Iran bei der Fußball-WM 2026: Der WM droht ein Eklat
Der Krieg überschattet die WM-Teilnahme Irans. Mannschaft und Fans sehen sich in den USA Schikanen ausgesetzt. Irans Sportminister droht.
dpa/taz | Kurz vor dem WM-Start hat Iran mit einem Spielabbruch gedroht, wenn es bei Auftritten des Teams in den Stadien zu Protesten persischer Fans gegen die islamische Führung kommen sollte. „Wir haben der Fifa bereits mitgeteilt, dass die Verantwortlichen des Teams das Spiel abbrechen würden, sobald wir in den Stadien politische Parolen hören“, warnte Sportminister Ahmed Donjamali.
Der iranische Fußballverband habe den Weltverband zudem mehrfach aufgefordert sicherzustellen, dass iranische Zuschauer ausschließlich die offizielle Flagge der Islamischen Republik ins Stadion bringen dürfen – und nicht die alte iranische Flagge. Auch in diesem Fall würde das Team das Spielfeld verlassen, so der Minister laut Sportportal Varzesh3.
Seit Wochen besteht Iran darauf, dass in den Stadien nur die offizielle Staatsflagge zugelassen wird und nicht die insbesondere von monarchistischen Oppositionsgruppen bevorzugte alte Flagge mit Löwen- und Sonnenemblem. Diese wird auch bei Protestkundgebungen im Ausland verwendet und gilt als Symbol der Ablehnung des islamischen Systems in Iran. Beobachter bezweifeln, dass ein solches Verbot durchsetzbar wäre.
Krieg mit USA überschattet WM-Teilnahme
Zwei der drei Vorrundenspiele Irans finden in Los Angeles statt. Dort lebt der Großteil der fast zwei Millionen Menschen umfassenden persischen Diaspora in den USA. Die Stadt wird daher auch „Tehrangeles“ oder „Irangeles“ genannt. Für viele von ihnen bietet die WM die ideale Plattform, um ihren Protest gegen die iranische Führung weltweit sichtbar zu machen.
Überschattet wird die WM-Teilnahme Irans vom militärischen Konflikt mit den USA. Ein Sondergesandter von US-Präsident Donald Trumo, Paolo Zampolli, schlug im April sogar vor, Iran bei der anstehenden Fußball-WM in Nordamerika durch das in der Qualifikation gescheiterte Italien zu ersetzen. Fifa-Chef Gianni Infantion dagegen tat alles, um einen WM-Boykott Irans zu verhindern.
Stattdessen sieht sich das WM-Team nun Schikanen ausgesetzt. Wegen Einreisebeschränkungen musste der iranische Verband sein Teamquartier aus dem US-Bundesstaat Arizona bereits ins südlich von San Diego gelegene Tijuana in Mexiko verlegen, wo die Spieler am Wochenende eintrafen. Die iranische Fußball-Nationalmannschaft wird deshalb nur einen Tag vor ihrem für den 15. Juni geplanten Auftaktspiel gegen Neuseeland in die USA reisen. Das Team werde per Charterflug nach Los Angeles fliegen, sagte Mannschaftssprecher Amir Mehdi Alawi am Dienstag der staatlichen Nachrichtenagentur ISNA.
Wochenlange Diskussionen um WM-Teilnahme
Um die Teilnahme der Iraner, deren Land sich im Krieg gegen die USA befindet, hatte es monatelange Diskussionen gegeben. So erhielten letztlich zwar alle Spieler ein Visum für die Einreise in die USA – nicht aber alle Mitglieder ihres Betreuerstabs, unter ihnen Verbandspräsident Mehdi Tadsch.
Probleme gibt es auch für iranische Fans. Deren Reise in die USA werde „behindert“, heißt es in einer Erklärung des iranischen Fußballverbands vom Dienstag. Demnach hatte der iranische Verband bereits mit dem Verkauf der in den Fifa-Bestimmungen vorgesehenen 8 Prozent der Eintrittskarten begonnen. Doch dann sei ihm die Zuteilung wieder entzogen worden. Nun sei der Verband nicht in der Lage, den Fans „auch nur ein einziges Ticket zur Verfügung zu stellen“.
Die Fifa sieht sich möglicherweise an die US-Sanktionen gegen den Iran gebunden. Der iranische Verband bezeichnete den Schritt jedoch als „im Widerspruch zum Geist, der bei internationalen Wettbewerben herrscht“. Weder die Fifa noch die US-Organisatoren haben sich öffentlich zu den Vorwürfen geäußert.
Iranische Testspiele abgesagt
Der FFI wirft WM-Mitgastgeber USA vor, die Anwesenheit iranischer Fans auf diesem Wege verhindern zu wollen. Wegen des Kriegs hätten iranische Fans Beobachtern in Teheran zufolge allerdings ohnehin kaum Chancen gehabt, zur WM einzureisen. Derzeit werden in den US-Auslandsvertretungen keine Visa für iranische Bürger ausgestellt. Zudem sind Reisen in die USA für die meisten iranischen Fans kaum bezahlbar.
Irans Nationalmannschaft wird ohne ihre geplante Generalprobe in das Fußball-Turnier in Mexiko, Kanada und den USA starten. Das offenbar für Donnerstag angesetzte Testspiel gegen Grenada in Tijuana wurde kurzfristig abgesagt. Die Mannschaft des Inselstaats begründete den Rückzug laut der iranischen Nachrichtenagentur INSA mit einer unzureichenden Vorbereitung.
Es ist bereits das zweite Testspiel Irans, das abgesagt wurde. In früheren Planungen sollte die Mannschaft in den USA auf Puerto Rico treffen. Dieses Spiel wurde gestrichen, nachdem das Trainingslager von den USA nach Mexiko verlegt worden war.
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