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Wahl zum UN-SicherheitsratTiefschlag für Merz

Anna Lehmann

Kommentar von

Anna Lehmann

Deutschlands Niederlage bei den Vereinten Nationen zeigt: Die Bundesregierung muss daran arbeiten, die eigene Glaubwürdigkeit wieder herzustellen.

D eutschland hat alles gegeben – von Gummibärchen über Picknickdecken bis zur diplomatischen Druckbetankung durch Außenminister Johann Wadephul. Es hat nicht gereicht. Bei der Abstimmung über einen nichtständigen Sitz im Sicherheitsrat entschied sich die Welt gleich im ersten Wahlgang für Österreich statt für Deutschland. Die Nummer 3 der Weltrangliste der mächtigen Volkswirtschaften muss sich der Nummer 29 geschlagen geben.

Puh, dass muss sich für Kanzler Friedrich Merz, der selbstbewusst eine neue deutsche Führungsrolle in der Welt und einiges mehr ankündigte, wie ein Foul im Strafraum anfühlen. Selber schuld, kann man sagen. Gerade arabische und afrikanische Staaten kritisierten im Vorfeld nicht zu Unrecht Deutschlands doppelte Standards mit Blick auf Nahost und die Menschenrechtsverbrechen der israelischen Armee im Gazastreifen. Und Floskeln wie, die Situation sei eben komplex, als die USA Anfang des Jahres Venezuelas Präsidenten Nicolás Maduro entführten.

Doch Häme oder gar Achselzucken sind unangebracht. Die UN stecken in der Krise. Zu oft blockieren ständige Mitglieder, allen voran die USA und Russland, den Sicherheitsrat, weil sie ihre Eigeninteressen bedroht sehen. Ohnehin halten beide Länder aktuell das Völkerrecht für verzichtbar und den Multilateralismus für woken Mist. Gerade jetzt ist es wichtig, dass die auf zwei Jahre gewählten nichtständigen Mitglieder ein Gegengewicht bilden und den Gründungsgedanken der UN hochhalten: das Selbstbestimmungsrecht der Völker, friedliche Konfliktlösungen, internationale Zusammenarbeit.

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Aus einem Rückschlag kann man lernen

Deutschland ist mit dem Anspruch angetreten, den Werten der UN und dem Multilateralismus wieder mehr Geltung zu verschaffen, hat mit dem Motto Respekt, Gerechtigkeit und Frieden für sich geworben. Klar kann sich ein wirtschaftlich starkes Land wie Deutschland, einer der größten Beitragszahler, hier eher Gehör verschaffen als ein kleines Land mit weniger Ressourcen.

Die Niederlage ist ein Rückschlag, heißt aber nicht, dass Deutschlands Ruf in der Welt nun allein an der DFB-Elf hängt. Der Sicherheitsrat ist die wichtigste, aber nur eine von mehreren Institutionen der UN, und Deutschland ist in vielen sehr aktiv. Um sein Gewicht und den internationalen Einfluss zu stärken, könnte Deutschland etwa stärker die Lücken kompensieren, die mit dem Rückzug der USA entstanden sind, etwa aus der Entwicklungszusammenarbeit.

Und natürlich kann Deutschland sich in zwei Jahren erneut bewerben. Dann wäre es aber wichtig, die eigene Glaubwürdigkeit im Vorfeld zu stärken. Wegducken gilt nicht mehr!

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Anna Lehmann

Anna Lehmann Leiterin Parlamentsbüro

Schwerpunkte SPD und Kanzleramt sowie Innenpolitik und Bildung. Leitete bis Februar 2022 gemeinschaftlich das Inlandsressort der taz und kümmerte sich um die Linkspartei. "Zur Elite bitte hier entlang: Kaderschmieden und Eliteschulen von heute" erschien 2016.
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77 Kommentare

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  • Ich halte den Sitz im UN-Sicherheitsrat nicht für notwendig. Deutschland erhebt viel zu häufig den moralischen Zeigefinger und tut so, als wäre die vertretene Meinung die einzig gültige. Wenn jetzt mal der Platz auf der Zuschauerbank einzunehmen ist, ist das auch gut so.

    Das typische an echten Wahlen ist halt, dass sie auch verloren gehen können.

