piwik no script img

Kevin De BruyneDer Blonde aus der Goldenen Generation

Für Kevin De Bruyne wird diese WM wohl die letzte seiner Karriere sein. Über einen Spieler, der Belgien länger als ein Jahrzehnt geprägt hat.

Es ist das letzte Turnier der Goldenen Generation des belgischen Fußballs. So scheint es zumindest. Eden Hazard, einst der Superstar des Teams, hat längst aufgehört. Kevin De Bruyne, sein Nachfolger als Kapitän der „roten Teufel“, war ebenfalls eine prägende Figur. Doch auch er trägt die Binde nicht mehr: Vor dem Turnier übernahm Youri Tielemans das Amt. Ein Umbruch zeichnet sich ab. Doch ganz loslassen kann De Bruyne noch nicht. Wie einige seiner langjährigen Weggefährten führt er Belgien bei der WM in Nordamerika noch einmal auf die große Bühne. Schließlich war er eines der Gesichter dieser Goldenen Generation, die 2014 in Brasilien ihre Reise begann.

Damals steckte der belgische Fußball in einer tiefen Krise. Belgien hatte weder die Weltmeisterschaften 2006 in Deutschland und 2010 in Südafrika noch die Europameisterschaften 2004, 2008 und 2012 erreicht. Doch in Brasilien 2014 galt das Land plötzlich als Geheimfavorit.

Einer der Gründe: Kevin De Bruyne. Das belgische Team, angeführt von Talenten wie ihm, machte erstmals auf sich aufmerksam. Es schaffte es bis ins Viertelfinale, wo Argentinien, der spätere Finalist, die Reise beendete. Doch die Belgier hatten gezeigt, dass mit ihnen zu rechnen war. De Bruyne glänzte besonders im Achtelfinale: Beim 2:1-Sieg gegen die USA war der damals 23-Jährige der überragende Mann. In der Verlängerung traf er selbst und bereitete ein weiteres Tor vor. Seine Karriere nahm endgültig Fahrt auf.

Einer der besten, die ich je trainieren durfte

Pep Guardiola

Auf Vereinsebene gewann De Bruyne alles, was es zu gewinnen gibt. In acht Jahren bei Manchester City war er an beeindruckenden 280 Toren beteiligt. „Er ist ein Spieler der Extraklasse, einer der besten, die ich je trainieren durfte“, sagte sein Trainer Pep Guardiola. „De Bruyne sieht den Pass schneller als jeder Zuschauer auf der Tribüne“, so der ehemalige belgische Nationaltrainer Roberto Martínez. Auch in der Bundesliga reüssierte De Bruyne. Nach anderthalb Jahren beim VfL Wolfsburg wurde er zu Deutschlands Fußballer des Jahres gewählt.

Doch in der Nationalmannschaft blieb der ganz große Triumph aus. Nach einem sensationellen dritten Platz 2018 in Russland folgte 2022 in Katar die Ernüchterung: Aus in der Vorrunde. Nun steht die Goldene Generation vor ihrem endgültig letzten Turnier. Für den inzwischen 34-jährigen De Bruyne, der nun in Neapel unter Vertrag steht, und seine Mitstreiter geht es darum, wie sie in Erinnerung bleiben.

Die taz gehört zu 100 Prozent ihren Leser:innen und ist damit nicht nur konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung für taz zahl ich. Unser nächstes Ziel: 50.000 – wir brauchen nur noch 290 Freiwillige, dann haben wir es geschafft! Setzen Sie jetzt ein Zeichen für die taz und machen Sie mit. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen

Mehr zum Thema

1 Kommentar

 / 
  • "Auch in der Bundesliga reüssierte De Bruyne. Nach anderthalb Jahren beim VfL Wolfsburg wurde er zu Deutschlands Fußballer des Jahres gewählt."



    Es gibt auch Merkmale der Außerordentlichkeit einer Spielerpersönlichkeit.



    Es sind die Privilegien:



    Bei stern.de 2015



    "Ausgerechnet gegen Dortmund. Die Westfalen hatten 2013 alle Hebel in Bewegung gesetzt, um De Bruyne zu verpflichten. Viel hat nicht gefehlt. Wurde das Pokalfinale dadurch noch etwas delikater? "Nö", antwortet er mit tiefer Stimme, die voller klingt, als man es bei einem Mann Anfang 20 erwartete. Er sitzt im ersten Stock der Geschäftsstelle seines Vereins, im lässigen Trainingsanzug zu weißen Basketball­stiefeln. "Es ist manchmal so, dass man Ver­eine hat, die interessiert sind. Für mich ist das Spiel deshalb aber nichts Besonderes", fährt er in sehr gutem Deutsch fort. Er klingt, als referiere er über einen Geschäftsvorgang.



    Bloß kein Risiko



    Er ist nicht unhöflich, und doch umgibt ihn eher stiller Zweifel als Zugewandtheit. Er mag sich nicht vereinnahmen lassen. Fragen zu seiner Karriere beantwortet er meist knapp: Spaß am Spiel wolle er haben. Geld bedeute ihm nicht alles. "Sonst wäre ich mit 19 Jahren nach Russland..."😳