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Fußball-WM 2026, alle SpieleDeutschland raus, Niederlande raus, Brasilien noch drin

Puh, was für eine Nacht. Paraguay und Marokko gewinnen im Elfmeterschießen. Japan verliert in letzter Minute.

104 Spiele werden bei dieser WM der Superlative gespielt. Jedes hat seinen besonderen Moment. Auf dem Feld, in der Kneipe beim Public Viewing oder zu Hause beim Checken der Ergebnisse nach dem Aufstehen. Das WM-Team der taz sammelt sie ein.

Niederlande – Marokko 2:3 n.E. (1:1, 0:0)

Die Sonne steht in Mitteleuropa schon hoch am Himmel, als Bono, der marokkanische Torwart, beim Elfmeterschießen im mexikanischen Monterrey den ersten Ball hält. Der Marokkaner Ismail Saibari, der in den Niederlanden spielt, nutzt kurz darauf seine Chance und schießt sein Land ins Glück. Zuvor hatten beide Mannschaften jeweils drei Elfer verschossen, den Ball übers Tor oder an den Pfosten gesetzt, eine Rekordfehlerquote.

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Die taz bei der Fußball-WM

Der Ball ist rund und die taz ist ihm dicht auf den Fersen. Unsere Reporterin Alina Schwermer ist auf einem Roadtrip (meist) per Bus und berichtet in Reportagen und in ihrem Blog – manchmal auch aus den Stadien, aber noch viel öfter über alles drumherum. Alle Spiele werden von ausgeschlafenen tazler:innen für Sie hier in „Alle Spiele“ kurz zusammengefasst. Dann gibt es das ganz geheime Tagebuch von Fifa-Dingsbums Gianni Infantino. Und alles andere rund um die WM finden Sie hier.

Niederlande gegen Marokko, das ist ein Spiel von besonderen Brisanz. Denn Marokkaner bilden in den Niederlanden eine der größten Einwanderergruppen und stehen dort traditionell im Zentrum von hässlichen „Integrationsdebatten“, und im aktuellen Team von Marokko spielen insgesamt drei Spieler, die in den Niederlanden geboren sind; das Verhältnis beider Länder ist ungefähr so wie das zwischen Deutschland und der Türkei.

Das Duell der beiden Länder ist über weite Strecken von Kampf geprägt, wobei die Marokkaner streckenweise geradezu Sturm auf das holländische Tor laufen. Aber es sind dann die Niederlande, die in der 72. Minute in Führung gehen, als Cody Gakpo einen kurios verstolperten Angriff von Summerville vollendet und damit das Spiel auf den Kopf stellt. Denn die Niederländer sorgen vor allem mit ihren fluoreszierenden Trikots für Glanz, nicht durch ihr Spiel. In leuchtendem Orange sehen sie aus wie wandelnde Neon-Leuchtstäbe auf einer Techno-Party – oder wie riesige Textmarker, die Augenkrebs verursachen. Während man beim Zuschauen in einen dösigen Dämmerschlaf fällt, setzen sie im Traum orangefarbene Ausrufezeichen.

Zum Glück gelingt Issa Diop in der 90. Minute, kurz vor Beinahe-Schluß, noch der Ausgleich für Marokko, der Gerechtigkeit herstellt. Doch die Verlängerung bringt keine Entscheidung. Den Rest erledigt der Fußballgott, der sich für das Elfmeterschießen noch die besondere Pointe ausgedacht hat, dass der holländische Torwart den Ball von Rahimi, den er zunächst pariert, noch ins eigene Tor durchrutschen lässt.

Das Herkunftsland vieler niederländischer „Gastarbeiter“ in Nordafrika triumphiert damit über das einstige Anwerbeland im Norden Europas. Marokko trifft nun in der nächsten Runde in Houston, Texas auf den WM-Gastgeber Kanada. (bax)

Deutschland – Paraguay 3:4 n.E (1:1, 0:0)

Nach einer halben Stunde begannen die deutschen Fans „Schwarz-Rot-Gooold“ zu skandieren. Drei Worte, die sich dafür nur sehr bedingt eignen. Vielleicht war den Fans angesichts des steinern ideenarmen Ballgeschiebes der Deutschen einfach langweilig. Paraguay mauerte, die Deutschen hatten den Ball, aber wussten nicht, was damit zu tun wäre. Ein Fall von Amnesie. Kann man Kicken verlernen? Ist das nicht so wie Schwimmen oder Radfahren?

Man mochte an 2012 denken, als der glänzende FC Barcelona mit Messi bei Celtic Glasgow 2:1 verlor, obwohl Barcelona fast 90 Prozent Ballbesitz hatte. Celtic hatte den Ball nur beim Anstoß, beim Wegschlagen und halt bei den beiden Toren. So ist es auch in Boston. Beim ersten Angriff Paraguays schlägt gleich der Blitz ein. 0:1. Kimmich & Co wirken hilflos. Irgendwie mitleiderregend unfähig, so etwas wie eine Chance zu kreieren. Man möchte sie trösten. Oder schütteln. Immer abwechselnd.

Trainer Julian Nagelsmann flucht und schaut so aggro drein, als würde er am liebsten den Nächstbesten verprügeln. Diese Mixtur von Ungeduld, Herablassung und Glaskinn erinnert ein wenig an Friedrich Merz. Auch kein gutes Zeichen.

In der zweiten Halbzeit steht die halbe Elf von Bayern München auf dem Feld. Neuer, Tah, Pavlovic, Kimmich, Goretzka, Musiala. Bayern-Block. Das machen deutsche Nationaltrainer oft wenn die Ratlosigkeit wächst. Aber leider fehlen ja die Superstars von Bayern: Oliseh, Kane und Diaz.

Nach mehr als zwei Stunden jagt Jonathan Tah den Ball beim Elfmeterschießen Richtung Dach des Gillette Stadium in Boston und beendet eine Legende. Dass Deutschland bei Weltmeisterschaften Elfmeterschießen immer gewinnt. Es gibt in Deutschland 2026 ein „Es geht bergab“ Grundrauschen. Das schmucklose, schnelle WM-Aus passt in diese Gefühlslage.

Ein Trost bleibt. Der Sieger dieses Matches hat vermutlich nur das Recht erkämpft, im Achtelfinale gegen Frankreich untergehen zu dürfen. (sr)

Einen ausführlichen Spielbericht lesen Sie hier.

Brasilien – Japan 2:1 (0:1)

Was für ein Timing! In der letzten Minute der Nachspielzeit setzt Gabriel Martinelli den Ball so souverän in die Ecke des japanisches Tors, als wäre er gerade beim Probetraining. Kurz darauf ist das Spiel zu Ende, und der Favorit eine Runde weiter. Eine Punktlandung. Der Biergarten in Berlin-Schöneberg, in dem sich viele Schlachtenbummler in Deutschland-Trikots schon auf das nächste Spiel freuen, jubelt für Brasilien.

Japan hat zwar aggressiv und bissig begonnen, wird aber sehr rasch in die eigene Hälfte zurück gedrängt, stellt sich dort tief auf und wagt nur vereinzelte Konter. Die aber sind gefährlich: In der 29. Minute fängt Kaishu Sano einen brasilianischen Fehlpass ab, sprintet durchs Mittelfeld und platziert einen präzisen Weitschuss ins Eck. Brasilien dominiert zwar fast das gesamte Spiel über, aber die brasilianischen Spieler erwecken zu oft den Eindruck, als wollten sie den Ball am liebsten ins Tor dribbeln: ein altes Laster. Erst in der 56. Minute gelingt Casemiro per Kopf der Ausgleich. Danach erhöht seine Mannschaft allmählich den Druck auf die Japaner und schnürt sie immer enger in ihrem Strafraum ein, eine Art Fußball-Bondage.

Das Brasilien-Trikot haben die meisten Geschäfte bei dieser WM gar nicht vorrätig. Denn Brasilien ist diesmal kein Favorit, und die Mannschaft hat auch keinen unangefochtenen Superstar mehr wie Ronaldo, Ronaldinho oder zuletzt Neymar, der als prominenter Werbeträger während des Turniers von allen Plakatwänden strahlt. Doch Trainer Ancelotti hat aus seinen Spielern ein Team geformt, das nach Startschwierigkeiten gegen Marokko immer besser ins Spiel gefunden und sich stetig gesteigert hat. Superstar Neymar darf auf der Bank bleiben, er fungiert eher wie ein Glücksbringer als wie ein Joker. Wer jetzt noch kein Brasilien-Trikot hat, sollte sich jetzt eines zulegen, bevor sie vergriffen sind. (bax)

Südafrika – Kanada 0:1 (0:0)

Lauter Beinahe-Tore! So lautet meine Zusammenfassung dieses ersten Sechzehntelfinales der (vermute ich zumindest) Fußballgeschichte. Mal drückte Co-Gastgeber Kanada, mal sah es aus, als dominiere 2010-Gastgeber Südafrika. Aber wie man ein WM-Tor schießt, wussten beide nicht. Einer musste jedoch letztlich weiterkommen, denn das Ding heißt ja nicht umsonst K.o.-Runde, und folglich haute in der Nachspielzeit der Kanadier Stephen Eustaquio den Ball volley ins südafrikanische Netz: 1:0. Ein verdient-unverdienter Sieg (oder aus südafrikanischer Perspektive formuliert: eine unverdient-verdiente Niederlage). Nun muss Kanada im Achtelfinale gegen den Sieger aus Niederlande-Marokko beweisen, dass es doch weiß, wie man Tore schießt. Ich glaub’ ja nicht dran. (makr)

Algerien – Österreich 3:3 (1:1)

Als Riyad Mahrez in der dritten Minute der Nachspielzeit die Kugel zum 3:2 für Algerien versenkte, war allen, die es mit Österreich hielten, klar: Das war's. Aus. Vorbei. 28 Jahre mussten die Österreicher auf eine WM-Teilnahme warten – und dann knipste Algerien ihnen kurz vor dem Einzug in die K.-o.-Phase die Lichter aus. Denkste. Denn was dann passierte, hatte alles, was ein WM-Klassiker braucht. Die Nachspielzeit war eigentlich schon abgelaufen, Österreich bekam ein letztes Mal den Ball nach vorne. Flanke. Kopfball. Sasa Kalajdžić. 3:3. Österreich rettet sich in letzter Sekunde auf Platz zwei der Gruppe und zieht tatsächlich ins Sechzehntelfinale ein. Bist du denn deppert? (Rico Setz)

Jordanien – Argentinien 1:3 (0:2)

Als die Partie im Stadion von Dallas pünktlich um 23 Uhr Ortszeit Buenos Aires angepfiffen wurde, herrschten in der argentinischen Hauptstadt kühle 12,4 Grad. Da das Weiterkommen Argentiniens als Gruppenerster schon feststand, und auch die Messi-Festspiele eine Pause einlegten, war Public Viewing unter freiem Himmel keine Attraktion. Lionel Messi saß zur Schonung für kommende Aufgaben auf der Bank, weshalb Giovani Lo Celso den Freistoß in der 19. Minute und Lautaro Martínez den Elfmeter in der 31. Minute zur 0:2-Pausenführung verwandeln durften.

Jordanien kam verbessert aus der Kabine, hatte seine besten 15 Minuten und Musa Al-Taamari gelang das wunderschön herausgespieltes 1:2. Zur Freude des Publikums wurde Messi in der 60. Minute eingewechselt. In der 80. Minute setzte Messi dann selbst einen tollen Freistoß zum 1:3 ins Netz. Fazit: Argentinien kann Standards auch ohne Messi und Jordanien ist ausgeschieden.

