche Studierende), schlicht und ergreifend aus dem Arbeitsmarkt gedrängt werden. - Aufgaben auf der einen und Bedürfnisse auf der anderen Seite verschwinden ja nicht, nur weil die Bedingungen, sie zu erfüllen, erschwert werden.

      • @Maira567:

        "dass sich andere ehemalige Minijobber mit den üblichen Abgaben und Pflichten werden selbständig machen müssen"

        Es werden sich sicherlich auch welche ohne die üblichen Abgaben und Pflichten selbständig machen - oder wie der Volksmund sagt: schwarz arbeiten...

    • @Katharina Bachmann:

      "Wer denkt bei der Debatte an all die Rentner mit kleinen Renten, die sich nur dank der Möglichkeit, einen Minijob auszuüben zu können, über Wasser und am Leben halten?"

      Die Autorin zumindest nicht allzusehr. Ñun könnte mensch natürlich argumentieren, dass die Renten hoch genug sein sollten, so dass alle ein angemessenes Leben davon bestreiten sollten könnten, aber das ist leider nicht erwünscht von der reichen Klasse, da dies mit einer stärkeren Umverteilung einherkäme.



      Gleiches ließe sich zum Thema Gehälter und Löhne sagen.

    • @Katharina Bachmann:

      Ich stimme Ihnen zu. Für Rentner, die auf den Hinzuverdienst angewiesen sind, die aber niemand mehr regulär einstellen wird, würde es schwerer, zurechtzukommen.

  • Mit 31,17 % zahlen wir für Minijobber die höchsten Lohnnebenkosten. Zusätzlich fällt noch der Beitrag für die Berufsgenossenschaft an und die Umlagen U1 und U2. Bei 700 EUR brutto sind es 20 %, aber der Arbeitnehmer muss eben auch was einzahlen, wenn auch nur sehr wenig bei so einem Midi-Job.

  • Minijobs bedeuten nicht zwangsweise Altersarmut. Ich habe noch etliche Jahre nach meinem Rentenantritt in der Firma weiter gearbeitet. Ich war um die Kohle froh, der Chef, weil er einen Deppen hatte, der alles erledigte worauf die jungen Dynamiker keine Lust hatten. Außerdem ist mir dadurch ein Teil meines sozialen Umfeldes erhalten geblieben. Vom Feierabendbier bis zur Grillparty.

    • @HerrS:

      Danke für diesen Kommentar. Arbeit und Initiative soll wieder bestraft werden. Und damit die persönliche Freiheit.

  • Jein. Sicher gibt es ein paar Unternehmen, die sich damit zu Unrecht um die Sozialversicherungsbeiträge drücken. Z.B. im Lebensmitteleinzelhandel. Aber was ist mit denen, die sich das schlichtweg nicht leisten können? Was passiert mit dem Preisniveau, wenn Preise entsprechend angepasst werden müssten? Wer bleibt auf den Märkten übrig? Für kleine Dienstleistungsbetriebe wäre das fatal. Das ist Sozialabbau und berücksichtigt nicht, dass das Geld da ist aber in die falschen Kanäle läuft.



    Wir betreiben ein studentisches Cafe an einer Hochschule und geben u.a. Studierenden aus dem Ausland die Möglichkeit über einen Job bei uns anzukommen. Bei den Schichten können wir auf die Studierenden Rücksicht nehmen, weil wir mehrere Verträge gleichzeitig abgeschlossen haben. Das Cafe trägt sich kaum und wenn jetzt die Versicherungspflicht käme, wäre das das Aus.

    • @Michaela Motzko:

      Wieso wäre es das? Sind Sie sicher, dass es teurer wird?



      Bei Minijobs zahlen Sie eine Pauschale, egal wie viel oder wenig die Studierenden gearbeitet haben.



      Bei einem regulären Job zahlen Sie anteilig zum ausgezahlten Gehalt.