  • Das Herangehen von Merz, Wadephuhl & Co. bei diesem Thema zeigt doch wieder einmal deren Unwilligkeit, sich mal selbst zu reflektieren.

  • Unabhängig von vom teilweise unsäglich überheblichen und moralisierenden Auftreten der Außenminister/Innen Maas, Baerbock und Wadepuhl mit ihren doppelten Standards, kommt nüchtern betrachtet hinzu, dass es auf zwei frei werdende Plätze im Sicherheitsrat bereits zwei Bewerber gab. Die deutsche Politik hat sich dann Jahre später mit kaum verhohlener Großmannssucht dazwischen gedrängt, um einen der bisherigen Bewerber rauszukegeln. Und das bei eigentlich engen europäischen Verbündeten. Diese Art von "Diplomatie" könnte von Trump abgeschaut sein.

  • Die Analyse für alles, was in Deutschland schief läuft, ist doch



    einfach: Merz ( der Autokrat )st Schuld.

  • Ich finde es ausgesprochen traurig, wie nationalistisch die Diskussion hier geführt wird. Die UN ist eine grandiose Institution, die immer dann scheitert, wenn nationale Interessen dominieren. Jeder Euro, den wir in die UN einzahlen, rentiert sich hundertfach. Denn unser Militärbudget können wir nur dann so gering halten, wenn so eine friedensstiftende Organisation wie die UN existiert. Ich will jetzt nicht behaupten, dass nach Auflösen der UN direkt ein 3. Weltkriek ausbricht, aber je mehr Macht die UN hat, um so sicherer ist diese Welt

    • @Algernoon:

      Das ist genau richtig. Man MUSS es so sehen, alles andere ist inakzeptabel.

    • @Algernoon:

      Und da quasi stets und ständig nationale Interessen dominieren, rüsten wir gerade auf, weil sich eben nicht viel rentiert hat.

  • Wenn die geplatzte Wahl zum Bundesverfassungsgericht und das Stopfen von Lücken im Bundeshaushalt wirklich der Grund waren, weshalb der Bundeskanzler im Sommer letzten Jahres innenpolitisch unabkömmlich war und nicht nach New York reisen konnte - wie folgender Link nahelegt www.tagesschau.de/...bewerbung-100.html -, dann kann er sich dafür auch bei seiner eigenen Bundestagsfraktion bedanken.



    Das kommt davon, wenn einem rechter Kulturkampf und das Verhindern unliebsamer Verfassingsrichterinnen im eigenen Land wichtiger sind als die aussenpolitische Reputation Deutschlands.



    Und natürlich der Schutz einer rechtsgerichteten kriminellen Vereinigung in Israel. Aber das haben andere Foristen hier ja schon ausführlich erwähnt.

  • Seitdem Saudi-Arabien (extreme ungleichbehandlung von Frauen, Todesstrafe für Homosexuelle) den Sitz des Menschenrechtsrats der UN innehatte, tue ich mich eh schwer damit, diese Institution ernst zu nehmen.

    • @Sybille Bergi:

      So geht es mir auch. Weiterhin ist zu bemerken, dass Merz sich auch diese Mitgliedschaft anders vorgestellt haben wird.

  • Das Ergebnis ist meiner Meinung nach nicht überraschend. Jüdisches und/oder israelisches Leben schützen zu wollen, ist in der UN mittlerweile, von Ausnahmen abgesehen, ein Alleinstellungsmerkmal. Somit ziehe ich es vor, dass Deutschland diesen Sitz nicht erhielt. Gut fände ich allerdings, wenn wir auch unsere Zahlungen an die UN und deren Unterorganisationen reduzieren würden.

    • @*Sabine*:

      Eine finanzielle Erpressung findest Du gut? Es ist das typische Muster, wer Geld hat, hat Macht. Genau das will die Zivilisation überwinden - sonst ist es Barbarei.

      • @Perkele:

        Nicht mitreden dürfen aber bezahlen sollen ist auch nicht das gelbe vom Ei. Der wirklich praktische Nutzen des UN-Sicherheitsrates wird mir immer unergründlicher, dabei macht er vom Grundsatz her Sinn.

    • @*Sabine*:

      Sollten wir dann lieber Trumps "Friedensrat" beitreten?