Bemerkenswert: Da hat der Präsident des argentinischen Fußballverbands Claudio Tapia wohl wieder ein Geschäftchen gemacht. Mit Baldo ist eine brasilianische Yerba-Mate-Marke offizieller Sponsor der Albiceleste. In Argentinien ist der Matetee aus heimischer Ernte fester Bestandteil der alltäglichen Identität. Die muss bei dieser WM ohne argentinische Yerba-Mate klarkommen. (jüvo)

DR Kongo – Usbekistan 3:1 (0:1)

Nach 52 Jahren erstmals wieder bei einer WM und dann auch noch Favorit. DR Kongo ist anfangs etwas überfordert mit dieser Rolle und muss in der Halbzeitpause über einen unerwarteten Rückstand grübeln. Verpassen sie die historische Chance, sich erstmals für die K.o-Runde zu qualifizieren? Ein Elfmeter und ein unglücklich abgefälschter Ball helfen, die Partie zu drehen und wieder zu eigenem Selbstvertrauen zu finden. Gegen England am Mittwoch hat man nun wahrlich wieder gar nichts zu verlieren.

Kolumbien – Portugal 0:0 (0:0)

Ach, rasant soll es zugegangen sein, bei dieser Partie in der Nacht? So können Ergebnisse täuschen. Mein erster Eindruck war, dass beide Teams bereits bei Anpfiff mit ihren voraussichtlichen Gegnern in der ersten K.o.-Runde bereits zufrieden waren, also Kolumbien mit Ghana und Portugal mit Kroatien. Aber irgendwie kann einem das eigentlich bei diesen Optionen auch egal sein. Warum also nicht jeweils in die Offensive gehen. Angst konnten sie ihren kommenden Gegnern allerdings nicht machen. (jok)

Kroatien – Ghana 2:1 (1:0)

Kroaten starten mit drei Punkten, Ghanaer mit vier Punkten. Die Anfangsphase verläuft plätschernd, bis der Kroate Petar Sučić die Lücke zwischen den Beinen von Ghanaer Luckassen anzielt und zufällig auch noch das Tor trifft. Danach gibt es einige aussichtsreiche Gelegenheiten auf beiden Seiten, jedoch will der Ball nicht ins Netz – bis auf einmal der Ex-Herthaner Derrick Luckassen in der 77. Minute den Ausgleich erzielt. Die Kroaten, die nicht Dritter in der Gruppe werden wollen, schieben dann nochmal alles vor. Mit Erfolg: Flanke, Kopfball und Tor von Nikola Vlašić zum 2:1. Kroatien sichert sich einen soliden zweiten Gruppenplatz hinter den englischen Löwen.

Panama – England 0:2 (0:0)

Harry Kane hat geliefert. Mit seinem Treffer zieht der Bayern-Stürmer in der ewigen WM-Torschützenliste Englands an Gary Lineker vorbei und steht nun bei elf WM-Toren. Beeindruckend. Doch was bringt dem bescheidenen Kane dieser Rekord, wenn er am Ende – genau wie Lineker – den WM-Pokal nicht ins Mutterland des Fußballs bringt? Vielleicht schafft Kane es dann wenigstens in eine Neuauflage von „Three Lions (80 Years of Hurt)“: „But I still see that tackle by Moore, and when Kane scored, Bobby belting the ball, and Nobby dancing.“ Zugegeben, das klingt längst nicht so eingängig wie das Original. Dann doch lieber den WM-Titel. Die erste Hürde ist jedenfalls geschafft.

Ägypten – Iran 1:1 (1:1)

Was für ein Jubel. Das Spiel ist weit in der Nachspielzeit. Chaos vor dem ägyptischen Tor. Der Torhüter irgendwo, wo er nicht sein sollte. Und der Ball plötzlich im Tor. Shoja Khalilzadeh hatte geschossen. Jubel im Team Iran. Der Schütze reißt sich das Trikot vom Leib und nimmt die fällige gelbe Karte dankend an. Dann meldet sich der VAR. Abseits. Ein halber Schuh war zu weit vorn. Ägypten war eh weiter. Und Iran? Mal sehen.

Beide Teams jedenfalls haben das soganannte Pride Match in Seattle ohne erkennbare Schäden für die Seeelen der Spieler überstanden. Die Stadt hatte zum Regenbogenfest geladen. Es sollte ein offizielles Fest der Vielfalt werden. Dagegen hatten die Verbände aus Iran und Ägypten protestiert. Kein Wunder, in beiden Ländern gibt es Gesetzte gegen Homosexualität. Und die Fifa, die die WM so gerne als Fest der Vielfalt bezeichnet? Die sagte plötzlich, das Spiel sei eine ganz gewöhnliche WM-Paarung. Am Ende waren neben den Fahnen Irans und Ägyptens jede Menge Regenbogenfarben auf den Rängen zu sehen. (arue)

Belgien – Neuseeland 5:1 (1:0)

41 Sekunden. Mehr Anlauf brauchte Romelu Lukaku nicht. Kaum auf dem Platz, schraubte sich der 1,91 Meter große und 91 Kilogramm schwere Belgier im Strafraum am höchsten, köpfte zum 4:1 ein und bugsierte die „Roten Teufel“ an die Gruppenspitze. Eigentlich nichts Neues – genau für solche Momente hat Belgien schließlich seine persönliche Lebensversicherung. Das Kuriose: Der Angreifer der SSC Neapel hatte verletzungsbedingt in dieser Saison bis dahin gerade einmal 40 Minuten auf dem Platz gestanden. Von fehlendem Rhythmus? Keine Spur. Seinen Torriecher hatte Belgiens Rekordtorschütze offenbar einfach konserviert. (Rico Setz)

Kap Verde – Saudi-Arabien 0:0 (0:0)

Cabo Verde, der Fußballzwerg, den eben noch niemand kannte und den jetzt plötzlich alle lieben, gegen die Ölmacht Aramco (Staatsname Saudi-Arabien): David gegen David – wer wird Zweiter und darf sich mit Goliath Argentinien in der nächsten Runde messen? Spätestens als Spanien im Parallelspiel gegen Urúguay führte, war klar: Hier in Houston wird es eine Sensation geben.

Die Saudis versuchten es mit fantasielosem Zeitlupenfußball. Cabo Verde: leidenschaftliches Verteidigen, vor allem diverse dicke Konterchancen, ein klares Chancenplus am Ende und dazu mit Pedro Leitao Brito, eine Art Atlantik-Buddha, den coolsten Coach seit Erfindung des Trainerscheins. Und Mama Vozinha, die beim Tribünenhüpfen jünger aussieht als ihr goalkeepender Sohn Josimar José Évora Dias (40). Der konnte erneut beweisen, dass man – anders als ein bekannter anderer – auch in diesem Alter souverän halten kann.

Kap Verde bleibt die einzige Mannschaft bei diesem Turnier, die noch nie ein WM-Spiel verloren hat. Sehr irre alles. Jetzt also in Miami (ausgerechnet) gegen den Weltmeister, 4. Juli, 0 Uhr, high midnight. Die Messis zittern. (müll)

Und noch einer: Kap Verde!!! Wow: Eines kleinsten Länder, das je an einer Fußballweltmeisterschaft teilgenommen hat, schreibt weiter Geschichte. Mit dem dritten Remis im dritten Gruppenspiel bleibt Kap Verde die einzige Mannschaft auf der Welt, die bei einer WM noch nie ein Spiel verloren hat. Wie schon den früheren Weltmeistern Spanien und Uruguay gelang es auch Saudi-Arabien nicht, das Team um den 40-jährigen Torwart Vózinha zu bezwingen. Mit dem zweiten 0:0 schaffte es Vózinha dabei abermals, ohne Gegentor vom Platz zu gehen – etwas, wovon beispielsweise Deutschlands Manuel Neuer nur träumen kann.

Als Tabellenzweiter hinter Spanien zieht Kap Verde damit in die K.o.-Runde ein, wo nun im Sechzehntelfinale der amtierende Weltmeister Argentinien wartet. Wieviele Paraden Vózinha wohl gegen Messi gelingen werden? Auf jeden Fall ist jetzt alles möglich. Denn schließlich hat Italien bei der WM 1982 bewiesen, dass man mit drei Unentschieden und nur zwei geschossenen Toren in der Vorrunde sogar Weltmeister werden kann. Dass es heutzutage Italien nicht einmal zur WM geschafft hat, während Kap Verde immer noch dabei ist, hätte sich damals allerdings niemand träumen lassen. (pab)

Uruguay – Spanien 0:1 (0:1)

Uruguay hätte eine Chance gehabt weiterzukommen. Dafür hätten sie mitspielen müssen. Habe sie aber nicht. Spanien hatte auch keine Lust. Dass der Europameuster dann dich gewonnen hat, dafür sorgte der Keper Uruguays Fernando Muslera, der einen Schuss, der eigentlich ein Schüsschen war, passieren ließ. Kleine Gemeinheit gefällig? Den hätte sogar Manuel Neuer gehabt. Der Rest ist kaum einer Erwähnung wert. (arue)

Frankreich – Norwegen 4:1 (3:1)

Ich sitze fünf Meter vom Bildschirm entfernt an einem Tisch auf einer Pariser Terrasse und versuche, dem Gespräch mit einer Freundin zu folgen. Eigentlich ist das Thema ziemlich ernst. Es geht um Rassismus und wie dieser auch im Schulsystem „Buuuut!“ Plötzlich jubelt die gesamte Terrasse und übertönt ihre Stimme. Frankreich hat gerade das vierte Tor erzielt. Als der Schiedsrichter eine Minute später abpfeift, brandet Applaus auf. Schon zur Halbzeit war das Spiel Frankreichs gegen Norwegen entschieden.

In ihrem Mbappé-Trikot reckt meine Freundin beide Arme hoch. Doch heute Abend ist Ousmane Dembélé der Star des Spiels. „Der Mann meines Lebens“, scherzt sie sogar. Bereits in der vierten Minute erzielte Dembélé den Führungstreffer. Und dann zwei weitere – in der 20. und auch in der 32. Minute. Der zwischenzeitliche Anschlusstreffer der Norweger änderte daran nichts mehr. Das letzte Tor von Désiré Doué in der fünfminütigen Nachspielzeit setzte den Schlusspunkt zum Sieg.

Auch bei den Paraden von Torwart Mike Maignan – vor allem, als er gleich zu Beginn der zweiten Halbzeit einen Elfmeter hielt – sprangen einige Fans zu „Allez!“ und „Bravo!“ von ihren Stühlen auf.