      Gerade bei solchen Nebenjobs, bei denen man passend zur jeweiligen Situation mal mehr und mal weniger arbeiten möchte, müsste das doch von Vorteil sein.



      Meinen ersten Studentenjob habe ich aufgrund der Einführung des Minijobs verloren, weil der Supermarkt nur noch Leute wollte, die die vollen (damals) 400 auch erarbeiten wollten. Mit meinen wenigen Wochenstunden lag ich zu weit drunter, um lohnenswert zu sein.

    • @Michaela Motzko:

      "...wenn jetzt die Versicherungspflicht käme, wäre das das Aus."

      Steht bei Herrn Blumenthal genau anders herum. Ich würde sagen, da hat Herr Blumenthal recht.

      www.deutsche-rente...erende_detailseite

      Für die Studierenden hätte eine Umstellung m.E. auch den Vorteil, dass die Höhe der Rentenpunkte wegen der Beitragszahlung zur Versicherung über die sogenannte Gesamtleistungsbewertung als "aufgewertete Monate" steigt.

      Versteht man nicht gleich hat aber m.E. Vorteile für später.

      • @Hans - Friedrich Bär:

        Als Student ist es wichtiger, das Bißchen Geld sofort zu haben, um damit zu reisen, zu leben, auf Veranstaltungen zu gehen. Wenn der Student die vollen Abgaben zahlt, lohnt sich der Job nicht mehr für ihn. Um „Rentenanwartschaften“ aufzubauen hat man auch später Zeit, das kann man selbst in der heutigen Zeit sagen.

        • @Arno Bischopp:

          Ja, das ist die Studi - Perspektive. Da sind +/-50€ ein wahrnehmbarer Unterschied .



          Es ging mir darum, dass Frau Motzko gemeint hat, dass die Umstellung für sie als Arbeitgeberin zu teuer wird. Dass sie das nicht befürchten muss, sondern dass es für sie günstiger wird haben Arbeitgeber hier gesagt. Ich würde sagen, sie könnte deswegen nach der Umstellung auf eine sozialversicherungspflichtige Teilzeitarbeitsstelle das Brutto des stud. Mitarbeiters sogar etwas anheben, dann ist der Mitarbeiter nach der Umstellung Netto wieder in der Größenordnung wie vorher.

          Wenn man später besser verdient kann man "Rentenpunkte" nachbezahlen, das habe ich auch so gelesen.

  • Ein Minijob ist ein Konstrukt für Arbeitnehmer, die nur in geringem Stundenumfang arbeiten wollen. Die brauchen dann nicht so viele Abgaben zu zahlen, weil der Arbeitgeber prozentual mehr zahlt als bei einer SVpflichtigen Beschäftigung. Natürlich heißt ein Minijob "Altersarmut", aber doch nur wegen der geringen Wochenstunden! Wie kann man denn all das unter den Tisch fallen lassen?! Minijobs kommen v.a. den Wünschen der Arbeitnehmer entgegen, nicht denen der Arbeitgeber.

  • Beim Minijob zahlt übrigens der Arbeitgeber 31% pauschale Steuern. Das heißt die Lohnkosten unterscheiden sich von denen des Midijobs auch nur marginal. Das Problem ist also nicht dass der Arbeitgeber dadurch Geld spart, sondern das Geld einfach nicht in den dazugehörigen Sozialkassen landet. Mich wundert, dass das in den Diskussionen so oft unerwähnt bleibt. Wissen das die Leute etwa nicht?

    • @Edgar:

      Danke!