      Ich hoffe, die deutsche Position ist in Zukunft, dass man israelisches und palestinänsisches und libanesisches Leben gleichermaßen schützen möchte - genau so wie von das von Angehörigen aller weiterer Nationalitäten.

  • Das kommt davon, wenn man luschig, feige, rückgratlos agiert. Mit zweierlei Maß zu messen, das kann nicht zu Erfolg führen. Doch das ist typisch für diese Regierung, das macht sie innenpolitisch genauso wie in der Außenpolitik.

    • @Perkele:

      Ich lese bei Ihnen und ganz oft in diesem Zusammenhang von diesem "zweierlei Maß". "Zweierlei Maß" ist die Währung der Realpolitik, die die Interessen des eigenen Staates fokussiert. Die Länder des "globalen Südens" messen auch nicht anders. Auch ich hätte an deren Stelle, wenn ich die Wahl habe, Portugal und Österreich in den Sicherheitsrat gewählt, und nicht das immer noch (wenn auch absteigend) starke Ditschl.



      Für die dt. Niederlage gibt es daneben noch andere Gründe, etwa das mangelnde Engagement des Kanzlers.



      Hr. Wadephul hat im Vorfeld der Wahl mit dem Argument geworben, D würde anders als andere Länder außenpolitisch weniger eigeninteressengeleitet agieren. Das stimmt sogar und hat hist. Gründe. Vielleicht sollte die dt. Politik da nachjustieren. Das gute alte Mittel der "Scheckbuchdiplomatie" lässt in seiner Wirkung ja auch nach.



      Vielleicht sollte Frau Baerbock zukünftig wieder eine wichtigere Rolle in der dt. Außenpolitik spielen, mit ihrer Erfahrung im Bereich "Eigeninteresse". Hr. Ischinger, mutmaßlich einer unser gut vernetzten Diplomaten, hat die Art, wie Frau Baerbock sich ihr aktuelles Amt "geschnappt" (OT) hat, mit für die dt. Niederlage verantwortlich gemacht.

      • @Vigoleis:

        Zweierlei Maß ist unredlich. Entweder urteile ich auf einer bestimmten Grundlage - aber bitte konsequent. Wenn ich hier verurteile und dort "übersehe" dann ist das falsch, verlogen. Es wird auch nicht besser dadurch, dass andere es ja auch machen, das ist "Whataboutismus". Das gilt umso mehr, als wir uns allenthalben bestimmter "Werte" selbst beweihräuchern - ist ja auch bequem. . .

  • Wenn viele arabische und afrikanische Staaten uns die Unterstützung verweigern, so sehe ich dies eher als Bestätigung. Zahllose Menschen flüchten aus diesen Ländern zu uns und deren Gesellschaftsmodelle stehen der unsrigen oft fundamental entgegen. Ich sehe es nicht als Bestätigung, wenn Algerien oder der Iran uns voller Lob unterstützen.

    • @Puky:

      Wozu Völkerverständigung, wenn man sich mit so tollen Waffen gegenseitig auslöschen kann

    • @Puky:

      Guter Punkt!

  • Tjoa. Der Moralapostel der Welt zu sein, zieht halt nicht so beim Rest... 😬

    • @Hannes Petersen:

      Sie meinen: Doppelmoralapostel, oder?

      • @EffeJoSiebenZwo:

        Joo. Sorry. Ich vergaß. 😜

  • Unabhängig von den guten Gründen, aus denen Deutschland nicht gewählt wurde: Die Kübel voll Häme, die ein Merz oder Söder ausgeschüttet hätten, wäre dies unter der Ampel passiert, möchte ich mir gar nicht vorstellen.

    • @Flix:

      Auch wieder wahr.

  • "Gerade arabische und afrikanische Staaten kritisierten im Vorfeld nicht zu Unrecht Deutschlands doppelte Standards mit Blick auf Nahost und die Menschenrechtsverbrechen der israelischen Armee im Gazastreifen."

