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Verbotenes WM-Outfit von HaitiPolitischer Trikottausch

Rico Setz

Kommentar von

Rico Setz

Die Auswahl Haitis erinnert mit ihren Trikots an die Unabhängigkeit des Landes. Der Fifa ist das zu politisch. Jetzt müssen neue Hemden her.

I st das nicht schön? Der kolumbianische Sportartikelhersteller Saeta hat sich beim Trikotdesign der haitianischen Nationalmannschaft richtig ins Zeug gelegt. Das Shirt ist komplett blau. Nur der Kragen und die Ärmelenden sind rot mit weißen Akzenten. Das Logo des Verbandes prangt zentral auf der Brust, zwischen dem Ausrüsterlogo und der Spielernummer. Einfach clean.

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Die taz bei der Fußball-WM

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Beim zweiten Hinsehen fällt ein weiteres Detail auf: Am unteren Ende des Trikots ist eine Illustration eingearbeitet. Fünf Personen sind zu sehen, eine hält eine rot-weiße Flagge in die Luft. Eine Hommage an die Schlacht von Vertières aus dem Jahr 1803, die Haitis Unabhängigkeit sicherte. Das ist nun zum Politikum geworden.

In letzter Sekunde, einen Tag vor Turnierstart und vier Tage vor der ersten Gruppenpartie des haitischen Teams gegen Schottland, grätschte die Fifa dazwischen. Ästhetisch hatte der Verband nichts zu beanstanden. Aber eine „Kriegsszene“, wie die Fifa die Abbildung nennt, habe bei einer friedlichen Fußball-WM nichts zu suchen. Zwar hatte das Team in diesem Trikot schon zwei Vorbereitungsspiele in Florida bestritten, aber da hatten die Funktionäre des Weltverbandes wohl ihre Brillenputztücher in Zürich vergessen.

Die Fifa ist politisch, wenn es der Fifa gerade passt

Das Trikot muss jedenfalls weg. Da hilft auch die Entschuldigung des Herstellers nichts mehr. Das Shirt sei „nicht als politisches Statement“ gedacht gewesen, sondern nur „als Hommage an die Männer und Frauen, die jeden Tag für Haitis Zukunft kämpfen“, so das Unternehmen.

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So ist es recht. Die Haitianer sollten froh sein, dass Fifa-Boss Infantino und die Seinen das Team nicht gleich ganz vom Spielbetrieb ausgeschlossen haben. Die Fifa selbst lebt die Trennung von Sport und Politik nun wahrlich beispielhaft vor, wo immer es möglich ist. Und was war das dann bei der Auslosung der WM-Endrunde im Dezember? Da hatte Infantino einen neu geschaffenen Friedenspreis der Fifa an Donald Trump verliehen.

In den Augen der Fifa-Führung ist so etwas genauso unpolitisch wie die Nähe, die der Weltverband zu autokratischen Regimen wie Saudi-Arabien oder Katar sucht. Wie die Fifa es hingenommen hat, dass der somalische Schiedsrichter Omar Artan nicht in die USA einreisen durfte, das war ja nun wohl wirklich total unpolitisch. Hat sich Artan nicht auch noch beim Weltverband bedankt für alles, was ihm widerfahren ist? Eben.

Also spielt weiter, hier gibt es nichts zu sehen. Nur andere Trikots müsst ihr anziehen.

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15 Kommentare

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  • Ich hatte irgendwo gelesen, dass alle Trikots von der FIFA im Vorfeld abgenommen werden mussten, damit sinnvollerweise bei beiden Teams Trikotsätze zur Verfügung stehen, die auch Farbenblinde unterscheiden können. Da ist das Trikot erfolgreich durch die Prüfung gekommen, und jetzt fällt das einem Funktionär auf? War das zufälligerweise ein Franzose, der sich auf den historischen Schlips getreten fühlt?

  • Immer wieder erstaunlich, wie machtlos die fußballiebende Weltgemeinschaft gegen diese eine korrupte Institution ist, die sich die Sportart gekapert hat und jetzt die Weltfangemeinschaft aussaugt. Was müssen die noch machen, damit es mal zu einem WM-Boykott kommt?!

  • Die FIFA ist eine 100%ig opportunistische Gangsterbande. Ich finde es beschämend, daß man diesem Verein öffentlich rechtliche Gelder in den Rachen schmeißt.

  • Bisschen albern, wenn nebenan gerade 250 Jahre USA gefeiert wird?

  • Ein sehr wichtiger Beitrag zum Weltfrieden.

  • Wie überaus albern und bescheuert. Da hätte auch niemand beim Eröffnungsspiel die mexikanische Hymne mitsingen dürfen ...

    de.wikipedia.org/w..._Nacional_Mexicano

    Und die Marseillaise erst ... :-)

    Aber Vertreter eines kleinen Inselstaates dürfen natürlich nicht, was die Großen dürfen. Oder liegt es daran, dass der Fernsehzuschauer auf den Trikots bei jedem Spielzug Kriegsverherrlichung erkennen kann, bei den martialischen Hymnen aber nicht?

  • Wundert es noch irgendjemanden? Ich könnte nur noch ko….n!



    Übrigens empfehle ich als „ Ersatzfutter“ für alle, die den WM-Hype meiden: „Dear England“ in der Mediathek. Zeigt die Vorkommnisse im Laufe des Sternehungers Englands packend auf.

  • Ja, 1803, das war ja grade gestern. Was ist mit der Flagge der USA, sind da nicht als Sterne Bundesstaaten verewigt, die man sich einfach so gewaltsam einverleibt hat. Also ein hochpolitisches Stück Stoff, sollte während der FIFA Show dringend abgehängt werden.

    • @Axel Schäfer:

      Und dann die Hymne. Die besingt genauso den Krieg wie die französische.

    • @Axel Schäfer:

      Die USA stehen für Kapitalismus und Neokolonialismus. Da ist es in Ordnung, weil es der FIFA Geld in die Kassen spült.

    • @Axel Schäfer:

      Da bin ich sofrt bei!!

      • @Perkele:

        Ich auch!

  • Infantinozirkus 🤮🤢🤮

    • @Willi Müller alias Jupp Schmitz:

      Allerdings ist Zirkus lustig.