  • Eine Minijobber*in kostet das Unternehmen bei 603,-€ brutto und gut 187,-€ Pauschalabgaben, unter anderem an die Rentenversicherung, ca 795,-€. Eine sozialversicherungspflichtige Anstellung bei 604,-€ brutto kommt hingegen nur auf ca. 750,-€ Arbeitgeber*innenbelastung. Der Minijob ist also für das Unternehmen teurer als die normale Beschäftigung. Es kommt aber mehr netto bei den Beschäftigten an. Deswegen sind Minijobs bei diesen beliebt. Für die Unternehmen ist der finanzielle Vorteil bei gleichem Bruttolohn nicht gegeben, sie haben aber den Vorteil, dass der höhere Nettolohn für die Beschäftigten attraktiver ist. Ich habe ein kleines Unternehmen und mache daher Minijobs nur, wenn die Beschäftigen dies ausdrücklich wollen.

    • @Oliver Blumenthal:

      Der Minijob war nicht für eine gewerbliche Beschäftigung von Personen im Erwerbsalter gedacht. Ich würde sagen, es gibt individuelle Vergleichsvarianten, ihr Vorgehen ist aber viel verantwortungsvoller.

  • ... ein, in allen Punkten, richtiger Kommentar.



    "Minijobs bedeuten Altersarmut. Punkt." Alles um diese Aussage-herum-Argumentieren vernebelt nur diesen Fakt.

    • @Fritz Müller:

      Wenn man ausschließlich von einem Minijob lebt, dann ist man nicht nur im Alter arm (gearbeitet hat man übrigens dann auch nicht gerade viel). Aber wer macht das? Das dürften nicht allzu viele sein.



      Beliebt ist der Minijob als Nebenjob bei Berufstätigen, Studenten und Hausmenschen :-)



      Warum: weil man viel Netto vom Brutto hat.

      • @Jens Köster:

        Dafür ist das Brutto von vornherein geringer. Es bleibt nicht unbedingt mehr Netto als bei mormalen Jobs.

    • @Fritz Müller:

      Minijobs sind ja auch nicht dafür gedacht, das ganze Erwerbsleben zu gewährleisten, sondern um flexibel auf Bedürfnisse von ANs und AGs in kurzfristigen Situationen zu reagieren.



      Wer glaubt damit sein Leben zu finanzieren ist vorher fasch abgebogen.

    • @Fritz Müller:

      Ich bin Rentner mit durchschnittlicher Rente - jedenfalls nicht von Altersarmut betroffen - und habe einen Minijob bei dem der Rentenversicherungsbeitrag entrichtet wird.



      Für manche meiner Kollegen ist der Minijob der Zweitjob.

    • @Fritz Müller:

      Minijob bedeutet nur dann Altersarmut, wenn ich mich von der Beitragszahlung zur Rentenversicherung befreien lasse um 18€ im Monat mehr haben will. Wenn ich den Beitrag zahle werden die Minijobjahre voll auf die Versicherungsjahre angerechnet.

      • @Bernd Simon:

        Die 18,- retten vor der Altersarmut? Wieviel Rentenpunkte bekommen Sie denn dafür?



        Erst denken - dann schreiben.

    • @Fritz Müller:

      Arbeitslosigkeit bedeutet auch Altersarmut. Punkt.

      Und wer schon in Altersarmut ist, und sich etwas dazuverdienen möchte, der darf das künftig nicht mehr. Weil ja ein Minijob kategorisch Altersarmut bedeutet.

      "Was? Du bist altersarm? Dann bleibst Du's auch!"

      Herzlichen Glückwunsch zum sozialen großen Wurf(!)

      • @Metallkopf:

        Wenn Sie als Rentner sich etwas dazuverdienen möchten ist es ja dann nicht verboten. Es gibt halt keine pauschale Abgabe mehr. Rentner gewinnen sogar, sie zahlen ja jetzt schon keine Beiträge zur Rentenversicherung, Arbeitslosenversicherung und bis 2000 € keine Steuern.



        Wirtschaft bitte nicht mit Kneipe verwechseln.

    • @Fritz Müller:

      Was sagen Sie den Rentnern, die dank eines Minijobs der Altersarmut ein Stück entkommen möchten?Vernachlässigbar?

