DFB-Team gewinnt gegen Elfenbeinküste: Aura von der Bank
Das DFB-Team steht nach dem 2:1-Erfolg gegen die Elfenbeinküste erstmals seit der WM 2014 wieder in der K.-o.-Runde. Deniz Undav ist der umjubelte Mann.
Spiel: Lobenswert ist der Mut der DFB-Elf in der entscheidenden Phase. Der Glaube in die eigenen Stärken war größer als die Angst vor den eigenen Unzulänglichkeiten. Beinahe wäre es in der 88. Minute schiefgegangen. Wie so einige Male zuvor konterte die Elfenbeinküste mit großen Tempovorteilen über den Flügel, und der frei stehende Simon Adingra in der Mitte hätte in der 88. Minute sein Team in Führung schießen können. Zu umständlich nahm er jedoch den Ball an und ließ ihn sich von Leon Goretzka noch nehmen.
Der Ball ist rund und die taz ist ihm dicht auf den Fersen. Unsere Reporterin Alina Schwermer ist auf einem Roadtrip (meist) per Bus und berichtet in Reportagen und in ihrem Blog – manchmal auch aus den Stadien, aber noch viel öfter über alles drumherum. Alle Spiele werden von ausgeschlafenen tazler:innen für Sie hier in „Alle Spiele“ kurz zusammengefasst. Dann gibt es das ganz geheime Tagebuch von Fifa-Dingsbums Gianni Infantino. Und alles andere rund um die WM finden Sie hier.
Weiter in Risiko ging die deutsche Elf mit den von der Bank gekommenen frischen Kräften, die das deutsche Spiel ein wenig direkter und geradliniger werden ließen. Deniz Undav bewies seine überragenden Torjägerqualitäten. Beim Ausgleich wurde er vom ebenfalls eingewechselten Nadiem Amiri wunderbar bedient, nicht minder schön dann beim Führungstreffer vom auffälligsten Deutschen Felix Nmecha.
Es war also einiges Glück im deutschen Spiel sowie Willen, Mentalität und Schwung zu rechten Zeit. Aus diesen Zutaten hat schon so manche DFB-Elf gute Ergebnisse bei Weltmeisterschaften erzielt. Und zu bedenken ist: Florian Wirtz blieb weit hinter seinen Möglichkeiten zurück, bei Jamal Musiala ist das nach seiner schweren Verletzung ja schon länger so. Hier könnten noch wichtige Potenziale gehoben werden. Sollte weiter so luftig verteidigt werden, wäre das zwingend notwendig.
Aura: Deniz Undav wird zum Einwechselschreck für die DFB-Gegner. Wie schon gegen Curaçao ersetzte er Jamal Musiala und traf. Gegen die Elfenbeinküste sogar zweifach. Und beide Treffer waren höchst anspruchsvoll. Die meistdiskutierte Frage der nächsten Tage wird nun sein, ob die Aura nicht verfliegt, wenn Undav in der Startelf steht. Julian Nagelsmann scheint ein Anhänger dieser These zu sein.
Stimmungsbarometer: Hätte nach Schlusspfiff kaum höher ausschlagen können. Wegen des Führungstreffers in der Nachspielzeit freuten sich die DFB-Kicker wie die Weltmeister. Nach der ersten Euphorie dürfte jedoch der Umstand, dass Nico Schlotterbeck wegen einer Verletzung zur Halbzeitpause ausgewechselt werden musste, ernüchternd wirken.
Der taz Fifa-Friedenspreis: Nicht einmal hat Schiedsrichter Juan Gabriel Benítez aus Paraguay eine Gelbe oder Rote Karte gezeigt. Gründe dafür hätte man bei der robusten Zweikampfführung im Spiel durchaus finden können. Der sanftmütige Benítez brachte es aber nicht übers Herz, irgendeinen Spieler zu maßregeln.
Titelreife: Nun ja, die K.-o-Runde ist ja immerhin schon einmal sicher erreicht. Wann den Deutschen das zum letzten Mal gelungen ist? 2014 in Brasilien, als das Team im Finale gegen Argentinien Weltmeister wurde. Statistisch liest sich das gut. Und wer wüsste es nicht: Mit fast jeder Statistik kann man lügen.
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