    Ja, wo doch Israel als Sündenbock so gut die Welt vor den Verbrechen im eigenen Land ablenken kann:

    In der UN sitzen Staaten, denen internationale Organisationen schwere Menschenrechtsverletzungen vorwerfen. Beispiele sind Saudi-Arabien mit Einschränkungen der Meinungsfreiheit und Hinrichtungen, Iran wegen der Unterdrückung von Protesten und zahlreicher Exekutionen, Syrien wegen Folter und Angriffen auf Zivilisten sowie Ägypten wegen Massenverhaftungen von Oppositionellen. In Afrika stehen etwa Eritrea wegen politischer Repression und fehlender Pressefreiheit sowie Sudan wegen Kriegsverbrechen im Bürgerkrieg in der Kritik. Dennoch besitzen diese Staaten in der UN das gleiche Stimmrecht wie Demokratien.

    Von diesen Ländern NICHT gewählt zu werden, adelt eher Deutschland. Ich bin mir sicher, wenn der Antisemitismus in Deutschland weiter so beängstigend steigt sind wir beim nächsten Mal wieder dabei. Also ruhig Blut *Ironie Ende*

    • @Pawel_ko:

      "In der UN sitzen Staaten, denen internationale Organisationen schwere Menschenrechtsverletzungen vorwerfen."



      Natürlich nennen Sie als Beispiel die üblichen Verdächtigen und setzen die Demokratien als Gegenbeispiel.



      Was unredlich ist. Vor allem, da die Urteile dieser "internationalen Organisationen" ja immer nur dann herangezogen werden, wenn Sie einem gerade ins ideologische Korsett passen. Dass diese Organisationen auch die USA und Israel heftig kritisieren ist dann natürlich immer einer große Verschwörung..

  • Österreichs nach rechts tendierende Regierung ist im Vergleich zu Deutschland mit Sicherheit kein Erfolg im Sinne der UN-Mitglieder des Sicherheitsrats.



    Dennoch ist dies für Deutschland erneut ein wichtiger Hinweis darauf, dass es lernen muss, im Umgang mit Menschenrechten – insbesondere im Nahen Osten – konsequenter und frei von doppelten Standards zu handeln.



    Es sollte langsam damit aufgehört werden, nach dem Motto zu argumentieren: „Wenn wir über Israel sprechen, sprechen wir über uns selbst.“

    • @Okay:

      Das ist gut analysiert!

    • @Okay:

      Dass Trump, Putin oder Xi sich viel daraus machen, ob Deutschlands oder Österreichs rechtsgerichtete Regierung im blockierten Sicherheitsrat sitzt, wage ich stark zu bezweifeln.

  • Mehr FPÖ wagen, dann klappts auch mit dem Sitz im Sicherheitsrat (Ironie)

    • @Simon Hacker:

      Innenpolitisch sind wir da ja voll auf Kurs.

  • Arrogante Großmäuligkeit (Europas größte Armee für Deutschland, von Deutschland dominierte Weltmacht Europa, "Nummer 3 der Weltrangliste der mächtigen Volkswirtschaften" usw.), mag zwar bei deutschen Journalisten prima ankommen, jedoch kaum anderswo. Zur Erinnerung: Gegründet wurde die UNO als Allianz der Kriegsgegner Deutschland und Japan. Dass die beiden später dennoch in die UNO aufgenommen wurden, war eine großzügige Geste. Dazu passt das geschichtsvergessene Auftreten der heutigen deutschen Regierung denkbar schlecht.

    • @Rudi Lipp:

      Glauben Sie wirklich, dass Länder in Afrika interessiert, dass Merz die größte Armee Europas haben will?

      Ist ja nicht so das Russland dort keine Sympathien kriegen würde.

      Fehlender Pazifismus scheint eher nicht der Grund zu sein.

    • @Rudi Lipp:

      Gegründet wurde die UNO am 26. Juni '45. Es gab zu der Zeit kein Deutschland.

  • Das sind dieselben Staaten, die ständig Israel verurteilen, aber gnädig über andere Menschenrechtsverletzungen hinwegsehen, die nun Deutschland wegen "doppelter Standards" kritisieren. Die UN sind schon lange tot.

    • @PeterArt:

      Es stellt sich mittlerweile sogar die Trump-Regierung gegen das Vorgehen der Nethanjahu-Regierung.

    • @PeterArt:

      Dem ist so. Stellt sich die Frage, ob die UN mit der seltsamen Konstruktion von 5 Vetomächten überhaupt je lebendig war

  • Kein Problem, wir zahlen dann einfach auch weniger ein. Rußland, China und Österreich werden das schon ausgleichen. LOL.