      • @Maira567:

        Es sollen ja nicht die Jobs abgeschafft werden, sondern nur die sozialversicherungsrechtliche und steuerliche Ungleichbehandlung.

  • Wenn ich die Übersicht anschaue, wo es Minijobs gibt und wo sie fehlen werden, bin ich sehr skeptisch, ob die angedachte Abschaffung im angedachten und hier auch mitgeteilten Sinne funktioniert.



    www.wlw.de/de/insi...nd-welche-kaempfen



    Außerdem waren sie ja früher auch nicht unbegründet eingeführt worden.



    Bei tagesspiegel.de zu den Folgen:



    "Gleichzeitig würden die Einnahmen der klammen Rentenversicherung steigen – durch die zusätzlichen 3,6 Prozent Beitrag, von denen man sich dann nicht mehr befreien könnte, und durch die insgesamt höheren Löhne.



    Ob dieses Kalkül aufgeht, ist aber offen. Denkbar wäre auch, dass wieder mehr Menschen schwarzarbeiten oder ganz auf den Zuverdienst verzichten würden, den ihnen der Minijob aktuell ermöglicht. Damit wäre weder den Menschen noch den Sozialsystemen geholfen."

  • Der aktuellste Bericht des IAB zum Thema ist von 2021:



    iab-forum.de/minij...g-wird-verdraengt/



    Danach kommt 2018



    iab-forum.de/raus-...kte-fuer-reformen/







    Dort steht, dass die ursprüngliche Absicht des "Minijobs" die Eindämmung der Schwarzarbeit in Privathaushalten war. Das ist, z.B. für den Unfallschutz wichtig.

    Tatsächlich ist es anders gekommen:

    Bei der Minijob-Zentrale sind 6.807.248 Minijobberinnen und Minijobber gemeldet: 6.554.876 im Gewerbe und 252.372 in Haushalten.



    Führender Wirtschaftszweig für Minijobber ist der



    "Handel und die Instandhaltung und Reparatur von Kraftfahrzeugen" (1.041.173).

    Es ist Missbrauch, der eingedämmt werden muss:



    Haushalt , Ein - Mann/Frau Kleingewerbe: ja .



    Gewerbebetrieb: nein.

    • @Hans - Friedrich Bär:

      Minijobs wurden ursprüngli h eingeführt um den Arbeigebern ber Geringbeschäftigten weniger Bürokratie aufzubürden. Weil dies missbraucht wurde, wurden soviele Zusatzregelungen getroffen, dass von geringerer Bürokratie keine Rede mehr sein kann.

    • @Hans - Friedrich Bär:

      Über die wirksame Verhinderung von Missbrauch kann man ja reden. Bloß ist die pauschale Abschaffung sicher der beste Weg das Kind mit dem Bade auszuschütten.

      Ausnahmen sollten möglich bleiben. Speziell für von Altersarmut heute bereits Betroffene.

      • @Metallkopf:

        "Bloß ist die pauschale Abschaffung sicher der beste Weg das Kind mit dem Bade auszuschütten."



        Das stimmt, ich bin nicht persönlich betroffen habe mich aber auch gewundert.



        Ich habe gelesen, dass es Übergangsfristen geben soll.

        Kollege Francesco hat ja geschrieben , dass von geringerer Bürokratie keine Rede mehr sein kann. Kann sein, dass es weiter in die Richtung geht.

        Altersarmut heute ist kein Randphänomen, das sind die Folgen von Agenda 2010, die ab 01.01.2001 alle gesetzlich rentenversicherten Personen traf. Z.B. die gesetzliche Berufunfähigkeitsrente wurde ab 01.01.2001 mit einer leistungsschwachen Übergangsregelung genau so abrupt abgeschafft. Das hat vor allem den handwerklich / gewerblich tätigen Arbeitnehmern finanziell sehr geschadet. Das sind keine Einzelfälle. Wir haben heute monoton die "Dachdeckerdiskussion" bei der Altersgrenze weil es die berufsspezifische Versicherung, mit der die unterschiedlichen Belastungen berücksichtigt werden könnten, nicht mehr gibt.