Mit den blau-weiß-roten Fahnen auf den Wangen und Retro-Trikots von Frankreichs letzten WM-Titeln 2018 und 1998 stehen später die Fans auf die Métro-Bahnsteig. Nach dem Erfolg gegen Norwegen beendet Frankreich die Gruppenphase als Tabellenführer. In der Hitze der französischen Hauptstadt fällt es schwer, einen kühlen Kopf zu bewahren. Gerne träumt man in Frankreichd von, dass „Les Bleus“ im Turnier noch viel weiter kommen. Wenn das Sechzehntelfinale gegen Schweden am Dienstag die Euphorie nur nicht abkühlt. (Gabrielle Meton)

Senegal – Irak 5:0 (1:0)

Wieder so ein Spiel, das man sich leider nirgends anschauen kann, wenn man kein Magenta hat. Dafür ist es DIE letzte Chance für Senegal, es überhaupt noch irgendwie in die K.o.-Runde zu schaffen. Gönnen würde man es dem Afrika-Cup-Gewinner, ja doch, jedenfalls. Doch selbst, wenn sie gegen Irak gewinnen ist das Weiterkommen nicht sicher. 1:0 ploppt es schon vier Minuten nach Anpfiff im unteren Eck der Frankreich-Norwegen-Übertragung auf. Und dann plötzlich 2:0, 3:0, 4:0, 5:0. Es gab wohl auch eine rote Karte für einen irakischen Spieler, sehe ich später, und die letzten beiden Tore der Senegalesen waren traumhaft. Senegal kann also weiter hoffen. Ich drücke die Daumen. (rlf)

Türkei – USA 3:2 (2:1)

Die magische Zahl der Türkei bei dieser WM? Ganz klar: 65. So viele Torschüsse brauchte es nämlich, bis das Team endlich aufs Zählbrett kam. Nachdem sie sich gegen Paraguay und Australien mit satten 64 Versuchen die Zähne ausgebissen hatten und das Aus bereits besiegelt war, platzte gegen die bis dahin ungeschlagenen US-Boys der Knoten – mit Schuss Nummer 65. Und weil Warten offenbar hungrig macht, legten die Türken direkt nach: Auch Nummer 66 saß. Der letzte Treffer fiel schließlich mit Torschuss Nummer 73 und bescherte der Türkei doch noch den ersten WM-Sieg. Besser zu spät als nie. (Rico Setz)

Paraguay – Australien 0:0 (0:0)

Oh je! (jok)

Japan – Schweden 1:1 (0:0)

Der Gewinner wird Vizegruppensieger. Schweden, nach einem 5:1 und 1:5 torlustig unterwegs bei dieser WM, Japan aber auch grundsolide. Beide behaupten, gewinnen zu wollen. Zu sehen ist davon aber wenig. Und zu merken ist auch für die Fans im Stadion, dass beiden ein Remis weiterhelfen würde. Kaum Chancen und ein Hin und her, erst nach der Halbzeit, in der 56. Minute, fällt das erste Tor durch Daizen Maeda dank eines vorangegangenen schönen Kombination. Kurz darauf ballert der Skandinavier Anthony Elanga dann mal einfach so auf den japanischen Kasten und erzielt dabei mit einem traumhaften Schlenzer den Ausgleich. Die angespornten Schweden drücken dann nochmal, es passiert jedoch nichts mehr. Japan ist nun auch so Vizegruppensieger und Schweden kommt selbst als Dritter weiter. (Benjamin Ruwwe)

Tunesien – Niederlande 1:3 (0:2)

Die Fairnessdebatte bleibt der Fifa erst einmal erspart. Stundenlang war das Wetter Hauptthema, die Behörden warnten vor extremem Unwetter mit Überschwemmungen. Während im völlig unmaßgeblichen Berlin bei übertriebener Sonne geschwitzt wird, zeigen Bilder auf Social Media in Kansas City eine Fanmeile unter völlig dunklem Himmel, mit strömendem Regen und Blitzen im Hintergrund, die dann auch schon um 14 Uhr Ortszeit gesperrt wird. Bis klar ist, dass das Match überhaupt und dann auch noch zeitgleich mit dem anderen Gruppenspiel beginnen kann, gilt vor Ort: Warten in der Sintflut. Zum Glück auch für die Verantwortlichen klappt’s dann doch, die Niederländer haben also keinen Vorteil gegenüber den Japanern, die im Parallelspiel gegen Schweden ebenfalls noch auf den Gruppensieg hoffen. Spätestens ab dem Eigentor des Ex-Kölner Ellyes Shkiri im tunesischen Trikot in der 3. Minute spielt die Elftal mit Tijjani Reijnders als unermüdlichem Antreiber das Spiel aber souverän runter und verteidigt Platz 1. Nach der schon nicht einfachsten Gruppe F wartet nun im Sechzehntelfinale am 29. mit Marokko ein echter Kracher – wieder in einer Hurricane-Zone, nämlich in Monterrey. (bw)

Curacao – Elfenbeinküste 0:2 (0:1)

Schwierig das Spiel überhaupt zu schauen, es spielt ja schließlich zeitgleich auch Deutschland. Heißt: der Späti gegenüber zeigt auch nur das Deutschlandspiel. Magenta-Zugang habe ich nicht, bleibt mir also nur der Kicker-Liveticker. 1:0 steht es direkt nach dem ersten Schuss der Ivorer aufs Tor. In der zweiten Halbzeit fällt auch noch das 2:0. Beide Tore macht Nicolas Pépé. Und bald steht fest, dass „die blaue Welle“ Curaçao wieder nach Hause fahren muss. Die erste WM des Inselstaats ist vorbei und sie haben sich wacker geschlagen. Auch bei ihrem vorerst letztem WM-Spiel gegen die Elefanten, sehe ich dann später bei der Kurzzusammenfassung. Da gab es einige gefährliche Torchancen, vor allem für Tahith Chong. Leider geht keine rein. Schade. Dafür ist die Côte d'Ivoire weiter. Und das auch noch punktgleich mit Deutschland. (rlf)

Ecuador – Deutschland 2:1 (1:1)

Mein Motto dieser WM: Gewinnen sollen die, die sich am schönsten und lautesten freuen. Und deswegen war bei diesem Spiel schnell klar, wer es für sich entscheiden sollte.

Kurz sah es nicht gut aus – als Sané nach nicht mal 120 Sekunden Deutschland mit einem Treffer in Führung schickte. Fair war das nicht. Aber zum Glück machte die Mannschaft danach einen Fehler nach dem anderen – und nicht mal Superstar Deniz Undav konnte etwas reißen. Als in der 19. Minute Nilson Angulos den Ausgleich schoß, war die Freude so groß, dass die Fans vielleicht für den bislang lautesten Moment der WM sorgten. In der zweiten Halbzeit setze Gonzalo Plata gleich nochmal einen drauf – und das Publikum auch.

Unvorstellbar, wie laut es würde, wenn Ecuador die WM für sich entscheiden würde. Ich drücke ihnen die Daumen. Doch für die Bewertung dieses Spiels reichen die Worte des Torschützen Plata: „Es war ein wunderbares Spiel und ein wunderschönes Erlebenis.“ (cas)

Tschechien – Mexiko 0:3 (0:0)

Nach der Türkei scheidet mit Tschechien erneut ein europäisches Team aus, das nicht konkurrenzfähig ist. Wer sich das Turnier übersichtlicher wünscht, sollte vielleicht einmal über die Reduzierung europäischer Starterplätze nachdenken. Mexiko hatte keine Probleme sich für das Sechzehntelfinale ein weiteres Heimspiel im Aztekenstadion zu sichern. Gegen den Sparringspartner aus Tschechien konnte sich Trainer Javier aguirre auch erlauben, seiner Torhüterlegende Guillermo Ochoa ein Geschenk zu machen. Er wechselte den 40-Jährigen in der 78. Minute ein und so kann in den Rekordbüchern nun festgehalten werden, dass er bereits bei seiner sechsten Weltmeisterschaft das Tor hütete. Freilich wurde er nach der Partie von seinem Teamkollegen deshalb durch die Luft geworfen. Der Sieg gegen Tschechien war da schon längst nebensächlich. (jok)

Südafrika – Südkorea 1:0 (1:0)

Die Generalprobe ging daneben. Der für die kommenden schwülen Nächte aufgestellte Ventilator nervte nur, zu laut, trockene Augen, unruhiger Schlaf. Hmmm. 5.27 Uhr? Gute Zeit für einen müden Blick in die App – und zack, wach! Südafrika schlägt Südkorea? What? Die Zusammenfassung bei den Öffis zeigt, wie die Nr. 12, Thapelo Maseko, absolut sehenswert den Ball annimmt, den schon knienden Unglückswurm Jens Castrop (Borussia Mönchengladbach!) tunnelt und trifft. Krass. Südkorea schafft nur 3 Punkte in der Gruppenphase und muss zum Weiterkommen auf viele schlechtere Gruppendritte hoffen. Aber Bafana Bafana ist zum ersten Mal überhaupt in einer KO-Runde. Ab jetzt wird einfach nachts gar nicht mehr geschlafen. In welcher Kiste steckt eigentlich die Vuvuzela? (bw)

Marokko – Haiti 4:2 (2:2)

Eines der Spiele, bei denen man sich nachträglich wünscht, man würde aus einer anderen Zeitzone zuschauen. Haiti hat eigentlich nichts mehr zu gewinnen (bzw. zu verlieren) und Marokko möchte den Gruppensieg. Den schafft das nordafrikanische Team am Ende nicht, aber trotzdem: was für ein Spiel. Haiti verabschiedet sich mit einem Knall und führt große Teile der ersten Halbzeit sogar. Wilson Isidor haut das 2:1 für Haiti mit einer Präzision und Wucht aus über 20 Meter in Netz – ein Traum. Zur Pause überkommt mich der Schlaf, deswegen gibt's die zweite Halbzeit nur in der Zusammenfassung beim Frühstück. Die war wohl auch sehr sehenswert. Ach ja, und am Ende hat Marokko noch zwei Tore gemacht und doch gewonnen. (rlf)

Schottland – Brasilien 0:3 (0:1)

Das konnte ja nicht gut ausgehen. Die Fifa hatte den Schotten verboten, in Kilts anzutreten, weil Röcke „unmännlich“ seien. Deshalb haben sie sich ein ums andere Mal in den ungewohnten Turnhosen verheddert. Darüber hinaus musste der Torwart seinen Dudelsack, mit dem er den brasilianischen Stürmern Furcht einflößen wollte, in der Kabine zurücklassen. Dabei heißt das Instrument nicht umsonst „War Pipes“, es hat den Schotten in der Schlacht von Bannockburn gute Dienste erwiesen, als sie auf den Tag genau vor 712 Jahren unter Führung von Robert Bruce einen entscheidenden Sieg gegen ein erheblich größeres englisches Heer errangen.

Wenigstens konnte die „Tartan Army“, wie die Fans der Fußballmannschaft genannt werden, in den USA in voller Montur antreten. In Boston und nun auch in Miami schlug ihnen eine Welle der Zuneigung entgegen, obwohl die Einheimischen schon morgens um sechs von ohrenbetäubenden Dudelsackklängen geweckt wurden. Der schottische Tourismusverband erwartet, dass es demnächst einen Ansturm von US-Touristen geben wird, die das Land erkunden wollen, aus dem diese seltsamen Menschen stammen.

Vor zwei Jahren hat das ja auch geklappt. Bei der Europameisterschaft in Deutschland wurden die Schotten zu den besten Fans gewählt, und prompt verdoppelte sich die Zahl der deutschen Schottland-Besucher. Bei der Frage, aus welchem Land man gerne einen engen Freund hätte, landete Schottland damals auf Platz zwei. Solange dieser Freund seinen Dudelsack im Koffer lässt. (Ralf Sotscheck)

Bosnien-Herzegowina – Katar 3:1 (2:1)

Edin Dzeko stapfte in der 63. Minute stinksauer vom Platz, pfeffert die Wasserflasche auf den Rasen, lieferte ich einen Schlagabtausch mit seinem Trainer Sergej Barbarez. Er wollte nicht verstehen, warum er ausgewechselt wurde. Keine 20 Minuten später erlebte er, wie der für ihn eingewechselte Mahmic das entscheidende Tor (3:1) zum Sieg der Bosnier schoss, die nun darauf hoffen können, als beste Dritte im Turnier zu bleiben. Die emotionalen Reaktionen und Tränen der bosnischen Spieler nach dem Abpfiff und die tausenden Fans im megalomanen Stadion von Seattle, die das traurigschöne Lied „Ljiljani“ der bosnischen Chansonlegende Halida Bešlić sangen, versöhnten mit dem recht ideenlosen Spiel des Teams. (akr)

Schweiz – Kanada 2:1 (0:0)

Die erste Halbzeit war geprägt von einem sehr schönen Fest auf der taz-Dachterrasse, bei dem wir Kol­le­g*in­nen uns selbst bei Pizza und Bier für 50.000 freiwillige Teil­neh­me­r*in­nen am „taz zahl ich“-Programm beglückwünschten. Gut, dass auch der WM-Ticker der Fernsehanstalten im Nachhinein in den ersten 45 Minuten keine wirklichen Highlights bei diesem Spiel um den Gruppensieg in der Gruppe B verzeichnen konnten, bei dem es um das Recht ging, auch in der nächsten Runde im kanadischen Vancouver bleiben zu dürfen.

