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Torjäger Harry KaneEin Engländer wird Bayer

Kommentar von

Johannes Kopp

Harry Kane, dreifacher Torschütze im DFB-Pokal, ist so treffsicher wie kein anderer, aber kein Egomane. Die Rettung für den FC Bayern und Uli Hoeneß.

Harry Kane nach dem Gewinn des DFB-Pokals Foto: Bernd Feil/imago

W as schreiben, wenn das Besondere nicht mehr besonders ist? Sicherlich, drei Tore vom selben Spieler in einem DFB-Pokalfinale, das gab es nicht oft. Nur Spielern mit für Fußballfanohren wohlklingenden Namen ist das bislang gelungen: Uwe Seeler (1963), Roland Wohlfahrt (1986) und Robert Lewandowski (2012) haben das schon geschafft. Kane vom FC Bayern München ist nun der Erste, der am Samstag beim 3:0-Pokalsieg gegen den VfB Stuttgart alle drei Treffer binnen der zweiten Halbzeit erzielt hat.

Außergewöhnlich ist es jedoch nicht wirklich. Die drei Kane-Tore in der zweiten Hälfte beim 5:0-Erfolg des FC Bayern beim Ligaspiel in Stuttgart sind bei den Fans noch in frischer Erinnerung. Schließlich geschah das erst vergangenen Dezember.

Dreißigmal hat der 32-Jährige schon in seiner Karriere über Dreierpacks, wie es im Fußballdeutschen heißt, gejubelt. Kane-Tore gehören zu einem Bundesligaspiel wie Anpfiff und Abpfiff. 36-mal war er bei 31 Einsätzen erfolgreich. Und im DFB-Pokal gab es diese Saison keine Pokalrunde ohne Kane in der Torschützenliste. Eine besondere Geschichte haben Fußballschreiber nur, wenn der Engländer kein Tor schießt.

Als Bayern-Trainer Vincent Kompany nach dem Finale gebeten wurde, doch mal eine Hymne auf Harry Kane zu formulieren, deren Text nicht schon allseits bekannt ist, wich dieser aus und stellte dem Reporter die Gegenfrage: „Was wollen Sie denn schreiben?“

Seine Übersicht und Mannschaftsdienlichkeit, seine Passgenauigkeit und Abschlussstärke, seine Wandlungsfähigkeit, Coolness vom Elfmeterpunkt und Bescheidenheit bei Interviews sind hinlänglich gewürdigt worden. Kompany erklärte aufgrund der vielen Nachfragen doch mit altbekanntem Text: „Keine Ahnung, wie man so viele Tore in seiner Karriere schießen kann und dann trotzdem dasteht wie einer von allen.“

Charme und Gentlemanlikeness

Harry Kane wirkt auf den ersten Blick wie ein KI-generierter Musterprofi, der auf allen Fußballschulen dieser Welt den Nachwuchskickern vermutlich als Role Model besonders nahegelegt wird. Wobei Kane durchaus einen eigenen Charme und eine besondere „Gentlemanlikeness“ hat. Lange wurde er verspottet, weil er mit dem Tottenham Hotspur und dem englischen Nationalteam immer titellos blieb. So war sein Fazit in Berlin wenig verwunderlich: „Das war definitiv einer der schönsten Abende meiner Karriere.“

Wann wurde schon einmal ein Torjäger dieses Formats für so viele Dinge gelobt, die nichts mit dem Toreschießen zu tun haben?

Was bei der Draufsicht auf all das Lob dann doch auffällt und besonders ist: Wann wurde schon einmal ein Torjäger dieses Formats für so viele Dinge gelobt, die nichts mit dem Toreschießen zu tun haben?

So erklärte Stuttgarts Trainer Sebastian Hoeneß am Samstagabend: „Es ist ja nicht so, dass er nur drei Tore gemacht hat. Er hat dann auch noch in der 96. Minute hinten in der eigenen Box einen gegnerischen Spieler geblockt. Da stand es schon 3:0.“ Just in dieser Saison hat sich Stürmer Kane obendrein als Verteidiger, Mittelfeldspieler und Vorbereiter neu erfunden.

Und was Kane noch unentbehrlicher für den FC Bayern macht: Mit seinem flächendeckend brillanten Spiel beruhigt er auch die Brandherde jenseits des Rasens, die sich in München mit größter Verlässlichkeit immer wieder auftun. Wenige Stunden vor dem DFB-Pokalfinale und dem Double-Gewinn seines Vereins hatte Aufsichtsratsvorsitzender Uli Hoeneß öffentlich seine Zweifel an Sportvorstand Max Eberl bekundet. Die Chancen auf eine Verlängerung seines Vertrags bemaß er bei knappen 60 zu 40 Prozent.

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Hätten die Münchner das lange Zeit recht enge Finale unspektakulär mit vielleicht nur einem Tor für sich entschieden, wäre der Klub absurderweise nicht um eine intensive Debatte über dieses Thema herumgekommen. Kane jedoch lenkte an diesem Tag alle Aufmerksamkeit auf sich. Hoeneß wusste nur zu gut, warum er Harry Kane nach dem Schlusspfiff zum besten Transfer adelte, den der FC Bayern je gemacht habe.

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taz-Sportredakteur
Jahrgang 1971, bis Ende März 2014 frei journalistisch tätig. Seither fest mit dem Leibesübungen-Ressort verbunden.
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4 Kommentare

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  • Bei Kane fällte es einem Mitglied des Anti-bayern-Vereins schwer, etwas negatives zu finden.



    Außer vielleicht, daß er beim falschen Club ist.

  • Geld schießt doch Tore ! Wie viele Journalisten hatten schon, gedanklich, höhnische Beiträge vorbereitet über das scheitern des zu alten, zu teuren Spielers. Jetzt, da es total anders gekommen ist, ist natürlich alles gut.



    Bei all seinem Fleiß, seiner Disziplin, sollte man nicht die Weltklasse Außenspieler des FC Bayern vergessen, Diaz und Olise, die zwar selber auch torgefährlich sind aber auch brutal viele Tore vorbereiten.

  • Kane ist ein Spieler der Extraklasse, dass ihn sich die Bayern als einzige in der BL leisten können zeigt einmal mehr die Einseitigkeit der Liga und die drückende Überlegenheit der Superbayern, die für gähnende Langeweile sorgt.



    Sport guckt man sich nicht an, wenn der Sieger bereits vorher feststeht.

    • @FtznFrtz:

      Da sprechen die Einschaltquoten sowie die Abo-Zahlen des verschiedenen Baxern-Media-Kanäle eine andere Sprache. Ich vermute ganz stark, daß selbst eingefleischte Fans von MG, S04, Union, BVB und all der anderen, abgeschlagenen Vereine sich ab und an heimlich die CL- Spiele der Bayern anschauen, weil sie endlich einmal hochklassigen Fußball sehen wollen statt des idR eher langweiligen und zweitklassigen Gekickes in der Bundesliga. Das Fanverhalten ist doch eh' durchritualisiert und vom tatsächlichen Geschehen auf dem Platz abgekoppelt.