        Politiker, die in den 90ern die Agenda 2010 im Rahmen ihrer Karriereplanung auf den Weg gebracht haben, sind noch aktiv. Es ist das selbe Muster.

  • Meines Wissens war einer der Gedanken der Minijobs auch, Schwarzarbeit einzudämmen. Das Verfahren bei der Minijob-Zentrale ist relativ unbürokratisch, sodass auch Privatpersonen recht einfach ihre Haushaltshilfe anmelden können, ohne gleich einen Steuerberater mit Lohnbuchhaltung zu beauftragen.

    Wenn man Minijobs abschafft, wird vermutlich ein Teil der Minijobber zukünftig einfach schwarz arbeiten. Dann wird auch nicht in die Rentenkasse eingezahlt.

    • @Theo Weyers:

      Die Regeln für Haushaltshilfen sind noch mal eine Besonderheit. Das hat aber mit dem Kern des Minijobrechts nichts zu tun, sondern kommt hinzu.

  • Ich denke das ist viel zu kurz gesprungen. Wenn man die Minijobs in jetziger Form abschafft, dann hat der Arbeitnehmer per sofort weniger Geld in der Tasche. Dafür wird in das marode Rentensystem eingezahlt, um die derzeitigen Renten zu stützen. Wenn der Arbeitnehmer irgendwann in Rente geht, dann bekommt er auf Basis seines mickrigen beitragsaufkommens eine noch niedrigere Rente. Er wird also ohnehin von der Gesellschaft finanziell unterstützt werden müssen. Seine erworbenen rentenanteile werden dann natürlich angerechnet. Also werden seine zukünftigen monatlichen zahlungseingänge im Rentenalter genauso hoch sein wie heute ohne dass er eine selbst erworbene Rente bekommt. Man kann also sagen, dass er mit neuer Regelung Während des Erwerbslebens weniger bekommen wird Als heute und als Rentner das gleiche. Für die Gesellschaft ist das gut, für den Betroffenen schlecht.

    • @Horst Sörens:

      Zumindest bisher gilt für alle Sozialleistungen: Angerechnet wird nie zu 100%. Wer eigenes Einkommen hat, steht immer besser da als jemand, der kein eignes Einkommen hat. Wir können gerne diskutieren, ob der Abstand groß genug ist. Aber dass der Abstand existiert, ist Fakt.

  • Minijobs sind für Schüler und Studenten oft der Einstieg in den Arbeitsmarkt, für Ältere ein einfacher Zuverdienst. Bürokratiearm, aber nicht bürokratiefrei. Pauschal werden weniger als 30% (187€ bei 603€ Netto) Sozialabgaben und Steuern fällig (also wahrlich nicht null).

    Sollte diese Möglichkeit wegfallen, werden Jobs verloren gehen. 50% Abgaben werden zum Anreiz für Schwarzarbeit. Die ist noch flexibler ...

    • @Leo Onlin:

      Steuerlich ist für Schüler und Studenten in der Regel die normale Besteuerung günstiger, da sie in der Regel unter oder nicht weit über dem Grundfreibetrag liegen.

  • Inzwischen sieht es vielleicht anders aus, es war aber einfach verdientes Geld in der Ehe nach dem Kinderkriegen.

    Mehr wollte ich auch nicht.

  • Das ist m.E. nach zu kurz gedacht. Ohne Minijob hätte ich mein Studium nicht finanzieren können. Und den Job habe ich nur bekommen, WEIL er für die Unternehmen billig ist. Was jetzt blüht: die fehlenden Minijobs werden dadurch ersetzt, dass es die von der CDU heißgeliebte Wochenarbeitszeit gibt und dann alle einfach mehr arbeiten müssen - für kaum mehr Netto. Menschen im Schichtdienst, allen voran die in der Gastro/Hotel/Einzelhandel, werden davon betroffen sein. Und wer wird wieder profitieren? Genau!