Pünktlich zum Wiederanpfiff, der Autor sitzt im Uber mit einem überaus sportinteressierten aus dem Irak stammenden Fahrer, fällt das 1:0 für die Schweiz, gut 10 Minuten später, wir diskutieren über seine Überzeugung, dass Frankreich spätestens im Achtelfinale rausfliegt, fällt das 2:0. Der Schweizer Star Johan Manzambi ist an beiden Toren beteiligt, am zweiten als Schütze. Irritierend: das vollkommen rot gekleidete Stadion – weil halt beide Mannschaften eigentlich rot tragen. Nochmal 20 Minuten später trifft auch die aufdrehende kanadische Mannschaft, aber das Aufbäumen kommt zu spät. Kanada spielt die nächste Runde in den USA, die Schweizer bleiben in Kanada. (pkt)

Kolumbien – Kongo 1:0 (0:0)

Mpasi. Mpasi. Mpasi. Immer wieder scheitern die überlegenen Kolumbianer an Kongos Torwart Lionel Mpasi. Ob mit Fernschüssen, Kopfbällen oder aus der kurzen Distanz. Mpasi wehrt alles ab. Nur einmal titscht er so an den Ball, dass der doch ins Netz fliegt. Aber da entscheidet der Schiri auf Abseits. Das geht so bis zur 76. Minute. Da fällt ein Kolumbianer an der Strafraumkante. Aber bevor es lange Diussionen gibt, ob das nun eine Schwalbe war oder nicht, nimmt Munos den Ball und schlenzt ihn an Mpasi vorbei. 1:0. Dabei bleibt es.

Für die Kolumbianer ist es der erhoffte Sieg, der sie nicht nur vorzeitig für die K.O.-Runde qualifiziert, sondern im Land nach der Präsidentschaftswahl für die benötigte thematische Abwechslung sorgt. Kongo kann sich bei einem Sieg im dritten Gruppenspiel gegen Usbekistan noch auf das Weiterkommen hoffen. (ga)

Panama – Kroatien 0:1 (0:0)

Beide Teams punktlos, wer verliert ist raus. So etwas möchte natürlich ein gewisser Luka Modrić in seinem 200. Länderspiel gar nicht erleben, aber Außenseiter Panama wiederum hat nichts zu verlieren und spielt auch so. Sie drücken nach vorne und geben eine Sondertrainingsstunde für Kroatiens Torwart Livaković. Chance nach Chance, Kroatien mehr Ballbesitz, Panama gefährlicher. Und doch trifft in der 54. Minute der Kroate Ante Budimir zum 1:0 und Panama ist nun in die Enge getrieben. Von dort suchen sie verzweifelt nach einem Ausweg, doch Kroatiens Keeper hat sich in eine Krake verwandelt. Die Kroaten feiern ihr Weiterkommen, die Panamaer betrauern ihren WM-Abschied. (Benjamin Ruwwe)

England – Ghana 0:0 (0:0)

Gedanken, die kommen, während auf dem Spielfeld keine Highlights zu sehen sind. Warum, sinniere ich, geht eigentlich das Gros der hiesigen fußballerischen Schlaumeier davon aus, dass England in diesem Spiel favorisiert war, Ghana hingegen Außenseiter? Warum, fragen sich bei der ARD Tom Bartels und Bastian Schweinsteiger, warum macht England nicht mehr? Herrje. Zehn der elf Spieler in Ghanas Startelf spielen in europäischen Proficlubs; auch Manchester City ist dabei. Warum also kommt England nicht zu torgefährlichen Szenen? Weil Ghanas Spieler wissen (und dieses Wissen auch fußballerisch anwenden), wie man gegen die Three Lions spielt. Harry Kane nicht zum Schuss kommen zu lassen, das ist beispielsweise so ein Mittel. Tja, so mache ich mir halt Gedanken, weil es doch an spielerischen Momenten sehr mangelt. (makr)

Portugal – Usbekistan 5:0 (3:0)

Portugal ist zurück. Nein, Cristiano Ronaldo ist zurück.

Nach dem enttäuschenden 1:1 zum Turnierauftakt gegen die DR Kongo fegten die Portugiesen – ach was, fegte Ronaldo – über die Auswahl aus Usbekistan hinweg. 5:0 stand am Ende auf der Anzeigetafel. Und wer bis dahin immer noch nicht verstanden hatte, worum es an diesem Abend eigentlich ging, bekam die Botschaft von Ronaldo höchstpersönlich in die laufende TV-Kamera serviert: „I am back.“

Er kann es einfach nicht lassen, dieses riesige Ego hintenanzustellen. Nach dem Führungstreffer zum 1:0 jubelte er zunächst pflichtbewusst mit der gesamten Mannschaft. Schließlich waren die Portugiesen, insbesondere Ronaldo, nach dem schwachen Auftakt ordentlich in die Kritik geraten. Doch kaum war der Teamjubel erledigt, musste der Superstar selbstverständlich noch einmal allein die Bühne betreten und seinen Jubel dem gesamten Stadion präsentieren. Beim zweiten Treffer zum 3:0 sparte er sich den Umweg über das Fußvolk dann direkt. Warum auch Zeit verlieren?

Und als Krönung folgte nach Abpfiff die maximale Portion Selbstdarstellung. Eine völlig normale Reaktion für einen 41-jährigen Mann mit gesundem Selbstwertgefühl, der damit der ganzen Welt zeigte: Der Stachel über Lionel Messis neu aufgestellten WM-Torrekord sitzt offenbar ziemlich tief. (Rico Setz)

Jordanien – Algerien 1:2 (1:0)

Für Europäer, die sich für den Nabel der Fußballwelt halten, ist dieses WM-Spiel eine Zumutung. Für Jordanien, die bereits beim Auftakt Österreich nicht gut aussehen haben lassen, wäre es beinahe ein besonderes Kapitel in der Fußballgeschichte gewesen. Der Führungstreffer durch Niza Al-Rashdan in der ersten Halbzeit kommt zwar slapstickartig zustande, aber bekanntlich zählt nur das Ergebnis und das lautet lange Zeit 1:0. Algerien kann dann in der zweiten Hälfte doch das Spiel wenden und die Blamage abwenden. (jok)

Norwegen – Senegal 3:2 (1:0)

Die Norweger mit ihrem Ausnahmespieler Erling Haaland treffen auf die Senegalesen mit ihrem Ausnahmespieler Sadio Mané. Zunächst passiert erstaunlich wenig, bis in der 43. Minute endlich der Norweger Marcus Pedersen mit seinem Treffer das wegschlummernde Publikum aufwecken kann.

Nach der Pause geht es so richtig los. Haaland will sowieso nicht zurückstehen und trifft zum 2:0 in der 48. Spielminute. Ab da geht es im 5-Minuten-Takt: in der 53. Minute verkürzt der Senegalese Ismaila Sarr zum 1:2, Haaland trifft zum 3:1 in der 58. Minute. Nach einer torlosen Etappe trifft dann der Senegalese Sarr in der 93. erneut, nun aber zum Endstand. Die Nordeuropäer, glücklich und gut bedient, gewinnen mit einem Tor Abstand und müssen so gewiss erst einmal keine Flugtickets nach Hause buchen. (Benjamin Ruwwe)

Frankreich – Irak 3:0 (1:0)

Das sollte nun wirklich endgültig genug Trinkpause gewesen sein. Knapp zwei Stunden mussten die beiden Mannschaften nach dem Halbzeitpfiff in der Kabine auf den Wiederanpfiff warten. Grund dafür war ein Unwetter in der Umgebung des Stadions in Philadelphia.

Als hätte der Fußballgott endlich einmal von seiner Macht Gebrauch gemacht und sämtliche Trink- und Werbepausen des gesamten Turniers auf einen Schlag abgearbeitet. Doch dabei hatte er die Rechnung ohne seinen selbsternannten Stellvertreter auf Erden, Gianni Infantino, gemacht. Der roch sofort die Werbeeinnahmen, die sich mit einer verlängerten Halbzeitpause generieren lassen. Ab der Weltmeisterschaft 2030 dauert die Halbzeitpause deshalb eine halbe Stunde – das habt ihr nun davon. Und die Trinkpausen gibt es natürlich trotzdem weiterhin. (Rico Setz)

Argentinien – Österreich 2:0 (1:0)

Die Messi-Festspiele gehen weiter: Die argentinischen Fans machten die Partie im Stadion von Dallas zu einem Heimspiel ihrer Albiceleste. Dass Lionel Messi in der 7. Minute einen Foul-Elfmeter neben den Pfosten schoss, verursachte dennoch einen Knacks, von dem sich Messi und seine zehn Mitspieler bis zur 32. Minute nicht wirklich erholten. Die Österreicher nutzten die Lähmungsphase der Argentinier nicht, drängten nach vorne, blieben im Sechszehner aber harmlos. Und dann war es wieder Messi, der in der 38. Minute eine schöne Kombination mit einem satten Schuss zur 1:0-Pausenführung abschloss. In der zweiten Hälfte blieb Österreich weiter harmlos und Argentinien gefährlich. In der Nachspielzeit war es wieder Messi, der mit dem 2:0 den Schlusspunkt setzte. Argentinien ist vorzeitig für das Sechzehntelfinale qualifiziert und Messi mit 18 WM-Toren alleiniger Rekordschütze.

Bemerkenswert: In Argentinien macht die KI selbst vor der Ikone Diego Maradona nicht halt. In den Trinkpausen wirbt sein KI-generierter Avatar für einen Wettanbieter mit Worten wie „Si el mundo quiere venir a cortarnos las piernas… – Wenn die Welt uns die Beine amputieren will…“. Mit dieser Metapher hatte der echte Maradona seinen Ausschluss von der WM 94 wegen Dopings kommentiert, um jetzt KI-generiert doppeldeutig nachzulegen „…le vamos a demostrar que acá se juega con pelotas – …dann werden wir ihr zeigen, dass hier mit Bällen/Eiern gespielt wird.“ (jüvo)

Ägypten – Neuseeland 3:1 (0:1)

Die Pharaonen gegen die Kiwis also. Mumifizierte Könige gegen komische Vögel. Was wären die Ticker der Sportportale nur ohne die Spitznamen der Teams. Ein Pharao aus dem Team wird in der modernen Fußballsprache gerne mal Vintage-Stürmer genannt. Jener Mo Salah, der schon als sehr junger Mann so alt ausgesehen hat, wie er heute ist (34), bereitete den Ausgleich zum 1:1 für Ägypten vor und schoss das 2:1 höchstselbst. Er ist mit drei Toren nun der WM-Rekordschütze der Ägypter. Ach, was wäre so eine WM nur ohne Rekorde! (arue)

Uruguay – Kap Verde 2:2 (2:1)

Auch vor seinem zweiten Spiel war Uruguay gewarnt: Die Mannschaft aus Kap Verde hatte dem WM-Favoriten Spanien zum Auftakt ein 0:0 abgerungen. Dass aber das Team von der Inselgruppe vor der Nordwestküste Afrikas in der 21. Minute in Führung ging, überraschte dann doch: Kevin Pina setzte einen direkten Freistoß durch die löchrige Mauer ins Tor. Es dauerte bis zur 44. Minute, bis die Uruguayer die 5-4-1-Formation der Kapverdier knackten. Maxi Araujo markierte den Ausgleich, und in der 5. Minute der Nachspielzeit drehte Agustin Canobbio mit dem 2:1 noch vor der Pause das Spiel. Pfiff. Halbzeit im Hard Rock Stadium in Miami.