  • 'Österreich und Portugal reichten ihre Bewerbungen deutlich früher ein; Deutschland entschied sich erst Ende 2024' ......... war in einem

    früheren Taz Artikel zu lesen. Wenn ich da so drüber nachdenke, heißt das doch wohl auch , dass die Ampelregierung bzw. deren Außenministerium unter der Führung von Frau Baerbock da nicht ganz unschuldig ist. Insofern ist es ziemlich scheinheilig, dem Bundeskanzler hier als den allein schuldigen und krachenden Verlierer darzustellen.

    • @B. Trübt:

      Lt. Tagesschau stammt die Bewerbung Deutschlands aus 2020, ist also kaum der Ampel anzulasten. 2024 ohne Quellenangabe ist dann wohl Fake-News.

    • @B. Trübt:

      Ja, dieser Gedanke drängt sich auf. Und da die feministische Außenpolitikerin aktuell die Generalsekretärin ist, könnte man auch auf den Gedanken kommen, dass man mit ihrer Arbeit dort eventuell garnicht so zufrieden ist

      • @Samvim:

        Ich meinte natürlich Präsidentin der Generalversammlung der UN. Sorry Antonio

      • @Samvim:

        Generalsekretärin? Habe ich was verpasst?

  • Ich begrüße dieses Ergebnis.



    Sowohl Wadephul als auch Merz haben international Porzellan zerschlagen, statt diplomatisch zu agieren.



    Die Unterstützung der Beiden für trump und seine Angriffe auf den Iran waren unnötig.



    Klappe halten wäre immerhin diplomatisch gewesen.



    Das kommt für den Möchtegernkanzler und den Möchtegern Verteidigungsminister aber natürlich nicht infrage.



    Wadephul erwähnte tatsächlich, dass er über persönliche Konsequenzen nachgedacht habe, dann hat er sich allerdings selbst die Absolution erteilt.



    Es ist richtig, dass diese Außenpolitik abgestraft wird.



    Die Argumente der besonderen Stellung zu Israel sind hohl.



    Es ist ungenügend, das Vorgehen Israels im Libanon nicht deutlich zu kritisieren und hier von "Selbstverteidigung" zu sprechen.



    Dass Merz ins Plaudern geriet und trump im Bezug auf Iran plötzlich kritisierte zeigt seine Unbedarftheit.



    Dass nun tausende US Soldaten abgezogen werden, will die Union als zusammenhanglos erkennen.



    Merz ist viel durch die Welt gejettet, das Ergebnis ist deutlich: "Null"!

  • Eine gute Gelegenheit, sich auf die Probleme in der Heimat zu konzentrieren.



    Ganz ohne Häme.

  • Peinlich ist es vor allem, auf offener Bühne gegen Portugal und Österreich zu verlieren…ein schlechtes Zeugnis für die Diplomat*innen des Auswärtigen Amtes und den Außenminister. Das hätte im Vorfeld eruiert werden müssen und dann hätte es gar keine Kandidatur geben dürfen. So ist es Wasser auf die Mühlen derer, die Deutschlands Engagement in der Welt, ob humanitär oder wirtschaftsfördernd, als Geldverschwendung angreifen und einstampfen wollen.



    Überraschend ist das Ergebnis nicht. Es ist wahrscheinlich, dass es schwierig bleibt, solange Merz Kanzler ist. Das “Drecksarbeitszitat” werden sich viele kleine Staaten sicher lange merken. Hinzu kommt angesichts der Politik der israelischen Regierung dann noch das besondere Verhältnis zu Israel.



    Schade…so ist Schaden entstanden, der ziemlich leicht zu vermeiden gewesen wäre…

  • Die meisten, um nicht zu sagen, fast alle Länder des "globalen Südens" haben ein, sagen wir, zwiespältiges Verhältnis zu Demokratie und Rechtsstaatlichkeit in den "eigenen vier Wänden" (s. dazu z.B. den "Demokratieindex" in der Wikipedia u.v.m.). Dass diese dann, z.B. in Form dieser Abstimmung, eine Belehrung zum Thema "universelle Menschenrechte" erteilen möchte, ist eher eine Farce. Wir danken herzlich.