    • @RosaProsa:

      Meines Wissens fallen Studentenjobs gar nicht unter die Minijobregeln. Sie sind unabhängig vom Lohn versicherungsfrei, wenn man weniger als 20 Stunden pro Woche jobbt. Und die Lohnsteuer nach Steuertabelle ist günstiger als die pauschale Besteuerung der Minijobs.

    • @RosaProsa:

      Ein Minijob ist für ein Unternehmen nicht billig. Kostet dem Unternehmer ~800€ (AG zahlt Abgaben für Minijobber).







      Bei einem Teilzeitjob würde der AG bei 800€ Ausgaben ne Handvoll Stunden mehr raus bekommen aus dem AN.

      Ein Minijob ist mehr netto für den Arbeitnehmer. Der würde sonst um die 500€ bekommen bei leicht mehr Arbeitsstunden.

    • @RosaProsa:

      Es ist eben nicht billiger für Unternehmen. EIn Minijob kostet ein Unternehmen mehr, als ein vergleichbarer Mitarbeiter mit vergleichbarem Arbeitsvolumen und Einkommen. Der Unterschied ist nur, dass beim Minijob mehr beim Arbeitnehmer ankommt.

      • @Bommel:

        Wenn die Minijobs gestrichen werden und die "normalen" Angestellten dann bei mehr Stunden, evtl. sogar ohne Lohnausgleich, arbeiten dann kostet es die Unternehmen nicht mehr sondern viel weniger.



        Ich kann mir diese Lösung von Unternehmerseite auch gut vorstellen, denn wenns um sparen geht sind die meisten Unternehmen sehr erfindungsreich.



        Und unser Onkel Blackrock findet ja eh, dass wir alle zu faul sind. Dass Unternehmen auch eine Verantwortung und Fürsogepflicht gegenüber Ihren Angestellten tragen werden wir von seiner Regierung niemals hören.



        Sparen geht immer nur in ein Richtung.



        Beispielsweise zahlen die armen Unternehmen ja viel zu viel für den Strom (ich kenne einen der zahlt 10 Cent pro KWh), aber dass der Strom auch für uns viel teurer wurde interessiert niemanden...

        • @nepp:

          Wenn Onkel Blackrock zur Fürsorgepflicht bläst - werden Postämter geschlossen, die Grundversorgung über Bord gekippt usw. usf.

          Letztes Jahr wurde "die Rentenauszahlung" an den Schaltern der Post eingestellt - in Zukunft geht die Rente nur noch aufs Konto.

          Die meisten Banken lehnten vorauseilend schon einmal ab, weil dies wäre ja kein "erzielbares, (und regelmäßig steigendes) Einkommen, mit dem gearbeitet werden könne". Den "korrekten Satz" bitte ggf. selbst recherchieren!

        • @nepp:

          Hinweis für die Stromkosten. Tatsächlich müssen Privatverbraucher in D erheblich mehr zahlen, als Firmen. Unternehmen stehen aber global im Wettbewerb. Und immer mehr Energieintensive Unternehmen wandern ab, weil sie in D aufgrund der Energiekosten (und Arbeitskosten) nicht mehr wettbewerbsfähig sind. Es ist daher nicht zielführend, Privatleute mit Unternehmen zu vergleichen.

      • @Bommel:

        Warum gibt's denn dann soviel davon? Können die Unternehmen nicht rechnen?

  • Mini-Jobs sind für Arbeitgeber sicher kein gutes Geschäft. Pauschale Abgaben von über 30% sind mehr als für einen regulären Job. Warum der Mini-Job Altersarmut bedeutet, bleibt das Geheimnis der Autorin. Klar, wenn ich nur einen Mini-Job habe, lande ich in Altersarmut, aber das ist bei 10 Wochenstunden auch kein Wunder. Wenn ich es als Nebenjob mache, kann ich natürlich privat etwas wegsparen und mehr Rendite bekommen als mit der gesetzlichen Rente.