Wiederanpfiff. Uruguay setzte nach, wollte den dritten Treffer und die Entscheidung, als in der 61. Minute plötzlich Uruguays Keeper Fernando Muslera 25 Meter vor seinem Kasten auftauchte, um vergeblich einen Fehlpass seines Mitspielers Mathias Olivera zu korrigieren. Diesen erwischte Helio Varela, der den Ball aus 18 Metern elegant zum Ausgleich ins leere Tor schlenzte.

Es begann ein spannendes Hin und Her mit Chancen auf beiden Seiten, bis der Schlusspfiff die nächste Überraschung dieser WM besiegelte. Und während die Kapverdier zum großen Jubeln schlicht zu platt waren, waren die Gesichter der Südamerikaner so lang wie der Río Uruguay.

Bemerkenswert: Uruguays Trainer Marcelo Bielsa will kein Model sein. Beim offiziellen FIFA-Fotoshooting für die WM schaute der 70-Jährige demonstrativ nicht in die Kameralinse, sondern auf seine Fußspitzen. Darauf nach dem Auftakt-Unentschieden gegen Saudi-Arabien angesprochen, konterte er: „Ich bin kein Model.“ (jüvo)

Belgien – Iran 0:0 (0:0)

Moment des Spiels war gleich der Beginn vor dem Großbildschirm im Restaurant meines Campingplatzes „Au Vieux Moulin“ im belgischen Sippenaeken nahe Aachen. Kaum drei Dutzend Menschen sind zusammengekommen. Früher waren hier immer überall Rote Teufel, groß und klein, jung und alt, eine karnevalistische Campingcommunity, locker 150 Leute.

Die beiden Halbzeiten füllten die Zeit zwischen Public Saufing und Disco-Gewummer vor und nach dem Spiel, auch in der Halbzeitpause: Fußball? Interessiert hier nur am Rande. Immerhin sind manche heute nur angetrunken.

Erstmals wurde die belgische Generation Geheimfavorit (weiter dabei de Bruyne, Meunier, Witsel, Tielemans, Courtois, Sturmkoloss Lukaku) vor dem Turnier nirgends als Geheimfavorit genannt. hilft bislang auch nicht. Gegen den Iran kontrolliert überlegen zwar, aber merkwürdig emotionsarm wie das stets zerknitterte Gesicht ihres Altstars Kevin de Bruyne.

Die vorne wie hinten massiv kopfballstarken und giftharten Regimebüttel des Iran hatten früh fast geführt, aber Arschbackenabseits. 2. Halbzeit: notbremsenrot für Belgiens Nathan Ngoy, danach wollte niemand mehr das Nulnull gefährden. 2 Stunden Ödnis. Beide sind mit zwei Punkten noch im Turnier, bereit für weitere mühsame Auftritte. (müll)

Spanien – Saudi-Arabien 4:0 (3:0)

Endlich. Natürlich schießt Lamine Yamal das erste Tor für Spanien bei dieser WM. Und danach ist das Spiel eigentlich auch schon entschieden. Oder wie der Kommentator richtig meint: „Spanien spielt, als wären sie bei einem Trainingsspiel gegen Stangen.“ Es zieht sich alles trotzdem noch etwa 80 Minuten. Die Spanier schießen zwei weitere Tore und die Saudis eins – ein Eigentor. Spanien erspart sich wohl die Blamage als Favorit schon in der Vorrunde auszuscheiden. Hätte auch 10:0 enden können. (rurelf)

Tunesien – Japan 0:4 (0:2)

Das 1.000. Spiel in der Geschichte von Fußball-Weltmeiserschaften – Tunesien gegen Japan – war sicherlich ein Feuerwerk der Emotionen, mit raffinierten Fouls, grandiosen Trinkpausen und pfiffigen Abseitsstellungen. Allein, in der ARD lief am Sonntagmorgen „Dahoam is Dahoam“, im ZDF „Wickie und die starken Männer“ und das Spiel nur in diesem zu boykottierenden Abofallenlivestream.

Eigentlich schade. Schließlich waren Teile des Boulevards ganz narrisch auf die Partie im mexikanischen Monterrey, weil sich die Ehrenpräsidentin des Ikebana-Verbands Ikebana International, die japanische Prinzessin Hisako von Takamado, als Besucherin angekündigt hatte. Für zusätzliche Vorfreude sorgte ein als profunde Quelle weltweiten Ballwissens geschätzter Kommentator im Freundeskreis, der schon mit Blick auf das vorangegangene Spiel Tunesien gegen Schweden geurteilt hatte: „Die Tunesier stellen sich richtig dämlich an.“ Und dass schon ein Unentschieden gegen die „laufstarken und disziplinierten“ Japaner eine Riesenüberraschung sei.

Die Überraschung fällt aus. Tunesien verliert gegen Japan mit 0:4 und ist damit ausgeschieden, das Ikebana-Prinzessinnen-Team dagegen eine Runde weiter. Dem verschriftlichten Liveticker des ZDF darf zwar entnommen werden, dass das 1.000 Spiel der WM-Geschichte zwischendrin mal mehr und dann wieder weniger ereignisreich war. Wir behaupten trotzdem ungesehen, dass es irre spannend gewesen sein könnte. (rru)

Ecuador – Curaçao 0:0 (0:0)

Ach guck! Nach einem Blick in die Fußball-App meines Vertrauens am frühen Morgen weiß ich, dass Deutschland nun als Gruppensieger schon vor dem letzten Spiel feststeht. Und das Spiel selbst? Keine Ahnung. Halb so schlimm, oder? Es war dies der erste Punkt für Curaçao in der WM-Geschichte. Schön. Aber auch irgendwie egal. Und jetzt erstmal ein Kaffee. (arue)

Deutschland – Cote d'Ivoire 2:1 (0:1)

Erst erhebt der Kommentator seine Stimme, dann jubeln die Gäste vor der Bar, schließlich hupt ein Auto. Irgendwer zündet fünf Böller. Offenbar hat das deutsche Team nun doch noch ein Tor geschossen.

Ich mag Fußball sehr gerne. Deshalb schaue ich bei dieser WM kein einziges Spiel. Boykott, wegen der Ticketpreise, Werbepausen und dieses peinlichen Friedenspreises für den US-Präsidenten. Wie das Deutschlandspiel läuft, bekomme ich trotzdem mit. Die Bar zwei Ecken weiter hat ordentliche Lautsprecher und ein emotional involviertes Publikum.

Wenige Minuten nach Anpfiff gibts vermutlich die erste Chance, auf jeden Fall die ersten Schreie. „Ja! Nein! Oh mein Gott!“ Es ist sehr schwer, nicht den Stream zu öffnen und nach der Szene zu suchen. Kurz nach der Halbzeit: etwas Klatschen vor der Bar, zu wenig für ein Tor. Vielleicht hat der alte Neuer einen gehalten. Oder steht Baumann im Kasten?Zweimal keimt Jubel auf und stirbt plötzlich. Es läuft nicht so gut wie letzte Woche. Erzielt Cote d'Ivoire einen Überraschungserfolg? Doch dann jubelt das Publikum vor der Bar. Es ist fast Mitternacht, ein paar Männer skandieren: „Deutschland! Deutschland!“ Einer ruft: „Deniz Undav, hab ichs gesagt?“ Kurz danach kommt die Eilmeldung, Deutschland gewinnt gegen Cote d'Ivoire. (dmn)

Niederlande – Schweden 5:1 (2:0)

Was ein Spektakel! Und endlich Kandidaten für die nächste Lieblingsmannschaft bei dieser WM. 5:1 gewinnt die Niederlande gegen Schweden. Ein Doppelpack von Brian Brobbey noch vor der ersten Trinkunterbrechung, ein zweiter von Cody Gakpo gleich nach der Halbzeitpause, und nach dem zwischenzeitlichen Anschlusstreffer durch Anthony Elanga macht Crysencio Summerville den Schlussstand perfekt. Jeder einzelne Treffer absolut sehenswert, die Torhüter immer machtlos. Aber die bloße Aufzählung gibt den Spielverlauf kaum wieder. Denn der war viel bunter, viel spannender, unterhaltsamer und auch hochklassiger – die ganze Anlage offen mit viel Raum für ideenreiche Spielzüge, Flankenläufe, Doppel- und Dreifachpässe (und natürlich auch für Patzer).

20 Minuten dominierte die Elftal, dann wurde Schweden für den Rest der ersten Hälfte das stärkere Team, und auch in der zweiten ging es munter hin und her. Wobei es schon irgendwann so aussah, als könnten die Niederländer jederzeit wieder die Kontrolle übernehmen, wenn sie denn wollten. Trotzdem 20 Torschüsse der Blaugelben gegen 12 der Elftal, die aber einfach brutal effektiv war – und mit Bart Verbruggen einen an diesem Abend überragenden Torhüter hatten. Zurück zur Frage der Lieblingsmannschaft: Die Niederlande machte einfach Spaß, mit den feinfüßigen Veteranen Frenkie de Jong und Virgil van Dijk, auch mit Denzel Dumfries, der sich hinten manchmal Ärger einfing, dafür vorn mit Assists glänzte. Dazu die starken Torschützen.

Aber allein schon aus Empathiegründen kommen auch die Schweden in Frage, die ihren 5:1-Einstand im ersten Spiel gegen Tunesien egalisiert bekamen, und trotzdem bis zur letzten Minute voll – und immer fair – mit ablieferten. Hängen bleiben hier Yasin Alari und vor allem der flinke und verspielte Elanga. Sie alle möchte man gern weiter sehen. Und noch besteht die Chance, dass dieser Wunsch erfüllt wird. (bw)

Türkei – Paraguay 0:1 (0:1)

Wer Fußball verstehen will – und das gilt bei dieser WM – muss die Regeln drauf haben. Umso schwieger, dass die sich dauernd ändern. Gleich drei neue Regeln prägten das Spiel Türkei gegen Paraguay.

Regel 1: In der Türkei war Rudelgucken verboten. Kurz vor dem Spiel am führen Samstagmorgen mussten auf Anweisung von Innenminister Mustafa Çiftçi (AKP) landesweit alle geplanten Fußball-Übertragungen auf Großbildleinwänden abgesagt werden. So sollen Lärm und mögliche Verkehrsprobleme minimiert werden, um die Kandidaten für die landesweite Hochschulzugangsprüfung YKS (Yükseköğretim Kurumları Sınavı) nicht zu beeinträchtigen. Wahrscheinlich hatte die türkische Regierung so eine Vorahnung. Oder Angst vor ausuferndem Unmut. Oder beides.

Regel 2: Wer beim Fußball quatscht, darf sich nicht mehr die Hand vor den Mund halten – damit man die Lippen lesen kann. Sonst gibt es Rot! Grund für die neue Regel ist die Verhinderung von Rassismus unter Spielern. Das musste der Paraguyaner Miguel Almirón kurz vor dem Pausenpiff erfahren. Er flog vom Platz, weil er bei einem Streit im Pulk die Hand vorm Mund hatte. Merke: beim Gähnen ist das höflich. Beim Fußball nicht. Die zweite Hälfte war die Türkei damit in Überzahl. Geholfen hat es ihr aber nicht.

Regel 3: In der Vorrundentabelle zählt diesmal bei Punktegleichstand nicht wie bei der WM 2022 das Torverhältnis, sondern der direkte Vergleich unter der punktgleichen Mannschaften. Das ist richtig dumm für die Türkei. Die rannte zwar bis zum Abpfiff auf das paraguayishe Tor zu. Kriegt den Ball aber nicht rein. Nun steht sie auf Platz 4 der Gruppe D und wird da auch bleiben. Zwar könnte sie durch einen Sieg gegen Gastgeber USA noch auf 3 Punkte kommen. Aber das sie gegen Paraguay und Australien verloren haben, die daher beide schon 3 Punkte haben, kommt die Türkei an denen nicht mehr vorbei. Heißt: Die Türkei ist draußen nach nur zwei Spielen.