    Selbstverständlich würde ich als Dritt-Welt-Land auch eher das kleine Portugal oder das Nicht-Nato-Mitglied Österreich in das Gremium wählen. Von denen sind natürlich weniger Ratschläge im Falle eigenen Fehlverhaltens zu erwarten. Und wenn doch, wen kümmert es?



    Und Deutschland als zweitgrößter Financier der UN wird auch weiterhin fleißig zahlen und nicht wie die USA im Fall fehlenden Wohlverhaltens wenigstens an diese Petitesse einmal erinnern.

  • "Gerade arabische und afrikanische Staaten kritisierten im Vorfeld nicht zu Unrecht Deutschlands doppelte Standards..." von wie viel Realitätsferne zeugt es eigentlich, wenn man sich derartig in der Welt positioniert und dann erwartet, sich gar wundert, nicht gewählt zu werden?



    Kann man ja alles (und alle) doof finden, aber dass die Welt auf die Geschehnisse in Israel, Venezuela, Iran häufig anders blickt, D sich hinter den USA versteckt , dabei die eigene Moral über Bord wirft und dass zusätzlich ein Kanzler noch ganz aktiv, durch ungeschickte Rhetorik einen Gastgeber wie Brasilien gegen sich aufbringt... wird eben doch von außen bemerkt.



    Umgekehrt wird vielleicht eher ein Schuh draus, es wäre verwunderlich, dass eben jene D gewählt hätten....

  • Die These, Deutschland sei für die Solidarität mit Israel abgestraft worden, wird nun begeistert breitgetreten.



    Dass das Quatsch ist, kann man schon daran erkennen, dass mit Österreich und Portugal zwei Staaten mit enger Verbindung zu Israel gewählt wurden.

    • @C. Avestruz:

      Ja, es passt aber zum israelischen Opfernarrativ bzw. in diesem Fall dem der deutschen Israel-Lobbyisten . Um Gottes Willen niemals Verantwortung für das eigene Handeln übernehmen und wenn, dann die Schuld anderen zuzuschieben, die einen schließlich zu diesen Schritten genötigt hätten..

    • @C. Avestruz:

      Ihrem ersten Absatz würde ich zustimmen, der Begründung weniger. Portugal hat als eines der wenigen EU-Staaten die Entität Palästina als "Staat" anerkannt. Österreich verfolgt im Nahostkomplex eher eine der dt. vergleichbare Linie.



      Die Gründe für die dt. Niederlage sind vielfältig. Die dt. Haltung zu Israel ist dagegen hinlänglich bekannt gewesen und hat sich aus guten hist. Gründen seit vielen Jahren nicht geändert.

  • Scheitern als Chance, tät ich mal sagen. Das werden die Nagelsmänner&Frauen bald auch merken. Viel Freude beim Hinterhersehen und -winken. Grüße aus Erfurt

  • Wer hier hämisch kommentiert, hat wirklich GAR NICHTS verstanden. Die nächste Nationalratswahl in Österreich ist zwar offiziell erst 2029, ein Blick in die jüngere Geschichte macht aber deutlich, wie instabil die aktuellen Regierungen sind. Ich tippe auf Neuwahlen, spätestens im nächsten Jahr, und dann wird dort die FPÖ mir großer Mehrheit regieren. Dagegen wirkt Merz und seine CDU dann auch für TAZ-Leser wie ein Klon von Kevin Kühnert. Also, wie gesagt: Nicht zu viel Häme und Spott über der Regierung ausschütten, Österreich ist mit seiner nichtexistenten Außenpolitik und komplett fehlender Haltung ein Geschenk für einige Länder im Sicherheitsrat...

  • Ich als Ossi könnte den meistens aus der Alt-BRD stammenden Politikern sehr ans Herz legen, sich doch bitte nicht auch in der übrigen Welt so zu benehmen, wie es uns Zonisten gegenüber nach BRD-Beitritt gang und gäbe war. Nicht jeder möchte belehrt und darüber informiert werden, was gut und richtig ist und wo der moralische Kompass (gefälligst) zu hängen hat. Wahrscheinlich lässt man in China auch nicht Außenminister*innen von Österreich und Portugal auf dem Rollfeld stehen, warum wohl.... meine Liste von Verbesserungsvorschlägen hinsichtlich Benimmregeln wäre das ziemlich lang.