  • Minijobs wälzen Sozialkosten von Unternehmers auf die Solidargemeinschaft der Arbeitenden ab. Ganz schlechte Idee, die bib auf wenige Ausnahmen beerdigt gehört.

    • @Janix:

      Können Sie Ihre Aussage, dass Minijobs Sozialkosten von Unternehmen (!) auf die Solidargemeinschaft abwäzen, irgendwie argumentativ untersetzen?

      • @Bommel:

        Ja und gerne. Es ist etwas um die Ecke, aber letztlich verständlich:



        Unternehmen zahlen zwar scheinbar bei Abgaben genauso viel, aber niedrigere Löhne + kleiner portionierbar. Darum lassen sich Unternehmen darauf ein.



        Die Arbeitnehmer lassen sich darauf ein, weil ähnlich viel bei ihnen kurzfristig ankommt und dann die Gemeinschaft der Arbeitenden später hoffentlich die Rente aufstockt.



        Geschäft zu Lasten Dritter.

  • Der Quark sollte doch wie dir Hartz Gesetze temporär gelten um die Wirtschaft anzukurbeln zwischenzeitlich lief es und ab dann hat sich die Wirtschaft gern bedient und wir wurden zum Billiglohnparadies.

  • Ich arbeite in einem Minijob.



    Wir haben eine Mehrzweckhalle im Dorf mit Kegelbahn und Veranstaltungsraum.



    Im Winterhalbjahr wird da gekegelt und ganzjährig finden dort privat eingemietete Feiern statt.



    Es ist der gesellschaftliche Treffpunkt unseres Dorfes.



    Für die Endreinigung nach Feiern und hausmeisterliche Tätigkeiten rund um den Kegelbetrieb bin ich auf Stundenabrechnung angestellt.



    Der volle Minijobbetrag kommt seltenst zusammen, meist sind es 20 bis 30 Stunden im Monat.



    Ich mache es sehr gerne, aber vollkommen unentgeltlich wären mir die Wochenenden oder Abende zu schade dafür, das gebe ich ehrlich zu.



    Ein Szenario wie dieses gibt es in unzähligen Gemeinden und Dörfern.



    Eine Abschaffung der Minjobs ist eine offene Kriegserklärung gegen das soziale Miteinander kleiner Gemeinden.



    Minijobs sind unersetzlich.

    • @Astrid Sehnefeld:

      Klassische Anstellung für 30 Monatsstunden wäre aber für die Gemeinde / Vereine sogar billiger als der Minijob. Gerade, wenn Sie ihn nicht voll ausnutzen.



      Nur weil es den Minijob nicht mehr geben soll, heißt das ja nicht, dass es auch keine Teilzeit mehr geben darf.

      • @Herma Huhn:

        Ja aber es wäre "teurer" für Frau Sehnefeld weil weniger Netto übrigbleibt. Schwarzarbeit würde dadurch für beide Seiten attraktiver - wahrscheinlich nicht in diesem konkreten Fall.

      • @Herma Huhn:

        Steht in den goldenen Büchern, als nächster Debattenpunkt, Frau Huhn!

        War schon bei der Ampel ein Thema.

        Begründung: Man könne nicht zu mehr Leistung, und Mehrarbeit, aufrufen, wenn gerade die Frauen (!) sich in der Teilzeit "ausruhten" - wurde halt für die Allgemeinheit ein wenig entschärft.

  • Och nö!



    Ich würde empfehlen, Minijobs sollten aufgewertet werden.



    Nämlich indem sie grundsätzlich zu MidiJobs werden, und somit die optionale Einzahlung in die eigene Rente zur Regel wird.