Regel 4: Ist eigentlich keine Regel. Aber frühe Tore sind bei dieser WM gern mal spielentscheidend. Auch hier fiel das einzige Tor – wie bei Schottland gegen Marokko – schon in der 2. Minute. (ga)

Brasilien Haiti 3:0 (0:0)

Matheus Cunha darf dieses Mal von Anfang an spielen und trifft gleich doppelt. Mann des Spiels ist aber Vinicius Junior, der beide Treffer traumhaft schön vorbereitet und dann auch noch selbst trifft. Traumhaft muss es für Vinicius Junior auch gewesen sein, wie viel Platz ihm Haiti jeweils lässt. Nicht nur ich muss mir vorwerfen lassen, während des Spiels geschlafen zu haben. Haiti verdöst die erste Halbzeit, dann fallen keine Tore mehr. (jok)

Schottland – Marokko 0:1 (0:1)

Bin in München, Geburtstagsfest. Viel Wein. Im Hotel wohnt eine schottische Rugby-Mannschaft, die Spieler sind alle identisch mit bunten Hemden und bunteren Hüten gekleidet. Alle hatten weit mehr Alkohol als ich. Einer hat in den Fahrstuhl gekotzt. Morgen früh soll er auf dem Platz stehen. Das Schottland-Spiel wird nur im Pay TV übertragen, gibt es im Hotel nicht. Nach zwei Minuten geht Marokko offenbar in Führung. Zeit, schlafen zu gehen. Sorry. (Ralf Sotscheck)

USA – Australien 2:0 (2:0)

Ein schöner Fußball ist es nicht, den das Team der USA bislang spielt, aber er tut seinen Zweck. Nach zwei Spielen (und Siegen) ist das Sechzehntelfinale schon sicher und die Fans hoffen auf ein summer fairytale. Auch in Seattle gegen Australien half dabei ein frühes Eigentor, diesmal von dem unglücklichen Cameron Burgess, der noch kurz zuvor einen ähnlich vielversprechenden Angriff der Gastgeber mit breiter Brust auf der Torlinie gestoppt hatte.

Danach schnürten die US-Amerikaner die Australier mit vor allem körperlichen Spiel immer enger ein, standen ihnen quasi auf den Füßen. Noch vor der Pause macht Alex Freeman das 2:0 – mit demselben Kopf, mit dem er fünf Minuten vorher gehirnerschütterungsverdächtig mit dem Australier Paul Okon zusammengeknallt war.

In der zweiten Hälfte kamen die Socceroos dann etwas besser ins Spiel, blieben aber harmlos. Gegen Ende wurde nur noch geholzt. Sieben gelbe Karten, fast gerecht verteilt, sprechen für sich.

Die Momente des Spiels hatten mit dem eigentlichen Match nicht so viel zu tun: In der ersten Trinkpause fängt die Kamera mal nicht die Spieler ein, sondern das Publikum, das die Unterbrechung nutzt, um sich in Massen mit noch größeren Massen von Chicken Wings zu versorgen – die hydration break ist also nicht nur für die Werbung, die sich dort platzieren lässt. Und in der Nachspielzeit sitzt plötzlich der bislang unaufgeregt pfeifende deutsche Schiedsrichter Felix Zwayer auf dem Rasen und kommt nicht mehr hoch, ein Krampf, er muss behandelt und mit Elektrolyte versorgt werden. Notiz für die Autorin: Beim nächsten Spiel schauen, ob auch die Schiris die Trinkpause nutzen. (bw)

Mexiko – Südkorea 1:0 (0:0)

Ein halbwegs ordentliches Fußballspiel abliefern und wenn man sieht, dass die Gastgeber einfach nicht in der Lage sind, ein Tor zu erzielen, dann schenkt man ihnen eben eins – höflicher kann man sich einem Gastgeber gegenüber nicht benehmen. Seung-Gyu Kim, der Torhüter Südkoreas, wollte jedenfalls einen Flankenball von Julián Quiñones in der 50. Minute nicht festhalten, um Luis Romo die Möglichkeit zu geben, den Ball ins Tor zu schießen. So kann Mexiko Weltmeister werden, anders wohl eher nicht. (arue)

Kanada – Katar 6:0 (3:0)

Mein ganz persönlicher Spielmoment war ein falscher Augenblick. Denn ich war noch nicht ganz wach, als ich am frühen Morgen vermeintlich las, das Spiel sei torlos, null zu null, geendet. Ach, dachte ich mir, nix verpasst, und las mir die Spielzusammenfassung durch, die ich im Halbschlaf nicht kapierte: lauter Tore wurden aufgelistet, ja, sogar der Begriff „rauschendes Fußballfest“ fiel. Erst sehr langsam dämmerte mir: Du hast was verpasst, dieses 6:0 des aktuellen WM-Co-Gastgebers über den Vorgänger-Gastgeber guckst du dir sehr bald an, zumindest sämtliche sechs Tore plus die zwei Roten Karten. (mak)

Schweiz – Bosnien-Herzegowina 4:1 (0:0)

70 Minuten Langeweile, zwei Trinkpausen, mehrere Bosnier und zwei Schweizer werden eingewechselt, kurz darauf fallen drei Tore. Das schönste schießt ein Bosnier, die anderen beiden machen die Schweizer. Kurz vor Schluss gibt es noch eine rote Karte und einen Elfmeter gegen Bosnien zum Endstand von 4:1. Der Star der Schweizer ist ein 20-Jähriger (Johan Manzambi). In Bosnien holte man beim Stand von 2:0 die Landesfahne wieder rein, die man vor dem Spiel stolz hat aus dem Fenster hängen lassen und diskutiert seitdem, ob es fürs internationale Renomée besser gewesen wäre, man hätte den Italiener im Playoff gewinnen lassen. Der Italiener hätte auch nicht schlechter performt, aber als Bosnier hätte immer sagen können: Das hätten wir auch hingekriegt. (dakr)

Tschechien – Südafrika 1:1 (1:0)

Fußball zum Wegschauen! Welch erbärmliche Partie! Der schönste Moment: Eindeutig der Abpfiff von Schiedsrichterin Tori Penso. Als erst zweite Frau überhaupt (nach Stephanie Frappart) „durfte“ sie ein Spiel bei einer Männer-WM pfeifen. Die US-Amerikanerin wurde von den Linienienrichterinnen und Landsfrauen Brooke Mayo und Kathryn Nesbitt unterstützt. Im Unterschied zu den Fußballern hatten die drei keinerlei Probleme mit der Partie. (jok)

Ghana – Panama 1:0 (0:0)

Wie gut Ghana war in diesem Spiel? Vielleicht veranschaulicht das eine Szene aus der 45. Minute ganz gut. Ghanas vermeintlich Bester, Antoine Semenyo von Manchester City, holt sich am Mttelkreis den Ball, schaut, sieht und bedient den Kollegen Ernest Nuamah auf rechts. Der sieht Marvin Senaya an der Strafraumgrenze und spielt ihm den Ball zu. Senayewartet nicht lange und schießt – 18 Meter am Tor vorbei. Es war dererste Torschuss Ghanas im Spiel. Dass das muntere Team aus Panama am Ende durch ein Tor von Caleb Yirenkyi in der Nachspielzeit mit 0:1 verloren hat, kann nur mit einem schlechten Tag des Fußballgottes erklärt werden. Oh wie arm ist Panama! (arue)

Usbekistan – Kolumbien 1:3 (0:1)

Lang ist nix mit Elegancia tropical bei den Kolumbianern. Was für eine Schinderei. 2.200 Meter Höhe plus Luftverschmutzung macht Atemnot und schwere Beine, hatte der kolumbianische Ex-Nationalspieler Franky Oviedo gewarnt. Der hatte mehrere Jahre im Aztekenstadion in Mexiko-Stadt gespielt.

Kolumbien geht früh in Führung, flinker sind anfangs aber die Usbeken. Abbosbek Fayzullayev köpfelt den noch verpennten Kolumbianern ein diskretes Gegentor rein. Er feiert mit einem Luftküsschen, wie herzig!

Dann trifft der wohl außergewöhnlichste kolumbianische Fußballer Luchito Díaz, der bereits den ersten Treffer vorbereitet hatte, zur erneuten Führung. Fast noch außergewöhnlicher ist allerdings das Tor in der hoffnungslos überzogenen Nachspielzeit (90+9 Minute). Ist das Slapstick oder Fußball? Cucho Hernández dribbelt rechts am Spielfeldrand herum, wird zu Fall gebracht, ein Usbeke rollte sich über ihn ab, Hernandez dreht sich unten raus, hinterher, auf allen Vieren, auf zwei Beinen, luchst ihm den Ball ab, ob wohl der ihn am Po und Trikot festhält, läuft sich frei, schießt einmal ewig quer hinüber – und Jáminton Campaz köpft ihn rein. Goooooooooooooooooooool! (Katharina Wojczenko)

England -Kroatien 4:2 (2:2)

In der 10. Minute steht der englische Torjäger Harry Kane alleine vor dem kroatischen Tor. Elf Meter vor ihm ein schmächtiger junger Mann in grellem textmarkerpink. Der englische Elfmeterkönig lässt sich mächtig Zeit, tänzelt an, setzt vor dem Anschuss ab, trickst und schießt. In die Arme von Dominik Livakovic, dem kroatischen Torwart. Doch der Schiedsrichter fordert den Videobeweis, befielt wegen eines Fehlers von Livakovic die Wiederholung des Elfmeters, die Kane erfolgreich nutzt: 1:0.

Ungefähr so ging es dann noch fast 90 Minuten weiter, das bisher unterhaltsamste, fußallerisch stärkste, abwechslungsreichste Spiel dieser WM. Und immer wieder im Zentrum: das Männchen in grellem textmarkerpink. Das Ergebnis von 4:2 bestätigt am Ende die coole Dominanz der Engländer. (dakr)

Portugal – DR Kongo 1:1 (1:1)

„Vierter… der höchste Platz, auf den Christiano Ronaldo es je bei einer Weltmeisterschaft gebracht hat.“

„Portugal mit ihrer Speerspitze Christiano Ronaldo.“

„Der X-Faktor Portugals.“

Da ich das Spiel Christiano Ronaldo gegen die Demokratische Republik Kongo mit Freun­d:in­nen schaue, die sich heute lieber über das Festivalwochenende unterhalten wollen, kriege ich vom Spielkommentar nur Bruchstücke mit. Die meisten davon beinhalten verschiedene Wege, Ronaldo zu erwähnen.

„Christiano Ronaldo tritt zu wenig in Erscheinung.“ Auch, was er nicht macht, nimmt viel Raum ein.

Die Dominanz im ZDF-Kommentar heißt aber nicht Dominanz auf dem Platz, auch nicht von seinen portugiesischen Nebendarstellern. (arei)

Österreich – Jordanien 3:1 (1:0)

Der Moment des Spiels war nicht das kalte Licht um 5.40 Uhr, und nicht der leichte Regen in Wien. Ganz Österreich war wach, früh auf den Beinen, und riss die Arme hoch, während das eher endblöde Torlied „Maria (I Like It Loud)“ von Scooter im Nachgang des fulminanten Schusses von Romano Schmid zum 1:0 abgespielt wurde. Da hat es Deutschland besser. Der Moment des Spiels war auch nicht der ebenso sehenswerter Treffer zum Ausgleich für Jordanien, und zum Glück für alle war auch der Moment, als der Ball den Oberarm von Stefan Posch streichelte und somit den erneuten Führungstreffer durch Marco Arnautovic irregulär machte, nicht der Moment des Spiels. Der Moment des Spiels war der Rücken eines Jordaniers, als sich besagter Arnautovic wieder in einen Eckball warf: 2:1. Dazu noch ein Elfer in der Nachspielzeit zum Endstand. Ein irgendwie deutsch wirkender Sieg, aber wurscht, Österreich ist da, immer wieder, immer wieder Österreich! (rh)

Argentinien – Algerien 3:0 (1:0)

Im Arrowhead Stadium von Kansas City startete Argentinien das ‚Unternehmen Titelverteidigung‘. Die bange Frage der Fans vor dem Spiel war: Steht Lionel Messi in der Startelf? Dann die Erleichterung. Beim Anpfiff stand Messi am Anstoßkreis. Mit ihm liefen sechs Spieler auf, die bereits im erfolgreichen WM-Finale 2022 in Katar auf dem Platz gestanden hatten. Wer jedoch glaubte, der 38-jährige Kapitän der Albiceleste hätte vielleicht besser auf eine weitere WM verzichtet, wurde eindrucksvoll eines Besseren belehrt. Bei seinem Treffer in der 5. Minute stand Messi noch im Abseits. In der 17. Minute nagelte er den Ball blitzsauber zur 1:0-Führung in den Winkel. Auch nach der Pause gingen die Messi-Festspiele weiter. In der 60. Minute staubte er nach einem Abpraller ab. In der 76. Minute schnürte er mit einem feinen Schuss den Dreierpack. Wenig später ließ er sich auswechseln.

