Aberkennung von Senegals Afrikacup-Sieg: „Beispiellos und inakzeptabel“
Senegals Fußballern wird der Sieg des Afrikacups aberkannt und Marokko nachträglich zum Gewinner erklärt. Vor Gericht wird weiter gekämpft.
Das Finale des Afrikacups zwischen Marokko und Senegal wurde vor zwei Monaten angepfiffen. Allerdings steht das Endergebnis immer noch nicht fest. Das Berufungsgericht des Fußballkontinentalverbands Caf hat das Ergebnis (1:0 nach Verlängerung für Senegal) am Dienstag überraschenderweise gedreht. Dem Einspruch der Nordafrikaner wurde stattgegeben und die Partie zu deren Gunsten mit 3:0 gewertet.
Unmittelbar nach der Aberkennung des Afrikacup-Titels kündigte wiederum der senegalesische Fußballverband an, nun vor den Internationalen Sportgerichtshof Cas zu ziehen. Die Partie könnte also noch einmal eine Wende erfahren. In einem ersten Verfahren hatte die Caf lediglich Spieler von beiden Teams mit Geldstrafen belegt, den Erfolg Senegals aber nicht infrage gestellt.
Fehlentscheidungen des kongolesischen Schiedsrichters Jean-Jacques Ndala Ngambozu zuungunsten Senegals hatten die Partie im Januar chaotisch werden lassen. Der vermeintliche Führungstreffer Senegals in der Nachspielzeit durch Moussa Niakhaté (90.+4 Minute) wurde fälschlicherweise aberkannt. Zudem sprach Ndala Ngambozu Marokko am Ende der Spielzeit einen zweifelhaften Elfmeter zu. Aus Protest beorderte Senegals Trainer Pape Thiaw sein Team vom Feld. Zugleich mussten Sicherheitskräfte den Versuch von Senegals Fans unterbinden, den Platz zu stürmen. Der einstige FC-Bayern-Profi Sadio Mané holte seine Mitspieler knapp eine Viertelstunde später wieder zurück. Brahim Diaz verschoss den Elfmeter für Marokko, Senegal gewann das Finale durch einen Treffer von Pape Gueye.
Marokkos Fußballverband legte Protest gegen die Wertung des Spiels ein. In der Berufungsverhandlung wurde nun unter Verweis auf Artikel 82 und Artikel 84 des Regelwerks für den Afrikacup erklärt, das senegalesische Team habe durch das Verlassen des Platzes gegen Ende der regulären Spielzeit die Partie aufgegeben – und müsse daher als Verlierer gewertet werden.
Die Reaktion auf das Urteil folgte vonseiten Senegals prompt: „Die senegalesische Fußballföderation verurteilt diese Entscheidung als ungerecht, beispiellos und inakzeptabel und sieht darin eine Diskreditierung des afrikanischen Fußballs.“
Weniger formell brachten die betroffenen Nationalspieler ihren Unmut zum Ausdruck. „Ihr könnt den Heulsusen ruhig noch drei Tore geben“, schrieb Pathé Ciss vom spanischen Erstligisten Rayo Vallecano auf der Plattform X. Sein Nationalteamkollege Idrissa Gueye vom englischen Erstligisten FC Everton erklärte: „Wir wissen, was wir an jenem Abend in Rabat erlebt haben. Und das kann uns niemand nehmen.“
Senegals Zeitung Le Soleil bezeichnete die Entscheidung als „Witz des Jahrhunderts“, während die marokkanische Presse erwartbar diese völlig anders bewertete. Al Massae schrieb: „Marokko erhält den ‚gestohlenen‘ Titel zurück.“ Und das Online-Nachrichtenmagazin „Le 360“ befand: „Der Caf wird Marokko gerecht und bewahrt den afrikanischen Fußball vor einer Wiederholung spielverderbender Verhaltensweisen.“
Nach dem Gewinn des Afrikacups im Jahr 1976 ist Marokko dank dieses Sportgerichtsurteils jetzt zum zweiten Mal Kontinentalmeister. Die massiven Investitionen der vergangenen Jahre in den nationalen Fußball, die auch mit Blick auf die Gastgeberrolle der WM 2030 getätigt wurden, scheinen sich auszuzahlen. Weil der Gerichtsstreit jedoch vor dem Cas fortgesetzt wird, bleibt unabhängig vom Ausgang des Verfahrens auch für Marokko ein Imageschaden.
Im Land kam es zudem in den vergangenen Monaten zu massiven Protesten gegen die üppigen Investitionen in den Fußball. Das Geld, so lautete einer der Forderungen, solle doch lieber beispielsweise in das marode Gesundheitssystem investiert werden.
Zuletzt gab es weitere schlechte Nachrichten für den marokkanischen Fußball. Nach dem Männerkontinentalturnier sollte der Women’s Afrika Cup of Nations in dieser Woche ab dem 17. März in dem nordafrikanischen Land ausgetragen werden. Doch 12 Tage vor dem Anpfiff der ersten Partie wurde verkündet, das Turnier müsse verschoben werden. Im Juli soll es erst so weit sein. Die Caf sprach von „unvorhergesehenen Umständen“, nannte jedoch keine Einzelheiten. (mit Material von dpa)
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