    Mit der Abschaffung der Minijobs hat die alleinerziehende Mutter , die vormittags kassiert, nicht plötzlich am Nachmittag Zeit um die 8 Stunden voll zu kriegen.



    Außerdem sind die relativ geringen Hürden für eine Einstellung in einen Minijob besser als dann drohene illegale Beschäftigung.



    Dass Privatmenschen ihre Putzfrau ganz legal anmelden können, war ein Fortschritt!

    • @Philippo1000:

      Das hat doch mit den allgemeinen Minijobregeln gar nichts zu tun.

    • @Philippo1000:

      Gerade die alleinerziehende Mutter braucht einen Job in dem sie eigene Rentenanwartschaften erwirbt. Zu gleichen Teilen gezahlt von ihr und dem Arbeitgeber.

      • @Life is Life:

        Ich bin alleinerziehende Mutter mit sozialversicherungspflichtiger Anstellung, also eigenen Rentenanwartschaften. Die Stelle möchte ich nicht in Vollzeit ausüben, da psychisch sehr belastend. Anstelle meines Minijobs könnte ich auch Wohngeld, Kinderzuschlag etc. beantragen und die Sozialkassen noch ein bisschen weiter belasten. Es gibt jede Menge Menschen, denen es der Minijob ermöglicht, nicht von Sozialleistungen abhängig zu sein. Die pauschale Abschaffung halte ich deshalb für wenig weitsichtig.

    • @Philippo1000:

      Illegale Beschäftigung ist eine Straftat. Und natürlich müssen diejenigen, die sich eine Putzfrau leisten, diese anmelden. War schon immer so.

      Und natürlich muss kontrolliert werden. Man weiß ja eigentlich, wo man suchen muss.

      • @warum_denkt_keiner_nach?:

        Tja,



        Natürlich sprechen wir hier von illegaler Beschäftigung.



        Wenn es den Arbeitgebern aber leicht gemacht wird, ziehen sie vielleicht die legale Option in Erwägung.

        • @Philippo1000:

          Aha. So machen wir das jetzt auch mit Diebstahl 😁

  • Ein Midijob ist wesentlich attraktiver für einen Arbeitnehmer. Voller Sozialversicherungsschutz und voller Rentenanspruch trotz veringerter Abgaben.

  • Etwas mehr differenzieren



    Viele alte Menschen haben eine Haushaltshilfe auf Minijob-Basis, weil sie so altersbedingt trotzdem noch in den eigenen 4 Wände leben können. Wollen sie diesen Menschen die Selbstständigkeit nehmen, indem sie ALLE Minijobs abschaffen?

    • @Hans Dampf:

      Diese Arbeitsverhältnisse lösen sich doch nicht in Luft auf. Es sollen nur anständige Sozialversicherungbeitrage gezahlt werden.

    • @Hans Dampf:

      Wer sind denn diese alten Menschen?

      Und warum sollen die billigen Haushaltshilfen in Armut leben, wenn sie selbst Rentner werden?

  • Man hat das leider sehr lange so laufen lassen, bin gespannt, ob da wirklich was passiert. Vielleicht braucht es aber eine Übergangsregelung, weil doch viele so über die Runden kommen. Z.B. auch Studenten und vielleicht auch manche Unternehmen, die auch nicht so leicht umstellen können? Ja die taz hat auch den Artikel mit dem Fallstricken.

    Aber ich stimme 100% zu, weil die Anreize total falsch sind und immer schon waren.

  • Ich würde zumindest befürworten, sie z.B. für Studierende zu ermöglichen. Es macht schon viel aus, da mal einen Job ausüben zu können, von dem nicht alles direkt abgezogen wird. Um je an eine Rente denken zu können, muss man erstmal bis dahin überleben...

    • @ImInternet:

      Wenn bei den einen michts abgezogen wird, müssen die andern, mit regulären Jobs mehr zahlen oder für alle kommt weniger raus.