Der Gegner? Algerien spielte gut mit, brachte jedoch während der gesamten Partie keinen einzigen „Shot on Target“ zustande – keinen Schuss aufs Tor. Dagegen ist Argentinien überzeugend ins ‚Unternehmen Titelverteidigung‘ gestartet. Bemerkenswert: Laut einer Umfrage würden 44,2 Prozent der Ar­gen­ti­nie­r*in­nen eine erfolgreiche Titelverteidigung einer Verbesserung der wirtschaftlichen Lage vorziehen. 48,8 Prozent wären dagegen bereit, für eine bessere wirtschaftliche Entwicklung ein schwaches Abschneiden ihres Teams in Kauf zu nehmen. Die übrigen 6,9 Prozent haben dazu keine Meinung. (jüvo)

Irak – Norwegen 1:4 (1:2)

Statistisch interessant: das erste Aufeinandertreffen beider Mannschaften überhaupt, für beide die erste WM seit Jahrzehnten (40 beziehungsweise 28 Jahre). Erste WM folglich auch für Ex-Dortmunder (na, gut, längst Man City) Erling Haaland, für den sich (nicht nur im Vorfeld) der Boulevard (wieviel und welche Werbeauftritte) und die Sportmedien (wechselt er nach dem Turnier?) am meisten interessierten.

Das Spiel: überraschend ausgeglichen, überraschend munter. Haaland braucht, um sich warm zu schießen, wie seine gymnastischen Übungen zwischendurch zu betonen scheinen. Es läuft dann aber am Ende wie erwartet für Norwegen, auch weil der irakische Keeper nicht so richtig bei der Sache ist und Irak noch ein Eigentor drauflegt. Verdient, aber zu hoch. (bw)

Frankreich – Senegal 3:1 (0:0)

Man hätte es Senegal doch wirklich gegönnt, gegen die ehemalige Kolonialmacht zu gewinnen. Deren Pfostentreffer bleibt das Spannendste in der ersten Halbzeit. Dafür wird die zweite umso schneller und krasser: fast ein Elfmeter für Mbappé, wenig später: Tor von Mbappé. Dann: Tor für Senegal, selbst die Franzosen im Späti-Publikum jubeln. Doch es war Abseits. Die Hoffnung auf ein Unentschieden stirbt mit dem 2:0. Oder doch nicht? Fünfte Nachspielzeitminute: Tor für Senegal. Keine Minute später Mbappés Rache: ein Traumtor aus der Distanz. 90 +10. Minute: fast macht Senegal doch noch das 3:2. Fast. (rlf)

Saudi-Arabien – Uruguay 1:1 (1:0)

Uruguay war gewarnt: Bei der WM in Katar hatte Saudi-Arabien sein Auftaktspiel gegen den späteren Weltmeister Argentinien gewonnen. Anpfiff. Schnell wird deutlich, beide spielen ohne Risiko und mit einer 4:4:2-Formation. Langsames Passspiel dominiert und ist vielleicht auch den 32 Grad und der hohen Luftfeuchtigkeit im Hard Rock Stadium in Miami geschuldet. Uruguay versucht, mit langen Bällen hinter die Abwehrreihen der Saudis zu kommen.

Doch es dauert eine halbe Stunde, bis der saudische Keeper Mohammed Al-Owais mit seiner ersten Parade eine Kopfballchance abwehren muss. Davon aufgewacht, machen die Saudis jetzt Druck. In der 38. Minute kann Torhüter Fernando Muslera einen Schuss von Abdulelah Al-Amri noch abwehren. Aber in der 41. Minute kann er einen feinen Kopfball nach einer Ecke nur nach vorne abklatschen. Al-Amri sprintet heran und bugsiert den Ball zum 1:0 für Saudi-Arabien ins Tor. Pfiff. Halbzeitpause. Wiederanpfiff. Uruguay macht jetzt Druck, spielt schneller, eine Flanke nach der anderen segelt in den saudischen Strafraum.

Gespielt wird nur noch auf ein Tor, doch erst in der 80. Minute gelingt Maxi Araujo der Ausgleich. Uruguay drückt weiter, die Saudis verteidigen kompakt, und Al-Owais hält mit guten Paraden seinen Kasten bis zum Abpfiff sauber. Saudi-Arabiens Trainer Georgios Donis kann mit dem Unentschieden hochzufrieden sein. Der Grieche hatte die Nationalmannschaft erst vor weniger als zwei Monaten übernommen. Uruguays Trainer Marcelo Bielsa hatte sicher mehr erwartet. Für den Argentinier ist es die dritte Weltmeisterschaft, bei der er eine Nationalmannschaft betreut. Bemerkenswert: Bielsa ist einer von sechs argentinischen Trainern bei dieser WM. In Katar waren es drei. (Jürgen Vogt)

Iran – Neuseeland 2:2 (1:1)

Wer von politischen Implikationen nichts wusste oder nichts wissen wollte, konnte in der Partie zwischen Iran und Neuseeland einfach das vermutlich lebendigste Fußballspiel unter den vier Unentschieden des Spieltags sehen. Beide Mannschaften drängten stets nach vorne, anfangs oft mit so langen Bällen, dass das Mittelfeld glatt übersprungen wurde. Das frühe erste Tor für Neuseeland in der 7. Minute belebte von Beginn an, und der von Kommentatoren oft erwähnte riesige Abstand beider Teams in der Weltrangliste war kaum zu sehen.

Gleiches galt für die Proteste, die es sowohl im als auch außerhalb des Stadions wohl gab: Die Fifa hatte für die gesamte WM alle außer den jeweiligen offiziellen Nationalflaggen verboten – trotzdem hatten sich offenbar etliche Fans die alte persische Fahne auf T-Shirts gedruckt. In den Bildern der TV-Übertragung tauchte davon allerdings nichts auf, lediglich Pfiffe während der iranischen Nationalhymne waren ein bisschen zu hören. Kann der Fußball das seltsame Rahmenabkommen zum Frieden unterstützen, über dessen Einzelheiten die Welt noch immer rätselt? Nee, kann er nicht. Bleibt alles seltsam, auf dem Platz wie in der Straße von Hormus. (pkt)

Belgien-Ägypten 1:1 (1:1)

Es macht schon ganz schön wehmütig. Aber nach diesem Spiel muss Belgien dann doch nicht nur von der Liste der ewigen Geheimfavoriten, sondern auch von der der Lieblingsmannschaften gestrichen werden: lange Zeit hundslangweiliger Stehfußball oder hektisches Herumgestochere im Strafraum. Ball halten, aber ohne Sinn. Kevin De Bruyne irgendwie da, aber auch nicht. Thibaut Courtois im Tor genauso. Statt der früheren besonderen Fairness hilflose Ruppigkeit. Und bei Ägypten?

Nicht besser, außer dass Emam Ashour früh das 1:0 schießt – dafür fabriziert er später eine Menge Nichtchancen und den vorbeiesten Torschuss mindestens dieser WM. Auch Geburtstagskind Mo Salah bekommt seine Leute nicht mehr nach vorne, sinnbildlich, wie er beim Konter nach hinten abdrehen muss, weil niemand mitgekommen ist. Nebenbei Tee trinken, endlich mal Zeitung lesen, ein paar Zeichnungen kritzeln, Sudoku lösen – geht alles.

Und dann kommt in der 66. Romelu Lukaku, deutlich gewichtiger geworden, aber mit „Aura“. Das Ausgleichstor muss er nicht mal selbst schießen, nur neben Mohamed Hany aufs Tor zurutschen. Und schon macht der den Ball rein. Endlich ist es vorbei. Und Christina Graf, die bis dahin angenehm kundig kommentiert hat, sagt völlig überraschend, sie habe ein gutes Spiel gesehen. Im Studio lösen Schweini und Esther Sedlaczek auf: Graf habe wohl die Stimmung im Stadion gemeint. Ah ja. (bw)

Spanien – Kap Verde 0:0 (0:0)

Das war eine über lange Strecken grauenhaft anzusehende Sensation. Spanien hat den Ball und kann damit nichts anfangen. Sie verlieren den Ball, holen ihn wieder und wissen damit immer noch nichts anzustellen. Die paar wenigen Torschüsse – nur von Spanien, Kap Verde müsste ja erstmal den Ball haben, um selbst schießen zu können – fängt Kap Verdes großartiger Torwart ab. So geht das immer weiter, bis zur 70. Minute. Spanien kann kein Tor schießen, Kap Verde versucht es gar nicht erst. Dann kommt Spaniens Jungstar Lamine Yamal aufs Feld.

Der bringt immerhin ein paar leidlich gefährliche Situationen zustande, aber jetzt schnuppert Kap Verde schon viel zu sehr an der für unmöglich gehaltenen Chance, gegen Turnierfavoriten Spanien einen Punkt zu holen. Verteidigung ist das neue Toreschießen, yeah! Wenn das für US-Zuschauer das erste Fußballspiel ist, was sie sich anschauen, sind sie nach den ersten 70 Minuten für den Sport verloren. So wie Europäer für den Baseballsport, wenn ein Pitcher keinen einzigen Run zulässt. Für alle anderen: Kap Verde, feiert!!!! (pkt)

Schweden – Tunesien 5:1 (2:1)

Huch, was war das los. „Doppelpack Ayari“ lese ich in der Fußball-App meines Vertrauens, als ich in der Früh die nächtlichen Ergebnisse checke. Aber 5:1? Und ich dachte, Gott ist tot. (arue)

Côte d'Ivoire– Ecuador 1:0 (0:0)

Es war dieser eine Moment in der 90. Minute, als Amad Diallo einen Pass von rechts mit links direkt abnahm und flach, präzise und unhaltbar das Spiel entschied. Nach dieser 90. Minute passierte zwar 10 Minuten lang noch ziemlich viel (vgl. Scheiß-Nachspielzeit), aber in den 90 Minuten zuvor war es auf dem Platz in Philadelphia ja auch schon hoch hergegangen. Im Stadion hatte Ecuador dominiert, auf dem Platz meistens: nicht zuletzt mit drei Latten- oder Pfostentreffern; auf der Tribüne: fast ausschließlich. Letzteres ist der aktuellen US-Regierung zu verdanken, die keine ivorischen Fans ins Land lässt. Dass sich das aber als Nachteil für das Team von Côte d'Ivoires Trainer Emerse Faé erweisen sollte (vgl. Deutschland-Spiel), war – zumindest auf den Fernsehbildern – nicht zu erkennen. Spielerisches Fazit: viel krachendes Aluminium. Buchhalterisches Fazit: 1:0. (mak)

Niederlande – Japan 2:2 (0:0)

Daichi Kamada wird diesen Moment gewiss nicht so schnell vergessen. Kurz vor dem Abpfiff wird er vom eingewechselten Mitspieler Koko Ogawa so wuchtig angeköpft, dass der Ball von seinem Scheitel doch noch ins gegnerische Tor zum Ausgleich fällt. Die Fifa spricht ihm den Treffer zu. Es ist das kuriose Ende einer ansehnlichen zweiten Halbzeit. Beide Teams haben gezeigt, wie gut sie Fußball spielen können. Getroffen hat dann nicht derjenige, der es am meisten gewollt hat. Kamada konnte einfach nicht anders. Macht nichts! (jok)

Deutschland – Curaçao 7:1 (3:1)

Kein Wort las ich im Vorfeld dieses Spiels häufiger als „Pflichtsieg“. Pflichtsieg für Deutschland – ist doch klar. Woher diese Arroganz? Wir reden hier über dieselbe Nation, die sowohl in Katar als auch in Russland in der Vorrunde ausgeschieden ist. Man kann davon ausgehen, dass in fast jeder Gruppe Platz 1 bis 3 weiterkommen wird. Grund genug, sofort zum glühenden Underdog-Ultra zu werden, zum Curaçao-Advokat. Und der curaçaoanische Ausgleich in der 21. erweckte in mir klar den Eindruck: Curaçao ist nicht hierhergekommen, um sich von Vornherein in die von vielen deutschen Medien gegebene Rolle des Steigbügelhalters für den deutschen Sieg zu fügen. Kommentator Tom Bartels findet trotzdem, Deutschland solle sich hiernach sofort auf die „wichtigen Gegner“ konzentrieren.