    • @Leningrad:

      Die belehren alles und jeden. Nicht nur die Ossis, auch die Wessis.



      Scheint wohl eine deutsche Krankheit zu sein.



      Man weiss sogar besser, was sterbende Wale wollen, als das betroffene Tier selbst.

  • >Die UN stecken in der Krise. Zu oft blockieren ständige Mitglieder, allen voran die USA und Russland, den Sicherheitsrat.<

    Völlige Fehleinschätzung. Es ist conditio sine qua non der UN, dass die Mitgliedsstaaten ungleich sind. Fünf Atommächte haben ein Veto-Recht weil sie sonst nicht beigetreten wären. Die UN ist damit keine demokratische Institution und wird es auch nie werden.

    >Friedrich Merz, der selbstbewusst eine neue deutsche Führungsrolle in der Welt<

    Lächerlich - weder kann Merz führen noch will irgendjemand von Relevanz - nach den Erfahrungen ein Jahr Merz-Regierung - von ihm geführt werden.

    • @test_name:

      Abgesehen davon das in demokratischen Ländern viele Staatsführer über ein Vetorecht verfügen und dieses Recht für sich keinerlei Aussagekraft hinsichtlich der demokratischen Zustände hat, handelt es sich bei der UN um einen Staatenbund, in dem demokratische Prozesse auf unterschiedlichen Ebenen stattfinden.

      Ein Austauschprozess im multilateralen Rahmen, z. B. in der Generalversammlung, stellt in sich schon einen Beitrag zur Demokratisierung dar. Multilateralismus für sich ist also schon ein Treiber für Demokratie.

      Die UN besteht zudem nicht einzig aus dem Sicherheitsrat. Es gibt eine Vielzahl von Gremien die sich mit globalen Fragen beschäftigen. Von Ernährung über Gesundheit, Handel bis hin zu den Menschenrechten.

      Da zudem nicht nur Demokratien sondern auch Diktaturen der UN angehören, führen derartige Prozesse dann auch schonmal im demokratischen Sinne zu positiven Ergebnissen, wie 2002 als Russland im UNHRC einer Erklärung zustimmte, welche die Wahrung von Menschen-und Grundrechten nur in der Rechtsform der Demokratie gewährleistet sah.

      Ihr schönes Zitat "conditio sine qua non" ist hier also fehl am Platz, besonders in Hinblick auf die Kausalität.

      • @Sam Spade:

        Positive Ergebnisse sind, wenn Russland vor 25 Jahren ein Papier unterschrieben hat.

        Das sagt unversehens so viel mehr über die UN aus als all der ganze andere Fluff.

    • @test_name:

      Von den fünf Atommächten waren zum Zeitpunkt der Gründung der UN vier noch keine und beigetreten sind sie streng genommen auch nicht, sondern haben sie (mit)gegründet. Aber es stimmt: die Struktur des UN-Sicherheitsrat spiegelt die Idee von Ordnungsmächte mit abgesteckten Einflusssphären wider. Demokratisch ist das tatsächlich nicht.

  • Die Welt hat es uns gerade unmissverständlich gezeigt: Das ist der Dank für jahrelange oberlehrerhafte Belehrungen und eine Doppelmoral, die im eigenen Land oft edel daherkam, nach außen aber allzu oft von Eigennutz und Arroganz geprägt war. Wer selbst mit zweierlei Maß misst und andere ungefragt missioniert, darf sich über mangelnde Solidarität und wachsenden Groll nicht wundern. Es wird höchste Zeit, dass wir uns eingestehen: Es muss endlich Schluss sein mit der deutschen Großmannssucht. Der ständige Drang, die Welt zu belehren, verbunden mit einem übersteigerten Selbstbewusstsein, hat unserem Ansehen mehr geschadet als genützt.

    Dabei hätten wir es besser wissen müssen. Deutschland war mal bekannt für Meister der Diplomatie und friedvolles Verhalten – eine Nation, die Brücken baute, statt mit dem Finger auf andere zu zeigen

    • @1 West-Berliner:

      👍👍👍

    • @1 West-Berliner:

      Sie sprechen mir ganz aus dem Herzen!

