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Rekordtorjäger Lionel MessiDer Fuß Gottes

Durch sein 2:0 gegen Österreich ist Messi nun alleiniger WM-Rekordtorschütze. Laut Österreichs Trainer Rangnick war der erste Treffer nicht regulär.

Aus Arlington

Maik Rosner

Die Heldenverehrung für Lionel Messi erreichte direkt nach dem Abpfiff das nächste Level. Ekstatisch jubelte das Publikum, als Argentiniens Kapitän nach seinen tatsächlich historischen WM-Toren 17 und 18 lachend und winkend Auszug hielt aus der Arena von Arlington bei Dallas. Auch Österreichs deutscher Trainer Ralf Rangnick stimmte ein in die Lobpreisungen für Messi, der mit seinen beiden Treffern beim 2:0(1:0)-Sieg zum alleinigen WM-Rekordtorschützen aufgestiegen war.

Insgesamt 18 WM-Tore hat Messi nun bei seinen sechs Weltturnieren angehäuft, zwei mehr als der frühere deutsche Nationalspieler Miroslav Klose. Allein in den zwei Spielen bei der aktuellen WM hat Messi bereits fünf Tore erzielt. „Das war uns vorher schon klar, dass Lionel Messi der beste Spieler der Welt ist“, sagte Rangnick.

An diesem Mittwoch feiert Messi seinen 39. Geburtstag. Bemerkbar gemacht hat sich sein Alter bislang aber nicht wirklich, wenngleich er nach dem vorzeitigen Einzug ins Sechzehntelfinale angab, erschöpft zu sein. „Ich bin natürlich sehr froh, dass ich das alles erreicht habe“, sagte Messi, „ich genieße einfach den Moment.“

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Dass er zunächst einen Foulelfmeter ziemlich kläglich neben das Tor geschossen hatte und von den Österreichern phasenweise gut kontrolliert worden war, aber dennoch der Hauptdarsteller wurde, zeige seine herausragende Qualität, befand Rangnick: „Deswegen ist er Messi, dass er nicht so viele Situationen braucht, um so sein Spiel trotzdem zu entscheiden.“

Rangnick erzürnt

Zugleich verwies er mehrfach auf jene Szene, die Messis erstem Tor vorausgegangen war. Wie vor dem besagten Elfmeter hätte sich Rangnick ein Einschreiten des VAR gewünscht. Dann hätte der Schiedsrichter Amin Omar „gesehen, was jeder von uns auf der Bank gesehen hat: Nämlich, dass es ein klares Foul an Xaver Schlager war“, sagte er. Gemeint war der Ballgewinn zu Beginn des Konters, als Alexis Mac Allister dem Österreicher wohl von hinten in die Fersen getreten hatte.

Rangnick erzürnte der Verzicht auf ein Eingreifen des VAR so sehr, dass er sein Missfallen noch ein zweites Mal ungefragt vortrug. Er könne das „nicht verstehen“, sagte er. Seine Mannschaft hatte gegen den Titelverteidiger zwar gut dagegengehalten, aber zu selten für Torgefahr gesorgt. Die Chancen aufs Weiterkommen stehen dennoch gut, zumal Österreich erst ganz am Ende der Gruppenphase gegen Algerien antreten muss. „Es ist sicherlich von Vorteil, dass wir das allerletzte Spiel haben, weil wir dann wissen, was für ein Ergebnis wir brauchen“, sagte Rangnick.

Es passte zum 40. Jahrestag von Diego Maradonas Tor mit der berühmten Hand Gottes und seinem anschließenden Sololauf zum Jahrhunderttor, dass nun auch Messis WM-Rekordtreffer eine Debatte nach sich zog, ob dieser regulär war. Zwar hatte sich Argentiniens aktuelle Nummer 10 im Gegensatz zum verstorbenen Idol nichts zuschulden kommen lassen, dafür aber wohl sein Teamkollege.

Weil die Szene in den TV-Bildern jedoch nur aus größerer Entfernung gezeigt wurde, ließ sie keine eindeutige Bewertung zu. Umso deutlicher war aber zu sehen, wie sich Schlager direkt nach dem Zweikampf auf dem Boden krümmte. Ob die Szene überprüft worden war vom VAR, blieb unklar. Schlagers Interpretation der Szene war jedenfalls unzweifelhaft. Gegenüber dem Vierten Offiziellen deutete er mit einer Geste an, dass ihm Mac Allister mit dem Tritt von hinten die Beine wegzogen habe.

Nur fast wie Maradona

Die diffusen Umstände von Messis WM-Rekordtor erinnerten auch deshalb an die WM 1986, weil die damals noch nicht so brillante Bildqualität zunächst leichte Zweifel zuließ, ob Maradona den Ball bei seinem ersten Tor im Viertelfinale gegen England tatsächlich mit der Hand gespielt hatte. „Es war ein bisschen Maradonas Kopf und ein bisschen die Hand Gottes“, gab Maradona damals an und trug so zur Legendenbildung bei.

Wenn man so will, hatte das Publikum nun bei Messis Tor den Fuß Gottes erlebt. Der Spielzug nach dem umstrittenen Ballgewinn durch Mac Allister war auf jeden Fall himmlisch. Thiago Almada hatte Facundo Medina links mitgenommen. Der Linksverteidiger passte direkt wieder in die Mitte, wo Almada den Ball für Messi durchließ, der ebenfalls direkt mit links flach ins untere linke Eck vollendete.

Messis Verehrung wird durch dieses Tor weiter zunehmen, wenngleich er an Maradonas Heiligenstatus in Argentinien wohl nie herankommen wird. Maradonas Geschichte mit seiner Herkunft aus ärmlichen Verhältnissen berührt die Herzen schlicht mehr als Messis, der mit 13 Jahren bereits zum FC Barcelona kam. Und der auch dank der Gabe von Wachstumshormonen zum achtmaligen Weltfußballer und nun zum WM-Rekordtorschützen aufsteigen konnte. Wie gut er noch immer ist, hat er bei dieser WM längst gezeigt. Nicht nur mit seinen Rekordtoren.

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