Abwanderung aus Deutschland: Auf Wiedersehen
Immer mehr Menschen verlassen Deutschland. Das liegt am Lügenbild, das über diesen unseren Staat verbreitet wird. Und könnte die Stimmung verbessern.
D eutschland ist irgendwie voll Scheiße und so.
Wer an dieser Stelle von seiner Zeitung ein analytischeres Statement oder gar echte Gründe erwartet hätte, dürfte nun eventuell enttäuscht sein. Doch ebendieser diffuse Satz trifft die gleichfalls diffusen Stimmungen, aus denen sich das unbestimmte, düstere Grundrauschen in diesem unserem Lande zusammensetzt, nun mal am besten. Es ist genau dieses Grundrauschen, das vor allem die AfD erst erzeugt und dann verstärkt, um anschließend gekonnt darauf zu surfen wie eine jugendliche Schmeißfliege auf frischem Durchfall.
Nur so ein Gefühl. Damit hat es diese Partei nun geschafft, innerhalb eines Jahres die statistische Nettozuwanderung um fast die Hälfte, nämlich um 45 Prozent, zu verringern. Da sie nicht regiert, brauchte sie dazu natürlich die beflissene Mitarbeit der willfährigen Helferlein in Gestalt fast aller anderen Parteien, insbesondere derer, die heute an der Regierung sind. Ein restriktiver bis ungesetzlicher Umgang mit dem Asylrecht trägt einiges zu dem negativen Zuwanderungssaldo bei, was viele wider jede demografische Vernunft gewiss erfreulich finden – das ist hier schließlich immer noch Deutschland.
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Doch ein Rückgang der Zahl Asylsuchender macht nur einen Teil der Entwicklung aus. Denn man muss nur lange genug betonen, wie schlimm es hier ist, damit unser Arbeitsmarkt auch für eine dringend benötigte, gezielte und qualifizierte Zuwanderung unattraktiv wird. Neben Kälte, Rassismus, Unfreundlichkeit und Sprachbarriere wird den potenziellen Neubürgern klar signalisiert: Bleibt um Himmels willen weg, macht ihr euch bitte nicht auch noch unglücklich!
Vielleicht sollten die Unzufriedenen wirklich alle gehen
Aber auch die steigenden Abwanderungszahlen deutscher Staatsbürger fließen in die Statistik ein. Eine Zeitlang hatte man noch gehofft, dass vor allem in ihrer politischen Kognition Beeinträchtigte in beliebte Musterdemokratien wie Ungarn und Paraguay türmten und sich auf diesem Wege auch die seelisch moralische Binnenatmosphäre in Deutschland erholen könnte.
Doch nun heißen die Hauptzielländer Schweiz, Österreich und Spanien. Das klingt wiederum nach qualifizierter Abwanderung – ein Saldo, der nicht im Interesse unseres Landes sein kann, und ein Ergebnis der oben genannten Stimmungsmache ist. Man hat den Leuten jeden Tag Angst gemacht, alles schlecht geredet, eine verlogene Dystopie konstruiert, und nun gehen nicht selten genau die Leute, die auch die AfD wahrscheinlich gern im Land behalten hätte: gut ausgebildete, furchtsame weiße Normalbürger. Die Stimmung ist am Boden, der fleißige deutsche Angsthase legt seine Eier jetzt woanders.
Man hat ihnen lange genug erzählt, dass es überall sonst besser wäre. Im zurzeit liberalen Spanien mögen sie die Sonne suchen. Doch in Ländern wie der stockkonservativen Schweiz oder dem FPÖ-verseuchten Österreich suchen sie so was wie Sicherheit, Recht und Ordnung, weil man ihnen erzählt hat, dass es das hier nicht mehr gäbe.
Wer noch in typischen Boomer-Netzwerken unterwegs ist und wie bei einem schlimmen Autounfall nicht wegschauen kann, bekommt ein Lügenbild dieses Landes gezeichnet, das mit der Wirklichkeit und der Kriminalstatistik divergiert. Denn es sind wohl weniger die sozialen Verwerfungen, die Sparzwänge, die Bildungsmisere, die unverschämten Mieten, die diese Leute aus dem Land treiben, sondern vor allem die Narrative überbordender Gewalt in den Städten, völligen Zerfalls, nicht enden wollender öffentlicher Geschlechtsumwandlungen, und gendern muss man wahrscheinlich auch noch, sonst wird man getötet, verklagt oder sogar angemeckert.
Vielleicht sollten die Unzufriedenen wirklich alle gehen. Für uns andere gibt es hier doch immerhin auch noch viel Gutes: eine geringe Jugendarbeitslosigkeit im Gegensatz zu Spanien, eine immer noch relativ gute Gesundheitsversorgung im Vergleich zu Irland, dass Rechtsradikale nicht in einem Maße hoffähig sind wie in Österreich, dass ein flexibles System – anders als in der Schweiz – Machtwechsel ermöglicht. Nach dieser Selbstreinigung wird sicher auch die Stimmung besser.
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