  • Puh, ich weiß nicht, die Niederlage Deutschlands gegen Österreich abzufeiern, nur weil man Merz nicht leiden kann oder mag...



    In Österreich waren die Rechten schon an der Macht und in Österreich sind sie, im Gegensatz zu Deutschland, bereits vollumfänglich salon- und regierungsfähig. Österreich vertritt im Gegensatz zu Deutschland auch keine offenere Politik gegenüber Geflüchteten.



    Jeder der das abfeiert muss sich schon fragen lassen, feiert er Österreich weil er die Politik Österreichs besser findet als die Deutsche oder feiert er es nur, weil er Merz jeden Misserfolg gönnt...

    • @Astrid Sehnefeld:

      Immerhin hat Österreich sich nicht so geäußert wie Merz es unmissverständlich klar getan hat, dass Israel für uns die "Drecksarbeit" im Iran mache. Und das auch noch klar völkerrechtswidrig. Und Österreich schweigt auch nicht zu Venezuela und Kuba, wie unsere vorübergehende Regierung es vormacht. Wir haben mit unserer Einstellung, mit unseren Äußerungen und besonders mit unserem Schweigen nun wirklich keinen Sitz im Sicherheitsrat verdient. Die Entscheidung der Weltgemeinschaft dazu ist glasklar.

    • @Astrid Sehnefeld:

      Die meisten "feiern", dass das großmannssüchtige, nüscht auf die Reihe bekommende Schland, endlich mal einen Dämpfer bekommen hat und somit nicht die ganze Welt mit moralistisch angehauchtem Besserwissertum überflutet.

      • @Leningrad:

        Fällt Merz bzw die jetzige Regierung durch "moralistisch angehauchtem Besserwissertum" auf?



        Das war doch die Ampel und da explizit die Grünen 🤷



        Merz fällt doch durch ewig gestriges auf, oder?

    • @Astrid Sehnefeld:

      Ich feiere nicht, aber freue mich doch. Weil Österreich zumindest noch halb-neutral ist und nicht gerade verkündet hat, die größte konventionelle Armee Europas aufbauen zu wollen. Und ich sehe den Dämpfer auch als Chance zur Besinnung für Deutschland als absteigende Mittelmacht, sich zunächst mal um die eigenen, inneren und strukturellen Probleme zu kümmern, statt großspurig Weltpolitik zu betreiben.

      • @Kohlrabi:

        Das Argument mit der Armee kann ich verstehen, Österreich wiederum hatte kein Problem weiterhin Energiequellen aus Russland zu beziehen...



        Das ist für mich das andere Extrem bezüglich dieses Themas

        • @Astrid Sehnefeld:

          Ich habe auch KEINE Probleme damit, günstig und jede Menge Energie aus Russland zu beziehen. Unsere Wirtschaft auch nicht. Jedenfalls besser als das dreckige Gas von Donald. Und sicherer als über die Straße von Hormus.



          Alles andere sind Träumereien ...

  • and so what? Die Regierung sollte sich um Deutschland kümmern, und erst wenn das läuft um den Rest der Welt. Man kanns auch anders sehen: Der Rest der Welt sieht dass die Regierung in D nichts auf die Reihe bekommt und die fragen sich natürlich ob die Bundesregierung überhaupt zu irgendwas fähig sind. Sieht nicht so aus, also lieber Portugal und die Ösis. Also erstmal am die eigene Nase fassen. Und Wadephul oder, wie er anderswo genant wird what-a-fool, weckt natürlich genausoviel Vertrauen wie Annalena. nur anders. Was hat Annalena eigentlich vor, nachdem ihr Vertrag ausläuft?

    • @Gerald Müller:

      Interessant, dass Sie von "Annalena" und "Wadephul" sprechen. Warum nicht "Baerbock" und "Johann"?

      • @pumble:

        Was soll jetzt damit ausgedrückt werden?



        "Annalena" tritt bei den Grünen so auf und "Herr Wadephul" tritt bei der CDU so auf. Und weil dem so ist, ist es auch nicht ungewöhnlich es in Kommentaren so anzusprechen.

    • @Gerald Müller:

      Die Partei hat sicher noch einen Posten in petto