Nach Toren von sechs verschiedenen Torschützen (immerhin bisschen ungewöhnlich) gewinnt Deutschland trotzdem klar (und natürlich irgendwo erwartbar). Der Takeaway nach so viel deutscher Arroganz sollte, wie ich finde, trotzdem nicht sein, dass Deutschland gewonnen hat. Der Takeaway sollte sein, dass das belächelte Curaçao 90 Minuten konzentriert gespielt, immer wieder effektiv verteidigt und den Deutschen nicht von Vornherein den Sieg geschenkt hat. Hat Bartels gerade gesagt, dass Curaçao mit diesem Spiel auf die Landkarte gekommen ist??? Ah, auf die WM-Landkarte. Gut, das ist ziemlich akkurat. Ich rudere zurück. (arue)

Einen ausführlichen Spielbericht lesen Sie hier.

Australien – Türkei 2:0 (1:0)

Ups, damit war nun wirklich nicht zu rechnen, vielleicht habe ich den großen Moment des Spiels schon verpasst. Als ich mich kurz nach 7 Uhr einschalte, die Partie zwischen Brasilien und Marokko (siehe unten) ist einfach zu spät abgepfiffen worden, führt Australien 1:0. Und das Überraschungsteam ist dabei, das Ergebnis fachmännisch einzubetonieren. So kurz dabei und schon alles gesehen? Denkste! Gleich beim ersten Versuch, doch die türkische Hälfte zu betreten, trifft Australien erneut. Connor Metcalfe, der beim Bundesligaabsteiger St. Pauli nicht einmal in der ganzen Saison traf, platziert den Ball mit einem Flachschuss im unteren rechten Eck. Wenn das kein großer Moment ist. Außenseiterfußball in Bestform. (jok)

Haiti – Schottland 0:1 (0:1)

Hallo, Ihr Lieben,

Hier mein kurzer Bericht zum Schottenspiel. Nö, ich bleibe nicht bis 5 Uhr wach, das Ergebnis müsst Ihr bitte nachtragen.

Klare Sache, die Schotten werden Weltmeister. Mit der selbstironischen Hymne „It Only Takes One Lion“ der Indie-Pop-Band Belle and Sebastian haben sie den besten WM-Song, auch wenn er nicht die offizielle Hymne ist. Zugegeben: Der Titel ist ein kaum subtiler Seitenhieb auf Englands Hymne „Three Lions“ – den Song von Baddiel und Skinner, der diesen Sommer seinen 30. Geburtstag feiert. Während es dort aber heißt, dass Paul Ince „bereit für den Krieg“ sei, besingen Belle and Sebastian die friedliche Tartan Army, die Schottenkaro-Armee der Fans: „Du kannst einer Armee beitreten, die für den Frieden ist.“

Ach ja, das Spiel: Schottland besiegte Haiti mit 1:0. Es gab schon vor dem Spiel einen Trikottausch, aber der war einseitig: Die Haitianer mussten sich umziehen, weil auf den ursprünglichen Trikots eine Illustration der Schlacht von Vertières aus dem Jahr 1803, die Haitis Unabhängigkeit sicherte, zu sehen war. [Link auf Beitrag 8503564] Kriegerisches hat auf US-Sportplätzen nichts zu suchen, schließlich will Donald Trump den Friedensnobelpreis gewinnen.

Zum Finale, in dem Schottland das Team aus Curaçao besiegen wird, bleibe ich aber wach. (Ralf Sotscheck)

Brasilien – Marokko 1:1 (1:1)

Ein befriedigendes Gefühl hat Marokko beim 1:1 gegen Brasilien hinterlassen. Das Team aus Nordafrika ist ja quasi noch amtierender WM-Halbfinalist und letztlich noch nicht ganz fix ausgerufener Afrika-Cup-Gewinner. Es kann also Fußball spielen. Und zwar einen schönen Fußball des 21. Jahrhundert, ein Jogo Bonito 2.0. Mit enormem Schwung kam Marokko auf den Platz und hat Brasilien von Beginn an unter Druck gesetzt – mit einem schönen Lupfer von Ismail Saibari zum 1:0 (21.). Brasilien, das sich als nicht ganz vollständiges Starensemble präsentierte, kam nicht ins Spiel, schon gar nicht ins schöne Spiel. Eine Einzelaktion von Vinicius Jr. sorgte für den 1:1-Ausgleich.

Dann hatte sich die Seleção leidlich gefangen, aber ganz am Schluss war es doch noch mal Marokko, das sich aufbäumte und beinahe (soll heißen: sehr beinahe) den Siegtreffer erzielt hätte. Zur hoffnungsfrohen Zusammenfassung geht man nach diesem Spiel in New York zum Bücherregal (dessen Nähe ja einer der sehr wenigen Vorteile des Fernsehfußballguckens ist) und liest diesen Satz: „Die Krise besteht gerade in der Tatsache, dass das Alte stirbt und das Neue nicht zur Welt kommen kann.“ Steht bei Gramsci und beschreibt die Umbruchsituation des Weltfußballs ganz gut. (mak)

Katar – Schweiz 1:1 (0:1)

Wer dieses Spiel gewinnt, war allen klar: WM-Geheimfavorit Schweiz. Auch ich habe ihnen beim Tippspiel ein lockeres 4:1 gegen Katar zugetraut. Doch wahrscheinlich waren die Schweizer selbst zu siegessicher und holten sich so in der Nachspielzeit einen Gegentreffer ein. Mit dem 1:1-Ergebnis jubelt Katar über seinen ersten WM-Punkt jemals – ist doch schön, wenn diese WM auch Überraschungen bereithält. (cas)

USA – Paraguay 4:1 (3:0)

Das war ein Auftakt nach Maß für Paraguays Damian Bobadilla: Nur sieben Minuten nach Anpfiff gegen Gastgeber USA schob er den Ball unhaltbar für den Keeper ins Tor. Leider ins eigene. Das war denn doch gar nicht mal so gut. Aber die US-amerikanische Mannschaft, die sich zugutehalten kann, auch das Eigentor durchaus provoziert zu haben, dachte gar nicht daran, es dabei zu belassen. Womöglich befreit durch die Abwesenheit von Präsident Donald Trump im Stadion in Los Angeles schoss Stürmer Folarin Balogun gleich noch drei Tore, von denen immerhin zwei zählten.

Giovanni Reyna, zum Befremden des bundesligaunkundigen taz-Chronisten ab seiner Einwechslung in der 81. Minute von den TV-Kommentatoren stets „der Gladbacher“ genannt, legte ganz am Schluss noch zum 4:1 nach, und ja, zwischendurch hatte auch Paraguay ein Tor geschossen.

Kurios: Der Schiedsrichter, der in der zweiten Hälfte Paraguay einen Freistoß und dem US-Kapitän Tim Ream eine Gelbe Karte gab, um dann das Spiel aufgrund einer Einflüsterung des Video-Assistenten nach schon ausgeführtem Freistoß zu unterbrechen, Ream die Gelbe Karte wieder wegzunehmen und sie dem „gefoulten“ paraguayischen Spieler wegen Schauspielerei weiterzureichen. Fazit: Der bislang beste Auftakt eines der drei Gastgeberländer. USA, USA! (pkt)

Kanada – Bosnien-Herzegowina 1:1 (0:1)

Die 56. Minute in Toronto läuft. Nach einem weiten Abstoß des bosnischen Torwarts Nikola Vasilj wird der Ball vom kanadischen Abwehrspieler Luc de Fougerolles mit dem Kopf ins Seitenaus geklärt. Von weit her kommt der bosnische Kapitän und Linksverteidiger Sead Kolašinac angelaufen und nimmt, inzwischen sind wir in der 57. Minute, den Ball zum Einwurf auf. Kolašinac geht ein paar Schritte vor, deutet den Einwurf an, wartet ein wenig, noch ein wenig und – muss den Ball abgeben, was er auch ohne Murren tut. Schiedsrichter Facundo Tello aus Argentinien hat die Ausführung des Einwurfs zu lange gedauert, denn: wenn diese länger als 5 bis 8 Sekunden in Anspruch nimmt, dann wechselt automatisch das Einwurfsrecht. Das ist eine neue Regel bei dieser WM, sie soll die Nettospielzeit erhöhen und kommt bald auch in der Bundesliga zum Einsatz. Hier konnten wir sie nun zum ersten Mal live erleben. (mbr)

Südkorea – Tschechien 2:1 (0:0)

Das geht seit Monaten so. Nach dem Aufwachen schaut der Nachrichtenredakteur aufs Handy. Gucken, was Trump wieder gesagt hat, wen er bombardiert, wem er Frieden angedroht hat. Und was sonst noch hässliches passiert ist. Das bestimmt dann die Planung für den Tag auf taz.de. Am Freitagmorgen aber lautet die wichtigste Neuigkeit: Südkorea hat gespielt gegen, na, hier, Tschechien. Ab 4 Uhr morgens. Wie es ausgegangen ist? Muss man doch wissen. Schnell mal die Zusammenfassung gucken. Ah hier, gibts beim ZDF. „Es ist plötzlich ein offenes Spiel mit Chancen auf beiden Seiten“, jubelt der Reporter. Toller Ball! 2:1. Südkorea dreht das Spiel! Die Sonne scheint auch. Und Trump? Hat angekündigte Angriffe auf Iran abgesagt – was ja auch gut für die WM ist. Und das geht jetzt fast sechs Wochen so? Mehr davon! (ga)

Mexiko – Südafrika 2:0 (1:0)

Die rote Karte für Südafrikas Yaya Sithole nach einer sogenannten Notbremse? Die rote Karte für dessen Kollegen Themba Zwane in der Schlussphase des Spiels? Die Fifa-Turnierhymne DNA geschmettert von Andrea Bocelli und Ejae vor dem Anpfiff dieses Eröffnungsspiels? Nein, der Moment der Partie war natürlich jener für die Gastgeber befreiende Schuss von Julián Quiñones durch die Beine des südafrikanischen Torhüters Ronwen Williams zum 1:0 für Mexiko in der 9. Minute.

Auch bemerkenswert: Die rote Karte für Mexikos César Montes nach einem Foul an der Strafraumgrenze kurz vor Schluss. Ein farbiger Turnierauftakt. (arue)

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